Parker lässt den "Onkel" schmoren: Butler Parker 231 – Kriminalroman
Von Günter Dönges
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Butler Parker ist seinen Gegnern, den übelsten Ganoven, auch geistig meilenweit überlegen. In seiner auffallend unscheinbaren Tarnung löst er jeden Fall. Bravourös, brillant, effektiv – spannendere und zugleich humorvollere Krimis gibt es nicht!
Butler Parker war konsterniert. Er beobachtete die beiden etwa zehnjährigen Jungen, die aufgeweckt und sachkundig wirkten. Sie befanden sich wie er in einer Abteilung für Modeschmuck und hatten gerade zwei Halsketten in ihre Taschen verschwinden lassen. Nun widmeten sie sich zielbewußt modischen Uhren-Anhängern und nahmen eindeutig Maß. Sie konzentrierten sich auf reich verzierte Quarzuhren, die man leichtsinnigerweise auf einer Glasauflage deponiert hatte. Josuah Parker stand hinter einer mit Weckern bestückten Vitrine. Durch die Scheiben sah er die kleinen Einkäufer sehr genau. Sie hatten sich über die Quarzuhren gebeugt und sichteten ausgiebig. Der Verkäuferin bediente inzwischen eine Kundin, warf jedoch häufig prüfende Blicke auf die Zehnjährigen. Als sie ihre Kundin abgefertigt hatte, wollte sie zu den Jungen hinübergehen, doch in diesem Moment erschien ein weiterer Käufer, um sich beraten zu lassen. Dieser Interessent war nach Parkers Schätzung etwa sechzehn Jahre alt und machte einen höchst selbstsicheren Eindruck... Die Zehnjährigen nutzten ihre Möglichkeit. Blitzschnell langten sie wieder zu und räumten etwa zehn Quarzuhren ab, die in den Taschen ihrer modischen Parkas verschwanden. Danach schlenderten die kleinen Diebe weiter, als wäre nichts geschehen. Der Sechzehnjährige schien übrigens nicht das gefunden zu haben, wonach er suchte. Er schüttelte verneinend den Kopf und ging weiter. Parker tat es ihm nach. Er fiel in dem weltbekannten Warenhaus in der Londoner City nicht weiter auf. Als Urbild eines hochherrschaftlichen Butlers trug er zu seinem schwarzen Zweireiher und dem Eckkragen eine Melone und einen altväterlich gebundenen Regenschirm. Sein glattes, ausdrucksloses Gesicht verlieh ihm ein altersloses Aussehen.
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Parker lässt den "Onkel" schmoren - Günter Dönges
Butler Parker
– 231 –
Parker lässt den Onkel
schmoren
Günter Dönges
Butler Parker war konsterniert.
Er beobachtete die beiden etwa zehnjährigen Jungen, die aufgeweckt und sachkundig wirkten. Sie befanden sich wie er in einer Abteilung für Modeschmuck und hatten gerade zwei Halsketten in ihre Taschen verschwinden lassen. Nun widmeten sie sich zielbewußt modischen Uhren-Anhängern und nahmen eindeutig Maß. Sie konzentrierten sich auf reich verzierte Quarzuhren, die man leichtsinnigerweise auf einer Glasauflage deponiert hatte. Josuah Parker stand hinter einer mit Weckern bestückten Vitrine. Durch die Scheiben sah er die kleinen Einkäufer sehr genau. Sie hatten sich über die Quarzuhren gebeugt und sichteten ausgiebig.
Der Verkäuferin bediente inzwischen eine Kundin, warf jedoch häufig prüfende Blicke auf die Zehnjährigen. Als sie ihre Kundin abgefertigt hatte, wollte sie zu den Jungen hinübergehen, doch in diesem Moment erschien ein weiterer Käufer, um sich beraten zu lassen. Dieser Interessent war nach Parkers Schätzung etwa sechzehn Jahre alt und machte einen höchst selbstsicheren Eindruck...
Die Zehnjährigen nutzten ihre Möglichkeit.
Blitzschnell langten sie wieder zu und räumten etwa zehn Quarzuhren ab, die in den Taschen ihrer modischen Parkas verschwanden. Danach schlenderten die kleinen Diebe weiter, als wäre nichts geschehen. Der Sechzehnjährige schien übrigens nicht das gefunden zu haben, wonach er suchte. Er schüttelte verneinend den Kopf und ging weiter.
Parker tat es ihm nach.
Er fiel in dem weltbekannten Warenhaus in der Londoner City nicht weiter auf. Als Urbild eines hochherrschaftlichen Butlers trug er zu seinem schwarzen Zweireiher und dem Eckkragen eine Melone und einen altväterlich gebundenen Regenschirm. Sein glattes, ausdrucksloses Gesicht verlieh ihm ein altersloses Aussehen.
Der Butler folgte den beiden bargeldlosen Einkäufern unauffällig. Die Zehnjährigen kreuzten den Weg des Sechzehnjährigen, womit Parker schon fest gerechnet hatte. Die drei Jungen verschwanden für einen Augenblick hinter einer Dekorationswand. Nach Parkers Einschätzung fand jetzt ein Austausch der Beute statt.
Der Sechzehnjährige erschien vor einer Gruppe modisch ausstaffierter Puppen und strebte den Fahrstühlen zu. Die Zehnjährigen setzten dagegen ihren Beutezug fort und wechselten hinüber in die Spielwarenabteilung.
Josuah Parker mußte sich entscheiden.
Sollte er weiterhin die kleinen Ladendiebe beschatten? Oder war es sinnvoller, sich um den Sechzehnjährigen zu kümmern, der ungeduldig auf den Fahrstuhl wartete? Nun, Parker hatte inzwischen die Wahl getroffen. Sie galt dem Sechzehnjährigen, der wohl die Beute in Sicherheit bringen sollte.
Zusammen mit anderen Besuchern des Warenhauses fuhr man hinunter. Der junge Mann musterte Parker beiläufig, knetete mit seinen Zähnen hingebungsvoll einen Kaugummi und schien keinen Verdacht zu schöpfen. Einen Mann wie den Butler hielt er mit Sicherheit für harmlos.
In der Tiefgarage angekommen, schritt Parker würdevoll und gemessen zu seinem hochbeinigen Monstrum. Es handelte sich dabei um ein ehemaliges Londoner Taxi älterer Bauart, dem eigentlich bereits ein Ehrenplatz in einem Verkehrsmuseum gebührte. Hier angekommen, beobachtete Parker den noch sehr jungen Mann, der zielsicher einen Morris ansteuerte. Er öffnete den Kofferraum, schlug den Deckel wieder zu und ging zurück zum Fahrstuhl.
Als der Sammler von Beutegut verschwunden war, suchte Parker den Morris auf, dessen Kennzeichen er sich erst mal einprägte. Anschließend bemühte der Butler sein kleines Spezialbesteck, das dem eines passionierten Pfeifenrauchers ähnelte. Er brauchte nur wenige Sekunden, bis er das Schloß des Kofferraumes geöffnet hatte. Dann erlaubte sich Parker, ausgiebig zu staunen Im Kofferraum befand sich ein kleines Warenlager.
Der Butler entdeckte nicht nur den Modeschmuck und die Quarzuhren. Er fand auch Modell-Loks, Lederwaren und eine Kollektion von teuren Cashmere-Shawls. Man war bereits sehr intensiv in dem Warenhaus tätig gewesen.
Als Parker sich aufrichtete, hörte er in seinem Rücken ein feines Geräusch. Bevor er jedoch reagieren konnte, erhielt er einen harten Schlag auf die Melone, die ihm tief in die Stirn getrieben wurde.
Parker, keineswegs bewußtlos, täuschte diesen Zustand jedoch sicherheitshalber vor. Er knickte ein, legte sich über den Rand des Kofferraumes und nahm anschließend auf dem Betonboden der Tiefgarage malerisch Platz. Er wollte erst mal abwarten...
*
Parker hörte das Öffnen und Zuschlägen einer Wagentür. Wenig später wurde der Motor in Gang gesetzt. Der Butler, der knapp neben dem Heck des Wagens lag, unterdrückte einen aufkommenden Hustenreiz. Die Auspuffgase belästigten ihn nachdrücklich.
Deutlich war zu vernehmen, wie ein Gang eingelegt wurde. Instinktiv rollte Parker sich auf die Seite und entging so dem peinlichen Kontakt mit dem linken Hinterreifen des Wagens.
Man hatte ihn eindeutig überfahren wollen!
Während des seitlichen Wegrollens hatte der Butler seine konventionelle Kopfbedeckung wieder in die richtige Lage gebracht. Dicht an ihm vorbei rollten die Wagenräder. Und dann beugte der Fahrer sich auch noch aus dem geöffneten Fenster. Der Mann wollte sich vergewissern, daß er sein Opfer auch wirklich nachhaltig erwischt hatte.
Josuah Parker nutzte die Gelegenheit, den bleigefüllten Bambusgriff seines Universal-Schirmes einzusetzen. Er klopfte bei dem Fahrer kurz und hart an und benutzte als Zielfläche dessen Stirn. Der Getroffene, völlig überrascht, sackte sofort in sich zusammen und zeigte Wirkung.
Er gab dabei allerdings Vollgas und ließ den Wagen mit dem Heck gegen die Betonwand der Tiefgarage krachen. Ein durchaus häßliches Knirschen von Blech war zu vernehmen. Glas splitterte. Dann starb der Motor.
Parker öffnete die Wagentür und kümmerte sich um den Fahrer. Er hatte es mit einem Mann zu tun, der etwa dreißig Jahre zählte, eine dunkle Lederhose und eine schwarze Lederweste trug. Der Butler interessierte sich verständlicherweise für den Tascheninhalt und entdeckte zu seiner Überraschung eine Brieftasche, die er an sich nahm. Dann förderte er noch eine Automatic und ein Springmesser zutage. Mit einem durchschnittlichen Kriminellen hatte er es also ganz sicher nicht zu tun.
Josuah Parker wartete nicht, bis der Mann wieder zu sich kam. Er wechselte hinüber zu seinem hochbeinigen Monstrum, wie sein Wagen gern genannt wurde, setzte ihn in Bewegung und verließ die Tiefgarage. In der schmalen Seitenstraße, in die die Ausfahrt der Tiefgarage mündete, hielt er und harrte geduldig der Dinge, die seiner Ansicht nach kommen mußten.
Es dauerte knapp fünf Minuten, bis der lädierte Morris in der Ausfahrt erschien. Er war nicht mehr besonders fahrtüchtig, doch er ließ sich immerhin noch bewegen. Der Mann am Steuer war der Dreißigjährige, der den Morris zur nahen Durchgangsstraße brachte.
Parker löste sich vom Straßenrand und nahm diskret die Verfolgung auf. Er hatte die schwarze Melone abgenommen, um nicht erkannt zu werden. Sein ehemaliges Taxi fiel im dichten Straßenverkehr ohnehin nicht auf.
Der Morris passierte Blackfriars Bridge, ließ die Themse hinter sich und fädelte sich in den Verkehr von Southwark ein. Parker blieb dem Wagen diskret auf den Fersen und nahm zur Kenntnis, daß der Dreißigjährige den lädierten Morris schließlich durch eine Toreinfahrt in den Hinterhof einer Häuserzeile stellte. Im Erdgeschoß dieses Blocks waren Geschäfte, ein Eis-Café und eine kleine Zoohandlung untergebracht.
Josuah Parker fuhr weiter, bog in die nächste Seitenstraße und hielt hier. Er verließ seine Trickkiste auf Rädern, wie sein Wagen auch respektvoll genannt wurde, schritt gemessen zurück zur Hauptstraße und hielt Ausschau nach dem Dreißigjährigen.
Als Parker die Toreinfahrt passierte, entdeckte er den Fahrer des Morris. Er inspizierte gerade eingehend den Schaden am Heck des Wagens. Neben ihm stand ein wesentlich älterer Mann, der einen grauen Arbeitskittel trug, Parker aber leider den Rücken zuwandte.
Der Butler nahm zur Kenntnis, daß dieser ältere Mann eine blankpolierte Glatze besaß. Als die beiden Männer sich vom Wagen lösten, ging Parker weiter. Er wollte natürlich nicht entdeckt werden.
Der Butler wechselte die Straßenseite und betrat einen kleinen Gemischtwarenladen, in dem auch ein Post-Office untergebracht war. In einer Ecke des etwas chaotisch aussehenden Ladens befand sich ein Schalter für die Abwicklung der Postgeschäfte.
Parker kaufte eine Briefmarke und trat vor das Pult, das erfreulicherweise in
