Vier Romane Sommerband 2023
Von Alfred Bekker, Sandy Palmer, Anna Martach und Rowena Crane
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Über dieses E-Book
Sandy Palmer: Versöhnung unterm Weihnachtsbaum
Anna Martach: Jenny und der neue Vater
Alfred Bekker: Zu stolz, um zu verzeihen
Rowena Crane/ Alfred Bekker: Rosen für eine Hochstaplerin
Sie ist bezaubernd schön, reich – und leider auch ein wenig dickköpfig, die blonde Andrea Sartorius. Jedenfalls lehnte sie es rundweg ab, Frederik Murau aus reinem Geschäftsinteresse heraus zu heiraten, da mag ihr Vater toben, so laut er will. Andrea will ihr eigenes Leben leben, und sie beginnt damit, sich vom Elternhaus abzunabeln, indem sie kurz vor Weihnachten in die Schweiz fährt. In St. Moritz, davon ist sie überzeugt, kann sie den Streit mit ihrem Vater – und auch Frederik vergessen...
Alfred Bekker
Alfred Bekker wurde am 27.9.1964 in Borghorst (heute Steinfurt) geboren und wuchs in den münsterländischen Gemeinden Ladbergen und Lengerich auf. 1984 machte er Abitur, leistete danach Zivildienst auf der Pflegestation eines Altenheims und studierte an der Universität Osnabrück für das Lehramt an Grund- und Hauptschulen. Insgesamt 13 Jahre war er danach im Schuldienst tätig, bevor er sich ausschließlich der Schriftstellerei widmete. Schon als Student veröffentlichte Bekker zahlreiche Romane und Kurzgeschichten. Er war Mitautor zugkräftiger Romanserien wie Kommissar X, Jerry Cotton, Rhen Dhark, Bad Earth und Sternenfaust und schrieb eine Reihe von Kriminalromanen. Angeregt durch seine Tätigkeit als Lehrer wandte er sich schließlich auch dem Kinder- und Jugendbuch zu, wo er Buchserien wie 'Tatort Mittelalter', 'Da Vincis Fälle', 'Elbenkinder' und 'Die wilden Orks' entwickelte. Seine Fantasy-Romane um 'Das Reich der Elben', die 'DrachenErde-Saga' und die 'Gorian'-Trilogie machten ihn einem großen Publikum bekannt. Darüber hinaus schreibt er weiterhin Krimis und gemeinsam mit seiner Frau unter dem Pseudonym Conny Walden historische Romane. Einige Gruselromane für Teenager verfasste er unter dem Namen John Devlin. Für Krimis verwendete er auch das Pseudonym Neal Chadwick. Seine Romane erschienen u.a. bei Blanvalet, BVK, Goldmann, Lyx, Schneiderbuch, Arena, dtv, Ueberreuter und Bastei Lübbe und wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt.
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Buchvorschau
Vier Romane Sommerband 2023 - Alfred Bekker
Copyright
Eine Cassiopeiapress Romanzeitschrift: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von
Alfred Bekker
© Roman by Author /Cover Mara Laue
© dieser Ausgabe 2023 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen
Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.
Alle Rechte vorbehalten.
www.AlfredBekker.de
postmaster@alfredbekker.de
Folge auf Twitter:
https://twitter.com/BekkerAlfred
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Versöhnung unterm Weihnachtsbaum
Sandy Palmer
Der Umfang dieses Buchs entspricht 61 Taschenbuchseiten.
Sie ist bezaubernd schön, reich – und leider auch ein wenig dickköpfig, die blonde Andrea Sartorius. Jedenfalls lehnte sie es rundweg ab, Frederik Murau aus reinem Geschäftsinteresse heraus zu heiraten, da mag ihr Vater toben, so laut er will. Andrea will ihr eigenes Leben leben, und sie beginnt damit, sich vom Elternhaus abzunabeln, indem sie kurz vor Weihnachten in die Schweiz fährt. In St. Moritz, davon ist sie überzeugt, kann sie den Streit mit ihrem Vater – und auch Frederik vergessen...
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Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von
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© Roman by Author
Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.
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1
„Er ist arrogant und selbstgefällig, und ich weiß wirklich nicht, was du an Frederik findest, Paps." Wütend drehte sich Andrea Sartorius um und schaute aus dem Fenster. Draußen war es schon dunkel, es regnete sacht.
Genau das richtige Wetter für meine miese Stimmung, dachte das junge Mädchen und unterdrückte einen Seufzer. Drüben, auf dem Dach der Fabrik, stand ein Weihnachtsbaum, die elektrischen Kerzen leuchteten weithin sichtbar und vermittelten einen Hauch von Frieden und Harmonie. Schade nur, dass sich diese Empfindungen hier, in der Villa des Fabrikanten Mathias Sartorius, nicht auch einstellen wollten.
Der Konzernchef saß in seinem Lieblingssessel und presste wütend die Lippen aufeinander. Der massige Kopf mit dem grauen Stoppelhaar war ein wenig gesenkt, doch im nächsten Moment ruckte er wieder hoch.
„Du weißt, wie sehr mir an einer Fusion mit den Murau-Werken gelegen ist, sagte er. „Und Frederik ist doch...
„... was immer er ist, fauchte Andrea und drehte sich wieder zu ihrem Vater um, „er ist auf keinen Fall der Mann, den ich heiraten werde. Schlag dir das endgültig aus dem Kopf, Paps. Wir haben das Thema jetzt mindestens ein halbes Jahr lang diskutiert, und ich sag es dir zum letzten Mal: Es wird keine Verlobung unterm Weihnachtsbaum geben!
„Dann... dann enterbe ich dich!"
Das blonde Mädchen lachte nur. „Von mir aus. Mir bleibt noch das Geld von Großmama. Also wirklich, Paps, mit so mittelalterlichen Drohungen brauchst du mir gar nicht erst zu kommen. Sie trat dicht an den Sessel heran. „Aber damit du es weißt: Ich lass mich nicht erpressen. Und ich lass mich weder von dir noch von Frederik bevormunden. Morgen fahr ich weg, und ich komme erst zurück, wenn du mir zugestehst, dass ich so leben kann, wie ich will.
„Als Physiotherapeutin, die sich Tag für Tag um Kranke kümmert, statt sich ihrer gesellschaftlichen Stellung bewusst zu sein!"
„Du bist ein arroganter Snob", konterte Andrea, aber ihr Lächeln strafte die Worte Lügen. Sie liebte ihren Vater sehr, und sie wusste auch, dass er die Verbindung mit Frederik nur so zielstrebig verfolgte, weil er sein Lebenswerk in guten Händen wissen wollte. Aber Frederik... nein, der kam einfach für Andrea als Mann nicht in Frage!
„Du bist dickköpfig wie deine Mutter!" Das klang immer noch wütend, aber ein Hauch von Melancholie schwang in dem kleinen Satz mit. Und das Lächeln, mit dem Mathias Sartorius seiner schönen Tochter nachsah, als sie erregt den Raum verließ, verriet viel von seiner Liebe zu ihr.
Aber er hatte sich diese Hochzeit mit dem Sohn seines schärfsten Konkurrenten nun mal in den Kopf gesetzt. Und er war sicher, dass Andrea nachgeben würde. Er musste nur noch ein bisschen bohren!
Am nächsten Morgen jedoch war seine Tochter nicht mehr da. Heimlich hatte sie in der Nacht ihre Sachen gepackt und war verreist.
„Nach St. Moritz ist sie, erklärte Frau Patter, die langjährige Haushälterin. „Sie hat mir gesagt, dass sie einfach ein bisschen Abstand braucht.
„Hoffentlich kommt sie in der Kälte zur Vernunft", knurrte Mathias und widmete sich ohne allzu großem Appetit seinem Frühstücksei.
Andrea saß unterdessen schon im Flugzeug nach St. Moritz. Sie hatte sich spontan entschlossen, in die Schweiz zu reisen und einfach mal Abstand von allem zu gewinnen. Ein bisschen Skilaufen, mit netten Leuten zusammentreffen, Spaß haben und entspannen – das würde sowohl ihrem Vater als auch ihr selbst gut tun. Ihre Freundin Lydia, in deren Praxis sie arbeitete, musste notgedrungen auf sie verzichten. Andrea hatte sie ganz früh am Morgen angerufen und erklärt: „Ich weiß, dass ich unsere Freundschaft strapaziere – aber es muss sein. Ich muss weg von Paps und seinen Forderungen nach einer baldigen Hochzeit mit Frederik. Ich fliege zu Moni Steingass nach St. Moritz."
„Ich lass dich zwar nur ungern gehen, aber ich versteh dich. Grüß mir Moni – und viel Spaß."
Die drei jungen Frauen waren gemeinsam zur Schule gegangen. Moni arbeitete jetzt als Empfangschefin in einem großen Hotel in der Schweiz, Lydia war selbstständig, und Andrea war bei ihr angestellt. In erster Linie aber war sie, so sagte sie zumindest selbst, Tochter.
„Das wird sich ändern, murmelte die junge Frau, als sie im Taxi saß und in Richtung St. Moritz fuhr. „Von jetzt an werde ich erwachsen!
Im feudalen Palace-Hotel bekam sie zum Glück noch ein Zimmer, denn eine alte Engländerin war erkrankt und hatte abgesagt.
Nachdem sie ihre Koffer mit Hilfe eines Stubenmädchens ausgepackt hatte, machte Andrea einen Spaziergang durch den Ort, den sie schon seit vielen Jahren kannte. Als erstes trank sie im Café Hanselmann eine heiße Schokolade und aß ein Stück der exzellenten Torte dazu, dann schlenderte sie ein wenig durch die Straßen, kaufte sich einen neuen Skidress und erstand Sonnencreme, denn in dieser Höhe war der Lichteinfall gefährlich.
Skier mussten auch noch besorgt werden, die ließ sie sich, zusammen mit allem anderen, ins Hotel schicken, denn gegen Abend traf sie sich mit Evi, und beim gemeinsamen Abendessen, so war’s am Telefon besprochen, würden die Freundinnen einen Plan entwickeln, wie Andrea sich am besten erholen und ablenken konnte.
Evi war eine kleine Brünette mit lustigen Grübchen in den Wangen und fast schwarzen Augen, die ihr ganzes Gesicht beherrschten. Als das Essen aufgetragen war, sagte sie: „Ich hab schon ein paar Ideen. Am wichtigsten aber ist, dass du dich sinnvoll beschäftigst. Buch dir im Hotel einen Skikurs, das bringt Spaß und lenkt dich ab."
„Ich überleg’s mir noch", erwiderte Andrea, doch als sie am nächsten Morgen erwachte und bemerkte, dass Neuschnee gefallen war, beeilte sie sich, um sich noch für einen Kurs beim hoteleigenen Skilehrer anmelden zu können.
Jetzt, Anfang Dezember, waren noch nicht allzu viele Gäste in St. Moritz. Der Schnee auf den Bergen war zwar schon fast einen Meter hoch, doch die meisten der Winterurlauber ließen noch auf sich warten.
So hatte Stefan Degenhardt, der Skilehrer, der sich an diesem Morgen um eine kleine Dreiergruppe kümmern sollte, viel Zeit für seine Schützlinge. Er war ein gut aussehender junger Mann von sechsundzwanzig Jahren. Groß, sportlich durchtrainiert, mit einem sympathischen Lächeln und klugen dunklen Augen.
Sie fielen Andrea als erstes auf, als sie sich in der Hotelhalle trafen. Ein etwa vierzigjähriger Mann aus London, regelmäßiger Gast in St. Moritz, gab sich lässig und begrüßte alle sehr freundlich. Eine etwa zwanzigjährige Amerikanerin himmelte den Skilehrer sofort an, so dass sich Andrea ein ironisches Grinsen nicht verkneifen konnte.
„Ihr könnt alle schon ein bisschen laufen, ja?", erkundigte sich Stefan, der einen roten Skianzug trug.
Daisy Jeffersen hatte sich für einen silberfarbenen Dress entschieden, Bob Henderson trug einen schwarzen Anzug und wirkte ein bisschen wie ein Londoner Banker.
Auf der Piste jedoch zeigte sich bald, dass er ausgesprochen sportlich war.
„Mit ein bisschen Training kannst du fast schon die schwarze Abfahrt nehmen", lobte Stefan.
„Lieber nicht. Ich muss in zwei Wochen heil und gesund zurück sein und will nichts riskieren", wehrte Bob ab und sah amüsiert zu, wie Daisy mit gekonntem Schwung dicht vor Stefan ankam.
Andrea, die an und für sich recht sportlich und durchtrainiert war, hielt sich bewusst zurück. Dabei musste sie sich eingestehen, dass Stefan Degenhardt ein ausgesprochen netter Typ war.
„Na, was ist?, fragte er am Nachmittag, als hinter den Bergen die ersten Schatten aufstiegen und die Sonne schnell hinter den weißen Kuppen verschwand. „Geht ihr alle mit auf einen Drink an die Bar?
„Ich muss mich erst noch umziehen", erklärte Daisy.
„Wir warten auf dich, nickte Stefan, dann wandte er sich an Andrea. „Und du?
„Ich blieb so, wie ich bin. Den Drink stört’s bestimmt nicht", lachte die junge Frau.
Sie hatten viel Spaß, die drei, und als Daisy wenig später zu ihnen stieß, in einem hautengen Pulli und mit einer silbrig glitzernden Hose, zu denen hochhackige Stiefeletten trug, meinte Bob leise: „Edelmetall ist in dieses Jahr. Dann lachte er Andrea an. „Möchtest du tanzen?
Sie nickte, und wenig später genoss sie es, in Bobs Arm einen rasanten Jive aufs Parkett zu legen.
„Tanzt du nicht?", fragte Daisy und himmelte Stefan an.
„Ich kann’s leider nicht", erwiderte er und seufzte bedauernd.
„Ich könnte es dir beibringen."
Er winkte ab. „Lieber nicht. Ich trete dir sonst noch auf die Füße. Er wies auf einen blonden Schweden, der gerade die Bar betrat. „Das ist Sven, ein Kumpel von mir, der tanzt ganz ausgezeichnet.
Und tatsächlich sah man Daisy und Sven wenig später eng umschlungen auf der Tanzfläche. Sie gingen dann auch, ebenfalls eng umschlungen, wenig später weg, und nach dem zweiten Drink erklärte Andrea: „Tut mir leid, aber ich geh jetzt gleich zum Essen. Bis morgen."
„Bis morgen, sagte Bob. „Viel Spaß heute Abend noch.
„Wobei?"
„Na, ich denke, du hast noch was Nettes vor", lachte der Ältere.
„Nein, bis jetzt noch nicht. Meine Freundin, die hier arbeitet, hat heute leider Dienst."
Stefan zögerte, dann meinte er: „Wenn du willst, kannst du mit mir ins „Alpenstübchen kommen. Da ist es recht gemütlich.
Doch als Andrea zögerte, fügte er rasch hinzu: „Sorry, ich wollte dir nicht zu nahe treten, aber ich..." Er biss sich auf die Lippen und wurde sichtlich verlegen.
Andrea lächelte und legte ihm rasch die Hand auf den Arm. „Ich komme gern mit. Es ist nur... Jetzt wurde sie ein wenig rot. „Ich möchte nicht, dass du denkst, ich bin so auf Raub aus wie Daisy. Und deshalb hab ich...
„Aber das denke ich doch nicht von dir", versicherte Stefan rasch, und für einen Moment versanken ihre Blicke ineinander.
2
Andrea wurde pünktlich um acht Uhr wach. Ein kurzes Recken, dann stand sie rasch auf und ging ins Bad. Im Spiegel sah sie sich an – und streckte sich gleich darauf selbst die Zunge heraus. „Du benimmst dich wie ein unreifer Teenager, Andrea, rügte sie sich laut, „verliebst dich in deinen Skilehrer – albern!
Aber es war so, sie konnte es nicht leugnen. Und sie war glücklich dabei! Stefan war ein netter Kerl, und sie freute sich schon darauf, ihn wiederzusehen.
Beim Frühstück jedoch ließ er sich nicht blicken, und zum ersten Mal bedauerte Andrea es, in diesem Luxushotel abgestiegen zu sein. Was nützte ihr der beste Service, wenn der Mann, an den sie ihr Herz verloren hatte, nicht bei ihr sein konnte?
Sie beeilte sich und ging rasch in ihr Zimmer zurück, um sich den Skidress anzuziehen. Um halb zehn war Treffen in der Hotelhalle angesagt.
Andrea war ein bisschen früher da – und Stefan auch!
Er kam auf sie zu und nahm ihre Hände in die seinen. „Guten Morgen. Seine Stimme war wie ein Streicheln auf ihrer Haut. „Hast du gut geschlafen?
„Ja. Sie lächelte. „Bekomme ich keinen Kuss?
Der junge Skilehrer schüttelte den Kopf. „Hier lieber nicht. Ich bin schließlich im Dienst."
„Entschuldige." Sie war ehrlich zerknirscht, denn nichts lag ihr ferner, als ihm Unannehmlichkeiten zu machen.
Doch als sie später mit Daisy und Bob in der Gondel standen und nach oben auf den Corviglia fuhren, schmiegte sie sich verstohlen an ihn und spürte seine Hände, die zärtlich ihren Nacken streichelten.
Ein glückliches Lächeln glitt über ihr Gesicht, und ihre Augen strahlten Stefan an.
Der junge Skilehrer spürte ebenfalls, dass dieser Flirt etwas Besonderes war. Schon im vorigen Jahr hatte er sich ein paar Monate Auszeit genommen und war für eine gewisse Zeit nach St. Moritz gekommen, um hier als Skilehrer zu arbeiten. Niemand von seinen Schülern wusste allerdings, dass seiner Familie hier ein sehr schönes Chalet gehörte. Stefan wollte nicht, dass seine Schüler oder neuen Freunde erfuhren, dass er aus wohlhabender Familie stammte und diesen Job eigentlich nur aus Spaß machte.
Das Studium fiel ihm leicht, er hatte alle Prüfungen mit Bestnoten gemacht – kein Wunder, denn seit frühester Kindheit war er mit Krankheiten und Medizin vertraut. Sein Vater besaß eine renommierte Privatklinik in München, und Stefan galt als designierter Nachfolger.
Doch noch war sein Vater sehr agil und dynamisch, Stefan konnte sich ein bisschen Zeit lassen und sich den Wind um die Nase wehen lassen. Er hatte ein Jahr in USA studiert, ein Praktikum an der Uni-Klinik in Köln gemacht und wollte gern die Zeit als Arzt im Praktikum in Berlin absolvieren.
Doch jetzt war auf einmal alles anders. Jetzt war nur noch Andrea wichtig – und er überlegte, wie er ihr noch deutlicher zeigen konnte, was er für sie empfand.
Die Skipiste, die sie befuhren, war sehr einfach, und Bob und Daisy hatten eine Menge Spaß, vor allem, als Bob erklärte: „Und jetzt möchte ich euch einen Drink an der Schneebar spendieren. Sowas Verrücktes hab ich ja noch nie gesehen – eine Bar aus Eis, davor Tische und Sitzgelegenheiten aus Strohballen... einfach irre."
„Aber gemütlich und praktisch. Und dort, bei Mathi, kannst du so gut speisen wie in einem Drei-Sterne-Lokal", erklärte Stefan und wies auf eine große Terrasse, die in hellem Sonnenlicht lag und wo gerade Tische mit weißem Damast gedeckt wurden. Champagner-Kübel zierten jeden Tisch, gelbe Rosenbuketts wurden als Dekoration aufgetragen.
„Ein bisschen dekadent, oder?", flüsterte Andrea ihrem Begleiter zu.
Stefan lachte. „Das schon, aber das Essen, das Mathi seinen Gästen serviert, ist ein Genuss. Man muss wenigstens einmal da gesessen und die Aussicht – und ein Menü genossen haben. Ich finde, das gehört dazu, wenn man schon mal hier ist. Man muss sich ja nicht gleich Kaviar oder Austern servieren lassen."
Doch für diesen Tag beschränkten sie sich auf einen Drink an der Schneebar, dann aßen sie im Stehen eine heiße Suppe, und los ging’s wieder auf die Piste.
Stefan hatte mit seinen Schülern nicht viel Arbeit, er korrigierte Daisys Haltung, gab Bob ein paar Tipps, wie er schwungvoller den Hang hinabsausen konnte und half Andrea, als sie Schwierigkeiten mit der Bindung hatte.
Später dann trennten sie sich bei der Talstation, Daisy hatte ein Rendezvous mit einem Schweden, Bob wollte sich mit einem englischen Freund treffen, so dass Andrea und Stefan Zeit für sich hatten.
„Und? Was tun wir jetzt?", fragte das Mädchen.
„Wir bummeln durch St. Moritz, wenn du magst. Wir können aber auch nach Celerina fahren. Dort ist es ein wenig gemütlicher, uriger."
So verbrachten sie einen Tag etwas außerhalb des Trubels, doch das war ihnen gerade recht, denn so konnten sie sich noch ein wenig besser kennenlernen.
Nur schwer trennten sie sich kurz vor Mitternacht. Andrea war versucht, den jungen Mann mit in ihr Zimmer zu nehmen, doch eine gewisse Scheu und Schüchternheit hielt sie noch davon ab.
Als sie gerade ins Bett gehen wollte, klingelte das Telefon.
„Wo warst du denn den ganzen Abend?" Die Stimme ihres Vaters klang grollend.
„Guten Abend, sagte Andrea betont. „Was ist passiert, dass du anrufst?
„Was passiert ist? Die Stimme von Mathias Sartorius klang wie Donnergrollen. „Passiert ist, dass meine Tochter den Verstand verloren hat und auf einmal glaubt, mit dem Kopf durch die Wand zu müssen.
Andrea lachte. „Das war bisher dein Part, nicht wahr, Paps?"
„Ach du... Er sagte nichts mehr, sie hatte ihm gleich den Wind aus den Segeln genommen. „Wie geht’s dir, Kind? Bist du gut untergebracht?
„Aber ja. Es geht mir blendend!"
„Und wann kommst du heim? Der alte Murau hat mir heute noch ein paar ganz tolle Extras auf den Tisch gelegt. Er ist auch ganz wild auf eine Verbindung. Ich bin mir fast sicher, dass ich ihm ein ganzes Aktienpaket abluchsen kann. Sozusagen als Mitgift."
„Du verdrehst aber auch wirklich alles, Paps." Andrea musste sich beherrschen, um nicht zu lachen. Normalerweise hätte sie sich jetzt aufgeregt, weil ihr Vater so uneinsichtig war und von seinen Hochzeitsplänen einfach nicht abrücken wollte. Doch sie war viel zu glücklich, um sich zu ärgern.
„Übermorgen ist der 2. Advent, sagte ihr Vater und tat, als wüsste sie das nicht selbst. „Du kriegst noch zwei Wochen Galgenfrist. Tob dich aus, wenn’s denn sein muss – aber am Heiligen Abend wird Verlobung gefeiert, dass das klar ist.
Sie schwieg, lehnte sich in den Kissen zurück und sah verträumt vor sich hin. Sie sah sich unter einem lichterglänzenden Weihnachtsbaum, sah einen Verlobungsring an ihrer Hand – und es war Stefan, der ihn ihr angesteckt hatte.
„Warum sagst du nichts?", drang die Stimme ihres Vaters durch den Hörer.
„Ach, Paps, ich red am besten erst wieder mit dir, wenn du normal geworden bist. Und jetzt entschuldige, ich bin müde und muss schlafen. Der Skiunterricht ist ziemlich anstrengend."
„Aha. Na, dann gute Nacht."
Sie erwiderte den Gruß, dann schloss sie die Augen und war wirklich im nächsten Moment eingeschlafen. Und sie träumte von Stefan...
So bekam sie nicht mit, dass in der Nacht Neuschnee fiel. Das ganze Tal lag unter einer dichten Schneedecke, und am nächsten Morgen fielen immer noch dichte Flocken, so dass an eine längere Abfahrt nicht zu denken war.
Bob beschloss, den Tag faul an der Hotelbar zu verbringen, Daisy hatte ein Date mit ihrem Schweden – und Andrea und Stefan beschlossen, einen Spaziergang zu machen.
„Drunten am Moritzer See ist jetzt bestimmt einiges los, meinte der junge Mann. „Wir können versuchen, beim Eisstock-Schießen mitzumachen. Oder wir laufen Schlittschuh. Oder...
„Oder wir gehen zu dir und machen es uns gemütlich. Andrea schmiegte sich an ihn. „Wo wohnst du eigentlich?
Er zögerte, dann erwiderte er: „Bei Freunden. Die haben hier ein Haus, da darf ich in der Einliegerwohnung hausen."
„Toll. Andrea schmiegte sich an ihn. „Wir gehen erst mal ein bisschen spazieren, schauen, ob’s was wird mit dem Eisstock-Schießen, und dann hätte ich gegen einen Glühwein bei dir daheim nichts einzuwenden.
„Gute Idee." Er lachte, dann gingen sie eng umschlungen in Richtung See. Der Schneefall hatte zum Glück nachgelassen, die Eisfläche wurde gerade neu präpariert.
„Schau nur... Liz Hurley", flüsterte Andrea.
„Ja, und dort drüben sind Roger Moore und seine Frau. Aber das ist ja hier nichts Besonderes. Komm, wir machen dort drüben mit."
Zwei Stunden vergnügten sie sich auf dem Eis, dann wurde es Andrea doch ein bisschen kühl und sie war froh, als sie zum Mittagessen in ein gemütliches Lokal einkehrten.
Das Wetter war schon wieder schön, die Sonne hatte sich durch die Wolken gearbeitet und ließ den Neuschnee glitzern, als lägen Millionen Diamanten auf der weißen Schneedecke.
„Es ist wirklich ein Wintermärchen, sagte Andrea und schaute hinaus. „Was tun wir nachher? Ich würde gern irgendwo spazieren gehen, wo es ein bisschen ruhiger ist.
„Da hab ich eine wunderbare Idee. Magst du Pferde?"
Sie nickte. „Natürlich. Aber ich kann nicht reiten."
„Musst du auch nicht. Wir fahren mit dem Bus nach Pontresina, und von dort geht’s mit dem Pferdefuhrwerk ins Rosegtal. Das ist eine ganz romantische Gegend, man hat einen herrlichen Blick auf die Berge, und weil dort kein Auto fahren darf, gibt’s sehr viele Wildtiere. Wenn man Glück hat, sieht man sogar ein Murmeltier."
Andrea strahlte. „Das ist eine herrliche Idee! Aber meinst du nicht, dass es zu spät wird?"
„Noch ist Zeit, wenn wir gleich aufbrechen, schaffen wir es locker."
Doch ganz so einfach, wie er geglaubt hatte, war die Fahrt dann doch nicht. Der viele Schnee hatte die Strecke schwer passierbar gemacht, die beiden Pferde, robuste Kaltblüter, mussten schon kräftig ziehen.
Doch auf halber Strecke kam ihnen ein Schlitten mit einer vergnügten Gesellschaft entgegen, und dieser Kutscher versicherte, dass der Weg frei sei.
„Der Wirt hat sogar Rehrücken auf der Karte, sagte er. „Der ist unbedingt zu empfehlen.
Seine Gäste, die Andrea bekannt vorkamen, nickten, und einer von ihnen erklärte begeistert: „Das müsst ihr probieren. Und dazu einen Selbstgebrannten – ausgezeichnet." Er sprach mit leichtem Dialekt, und als Andrea ein wenig überlegte, fiel ihr auch ein, wem sie da gerade begegnet waren: Einem Mitglied des holländischen Königshauses!
Sie wollte sich umdrehen, wollte noch einen weiteren Blick auf die beiden Paare erhaschen, doch der Schlitten war schon weitergefahren.
Andrea schmiegte sich fester in Stefans Arm und zog die warme Decke ein bisschen höher. Sie selbst hatte zwar keinen Nerzmantel an, denn sie war eine entschiedene Gegnerin von Pelzmode, doch der schwarze Nerz, den eine der jungen Frauen getragen hatte, hielt bestimmt ein bisschen wärmer als ihre Jacke.
Dafür aber hatte sie einen wundervollen Mann an ihrer Seite. Der zog sie gerade noch ein bisschen fester an sich und gab ihr einen zärtlichen Kuss.
Der Kutscher, ein älterer Mann mit Schnauzbart, drehte sich um, denn er wollte seine Gäste auf ein Rudel Rehe aufmerksam machen, das auf einer weiten Schneefläche stand und äste, doch als er sah, wie selbstvergessen sich die jungen Leute küssten, lächelte er und ersparte sich diese Bemerkung.
Was waren schon ein paar Rehe gegen diesen Kuss!
Nach einer knappen halben Stunde öffnete sich das Tal, gab den Blick frei auf ein wundervolles Bergpanorama.
„Wie herrlich! Andrea war begeistert. „Das ist mit der schönste Fleck Erde, auf dem ich je gewesen bin
, flüsterte sie, und es klang beinahe andächtig.
Die jungen Leute nahmen sich auch nicht die Zeit, in der warmen Hütte zu essen, sondern sie spazierten, während die Pferde ausruhten, ein bisschen weiter ins Tal hinein, das sich immer mehr verengte. Nur noch mit Langlaufskiern kam man hier weiter.
„Da drüben sind ein paar Leute, siehst du!" Andrea wies nach rechts, wo man ein paar Menschen auf der Loipe sah.
„Ja, und da... schau nur, einer will links auf den Berg. Das ist doch Wahnsinn!" Andreas beschattete die Augen mit der Hand, doch er war machtlos, sie waren viel zu weit entfernt, als dass er den leichtsinnigen Kletterer von seinem Vorhaben hätte abhalten können.
Als nichts geschah, gingen sie noch ein bisschen weiter – bis sie auf einmal leichtes Donnern hörten. Es war, als würde irgendwo im Berg etwas Kochen.
„Was ist das?", fragte Andrea, und Angst erfasste sie. Nie zuvor hatte sie solche Geräusche gehört.
Stefan zögerte mit der Antwort, doch dann wurde das Geräusch lauter, man hörte auf einmal Schreie. „Da muss eine Lawine abgegangen sein", stieß er hervor.
„Um Himmels willen, und jetzt?"
„Wir kehren um und alarmieren den Hüttenwirt. Der muss Hilfe holen. Es nützt gar nichts, wenn wir jetzt weiter ins Tal hinein laufen. Wir haben kein Gerät, können gar nichts tun."
Damit hatte er recht, und so blieb ihnen nur, die Bergwacht um Hilfe zu rufen.
Wie sich herausstellte, hatte der leichtsinnige Kletterer tatsächlich eine kleine Lawine ausgelöst. Er war von ihr mitgerissen worden, hatte aber Glück im Unglück gehabt, denn dank der raschen Hilfe konnte ein Spürhund ihn schon bald ausmachen. Der etwa Vierzigjährige war unterkühlt, doch unverletzt.
Andrea und Stefan warteten, bis sie wussten, was mit den Skiläufern passiert war. Als der Verunglückte jetzt von den Rettungskräften zur Hütte gebracht wurde, fragte Stefan: „Habt ihr ihn untersucht? Ist er verletzt? Ich bin Medizinstudent – zwar noch nicht ganz fertig, aber..."
„Schau ihn dir an, meinte ein Mann der Bergwacht. „Gebrochen ist nix, das steht fest.
Der Verunglückte wurde in die Hütte gebracht, und Stefan kümmerte sich um ihn, so gut er es vermochte. „Das war Glück im Unglück, meinte er, „Sie haben wirklich keine Verletzungen davongetragen. Und der Schock wird bald abklingen.
„Ich brauch einen doppelten Schnaps, dann geht’s schon wieder", meinte der Mann. Er hatte nur ein paar Schrammen davongetragen und zwei geprellte Rippen.
„Den trinken wir zusammen", lächelte Stefan, und alle tranken wenig später auf die gelungene Rettungsaktion.
Es wurde schon dämmrig, und der Kutscher drängte darauf, zurückzufahren. Der Verunglückte und seine Frau fuhren in der Kutsche mit, die anderen beeilten sich, noch vor Einbruch der Dämmerung wieder am Talausgang zu sein.
„Das war ein richtiges Abenteuer, sagte Andrea, als sie wieder in St. Moritz eintrafen. „Das werde ich nie vergessen.
„Ich wüsste noch was, was unvergesslich sein könnte, sagte Stefan und zog sie an sich. „Ich wünsch mir jedenfalls, dass du es nie im Leben vergisst – die erste Nacht mit mir.
Fragend sah er sie an, und in ihren Augen las er, dass auch Andrea sich nichts anderes wünschte.
3
Blinzelnd öffnete Andrea die Augen. In der ersten Sekunde war sie noch ein wenig desorientiert, doch als den Mann neben sich sah, wusste sie gleich wieder, wo sie sich befand – und was passiert war: Sie hatte die Nacht mit Stefan verbracht! Und es war eine traumhaft schöne Liebesnacht gewesen!
„Guten Morgen! Schon beugte er sich über sie und hauchte einen zärtlichen Kuss auf ihre Lippen. „Wie geht’s dir?
„Bestens. Sie schmiegte sich an ihn. „Nur – ich hab Hunger!
Sein dunkles Lachen verursachte schon wieder Gänsehaut. „Das hat man gern! Aber du sollst das beste Frühstück der Welt haben. Sekunde, Prinzessin!"
„Unsinn, ich komme mit!"
„Nichts da – du lässt dich heute von mir verwöhnen!" Und schon war er verschwunden, Andrea hatte Zeit, sich ein wenig in der spartanisch eingerichteten Einliegerwohnung des Chalets umzusehen. Gestern Abend war dazu keine Gelegenheit mehr gewesen, Stefan und sie waren nur noch mit sich und ihrer Liebe beschäftigt gewesen...
Helle Kiefernmöbel, ein Berberteppich auf der Erde, eine kleine Diele mit Wandschränken, ein Tisch, drei Sessel, ein Bett... Viel war es nicht, was hier stand, und es wirkte auch irgendwie kalt, gar nicht so, als würde hier jemand wohnen.
Doch bevor sie noch länger darüber nachdenken konnte, kehrte Stefan mit einem großen Tablett zurück. Darauf befand sich alles, was man zu einem opulenten Frühstück im Bett benötigte. Nicht mal eine Sektflasche hatte er vergessen!
„So möchte ich jeden Tag beginnen!" Andrea lachte und streckte die Arme aus. „Aber erst bekomme
