Trevellian und der Fall in der Willett Street: Action Krimi
Von Pete Hackett
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Über dieses E-Book
Krimi von Pete Hackett
Der Umfang dieses Buchs entspricht 130 Taschenbuchseiten.
Ein ganzer Straßenzug mit Bruchbuden, die kaum noch bewohnbar sind. Und doch leben hier Menschen. Das ändert sich, als jemand versucht, mit Drohungen und sogar Mord diese Mieter zu vertreiben. Die Ermittler Trevellian und Tucker rätseln lange, bis sie den Drahtzieher dieser perfiden Masche finden – damit haben sie ihm aber noch nicht das Handwerk gelegt.
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Trevellian und der Fall in der Willett Street - Pete Hackett
Trevellian und der Fall in der Willett Street
Krimi von Pete Hackett
Der Umfang dieses Buchs entspricht 130 Taschenbuchseiten.
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1
Willett Street, Nr. 108. Es war frühmorgens. Der 17-jährige Jimmy Walker verließ die ärmliche Wohnung in der 1. Etage des verwahrlosten Hauses, in dem nur noch vier Familien hausten.
Jimmy lebte mit seiner Mutter zusammen. Seinen Vater kannte Jimmy nicht mal vom Namen. Die Mutter war dem Alkohol verfallen. Über ein Einkommen verfügte sie nicht. Der Junge war gezwungen, ein paar Dollars zu verdienen, um sich und seiner Mutter wenigstens die Bruchbude von Wohnung zu erhalten, täglich etwas Essbares auf den Tisch zu bringen und seiner Mutter den nötigen Sprit zu besorgen. Nur mit Feuerwasser war sie ruhig zu stellen.
Jimmy hatte einen Job als Zeitungsausträger angenommen. Er musste sich beeilen, um rechtzeitig zur Verteilungsstelle zu kommen, denn die Kerle, die die Jobs vergaben, fackelten nicht lange. Wer nicht rechtzeitig kam, der flog. Also hetzte Jimmy in den Keller, um sein klappriges Fahrrad zu holen.
Jimmy war ehrgeizig. Er hatte sich geschworen, sich aus eigener Kraft aus dem Sumpf von Asozialität und Armut freizuschwimmen und irgendwann ein geordnetes Leben zu führen.
Der seltsame Geruch im Treppenhaus fiel dem Jungen nicht auf.
Im Keller machte er Licht.
Der Funke, den das Drehen des altmodischen Schalters auslöste, genügte ...
Ein fürchterlicher Krach! Ein Flammenmeer! Die Decke stürzte ein und begrub Jimmy unter sich. Eine Wolke aus Rauch und Staub stieß durch den Keller, fand einen Weg, stieg im Treppenhaus in die Höhe und hüllte alles ein. Flammen züngelten aus dem Bauschutt und fanden immer neue Nahrung in dem ausströmenden Gas ...
Die Bilanz war schrecklich.
Das Haus war bis zum 1. Stockwerk eingestürzt. Die Mieter im Erdgeschoss, ein Ehepaar mit Tochter, und Jimmys Mutter waren tot. Die anderen Bewohner mussten evakuiert werden.
Die Untersuchung ergab, dass sich im Keller des Gebäudes die Verbindungsschraube zweier Gasrohre gelockert hatte. War es Menschenwerk oder das Alter des Materials – es war nicht nachzuvollziehen. Kundendienste wurden in den Gebäuden schon seit Jahren nicht mehr durchgeführt. Mögliche Spuren waren dem Brand zum Opfer gefallen.
Fünf Tote.
An Terror dachte niemand. Gasexplosionen kamen immer wieder mal vor.
Niemand konnte ahnen, dass in 108 Willett Street ein Exempel statuiert worden war.
Man begann mit dem Abriss des einsturzgefährdeten Hauses. Bald zeugte nur noch ein riesiger Berg Bauschutt davon, dass hier einmal Menschen gelebt hatten.
Bei den Mietern der anderen Häuser ging das Gespenst der Angst um. Konnte nicht in jeder anderen dieser Ruinen, in denen sie hausten, tagtäglich das selbe passieren?
Einige der Mieter nahmen mit der Besitzerin der Häuser Verbindung auf und drängten auf Überprüfung der Gasleitungen. Morna Jefford, Inhaberin einer Modehauskette, schickte einen Installateur. Die Gasleitungen waren dicht. Es gab keinen Handlungsbedarf. Die Mieter beruhigten sich.
Einige Wochen vergingen ...
2
Jim Winters betrat das Haus Nr. 104 in der Willett Street. Ihm schlug muffige, abgestandene Luft entgegen. Er knipste die Beleuchtung an. Dann stieg er die Treppe hinauf zur 3. Etage.
Die Stromkabel hier im Treppenhaus lagen noch auf Putz, der in großen Flecken abgefallen war und sich teilweise auf dem Fußboden häufte. Die Wände waren mit allen möglichen Sprüchen vollgekritzelt, stellenweise waren Graffiti-Künstler mit ihren Spraydosen am Werk gewesen. Da war alles zu lesen, vom sexistischen Erguss bis hin zur neonazistischen Parole.
Hier zu wohnen war geradezu menschenunwürdig. Aber das galt fast für die gesamte Straße. In der Willett Street gab es nur alte, verwahrloste Häuser mit Rattenlöchern als Wohnungen. Viele standen leer. Manche der Gebäude waren einsturzgefährdet. Dafür aber waren die Mieten verdammt billig, und die Menschen, die hier hausten, lebten am Existenzminimum oder darunter.
Darüber dachte Jim Winters schon lange nicht mehr nach. Er lebte in den Tag hinein, von der Hand in den Mund. Es reichte ihm, ein Dach über dem Kopf zu haben.
Er war abgestumpft. Jim Winters lebte nur noch wie ein Tier in der Gegenwart. Die Vergangenheit war es nicht wert, darüber nachzudenken. Die Zukunft war zu trübe, um einen Gedanken daran zu verschwenden.
Er kam ziemlich atemlos im 3. Stockwerk an. Die linke Tür führte in seine Wohnung. Er kramte in seiner Tasche und holte den Schlüssel heraus. Die verkratzte Korridortür mit dem stellenweise abblätternden Lack schwang in den Scharnieren quietschend und ächzend nach innen auf. In der Küche lief das Radio. Die Tür war nur angelehnt.
Jim Winters holte tief Luft. Er war zwar erst 32 Jahre alt, aber er rauchte zu viel. Viel zu viel. Und er war auch alles andere als ein Feind des Alkohols. Diese Laster hatten sich ihm auf die Pumpe gelegt.
Er stieß die Küchentür auf. Barbara war nicht da. Schmutziges Geschirr stand auf der verbeulten Ablage der Spüle. Es roch verbrannt. Jim rümpfte die Nase. Auf dem Gaskocher stand ein Topf. Er qualmte. „Nudeln, knurrte er. „Immer nur Nudeln. Und die lässt sie verbrennen. Die Alte hängt mir langsam zum Hals raus.
Er drehte den Ofenknopf herum. Der Ring aus Gasflammen unter dem Topf verlosch.
Die Dudelei aus dem Radio mutete ihn plötzlich unerträglich an. „Verdammte Negermusik!", schimpfte er und schaltete das Radio aus.
Er war schlecht gelaunt. Den ganzen Tag fast hatte er sich in der Stadt herumgetrieben. Wo er sich auch aufgestellt hatte, um zu betteln, die Cops hatten ihn jedes Mal vertrieben. Die Subway-Cops hätten ihn um ein Haar wegen Landstreicherei eingesperrt.
Es war zum Kotzen. Er fand sein Leben wieder mal so richtig beschissen.
Er kratzte sich am stoppelbärtigen Kinn, machte kehrt und ging zum Wohnzimmer. „Die liegt wieder auf der Couch und lässt sich von Gott und der Welt aufs After schmatzen, brabbelte er. „In der Küche sieht es aus wie in Bagdad nach dem Golfkrieg. Nix anständiges zum Fressen kochen, auf der faulen Haut liegen und mich blöd anmachen, wenn ich wieder mal Pech gehabt habe. Das kann sie. Das ist aber auch alles. Ich sollte diese stinkfaule Sau zum Teufel jagen.
Ja, seine Stimmung war wirklich auf dem Nullpunkt. Und das schlug sich 100-prozentig in seiner sowieso nicht gerade feinen Ausdrucksweise nieder.
Seine Rechte fiel auf die Türklinke. Die Tür flog auf. Er wollte Barbara jetzt so richtig aufmischen. Seine Lippen sprangen auseinander, aber das, was er hinausbrüllen wollte, blieb ihm in der Kehle stecken. Er verschluckte sich fast, seine Augen weiteten sich.
In einem der vorsintflutlichen Sessel, der aussah, als hätten ihn die Mäuse angefressen, saß starr und steif Barbara und starrte ihn voll Angst an. Denn hinter ihr stand ein Typ mit einer Strumpfmaske über dem Kopf und hielt ihr eine Waffe gegen die Schläfe.
Und ein anderer Kerl wartete neben der Tür. Ebenfalls maskiert, ebenfalls eine Waffe in der Faust. Und dessen Mündung bohrte er jetzt Jim Winters in die Seite.
„Hereinspaziert, Winters", erklang es dumpf hinter der Maske, die sich vor dem Mund des Sprechers leicht blähte, als sich die Luft staute. Die Stimme klang etwas verzerrt. Die braunen Augen, die ihn durch die Löcher der Kapuze fixierten, blickten kalt und unerbittlich.
Der Schreck, der sich in Jim Winters staute, brach sich Bahn in einem abgrundtiefen Ächzen. Der Magen krampfte sich ihm zusammen. Als ihn der Bursche ins Zimmer drängte, hatte er sekundenlang das Gefühl, dass seine Knie jeden Moment nachgaben.
„Was – was wollt ihr?, stammelte er entsetzt, als seine Stimmbänder wieder funktionierten. Sein Organ klang heiser vor Furcht. „Kommt ihr wegen ...
„Genau deshalb sind wir hier, knurrte der Kerl, dessen Schießeisen ihm schmerzhaft gegen die Rippen drückte. „Du solltest dir samt deiner Schlampe ‘ne neue Bleibe suchen. Als wir vorhin nachsehen kamen, ob du unserem Wunsch entsprochen hast – was mussten wir feststellen? Du hast dich nichts darum gepfiffen. Ihr seid immer noch hier. Und das ist schlecht für euch.
„Himmel, ich hab mir die Hacken abgerannt. Aber ich hab nichts gefunden. Wo ich auch anfragte: Keiner war bereit, mir auch nur das schäbigste Loch zu vermieten. Ich hab keine Arbeit. Sie fürchten alle, dass sie ihre Miete nicht kriegen. Ich – ich ..."
Der Maskierte unterbrach ihn schroff. „Diese Befürchtung hätte ich bei dir auch, Winters. Warum versuchst du es nicht im Central Park, oder unter einer Brücke. Wenn ich dich so ansehe, käme ich sowieso nicht auf die Idee, dass du‘n Dach über‘m Kopf hast. Siehst aus wie‘n gottverdammter Penner."
Winters atmete rasselnd aus. „Ich hab eben nur Pech im Leben. Wir kommen gerade so über die Runden. Heut hab ich keine drei Dollar eingenommen. Ich kriege keine Arbeit. Die Bullen, glaube ich schon fast, haben es ausschließlich auf mich abgesehen. Mein Gott, lasst uns doch wenigstens dieses Loch hier. Es gewährleistet wenigstens, dass wir uns im Winter nicht den Arsch abfrieren müssen."
„Wen interessiert euer Arsch, Winters?, grinste der andere hämisch. „Versuchs doch mal mit Handtaschenraub. Alte Omas oder Gebrechliche, die dich nicht mehr verfolgen können. Du weißt schon. Oder brich Kaugummiautomaten auf. Mit Betteln bringst du‘s wohl wirklich nicht weit. Die Nächstenliebe bleibt immer mehr auf der Strecke.
Winters glaubte, aus dem Tonfall des Maskierten so etwas wie Entgegenkommen entnommen zu haben. Er wurde sicherer und seine Stimme klang gefestigter, als er sagte: „Ich wusste doch, dass ihr
