Tausche Highheels gegen Highlands: Schottland-Roman
Von Gabriele Ketterl
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"Hab Vertrauen zu den Menschen, die dich lieben!"
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Buchvorschau
Tausche Highheels gegen Highlands - Gabriele Ketterl
Inhaltsverzeichnis
Titel
Einblicke
Weibliche Logik
Auf Treu und Glauben
Entäuschtes Vertrauen
Neue Sterne
Schwere Entscheidung
Herzlich Willkommen
Beverly Hills
Magie der Highlands
Familie und andere Katastrophen
Tristesse und Hoffnung
Schreck am Nachmittag
Wenn schon, denn schon
Hoffnungsschimmer
Beklemmende Realität
Auf in den Kampf
Karma und seine Folgen
Gezeitenwechsel
Tausche Highheels gegen Highlands
Gabriele Ketterl
© 2022 Amrûn Verlag
Jürgen Eglseer, Traunstein
Covergestaltung: Claudia Toman - Traumstoff Buchdesign
Lektorat: Amandara M. Schulzke
Printed in the EU
ISBN TB 978-3-95869-494-1
ISBN ebook 978-3-95869-495-8
Alle Rechte vorbehalten
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Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet unter http://dnb.d-nb.de abrufbar.
v1/22
»Wenn man auf dem Lande lebt, weiß man, ob man das will oder nicht, alles, was ringsum vor sich geht.«
Leo Tolstoj
Einblicke
»Allison! Beeil dich, dein Vater will dich sehen.«
»Das kann er ja, aber ich dachte, er hat eine Konferenz mit Roy?«
Megan, ihre Assistentin, erschien im Rahmen der offenstehenden Bürotür. »Scheint vorbei zu sein. Die Herren haben es heute unglaublich eilig mit allem. Habe ich etwas verpasst?« Megan runzelte nachdenklich die Stirn, was bei der kleinen, rundlichen Frau mit den wirren roten Locken und den zahllosen Sommersprossen auf der Nase immer ausgesprochen amüsant aussah.
»Nicht, dass ich wüsste. Wenn, dann habe ich etwas verpasst. Seit einigen Tagen sind Dad und Roy schon wie elektrisiert. Ich war gerade dabei, die heutigen Zeitungen zu durchforsten. Kann ja sein, dass es wieder etwas auf dem Finanzmarkt gibt, das uns gute Provisionen garantiert.«
»Und, hast du was gefunden?«
Allison zuckte die Achseln. »Nichts, was dazu taugen würde, mich in Begeisterungsstürme ausbrechen zu lassen. Alles eher im Hedgefond-Bereich.«
»Du bist dir aber dessen bewusst, dass dein hochehrenwerter Herr Vater und dein gar bezaubernder Verlobter, diese Fonds lieben?« Megan war an der Spitze ihrer anklagend gekrausten Stupsnase anzusehen, was sie sowohl von Carson und Roy wie auch von Hedgefonds hielt.
Allison konnte sich das Lachen nicht verkneifen. »Du liebst Roy schon sehr, nicht wahr? Er muss so tough sein, das weißt du doch. Wenn er nachlässig wird, dann könnte er den Teilhaberstatus wieder verlieren. Nur darum hängt er sich so hinein. Er ist ein liebenswerter und vor allem liebevoller Mann.«
»Wenn ich jetzt, und zwar jetzt sofort, nicht an einem Lachkrampf sterben soll, dann gehst du lieber zu deinem Vater und diesem Wonneproppen von Verlobten. Bedauere, du kennst mich, seit du hier angefangen hast – und ich darf anmerken, dass du der einzige Grund bist, warum ich in diesen vier Wänden noch meine Tage friste – ich war immer ehrlich zu dir. Du wirst dich an meine Worte erinnern, dass man dem Kerl keinen Meter weit trauen darf. Ich würde gerne bei dir sein und mich mit dir freuen, aber dazu müsste ich über Bedenken springen, die vorsichtig ausgedrückt, die Größe der Freiheitsstatue aufweisen. Nein, ich mag ihn einfach nicht, sorry.«
Allison legte die LA Times sorgfältig zusammen, stand aus ihrem bequemen Bürosessel auf und strich den Rock ihres dunkelgrauen Kostümes glatt. »Megan, exakt darum bin ich so froh, dich zu haben. Ehrlichkeit wird, das weiß ich durchaus, in der Branche immer seltener. Umso mehr brauche ich dich und deine Offenheit. Es ist schön, dass du da bist und du hast mir so oft bei Entscheidungen beigestanden. Aber du wirst sehen, dass du dich bei Roy täuschst.«
»Möge der Herr dir dein Vertrauen erhalten und möge diese karrieregeile Armani-Werbeikone dich nicht enttäuschen. Ich schwöre dir, dann bekommt er mein irisches Erbgut in vollem Umfang um die Ohren gehauen.«
Wenn Allison Megans Gesichtsausdruck bei diesen Worten betrachtete, dann bestand durchaus die Möglichkeit, dass Roy, sollte er sich als eklatanter Fehlgriff erweisen, in ernsthaften Schwierigkeiten steckte. Sie sah in ihrer Fantasie schon die fünf durchweg rothaarigen, muskelbepackten Brüder Megans mit Schwertern bewaffnet vor dem Bürogebäude in Downtown Los Angeles erscheinen. Eine höchst amüsante Vorstellung. Gut, wahrscheinlich nicht für Roy, für sie selbst allerdings sehr wohl.
»Megan, vertrau meinem Urteilsvermögen, bitte. Ich werde dir beweisen, dass du dieses Mal falsch liegst.«
»Es täte mir so leid wie irgend möglich, läge ich bei Mister Saubermann richtig, wahrlich, ich sage dir.« Megan wandte sich schwungvoll ab und ließ eine lachende Allison zurück.
Sie griff sich ihre altmodische Schreibmappe, bei der sich ihr Vater jedes Mal darüber mokierte, dass es in der Firma jede Menge Tablets gebe, steckte ihren Füllfederhalter, der schon gar nicht mehr kommentiert wurde, ein und verließ ihr geräumiges Büro im neunten Stockwerk des Geschäftsgebäudes in der Innenstadt von Los Angeles.
»Ich bin unterwegs, falls er ungeduldig wird.«
Megan seufzte lautstark. »Als ob er dazu tendieren würde, also wirklich.«
Auf dem Flur lief Allison an den verspiegelten Glasscheiben der Angestellten ihres Vaters vorbei. Ja, Carson Boyd hatte sich ein beachtenswertes Imperium aufgebaut. Er konnte, so sah sie das zumindest, stolz darauf sein. Ihr Vater war jetzt achtundfünfzig und seit über dreißig Jahren in Amerika. Dank seines Gespürs für lukrative Geldanlagen und dem in dieser Branche leider notwendigen Hauch an Skrupellosigkeit, war er rasch zu einem der angesehensten Finanzberater der ganzen Westküste aufgestiegen. Sein Imperium umfasste heute zusätzlich Dependancen in San Francisco, New York und Washington. Von Anfang an hatte Carson sie in die Finanzwelt eingeführt. Heute war sie mit ihren achtundzwanzig noch sehr jung für diese Branche. Allison liebte das Jonglieren mit großen Summen. Was sie noch mehr mochte, das waren die glücklichen Gesichter der in der Finanzbranche minder geschätzten »Kleinanleger«, wenn es ihr gelungen war, mit einer soliden Aktie oder einem verlässlichen Aktienfond deren Geld um die Hälfte aufzustocken. Nicht selten erhielt sie Dankesbriefe, weil sie einer Familie damit zur Grundlage für das ersehnte Eigenheim oder zu einer dringend notwendigen medizinischen Behandlung verholfen hatte. Ihr Vater nannte das ihre liebenswert-karitative Ader. Allison fand beides wichtig. Die Großanleger, die kaum mit der Wimper zuckten, wenn sie an einem Tag eine Million in den Sand setzten, aber auch die Kleinen, die allein in diesem Haifischbecken rettungslos verloren wären. Roy war ein Schüler ihres Vaters, daher war es kaum verwunderlich, dass er ebenso erfolgsorientiert war wie Carson.
Allison wartete geduldig auf den Aufzug und hatte Muße, in dieser Zeit ihr Erscheinungsbild nachdenklich in den ebenfalls verspiegelten Aufzugtüren zu betrachten. Das viele Fitnesstraining zahlte sich aus und so waren auf einen Meter siebzig Körpergröße gerade einmal sechzig Kilo verteilt. Roy fand das »passabel«. Für diese Bemerkung war sie ihm beinahe an die Gurgel gesprungen, was ihn sofort zurückrudern ließ und er erklärte, das sei ein Scherz gewesen. Ihre langen, mahagonifarbigen Haare fielen ihr, sofern sie sie offen trug, bis weit über die Schultern. Hier im Büro fand sie den lockeren Haarknoten, den sie sich jeden Morgen kunstvoll mit Kämmen feststeckte, durchaus angemessen. Er ließ sie seriöser, vermutlich aber auch erwachsener, wirken. Nicht, dass das unbedingt nötig gewesen wäre, aber es verschaffte ihr ein Gefühl von Sicherheit. Dazu die dunkelgrünen Augen, ein Erbe ihrer Mutter Mandy, sowie deren volle Lippen. Sie schämte sich beinahe etwas bei dem Gedanken, aber den schmallippigen Mund ihres Vaters nicht geerbt zu haben, erleichterte sie dann schon. Sie zupfte den Kragen ihrer blutroten Bluse zurecht, die perfekt zu dem enganliegenden, grauen Kostüm passte. Allison dankte auch heute dem Himmel für die hervorragend funktionierende Klimaanlage im Hause. Andernfalls wären Minikleidchen und Flip-Flops eine durchaus in Betracht zu ziehende Alternative gewesen. Das Gesicht ihres Vaters, sollte sie in solch einem Outfit hier aufkreuzen, wollte sie sich lieber gar nicht erst vorstellen. Die beiden Aufzugtüren glitten geräuschlos auseinander und Allison drückte den Knopf für den zwölften Stock, in dem sich die Chefetage und die Besprechungsräume befanden.
Ja, Carson Boyd hatte Geschmack. Sehr viel sogar. Seit sie fünfzehn war, kam Allison nun schon in die heiligen Hallen der Finanzberatung. So lange residierte Carson bereits hier in Downtown Los Angeles. Edelstes Mahagoni harmonierte perfekt mit Glasfronten und Kupfergriffen. Die Flure waren mit burgunderroten Teppichen ausgelegt, die das herrschaftliche Ambiente vervollständigten. Alles wirkte so elegant, dass Besucher und Mitarbeiter kaum wagten, laut zu sprechen. Gut, für ihren Vater traf das auch am heutigen Tag keineswegs zu.
»Roy, das ist der Schatz der Inka, ach was sage ich, das neue Eldorado. Ich verspreche es dir und vertrau auf meine Worte: Wer heute wagt, wird morgen ungemein viel gewinnen!«
Nanu, Allison verlangsamte ihre Schritte und runzelte verwundert die Stirn. So enthusiastisch kannte sie ihren Vater sonst eigentlich nicht. Ja, bei guten Anlagemöglichkeiten kribbelte es ihn natürlich in den Fingern, aber was mochte ihn so in Verzückung versetzen? Inkaschatz? Ja, den hätte sie auch gerne, aber er war nun einmal ein Mythos. Seufzend drückte sie ihr Notizbuch an sich und klopfte kräftig an die Tür des Besprechungsraumes, aus dem die Stimme ihres Vaters erklang.
»Herein!«
Sie steckte den Kopf in den Raum. »Vater, Megan sagte mir, du wolltest mich sehen. Wenn ich nicht falsch liege, erinnere ich mich an den Zusatz sofort.«
»Aber natürlich, komm herein, mach schon. Wir haben wunderbare Neuigkeiten erhalten. Na los, beeil dich! Hier geht es darum, schnell zu sein.«
Allison verstand kein Wort. Daher versuchte sie, ein möglichst interessiertes Gesicht aufzusetzen und nahm neben Roy Platz. Ihr Verlobter zwinkerte ihr fröhlich zu. Ah ja, auch der war also in allerbester Stimmung. Roy sah heute wieder verboten gut aus. Der dunkelgraue Designeranzug, fast Ton in Ton mit ihrem Kostüm, und das edle silbergraue Hemd samt passender Krawatte machten einiges her. Seine dunkelblonden, dichten Haare trug er jetzt im Sommer immer etwas länger und gelte sie sich im angesagten »out-of-Bed«-Look nach oben. Seine hellblauen Augen blitzten unternehmungslustig und sein Lächeln ließ in Allisons Herz sofort die Sonne aufgehen. Sich mit ihm zu verloben, war richtig gewesen, da war sie sich sicher. Mochte Megan auch noch so viel herumunken, sie wusste es besser. Er war der Mann fürs Leben. Gleiche Interessen, gleiche Ausbildung, gleicher Geschmack … Allison seufzte leise … fast gleicher Einrichtungsgeschmack, revidierte sie im Geiste. Roy mochte es durch die Bank modern und eher kühl. Klare Fronten, schwarz, weiß, Edelmetall – was sich zugegebenermaßen ein klitzeklein wenig mit ihrem Dekofimmel in die Quere kam. Aber solche Nichtigkeiten würden sie in kürzester Zeit ausmerzen können, da war Allison sich vollkommen sicher. Sie zupfte ihren Rock zurecht und erwiderte Roys strahlendes Lächeln.
»Ich bin wirklich gespannt, was meinen kühl kalkulierenden Vater und meinen zukünftigen Ehemann dermaßen begeistert. Nehmt mich also bitte mit in euer geistiges Eldorado.«
Ihr Vater lachte auf. »Allison, vergiss das mit dem geistig. Das ist ein reales Eldorado, eines, das man entdecken und nutzen muss.«
»Aha, … seid mir nicht böse, ich verstehe kein Wort.«
»Ich habe ja auch gerade erst angefangen, Kind.« Oh weh, wenn ihr Vater diesen jovialen Ton am Leib hatte, dann schwieg sie besser, denn dann kam eine umfassende Erklärung für Unwissende. Allison lächelte also höflich und nickte ihrem Erzeuger zu. »Verzeih, ich habe dich unterbrochen.«
Carson lehnte sich in dem schweren Ledersessel mit Hochlehne zurück, schöpfte tief Atem und begann erneut. »Mit Eldorado meine ich die neue Firma von Alexanders Sohn Ken. Schon bei unserem letzten, gemeinsamen Golfnachmittag erzählte Alexander voller Begeisterung von Kens Ideen und seinen Investoren. Die Onlineplattform, die Ken mit seinen IT-Spezialisten entwickelt hat, ist so etwas wie eine Sammelstelle für Bestellungen für diverse Handwerker. Und nicht nur das, auch Kunden können sofort das fertige Paket zusammenstellen und ordern. Ein Beispiel: Ich benötige eine neue Wandvertäfelung in meinem Büro. Im Gegensatz zu vielen anderen habe ich jedoch schon feste Vorstellungen vom Material, das ich haben möchte. Nun bietet mir diese Plattform nicht nur den Zugriff auf zahllose Baumärkte, Sägewerke, Zulieferfirmen und das international - nur um das noch zu erwähnen. Diese geniale Erfindung ermöglicht es mir, auch sofort den passenden Schreiner zu finden, der mit den von mir ausgewählten Materialien arbeitet. Noch dazu kann ich mir selbst die Preise zusammenstellen und dieses Vorangebot an den Handwerker schicken, den ich gerne engagieren möchte. Der arbeitet das fertig aus und ich muss mich um rein gar nichts mehr kümmern. Ken sieht die Möglichkeit, nicht nur hier in den Staaten die Besten zueinander zu führen, sondern auch in Europa. Stellt euch vor, jemand möchte seine Bäder mit edelstem Carrara-Marmor ausstatten. Ich suche mir den italienischen Händler, dazu den passenden Fliesenleger hier in Amerika, bringe beide zusammen, checke, ob die Preise stimmig sind, und lehne mich entspannt zurück. Ken ist sich sicher, dass er von Amerika aus über Europa nach Asien expandieren kann. Er geht in einer Woche an die Börse. Seine Investoren sind wie elektrisiert und unterstützen ihn derzeit mit zwanzig Millionen Dollar. Das ist eine mehr als solide Basis. Die Aktie, in Kombination mit den durchaus positiven Prognosen der Analysten, wird einen gigantischen Höhenflug hinlegen. Wir dürfen uns das nicht entgehen lassen.« Carson wandte sich an Allison. »Na, was sagst du? Dank Alexander hatte ich als einer der ersten diese Informationen. Das alles klingt vertrauenserweckend und vor allem steht es auf gesunden Beinen. Was ich noch anmerken möchte: Sollte nur annähernd etwas schieflaufen, so steht Alexander mit seinem Milliardenvermögen selbstverständlich hinter seinem Sohn.«
Allison wartete geduldig, bis sie ganz sicher sein konnte, dass ihr Vater mit seinen Ausführungen am Ende angelangt war, erst dann räusperte sie sich dezent.
»Vater, das klingt sehr interessant, aber bei allem Respekt, das alles gibt es doch schon.«
Ihr Vater machte eine abwehrende Handbewegung und schüttelte mit ärgerlicher Miene den Kopf. »Ja, es gibt Plattformen, wo man Baumaterial sichten und auch ordern kann und es gibt Handwerkerplattformen, aber es gibt keine Kombination in diesem Umfang.«
Sie tippte unsicher mit der Spitze ihres Füllfederhalters auf ihrem Notizblock herum. »Das meine ich doch, Vater. Mittlerweile hat jeder Handwerker seine meist hervorragend aufgebaute Homepage. Jeder Händler und jeder Zwischenhändler hat das ebenfalls. Nur mal angenommen, wenn ich heute für mein Bad in Beverly Hills ein neues Waschbecken aus rosafarbigem, italienischem Marmor möchte, dann google ich Carrara-Marmor bzw. italienischen Marmor, suche mir da die schönsten aus. Danach suche ich mir einen qualifizierten Sanitärbetrieb in meiner Umgebung, schicke denen die Links und lasse mir ein Angebot erstellen. E-Business Plattformen und um nichts anderes handelt es sich hier, funktionieren heutzutage doch nur noch zwischen den Betrieben, die bauen, und den Firmen, die dafür die Materialien liefern. Die Kunden haben darauf meist keinen Zugriff. Ich will ja nicht spitzfindig werden, aber schon vor drei Jahren hat ein junger Kerl versucht, eine ‘neue‘ E-Business-Plattform für Fahrradzubehör und Fahrradbauer auf den Markt zu bringen. Das war der Bruder eines Freundes von mir. Er wollte erreichen, dass der Kunde sich selbst das zusammenkaufen kann, was er braucht und, wenn ein Laie es selbst nicht zusammenbauen kann, findet er in der Nähe Firmen, die einem unter die Arme greifen. Das ging sowas von nach hinten los. Jeder Laden für Fahrräder hat seine eigenen Zulieferer samt passenden Verträgen. Die haben alle abgewunken, weil sie keine Laien haben wollten, die ihnen erklären, dass diese Speiche aber ganz sicher auch in dieses Rad passt und so in der Richtung. Davon gibt es noch mehr. Ich denke, und bitte versteht das nicht falsch, dass es auch international ganz gewiss nicht greifen wird. Dazu habe ich das Dilemma von damals zu hautnah miterlebt.«
Ihr Vater winkte mit einer nahezu herrischen Geste ab. »Als ob man das vergleichen könnte. Himmel, Allison, du kennst doch die Finanzwelt gut genug. Auf diesen Höhenflug werden sie alle aufspringen wollen. Hast du dir die Analystenberichte durchgelesen? Hast du die Prognosen für die Aktie gesehen? Ich bitte dich, der Investor muss ja nicht einmal viel wagen. Ich wage zu behaupten, das könnte das nächste Bitcoin-Wunder werden.«
»Dad, das ist nicht dein Ernst, hoffe ich?« Was sagte sie denn da schon wieder? Wann würde sie sich endlich angewöhnen, zuerst lange und vernünftig nachzudenken und dann erst zu sprechen? Die Antwort gab Allison sich im Geiste binnen Sekunden selbst: wahrscheinlich niemals. Sie ruderte vorsichtig zurück. »Was ich sagen möchte ist, dass Bitcoin ein echtes Wunder war und ist. Eine banale E-Business Plattform, national, international, was auch immer, ist nichts, was die Anleger von den Stühlen holt. Ja, der Name und das Vermögen seines Vaters sind gigantisch und stehen für Verlässlichkeit, aber eben darum wage ich zu bezweifeln, dass Alexander tatsächlich im Endeffekt so unerschütterlich hinter ihm stünde, wie er im Augenblick vorgibt. Bitte versteh mich nicht falsch, aber eine E-Business Aktie, und sei sie noch so hochgelobt, packe ich heute in keines meiner Portfolios.«
Carson musterte sie beinahe schon mitleidig. »Allison, wo bleibt dein Wagemut, wo dein Biss? Enttäusche mich nicht!«
Sie zuckte zusammen so wie immer, wenn ihr Vater, sehr zielgerichtet, das Wort »Enttäuschung« in den Mund nahm. »Entschuldige, Dad, gerade weil ich niemanden enttäuschen möchte, und zwar weder dich noch die Menschen, die mir vertrauen, tue ich es ja. Das ist mir zu spekulativ, sorry.«
»Alexander wird darüber wenig erfreut sein. Das mangelnde Vertrauen in seinen Sohn könnte uns einiges kosten. Du weißt, wie viel wir jedes Jahr durch ihn verdienen?«
Allison seufzte. Sie hasste es, wenn ihr Vater die ›Er ist unser bester Kunde‹-Masche auffuhr. »Ich weiß, Vater und genau darum möchte ich mir meinen Ruf als zuverlässige Beraterin bewahren. Denkst du, er würde es mögen, wenn wir seine Milliarden in den Sand setzen.«
»Süße, haben wir das jemals getan?« Roy sah ebenso betroffen und verärgert aus wie ihr Vater. Täuschte sie sich? Sollte ihr Verlobter nicht auf ihrer Seite stehen?
»Nein, haben wir nicht. Und darum fange ich jetzt auch nicht damit an und wenn Ken hundert Mal sein Sohn ist, verstehst du das denn nicht?«
»Ehrlich gesagt, nein. Wie soll man es auch verstehen? Da bekommt man die Möglichkeit auf einen Megadeal und du zauderst und zögerst?« Hatte Roy schon einmal geklungen wie ein kleiner Junge, dem man sein Lieblingsauto weggenommen hatte? In diesem Moment tat er es auf jeden Fall. Langsam keimte Ärger in Allison auf.
»Das hast du falsch verstanden, Roy, ich zögere und zaudere nicht. Ich lehne es ab, mich hier einzubringen. Ich kann und will euch beiden nicht vorschreiben, was ihr zu tun und lassen habt. Aber hier bitte ich darum, mich aus dem Spiel zu lassen. Es gibt im Augenblick gute, solide Anlagemöglichkeiten und das international. Bei allem Verständnis für wie auch immer geartete geschäftliche und gesellschaftliche Verbindungen: Ich bin und bleibe draußen. Es tut mir sehr leid.« Sie behielt es lieber für sich, dass ihr diese Entscheidung kein bisschen leidtat. Allison lehnte sich in dem ergonomisch geformten Besprechungsstuhl zurück und warf einen Blick aus dem Fenster. Der Himmel über Los Angeles war auch heute wieder ein Farbspektakel in rosa, hellblau und lila. Dass sie dies vor allem dem Smog und der jeweiligen Sonneneinstrahlung verdankten, verdrängte Allison lieber.
Sichtlich verärgert warf Carson den teuren Stift, mit dem er die ganze Zeit herumgespielt hatte, auf den blitzenden Glastisch. »Gut, ich habe deine Meinung zur Kenntnis genommen. Du wirst verstehen, dass ich sie nicht teile und tatsächlich enttäuscht bin. Ich hatte auf eine einheitliche Front gehofft und somit natürlich auch auf eine entsprechende Pressemeldung. Wenn jedoch nicht alle drei Partner an einem Strang ziehen, wirkt das wenig vertrauensbildend.«
Allison holte tief Luft. »Das mag schon sein. Dafür ist es umso vertrauensbildender, wenn wir im Endeffekt mit heiler Haut aus einem möglichen Desaster herauskommen.«
»Desaster!« Roy schüttelte empört den Kopf. »So ein Unsinn! Diese Aktie wird ein Mekka für Anleger, du wirst deine Entscheidung ganz sicher bereuen. Denk an meine Worte.«
Allison nickte ihrem eindeutig verärgerten Verlobten gönnerhaft zu. »Ich werde es mir merken und bei Gelegenheit werde ich dich an deine Worte erinnern, abgemacht?«
»Aber natürlich, meine Verlobte macht sich auch noch lustig darüber, dass sie offenbar den Blick für einmalige Gelegenheiten verloren zu haben scheint.«
Langsam reichte es ihr. »Mein Blick ist, dessen sei versichert, vollkommen ungetrübt. Ich verstehe allerdings nicht, warum ihr Beiden euch so dermaßen hier einbringt. Auf die Gefahr hin, dass ich mich richtig unbeliebt mache, aber habt ihr ein Abkommen mit Alexander? Ihr müsst entschuldigen, wenn ich so direkt werde, aber ihr lasst mir keine andere Wahl.«
Ihr Vater wurde von einer Sekunde auf die andere sehr schmallippig. »Allison, eine derartige Unterstellung ist deiner unwürdig, das weißt du hoffentlich? Ich sehe schon, dass wir in dieser Angelegenheit auf keinen gemeinsamen Nenner kommen. Ehe die Sache nun unschön wird und ich befürchte, wir sind auf dem besten Wege, lassen wir es dabei bewenden. Ich halte daher fest, dass du dich weigerst, die Aktie deinen Kunden anzubieten?«
»So kannst du es festhalten.« So geladen war Allison schon lange nicht mehr gewesen. Was passierte hier gerade? Worin hatten ihr Vater und Roy sich da verrannt? Alexander musste seine Finger im Spiel haben. Je länger sie nachdachte, desto sicherer war sie sich.
»Braucht ihr mich dann noch, oder war es das?«
»Das wäre für den Augenblick alles. Ich hätte mir tatsächlich einen anderen Verlauf dieser Besprechung gewünscht.« Carson musterte seine Tochter mit ärgerlich gerunzelter Stirn.
»Vater, wenn dem so wäre, dann wäre ich nicht Allison Boyd, die Frau, bei der die Kunden genau wissen, dass ich ihre Existenz niemals aufs Spiel setzen würde, verstehst du das?«
Sie wartete die Antwort nicht ab, sondern stand auf und verließ, so schnell sie konnte, den Besprechungsraum. Erst als sie im Aufzug stand und dieser geräuschlos nach unten fuhr, gelang es ihr, wieder tief durchzuatmen. Was, bitteschön, war das denn gewesen? Seit sie für und mit ihrem Vater arbeitete, war es noch nie zu einer solch unschönen Szene gekommen. Da musste mehr dahinterstecken. Hier ging es nicht um Kens hochtrabende Pläne mit einer E-Business-Plattform und einem Start-up, das an die Börse drängte. Sowohl ihr Vater wie auch Roy steckten da tiefer drin, nur wie und warum? Nachdenklich ging sie zurück zu ihrem Büro am Ende des Flurs. Sie erblickte Megan, die angestrengt etwas in den Computer hackte. Perfekt! Ihre Sekretärin, halt, falsch, ihre Freundin war das, was sie jetzt brauchte. Sie trat hinter Megan und legte ihr die Hand auf die Schulter. Die, voll und ganz in ihr Tun vertieft, sprang in ihrem Bürostuhl knapp zwanzig Zentimeter nach oben. »Himmel, Allison, tu sowas nicht! Du weißt doch, wie schreckhaft ich bin.«
»Du? Schreckhaft?« Sie konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen.
»Ja gut, in manchen Situationen.« Erst jetzt schien Megan ihre ernste
