Geister der Vergangenheit: Gaslicht - Neue Edition 9 – Mystikroman
Von Vanessa Crawford
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Über dieses E-Book
In dieser neuartigen Romanausgabe beweisen die Autoren erfolgreicher Serien ihr großes Talent. Geschichten von wirklicher Buch-Romanlänge lassen die illustren Welten ihrer Serienhelden zum Leben erwachen. Es sind die Stories, die diese erfahrenen Schriftsteller schon immer erzählen wollten, denn in der längeren Form kommen noch mehr Gefühl und Leidenschaft zur Geltung. Spannung garantiert!
Annie bog nach links ab. Sie hielt sich stets an der rechten Wand und tastete trotz ihrer Fackel immer die Wand ab. Und so blieb sie plötzlich wie angewurzelt stehen, als sie eine dünne Fuge spürte. Hier musste eine Tür sein. Sie leuchtete mit der Fackel die Wand ab. Genau, eine Tür befand sich hier, aber es gab keine Klinke, um sie zu öffnen. Hartnäckig ließ Annie ihre Fingerspitzen über die Wand rechts und links der Tür gleiten, bis sie eine kleine Erhebung spürte. Sie drückte darauf, doch nichts rührte sich. Sie drückte noch einmal, diesmal fester; es gab ein Knacken, dann schwang die Tür nach innen auf und gab den Weg in einen Raum frei, der im hellen Lichtschein lag. Annie schloss geblendet die Augen. »Wie kommt die denn hierher?« rief eine andere Stimme voller Panik. Lady Vivian schrak abrupt aus ihrem Traum auf. Irgend etwas hatte sie geweckt. Lauschend hob sie den Kopf mit dem schweren dunkelroten Haar, das sich wie eine feurige Flut über das Kopfkissen ergoß. Ein unheimliches Stöhnen durchdrang mühelos die alten Mauern von Schloß Droghed, erklang selbst durch die dicken Türen, die die Zimmer seit Jahrhunderten verschlossen. Ein Kettengerassel folgte, ein Wispern und Flüstern erklang, fast wie zärtliche Worte, dann verzweifelte Schreie, gequältes Weinen und leises Murmeln, und doch, so leise die Geräusche scheinbar waren, so dröhnten sie doch im ganzen Schloß, auf jeder Etage, in jedem Raum. Ein eisiger Schauder lief über den schmalen Rücken der Schloßherrin, die seit einiger Zeit verwitwet war. Sie befand sich allein in dem großen Schlafzimmer, das sie früher mit ihrem Mann, dem Earl of Tennington, geteilt hatte. Manchmal fühlte sie sich allein und verloren in dem großen Raum, dessen beherrschendes Element ein riesiges geschnitztes Bett aus dem 16.
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Rezensionen für Geister der Vergangenheit
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Geister der Vergangenheit - Vanessa Crawford
Gaslicht - Neue Edition
– 9 –
Geister der Vergangenheit
Sie verwickeln Lady Vivian in schaurige Gespräche
Vanessa Crawford
Annie bog nach links ab. Sie hielt sich stets an der rechten Wand und tastete trotz ihrer Fackel immer die Wand ab. Und so blieb sie plötzlich wie angewurzelt stehen, als sie eine dünne Fuge spürte. Hier musste eine Tür sein. Sie leuchtete mit der Fackel die Wand ab. Genau, eine Tür befand sich hier, aber es gab keine Klinke, um sie zu öffnen. Hartnäckig ließ Annie ihre Fingerspitzen über die Wand rechts und links der Tür gleiten, bis sie eine kleine Erhebung spürte. Sie drückte darauf, doch nichts rührte sich. Sie drückte noch einmal, diesmal fester; es gab ein Knacken, dann schwang die Tür nach innen auf und gab den Weg in einen Raum frei, der im hellen Lichtschein lag. Annie schloss geblendet die Augen. »Wie kommt die denn hierher?« rief eine andere Stimme voller Panik. Und noch bevor Annie in dem hellen Licht etwas erkennen konnte, wurde ihr etwas Hartes auf den Kopf geschlagen, übergangslos wurde es dunkel um sie, und sie fühlte nicht einmal mehr, wie sie zu Boden fiel …
Lady Vivian schrak abrupt aus ihrem Traum auf. Irgend etwas hatte sie geweckt. Lauschend hob sie den Kopf mit dem schweren dunkelroten Haar, das sich wie eine feurige Flut über das Kopfkissen ergoß. Ein unheimliches Stöhnen durchdrang mühelos die alten Mauern von Schloß Droghed, erklang selbst durch die dicken Türen, die die Zimmer seit Jahrhunderten verschlossen. Ein Kettengerassel folgte, ein Wispern und Flüstern erklang, fast wie zärtliche Worte, dann verzweifelte Schreie, gequältes Weinen und leises Murmeln, und doch, so leise die Geräusche scheinbar waren, so dröhnten sie doch im ganzen Schloß, auf jeder Etage, in jedem Raum.
Ein eisiger Schauder lief über den schmalen Rücken der Schloßherrin, die seit einiger Zeit verwitwet war. Sie befand sich allein in dem großen Schlafzimmer, das sie früher mit ihrem Mann, dem Earl of Tennington, geteilt hatte. Manchmal fühlte sie sich allein und verloren in dem großen Raum, dessen beherrschendes Element ein riesiges geschnitztes Bett aus dem 16. Jahrhundert war. Ein Baldachin, von Samt und Seide gekrönt, überspannte die weichen Matratzen mit der verschwenderisch ausgestatteten Kissen- und Deckenfülle.
Jetzt rasselten schwere Ketten über den Boden, zumindest hörte es sich so an, obwohl Lady Vivian wußte, daß dort draußen niemand war. Seit dem Tod ihres Mannes hatten diese seltsamen Spukerscheinungen an Intensität zugenommen, und schon mehrmals war sie des Nachts aufgestanden und hatte versucht, den oder die Geister zu sehen. Sie war eine vernünftige aufgeklärte Frau, die so leicht vor nichts und niemand Angst hatte. Doch diese Erscheinungen raubten ihr nicht nur den Schlaf, sondern auch ihre Nerven. Auf Dauer konnte das nicht so weitergehen.
Energisch stand die Lady auf, zog ihren seidenen Morgenmantel über und nahm eine Taschenlampe aus der Schublade ihres Nachttischchens. Sie wollte die elektrische Beleuchtung nicht benutzen. Irgendwie hatte sie das Gefühl, sie könnte mit dem schmalen, dünnen Strahl der Taschenlampe nichts ausrichten.
Lady Vivian öffnete die Tür, trat hinaus auf den langen Flur, auf dessen Boden kostbare, lange Läufer lagen, wich der Rüstung von Sir Oliver dem Rächer aus, die blankgeputzt und dekorativ neben der Zimmertür stand, und leuchtete auf den Gang hinaus. Nichts war zu sehen, obwohl das Kettengerassel näherzukommen schien.
»He, du Geist«, rief die Lady in die Dunkelheit. »Komm her und zeig dich, ich will mit dir reden.«
Ein schauerliches Stöhnen folgte auf diese Worte, und ein eiskalter Schauder rann abermals über den Rücken von Lady Vivian. Ihre Nackenhärchen richteten sich steil auf, und sie widerstand dem Impuls zu flüchten nur unter größter Beherrschung.
Der Geist schien direkt neben ihr zu stehen. Sie fühlte eisige Kälte und den Hauch eines unbekannten Geheimnisses.
»Ich weiß, daß du da bist«, flüsterte die Schloßherrin. »Zeig dich und rede mit mir.«
Aber niemand sprach. Lady Vivian spürte, daß die Erscheinung noch näherkam, sie zitterte plötzlich am ganzen Körper, die Kälte nahm zu, jemand schien ihr die Kehle zuzudrücken.
Die Taschenlampe entfiel ihrer kraftlosen Hand, ihre Augen weiteten sich in namenlosem Erschrecken, in der Dunkelheit manifestierte sich ein schemenhaftes Gebilde, und
ein schauerliches Lachen klang
auf.
Lady Vivian, die nüchterne, gefaßte, stets beherrschte Frau schrie auf. Es war ein fast unmenschlicher Schrei, und sie selbst konnte es nicht fassen, daß sie es war, die so geschrien hatte.
Und dann herrschte plötzlich Stille. Das Kettengerassel verstummte, die gespenstischen Laute verklangen wie ein Hauch im Wind, und irgend jemand schaltete die elektrische Beleuchtung ein.
Lady Vivian schrie nicht mehr. Zitternd und totenbleich stand sie an die Wand gelehnt, die Augen noch immer in ungläubigem Schrecken geweitet und am ganzen Körper schlotternd.
Harvey O’Dwyer, der langjährige, treue Butler, erschien, ebenfalls im Morgenmantel, sah seine Herrin im Schockzustand und ergriff sofort die Initiative. Leise, beruhigende Worte murmelnd, führte er die bleiche Frau in ihr Zimmer, packte sie ins Bett und deckte sie zu. Dann blieb er an ihrem Bett sitzen, bis Lady Vivian in einen tiefen Schlaf der Erschöpfung fiel. Aber noch im Schlaf rannen ihr die Tränen die Wangen hinunter, und sie wälzte sich unruhig von einer Seite auf die andere.
*
Lady Vivian saß an ihrem zierlichen Damenschreibtisch aus dem 16. Jahrhundert, prüfte einige Rechnungen und bereitete Zahlungen vor. Sie arbeitete konzentriert und bemerkte gar nicht, wie draußen die Sonne unterging. O’Dwyer kam mit einem Tablett voller Sandwiches und Tee herein und stellte es wortlos auf dem Schreibtisch ab. Im Kamin brannte flackernd ein Feuer, und die Schreibtischlampe verbreitete warmes gelbes Licht. Lady Vivian fühlte sich wohl. Doch plötzlich fing unerwartet der Kronleuchter an zu klirren. Milde erstaunt schaute sie auf. War das etwa ein Erdbeben? Aber nein, doch nicht hier in Irland.
Die Lampe klirrte stärker. Nun bekam die Lady es doch ein wenig mit der Angst zu tun, sprang von ihrem Schreibtischstuhl auf und lief zur Wand. Sie drängte sich dagegen. Würde der Kronleuchter herabstürzen?
Der Butler kam herein, voll unangemessener Hast.
»Wie geht es Ihnen, Mylady?« rief er erschrocken.
»Gut!« Lady Vivian nickte. »Aber was, zum Donnerwetter, ist das?«
»Ich fürchte, ich habe dafür keine Erklärung, Mylady«, sagte O’Dwyer wieder vollkommen gemessen und zog seine Herrin behutsam aus dem Raum heraus.
Dann stand sie schweratmend in der großen Empfangshalle. Kalter Schauder lief ihr über den Rücken. Was war das nur gerade gewesen? Gerne hätte sie sich schutzsuchend in zwei starke Arme geflüchtet, doch da war ja niemand mehr, und dieser schwache Augenblick verflog auch sofort wieder.
O’Dwyer wollte sie gerade in die Bibliothek geleiten, als das Grauen auch in der Eingangshalle begann. Mit einem lauten Krachen fiel eine der schweren Ritterrüstungen, die in den Nischen zur Dekoration standen, um. Metallteile spritzten nach allen Seiten, und von irgendwoher ertönte ein schauriges Gelächter durch die Dämmerung, denn der Butler hatte hier in der Halle noch kein Licht angemacht.
Lady Vivian spürte, wie sich ihre Nackenhaare aufstellten.
»Wer ist da?« rief sie laut. »Auch wenn du ein Geist bist, zeige dich!«
O’Dwyer schüttelte den Kopf. Er wußte, daß es keinen Zweck haben würde, wenn die Lady zu dem Geist, oder was immer es war, sprach.
Und so war es dann auch, niemand meldete sich. Nur noch einmal erklang das grausige Gelächter, dann schien irgendwoher eine sanfte warme Stimme zu sprechen, wie ein Hauch, fast ein Gedanke im Wind, das Gelächter verklang, und beide Stimmen entfernten sich murmelnd.
»Jetzt bin ich es aber leid!« rief Lady Vivian zornig. »Irgend etwas muß geschehen.«
Wütend stapfte sie mit bewußt harten Schritten zurück in ihr Arbeitszimmer, schlug die Tür hinter sich zu und ging zurück an ihre Arbeit.
O’Dwyer blieb allein in der Halle stehen und schaute der Lady nach. Wie würde das alles weitergehen?
*
»Mylady, ich bitte um Entschuldigung, aber ich halte es für falsch, einen sogenannten Wissenschaftler hinzuzuziehen, um die Vorfälle zu untersuchen. Es hat seit Jahrhunderten immer wieder Geistererscheinungen gegeben, aber noch nie wollte jemand die Vorfälle untersuchen. Nach einiger Zeit wird
