Sie sagte Mitleid und meint Liebe: Dr. Norden Bestseller 367 – Arztroman
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Über dieses E-Book
Dr. Norden ist die erfolgreichste Arztromanserie Deutschlands, und das schon seit Jahrzehnten. Mehr als 1.000 Romane wurden bereits geschrieben. Die Serie von Patricia Vandenberg befindet sich inzwischen in der zweiten Autoren- und auch Arztgeneration.
Mit gesenktem Kopf saß Michaela Kunz an ihrem Schreibtisch und dachte angestrengt nach. Wie soll ich es nur Peter sagen, ging es ihr wieder, wie schon so oft, durch den Sinn. Aber heute würde er zurückkommen von seiner Geschäftsreise, und sie würde es ihm sagen müssen. Vielleicht ist alles auch für ihn gar nicht so schlimm, dachte sie weiter. Manche Männer sind plötzlich ganz närrisch, wenn sie Vater werden. Das hatte Dr. Norden auch zu ihr gesagt. Sie schrak zusammen, als sie jetzt die Stimme ihres Chefs vernahm. »Es tut mir leid, gnädige Frau, aber ich kann Ihren Fall nicht übernehmen. Ich habe meine Prinzipien, und mit falschen Karten spiele ich nicht. Es gibt sicher Anwälte, die bereit sind, Ihnen zu helfen. Ansonsten würde ich Ihnen empfehlen, lieber Ihrem Gatten reinen Wein einzuschenken.« Michaela wußte, daß Dr. Kraemer wollte, daß sie das mithörte. Er schaltete manchmal die Sprechanlage unauffällig ein, wenn er einen Klienten nicht loswerden konnte. Für sie war es der Zeitpunkt, einzugreifen. Sie raffte sich auf und ging zu seinem Zimmer, klopfte an, und auf sein »Bitte, herein«, betrat sie den großen getäfelten Raum. »Ich muß leider stören, Herr Doktor«, sagte sie, »ich möchte Sie an Ihren Termin erinnern.
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Sie sagte Mitleid und meint Liebe - Patricia Vandenberg
Dr. Norden Bestseller
– 367 –
Sie sagte Mitleid und meint Liebe
Patricia Vandenberg
Mit gesenktem Kopf saß Michaela Kunz an ihrem Schreibtisch und dachte angestrengt nach. Wie soll ich es nur Peter sagen, ging es ihr wieder, wie schon so oft, durch den Sinn. Aber heute würde er zurückkommen von seiner Geschäftsreise, und sie würde es ihm sagen müssen.
Vielleicht ist alles auch für ihn gar nicht so schlimm, dachte sie weiter. Manche Männer sind plötzlich ganz närrisch, wenn sie Vater werden. Das hatte Dr. Norden auch zu ihr gesagt.
Sie schrak zusammen, als sie jetzt die Stimme ihres Chefs vernahm. »Es tut mir leid, gnädige Frau, aber ich kann Ihren Fall nicht übernehmen. Ich habe meine Prinzipien, und mit falschen Karten spiele ich nicht. Es gibt sicher Anwälte, die bereit sind, Ihnen zu helfen. Ansonsten würde ich Ihnen empfehlen, lieber Ihrem Gatten reinen Wein einzuschenken.«
Michaela wußte, daß Dr. Kraemer wollte, daß sie das mithörte. Er schaltete manchmal die Sprechanlage unauffällig ein, wenn er einen Klienten nicht loswerden konnte. Für sie war es der Zeitpunkt, einzugreifen. Sie raffte sich auf und ging zu seinem Zimmer, klopfte an, und auf sein »Bitte, herein«, betrat sie den großen getäfelten Raum.
»Ich muß leider stören, Herr Doktor«, sagte sie, »ich möchte Sie an Ihren Termin erinnern. Sie sind schon knapp in der Zeit.«
»Danke, Frau Kunz. Frau Burger wollte sowieso gerade gehen.«
Nun blieb Frau Burger auch gar nichts anderes übrig.
»Vielleicht überlegen Sie es sich doch noch«, sagte sie spitz zu Dr. Kraemer, maß Michaela mit einem herablassenden Blick und rauschte hinaus.
Er atmete auf.
»Das war unerfreulich«, sagte er. »Meine Schlußworte haben Sie ja mitbekommen. Was sich nur manche Frauen alles ausdenken, um die Scheidung zu erreichen und sich dabei noch gesundzustoßen, obwohl sie den Mann nach Strich und Faden betrogen haben. Entschuldigen Sie, Michaela, das mußte einfach heraus.«
»Ich habe es schon vergessen.« Sie zwang sich zu einem Lächeln, aber er sah sie forschend an.
»Fehlt Ihnen etwas? Sie sind so blaß«, stellte er fest.
»Es ist sicher der Föhn. Ich bekomme da leicht Kopfschmerzen«, redete sie sich heraus.
»Sie können für heute auch Schluß machen. Ich muß tatsächlich noch fort. Ruhen Sie sich am Wochenende aus. Mir ist offengestanden auch nicht ganz wohl. Es war eine schlimme Woche.«
Zwischen ihnen herrschte ein Vertrauensverhältnis. Seit vier Jahren war Michaela bei ihm als Anwaltsgehilfin tätig. Gleich nach dem Abitur war sie zu ihm gekommen. Studieren konnte sie nicht, weil sie bald Geld verdienen mußte, aber sie hatte sich schon immer für die Rechtswissenschaften interessiert und war sehr froh, einen Chef wie Dr. Kraemer gefunden zu haben, der selbst erst Anfang Dreißig war, aber sich als sehr guter Lehrmeister erwies.
»Gönnen Sie sich wirklich mal Ruhe«, sagte er besorgt, »und wälzen Sie nicht wieder schlaue Bücher. Sie wissen ja schon bald mehr als ich.«
»Das stimmt aber nicht«, erwiderte sie. »Ich habe von Ihnen nur schon sehr viel abgeguckt.«
Er lächelte, was sein ernstes Gesicht sehr anziehend machte. Er lächelte selten. Michaela wußte, daß er in seinem Leben schon viel Leid erfahren hatte, und auch diesbezüglich fühlte sie sich ihm irgendwie verbunden.
Dr. Kraemer sollte Michaela an diesem späten Nachmittag aber nochmals sehen, und da war er sehr überrascht, aber auch froh, daß sie ihn nicht bemerkt hatte, denn sie kam aus Dr. Nordens Praxis, und er wollte ihn gerade aufsuchen.
*
Michaela hatte sich zu Dr. Norden geflüchtet. Da sie früher als sonst die Kanzlei verlassen konnte, war es noch Zeit, ihn in seiner Praxis aufzusuchen. Er war der einzige Mensch, den sie um Rat fragen konnte. Er war der Einzige, der wußte, daß sie schwanger war. Ihre Eltern waren geschieden, und beide hatten wieder andere Partner. Für Michaela war die Welt in Unordnung geraten, als dies geschehen war, und so hatte sie sich an Peter Stoll geklammert, ihren Jugendfreund, den sie schon seit ihrem fünfzehnten Lebensjahr kannte. Und dann war es auch ein Glück für sie gewesen, die Stellung bei Dr. Kraemer zu bekommen, denn einen verständnisvolleren Chef konnte sie sich nicht wünschen.
Sie konnte auch keinen verständnisvolleren Arzt als Dr. Norden finden, und als sie jetzt vor ihm saß, blaß und nervös, war er sehr besorgt.
»Was bedrückt Sie, Michaela?« fragte er.
»Es ist wegen des Babys. Ich weiß nicht, wie ich es Peter sagen soll. Er denkt doch jetzt an seine Karriere, und er wollte nie früh ein Kind haben. Meinen Sie nicht, daß ein Schwangerschaftsabbruch besser wäre?«
Es hatte sie viel Überwindung gekostet, und das merkte Dr. Norden auch.
»Wollen Sie das wirklich?« fragte er behutsam.
»Wenn es nur nach mir ginge, nicht. Aber was soll ich tun, wenn Peter dagegen ist, daß ich das Kind austrage? Was soll ich denn machen, wenn er mich sitzen läßt?«
»Da würde sich immer ein Weg finden lassen, Michaela. Sie könnten es auch zur Adoption geben, wenn Sie es dann wirklich nicht behalten wollen. Aber ich glaube nicht, daß Sie diese Einstellung haben.«
»Aber was soll ich Dr. Kraemer sagen? Wenn er mich nun entläßt?«
»Das dürfte er gar nicht, und außerdem würde er es auch nicht tun, wie ich ihn kenne.«
»Sie kennen ihn?« fragte Michaela erstaunt.
»Er ist ab und zu auch mal mein Patient.«
»Das wußte ich nicht.«
»Oft kommt er auch nicht.« Auf keinen Fall wollte Dr. Norden jetzt sagen, daß er damals die Stelle für Michaela vermittelt hatte. Als sie Dr. Norden gesagt hatte, daß sie sich bei ihm bewerben wollte, hatte er Christoph Kraemer auf sie aufmerksam gemacht, und er wußte, daß sie es beide nicht bereuen mußten.
»Dr. Kraemer ist ein so feiner Mensch«, sagte Michaela gepreßt. »Er wird es sicher nicht verstehen. Ich schäme mich doch so, aber ich habe bestimmt gedacht, daß Peter mich heiraten würde.«
Dr. Norden betrachtete sie nachdenklich. Sie war nicht ausgesprochen hübsch zu nennen, aber dafür hatte er sowieso nicht viel übrig. Michaela hatte ein ausdrucksvolles Gesicht und wunderschöne topasfarbene Augen, eine zierliche Figur, sehr schöne Hände und ansehnliche Beine. Er kannte sie schon lange genug, um beurteilen zu können, daß sie sich von einem schlaksigen Teenager immer vorteilhafter entwickelt hatte, aber jetzt war sie traurig und in sich zerrissen, und das drückte sich auch in ihrem Gesicht aus.
»Gerade weil Dr. Kraemer ein wirklich feiner Mensch ist, wird er Sie verstehen, Michaela«, sagte er ermutigend. »Will Ihr Verlobter denn nicht heiraten?«
»Später mal, sagt er immer. Seine berufliche Karriere ist vorrangig. Er will Verkaufsleiter werden. Da ist er viel unterwegs, und Kinder behindern nur, wenn man öfter mal umziehen muß, meint er auch.«
»Aber Sie lieben ihn?«
Michaela senkte den Blick. »Ich habe mich nie für einen anderen Mann interessiert. Wir kennen uns schon so lange und haben uns auch immer vertragen. Er hat keine Eltern mehr und mit meinen verstehe ich mich nicht mehr. Ich kenne keine anderen Männer, da hat man auch keine Vergleichsmöglichkeiten«, fügte sie stockend hinzu.
Es sind ihr also schon Zweifel gekommen, ging es Dr. Norden durch den Sinn.
»Sie kennen doch zum Beispiel Dr. Kraemer und auch mich«, meinte er lächelnd.
»Damit ist doch Peter nicht zu vergleichen. Das sind andere Welten.«
»Liebe Güte, Sie sind eine gebildete junge Frau, und Sie haben aus Ihrer schwierigen Situation das Bestmögliche gemacht. Sie brauchen Ihr Licht doch nicht unter
