Elvira und die Liebe: Chefarzt Dr. Norden 1266 – Arztroman
Von Amy Taylor
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Über dieses E-Book
So kommt eine neue große Herausforderung auf den sympathischen, begnadeten Mediziner zu. Das Gute an dieser neuen Entwicklung: Dr. Nordens eigene, bestens etablierte Praxis kann ab sofort Sohn Dr. Danny Norden in Eigenregie weiterführen. Die Familie Norden startet in eine neue Epoche!
Elvira hatte das Gefühl, auf einer dicken Schicht Watte zu laufen. Sie hatte das Gericht soeben verlassen und obwohl sie das Urteil gegen ihren Freund Manfred so ähnlich befürchtet hatte, war sie doch geschockt. Es hatte ihr förmlich den Boden unter den Füßen weggezogen. Man hatte ihr nicht einmal erlaubt, sich von Manfred zu verabschieden, nachdem er zu fünf Jahren Haft ohne Bewährung verurteilt worden war. Unmittelbar nach dem Richterspruch war er aus dem Gerichtssaal geführt worden. Im Hinausgehen hatte er sich suchend zum Zuschauerraum umgewandt. Seine Augen fanden ihre, ein letzter Blick, dann schloss sich hinter ihm die Tür. Fünf Jahre! Genauso lange waren sie bis zum heutigen Tag als Paar zusammen. Der Gerichtssaal leerte sich danach sehr schnell. Außer ihr waren nur wenige Besucher da gewesen. Elvira war noch so lange auf ihrem Platz sitzen geblieben, bis ein freundlicher Ordner sie leise aufforderte, zu gehen. Es war ihr schwergefallen, den Raum zu verlassen. Bis zur letzten Sekunde hatte sie die Tür fest im Blick behalten, durch die Manfred abgeführt worden war. Sie wusste, er würde nicht zurückkommen und trotzdem hatte sie eine unvernünftige Hoffnung, es möge doch geschehen. Er kam nicht. Ohne ihre Beine zu spüren stand sie auf und verließ den Gerichtssaal. Fünf Jahre! Fünf Jahre ohne ihn, ihren Freund, ihren Partner, ihren Geliebten. Aber auch: Fünf Jahre ohne Angst vor seinen Gewaltausbrüchen.
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Buchvorschau
Elvira und die Liebe - Amy Taylor
Chefarzt Dr. Norden
– 1266 –
Elvira und die Liebe
Unveröffentlichter Roman
Amy Taylor
Elvira hatte das Gefühl, auf einer dicken Schicht Watte zu laufen. Sie hatte das Gericht soeben verlassen und obwohl sie das Urteil gegen ihren Freund Manfred so ähnlich befürchtet hatte, war sie doch geschockt. Es hatte ihr förmlich den Boden unter den Füßen weggezogen. Man hatte ihr nicht einmal erlaubt, sich von Manfred zu verabschieden, nachdem er zu fünf Jahren Haft ohne Bewährung verurteilt worden war. Unmittelbar nach dem Richterspruch war er aus dem Gerichtssaal geführt worden.
Im Hinausgehen hatte er sich suchend zum Zuschauerraum umgewandt. Seine Augen fanden ihre, ein letzter Blick, dann schloss sich hinter ihm die Tür. Fünf Jahre! Genauso lange waren sie bis zum heutigen Tag als Paar zusammen.
Der Gerichtssaal leerte sich danach sehr schnell. Außer ihr waren nur wenige Besucher da gewesen. Elvira war noch so lange auf ihrem Platz sitzen geblieben, bis ein freundlicher Ordner sie leise aufforderte, zu gehen. Es war ihr schwergefallen, den Raum zu verlassen. Bis zur letzten Sekunde hatte sie die Tür fest im Blick behalten, durch die Manfred abgeführt worden war. Sie wusste, er würde nicht zurückkommen und trotzdem hatte sie eine unvernünftige Hoffnung, es möge doch geschehen. Er kam nicht.
Ohne ihre Beine zu spüren stand sie auf und verließ den Gerichtssaal. Fünf Jahre! Fünf Jahre ohne ihn, ihren Freund, ihren Partner, ihren Geliebten. Aber auch: Fünf Jahre ohne Angst vor seinen Gewaltausbrüchen.
Wie von selbst fand ihre linke Hand die Stelle an ihrem rechten Oberarm. Die Berührung schmerzte. Kein Wunder. Der riesige blaue Fleck war unter dem langen Ärmel ihres Pullovers verborgen. Nur sie wusste, dass er da war. Eigentlich hätte er schon längst verblasst sein müssen. Manfreds fester Griff an ihrem Arm, während er mit der anderen Hand weit ausgeholt und ihr einen Schlag ins Gesicht versetzt hatte, lag schon länger zurück. Es hatte auch niemand bemerkt, dass sie tiefe Atemzüge vermied, denn seit einigen Wochen schmerzten ihre Rippen an der Stelle, an dem sich ebenfalls ein mittlerweile blaugrün verfärbter Bluterguss befand. Dieser und die anderen Hämatome, die sie seitlich an den Rippen und an den Oberschenkeln hatte, waren der Grund, weshalb sie dringend zum Arzt müsste … aber sie wusste, dass sie dann eine Erklärung für deren Entstehung abgeben müsste und davor hatte sie Angst. Und sie schämte sich.
Es war zehn Uhr. Der Tag hatte erst begonnen und sie musste unbedingt zur Arbeit. Es hatte sie einiges an Überwindung gekostet, als sie ihre Chefin gebeten hatte, den Vormittag frei zu bekommen. »Du weißt doch, dass wir schwach besetzt sind, was gibt es denn so Wichtiges?«, hatte ihre Vorgesetzte mit lauerndem Blick gefragt.
Nicht um alles in der Welt hätte Elvira den wahren Grund ihrer Bitte preisgeben wollen und so schob sie in der Eile den dringenden Arzttermin vor, um den sie irgendwann nicht herumkommen würde. Aber an jenem Tag hatte sie nicht wirklich vor, ihre bisherige Hausarztpraxis aufzusuchen. Sie musste ins Gericht. Sie war zum Glück nicht als Zeugin geladen. Die Schlägerei, in die Manfred vor vielen Wochen verwickelt gewesen war, hatte in einer seiner Stammkneipen stattgefunden, während sie zu Hause auf ihn gewartet und das Abendessen auf dem Herd warmgehalten hatte. Sie kannte solche Situationen längst und wusste, dass dieser Tag, wie so manche andere vorher schon, schlecht enden konnte. Es kam nicht selten vor, dass Manfred von seinen Kneipenbesuchen mehr oder weniger betrunken nach Hause kam und seinen Frust an ihr ausließ. Aber er schlug sie nicht nur dann, wenn er betrunken war. Seine krankhafte Eifersucht zwang ihn auch dann zu unkontrollierten Gewalthandlungen, wenn er keinen Vollrausch als vermeintliche Entschuldigung vorbringen konnte.
Bisher hatte sie es immer geschafft, die Spuren seiner Schläge vor den Blicken ihrer Kolleginnen im Kaufhaus und vor ihren wenigen Freundinnen zu verbergen, aber sie fürchtete den Tag, an dem sie zugeben musste, dass ihr Freund sie regelmäßig schlug. Sie schämte sich dafür, auch wenn sie im Grunde ihres Herzens wusste, dass sie nichts dafür konnte und dass eigentlich er es war, der sich schämen sollte. Aber wenn er spätestens am nächsten Tag völlig zerknirscht um Verzeihung bat, ihr versprach, nie wieder die Hand gegen sie zu heben und ihr sagte, dass sie ihn auf keinen Fall verlassen dürfe, sonst sei er verloren, hatte sie ihm jedes Mal verziehen und nicht nur das. Sie überlegte sogar und fand auch immer den Auslöser für seine Ausbrüche in ihrem eigenen Verhalten. Sie war überzeugt davon, dass sie sich in vielen Punkten ändern müsste, um ihn weniger zu reizen. Dann wieder sagte ihr eine leise Stimme in ihrem Kopf, dass sie nichts falsch gemacht hatte und das Einzige, was sie tun könnte, wäre, ihn zu verlassen. Aber wie sollte er denn ohne sie zurechtkommen? Wenn er verzweifelt und reuevoll in ihren Armen lag und unter Tränen schwor, wie sehr er sie brauchte, lief ihr Herz vor Mitleid über. Aber reichte Mitleid auf Dauer aus, ein Leben lang bei einem Mann zu bleiben, der seine Aggressionen nicht im Griff hatte? Diese Frage hatte sie sich schon öfter gestellt, aber die Antwort darauf hatte sie jedes Mal auf irgendwann später verschoben.
An jenem Abend hatte sie unruhig darauf gewartet, dass er endlich heimkäme. Sie hatte gehofft, dass das Essen auf dem Herd noch genießbar war. Es war wichtig, ihm keinen Grund für seine Wutausbrüche zu liefern.
Als es weit nach 21 Uhr klingelte, stand nicht er, sondern die Polizei vor ihrer Wohnungstür. Die beiden Beamten erklärten ihr, dass Manfred Heininger vorläufig festgenommen wurde. Er müsse die Nacht in der Zelle verbringen, morgen werde der Richter darüber entscheiden, ob er wieder auf freien Fuß gesetzt werden könne.
An die folgenden Stunden erinnerte sich Elvira später nur undeutlich. Wie im Trance schaltete sie den Herd aus und legte sich ins Bett. Vielleicht halfen ein paar Stunden Schlaf, alles ungeschehen zu machen. Aber natürlich war die Realität in den frühen Morgenstunden immer noch da. Kalt und grausam. Das Schlimmste war die Ungewissheit. Sie musste zu ihrer Arbeitsstelle im Kaufhaus, in dem sie seit mehr als zehn Jahren als Verkäuferin arbeitete. Manfred war Dachdecker. Mit ihren beiden Einkommen kamen
