Über dieses E-Book
Der vierzehnjährige Junge Gurian lebt mit seiner Lebensgemeinschaft in einem Militärcamp auf dem Planeten Parad. Als einziges Kind und Jugendlicher auf der Station fühlt er sich einsam und von den Erwachsenen unverstanden. Nichts wünscht er sich sehnlicher, als von dem langweiligen Planeten herunterzukommen. Die Situation ändert sich erst, als er ein etwa gleichaltriges Mädchen kennenlernt. Doch sie umgibt ein verhängnisvolles Geheimnis.
›Gemeingefährlich‹ ist eine abgeschlossene Geschichte, die im Rahmen des Weltraumabenteuers ›Lucy‹ spielt. Zeitlich ist die Handlung etwa fünf Jahre vor dem ersten Romanband angesiedelt.
Sie erzählt das Schlüsselerlebnis des Jungen Gurian, das ihn zu demjenigen werden lässt, den Lucy Jahre später trifft.
Fred Kruse
Fred Kruse lebt in Norddeutschland und hat vier erwachsene Kinder. Er ist promovierter Physiker und arbeitete jahrelang im IT-Management. Er veröffentlichte bisher die siebenbändige SF- und Jugendbuchserie ›Lucy‹, den zweibändigen Fantasy-Roman ›Adromenda‹ sowie die Cyberthriller ›Final Shutdown‹ und ›2048‹.
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Rezensionen für Gemeingefährlich
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Buchvorschau
Gemeingefährlich - Fred Kruse
Zu diesem Buch
›Gemeingefährlich‹ ist eine abgeschlossene Geschichte, die im Rahmen des Weltraumabenteuers ›Lucy‹ spielt. Zeitlich ist die Handlung etwa fünf Jahre vor dem ersten Romanband angesiedelt.
Sie erzählt das Schlüsselerlebnis des Jungen Gurian, das ihn zu demjenigen werden lässt, den Lucy Jahre später kennenlernt.
1
Voller Ungeduld trommelte sie mit ihren Fingern auf das Pult vor ihr.
»In den letzten vier Tagen sind allein drei große Kriegsschiffe vernichtet worden. Hast du eine Vorstellung, wie viele Menschenleben dabei ausgelöscht wurden?«
»Was soll das hier werden, Rinata? Jeder weiß, wie groß die Besatzung eines Kriegsschiffs ist.« Der Mann, der auf der anderen Seite des Pults stand, sprach ruhig und sachlich, während ihre Stimme vor Ärger einen schneidenden Ton angenommen hatte.
»Dann weißt du auch, warum wir so dringend den neuen Schirm brauchen, Dawerow.« Sie redete lauter als angemessen. Sie schrie fast.
»Jeder weiß das. Aber das ist nicht mein Problem. Es ist deine Aufgabe, Rinata, diesen Abwehrschirm zu entwickeln. Ein Prototyp reicht da nicht aus. Man muss ihn auch zur Produktreife bringen«, antwortete Dawerow ruhig.
Mit einem Knall schlug Rinata die rechte Handfläche auf den Tisch.
»Du weißt, wie jeder andere auf dieser Station, genau, dass ich nicht vorankomme, weil deine verdammten Roboter nicht funktionieren. Wenn sie überhaupt arbeiten, dann produzieren sie zu Dreivierteln nur Schrott«, schrie sie. »Da draußen sterben jeden Tag junge Menschen und das, weil du deine Arbeit nicht machst.«
Äußerlich wirkte Dawerow noch immer ruhig. Allerdings hatte sich sein Blick verändert. Purer Hass sprühte aus seinen Augen.
»Diese Roboter sind das Fortgeschrittenste, das alle bekannten Kulturen bisher entwickelt haben. Die ganze Baureihe ist so neu, dass noch keine Erfahrungen mit diesem Typ vorliegen. Man kennt seine Stärken noch nicht in vollem Umfang und auch noch nicht seine Schwächen«, sagte Dawerow mühsam beherrscht.
»Willst du damit sagen, dass ihr nicht wisst, ob er für seine Aufgabe geeignet ist?«
»Er wurde dafür konstruiert, aber diese Serie ist die erste, die unter echten Produktionsbedingungen arbeitet.«
»Das hörte sich aber in den Vorbesprechungen ganz anders an. Von grundsätzlichen Problemen war da keine Rede!«
»Muss man euch denn alles haarklein vorkauen? Ich habe gesagt, der Roboter ist aus dem Prototypenstadium heraus. Aber es wussten alle, dass dies der erste Produktionseinsatz ist. Dass es da die Notwendigkeit zu Nachbesserungen geben wird, musste euch doch allen klar sein.«
»Wie dem auch sei, du weißt, was man von uns verlangt. Die Militärs stehen mir schon auf den Füßen. Sie verlangen Ergebnisse. In den nächsten Tagen wollen sie sogar einen Kontrolleur schicken.«
Dawerow sah sie nachdenklich an. Er hatte sich scheinbar beruhigt. Rinatas Zorn verrauchte ebenfalls langsam. Der Gedanke an den bevorstehenden Besuch eines militärischen Kontrolleurs versöhnte die beiden Wissenschaftler.
Eigentlich mochte sie Dawerow. Er war wie sie. Er besaß den Ehrgeiz der Beste in seinem Fach zu sein und das war er auch. Der Ruf des besten Roboterspezialisten im ganzen bekannten Teil der Galaxie eilte ihm voraus.
Und doch hatte er diese neue hoch komplizierte und untypische Art von Robotern nicht im Griff. Es begann damit, dass diese Maschinen wie Menschen aussahen. Manchmal schien es Rinata, als würden diese Roboter sie beobachten, als würde sie von ihnen bewertet werden. Ja wie, …, ja wie, von einem Menschen eben.
Konnten diese hochgelobten Spezialisten nicht dafür sorgen, dass diese Maschinen ein Gesicht bekamen, wie zum Beispiel die Haushaltsroboter? Die besaßen emotions- und konturlose Köpfe, auch auf der Vorderseite. Deren Augen betrachteten einen Menschen höchstens, um den zu erfüllenden Wunsch möglichst schon aus der Mimik und den Gesten abzuleiten.
Aber diese neuen Roboter sahen tatsächlich wie Menschen aus, wie welche aus der Provinz zwar, aber doch wie Personen. Dazu verhielten sie sich manchmal nicht in der für eine Maschine angemessenen Weise. Einige Verhaltensweisen waren in der Tat unvorhersehbar. Sie erinnerten fast an das Verhalten von Menschen.
Das konnte natürlich nicht sein. Es handelte sich schließlich um Maschinen. Daher wurde es Zeit, dass die Spezialisten die Probleme in den Griff bekamen.
»Also, was ist? Wie lange wird es dauern, bis deine Roboter endlich für die Produktion verwendet werden können?«, fragte Rinata. Sie wollte das Thema möglichst mit einer Zusage abschließen.
»Sie werden bereits in der Produktion eingesetzt, wenn ich dich erinnern darf.«
Rinata stöhnte auf.
»Schön, also gut, ich formuliere meine Frage anders: Wann werden sie endlich annähernd die Leistung bringen, die von ihnen erwartet wird?«
»Mein Team ist angewiesen, die Programmierung der Roboter noch einmal vollkommen zu überarbeiten. Wir testen gerade neue Methoden und spezielle Werkzeuge.«
Die Programmierung eines Bio-Roboters darf man sich nicht wie die einer simplen, elektronischen Maschine vorstellen. Das zentrale Nervensystem dieser Roboter besaß äußerst komplexe Strukturen. Um so anspruchsvoller die Aufgaben wurden, die so eine Maschine bewältigen musste, um so umfangreicher fiel die zentrale Steuerung aus, das Gehirn des Roboters.
Soweit Rinata wusste, besaßen die Maschinen, über die die beiden Wissenschaftler diskutierten, eine zentrale Steuerungseinheit, die etwa die Komplexität eines menschlichen Hirns besaßen. Die Programmierung so eines Roboters erinnerte mehr an die Erziehung von Haustieren oder gar Menschenkindern als an eine Programmierung elektronischer Geräte, wie sie Kulturen des Metallzeitalters üblicherweise hervorbrachten.
Allerdings ging man mit Robotern natürlich nicht so zimperlich um wie mit einem Kind. Eine biologische Maschine besaß zwar ähnlich wie Nervenzellen aufgebaute Sensoren, die Rückmeldungen über Verletzungen zurückgaben und sie befähigten, Gegenmaßnahmen zu ergreifen, aber ein Roboter war nicht fähig, Schmerz wie ein Mensch bewusst wahrzunehmen, dafür fehlte ihm das menschliche Bewusstsein. Das traf auch auf so komplexe Maschinen zu wie der neue Robotertyp, über den Rinata diskutierte.
»Dawerow, du weichst mir aus. Ich hatte gefragt, wie lange es dauern wird, bis die Roboter einsatzfähig sind.«
»Drei bis sechs Tage wirst du mir noch Zeit geben müssen, Rinata.«
»Drei Tage, das ist das absolute Maximum! Denk an unsere Leute, die jeden Tag an den Grenzen sterben!«
Rinata war nicht Dawerows Vorgesetzte. Sie konnte ihm keine Anweisungen geben, aber als sie das Gesicht des Roboterexperten sah, wusste sie, dass sie gewonnen hatte. Sie war zufrieden. Dawerow würde Tag und Nacht arbeiten. In drei Tagen könnte sie die Maschinen einsetzen. Das war früher, als sie zu hoffen gewagt hatte. Endlich würde es vorangehen.
2
»Du bist verdammt spät, wie jeden Tag.« Kelinro klang verärgert. Rinata wurde bewusst, dass sie sich seit Wochen, wenn nicht seit Monaten jeden Abend sehr kühl begegneten.
»Ich hatte viel zu tun. Dawerow bekommt das Problem mit den neuen Robotern nicht in den Griff«, erklärte sie und versuchte sogar ein Lächeln, was aber müde ausfiel.
»Und du bist natürlich die Einzige, die die Angelegenheit regeln kann.« Kelinros Stimme troff vor Spott.
»Vielleicht bin ich nicht die Einzige, die das Problem lösen kann, aber ich bin die Einzige, die sich darum kümmert, dass überhaupt
