Heilsubstanzen und Rezepturen der Tibetischen Medizin: Naturheilkunde vom Dach der Welt
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Buchvorschau
Heilsubstanzen und Rezepturen der Tibetischen Medizin - Thomas Dunkenberger
GELEITWORT VON AMCHI LOBSANG TSULTRIM
Das System der Tibetischen Medizin ist eine der ältesten Naturwissenschaften der Welt und unter der Bezeichnung Sowa Rigpa, der „Wissenschaft des Heilens" bekannt. Bis in die heutige Zeit erfreut es sich weltweit großer Beliebtheit. Die Grundlagentexte der Tibetischen Medizin sind durch die buddhistischen Konzepte der Philosophie und Psychologie gekennzeichnet und legen den Schwerpunkt auf einen ganzheitlichen Ansatz, um geistige und körperliche Gesundheit zu erreichen.
Das reichhaltige Wissen über Sowa Rigpa wird von Generation zu Generation weitergegeben und ist heute in Tibet, Indien, Nepal, Ladakh, der Mongolei, Bhutan und Russland weit verbreitet. Mit der zunehmenden Popularität der Tibetischen Medizin und der wachsenden Zahl von Menschen, die sich für natürliche Heilweisen und Heilkräuter interessierten, wurden die Ärzte für Tibetische Medizin regelmäßig nach Europa, in die USA, nach Kanada, Japan und an viele Orte in Indien zu Konferenzen, Seminaren, Beratungen und Ausstellungen eingeladen.
Früher gab es viele Bücher über die tibetische Arzneimittellehre und die pflanzlichen Rezepturen. Jeder Meister hat hier seine wertvollen Erfahrungen eingebracht, um das Wissen über die Wirkungsweisen der Heilkräuter zu vertiefen und zu verstärken. Eines der bedeutendsten Nachschlagwerke über die Identifizierung, den Lebensraum, den Geschmack, die Eigenschaften und die Verwendung von Pflanzen basiert auf dem Text Shel-Phreng. Unter der Anleitung eines renommierten Arztes wurden die Studenten über die Eigenschaften, den Geschmack, den Wirkstoffgehalt, die Qualitäten, die Wirkungskraft und den natürlichen Lebensraum der Heilkräuter unterrichtet. Es ist sehr wichtig zu lernen, zu verstehen und zu üben, die Kräuter entsprechend den nachfolgenden sieben Gliedern anzuwenden: Verständnis des Wachstums der Pflanzen in ihrem natürlichen Lebensraum, Sammeln der Pflanzen zum richtigen Zeitpunkt, Entgiftung der Pflanzen, Methoden zum Trocknen der Substanzen, Verwendung der Pflanzen zum richtigen Zeitpunkt sowie ihr richtiges Abstimmen und die entsprechende Zusammenstellung. Es ist von essenzieller Bedeutung, dem traditionellen Weg zu folgen und beim Sammeln der Kräuter das Medizin-Buddha-Mantra zu rezitieren.
Thomas Dunkenberger veröffentlicht jetzt ein Buch über die tibetische Arzneimittellehre sowie über Rezepturen, Geschmäcker und Wirkungskräfte von einigen der tibetischen Heilpflanzen. Dieses Buch beruht auf dem Wissen von bedeutenden Meistern und wertvollen Lehrern seines eigenen, bereits verstorbenen Lehrers Dr. Trogawa Rinpoche, der das Chagpori Institut in Darjeeling (Indien) wieder aufbaute. Ich hoffe, dass dieses Buch den Lesern dabei hilft, die Tibetische Medizin zu verstehen, und dass es der weiteren Erforschung dienlich ist.
Mit den besten Wünschen und Tashi delek
Amchi Lobsang Tsultrim
Im November 2018
VORWORT DES VERFASSERS
Die Traditionelle Tibetische Medizin (Sowa Rigpa) erfreut sich einer immer größer werdenden Beliebtheit. Sie zählt – neben der chinesischen Medizin und dem indischen Ayurveda – zu den drei großen naturheilkundlichen Traditionen Asiens und weist eine außerordentliche Komplexität in ihrem gesamten Aufbau und ihrer Methodik auf. Dies trifft nicht nur auf die vielschichtigen Darstellungen und Erläuterungen des stofflichen und feinstofflichen Körpers des Menschen in seiner gesunden und kranken Form (Physiologie/Pathologie) oder auf die detaillierten diagnostischen Verfahren sowie die äußeren therapeutischen Methoden zu, sondern insbesondere auch auf die Einordnungen, das Sammeln, den Einsatz der Heilsubstanzen und die Verarbeitung zu komplexen Rezepturen (Pharmakologie).
Dieses Buch versucht eine Brücke zu schlagen, um Leitlinien zum Einsatz dieses Anteils der tibetischen Naturheilkunde sowohl für den allgemein naturheilkundlich interessierten Leser als auch für den interessierten Therapeuten im Alltag und in der täglichen Praxis zu geben. Hierzu werden grundlegende Heilsubstanzen (Kräuter, Gewürze, Mineralien) und gängige Rezepturen sowie deren Variationen und ihre Anwendungsbereiche im Detail beschrieben. Viele der hier beschriebenen Rezepturen können von versierten Apotheken vermischt werden oder sind teilweise auch als Fertigpräparate erhältlich. Die Beschreibung der Einzelsubstanzen dient hierbei dem differenzierten Blick auf die jeweilige Heilsubstanz sowie auch dem täglichen Einsatz in der Küche als Gewürze und Tees. So gelten Gewürze in der Tibetischen Medizin als außerordentlich wirkkräftige Heilsubstanzen und können sowohl zur Vorbeugung als auch bei der Behandlung bereits bestehender Problematiken einfach und hilfreich eingesetzt bzw. kombiniert werden.
Um dem Leser die Aussprache zu erleichtern wurden die tibetischen Bezeichnungen der phonetischen deutschen Aussprache angepasst. In den meisten Fällen wurde in Klammern die Transliteration beigefügt.
TEST ZUR TYPENBESTIMMUNG FÜR DIE PERSÖNLICHE ZUORDNUNG DER KÖRPERLICHEN ENERGIEN
Zur leichteren Orientierung können Sie die beiden nachfolgenden Tests ausfüllen. Der erste Test dient der generellen Bestimmung Ihres Konstitutionstypus. Der zweite Test dient (im Vergleich mit dem ersten Test) zur Bestimmung eines etwaigen Ungleichgewichtes bei einer der drei körperlichen Energien. Bei bestimmten Fragen sind Mehrfachnennungen möglich. Sie können sich z. B. sowohl an einem windigen als auch an einem heißen Ort aufhalten. Sie können auch gerne tanzen (3 Punkte) und gerne spazieren gehen (3 Punkte). Wenn sie sehr gerne tanzen (3 Punkte) und nur manchmal spazieren gehen (1 bis 2 Punkte), dann verteilen Sie die Punkte entsprechend.
Wenn Sie beide Tests ausgefüllt haben, rechnen Sie die Punktezahlen von Lung (Wind), Tripa (Galle) und Peken (Schleim) separat in den senkrechten Spalten zusammen; Test 1 und Test 2 sind ebenfalls separat zusammenzurechnen. Vergleichen Sie dann die beiden Testergebnisse. Es geht hierbei nicht um die Höhe der sich ergebenden Summe, sondern um das proportionale beziehungsweise prozentuale Verhältnis der beiden Tests. Treten größere Veränderungen im proportionalen Verhältnis der beiden Tests in den jeweiligen Körperenergien auf, so können Sie hieraus ersehen, welche Körperenergie sich im Laufe Ihres Lebens vermindert oder erhöht hat.
Gehen Sie bei der Punktevergabe folgendermaßen vor:
3 Punkte – bei sehr häufigem Auftreten bzw. voller Zustimmung
2 Punkte – bei häufigem Auftreten bzw. starker Zustimmung
1 Punkt – bei gelegentlichem Auftreten bzw. mäßiger Zustimmung
0 Punkte – bei keinerlei Auftreten bzw keiner Zustimmung
Test 1: Grundlegende Zugehörigkeit zu den körperlichen Energien
Die Körperenergie mit der höchsten Punktzahl entspricht der individuell vorherrschenden Konstitutionsenergie. Häufig sind dies zwei körperliche Energien in Kombination. Mischungen sind in jeder Form möglich. Dieser Test stellt nur eine grobe Übersicht dar.
Test 2: Eventuell bestehendes Ungleichgewicht der körperlichen Energien
Vergleichen Sie die proportionale Summe der beiden Tests. Hierdurch kann man feststellen, welche körperliche Energie sich im Laufe des Lebens erhöht oder vermindert hat.
ALLGEMEINE EINFÜHRUNG IN DIE TIBETISCHE MEDIZIN
In den tibetischen Philosophie- und Medizintexten wird detailliert beschrieben, wie das Universum aus den fünf grundlegenden Proto-Elementen Raum, Luft, Feuer, Wasser und Erde gebildet wird. Dies ist auch der Grund, warum alles, was innerhalb dieses Universums existiert, ebenfalls aus diesen fünf Elementen besteht – also auch die Menschen, die Tiere, die Pflanzen und die Mineralien. Bei den Elementen handelt es sich um zugrundeliegende dynamische Kräfte. Sie werden zwar auch in der äußeren Welt durch den Wind, die Erde, das Wasser usw. widergespiegelt, entsprechen diesen äußeren Manifestationen aber nicht in direkter Weise, sondern stellen viel weitreichendere energetische Grundfunktionen dar. So ist beispielsweise das Element Wasser einerseits zwar auch mit dem Wasser in Seen, Flüssen usw. verbunden, stellt aber im Zusammenhang mit der Lehre der fünf Elemente vor allem die dynamischen Kräfte und Eigenschaften der Kälte, der Schwere, des Anhaftens usw. dar. Diese den Elementen innewohnenden Eigenschaften werden später noch im Einzelnen beschrieben.
Die Tibetische Medizin ist eine Konstitutionslehre auf Basis der drei körperlichen Grundenergien Lung (Wind), Tripa (Galle) und Peken (Schleim). Jedes Individuum trägt eine unterschiedliche individuelle Mischung dieser drei grundlegenden Wirkprinzipien in sich, sodass sich im Prinzip insgesamt sieben verschiedene Konstitutionstypen bilden können. Solange sich diese „Waage mit insgesamt drei Waagschalen nicht zu stark in eine Richtung verändert, also ein starkes Übermaß oder ein starker Mangel von einer oder mehreren körperlichen Energien vorliegt, oder wenn es zu einer Erstarrung im Ausgleich von Ungleichgewichten der drei Körperenergien kommt, herrscht generell „Gesundheit
.
Ein Übermaß oder ein Mangel von einer oder mehreren Grundenergien oder die Erstarrung im ständig fließenden Gleichgewicht der drei körperlichen Grundenergien sorgt für Störungen im System, was sich zuerst in Störungen in Form von Symptomen oder dann letztlich als Krankheit zeigt. In der Tibetischen Medizin wird das Hauptaugenmerk allerdings mehr auf das Übermaß als auf den Mangel gelegt. Da die drei körperlichen Grundenergien ständig auf Emotionen, Gedanken, Wetterverhältnisse (Klima, Jahreszeiten), Tageszeiten, aufgenommene Nahrung und nicht-stoffliche Einflüssen (wie biorhythmisch-planetare Einflüsse der Gestirne und planetare Resonanzen, Erdverwerfungen, Elektrosmog, Wasseradern, Sonnenwinde usw.) reagieren müssen, besteht im gesunden Normalfall ein beständiges Fließgleichgewicht innerhalb der „drei Waagschalen, welches immer wieder zum Ausgleich dieser Reize und letztlich zum individuellen Grundstatus zurückführt. Erst die ständige Überreizung einer oder mehrerer körperlicher Grundenergien über längere Zeit führt zu einer Überreizung des individuellen Gesamtsystems. Akut kann diese Überreizung zum Beispiel durch Vergiftungen, Traumata (durch Unfälle usw.) oder Schocks auftreten. Der Mensch ist also ein „offenes System
, das ständig auf den verschiedenen Ebenen Körper – Emotionen/Psyche – Geist Reize erfährt und diese entsprechend verarbeiten muss. Im Sinne der Tibetischen Medizin gibt es deshalb keine Trennung zwischen diesen Ebenen, sodass alle Ebenen sowohl prophylaktisch in der Lebensführung und der Ernährungsweise als auch therapeutisch bei der Behandlung von Erkrankungen gleichzeitig berücksichtigt werden.
Die drei grundlegenden körperlichen Energien sind in unterschiedlicher Weise mit den fünf Elementen verbunden. So werden dem Wirkprinzip Lung (Wind) die Elemente Raum und Luft zugeordnet, dem Wirkprinzip Tripa (Galle) das Element Feuer und dem Wirkprinzip Peken (Schleim) die Elemente Wasser und Erde. Da der Raum auch als grundlegender Raum für die Wirkungen aller Elemente dient, ist er bei allen körperlichen Energien bis zu einem gewissen Grad vorhanden.
Jedes Element weist charakteristische Eigenschaften auf: Der Raum durchdringt alles und gibt Raum zur Entfaltung der Aktivitäten der anderen Elemente. Die Luft sorgt für Bewegung, Wachstum, Inspiration und Kreativität. Das Feuer weist viel Energie und Hitze auf und sorgt für Reifung und Leidenschaftlichkeit. Die Erde wird mit Festigkeit, Stabilität und Realismus verbunden und bildet die Basis. Das Element Wasser wird mit Haftung, Anziehungskraft, Passivität, Kälte, Empfangsbereitschaft und Ruhe assoziiert.
Da die drei körperlichen Grundenergien Lung, Tripa und Peken mit den fünf Elementen verknüpft sind, weisen sie ebenfalls entsprechende Eigenschaften auf:
- Lung (Wind) wird mit allen dynamischen Aspekten in Verbindung gebracht und ist kühl, beweglich, subtil (fein), leicht, rau und hart (fest).
- Tripa (Galle) wird mit dem Hitzeprinzip in Verbindung gebracht und ist heiß, beißend scharf, leicht, ölig, schnell (agierend), (etwas) abführend, flüssig und schlecht riechend.
- Peken (Schleim) wird mit den Stabilitäts- und Flüssigkeitsaspekten in Verbindung gebracht und ist kühl, schwer, stumpf, ölig, sanft, glatt, statisch, haftend-klebrig, fest (stabil) und langsam.
Die Tibetische Medizin beschreibt 72000 bzw. 84000 mögliche Störungen, die grundsätzlich auftreten könnten. Alle diese Störungen werden in 404 Haupterkrankungen eingeteilt, wobei man hier vier Gruppen von jeweils 101 Erkrankungen unterscheidet. Anhand der Wirkkräfte (die weiter unten in diesem Kapitel näher beschrieben werden) kann man sämtliche Erkrankungen in die Kategorien heiß und kalt oder einer Kombination aus beiden klassifizieren. Alle Substanzen (Kräuter, Mineralien, Nahrungsmittel generell) sowie alle therapeutischen Maßnahmen können ebenfalls in die Kategorien heiß und kalt eingeteilt werden. Da die Tibetische Naturheilkunde grundsätzlich mit dem Prinzip des Heilens durch Gegensätzlichkeit arbeitet, werden kalte Störungen mit Wärme behandelt und heiße Störungen mit Kälte. Bei gemischten Störungen kann man nur über eine differentialdiagnostische Betrachtung Klarheit über die genaue Vorgehensweise erlangen, sinnvollerweise wird die Behandlung aber durch eine Kombination von Kälte und Wärme in unterschiedlicher Ausprägung und eventuell in unterschiedlichem Zeitablauf erfolgen. Viele Rezepturen nehmen auf diese gemischten Zustände Rücksicht und sind so aufgebaut, dass sie zum Beispiel zwar primär eine heiße Erkrankung behandeln, aber sekundär gleichzeitig dafür sorgen, dass beispielsweise das Verdauungsfeuer (siehe weiter unten) optimiert wird oder primär eine kalte Erkrankung behandelt wird und gleichzeitig sekundär dafür gesorgt wird, dass die Hitze nicht zu stark ansteigt.
Entsprechend dieser Grundaspekte ist Lung vor allem für das Nervensystem und alle mit Dynamik und Bewegung verbundenen Aspekte zuständig, wie Atmung, Peristaltik, Druckverhältnisse, Blutdruck; Tripa ist vor allem für die Thermodynamik und die Verdauungs- und Ernährungsaspekte zuständig – also für die Bereitstellung von Wärme sowie die Aufbereitung und Aufnahme der Nährstoffe aus der Nahrung. Peken ist für die Körperflüssigkeiten, die „Schmierung" des Körpers und der Gelenke sowie für die Muskelmasse, die Elastizität und die Sanftheit (Beweglichkeit) zuständig.
Vom Körpertypus her ist der klassische Lung-Typus schlank, eher hochgewachsen oder auch klein, weist eine feine Körpergliederung, feine und kühle Haut sowie eine feine und eher hohe Stimmlage auf. Beim typischen Tripa-Typus findet man einen athletischen und muskulösen Menschen von mittlerer Körpergröße, warmer bis heißer Haut mit Pigmentflecken und klarer sowie kräftiger Stimme. Der typische Peken-Typus hat einen massigen Körper sowie einen eher gedrungenen und kräftigen Körperbau. Die Haut ist hier eher kühl und die Stimme tief und tönend.
Die emotionalen und geistigen Aspekte von Lung werden im positiven Sinne mit geistiger Wachheit, schneller Auffassungsgabe, künstlerischen Interessen, einer Neigung zum Tanzen und Lachen sowie generell zu Bewegung, zu Ideenreichtum, unkonventionellem Denken und Handeln, Gesprächsfreude, Feingefühl, Schnelligkeit, einer Betonung des Immateriellen sowie generell einer leichten und unbeschwerten Art in Verbindung gebracht. Im gestörten Zustand können sich hieraus Unruhe, Nervosität, Gereiztheit sowie im körperlichen Bereich Symptome wie Nervenschwäche, Schlaflosigkeit, Zittern und Zuckungen, Herzprobleme, Tinnitus, Gleichgewichtsstörungen, Schwindel, Bluthochdruck o. ä. entwickeln. Der negative emotionale Aspekt von Lung wird mit einem ständigen Habenwollen, einer übersteigerten Form des Wünschens und im Extremfall mit einer Neigung zu gierigem Denken und Verhalten verbunden.
Die emotionalen und geistigen Aspekte von Tripa sind im positiven Sinne mit starker Motivation, Zielstrebigkeit, hoher Energie, Tatenreichtum und Freude an Bewegung und Wettkampf (Sport), Durchsetzungskraft und starkem Glaube an sich selbst assoziiert. Im gestörten Zustand kann hier eine Neigung zu Ungeduld und Gereiztheit, ein Verlust der Selbstkontrolle und des Feingefühls, übermäßiger Egoismus, „Unter-Dampf-Stehen" und generell eine zu starke Dominanz auftreten. Der negative emotionale Aspekt ist also mit Aggressivität und Zorn verbunden. Die
