Über dieses E-Book
Verdrängte Konflikte erwachsen sich derweil zu Bedrohungen, die sich auf die gesamte Vampirgesellschaft auswirken. Wenn sich Lyz und ihre Begleiter weiterhin aus der Verantwortung ziehen, endet die Herrschaft der Lucards.
Elnaro
Elnaro ist Autorin und Illustratorin. Ihre Geschichten drehen sich um Liebe in zumeist Eifersucht erzeugenden Dreiecksbeziehungen. Sie erschafft durchdachte Welten, in denen sie Wissenschaft mit Mystery-Elementen vermischt. Besonderen Wert legt sie auf Charaktertiefe und -entwicklung. Forced Fortune - Erzwungenes Glück ist das erste Werk, das Elnaro bis ins Detail ausgearbeitet hat. Die Entwicklung und Umsetzung der Geschichte hat sich auf einen Zeitraum von 6 Jahren erstreckt. Elnaro ist hauptberuflich im Wissenschaftsbetrieb tätig.
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Buchvorschau
Forced Fortune - Elnaro
KAPITEL 32
Entfernungen
Als ich Rova und Alex zum ersten Mal als Vampir gegenüberstand, ergab mein ganzes Leben plötzlich einen Sinn. Ich spürte ganz deutlich, dass all mein Leid und die Ausgrenzung, weil ich nicht zu denen gehört hatte, unter denen ich lebte, für immer vorbei waren. Ich hatte mich in das verwandelt, was ich schon immer sein sollte und es fühlte sich nun nicht mehr nur richtig an, es war die einzige Lösung aus dem Dilemma, das sich mein Leben nannte. Meine menschlichen Eltern degradierte ich zu Wirten, denn ab sofort betrachtete ich die Lucards als meine wahre Familie. Magret-Natalia hatte mich neu geboren, mir einen Neuanfang geschenkt, den ich um jeden Preis nutzen musste.
Rovas spürbare Unruhe verhieß, er wolle das InterContinental so schnell wie möglich verlassen, doch das Tageslicht hinderte mich daran, einfach durch die Tür hinauszuspazieren. Da bis zum Abend Ausharren für ihn nicht zur Debatte stand, zog er sein dunkelblaues Jackett aus und legte es mir auf die Schultern.
„Für später gegen die Sonne",
erklärte er und fuhr danach mit uns im Fahrstuhl bis in die Tiefgarage. Dort parkte sein Wagen, interessanterweise ein weißer Porsche Cayenne, wie ihn sonst Vicco fuhr. Rovas Bruder sah ich, zu meiner Erleichterung, allerdings nirgends. Ein merkwürdiger Zufall.
Kaum saß ich auf dem Rücksitz, wies mich Rova an, mir sein Jackett über den Kopf zu legen, da die Seitenscheiben des Wagens nicht vor UV-Strahlung abgeschirmt seien.
Das fein gemusterte Seidenfutter seines Kleidungsstücks duftete wunderbar, doch von der Stadt sah ich an diesem sonnigen Tag nicht besonders viel. Schon der kleinste Lichtstrahl fühlte sich wie eine heiße Herdplatte an.
Als ich Rovas Jackett wieder abnehmen konnte, fand ich mich in einer weiteren Tiefgarage wieder. Mein Liebster telefonierte draußen mit einer Fluggesellschaft, während Alex die Koffer der beiden holte. Rova stieg, mit einer Blutkonserve und einem kleinen Beutelchen in der Hand, wieder vorn ein.
„Du kannst den UV-Blocker nicht ohne Flüssigkeit zu dir nehmen",
erklärte er, während er etwas Blut in einen durchsichtigen Plastikbecher umfüllte. Wenn ich etwas nicht hatte, dann war das Hunger, schon deshalb, weil mir die Erinnerung an das letzte Mal, als mir Rova ein Glas mit diesem Tütenblut hinhielt, noch anhing. Ich hatte eigentlich gehofft, dass Mags Blut für eine Weile vorhalten würde. Unbeeindruckt von meinem dezenten Kopfschütteln ließ Rova ein weißes Pulver in den halb gefüllten Becher rieseln und reichte ihn mir im Anschluss nach hinten zur Rückbank.
„Nimm schon! Zu deiner eigenen Sicherheit", beruhigte mich Alex, der die Koffer inzwischen verstaut und sich zu mir gesetzt hatte. Trotzdem fiel es mir alles andere als leicht. Schlecht roch es nicht, etwas fruchtig, fand ich, also nahm ich es schließlich und setzte es direkt an meine Lippen. Da es nicht so dickflüssig war, wie ich es mir vorgestellt hatte, schwappte recht viel in meinen Mund. Ohne wirklich die Wahl zu haben, schluckte ich alles herunter, worauf ich in schlimmer Erwartung das Gesicht verzog.
Doch ich wurde angenehm überrascht. Diese eigentlich so ekelhafte Blutkonserve war gar nicht mal so übel. Ich blinzelte und bemerkte dabei, dass mich Alex wieder einmal genau beäugte.
„Nach was schmeckt das für dich?"
„Kirschen oder Beeren und irgendetwas Drittes, das ich nicht beschreiben kann",
antwortete ich und reichte ihm den Becher, in dem noch ein kleiner Rest übrig war. Er nippte und sah mich danach entgeistert an. Der Gedanke daran, dass ich etwas getrunken hatte, das einem Menschen aus den Adern gelassen wurde, ließ mir mein Lachen aber leider im Hals stecken. Ich schluckte einen Kloß, zusammen mit den letzten Resten des Blutes, herunter, als ich zu Rova sah, der gerade dabei war, sich anzuschnallen.
Er fuhr rabiater als zuvor durch die flirrenden Straßen der Großstadt. Wahrscheinlich überschritt er auf dem Highway sogar die zugelassene Höchstgeschwindigkeit, so schnell, wie wir an allen anderen vorbei brausten. Nach gerade einmal einer Viertelstunde erreichten wir bereits den Los Angeles International Airport, wo wir direkt zur Rollbahn durchgelassen wurden.
Das Blut, das ich gerade getrunken hatte, strömte unterdessen durch mich und setzte jede meiner Zellen in Hochform. Rovas UV-Blocker schien zwar leider nicht sofort zu wirken, dennoch vergaß ich meine Sorgen und sah mich von unter seinem Jackett sehnsüchtig zur Stadt um.
„Ist hier nicht Hollywood in der Nähe? Warum bleiben wir nicht ein paar Tage? Das ist mein erstes Mal in Amerika."
„Und dein Letztes, Lyz. Dies hier ist Feindesland, antwortete Rova mit ernster Miene, kurz bevor er ausstieg. Auch wenn ich das gut nachvollziehen konnte, fand ich es schade. Dem Filmfan Alex ging es bestimmt ähnlich. Erst als ich mich vom Anblick der beeindruckenden Stadt mit ihrer eigentümlichen und etwas klobigen Architektur lösen konnte, bemerkte ich eine kleine Passagiermaschine vor uns. Geschützt unter meinem Schutzschirm schlüpfte ich bis zu den Stufen des Flugzeugs. Seinen Heckflügel zierte eine abgewandelte US-amerikanische Flagge und auf dem Rumpf war was Wort „american
zu lesen. Wahrscheinlich hatte Rova diese Maschine extra für uns gechartert, um mich von Menschen fernzuhalten. Erleichternd. Bisher klappte es auch ziemlich gut, denn ich kam kaum in Kontakt mit jemandem außer den beiden. Es gab nicht einmal Flugpersonal.
Fliegen war das Größte für mich und dann sollten wir auch noch eine Maschine für uns alleine haben? Das war unglaublich. Schnell vergaß ich meinen Kummer darüber, den westlichsten Kontinent von meiner Reiseliste streichen zu müssen und ging stattdessen in meiner Begeisterung für das Flugzeug auf. Ich zählte nur 34 dunkle Ledersitze und rief Rova hinterher, der bis ganz nach vorn durch den schmalen Gang schritt: „Ist das überhaupt eine Langstrecken-Maschine?"
Er drehte sich zu mir.
„Tatsächlich ist das hier nur ein Regionalverkehrsflugzeug, aber das Einzige, das ich auf die Schnelle chartern konnte."
„Tja und leider wird uns deshalb mitten über dem Atlantik der Sprit ausgehen",
witzelte Alex, der hinter mir lief.
„Klar, weil der Pilot sterben will",
antwortete ich diesem Witzbold sarkastisch, während ich mich zu ihm umdrehte. Nun grinste er.
„Rova fliegt."
Mein Kopf schoss wieder in Richtung Bug, wo der Angesprochene mit einem gelangweilten Blick und einem Arm auf der Lehne der vorderen Sitzreihe stand. Ich fixierte ihn so lange, bis er endlich mit dem Kopf schüttelte. Wie witzig, Alex. Damit hatte er mich wieder einmal erfolgreich hinters Licht geführt. Wieso war er mir eigentlich immer eine Nasenlänge voraus? Ohne zu ihm zu sehen, gab ich ihm einen verärgerten Schubs, bevor ich eifrig zu Rova aufschloss. Danach ging alles ziemlich schnell, denn kaum kam ich an meinem Platz an, begann sich das Flugzeug auch schon zu bewegen.
Da Alex auf der anderen Sitzreihe saß, ich am Fenster und Rova mich somit vor unserem Mithörer abschottete, entstand ein Gefühl der Intimität zwischen uns. Unser Gespräch war weniger in die Vergangenheit ausgerichtet als in die Zukunft. „Ich weiß über deine Eltern Bescheid, Lyz. Möchtest du sie dennoch besuchen?",
fragte er einfach aus dem Nichts heraus, nach einem Monolog über die Sinnhaftigkeit eines abgeschlossen Studiums. Er wusste Bescheid? Was sollte das heißen? Ich wich aus.
„Du hasst deinen Vater doch, oder? Du würdest ihn niemals besuchen, wenn du nicht müsstest."
„Korrekt",
antwortete er nüchtern.
„Da hast du meine Antwort",
spuckte ich aus, während ich meinen Kopf wieder zum Fenster schwenkte und über die Wolken hinweg in den blauen Himmel sah. Ich wurde jedoch schnell wieder davon weggerissen, als mich seine nächste Frage ereilte.
„Darf ICH deine Eltern besuchen?"
„NEIN!",
rief ich empört spontan, obwohl die beiden ganz sicher ihren Gefallen an meinem erfolgreichen, gut gekleideten Liebsten gefunden hätten. Rova fuhr sich angespannt durchs Haar.
„Ich könnte sie darauf hinweisen, dass du sie nun nicht mehr benötigst oder sie zur Rechenschaft ziehen. Ich will ehrlich sein. Sie sind mir ein Dorn im Auge."
Ein Dorn? Sah er mich insgeheim immer noch als seine Rose? Ganz davon abgesehen hätte eine derartige Aussage über meine Familie wohl normalerweise beleidigend für mich sein müssen, was sie nicht war. Rova wusste anscheinend wirklich darüber Bescheid, welcher Natur meine Gefühle für meine Eltern waren. Mit seiner Herkunft verstand er mich wahrscheinlich besser als jeder andere und trotzdem.
„Es bleibt bei ‚nein‘, Rova. Ich will sie weder sehen, noch will ich, dass du es tust. Ich breche den Kontakt einfach ab, Ende der Geschichte."
„Du weißt, wie nah sie am SOLV Hauptsitz wohnen?"
„Mir egal. Ende, hab ich gesagt",
zischte ich. Ups, das war frecher, als ich sein wollte, doch Rova nahm es ohne Kommentar hin. Allgemein machte er einen distanzierten Eindruck, der nicht mehr mit seiner anfänglichen Freude darüber, mich wieder zu haben, in Verbindung zu bringen war.
Wir sprachen danach noch ein wenig darüber, dass ich im Wohnheim bleiben und das Studium beenden würde. Ich war erleichtert darüber, hatte ich meine eigenen vier Wände doch gerade erst so richtig liebgewonnen. Leider schmetterte er mir danach die Aussage, dass er weiterhin in der Villa wohnen bliebe, so eiskalt vor die Füße, dass ich keine Widerworte gab. Er versuchte mich zu beschwichtigen, als ich danach eine Weile schwieg.
„Ich besuche dich, wenn es die Terminlage zulässt, und wir sehen uns weiterhin jeden Donnerstag, Liebes. Die Hochschule hat mich davon überzeugt, auch das Modul ‚Recht II‘ zu übernehmen",
„Du meinst wohl eher, du hast die Hochschule davon überzeugt!",
lachte ich genervt und sah an ihm vorbei zu Alex, der die Augenbrauen hob und den Kopf schüttelte. Wahrscheinlich hieß das, es ging tatsächlich von der Hochschule aus. Vor Studenten zu stehen und zu lehren, lag Rova wirklich, was seine Version gar nicht so unglaubhaft machte.
Ich konnte nicht festmachen wieso, aber während des Fluges passte die Chemie zwischen Rova und mir überhaupt nicht. Irgendetwas stimmte nicht mit ihm.
„Störst du dich daran, dass nicht du mich konvertiert hast, sondern Mag?"
Sein überraschter Gesichtsausdruck nach dieser Frage hätte mir gereicht, um meine Ängste abzubauen, aber Rova antwortete auch entsprechend entlastend.
„Überhaupt nicht. Ich vermute, sie ist sogar geeigneter als ich es je sein könnte. So problematisch das alles gelaufen sein mag, bin ich froh über diese Entwicklung, darüber dass es dir gut geht und du noch immer die bist, die du sein solltest."
Er atmete tief durch und fasste sich dann an die Schläfe.
„Ich weiß nicht, was und wieviel sie dir erzählt hat, aber es ist besser, wenn ich niemanden konvertiere. Meine früheren Tests verliefen nicht wie geplant, deshalb wollte ich auch noch abwarten."
Na sowas! Das wusste ich nicht. Förderte Rovas Unsicherheit über Mags Aussagen etwa ein paar Wahrheiten zu Tage? Ich verschränkte die Arme und lehnte mich zurück.
„Hat es vielleicht damit zu tun, dass ich zu deinem genetischen Erbe geworden wäre?"
Er begegnete mir erneut mit Überraschung, diesmal aber inklusive einer Spur Verwunderung.
„Nicht im Ansatz. In der Genetik liegt weder mein Fach- noch mein Interessengebiet",
antwortete er, was mich nun wiederum wunderte. Wusste er es nicht, oder war es ihm egal? Seiner Aussage zufolge vermutlich beides. Damit hatte ich nie und nimmer gerechnet. Er war doch der allwissende Wissenschafts-Guru und trotzdem sah dies nicht nach einer Lüge aus. Sein Stil war eher, sich aus derartigen Fragen herauszuwinden, ohne dabei die Miene zu verziehen, anstatt eine Wissenslücke zu offenbaren.
„Bist du traurig, … wegen…"
Er wusste schon, dass ich das Kind ansprechen wollte. Belaste mein Herz jetzt nicht damit. Wir fliegen zwar hoch genug, aber ich möchte kein Risiko eingehen.
Was meinte er damit? Grübelnd legte ich die Stirn in Falten. Mit einem schweren Herzen in der Brust lehnte ich meinen Kopf an seine Schulter, während ich nachdachte. Fast den gesamten restlichen Flug verharrte ich in dieser Position.
Gehaltvoll wurde die Rückreise weder im Flugzeug noch auf der Fahrt im Leihwagen bis zum Studentenwohnheim. Rova kam einfach nicht in Gesprächslaune und zu allem Überfluss regnete es in Deutschland auch noch. Er war gefahren und hielt direkt vor der Haustür des Wohnheims. Mit einem gequälten Blick drehte er sich zu mir um, strich mir über den Ärmel meines blauen Mantels und verabschiedete sich. Kein Kuss, nichts. Nach allem, was passiert war, wollte er nicht einmal über Nacht bei mir bleiben. Völlig perplex stiegen Alex und ich aus, während die eiskalten Tropfen erbarmungslos auf uns herabfielen. Entweder wirkte der UV-Blocker inzwischen, oder war es zu bewölkt? Ich spürte nur ein leichtes Prickeln auf dem Gesicht, doch sofort begann es mich zu frösteln. Kälteempfindlich war ich also auch als Vampir noch, oder lag das an Rovas frostiger Verabschiedung?
Als sei ich verloren, sah ich dem Wagen nach, wie er die spiegelnd nasse Straße entlang davonfuhr und dann abbog. Alex legte seine Hand auf meiner Schulter ab, als ob er verstand, was in mir vorging, aber das bezweifelte ich. Ich wusste überhaupt nicht, was ich denken sollte.
„Na komm",
hauchte er, nahm sich beide Koffer und ging ohne mich zur Haustür. Ich sah in den Himmel. Während ich innerlich ein vollkommen hilfloses Warum?
schrie, stampfe ich auf dem nassen Boden auf, was meine Strumpfhose mit dem Schmutzwasser der Straße bespritzte. Erst nach ein paar Sekunden lief ich Alex nach, der mir die Tür bereits offenhielt.
„Danke, ich trage meinen Koffer selbst. Immerhin bist du nicht mein Page, sondern mein Freund. Wenigstens einer sollte hier angemessen behandelt werden",
schimpfte ich, während ich ihm mein Gepäckstück abnahm. Er lächelte schräg und ließ dabei seine hübschen Zähne aufblitzen. Dieser Blick von ihm gab ihm stets etwas Verwegenes, das ich wirklich gern an ihm mochte. Was hätte ich nur ohne ihn getan?
Das Studentenwohnheim sonderte einen merkwürdigen Geruch ab, den ich unmöglich in Worte fassen konnte. Mein Zimmer wirkte auf mich im Vergleich wie eine neutrale Oase, auch wenn es Ecken gab, die offensichtlich einer Reinigung bedurften.
In Anbetracht der Umstände fiel es Alex nicht schwer, zu erraten, dass es mir nicht wirklich gut ging, also leistete er mir in meinem Zimmer Gesellschaft.
„Du weißt nicht zufällig, warum sich Rova so merkwürdig verhalten hat?",
fragte ich, als ich mich auf mein Bett fallen ließ. Ein Segen, dass mein Lieblingsmöbelstück nichts an seiner beruhigenden Ausstrahlung eingebüßt hatte. Leider war Alex genauso ahnungslos wie ich.
„Ich hatte darauf gesetzt, du könntest mir das sagen. Habt ihr euch im Flugzeug nicht ausgesprochen?"
Ich drehte mich auf die Seite und sah zu ihm.
„Ansatzweise, aber als es ans Mark ging, meinte er, es sei zu gefährlich. Deshalb weiß ich nicht, was genau ihn bedrückt. „Ach, wegen der Krähen. Er ruft sie unwillkürlich, wenn‘s ihm mies geht. In einem Flugzeug ist das ziemlich gefährlich. Macht schon Sinn. Lass den Kopf nicht hängen, Lyz. Hast doch immer noch mich
,
verkündete er verschmitzt, gab mir jedoch keine Möglichkeit zu reagieren, denn er schloss sofort an, während er mir eine Hand reichte:
„Los! Hoch mit dir! Wir räumen deine Vorratsschränke aus, damit du auf andere Gedanken kommst."
Und das klappte, denn schnell kreisten selbige nur noch um meine Tees, das Obst, die Kartoffeln, die Gewürze und vor allem meine Naschereien, die ich allesamt wegwerfen musste. Ich ließ alles in einen Müllbeutel purzeln, in den ich wehleidig hineinsah. Ganz oben auf all den anderen Nahrungsmitteln lag meine Lieblingsschokolade mit hohem Kakaoanteil. Es war, als würde sie mich ansehen und rufen: „Probier mich, Lyz! Ich bin immer noch mega lecker!"
„Aleeex…",
mauzte ich, während er wissend zu mir kam und die Hand ausstreckte, um mir den Beutel abzunehmen.
„Vergiss es, das alles wird dir nicht mehr schmecken und verdauen kannst du es schon gar nicht", mahnte er, als ob er damit etwas erreichen würde. Ich schnappte mir die Schokoladentafel, drehte mich von ihm weg und riss sie unvermittelt auf. Daraufhin zuckte er nur mit den Schultern.
„Gut, von mir aus. Aber heul dann nicht, wenn‘s dir schlecht wird. Auf demselben Weg, den es in dich rein gefunden hat, findet es nämlich auch wieder heraus…, wenn du das Zeug überhaupt runter bekommst. Wie in der Werbung. It comes in and finds out. "
Ich lachte leise, denn weder hatte er den Slogan korrekt zitiert, noch hatte er ihn richtig übersetzen können.
„Englisch ist nicht deine Stärke, was?",
kombinierte ich angeheitert und schlüpfte an ihm vorbei zu
meinem Bett, auf das ich hüpfte.
„Na, den Abtrünnigen, die mir deinen Aufenthaltsort verraten sollten, hat mein Englisch ausgereicht. Deutsch als Fremdsprache ist schon schwierig genug."
Deutsch als Fremdsprache? Das war ein Thema für später. Erst einmal musste ich hastig von der Schokolade abbeißen, wobei genau das passierte, was er schon prophezeit hatte. Ekelhaft! Kaum schmolz die Masse auf meiner Zunge, musste ich sie schon wieder zurück auf meine Hand spucken. Ein unerträglich fauliger oder verdorbener oder, keine Ahnung, was für ein Geschmack, breitete sich in meinem ganzen Mundraum aus und störte sogar meinen Geruchssinn. Die Tafel selbst hatte eigentlich noch ganz gut gerochen.
Mit einem hämischen Lachen untersetzt, kam Alex zu mir und nahm mir die Schokotafel ab, die er in den Müllsack warf, ohne es weiter zu kommentieren. Er stellte den Sack auf den Boden, gab ihm mit dem Fuß einen Schupps, damit er von uns weg driftete und setzte sich dann amüsiert schauend neben mich. Ich sprach mit halb offenem Mund, weil ich Gaumen und Zunge nicht aufeinanderlegen wollte.
„Wähhhhh, wie krieg ich das wieder weg? Wie lange hält das an? Hilft es, Wasser zu trinken?"
„Wasser verteilt den üblen Geschmack nur. Du solltest ohnehin keines trinken, weil das den Körper aufschwemmt. Ist ja auch total unnatürlich… irgendwie."
Er rümpfte die Nase bei dieser Vorstellung. Aber Moment!
Auch er als Vampir bestand zu 60 Prozent aus Wasser. Da wäre ich jede Wette eingegangen!
„Wasser ist unnatürlich?",
versuchte ich zu sagen. Immerhin wurde es langsam etwas erträglicher, aber es schmeckte noch immer schrecklich in meinem Mund.
„Alles außer Blut ist unnatürlich",
antwortete er, während er mit den Schultern zuckte. Das hielt ich für Blödsinn, deshalb motzte ich:
„Pah, du bist unnatürlich."
„Dann bist du es jetzt auch, Prinzesschen",
gab er daraufhin lachend zurück, stand auf, schnappte sich
den Müllsack und ging zur Tür.
„Willst du deine UV-Licht Glühbirnen austauschen? Ich hol dir Normale von mir, wenn du willst",
„Wie? Äh, ja, gerne",
stammelte ich. Diese grellen Dinger waren also UV-Licht zur Abwehr von Abtrünnigen, die den UV-Blocker ablehnten. Interessant, auch weil ich gern etwas mehr über meinen neuen Körper und meine neue Wahrnehmung lernen wollte. Mal sehen, wie gut Rovas Medikament bereits wirkte. Ich wartete, bis Alex verschwunden war und ging zu meinem Lichtschalter. Eine Hand am Schalter, die andere von den Augen, wagte ich den Versuch. Schnell schaltete ich wieder aus, da mir das Licht heftig auf der Haut feuerte. Aua!
Als ich hörte, wie Alex zurückkam, machte ich einen Schritt nach draußen und schaltete das Licht wieder ein.
Und? Gibt’s ‘nen Unterschied?
,
fragte er interessiert und schloss dabei die Tür zu seinem Zimmer auf.
Tut immer noch tierisch weh. Ich hoffe, der Blocker wirkt bald.
Er lächelte.
„Wird schon. Draußen ist‘s im Moment eh ungefährlich."
Dann seufzte er und schüttelte den Kopf.
Trotzdem sieht ein guter Schutz anders aus. So wie ich zum Beispiel. Was glaubt Rova, wie lange sich die Angreifer in deinem Zimmer aufhalten, wenn sie dich Kidnappen wollen? So lange, bis sie Sonnenbrand haben? Ich find die Teile arschlos, aber er wollte sie nun mal.
Danach verschwand er in sein Zimmer, um die Ersatzbirnen zu holen. Ich wusste, dass ich ihn noch etwas fragen wollte, aber blöderweise erinnerte ich mich nicht mehr daran, was es war.
KAPITEL 33
Jungvampire sind wie Kätzchen
Da das Sommersemester unmittelbar bevorstand, blieben mir nur wenige Tage Zeit, um mich den Herausforderungen meines neuen Lebens zu stellen. Rova besuchte mich jeden Tag für ein paar Stunden, in denen er mir Anweisungen und Hinweise bezüglich meiner neuen Fähigkeiten gab. Das war besser als nichts, aber Zeit, um uns miteinander auszusprechen, ließ er uns dabei keine.
Der UV-Blocker begann langsam seine Wirkung zu entfalten, sodass ich von Tag zu Tag weniger Schmerzen hatte. Ganz egal, ob es ein wenig gedauert hatte, war dieses Zeug ein echtes Wundermittel.
Rova und ich konnten deshalb viel draußen unterwegs sein, gingen zum Beispiel zum Parkplatz des Supermarkts, wo ich die Duftspuren der Menschen unter freiem Himmel aufnehmen sollte. Das war eine sanfte Art, mich auf den Kontakt mit ihnen vorzubereiten. Zuerst fand ich Rovas Vorsicht maßlos übertrieben, bis mir der Duft einiger Menschen besonders gefiel. Wir standen an diesem düsteren Tag nahe einer Hecke am Rand des Parkplatzes am Wohnheim. Rova bat mich, auf jene Menschen zu deuten, die mir schon auf große Entfernung irgendwie sympathisch vorkamen, nicht auf die, die wohlschmeckend rochen.
„Hm… es ist eindeutig. Du reagierst positiv auf Sexualpheromone, Lyz",
klärte er auf, während ich knallrot anlief. Alex hätte sich garantiert kaputtgelacht, wäre er dabei gewesen, doch Rova schnaufte nur. Er fand das ganz offensichtlich überhaupt nicht witzig. Besser ging er damit um, als ich ihm berichtete, dass meine Fingerkuppen juckten, meine Eckzähne schmerzten und ich von Energie durchströmt wurde, wenn wir jemandem im Treppenhaus begegneten.
„Das ist der Jagdinstinkt eines Jungvampirs, keine Sorge, lächelte er und zog mich danach stets an seine duftende Brust. „Wie lange muss ich das durchhalten?
, hauchte ich in sein blaues Jackett hinein.
„Du hast es bereits gut im Griff, sei also unbesorgt, Liebes", wich er aus. Toll, diese schwammige Antwort empfand ich als absolut nichtssagend. Ich hatte mir das alles vollkommen anders vorgestellt, denn eigentlich wollte ich als Vampir stärker werden, so erhaben wie Rova. Stattdessen war ich nun derart unbeherrscht, dass ich, ohne wenigstens einen der beiden Männer an meiner Seite, keinen Schritt vor die Tür machen konnte. Wenn mich das Interesse an einem Duft packte, klinkte sich nämlich ganz schnell mein Verstand aus und ich ging in den Verfolgungsmodus. Einzig Rovas und Alex’ Stimmen und Körperdüfte vermochten mich dann noch ins hier und jetzt zurückzubringen.
Ihre beiden Düfte waren einfach unvergleichlich, so intensiv und wundervoll, wenn auch sehr unterschiedlich. Das machte mich teilweise noch verrückter als der leckere und hungrig machende Geruch einiger Menschen. Ob alle Vampire so gut rochen, oder ob es mit meiner Zuneigung zu den beiden zusammenhing, musste ich noch herausfinden. Unter den Menschen fand ich jedenfalls niemanden, der auch nur die geringste Ähnlichkeit zu ihnen aufwies.
Unausweichlich musste der erste Tag des zweiten Semesters kommen. In den Nächten schlief ich schlecht und in dieser letzten, bevor es ernst wurde, besonders miserabel. Zu groß war meine Angst, die Kontrolle im Hörsaal zu verlieren.
Alex holte mich am Morgen früher als sonst zur Vorlesung Sozialpolitik ab. Auch er wusste, dass es eine Herausforderung werden würde, mich mit so vielen Menschen in einen Raum zu zwängen, deshalb sicherte er mir seine volle Unterstützung zu. Wenn er gewusst hätte, wie ich mich fühlte, hätte er sich das wahrscheinlich noch einmal überlegt.
Da wir die Straße nur sehr langsam entlangliefen, überholte uns eine junge Frau, die nach etwas Ähnlichem wie frischem Vollkornbrot und Salbei duftete. Ich schämte mich für den Gedanken daran, was für ein wunderbares Frühstück sie abgegeben hätte. Gegen das aufkommende Hungergefühl konnte ich nur leider überhaupt nichts tun, denn mir schoss sofort das Adrenalin durch den Körper. Ich beschleunigte, wurde jedoch plötzlich von etwas aufgehalten, das mich am Arm herumriss. Alex hatte ihn gepackt, dieses starke Ziehen daran verursachte allerdings nicht er, sondern ich selbst. Entsetzt über den tiefen Drang, dieser Frau hinterherjagen zu wollen, ließ ich locker und kniff die Augen zusammen.
Große Zweifel über meine Teilnahme am Unterricht waren gerade im Anrollen, da spürte ich Alex‘ Arme um meinen Körper und seine Brust an meiner Stirn. Sein Duft, seine Umarmung, genau das brauchte ich. Er glaubte an mich und Rova tat das auch. Ich durfte die beiden nicht enttäuschen…
Als wir die Stufen zum Vorlesungssaal erklommen, blieb mir nichts anderes übrig, als mich ganz nah an meinen Freund anzuschmiegen. Ich hielt es für einen Fehler, weiterzugehen, doch er blieb zuversichtlich. Wahrscheinlich glaubten unsere Kommilitonen, wir hätten nach der Geschichte mit Rova wieder zusammengefunden. Sollten sie doch. Es war unser Leben, nicht ihres und ich hatte gerade echt andere Probleme als die Meinung irgendwelcher Leute über unser Beziehungsleben.
Ich versuchte Alex‘ Körperduft so lange wie möglich in meinen Lungen zu halten und atmete im Hörsaal nur noch ganz flach, doch es half nichts. Mist! Ein Dunst aus mindestens drei Dutzend Geruchsspuren hing in der schweren Luft. Pheromone konnte ich inzwischen gut erkennen, sie auch unterscheiden, aber, bis auf eine Ausnahme, noch nicht zuordnen. Ich würde es lernen müssen, denn sie verrieten Wahrheiten über mein Gegenüber, die dieser vielleicht zu verbergen suchte. Diesen Trick hatte Rova benutzt, wenn er meine Lügen aufdeckte. So schlicht und so banal entzauberte es diese Fähigkeit ein wenig.
Manchmal dachte ich daran, wie Daric auf Schloss Bran eine meiner Tränen gekostet hatte. Das kapierte ich immer noch nicht. War sein Geruchssinn etwa so schlecht, dass er kosten musste? Komischer Kauz.
„Das ist selbst für mich heftig. Die Lüftung läuft nicht", erklärte Alex, der mich danach kurz allein im Saal stehen ließ, die längsten zehn Sekunden meines Lebens, während ich unruhig auf der Stelle herumtrat. Eilig ging er nach vorn ans Pult und betätigte ein paar Schalter. Dann lief er zu einem der Fenster, öffnete es und kam sofort zu mir zurück. Rettend drückte er mich wieder an sich und beruhigte mich mit sanft gesprochenen Worten.
„Gleich wird es besser."
Einer dieser wilden Gerüche im Raum kommentierte die Körpernähe zwischen uns im erwartet gehässigen Ton:
„Ihr seid ja doch noch zusammen. Hätt ich nicht gedacht. Genau, gut, dass das mal einer sagte. Sonst wäre meine Erwartung doch gar nicht erfüllt worden. Alex warf ihm einen „Willste Ärger?
Blick zu und begleitete mich dann bis in die letzte Reihe. Dort öffnete er ein weiteres Fenster, das ein nach Seife riechendes Mädchen schon nach kurzer Zeit mit einem lauten, ungebremsten Wumms wieder schloss, da sie offensichtlich fror. In diesem Speisesaal tat ich es ironischerweise mal nicht, mir war eher ziemlich heiß. Meine Vampirsinne konzentrierten sich direkt darauf, herauszufiltern, wo die Leckerbissen saßen, von denen ich mir später vielleicht ein kleines Häppchen… -Nein! Ich musste wirklich aufhören so etwas zu denken und mich lieber ganz auf meinen Begleiter konzentrieren. Mir blieb nichts anderes übrig, als mich erneut nah an ihn anzuschmiegen, denn viel half die gerade erst eingeschaltete Lüftung noch nicht.
„Hast du dir wieder auf die Zunge gebissen?", fragte Alex einen Moment später leise, da er seinen Mund recht nah an meinem Ohr hatte, wobei ich eine Anspannung in seiner Stimme vernahm. Sicher war er unzufrieden mit mir…
Ich nickte beschämt, denn leider Schnitt ich mich noch sehr oft an meinen Eckzähnen, die tatsächlich immer schärfer und spitzer wurden.
„Du kommst überhaupt nicht klar, oder? Ich hab was gekauft, das dir vielleicht hilft."
Er beugte sich schräg an mir vorbei nach unten zu seiner schwarzen Tragetasche, aus der er eine Erkältungssalbe wühlte.
„Reib dir ein bisschen was davon unter die Nase", empfahl er im Anschluss verschmitzt, während er das Döschen aufschraubte und mir ein frischer, etwas beißender Minzgeruch entgegen schwebte. Das klang ein bisschen wie ein Scherz, aber natürlich war es keiner. Einen Versuch war es jedenfalls wert.
„Warum hast du das nicht bei Vollmond benutzt und als ich… naja, als ich geblutet-"
„Wir müssen erstmal sehen, ob du das verträgst. Mir wird davon nämlich schwindelig und es trübt meine Sinne, was ich mir als dein Beschützer echt nicht leisten kann", unterbrach er mich und beantwortete damit auch gleichzeitig meine Frage. Etwas skeptisch probierte ich es aus. Die Salbe wirkte, wenn auch nur für eine Stunde, denn ich bekam langsam Kopfschmerzen davon und meine Augen und Nase brannten. Zudem verhinderte sie, dass ich die Pheromone der anderen aufnehmen konnte, was meinen Lernprozess ausbremste. Einen meiner scharfen Sinne einfach abzuschalten, frustrierte mich. Ich verstand, warum Alex die Salbe nicht leiden konnte und fand, ich müsse es ohne schaffen. Nur eine Unterrichtseinheit, also 90 Minuten, länger hielt ich es nicht im Hörsaal aus. Am zweiten Tag waren es immerhin schon 120 Minuten. Es gab also Hoffnung.
Ein paar Tage später benebelte mich der schwere Geruch der Menschen allerdings so sehr, dass ich Alex, halb weggetreten, in die Hand biss. Ich bemerkte meine Tat erst, als meine spitzen Eckzähne schon in seinem Fleisch versunken waren. „Autsch!",
flüsterte er mit überraschtem Unterton. Den Unterricht blendete ich komplett aus, während ich gierig das Blut von seiner Hand leckte wie ein Kätzchen. Meine Güte, war das lecker, sogar um einiges besser als Mags Blut. Alex roch also nicht nur ganz wunderbar, sondern schmeckte auch vorzüglich, ein bisschen wie Honig, nur nicht ganz so süß, sondern eher etwas herb, leicht malzig vielleicht. Die Blutung stoppte, doch ich wollte mehr davon! Nach Nachschlag dürstend sah ich zu ihm auf und wurde sofort von seinem Blick geerdet. Mit hochgezogenen Augenbrauen sah er tadelnd zu mir herab.
„Echt jetzt, Prinzesschen?"
Oje, offensichtlich ziemlich echt und genau das schien ihm so gar nicht zu passen. Ich wischte mit meinen Fingern beschwichtigend über die Bisswunde an seiner Hand, während ich mich dabei auf meinem Stuhl aufrichtete. Unsicher sah ich mich um, stellte zu meiner Erleichterung jedoch fest, dass der Unterricht normal weiterlief.
„Jetzt hab ich Hunger",
flüsterte ich ertappt in Alexanders Richtung, der geschlagen ausatmete. Ein bisschen Leid tat mir das Ganze schon, aber auch, wenn es nur ein paar Tropfen waren, die ich von ihm ergattern konnte, hatte es in mir eine ganze Ladung an Glückshormonen ausgeschüttet, die ich nun zufrieden genoss. Ich lächelte vor mich hin und sank wieder etwas zusammen. Schließlich legte ich meinen Kopf auf seiner Schulter ab und sah zu ihm hoch.
„Was?",
fragte er gereizt, … nein irritiert. Ich fand es süß, ihn so aus der Ruhe zu bringen und setzte noch einen obendrauf.
„Das war riiichtig lecker."
Wie ich es vermutet hatte, machte ihn das so stolz, dass auch er erfreut lächelte, anstatt mit mir zu schimpfen, was wohl angebrachter gewesen wäre. Meist war Alex viel zu nachsichtig mit mir, oder zu eitel, auf jeden Fall aber niedlich.
„Ich versteh dich jetzt. Jeden Tag mehrmals essen zu können und dann auch noch das, was ich mag, ist schon super gewesen",
gestand ich, doch er konterte:
„Du kannst so viel betteln wie du willst. Eine Ration die Woche, mehr bekommste nich. Ist Rovas Anordnung."
Das war zwar gar nicht der Grund meiner Aussage, aber
