Über dieses E-Book
Nein, eher Mrs. Tolpatsch meets Mr. Irresistible.
Lara Croft und ich haben leider fast nichts gemeinsam, außer einem verstorbenen Vater und einer Schatzsuche.
Aber Ben kann es schon eher mit Indiana Jones aufnehmen. Denn Ben sieht gut aus, ist der schweigsame, mutige Typ und hat mir das Leben gerettet, mich vor skrupellosen Verbrechern bewahrt, geküsst … und verraten. Er ist mir immer einen Schritt voraus auf der Suche nach dem Schatz. Sei es auf den Seychellen, zu Hause in Hamburg oder auf Helgoland. Ich komme immer zu spät, Ben schlägt mir ein Schnippchen und der Schatz den wir finden, verlieren wir wieder.
Aber ich bin fest entschlossen mich nicht mehr von meinen Gefühlen aufhalten zu lassen, noch weniger von dem Fluch der auf meiner Familie lastet. Und Ben, der kann mir gestohlen bleiben …
HINWEIS: "Treasure Hunt" ist Teil 1 der gleichnamigen Serie!
Ähnlich wie Treasure Hunt
Titel in dieser Serie (3)
Treasure Hunt: Verbotene Liebe Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenLost Treasure: Verratene Liebe Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenTreasure Love: Gefundene Liebe Bewertung: 0 von 5 Sternen0 Bewertungen
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Rezensionen für Treasure Hunt
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Buchvorschau
Treasure Hunt - Sandra Pollmeier
TEIL I
HAMBURG
PROLOG
Als Marcus Stevens zu Bewusstsein kam, sah er ihn durch die zersplitterte Windschutzscheibe auf der Kühlerhaube seines Wagens sitzen. Beißender Qualm stieg aus dem zerquetschten Motorblock empor und brannte in seinen Augen. Der Vogel saß ganz still und blickte ihn unerschrocken an. Es war ein schönes Tier, ein Buteo brachypterus oder auch Madagaskar-Bussard, der in dieser Gegend eigentlich nichts zu suchen hatte.
Marcus Stevens kannte sich aus mit Vögeln. Seit frühester Kindheit hatten sie ihn fasziniert. Diese Leidenschaft hatte ihn nie losgelassen. Doch dieser Vogel war anders, und er wusste genau, warum er gekommen war.
Mühsam löste Marcus seine rechte Hand vom Lenkrad und tastete nach seinen Beinen. Sie fühlten sich nass und klebrig an und klemmten fest unter dem zerbeulten Metall. Als er genauer nachsah, bemerkte er das scharfkantige Stück Stahl, das sich zentimetertief in seinen linken Oberschenkel bohrte.
Sollte er um Hilfe rufen? Instinktiv wusste er, dass es zu spät dafür war. Schon loderten die ersten Flammen aus der zerdrückten Kühlerhaube. Der Vogel schien das gar nicht zu bemerken. Forschend blickte er ihm in seine erschöpften Augen.
Marcus Stevens zitternde Finger glitten schwach über die Klappe des noch unversehrten Handschuhfachs. Wie von selbst sprang der Deckel auf und ein Haufen sinnloser Kram flog auf den Beifahrersitz. Mit den Fingerspitzen erwischte er sein Smartphone und zog es mit großer Anstrengung langsam zu sich heran. Als er das Display einschaltete, leuchtete das altbekannte Foto auf, das ihn schon so viele Jahre auf seinen Reisen begleitet hatte. Seine kleine Sofia. Es würde jetzt schwer für sie werden. Aber sie war stark, und Marcus wusste, dass sie es schaffen würde, sein Erbe anzutreten.
Schon als kleines Mädchen hatte sie genauso ausgesehen wie ihre Mutter. Zumindest schien es ihm so, denn ihren echten Vater hatte Marcus nie kennengelernt. So hatte er im Laufe der Jahre beinahe vergessen, dass Sofia nicht wirklich seine Tochter war. Und das spielte auch keine Rolle mehr, denn sie würde es nie erfahren.
Das Display verdunkelte sich, der Akku ging zu Neige. Keine Zeit mehr für Abschiedsworte. Der dichter werdende Rauch stach in seiner Lunge und machte ihn ganz benommen. Inzwischen war die Hitze unerträglich geworden. Nun würde es nicht mehr lange dauern.
Entschlossen griff Marcus nach dem scharfkantigen Stück Metall, das in seinem blutenden Bein steckte. Es zerschnitt ihm die Handfläche, doch er merkte es kaum. Mit einem beherzten Ruck zog er es aus der Wunde. Der Schmerz ließ ihn zusammenfahren, doch nur für einen kurzen Moment. Dann trug ihn ein Gefühl von Gleichmut und Schwäche wie auf einer sanften Woge davon. Obwohl um ihn herum die Flammen loderten, fröstelte es Marcus. Und zusammen mit dem Blut, das sein schwächer werdendes Herz aus der offenen Arterie in seinem Oberschenkel pumpte, flossen seine Erinnerungen wie im Zeitraffer durch seinen Kopf. Die letzten Jahre, seine Jugend, seine Kindheit flogen an ihm vorbei. Bis am Ende nur noch eines blieb: Der Blick in die Augen eines Bussards, kurz bevor dieser seine Flügel ausbreitete, um sich zum Horizont zu erheben.
1
Schweißnass schrak ich hoch. Ich brauchte einige Sekunden um mich zu fangen und zu verstehen, dass die gerade noch von mir so echt empfundenen Erlebnisse nichts weiter waren als ein böser Traum. Seit Wochen waren es immer dieselben beunruhigenden Bilder – flatternde Flügel und scharfe Krallen, die nach mir griffen. Ein dunkler Ort ohne Hoffnung und Ausweg. Panische Stimmen und ein ohrenbetäubendes Kreischen… ein infernales Szenario von Tod und Verderben. Und schließlich nichts mehr. Nur Stille. Schwarze, alles verschlingende Stille.
Seufzend fuhr ich mir durch die zerzausten Haare und tastete nach meiner Brille. Tagsüber trug ich aus Eitelkeit Kontaktlinsen, nachts jedoch musste ich auf mein riesiges, uraltes Brillengestell zurückgreifen, dass ich mir in einem Anflug vorpubertären Wahnsinns kurz vor meinem zwölften Geburtstag zugelegt hatte. Vorsichtig klappte ich die Bügel auseinander und lugte mit zusammengekniffenen Augen zur Uhr. Ich stöhnte. Halb sieben. Das war eindeutig zu früh, um an einem Sonntagmorgen aufzustehen und doch zu spät, um noch einmal ordentlich einschlafen zu können. Schlaff ließ ich mich in mein Kissen zurückgleiten und lauschte, wie mein Puls sich nach dem schrecklichen Traum langsam wieder normalisierte.
In letzter Zeit war ich dankbar für jede Nacht, die ich ohne größere Qualen hinter mich bringen konnte. Für jede Nacht, in der ich überhaupt ein wenig Schlaf fand. Meine Albträume wechselten häufig, doch der mit den Vögeln plagte mich schon seit einigen Tagen. Immer wieder stürzten sie sich wie aus einer schwarzen Wolke auf mich herunter, um mich zu verschlingen. Es erschien mir so real, dass ich beinahe den Lufthauch ihres Flügelschlags auf meiner Haut spüren konnte. Ihre schwarzen Augen wirkten tot und glanzlos.
Und dennoch – der wahre Albtraum war in Wirklichkeit mein Leben selbst.
Als ich ein kleines Mädchen war, durfte ich nachts zu meinem Vater ins Bett kriechen, wenn ich schlecht geträumt hatte. Er nahm mich in die Arme und summte mir so lange Einschlaflieder vor, bis mir wieder die Augen zufielen. An seine kratzigen Wangen gekuschelt, fühlte ich mich geborgen und beschützt. Später dann, so ab dem 11. Lebensjahr, kam es mir nach und nach zu kindisch vor, meinem Vater derart auf den Leib zu rücken. Der innige Körperkontakt wurde mir plötzlich peinlich und ich zog mich langsam zurück. Umarmungen gab es bald nur noch zu Geburtstagen oder Weihnachten. Mein Vater akzeptierte diesen Loslösungsprozess mit einem stillen Seufzen, doch er liebte mich wohl zu sehr, als dass er seine Enttäuschung jemals hätte durchblicken lassen. Es war nun einmal der Gang der Dinge, dass aus kleinen Mädchen langsam Frauen wurden, die ihren eigenen Weg gehen wollten. Sicher hatte er sich gedacht, das alles würde sich wieder legen, wenn ich erst einmal erwachsen sein würde. Dass wir uns dann wieder unverkrampfter unsere Zuneigung zeigen könnten. Doch soweit sollte es nie kommen.
Ich rollte mich verzweifelt in meine Decke ein und zog meine Beine eng an die Brust. Was hätte ich nur darum gegeben, hätte er mich heute nach meinem bösen Traum tröstend in die Arme genommen und mir freundlich: „Alles wird gut, Sofia!" ins Ohr geflüstert. Vielleicht hätte ich ihm sagen können, wie lieb ich ihn hatte.
Nichts würde mehr gut werden. Die Albträume verschwanden nicht und Papa würde mich nie wieder in seine Arme nehmen. Vor vier Wochen war mein Vater bei einem Autounfall auf einer Landstraße in der Nähe von Lübeck ums Leben gekommen.
Das pochende Geräusch in meinem Kopf wollte nicht nachlassen, und ich beschloss mit einem leisen Seufzen doch aufzustehen, um diesen schon jetzt grausam anmutenden Tag hinter mich zu bringen.
Auf wackeligen Füßen tappte ich barfuß die Treppe herunter, betrat die Küche und öffnete einen unserer weißen Küchenschränke. Müde zog ich ein Saftglas heraus und hielt es unter den Wasserhahn, danach drückte ich mir – wie fast jeden Morgen – eine Paracetamol aus der mittlerweile fast leeren Packung und schluckte sie mechanisch herunter.
„Hi, hörte ich plötzlich eine raue Stimme aus der Essecke. Ich zuckte zusammen. „Hey, lass´ nicht vor Schreck dein Glas fallen, ich räum´ das dann sicher nicht weg
, spottete die Stimme mit beißendem Unterton.
Noch immer hatte ich mich nicht an meinen neuen Mitbewohner gewöhnt. Elf Jahre lang hatte ich mit meinem Vater alleine in unserer schönen Jugendstil-Villa im Hamburger Stadtteil Blankenese gelebt. Nachdem meine Mutter an Leukämie starb, als ich sechs Jahre alt war, hatte mein Vater nie wieder eine feste Freundin gehabt. Er war in seinem Leben zweimal verheiratet gewesen, „und das reicht auch", pflegte er immer kurz und bündig zu sagen.
„Hi, murmelte ich mehr zu mir selber als zu der dunklen Gestalt, die im Halbschatten der unbeleuchteten Essecke saß. Das war die kürzeste Antwort, die mir einfiel. Ich hatte nur wenig Interesse an einer eingehenderen Unterhaltung und hätte darauf gewettet, dass es meinem Bruder nicht anders erging. Ohne ihn weiter zu beachten, öffnete ich den Kühlschrank und zog ein großes Glas Vanillejoghurt heraus. Als ich in der Schublade nach einem Löffel kramte, meldete sich die Stimme aus der Ecke erneut. „Alle dreckig, musst dir einen aus der Spüle nehmen.
Genervt atmete ich aus und drehte mich widerwillig zu der noch immer spöttisch klingenden Stimme um. „Du bist schon wach?, fragte ich betont freundlich. Die Frage war mehr rhetorischer Art, denn ich sah auf den ersten Blick, dass Ben nicht gerade dem Bett entstiegen war. Er trug ausgewaschene Jeans und darüber ein eng anliegendes schwarzes T-Shirt, in dessen rechten Ärmel er eine Schachtel Zigaretten eingedreht hatte. Genau nach denselben roch er auch und ich nahm an, dass er wieder einmal eine Nacht mit Freunden in einer muffigen Kneipe durchzecht hatte. Angewidert rümpfte ich die Nase, als er aufstand und sich grinsend vor mir aufbaute. „Naja, so, wie du in aller Herrgottsfrühe rum schreist, muss man ja aufwachen.
Ich spürte, wie ich errötete, doch bevor mir eine Antwort einfiel, die bissig genug geklungen hätte, um ihn damit zu verärgern, war er schon an mir vorbeigeschlüpft und stapfte Richtung Badezimmer. „Ich nehm´ erst mal ne Dusche", sagte er beiläufig und zack – war die Tür auch schon zugefallen.
Warum? Diese Frage schwirrte schon seit drei Wochen durch meinen Kopf. Warum nur hatte Papa mir das angetan?
Ich wusste diese Frage war mehr als gemein und ungerecht. Mein Vater war schließlich nicht aus Absicht aus der Kurve geflogen und in seinem eigenen Wagen verbrannt. Und dennoch war es so. Er hatte mich allein gelassen. Nein! Allein wäre schon schlimm genug gewesen, aber das hätte ich noch irgendwie ausgehalten. Ich war 17. Vielleicht hätte ich für ein oder zwei Jahre in ein Internat wechseln können, um dort mein Abi zu beenden. Sicher wäre es nicht leicht gewesen, weg von Zuhause, von meiner Schule, meiner besten Freundin Stella. Ich hätte auch erst einmal bei Onkel Michael leben können. Ich war fast erwachsen und konnte gut auf mich selbst aufpassen. Mein Vater war in den letzten Monaten sowieso häufig beruflich unterwegs gewesen, sodass ich manchmal über Wochen auf mich alleine gestellt war. Unsere Haushälterin Emma war in dieser Zeit für mich wie eine gute Freundin gewesen, mir hatte es an nichts gefehlt.
Doch dann hatte Papa mich an diesen Fremden verkauft!
2
Ich hielt einen dreckigen Löffel unter den Hahn der mit Geschirr vollgestopften Spüle und ließ meine Gedanken fließen wie das Wasser, das in immer wärmer werdenden Strömen über meine Finger glitt.
Nach Papas Beerdigung war mir alles vorgekommen wie ein dunkles Loch, das mich drohend angähnte und mir die Luft zum Leben nahm. Wie ein Schlafwandler war ich umhergeirrt, betäubt von den Beruhigungsmitteln, die unser Hausarzt mir verschrieben hatte, nicht in der Lage einen klaren Gedanken zu fassen. Onkel Michael hatte sich die ersten Tage um mich gekümmert und dafür war ich ihm sehr dankbar. Er hatte mich getröstet und mir alle Zeit gelassen, die ich brauchte, um endlich über die entsetzliche Tatsache reden zu können, dass mein Vater nie wieder nach Hause kommen würde. Er hatte sich um die Beerdigung gekümmert und alle behördlichen Angelegenheiten geklärt. Fast hätte ich mich an den Gedanken gewöhnen können, dass er in naher Zukunft meine Ersatzfamilie sein würde. Vielleicht wäre es wirklich gut gegangen. Michael war Papas einziger Bruder und im Prinzip auch mein einziger noch lebender Verwandter. Mama hatte keine Geschwister gehabt und meine Großeltern hatte ich niemals kennengelernt. Ich selber war als Einzelkind aufgewachsen, obwohl ich wusste, dass es irgendwo einen sechs Jahre älteren Halbbruder aus der ersten Ehe meines Vaters gab. Bis auf ein einziges Mal, ich war vielleicht fünf Jahre alt gewesen, hatte ich Ben jedoch niemals persönlich gesehen. Nicht, dass mein Vater es nicht versucht hätte, Kontakt zu ihm und seiner Mutter aufzunehmen. Doch kaum hatten sich die beiden kurz nach Bens Geburt voneinander getrennt, war Papas Ex mit meinem Halbbruder nach Spanien gezogen. Viele Jahre gab es kein Lebenszeichen von ihnen. Mein Vater lernte meine Mutter kennen, und die beiden heirateten in einem Anflug großer Verliebtheit nur sechs Wochen nach ihrem ersten Rendezvous. Neun Monate später erblickte ich, Sofia Isabel Stevens, das Licht der Welt.
Lange hatte ich keinen einzigen Gedanken an meinen verschollenen Bruder vergeudet. Ich wusste zwar, dass er existierte, doch ich hatte ihn einfach vergessen, so wie eine Geschichte, die man vor langer Zeit einmal gelesen und dann zur Seite gelegt hatte.
Bis zu jenem Freitag vor vier Wochen.
Mein Vater war gerade drei Tage zuvor beerdigt worden, da erklärte mir Onkel Michael, dass wir einen Termin beim Notar wahrnehmen müssten, es ginge um erbrechtliche Angelegenheiten. Ehrlich gesagt hatte ich mich bis dahin noch nicht ein einziges Mal gefragt, ob oder was ich nach dem Tod meines Vaters erben würde. Es erschien mir pietätlos, so früh darüber nachzudenken, und so wunderte es mich umso mehr, als Michael mich so plötzlich mit dieser Nachricht überfiel.
Auf der Fahrt zur Anwaltskanzlei wirkte er sichtlich nervös und angespannt. Ich konnte mir nicht erklären, woraus seine eigenartige Unruhe resultierte, denn mit der Aussicht auf ein lukratives Erbe konnte es wohl kaum etwas zu tun haben. Wir besaßen zwar ein wunderschönes Haus in einer sehr exklusiven Wohnlage – die Villa hatte bereits mein Ururgroßvater, Kapitän Johann Stevens kurz nach Beginn des 20. Jahrhunderts erbauen lassen – aber ansonsten verfügten wir über keine nennenswerten Reichtümer. Mein Vater hatte nach seinem Biologiestudium und dem Abschluss seiner Doktorarbeit eine Dozentenstelle für Ornithologie an der Uni Hamburg angetreten. Manchmal hatte er Fernreisen unternommen, um ausländische Ornithologen bei ihren Forschungsarbeiten zu unterstützen. Nichts Spannendes, es ging eben um Vögel. Seine Arbeit hatte mich nie besonders interessiert. Er verdiente gutes Geld, aber im Luxus schwelgen konnten wir nicht.
Als wir die in warmen Brauntönen gehaltene Kanzlei des Notars betraten, wartete am Empfang bereits ein fremder junger Mann. Der Anwalt selber konnte es nicht sein, dafür war er zu leger gekleidet: Jeans, ein offenes hellblaues Hemd und ein enges schwarzes T-Shirt unter dem sich ein durchtrainierter Oberkörper abzeichnete. Seine schwarze Lederjacke hatte er lässig über die Schulter geworfen. Die dunkelbraunen Haare umrahmten wild seine scharf geschnittenen Gesichtszüge. Der fremde junge Mann schaute nicht auf, als wir die Tür öffneten. Er war in ein Gespräch mit der Sekretärin vertieft, die nur schlecht überspielen konnte, wie sehr sie von ihm angetan war. Der Mann flüsterte, doch die blonde Frau hinter dem Schreibtisch kicherte albern und drehte kleinmädchenhaft eine lose Haarsträhne um ihren Zeigefinger, als er sie mit einem herausfordernden Zug um den Mund anlächelte.
Ich setzte mich neben Michael auf einen Stuhl und schlug die Beine übereinander. Keine Sekunde dachte ich darüber
