Zum Verlieben schön: Vier Romane in einem Band
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Über dieses E-Book
Es ist wunderbar, frisch verliebt zu sein! Wann haben Sie zuletzt dieses ganz besondere Kribbeln im Bauch gespürt, diese unendliche Sehnsucht nach dem ersten Kuss? All die himmelhochjauchzenden Gefühle – und manchmal auch die zu Tode betrübten Momente, wenn das Happy End auf sich warten lässt … Die Erfolgsautorin Brigitte D'Orazio versteht es, diese verrückte, herrliche Stimmung einzufangen und in Geschichten festzuhalten, die man wieder und wieder genießen möchte – denn es gibt nur eins, was so wunderbar ist, wie frisch verliebt zu sein: ein richtig gutes Buch zu lesen!
Jetzt als eBook kaufen und genießen: der romantische und preisgünstige Sammelband "Zum Verlieben schön" von Brigitte D'Orazio enthält die Einzelbände "Das Haus in Portofino", "Geliebte Träumerin", "Der Fünf-Sterne-Kuss" und "Sing mir das Lied von der Liebe". Wer liest, hat mehr vom Leben: dotbooks – der eBook-Verlag.
Brigitte D'Orazio
Brigitte D’Orazio ist ein Pseudonym der erfolgreichen Autorin Brigitte Kanitz, unter dem sie ihre romantischen Unterhaltungsromane veröffentlicht. Sie arbeitete viele Jahre als Redakteurin für Zeitungen und Zeitschriften in Hamburg und in der Lüneburger Heide. Heute lebt sie gemeinsam mit ihren Zwillingstöchtern an der Adria. Brigitte D’Orazio veröffentlichte bei dotbooks die Romane »Die Sterne über Florenz«, »Villa Monteverde« und »Verliebt auf dem Land« sowie die Kurzromane »Das Haus in Portofino«, »Geliebte Träumerin«, »Der Fünf-Sterne-Kuss«, »Sing mir das Lied von der Liebe« – diese vier Titel auch erhältlich im Sammelband »Zum Verlieben schön« –, »Fundstücke des Glücks«, »Kapitäne küsst man nicht« und »Ti amo heißt Ich liebe dich« – diese drei Titel auch erhältlich im Sammelband »Sommer Love – Für immer wir«.
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Buchvorschau
Zum Verlieben schön - Brigitte D'Orazio
Über dieses Buch:
Es ist wunderbar, frisch verliebt zu sein! Wann haben Sie zuletzt dieses ganz besondere Kribbeln im Bauch gespürt, diese unendliche Sehnsucht nach dem ersten Kuss? All die himmelhochjauchzenden Gefühle – und manchmal auch die zu Tode betrübten Momente, wenn das Happy End auf sich warten lässt … Die Erfolgsautorin Brigitte D’Orazio versteht es, diese verrückte, herrliche Stimmung einzufangen und in Geschichten festzuhalten, die man wieder und wieder genießen möchte – denn es gibt nur eins, was so wunderbar ist, wie frisch verliebt zu sein: ein richtig gutes Buch zu lesen!
Über die Autorin:
Brigitte D’Orazio ist ein Pseudonym der erfolgreichen Autorin Brigitte Kanitz, unter dem sie ihre romantischen Unterhaltungsromane veröffentlicht. Sie arbeitete viele Jahre als Redakteurin für Zeitungen und Zeitschriften in Hamburg und in der Lüneburger Heide. Heute lebt sie gemeinsam mit ihren Zwillingstöchtern an der Adria.
Brigitte D’Orazio veröffentlichte bei dotbooks die Romane Die Sterne über Florenz, Villa Monteverde und Tierärztin mit Herz sucht Glück auf dem Land sowie die Kurzromane Das Haus in Portofino, Geliebte Träumerin, Der Fünf-Sterne-Kuss, Sing mir das Lied von der Liebe – diese vier Titel auch erhältlich im Sammelband Zum Verlieben schön –, Fundstücke des Glücks, Kapitäne küsst man nicht und Ti amo heißt Ich liebe dich – diese drei Titel auch erhältlich im Sammelband Zum Träumen romantisch.
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Sammelband und eBook-Neuausgabe Juni 2016
Copyright © der Originalausgaben 2014 dotbooks GmbH, München.
Copyright © der Sammelband-Neuausgabe 2016 dotbooks GmbH, München
Alle Rechte vorbehalten. Das Werk darf – auch teilweise – nur mit Genehmigung des Verlages wiedergegeben werden.
Titelbildgestaltung: Maria Seidel unter Verwendung eines Bildmotivs von Thinkstockphoto/LiliGraphie; Olha Afanasieva; Piotr Krze-Clak
eBook-Herstellung: Open Publishing GmbH
ISBN 978-3-95824-410-8
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Brigitte D‘Orazio
Zum Verlieben schön
Vier Romane in einem Band
dotbooks.
Inhalt
Das Haus in Portofino
Geliebte Träumerin
Der Fünf-Sterne-Kuss
Sing mir das Lied von der Liebe
Lesetipps
Das Haus in Portofino
Das Leben nimmt immer dann eine ungeahnte Wendung, wenn wir am wenigsten damit rechnen …
Seit einem Jahr trauert Claire um den Mann, bei dem sie aufgewachsen ist – und erfährt nun, dass er nicht ihr leiblicher Vater war. Aber wer ist dieser Robert, der ihre Mutter einst sitzen ließ, in Italien lebt und jetzt Kontakt zu seiner einzigen Tochter aufnehmen will? Claire beschließt, dem Geheimnis auf den Grund zu gehen. Doch im traumhaft schönen Ligurien wird sie nicht nur einem Menschen begegnen, der ihr zunächst kalt und abweisend erscheint, sondern auch dem attraktiven Rechtsanwalt Mario. Denn das Leben steckt nicht nur voller Überraschungen, sondern auch wunderbarer Abenteuer.
Kapitel 1
Schwere Regenwolken zogen über die Skyline von Frankfurt hinweg, und ein kühler Wind fegte durch die Häuserschluchten. Auf dem Untermain-Kai spannten die Menschen ihre Regenschirme auf, Mütter setzten ihren Kindern Mützen auf den Kopf, alte Männer erhoben sich schwerfällig von den Bänken, um nach Hause zu eilen. Der Herbst kam früh in diesem Jahr. Viel zu früh, fand Claire. Sie fröstelte in ihrer dünnen Jacke und beschleunigte den Schritt. Er war keine gute Idee gewesen, nach Feierabend noch hierherzufahren. Aber Claire musste allein sein, wenigstens für eine Weile. Und nirgends konnte man besser allein sein als inmitten vieler fremder Menschen.
Sie hatte einen schweren Tag im Geschäft hinter sich. Eigentlich einen schlimmen Tag. Zum ersten Mal seit Jahren waren die Kunden scharenweise hereingeströmt, und als sie wieder hinausgingen, trugen sie Stück für Stück ein Lebenswerk davon.
Claires Handy spielte die ersten Takte von Mozarts Kleiner Nachtmusik, und auf dem Display erschien der Name Karina. In derselben Sekunde fiel Claire wieder ein, dass sie etwas Wichtiges vergessen hatte.
»Ich weiß, ich bin zu spät«, sagte sie zu ihrer besten Freundin. Seit drei Jahren teilten sich die beiden jungen Frauen eine Wohnung am Öderweg. Die Entscheidung war Claire damals leichtgefallen. Sie kannte Karina seit ihrer gemeinsamen Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau, und sie hätte sich keine angenehmere Mitbewohnerin vorstellen können. Karina war fröhlich, wenn Claire zu ernst wurde, sie nahm das Leben mit großen Schritten in Angriff, während Claire oft auf der Stelle trat, und ihr unerschütterlicher Optimismus vertrieb in manchen dunklen Stunden Claires Einsamkeit.
»Das verzeihe ich dir in hundert Jahren nicht!«, rief die Freundin jetzt ins Handy, lachte dabei aber ihr großes, volles Lachen. »Das Käsesoufflé ist gerade in sich zusammengefallen, und der Uli auch.«
»Was?«
»Na ja. Der Gute hatte sich ordentlich aufgeplustert, um einen guten Eindruck auf dich zu machen, und nun sitzt er ganz zusammengesunken auf dem Sofa und behauptet, es sei seine Schuld, dass du nicht kommst.«
»Quatsch.«
»Hab ich auch gesagt, glaubt er mir aber nicht.«
Claire zögerte. Seit Wochen schwärmte Karina von dem sagenhaften Uli, der mindestens die große Liebe ihres Lebens war. Anfangs hatte Claire das nicht so ernst genommen. Schließlich war Karina in Liebesdingen – nun ja – experimentierfreudig. Aber Uli Bremer, Bankier in dritter Generation, Porschefahrer und »wahnsinnig gutaussehend!« (Originalton Karina), hielt sich erstaunlich lange. An diesem Abend nun sollte Claire ihn endlich kennenlernen.
»War wohl ein mieser Tag, was?«, hakte Karina jetzt nach.
»Hm«, machte Claire nur, während der Regen ihr in den Kragen lief und kalte Schauer über den Rücken jagte. Plötzlich wollte sie nicht mehr an die zurückliegenden Stunden denken. Ein Abend mit guten Freunden, ein zwangloses Essen und eine gute Flasche Rotwein. Das war es, was sie jetzt brauchte!
»Ich bin in einer halben Stunde da«, sagte sie schnell und steckte das Handy wieder in die Tasche. Im Laufschritt überquerte sie den Domplatz, lief am Römer vorbei, ohne der wieder aufgebauten Fünfgiebelfassade auch nur einen Blick zu gönnen, und nahm die U-Bahn am Paulsplatz. Im Waggon herrschte das übliche Gedränge nach Feierabend, feuchte Kleidung dampfte in der klimatisierten Luft, und es roch nach schnell aufgegessenen Bratwürsten und scharfem Senf.
Claire schaute aus dem Fenster auf die vorbeirasenden Lichter des Tunnels. Manchmal konnte sie ihr Spiegelbild im Fenster sehen. Eine große, langbeinige junge Frau, mit weißblonden Locken, Augen so hell wie blitzender Stahl und wie gemeißelt wirkenden Gesichtszügen.
»Von mir hast du diese klassische nordische Schönheit aber nicht«, hatte ihr Vater oft mit einem liebevollen Augenzwinkern gesagt. Dann war sein Blick zu seiner Frau gewandert, aber es hatte keine Frage darin gelegen. Monika Hartmann war stets mit einem Lächeln darüber hinweggegangen, und zu Claire hatte sie gern gesagt: »Das sind die Gene deiner Großmutter. Mein Vater war klein und dunkel wie ich, aber meine Mutter überragte die gesamte Familie, und ihr Haar war noch mit achtzig so blond wie deines.«
Ach, Papa, dachte Claire jetzt und wandte den Blick ab. Du fehlst mir so.
»Entschuldigung!« Ein Mann, Typ Woody Allen, hatte ihr seine Aktentasche in die Kniekehlen gerammt.
Beinahe hätte sie ihn dankbar angelächelt. Sie würde einen blauen Flecken bekommen, aber der Zwischenfall erlöste sie aus ihren Gedanken.
Wenig später lief Claire durch den Öderweg an den schmucken, mehrstöckigen Bürgerhäusern vorbei. Wie schon unzählige Male zuvor beglückwünschte sie sich im Stillen zu ihrem Entschluss, damals mit Karina zusammenzuziehen.
»Das musst du dir ansehen!«, hatte die Freundin ins Telefon gerufen. »Eine Vier-Zimmer-Wohnung in einer Jugendstilvilla im Nordendviertel! Der absolute Wahnsinn! Und nur ein klein bisschen renovierungsbedürftig.«
Letzteres stellte sich als die Untertreibung des Jahres heraus, und die Freundinnen schufteten wochenlang bis zum Umfallen, um die Wohnung herzurichten. Aber am Ende lebten sie in prachtvollen hohen Räumen, und ihre Gäste wussten kaum, was sie mehr bewundern sollten: die beiden bildhübschen jungen Frauen, die eine klein und schwarzhaarig, die andere groß und blond, oder die stuckverzierten Decken.
Claire lächelte bei der Erinnerung und freute sich plötzlich auf den Abend. Es war ein gutes Gefühl, nach Hause zu kommen.
So traf sie der neue Tiefschlag in ihrem Leben vollkommen unvorbereitet.
Keine Zeit, dachte sie verzweifelt, als sie zum ersten Mal Uli Bremer gegenüberstand. Ich habe keine Zeit gehabt, mein Herz zu wappnen.
»Hallo, schön, dich kennenzulernen.« Eine Stimme, weich wie Samt und zugleich stark wie ein Fels, hüllte sie ein und ließ ihren Puls rasen. Sein helles Haar stand in atemberaubendem Kontrast zu den nahezu schwarzen Augen, aber am schlimmsten, fand Claire, am schlimmsten war sein Lächeln. Freundlich, liebenswert, einfach nett. Und verdammt aufregend!
»Ha… hallo.«
»Na? Hab ich dir zu viel versprochen?« Das war Karina, die mit Pfannenschieber und Topflappen bewaffnet aus der Küche kam.
»N… nein.«
Claire stand noch immer in der Wohnungstür, halb draußen, halb drinnen, und dachte, sie würde sich nie wieder bewegen können. Sollte sie hineingehen oder flüchten? Wohin gehörte sie noch? Doch nicht hierher, mitten in dieses junge, fröhliche Glück. Wenigstens ihre Sprache fand sie wieder.
»Ich freue mich auch«, sagte sie steif zu Uli und schaffte es dann, ihre Freundin anzulächeln. »Tut mir echt leid, dass ich so spät komme.«
»Schon vergeben. Los, ihr zwei, lasst uns endlich das platte Soufflé essen.«
Uli setzte sich am Tisch neben Claire, und zu ihrer Überraschung schaffte sie es, nett mit ihm zu plaudern. Vielleicht, weil sie mehr als das übliche eine Glas Burgunder trank, vielleicht, weil dieser Mann die Gabe besaß, jedem Menschen in seiner Nähe das Gefühl zu geben, wichtig und einzigartig zu sein. Mehr noch: Er fragte sie nach dem Geschäft, und Claire schüttete ihm, ohne zu zögern, ihr Herz aus.
»So etwas ist bei einem Familienbetrieb besonders schlimm«, meinte er mitfühlend. »Und es war wirklich nichts zu machen? Vielleicht, wenn meine Bank …«
»Nein!«, gab Claire heftig zurück. »Mir hätte auch keine andere Bank helfen können.« Sie konfrontierte ihn mit einigen niederschmetternden Zahlen, und Uli musste schließlich zustimmend nicken.
»Du hast recht. Die Schließung war unausweichlich. Wie lange, sagst du, war das Bettengeschäft Hartmann im Besitz deiner Familie?«
»Mehr als sechzig Jahre«, gab Claire zurück und musste plötzlich mit aufsteigenden Tränen kämpfen. Für einen Moment war die Versuchung groß, sich Trost suchend an Ulis breite Schultern zu lehnen. Sie kämpfte noch um ihre Selbstbeherrschung, als sie Karinas Blick auffing. Die Freundin schaute aufmerksam von einem zum anderen und wirkte nervös, geradezu besorgt.
Was tue ich hier bloß?, fragte sich Claire entsetzt. Ich sollte schnellstens verschwinden.
Uli, der nichts mitbekommen hatte, erkundigte sich nach dem Räumungsverkauf.
»Ich werde wohl mit plus/minus null herauskommen«, gab Claire gepresst Auskunft. Noch zwei Tage, dann würden in dem ehrwürdigen Bettengeschäft nur noch leere Regale neben leeren Ausstellungsflächen stehen.
»Immerhin«, sagte Uli tröstend. »Wenigstens bleibst du nicht auf einem Schuldenberg sitzen. Hast du schon einen neuen Job in Aussicht?«
Sie schüttelte den Kopf. »Ich habe inzwischen wohl an die dreißig Bewerbungen abgeschickt, aber es ist verflixt schwer, etwas zu finden.«
»Das klappt schon noch.«
Einen Moment lang fürchtete Claire, er würde ihr eine Hand auf den Arm legen. Sie war sich keineswegs sicher, wie sie darauf reagiert hätte.
»Liebling«, sagte Karina in die plötzlich entstandene Stille hinein. »Wir wollten doch noch ins Olympic.«
»Ach ja?«
Ulis überraschte Reaktion zeigte Claire, dass ihre Freundin improvisierte.
»Klar. Lass uns gehen.«
»Also ich finde, das ist nicht das richtige Wetter für einen Besuch im Eiscafé. Außerdem ist es hier doch so schön gemütlich.« Bei dem Wort gemütlich sah er Claire an, und sie spürte, wie sie über und über rot wurde. Nein!, rief sie sich dann zur Ordnung. Uli ist kein Mann dieser Sorte. Er spürt nur, dass es mir schlechtgeht, und er will mir helfen. Karina schien das nicht zu merken, denn sie beharrte auf den Besuch im Olympic.
»Ich habe wahnsinnige Lust auf einen Latte macchiato.«
Sie stand auf und räumte klappernd die Teller ab. Uli wirkte jetzt verwirrt, und endlich schaffte Claire es zu sagen: »Also, um ehrlich zu sein, habe ich meiner Mutter versprochen, noch vorbeizukommen. Macht es euch etwas aus, wenn ich schon verschwinde?«
»Kein Stück«, erwiderte Karina eine Spur zu schnell.
»Geht es deiner Mutter nicht gut?«, fragte Uli.
»Na ja. Letzte Woche war der erste Todestag meines Vaters und …«
»Das tut mir sehr leid. Du musst im Moment wirklich viel durchmachen.«
»Ich …« Sie konnte sich gerade noch bremsen. Sonst hätte sie diesem Mann tatsächlich auch erzählt, wie sehr ihr immer noch ihr Vater fehlte und dass es für sie nur einen Trost gab: Wolfgang Hartmann musste nicht mehr miterleben, wie sein geliebtes Geschäft für immer geschlossen wurde. »Ich gehe dann mal«, vervollständigte sie den Satz, und erst, als sie wieder draußen vor dem Haus stand, merkte Claire, dass sie die ganze Zeit die Zähne zusammengebissen hatte.
Kapitel 2
»Oh, Liebes, das ist aber eine schöne Überraschung!« Monika Hartmann schloss ihre Tochter in die Arme, wozu sie sich auf die Zehenspitzen stellen musste. Als sie Claires finsteres Gesicht bemerkte, fügte sie schnell hinzu: »War es sehr schlimm heute? Du musst ja völlig fertig sein. Komm rein, ich setze Tee auf.«
Wie immer, wenn Claire in ihr Elternhaus kam, erwartete sie auch nach einem Jahr noch, jeden Moment ihren Vater zu sehen. Gleich würde er aus seinem Ohrensessel aufstehen und auf sie zukommen. Oder er stand in der Küche am Herd und brutzelte etwas für seine Frau, die er auch nach mehr als dreißig Jahren anbetete wie am ersten Tag. Im Geschäft hatte sich Claire daran gewöhnt, ihren Vater nicht mehr zu sehen, aber hierher kam sie nicht so oft, und hier lag eine Spur seines Pfeifentabaks in der Luft, und die FAZ stapelte sich ungelesen in einer Ecke.
Auf wackeligen Beinen folgte Claire ihrer Mutter in die Küche. Auf einmal war sie froh darüber, dass ihr altes Kinderzimmer niemals ausgeräumt worden war. Sie sehnte sich nach ihrem Mädchenbett mit der rosa Satindecke, nach den alten Take-That-Postern an der Wand und ihrer Sammlung von Plüschtieren. Nichts würde sie daran erinnern, dass sie mit einunddreißig Jahren diesen Dingen längst entwachsen war. Und wenn sie ganz fest die Augen schloss, würde ihre Welt vielleicht wie durch Zauberhand wieder in Ordnung kommen.
Doch dieser lange Tag war noch nicht zu Ende, und erst nach einer ganzen Weile bemerkte Claire, dass ihre Mutter sie auf rätselhafte Art anschaute. Ernst, aufgeregt und zugleich in sich gekehrt.
»Was ist los?« Dieser Blick machte ihr Angst, und sie dachte: Bitte nicht! Bitte nicht noch eine Komplikation. Das verkrafte ich heute nicht.
Monika Hartmann räusperte sich umständlich. Dann fragte sie: »Warst du schon einmal in Portofino?«
Claire sah ihre Mutter groß an. »In Portofino? Nein, da war ich noch nicht. Warum sollte ich?«
Monika Hartmann hob scheinbar gleichgültig die Schultern. »Ich dachte nur, du kennst Italien doch ziemlich gut. Außerdem lernst du seit Jahren an der Volkshochschule Italienisch.«
Claire ließ sich nicht täuschen. Irgendetwas am Verhalten ihrer Mutter war seltsam. »Was ist los?«, verlangte sie zu wissen. »Seit wann interessierst du dich für meine Sprachkurse?«
»Lass uns erst einmal den Tee aufsetzen«, erwiderte Monika Hartmann ausweichend und ging voraus in die Küche. Claire folgte ihr nachdenklich. Sie war hergefahren, um der unmöglichen Situation in ihrer Wohnung zu entkommen, aber es sah so aus, als sollte sie an diesem Tag keine Ruhe finden. Kurz dachte sie an ihre Mitbewohnerin Karina und deren neuen Freund Uli, der erst vor einer Stunde verbotene Gefühle in ihrem Herzen ausgelöst hatte. Ob sie sich wohl gerade gemeinsam um den Abwasch kümmerten? Oder ob sie die sturmfreie Bude ausnutzten und …
»Kind, was machst du bloß für ein finsteres Gesicht! Ist etwas passiert?«
»Du meinst, abgesehen davon, dass unser Geschäft schließen muss und ich bald nicht mehr weiß, wovon ich meine Miete zahlen soll?«, fragte Claire bitter zurück. »Nein, sonst ist nichts passiert.« Wozu ihre Mutter unnötig aufregen? Und was die Miete betraf: So wie es aussah, würde sie ohnehin nicht mehr mit Karina zusammen wohnen können. Nicht auszudenken, was geschehen konnte, wenn Uli Bremer regelmäßiger Gast im Öderweg wurde.
Monika Hartmann seufzte tief und machte sich dann am Herd zu schaffen. Als der Kessel pfiff, hängte sie ein paar Teebeutel in die Kanne und goss das sprudelnde Wasser drüber. Claire war auf die Eckbank gerutscht und musste daran denken, wie ihr Vater Tee zubereitet hatte. Bei ihm war das eine Zeremonie gewesen. Je nach Tageszeit die richtige Mischung, die aufs Gramm abgewogen in der vorgewärmten Kanne ziehen musste …
»Ich bin nicht Papa«, sagte ihre Mutter, die manchmal die unheimliche Fähigkeit besaß, Claires Gedanken zu lesen. »Aber ich tue mein Bestes.«
»Ich weiß, Mama. Fehlt er dir?«
»Du meinst, genauso sehr wie dir? Hm.« Monika Hartmann stellte die Teekanne auf den Tisch und holte eine Schachtel Kekse aus dem Schrank. »Schätzchen, der gute Wolfgang ist seit mehr als einem Jahr tot. Das Leben aber geht weiter. Mein Leben und besonders auch dein Leben. Das musst du dir endlich einmal klarmachen.«
»Was soll das heißen?« Wut stieg in Claire auf, und sie knirschte mit den Zähnen.
»Das soll heißen, dass es dir nichts hilft, weiter um Papa zu trauern. Er hatte ein gutes Leben und einen guten Tod. Jaja, ich weiß, was du sagen willst. Siebzig ist kein Alter zum Sterben, aber Wolfgang hat immer gewusst, dass er mit seinem schwachen Herzen nicht sehr alt werden würde. Glaub mir, er ist glücklich gegangen.«
»Aber er fehlt mir so sehr«, presste Claire hervor. Tränen rannen ihr übers Gesicht, und sie wischte sie nicht fort.
Ihre Mutter legte ihr einen Arm über die Schultern. »Das verstehe ich. Ihr beide hattet ein ganz besonderes Verhältnis. Aber da ist etwas, worüber ich mit dir reden muss.«
Claire trank einen Schluck Tee, um ihre Fassung wiederzugewinnen. »Worum geht es?«
»Nun, im weitesten Sinne um Portofino.«
»Kannst du mir das etwas besser erklären? Ich hatte einen langen Tag, und mir schwirrt der Kopf.«
Monika Hartmann seufzte tief. »Ich werd’s versuchen. Aber es ist ziemlich kompliziert, und du musst mir versprechen, dass du nicht gleich wütend aus dem Haus läufst.«
»Mama, bitte!«
»Ja, schon gut. Es ist nicht so leicht, einen Anfang zu finden. Also, als du geboren wurdest …«
»Was hat meine Geburt mit einem Ferienort in Ligurien zu tun?«
»Kind, wenn du mich unterbrichst, bekomme ich gar nichts mehr auf die Reihe.«
Claire schwieg und wartete ab, doch nichts an diesem ereignisreichen Tag hatte sie auf die Worte vorbereitet, die sie nun zu hören bekam.
»Also, als du geboren wurdest, habe ich … nun ja … keinen Mann gehabt.«
Ein Scherz. Das konnte nur ein böser Scherz sein! Aber warum lachte die Mutter dann nicht? Warum klopfte sie Claire nicht auf die Schulter und zwinkerte ihr fröhlich zu? Ein Abgrund tat sich auf – schwarz, tief, bedrohlich –, und Claire spürte, wie sie fiel.
»Was … soll das heißen?«
»Du hast mich schon verstanden. Der Mann, den ich damals liebte, hat mich verlassen. Er wollte hinaus in die Welt, etwas Großes vollbringen, und er war wohl der Meinung, dass ich für ihn nur ein Klotz am Bein sein würde.«
»Ich verstehe immer noch nicht …« Doch sie hatte längst verstanden. Die Wahrheit sickerte unbarmherzig in ihr Bewusstsein und hinterließ Kälte.
»Dein Vater … ich meine, Wolfgang, hat mich geheiratet, als du zwei Monate alt warst.«
Mechanisch stand Claire auf und begann, in der Küche hin und her zu gehen.
»Willst du mir damit sagen, dass Papa nicht mein leiblicher Vater war?«
»Ja.« Das kurze Wort, kaum geflüstert, wurde von den Wänden zurückgeworfen und schwoll zu ohrenbetäubender Lautstärke an. Claire hielt sich die Ohren zu, bis sie den besorgten Blick ihrer Mutter bemerkte und die Hände wieder sinken ließ.
»Ich hoffe, du vergisst nicht, dass Wolfgang dich sehr geliebt hat.«
»Nein«, sagte Claire, und Wärme strömte in ihr Herz zurück. Wolfgang Hartmann war ihr der beste Vater gewesen, den ein Kind sich nur wünschen konnte. Diese Erinnerung konnte ihr niemand nehmen.
»Jetzt fragst du dich bestimmt, warum ich dir erst heute die Wahrheit erzähle.«
»Allerdings.«
»Es ist ein Brief gekommen. Für dich. Aus Portofino.« Nach jedem kurzen Satz machte Monika Hartmann eine kleine Pause, und Claire begriff endlich, dass auch der Seelenfrieden ihrer Mutter aus den Fugen geraten war.
»Dein Vater … dein leiblicher Vater möchte dich kennenlernen. Hier.«
Claire hielt endlich in ihrer Wanderung inne und nahm den Briefbogen. World Beauty Enterprises stand oben rechts in der Ecke, und ein paar Zeilen darunter: Richard von Wenningstedt.
»Richard von Wenningstedt«, murmelte sie halblaut. Dann las sie die wenigen Zeilen, in denen sie eingeladen wurde, ihn in Portofino zu besuchen.
»Warum ausgerechnet dort?«, fragte Claire.
Endlich lächelte ihre Mutter wieder. »Mir hat er auch geschrieben. Dort ist sein Feriendomizil. Sieht so aus, als hätte Richard es geschafft und etwas Großes erreicht. Eine internationale Firma, die sich ganz auf den Schönheitsmarkt konzentriert. Boutiquen, Kosmetiksalons und so weiter. Richard hatte schon immer einen Sinn für alles Schöne. Aber er hat nie geheiratet, und nun möchte er seine einzige Tochter kennenlernen.«
»Ein bisschen spät, nicht? Ich bin einunddreißig und kein kleines Mädchen mehr. Wieso sollte ich einen Mann sehen wollen, der meine schwangere Mutter im Stich gelassen hat?«
»Er hat es damals nicht gewusst, Claire«, sagte Monika Hartmann leise. »Ich hatte ihm nichts von der Schwangerschaft erzählt.«
»Aber warum denn nicht?«
»Ist das so schwer zu verstehen? Ich wollte geliebt werden. Der Gedanke, Richard hätte mich nur aus Anstand geheiratet, wäre mir unerträglich gewesen.«
Claire setzte sich wieder neben ihre Mutter, und diesmal legte sie ihr tröstend einen Arm um die Schultern.
»Wann hat er es dann erfahren?«
»Oh, einige Jahre später, von alten Freunden. Seitdem hat er sich bei diesen Freunden regelmäßig nach dir erkundigt. Ich habe auch das erst vor ein paar Tagen gehört.«
»Ach …«
»Nun? Was wirst du tun? Fährst du nach Italien?«
»Ich weiß nicht, Mama. Ich muss darüber nachdenken.«
Ihre Mutter nickte nur, und danach tranken sie schweigend ihren Tee, während jede versuchte, die eigene, zerbrochene Welt neu zusammenzufügen.
Kapitel 3
Es war schon nach Mitternacht, als Claire wieder im Öderweg eintraf. Der Paul-Hindemith-Park lag in tiefer Dunkelheit, und auch aus den Häusern drang nur hier und da ein Lichtschein auf die Straße. Claire hatte gezögert, wieder herzukommen. Doch in ihrem Elternhaus hätte sie in dieser Nacht keine Ruhe gefunden. Und vielleicht, dachte sie jetzt, vielleicht sind Karina und Uli gar nicht da.
Das war ein Irrtum. Sie traf Uli in der Küche, allein.
»Entschuldigung«, sagte er mit einem tiefen Lächeln. »Ich wollte nur etwas Wasser holen.«
»Ich auch«, flüsterte Claire. Warum, verdammt, konnte der Mann sich nicht ordentlich anziehen? Warum musste er mit diesem wundervollen Oberkörper direkt vor ihren Augen herumlaufen?
Sie war inzwischen so müde, dass sie nichts sehnlicher wünschte, als ihren Kopf an diese breite Männerbrust zu lehnen. Gleichzeitig spürte sie ein erregendes Kribbeln in ihrem Nacken und fühlte all ihre Sinne geschärft.
Claire wollte sich an Uli vorbeidrängen, doch zwischen Kühlschrank und Tisch war das schwierig. Sie wollte andersherum gehen und spürte seinen Blick wie kleine Blitze in ihrem Rücken.
Als die Küchentür aufging und Karina erschien, wusste Claire nicht, ob sie enttäuscht oder erleichtert sein sollte.
»Ach, da bist du. Ich dachte schon … oh! Hallo Claire.« Karinas Augen schauten misstrauisch von einem zum anderen. Uli lächelte entspannt, Claire war wie versteinert. Nichts war passiert, und doch spürte sie den Verdacht ihrer Freundin wie eine Zentnerlast auf den Schultern. Plötzlich streckte Uli die Hand aus, doch nicht nach ihr. Sanft ergriff er Karinas Arm, während Claire einsam danebenstand.
»Lass uns wieder zu Bett gehen«, sagte er und schob seine Freundin aus der Küche.
Als sie fort waren, begriff Claire, was sie zu tun hatte: Sie musste diese Wohnung verlassen, gleich morgen früh.
***
»Was machst du denn da?«, fragte Karina verschlafen.
»Ich packe.«
»Das sehe ich. Aber warum? Etwa wegen gestern Nacht? Wo willst du überhaupt hin? Zu deiner Mutter?«
Claire wandte sich um, sah die Freundin im Türrahmen stehen und zwang sich, ruhig und beherrscht zu bleiben. Sie hatte kaum geschlafen und schon früh mit dem Packen begonnen.
»Nicht wegen gestern Nacht«, sagte sie. »Jedenfalls nicht nur. Es ist etwas passiert, das ich dir jetzt nicht erklären kann. Aber ich ruf dich an, okay?«
»Nein!« °Karina stampfte mit dem Fuß auf. »Das ist nicht okay. Ich will sofort wissen, was los ist. Und wieso habe ich diese verdammte Ahnung, dass du nicht zurückkommst?«
Claire wollte widersprechen, doch ihr fehlten die richtigen Worte. Und plötzlich spürte sie: Karina hatte recht, sie würde nicht wiederkommen. Es war kein Wissen, nur ein Gefühl, klar wie das Mittelmeer in den frühen Morgenstunden, bevor die Hitze ihren Dunstschleier darüberlegte. Und in dieses Gefühl mischte sich eine unbestimmte Sehnsucht, die Claire nicht verstand. Sie wusste nur, sie würde dem Ruf dieser Sehnsucht folgen. Zu Karina sagte sie: »Ich fahre nach Italien. Es geht um eine ziemlich komplizierte Familienangelegenheit.«
»Schwöre mir, dass es nichts mit mir zu tun hat!«
»Ganz bestimmt nicht.«
»Und euer Bettengeschäft?«
»Meine Mutter kann sich um den Räumungsverkauf kümmern. Es sind ja höchstens noch zwei Tage.«
»Claire …«
»Karina.«
Auf einmal lagen sich die beiden Freundinnen in den Armen und schluchzten haltlos.
»Himmel, was ist denn hier los?« Ein verblüffter Uli kam aus dem Bad und starrte sie an.
»Das verstehst du nicht«, sagte Karina zwischen zwei Schluchzern. »Ist Frauensache.«
Daraufhin schlug das Weinen in Gelächter um, und als Claire eine Stunde später das Haus verließ, war sie froh über den harmonischen Abschied. Wehmütig schaute sie noch einmal an der Jugendstilfassade hoch. Oben standen Karina und Uli auf dem winzigen Balkon und winkten ihr zu. Claire hob kurz die Hand, und wieder durchzuckte sie die Erkenntnis: Dies ist ein Abschied für immer.
Sie würde nach Portofino fahren und ihrem leiblichen Vater begegnen. Wie schon oft in den letzten zwölf Stunden fragte sie sich, was Richard von Wenningstedt von ihr wollte. Doch was immer es war, ihren Vater Wolfgang würde Claire niemals vergessen, und ihre ganze Liebe gehörte ihm. Der reiche Richard von Wenningstedt würde sich nicht so einfach eine Tochter kaufen können!
Claire seufzte tief, wandte sich dann ab und ging zu ihrem alten VW-Käfer am Straßenrand. Ich werde ja erleben, was er von mir will, dachte sie. Falls ich es überhaupt schaffe, mit dieser Rostlaube bis nach Ligurien zu kommen. Als sie sich in den noch spärlichen Verkehr einordnete, spürte sie wieder dieses Ziehen im Herzen. Claire war bereit, sich ihrem Schicksal zu stellen.
Kapitel 4
Claire drehte sich langsam um die eigene Achse und hielt unbewusst den Atem an. Wie schön es hier war! Die alten Fischerhäuser, liebevoll restauriert und altrosa oder blassgelb gestrichen; den Berghang hinauf die tiefgrüne Vegetation aus Steineichen, Pinien und Olivenbäumen. Dann das Mittelmeer, jetzt im Abendlicht von sanfter Farbe, mit hellen Tupfern aus Fischerbooten und Segelyachten. Claire stand mitten auf der Piazzetta von Portofino, vergaß das Touristengetümmel um sie herum, versank in einer anderen Welt und erinnerte sich an die Worte, die Guy de Maupassant 1889 über diesen Ort geschrieben hatte: »Man
