Gianni Kuhn: Porträts, Lesarten und Materialien zu seinem künstlerischen Werk
Von Klaus Isele (Editor)
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Buchvorschau
Gianni Kuhn - Klaus Isele
Porträtskizzen, Widmungen, Würdigungen
Zsuzsanna Gahse
Kurzfilm mit Roland
Manch einem stehen Beinamen und zusätzliche Bezeichnungen zu, die Zusätze bieten sich an, sie fallen einem zu, sind IM FALLEN BEGRIFFEN, um Gianni Kuhn mit einem seiner Buchtitel zu zitieren, um hier die Wörter dessen einzusetzen, von dem die Rede ist. Sein Name ist an sich schon passend, erstens Gianni, leicht südlich im Auftreten, mit Kräuselhaaren, zweitens geradezu kühn, und zusätzlich käme der Name Roland in Frage. Nicht etwa der allgemein bekannte Rasende Roland, sondern der Ruhige Roland, der ruhig Eilende. Tagsüber ist er unentwegt unterwegs, deshalb Roland. Im Ittinger Kunstmuseum tritt er mit einem Mal aus einer der Türen, verschwindet schnell wieder im ehemaligen Wandelgang, steht plötzlich wieder vor einem, und diese Begegnungen muss sich ein Fremder in einem Kloster vorstellen, dort befindet sich das Museum, es ist ein Teil der allgemein bekannten Kartause Ittingen. In der Kartause gibt es lange Gänge und viele Türen, keine Tapetentüren, aber Roland taucht jeweils so unerwartet auf, als würde er aus einer Tapetentür hervortreten, und zu sehen ist er nicht nur innerhalb des Kunst-Klosters, sondern auch ANDERORTEN. Vorübergehend wird er draußen vor dem Museum zwischen den Hecken und auf dem Kiesweg gesichtet. Er hat etwas zu erledigen. Nicht nur in Ittingen. In dieser Gegend nahe dem Bodensee gibt es keine überdimensionierten Städte, hingegen mehrere städtische Orte, zum Beispiel Frauenfeld, Kreuzlingen wäre ein zweites Beispiel, und an beiden Orten ist er schon mehrfach an mir mit einem Tempo vorbeigehuscht, dass ich ihn weder ansprechen, noch ihm etwas zurufen konnte. Insofern ist er doch der Rasende Roland. Unterwegs ist er in Sachen Kunst, und Roland ist mehrfach kunstverbunden, tagsüber für das Museum und dessen Umfeld, außerhalb der Tagesarbeit trifft er die Kunst in den eigenen vier Wänden an, zu Hause kommt sie ihm entgegen, seine Frau nämlich, die Bildende Künstlerin, und irgendwann setzt sich Roland an seinen Schreibtisch und sucht nach den Wörtern oder Zeilen, die er teils wohl schon beim Tageshuschen im Kopf hatte, und die schreibt er auf. Am Schreibtisch geht es um die Schreibende Kunst. Wahrscheinlich fährt er am Folgetag mit neuen Sätzen zur Kartause, und wenn Roland namens Gianni Kuhn zwischen den Klostermauern jemandem begegnet, mir zum Beispiel, grüßt er ruhig und geht weiter, und dabei entstehen weitere Sätze, die er am Abend aufschreibt.
Katrin Zürcher
Umgeben von Büchern und Schneckenhäuschen
Sein Arbeitsplatz ist ihm Inspiration: Der Frauenfelder Schriftsteller Gianni Kuhn beschreibt in seinen Gedichten und Geschichten den ganz alltäglichen Wahnsinn. Die Ideen dazu findet er auch unterwegs oder bei seiner Arbeit in der Kartause Ittingen.
Gianni Kuhns Gedichte und Geschichten entstehen mitten in Frauenfeld, in einem Arbeitszimmer mit altem Parkett und hoher Stuckdecke. Der Schriftsteller teilt es mit seiner Frau, der Fotokünstlerin Simone Kappeler. Arbeiten beide gleichzeitig darin, sitzen sie sich gegenüber. Auf seiner Seite stehen Laptop und Bücher, auf ihrer gibt es eine Sammlung von Steinen und Schneckenhäuschen. An den Längswänden stehen zwei grosse Aquarien mit Kongo- Salmlern. Meistens arbeiten beide an eigenen Projekten, manchmal auch an gemeinsamen. Der Blick aus dem Fenster des Arbeitszimmers geht auf die Zürcherstrasse und zum Coop Schlosspark. Das Paar bewohnt das Elternhaus von Simone Kappeler seit vielen Jahren; hier sind auch ihre drei zwischen 1984 und 1989 geborenen Söhne aufgewachsen.
»Ich schaue gern zum Fenster hinaus«, sagt Gianni Kuhn, »beobachte Menschen, stelle mir vor, wo im Leben sie stehen.« Aus fast allen Beobachtungen könnten Geschichten entstehen. Das Schreiben ist ihm ein Bedürfnis. »Ich könnte nicht sein ohne, das wäre ungesund.« Erste, kritische Lektorin der Geschichten und Gedichte ist seine Frau, erst danach wird der Verleger einbezogen. Neun Bücher sind bisher im kleinen süddeutschen Verlag Isele erschienen. Gedichte, Roman und Novelle, Erzählungen, Kurzgeschichten. Das jüngste Werk »Calais – Dover« ist eine Sammlung von Geschichten aus Frankreich. Frankreich ist Gianni Kuhn zur »kleinen Heimat« geworden, wie er sagt. »Ich mag die Sprache, die Kultur, die Landschaft, das Essen.« Früher reiste die Familie jeden Sommer nach Südfrankreich, heute zieht es ihn eher nach Paris. Auf Reisen hat er immer ein kleines blaues Heft dabei. Er zieht ein paar der Hefte aus dem Regal. »Prag« steht auf einem, »London« und »Wien« auf anderen.
Ins Heft »Paris« notierte er die Szene mit der jungen Frau, die sich eines frühen Morgens vor seinem Hotelfenster nahe Nôtre-Dame abspielte. »Sie redete mit zwei jungen Männern, die auf einem Motorrad kamen. Es war ein Hin und Her, sie fuhren weg, kamen zurück, redeten wieder.« Zu Hause in Frauenfeld entstand daraus eine Kurzgeschichte, die er auf seinem Laptop unter »Paris« gespeichert hat. In Dutzenden von virtuellen Ordnern reifen die Geschichten, bis sich ein Thema verdichtet und ein Buch entsteht. Beim Schreiben lässt sich der 57-Jährige treiben und schaut, wohin ihn der Text führt, wie sich seine Figuren entwickeln, was sie denken und tun. Sein Interesse gilt dem Kleinen, dem Unscheinbaren – »dem ganz alltäglichen Wahnsinn«. Ideen für seine Geschichten findet er auf Reisen, im Strassencafé oder bei der Arbeit.
Dass sein bislang einziger Roman, »Der Falschspieler« aus dem Jahr 2004, im Umfeld eines Kunstmuseums spielt, ist kein Zufall. Gianni Kuhn hat darin manches beschrieben, was er aus eigener Erfahrung kennt. Seit 1984 arbeitet er im kantonalen Kunstmuseum, zuerst in einem Pensum von 50 Prozent, heute zu 70 Prozent als Leiter der Ausstellungstechnik. Im Lauf der Jahre hat er ungezählte Kunstausstellungen eingerichtet, die Wünsche der Künstlerinnen und Künstler erfüllt, den Rücktransport der Werke organisiert. Wie hat sich der Kunstbetrieb in den rund 30 Jahren verändert? »Früher gab es nur zweierlei«, antwortet er, »Bilder an der Wand und Skulpturen auf Sockeln.« Es genügte zu wissen, wie und auf welcher Höhe Bilder anzubringen waren. »Dann hat sich das Video eingeschlichen, plötzlich brauchte es Monitore und Beamer, das räumliche Denken wurde wichtiger.« Er findet den installativen Bereich der Kunst, das Arbeiten in den Raum hinein, sehr faszinierend, obgleich er einräumt: »Zehn Videos zu installieren ist anstrengender als hundert Bilder aufzuhängen.«
Bevor Gianni Kuhn in Frauenfeld sesshaft wurde, bereiste er die ganze Welt. 1955 geboren und in Gossau aufgewachsen, studierte er in Zürich ein paar Jahre Kunstgeschichte, Germanistik und Philosophie, absolvierte die Kunstgewerbeschule St. Gallen und die Theaterschule Paris. Sein Geld verdiente er mit den verschiedensten Jobs. In New York verliebte er sich in Simone Kappeler. Als das erste Kind unterwegs war, liess sich das Paar in Frauenfeld nieder. Er fand eine Teilzeitstelle im Kunstmuseum und kümmerte sich um die Kinder: »Ich war einer der ersten Männer, die mit einem Buggy unterwegs waren.« Sooft Zeit übrig blieb, malte, schrieb und musizierte er. Seit der Veröffentlichung seines ersten Buchs im Jahr 1999 konzentriert er sich künstlerisch aufs Schreiben. Diesem ersten Buch, dem Gedichtband »alpseen. meerkanten. anderorten.« ist das folgende Gedicht entnommen:
lass mich einmal
lass mich für einmal
ins blaue starren,
ins land fahren,
einen baum rammen,
mit dem leben davonkommen
amen
Klaus Isele
Der genaue Beobachter unseres Alltags
Gianni Kuhn nimmt unter allen »meinen« Autoren eine Sonderstellung ein. Er ist der einzige, dessen sämtliche Werke ausschließlich in der Edition Isele erschienen sind. Das hat man als Verleger gerne. Und Gianni ist auch der einzige Edition-Isele-Autor, der die Umschläge all seiner Bücher stets zusammen mit dem Verleger gestaltete – beide stundenlang vor dem Computerbildschirm sitzend, Buchstaben verschiebend, Farbtöne verändernd, die Gesamtkomposition immer wieder betrachtend und eine Textzeile dann doch noch um etwa acht Millimeter nach unten oder nach oben rückend.
Von allen Edition-Isele-Autoren ist Gianni meines Erachtens der am meisten unterschätzte; sein schriftstellerisches Œuvre ist bislang noch nicht ausreichend erkannt und gewürdigt worden – was sich hoffentlich bald ändern wird. Ich bin da
