Ikarus im Schleudergang: hochbegabt und abgestürzt
Von Nicole Diercks
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Über dieses E-Book
selbstständige Erfolgs-Beraterin und Provokationstherapeutin an der Nordsee.
Parallel betreut sie Opfer aus Beziehungen mit Cluster-B-Gestörten, und betreibt darüber eine weit gefächerte Aufklärung über Bücher, Vorträge und einen Youtube-Kanal. https://www.youtube.com/channel/UC294n63zf1jPjBMtTqn57WQ
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Nicole Diercks
Nicole Diercks wurde 1967 in Hamburg geboren und verbrachte ein viertel Jahrhundert in Bayern, wo sie 'Entwicklungshilfe' machte :-D. Sie arbeitet als selbstständige Erfolgs-Beraterin, Kompetenz-/ Bewerbungs-Trainerin und Coach. Natürlich gehört auch, und das sogar vornehmlich, die Beziehung zum Lebenskonzept. Insbesondere dieses Feld ist von vielen sensiblen Störungen betroffen, weswegen Nicole Diercks dieses Thema als Autor, Coach und Therapeut gleichermaßen stark im Fokus hat. Als Provokations-Therapeutin begleitet sie auch Opfer aus persönlichkeitsgestörten Beziehungen.
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Buchvorschau
Ikarus im Schleudergang - Nicole Diercks
Ikarus im Schleudergang
Ikarus im Schleudergang
Was ist Hochbegabung?
Äthiologie der Hochbegabung
Diagnose der Hochbegabug
ADHS
Hochsensibilität
Hochbegabung
Populäre Irrtümer über Hochbegabung
Hochbegabung und Moral
Hochbegabte in der Partnerschaft
Wechsel- und Reizfälle des Lebens
Gute Ratschläge?!
Abbruch!?
Unterforderung
Alltag
Beruf
Raus aus der Ver(w)irrung?!
Falsche Passung
Die Entdeckung des Unentdeckten
Multitalente und Scanner
Hochbegabung und Angst
Impressum
Ikarus im Schleudergang
Was ist Hochbegabung?
In meinem Leben habe ich unvorstellbar viele Katastrophen erlitten!
Die meisten davon sind nie eingetreten …
Mark Twain
Kein Problem kann mit der gleichen Denkweise gelöst werden, mit der es geschaffen wurde.
Albert Einstein
Und so hoffe ich, dass Sie die Natur akzeptieren können, wie sie ist – absurd.
Richard P. Feynman
Ein kleiner Schwenk zur Namensgebung dieses Buches:
Ikarus und sein Vater Dädalus wurden zur Strafe im Labyrinth des Minotaurus auf Kreta gefangen gehalten. Das alleine war da schon nicht ganz so pfiffig gelaufen, denn Dädalus hatte Ikarus beim Bescheißen für einen Test im Labyrinth geholfen - und war erwischt worden. Er befestigte zu Fluchtzwecken Federn mit Wachs an Gestängen, und schärfte Ikarus ein, nicht zu hoch - wegen der Hitze der Sonne - und nicht zu tief - wegen der Feuchte des Meeres - zu fliegen, um nicht abzustürzen. Doch Ikarus wurde übermütig, hatte wahrscheinlich im Höhenrausch schon wieder alles vergessen, und stieg so hoch hinauf, dass die Sonne das Wachs seiner Flügel schmolz, er ins Meer stürzte, und ertrank … Das klingt vordergründig jetzt nicht sehr hochbegabt, vermutlich hatte die Begabung bei ihm keine Vererbung gezeigt … Sein Vater wird wohl hochbegabt gewesen sein, wenn man sich diese Erfindung und die Betriebsanleitung mal anschaut ... Möglicherweise war er aber ein Autist, denn ihm fehlte ganz offensichtlich die soziale Intelligenz, um abzubilden, dass sein Sohn ein echter Döskopp war! Es stellte sich außerdem die Frage, warum er nicht sicherheitshalber vorausflog, sondern wie ein moderner Vater auf dem Fahrrad, hinter seinem geistfreien Sprössling her flatterte …?! Ja, Dummheit zahlte sich schon damals nicht aus … Andererseits ist Ikarus das perfekte Beispiel für einen Katalog-Hochbegabten: Unaufmerksam, vergesslich, in Ekstase, immer in Gefahr abzustürzen, wenn er die Mitte nicht trifft - und ständig in der Not, genau das eben nicht zu können …!
Es ist nicht ganz so einfach ein Buch über Hochbegabung zu schreiben, denn alleine schon der Begriff kann in Deutschland gar nicht eindeutig definiert werden! Es existieren unzählige Begriffserklärungen in der Fachliteratur, und einer widerspricht dem anderen ... Man ist sich nur einig: „Hochbegabung ist eine weit über dem Durchschnitt liegende intellektuelle Begabung und „Bei Hochbegabung handelt es sich um eine komplexe Konstellation von Verhaltensweisen, die auf unterschiedliche Weise zum Ausdruck kommen können
. Nur herrscht leider große Uneinigkeit darüber, welche Verhaltensweisen das eigentlich genau sind?! Man darf nun ja nicht vergessen: Auch Gewalttäter und Tyrannen sind oft hochbegabt! Aber auffällig viele Hochbegabte haben einen Hang zu Altruismus, Idealen, hohen Werten, Idealismus, und auch zu einer Form von Sozialismus, und existenziellen Fragen. Hochbegabung ist zwar geistiger Adel, verspricht aber nicht immer auch einen lauterbaren Charakter!
Häufig wird daher immer noch für die Feststellung einer Hochbegabung der Intelligenzquotient (IQ) durch einen rein logisch gelagerten Test bestimmt. IQ-Werte über 130 werden dabei generell als Hochbegabung angesehen, dies trifft mit einer Wahrscheinlichkeit von zwei bis drei Prozent auf die Weltbevölkerung zu. IQ-Werte über 145 gelten als Höchstbegabung, und betrifft einen von Tausend. Sogar über IQ 160 kann man haben, dann ist man ein Genie. Der IQ-Wert allein ist leider für die Diagnose nicht besonders aussagekräftig. Hochbegabung bedeutet nämlich überdurchschnittliche Fähigkeiten auf einem oder mehrerer Gebiete, und zudem eine sehr hohe Motivation, Kreativität und Begeisterungsfähigkeit zu besitzen. Außerdem auch höchste Sensibilität für zwischenmenschliche Prozesse, Gefühlslagen, Zwischentöne oder Stimmungen. Hochbegabung, und die damit verbundenen intellektuellen und sozial-emotionalen Merkmale, zeigen sich in allen Lebensbereichen, und stellen mannigfaltige Ressourcen dar. Wer hochbegabt ist, ist es zumeist nicht nur in einem Teilbereich. Jürgen vom Scheidt schätzt den Anteil derjenigen, die ihre Möglichkeiten tatsächlich ausschöpfen und leben können, jedoch nur auf ein Drittel! Er rät daher zu Talent, Begabung und Kreativität zu stehen, und ermuntert dazu - auch wenn das von der Umwelt weiß Gott nicht immer anerkannt oder gar honoriert und bejubelt wird. Ganz im Gegenteil wahrscheinlich oft: nämlich mit Unverständnis, Ablehnung, Neid oder Feindseligkeit. Hochbegabung hat in Deutschland ein extrem schlechtes Standing, obwohl in der Wissenschaft hartnäckig behauptet wird, sie sei gesellschaftlich und sozial ach-so-hoch angesehen. Solange die Genies auf einem Podium stehen, findet man sie wohl zumeist echt interessant. Sobald sie jedoch mit spitzen Fingern am eigenen Frühstückstisch, mit hochgezogenen Augenbrauen, ein mal wieder zu hart gekochtes Ei abpellen, schon weniger. Schon möglich dass man über dem Tisch den Intelligenzbestien hudelt, unter dem Tisch hingegen wird „solchen Leuten" noch bestenfalls mit gemischten Gefühlen gegenübergetreten, da man sich in Deutschland immerzu bewertet, und sich dazu dann eben praktikabler Weise vergleicht … ganz menschlich! Und wer bitte will schon neben einem Genie stehen und sich dann, mit seiner durchaus gut entwickelten Intelligenz, wie ein ausgemachter Trottel fühlen?! Das ist das gleiche falsch-negative Gefühl, das eine normal große, normal gebaute Frau neben einem klapprigen, kleinen Skelettmann kriegt: einfach nur fett!
Es ist aber mittlerweile angekommen, dass gesellschaftlicher, technischer, wirtschaftlicher und sozialer Fortschritt im Wesentlichen auf den Beiträgen sogenannter „leistungsexzellenter Personen zurückführbar ist. Auch darum ist Hochbegabtenforschung heute gleichermaßen eine Grundlagenwissenschaft, als auch angewandte Wissenschaft. Natürlich will man diese im Volk schlummernden Potenziale weidlich austrinken! Die Geschichte, bis es soweit war, ist allerdings so lang wie auch holprig. Früher sah man Begabung als entkoppelt vom Individuum, nämlich als „von Gott verliehen
und ähnlich dem Gottgnadentum des Pharaos: Die Begabung war völlig von der Person entkoppelt - er hatte sie eben, um damit Gutes zu tun. Erst im 4. Jahrhundert begann der lateinische Sprachraum Begabungen an die Person zu knüpfen, im mittel- und nordeuropäischen Sprachraum fing man damit langsam erst im 15. Jahrhundert an. Im 16. Jahrhundert verhalf dann der Protestantismus zu einer Neubewertung von Leistungen, indem er sie klar an die Person koppelte. Dies wurde in der Renaissance durch den Gedanken „der sinnvollen Nutzung von Begabungen gefördert und ergänzt. Hier tauchte das erste Mal der Begriff „Talent
auf, was als geistige Anlage gesehen wurde, die eine Person auch zur Erreichung eigener Ziele verwenden konnte. Während der folgenden Aufklärung wurde logisches, kritisches und gutes Denken dann sogar zu einer Tugend erhoben. Der Begriff des „Genies kam auf und wurde mit „Bildungsideal
gleichgesetzt. In der Romantik ging dann sogar ein wahrer Geniekult los, der das Genie als eine dem normalen Verständnis entzogene Entität aufputschte. Albert Ziegler: „Von einem Begriff, wie dem der Begabung, dessen Bedeutungsentwicklung eine lange Geschichte hat und der sich aus vielen Wurzeln speist, ist kaum zu erwarten, dass er einheitlich verwendet wird. In der Tat ist seine Semantik im deutschsprachigen Raum zwar nicht ohne erkennbare Konturen, aber dennoch recht diffus. … Unglücklicherweise herrscht in der Wissenschaft, wenn über Begabung und Hochbegabung gesprochen wird, ein nahezu babylonisches Sprachgewirr. Es wurden bereits über 100 verschiedene Definitionen zur „Hochbegabung zusammengetragen.
Es gibt alleine fünf Kriterien, die erfüllt werden müssen: Exzellenz, Seltenheit, Produktivität, Beweisbarkeit, Wert. Und vier Definitionen: Psychometrisch, Performanz, Etikettierung, Spezifikation. Wer das alles abhakt, ist dann wohl wahrscheinlich einer unter 100.000. Kurz: Es herrscht das Chaos, und wer sich mit einer Diagnose betiteln will, sollte besser mal selber Hand anlegen …
Der amerikanischer Intelligenzforscher Howard Gardner unterschied schon in den achtziger Jahren neun verschiedene Formen der Intelligenz, die nicht voneinander abhängen, und die er als „multiple Intelligenz" beschrieb. Davon bestehen alleine schon sechs Intelligenzbereiche, die die Welt bislang völlig ignoriert hatte:
Interpersonell = Menschen gut verstehen können, Empathie, emotionale Intelligenz.
Intrapersonell = Impulskontrolle, Grenzen setzen, gesunder Umgang mit eigenen Gefühlen, klare Ansichten über Möglichkeiten und Chancen, Bedürfnisse gut wahrnehmen können, ein wahrhaftiges Bild seiner eigenen Persönlichkeit haben, Reflexionsfähigkeit.
Körperlich-kinesthetisch = Den Körper erfassen und nutzen zu können, um etwas auszudrücken oder zu produzieren.
Musikalisch-rhythmisch = Musizieren, Komponieren, Rhythmus, Zwischentöne, Gehör.
Verbal-linguistisch = Gefühl für Worte, schnelles Sprachenlernen, talentierter Einsatz der Sprache.
Logisch-mathematisch = Problemlösungsorientierung, mathematische Gleichungen analytisch lösen, wissenschaftliche Bereiche erforschen.
Naturalistisch = Fähigkeit zum genauen Beobachten, Unterscheiden sowie Erkennen, Sensibilität für die Natur und ihre Phänomene.
Visuell-räumlich = Gutes Erfassen räumlicher Strukturen, räumliches Denkvermögen, Orientierungssinn.
Existenziell = Fragen über das menschliche Dasein, Antwortsuche, philosophisches Geschick, spirituelles Geschick, Hang sich und andere erkennen wollen.
Die Autorin und Coach Anne Heintze behauptet noch zwei weitere Intelligenzformen gefunden zu haben:
Kristallin = Ergibt sich aus den Lernprozessen. Allgemeinbildung und Schulwissen sind erhebliche Bestandteile, genauso wie Erfahrungen, Erinnerungen und ein großer Wortschatz. Vorlieben eines Menschen zur Wissensaneignung sind die Basis, und die Wahrscheinlichkeit an Alzheimer zu erkranken, wird geringer, je besser die kristalline Intelligenz trainiert ist.
Fluid = (flüssig oder geistig). Flexibilität und Kreativität sind zwei wichtige Elemente, sowie die Schnelligkeit des Erfassens von Situationen, Problemlösefähigkeit, Intuition, das Entwickeln neuer Ideen und logisches Denken. Auch der Zustand des Arbeitsgedächtnisses spielt hier eine Rolle. Wenn der Mensch älter wird, nimmt die Plastizität des Gehirns die fluide Intelligenz oft ab. Es ist aber auch möglich, lebenslang an der Verbesserungen der fluiden Intelligenz zu arbeiten.
Das Konzept der multiplen Intelligenzen ist wissenschaftlich noch nicht abgesegnet. Allerdings ist es heute möglich, einen „allgemeinen Intelligenzfaktor, den „g-Faktor
, zu bestimmen, der Auskunft über das intellektuelle Potenzial einer Person gibt.
Eines der vielen umlaufenden Begabungsmodelle, bei denen zumeist fälschlich Hochbegabung mit Hochleistung gleichgesetzt wird, ist das „Drei-Ringe-Konzept" nach Joseph Renzulli. Hohes Leistungsverhalten ist somit das Ergebnis von drei ineinander fließenden Faktoren: überdurchschnittliche Fähigkeiten, Kreativität, Motivation und Aufgabenverbundenheit.
Dieses Modell, wurde erweitert durch das „Triadische Interdependenzmodell" von Franz-Josef Mönks (1992), der als wichtigen Faktor zur Herausbildung einer Hochbegabung das soziale Umfeld, insbesondere Familie, Freunde und Schule, hinzufügte.
Das differenziertere Modell zur Beschreibung ist das „Begabungs- und Talentmodell" nach Francois Gagné: Aus vorhandenen Begabungen entstehen durch Lernen, Übung und Praxis, von ökopsychologischen (Personen, Regionen, Interventionen, Ereignisse, Zufälle) und intrapersonalen Katalysatoren (Persönlichkeit, Anlagen, Motivation) begleitet und beeinflusst, Talente, in denen sich die Hochbegabung äußert. Solche Modelle sind sogenannte Faktoren-Modelle, die einen Zusammenhang zwischen verschiedenen Einflüssen herzustellen versuchen.
Auch das „Münchener Hochbegabungsmodell" von Heller und Hany (2000) ist sehr differenziert, und unterscheidet verschiedene Begabungsformen bzw. Leistungsbereiche. Hier entwickeln sich Potentiale zu Leistungen (Begabung und Talent), was durch verschiedene Faktoren beeinflusst wird, die als Moderatoren bezeichnet werden, wozu insbesondere auch die Lernumgebung zählt. Dieses Modell gilt als besonders übersichtlich, und spiegelt akkurat den aktuellen Stand der Forschung wider, da es auch moderne Intelligenzmodelle berücksichtigt.
„Kognitive Modelle" stellen die Informationsverarbeitung in den Vordergrund, die für Kritiker nicht ausreichend in den andern Modellen gewürdigt wird. Insbesondere die Fähigkeiten, die aufgewendet werden müssen, neue Informationen aufzunehmen und zu verstehen, werden hier mitbeleuchtet. Wenn man darüber nachdenkt, kommt man auf mindestens drei Persönlichkeitsmerkmale, die hier immer ganz verschieden miteinander korrelieren: Intelligenz, Begabung, Kreativität. Kritiker des eindimensionalen IQ-Test-Systems bezeichnen eine so gemessene Hochbegabung als einen falsch-künstlichen Konstrukt. Denn es reduziere die intellektuelle Befähigung auf einen eindimensionalen Zahlenwert, der willkürlich gemessen werden könne. Sie fordern intelligentere, multiplere, dynamischere, weiter gefassten und beweglichere Konzepte, die alle messbaren Leistungen als Grundlage anerkennen müssen. Die Fähigkeit zu vernetzten Denken, genauso wie das Talent zur Kreativität, ließe sich nämlich so einfach nicht messen. Ferner wird befürchtet, dass Intelligenztests Mittelschichtkinder bevorzugen, da die Intelligenzforscher in aller Regel selbst Personen aus der Mittelschicht sind. Ein Fall für den Rosenthal-Effekt: Resultate werden durch positive Erwartungen, Einstellungen, Überzeugungen, sowie positive Stereotype im Sinne der Annahmen verfälscht ... Wir werden hier also auch ein paar schicke Checklisten haben, die aber immer mit Vorsicht zu genießen sind, denn bei etwas so mechanistischem wie Checklisten, besteht leider die menschliche Schwäche Übereinstimmungen zu überbewerten, und Abweichungen einfach zu ignorieren …!
Äthiologie der Hochbegabung
Es gibt immer noch keinen Konsens in Forschung und Lehre über die genauen Ursachen von Hochbegabung. Als wahrscheinlichste Ursache gilt die übliche „Wir-wissen-es-nicht-!-Kombination aus sozialem Umfeld, biologischen und genetischen Faktoren. Das „triadische Interdependenzmodell
(Franz-Josef Mönks, 1994) benennt als die wichtigsten Faktoren zur Herausbildung einer Hochbegabung: Das soziale Umfeld, die Familie, Freunde, Schule, und persönliche Eigenschaften wie: Motivation, Kreativität, und gegebene intellektuelle Fähigkeiten. Womit wir uns ja dann fast wieder im „Drei-Ringe-Modell" wiederfinden ... Erst wenn das alles zusammenträfe, würde eine Hochbegabung wahrscheinlich - sagt man. Der Blick in die Gene bringt uns auch nicht wirklich weiter: Genvarianten und Erblichkeits-Schätzungen für Intelligenz variieren von Studie zu Studie, außerdem wissen wir gar nicht, wonach wir überhaupt genau suchen sollen?! Bekannt ist: Kinder älterer Mütter haben häufig einen hohen Spiegel des Wachstumshormons IGF-1, und sind somit tendenziell auch intelligenter - hochbegabt sind sie damit aber immer noch nicht. Interessant ist: Einige dieser gefundenen Schlaubi-Gene zeigen leider auch einen Zusammenhang mit der Schizophrenie! Der genaue Zusammenhang ist aber auch hier nicht geklärt, wir wissen es also nicht. Generell tritt Schizophrenie bei Menschen mit überdurchschnittlicher Intelligenz nämlich eher selten auf, es gibt dafür aber ein höheres Ranking auf der Autismus-Skala. Bei Menschen hingegen mit unterdurchschnittlicher Intelligenz, besteht seltsamerweise scheinbar ein erhöhtes Risiko dafür an Schizophrenie zu erkranken. Das gleiche gilt aber auch wieder für insbesondere mathematisch hochbegabte Menschen und ihre Familien. Was wir wissen bringt uns also nicht nur nicht weiter, sondern verwirrt uns immer weiter!
Obwohl der Mittelwert von Frauen und Männern gleich ist, zeigen sich bei Männern sowohl mehr Hochbegabte, als auch mehr Minderbegabte, die Streuung der gesamten Intelligenz bei Männern ist im Durchschnitt also breiter. Obwohl Hochbegabung bei Frauen und Männern gleichermaßen zu finden ist, wird sie bei Frauen aber dennoch seltener erkannt. Es kann an dem Vorurteil liegen, dass man Frauen zunächst als nur als „Frau oder oft genug nur als „Objekt
wahrnimmt, und nicht als Menschen, mit einem auch überragenden Geist. Intelligenz und Weiblichkeit scheinen immer noch nicht zusammen passen, im Gegensatz zu Intelligenz und Männlichkeit! Das liegt aber auch mit an der üblen Presse, die Männer klugen Frauen verpassen: unsexy, emanzipiert, und einfach zum Abgewöhnen! Und sie leben das auch so, denn Männer halten tendenziell lebenslang ihr flaches Anspruchsniveau aufrecht: jung, nett, verständnisvoll, gesund, sexy - und natürlich attraktiv soll sie sein! Intelligenz bei einer Frau ist solange nebensächlich, wie sie die Seine nicht in Frage stellt! Und bei dem Bisschen, was da teilweise dann tätig am Lager liegt, geht das ja ganz schnell … Ein bisschen doof ist ja auch ganz niedlich, finden Männer selbst heute immer noch. Akademikerinnen und intellektuelle Frauen über 40 Jahre sind auf dem Beziehungsmarkt Regalkletten, und gelten neben Männern mit Hartz4 als schwer, bis gar nicht mehr vermittelbar.
Dieses Buch wendet sich an unerkannte hochbegabte Erwachsene. Die Stoffmassen über hochbegabte Kinder im Internet sind mittlerweile immens, und werden uns hier nicht berühren, auch deshalb nicht, weil wir den Zeitpunkt der Entdeckung ja nun leider seit ein paar Jahrzehnten verpasst haben! Vielleicht ist es interessant einmal zu überprüfen, ob unsere Hochbegabung sich tatsächlich schon charakteristisch im Kindheitsalter gezeigt hat, was sie, wenn sie wirklich vorliegt zwingend tat! Viele von uns wurden aber nicht nur nicht gefördert, sondern auch noch gemobbt, weil sie zu laut, lebendig, neugierig, fordernd, frühreif, altklug, oppositionell, unruhig - sprich einfach zu fordernd und anstrengend waren! Wer vor 1980 geboren wurde, und dazu noch eine Frau ist, wurde zumeist nicht erkannt, es sei denn er
