Ein kleines, leichtes Glück: Erzählung
Von Adi Hübel
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Über dieses E-Book
Der Vater ist fern, in Krieg und Gefangenschaft. Klara, Katharinas Mutter, muss ihre vier Kinder alleine groß ziehen. Die übermenschliche Anstrengung, auch nach Kriegsende das Auskommen für alle zu sichern, bringt sie an den Rand ihrer Kräfte.
Rückblickend sieht Katharina, wie unmöglich es für die Eltern ist, nach zehnjähriger Trennung von vorne zu beginnen.Es geht vor allem um die beiden Protagonistinnen Klara und Katharina. Die Mutter, Klara, versucht mit allen Mitteln ihre große Familie durch Kriegs- und Nachkriegszeit zu bringen. Sie arbeitet bis zum Zusammenbruch. Kathi und mit ihr die anderen drei Geschwister erleben ihre Kindheit von Entbehrungen gezeichnet. Trotzdem sind die kleinen Freuden die der Alltag, die Verwandten, die wechselnden Jahreszeiten mit sich bringen nicht vergessen.
Die Geschichte wird in einunddreißig kurzen Kapiteln erzählt.
Adi Hübel
Adi Hübel ist im Allgäu geboren und aufgewachsen. Sie studierte auf dem 2. Bildungsweg, arbeitete kurzzeitig als Pädagogin und leitete in Ulm, nach ihrem zweiten Studium an der LMU in München, ein kleines Theater. Sie schrieb Theaterstücke für Erwachsene und Kinder, Artikel, Essays, Rezensionen und Kurzgeschichten. Sie leitete 4 Jahre den Verein Ulmer Autoren 81 e.V., organisierte Werkstattgespräche, Lesungen und Workshops. Seit 2006 erschienen von ihr drei Gedichtbände, einige Anthologien mit ihren Gedichten und Kurzgeschichten, ein Erzählung und zwei Kriminalromane. Ihre Gedichte sind auf einer CD zu hören und auch ins Serbische übersetzt. Neu erschienen ist ihr Kriminalroman Tod in Ulm nun als Krimi-Hörbuch. Es ist im Buchhandel oder bei Adi Hübel direkt zu beziehen.
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Buchvorschau
Ein kleines, leichtes Glück - Adi Hübel
Adi Hübel
Ein kleines, leichtes Glück
Erzählung
Inhaltsverzeichnis
Erinnern
Der Schlüssel
Oase der Stille
Ein Königreich
Menschenbilder
Sommerleuchten
Bäs Vero
Dienstmagd
Der Immergeliebte
Die Glücklosen
Maikäfer flieg
Handhalten
Große Augen
Sie hat sie geliebt
Die Unterwelt
Das Trojanische Pferd
Sieger und Besiegte
Hilfe, ich werde nicht satt
Eine Zitrone für Kathi
Maria mit dem Kinde lieb
Fragezeichen ohne Antwort
Fliegen im Winter
Hasenabfall
Bitterer Löwenzahn
Duft der Kindheit
Nahe am Rand
Ohne Betäubung ins Nichts
Die große Welt
Fremd aus der Fremde
Ein Vater für Kathi
Ein kleines, leichtes Glück
Impressum
Meinen Kindern
1. Erinnern
Erinnert werden meist die Schrecknisse des Lebens. Sie graben sich ein in Seele und Körper und überdauern die Zeiten.
Doch nicht immer sind sie mit leichter Hand aufzufinden. Versteckt lauern sie, eingesponnen in einen düsteren Kokon des Vergessens in der Tiefe unseres Bewusstseins.
Und dennoch verflüchtigen sie sich nicht.
Nicht selten steigt das Verdrängte an die Oberfläche unseres Fühlens, wenn Ereignisse und Orte das Einstmals wie ein Sesam-öffne-Dich erschließen. Orte der Kindheit und tiefe Einschnitte im Verlauf unseres Daseins legen plötzlich deutliche Spuren und verlangen verfolgt zu werden.
Katharina musste sich erinnern. Doch wo müssen und wollen beginnen und enden, ist selten feststellbar.
So wäre es auch denkbar zu sagen, Katharina wollte sich erinnern. Doch wäre dadurch etwas anders geworden. Hätten sich die Wahrheiten von damals eher bestätigt? Wäre die frühe Zeit heller und lichter geworden? Nichts spricht dafür.
So war der Verlust der Wegbereiterin ihres Daseins für Katharina Anlass genug, dieses Müssen zu bekräftigen. Alles verlangte nach Sichtung, nach Bestätigung, auch nach Wertung und möglicherweise Wertschätzung. Weshalb war sie selbst die geworden, die sie war. Wo waren die Vorlieben, Defizite entstanden. Welche Ereignisse wogen wie schwer.
Katharina griff nach den Fäden, sie zu entwirren, um sich in das Labyrinth der Erinnerung zu begeben. Etwas lockte sie, rief sie, versprach Klarheit und sichere Zuordnung.
Es galt, ein verschlossenes, ungesichtetes Wissen und Fühlen zu erhellen. Denn nicht nur Dunkles und Düsteres schien sich zu verbergen, sondern auch eine schmerzliche Süße, die in Kindertagen immer wieder so unverhofft die Härte der Tage gemildert hatte. Sie wollte Katharina auffinden und auskosten, wie damals.
Mutig begann sie daran zu glauben, dass ihr dies gelingen könnte.
2. Der Schlüssel
An zweiter Stelle erst das Bild des Hauses, des Gartens, des schmalen zaunbewehrten Pfades, des Grüns des Birnenspaliers. Der Schlüssel dazu das Wiesel, das Wiesel verwachsen mit der Konsole auf rund geschwungener Stütze, das Wiesel aus halber Höhe drohend, das Wiesel dicht neben dem schwingenden Pendel der Uhr.
Rötlich braun schimmert das Fell, dünn geschabt und glanzlos vom vielen Anfassen, trotz des Verbotes. Vier kurze, muskulöse Beine, zum Lauf gespannt, den kleinen Körper gestreckt zum Sprung, dem unsichtbaren Feind entgegen. Schwarz irisierend die funkelnden Glasaugen im schmalen füchsigen Gesicht; grausam stechend, über den drohend nach oben gezerrten Mundwinkeln. Die Doppelreihe spitzer weißer Zähne leicht geöffnet hinter den entblößten Lefzen, bereit zum tödlichen Biss.
Alles an diesem Tier war Grauen erregend und schrecklich. Alle Bosheit, alle Wut seines Ausdrucks waren auf Katharina gerichtet. Unmöglich zu fliehen, unmöglich sich zu verbergen. Nur einen Meter entfernt unter dem Schrecklichen, verharrte sie starr vor Entsetzen auf ihrer Schlafstätte, dem Sofa. Gleißend floss das Licht von Mond und Sternen durch das kleine seitliche Fenster. Unerbittlich beschien es den Feind, die Ursache ihrer Angst und Reglosigkeit.
Keine Frage nach der Richtigkeit der Wahrnehmung, kaum ein Versuch sich zu entziehen, immer wieder derselbe Zustand, abends, nachts, wenn der Mond sie weckte, die Stille, die lautlose Bedrohung über ihr, das Böse, das Grauenvolle. Nur in der Tageshelle war es möglich, sich hinzuwenden, heimlich zuzufassen, Vertrautheit vorzutäuschen.
Das Wiesel war nur eine der Besonderheiten im Hause der Großeltern. Dicht neben dem kleinen Tier tickte mit selbstverständlicher Regelmäßigkeit das Perpendikel der Uhr, schwang hin und her, endlos. Die Aufgabe des Großvaters und sein Vorrecht war es, den Schlüssel vom Abdeckbrett zu nehmen, die Glastüre zu öffnen, um mit langsamen, bedächtigen Drehungen die Zeit am Fließen zu halten.
Eine andere Kostbarkeit war der Glasschrank der Großmutter. Die untere Hälfte mit Holz verkleidet, konnte Katharina durch die Scheiben mit zunehmender Größe, all die schönen Dinge auf den oberen Einlegebrettern bewundern, welche die Großmutter im Laufe ihres Lebens angesammelt hatte und die sie hier liebevoll verwahrte. Selten nur durfte sie anfassen. Verboten war es ihr, so lange sie denken konnte, den Schrank zu öffnen, um die kleinen Porzellanfiguren, Döschen und Broschen herauszunehmen.
Hinter der Stubentüre wärmte während der kalten Zeit ein großer, aus Ziegelsteinen gemauerter Kachelofen. Die umlaufende Ofenbank bot den Kindern ein kuscheliges Plätzchen, eine Schlafhöhle, ein Versteck in lustvollen Momenten und traurigen Augenblicken.
Das Schönste an der Stube aber waren die vielen kleingeteilten Fenster, durch welche die Sonne den Sommer über und in schönen Herbststunden und frostigen Wintertagen alles Vorhandene vergoldete. Auf den einfallenden Sonnenstrahlen tanzten die Staubpartikel wie fein ausgestreute Glitzerspreu zu Boden. Saß Kathi alleine in der Stube, so war meist nichts zu hören als das Ticken der Uhr. Das Gefühl der Beklemmung wurde in manchen Augenblicken so stark, die Stille des Hauses so überwältigend, dass sie ihr eigenes Herz dröhnen hörte, machtvoll und drängend schlagen, höher und höher bis in die Kehle, die sich langsam ruhigem Atem verschloss. Schmerztiefe Seufzer und die Rückkehr in die bewegte Welt garantierten dann das Leben.
Teppiche gab es wenige im Haus. Unter dem Stragulaläufer knarrten die Dielen. Die Bodenbretter, breit und von dunklem Braun, glänzten und rochen nach Seifenwasser und Wachs. In der Sitzfläche des alten Sofas wölbte sich eine tiefe Kuhle nach unten. Selbst unter Katharinas leichtestem Hüpfen rieselte braungrünes Seegraspulver aus den Polstern. Über dem Kachelofen wurde im Winter auf einer umlaufenden Stange die Wäsche getrocknet, in seiner dunklen Höhlung der Ziegelstein erhitzt, der, mit einem Lappen umwickelt, abends die Eiseskälte des Bettes erträglicher machte.
Hinter der Stube lag die Schlafkammer der Großeltern: zwei Betten, zwei Nachttische, ein Schrank. Vor dem Bett ein bunter abgetretener Flickenteppich. Die Wände nackt, kahl, weiß, bis auf das große Bild über dem Ehebett: Christus mit entblößtem Herzen, mit flammendem Herzen, Christus mit liebendem Blick, mit langem gewelltem Haar und sanften Augen trotz bloßliegender Eingeweide. Ein brennender Vorwurf dennoch. Auch auf dem Nachttisch der Großmutter, auf dem viereckigen gestärkten Deckchen ein kleines Kreuz aus weißem Porzellan.
Hier mussten sie gezeugt worden sein, die elf Kinder, Söhne und Töchter jetzt selbst Väter und Mütter, drei von ihnen schon als Kind gestorben, zu sich genommen vom Herrn. Doch solche Überlegungen entstanden nicht angesichts dieses Raumes, wären, hätten sie in Katharinas Denken schon Grund gehabt, ohnedies verboten gewesen. Kinder wurden nicht gezeugt, sie wurden auch nicht geboren. Sie waren einfach da und basta.
Zurück durch die Stube über die hohe Schwelle in die
