VON KANADA NACH PANAMA - Teil 2: 30.000 km im VW-Bulli durch Kanada, USA, Mexiko und Mittelamerika
Von Mario Covi
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Rückblickend, und mit allerlei selbstkritischen Erkenntnissen gespickt, möchte der Autor die unvergesslichen Momente und Erlebnisse dieser ungewöhnlichen Hochzeitsreise mit dem Leser teilen.
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Buchvorschau
VON KANADA NACH PANAMA - Teil 2 - Mario Covi
1. RÜCKBLENDE
Dieser zweite Teil unserer langen Reise von Kanada nach Panama verlangt einen kurzen Rückblick. Ist man als Berichterstatter dem interessierten Leser schuldig, nicht wahr? Also blenden wir zurück:
In einem zum schlichten Camper umgebauten VW-Bulli waren meine Frau und ich Anfang Juli 1967 von Toronto/Kanada zu einer ungewöhnlichen, insgesamt elf Monate langen Hochzeitsreise gestartet. Zuvor hatten wir unsere Passage als sogenannte Überarbeiter auf einem Frachter von Deutschland nach Kanada verdient, Neun Monate später sollten wir dann in Mittelamerika abermals einen nostalgischen Dampfer besteigen, auf dem wir bis zu unserer Rückkehr nach Deutschland im Mai 1968 arbeiten würden
chapter1Image1.jpegBegeistert von der Weite Nordamerikas und den großzügigen, damals sehr oft kostenfreien Campingplätzen, umrundeten wir die Großen Seen, erreichten die USA, querten Minnesota, North-Dakota und Wyoming, um dann im Norden Montanas wieder kanadischen Boden zu erreichen. Die Rocky Mountains in Alberta hielten uns in Atem, und in B.C. die faszinierende Stadt Vancouver. Wir erreichten Vancouver-Island und ihre zu jener Zeit noch unentdeckten touristischen Kleinode am Pacific Rim, Tofino und Ucluelet, Anfang September.
An der Westküste der USA folgten wir der 'Traumstraße der Welt', bogen in Kalifornien ins Landesinnere ab, um im Yosemite Nationalpark die Sierra Nevada Richtung Death Valley und Grand Canyon zu überqueren.
Es war bereits Oktober als wir in Colorado Uschi und Herbert trafen, ein Pärchen, ebenfalls auf Hochzeitsreise, mit dem wir verabredet hatten, die nächsten vier Monate aus Sicherheitsgründen gemeinsam durch Mexiko und Mittelamerika zu reisen.
Anfang November erreichten wir schließlich Mexiko. In Nuevo Laredo, der typischen Border-Town zwischen Texas und Mexiko, überquerten wir den Rio Grande. Jetzt wurde es ernst mit dem wilden Campen, denn offizielle Campingplätze gab es seinerzeit so gut wie keine 'south of the border'...
Mexiko war aufregend, abenteuerlich, voller neuer Eindrücke. Eine ganze Woche lang schauten wir uns die Sehenswürdigkeiten von Mexico-City an, danach die weiten Tempelbezirke der Azteken in Tula und Teotihuacán. Auf dem weiteren Weg nach Süden verloren wir Uschi und Herbert und waren wieder auf uns alleine angewiesen.
In punkto Sicherheit war das gar nicht so gut. Und prompt wurde Hildrun beinahe überfallen, während ich einem natürlichen Drängen folgend in einem von unserem Lagerplatz entfernteren Dickicht verschwunden war. Zum Glück hatte ich ihr noch unseren Revolver auf den Frühstückstisch gelegt.
Als ich frohgemut zurückkehrte fragte mich Hildrun: Hast du irgendetwas mitbekommen?
Wie, mitbekommen?
, fragte ich blöde.
Ich bin fast überfallen worden
, sagte meine Frau mit einem leicht vorwurfsvollen Unterton. Da kam plötzlich ein Personenwagen mit vier Männern angefahren. Der Wagen wendete, drei Männer stiegen aus, und der vierte blieb bei laufendem Motor sitzen...
Was?
, fragte ich ungläubig, denn ich hatte dort hinten im Wäldchen akustisch absolut nichts wahrgenommen.
Die drei Mexikaner kamen zum Bulli, gingen rundherum und schauten durch die Fenster herein. Was meinst du, wie ich mich gefühlt habe... Einer rief dann dauernd 'todo claro?', tat so als wolle er unbedingt wissen, ob alles okay sei. Ich hatte meine Hand auf dem Revolver und sagte nur: 'Si, todo claro!'
Wow! Der Anblick einer allem Anschein nach allein durchs wilde Mexiko reisenden blonden jungen Frau, die da mit großen grau-grünen Augen aus dem Bulli starrte und drohend ihre Hand auf einem Revolver ruhen hatte, musste die finsteren Burschen bestimmt aus dem Konzept gebracht haben. Das sah ungewöhnlich, möglicherweise sogar gefährlich aus. Davon sollte man lieber die Finger lassen!
Bei der Weiterfahrt stellten wir fest, dass man von einer der oberen Straßenkehren doch nach unten in die Kiesgrube schauen konnte. Vermutlich hatten die Männer gedacht, da stünde ein unbewachtes Auto, das man leicht knacken könnte. Ich glaube nicht, dass sie aus edler Hilfsbereitschaft nachschauten. Möglicherweise waren sie sogar zu einem gewaltsamen Überfall bereit, der durch den exotischen Anblick einer wehrhaften blonden 'Gringa' zum Glück abgewendet werden konnte. So liebenswert die Mexikaner sein konnten, so schön das Land auch war, wir mussten kritisch bleiben und durften vor der potentiellen Bedrohung durch Kriminelle nicht die Augen verschließen. Leider hat sich die Situation für Individualreisende in Mexiko und Mittelamerika in all den Jahren extrem verschlechtert...
Wir erreichten Acapulco. Wir steuerten die Hafenpromenade an und fühlten uns vom Anblick der vielen Wolkenkratzer nicht animiert, diesen Brennpunkt des Tourismus attraktiv zu finden. Nein, das war nicht unsere Welt. So machten wir uns gleich weiter auf den Weg nach Pie de la Cuesta, einem kleinen Fischerort nördlich von Acapulco. Dorthin, einem Geheimtipp unter Weltenbummlern folgend, hatten wir ja ursprünglich gewollt.
chapter1Image2.jpegUnsere Reiseroute (8.400 km) durch Mexiko
2. PIE DE LA CUESTA
Nein, Acapulco mit seinen Wolkenkratzern und seinen mondänen Hotels war nicht nach unserem Geschmack. So vertrauten wir dem Geheimtipp und steuerten den Strandabschnitt nördlich von Acapulco an. Tatsächlich gelangten wir in eine andere Welt und fanden auch bald das idyllische Dörfchen Pie de la Cuesta, abseits vom Trubel, zwischen Pazifikbrandung und der weiten, von Kokospalmen umsäumten Laguna de Coyuca.
chapter2Image1.jpegUnd als wir an den Palmenhainen, üppigen Blütenhecken und palmblattgedeckten Hütten vorbeifuhren, sahen wir den markanten Hochraum-Bulli mit Kölner Kennzeichen. Da standen sie, Herbert und Uschi, in alter Frische.
Wir hatten uns wieder gefunden!
chapter2Image2.jpegMan konnte sich am Strand Sonnenunterstände mieten. Von einer freundlichen mexikanischen Familie mieteten wir einen langgestreckten, mit rustikalem Picknickmobiliar ausgestatteten Sonnenunterstand gleich für eine Woche. Für umgerechnet 70 Pfennige pro Auto und Tag. Üblicherweise suchten hier Badegäste Schatten, doch als Dauerkunden waren wir mindestens so willkommen. Wir durften auch die nahe Toilette benutzen und waren somit rundherum versorgt. Süßwasser zogen wir aus der Zisterne, und die nahe Süßwasser-Lagune bot Waschwasser für ein Vollbad im Überfluss. Schwimmen im Pazifik war bei der gefährlichen Brandung und wegen der Haie nicht so entspannend.
Die Mundpropaganda der Rucksackreisenden und Weltenbummler war tatsächlich noch gültig gewesen. Oft ist ja das geheime Weitersagen von Hinweisen auf ein letztes Stück Paradies das Ende so eines 'Geheimtipps'. Doch wir hatten noch Glück, und hatten ein Idyll gefunden!
Mittlerweile hat dort Sylvester Stallone 'Rambo' gedreht. Und in den Siebziger-Jahren hatten korrupte Polizeikräfte im geheimen Auftrag der Regierung bei Pie de la Cuesta mindestens 143 angebliche Guerilleros der 'Partei der Armen' brutal ermordet und die Leichen vom Flugzeug aus weit draußen im Pazifik 'entsorgt'.
Erfreulicher ist da das Geständnis des leider 2014 verstorbenen Literaturnobelpreisträgers Gabriel Garcia Marquez, dass ihm hier 1960, während einer Fahrt von Acapulco nach Pie de la Cuesta, die Idee zu seinem berühmten Roman 'Hundert Jahre Einsamkeit' gekommen war.
Wir lernten Harald und Valerie kennen. Valerie war Engländerin, Harald Deutscher. Beide lebten in Kanada und machten auf die ganz rustikale Art eine mehrmonatige Reise im VW-Käfer. In der blechernen Knutschkugel zu schlafen war schon eine asketische, wenn nicht gar sportliche Leistung. Schnell fanden wir Gefallen aneinander und beschlossen, die Zeit hier am Fuße des Hügels - Pie de la Cuesta - zwischen Pazifikbrandung und Kokospalmenrauschen gemeinsam zu verbringen. Harald war Hotelkoch und mit diesem Beruf schon weitgereist. Wir staunten nicht schlecht, wie er geschickt in einer riesigen Eisenpfanne auf einem kleinen einflammigen Coleman-Stove das Frühstück zubereitete. Auf der einen Seite brutzelten Spiegeleier, in einer anderen Ecke garten Kartoffelscheiben, daneben einige Zwiebelringe und Tomatenstücke. Die Kochhitze wurde durch spielerisch wirkendes Hin und Her der Pfanne geregelt. Man merkte, Harald wusste, was er tat.
Es waren herrliche Strandtage. Endlich, nach den Wochen im kühlen Hochland Mexikos, konnten wir uns volltanken mit Sonnenschein und Tropenklima. Meine Gitarre kam immer wieder zum Einsatz. Songs von Bob Dylan und Trini Lopez waren angesagt. Während meiner Seefahrtzeit hatte ich in Süd- und Mittelamerika einige spanische Lieder gelernt, vor allem die sehnsuchtsvollen Schmachtfetzen des 'Trio Los Panchos'. Hildrun und ich versuchten uns auch an typischen mexikanischen Klassikern wie 'La Llorona' und, natürlich, 'La Bamba', was unsere mexikanischen Nachbarn stets mit Sympathiebekundungen belohnten. Wir feierten vergnügt in die warmen Tropennächte hinein, ließen uns von der Farbenpracht pazifischer Sonnenuntergänge berauschen, und wenn wir besonders neckisch drauf waren, rannten wir zur nahen Lagune und badeten nackt.
Zu unserer sparsamen Ausrüstung gehörte auch ein kleines aufblasbares Plastikboot, eher ein Spielzeug. Harald fand es aber groß genug, um damit auf der Lagune fischen zu gehen. Draußen auf dem See wurstelten wir mit dem Angelzeug herum, was mich sehr an meine Kindheit am Bodensee erinnerte, wo wir mit primitivster Ausrüstung Fische angelten. Auch hier funktionierte es schließlich und wir holten einen kleineren 'Catfish', eine Art Wels aus dem Wasser.
Klappt ja prima!
, jubelte ich, während Harald in Gedanken bestimmt schon an einem leckeren Fischgericht bastelte.
Als Kind hatte ich gelernt, Fische gleich zu töten und nicht endlos zappeln zu lassen. Harald war der gleichen Ansicht. Also legte ich den Burschen auf den Bootsrand und schlug ihm kräftig in den Nacken. Leider war das nicht klug, denn Welse sind ziemlich stachelig am Ende ihrer Flossen, und so ein spitzes Teil bohrte sich nun in das aufblasbare Gefährt. Tja, wir hatten einen Platten - und das Ufer war mindestens einen Kilometer entfernt.
Harald paddelte. Ich hielt das Loch zu. Trotzdem entwich immer mehr Luft aus einer der drei Luftkammern und machte unsere kleine Titanic immer schlapper. Wir mussten der Tatsache ins Auge sehen: Schiffsuntergang! Doch wir nahmen diese kleine Katastrophe mit Humor. Schließlich konnten wir schwimmen, und von Krokodilen in der Lagune wussten wir nichts. Wir schwammen gelassen heimwärts, schoben das Plastikwrack vor uns her und sahen zu, dass unser Fang nicht über die Kante ging. Und Harald wusste, wie man auch aus nur einem einzelnen 'Catfish' eine leckere Suppe zaubert.
chapter2Image3.jpegAm Ufer der malerischen Lagune hatten sich ein paar Kanadier ein Stück Land gepachtet und aus Camp-Trailern und einem Überdach aus Palmblättern eine urige Sommerresidenz gebaut. Eigentlich war es ein Winterfluchtort. Sie erzählten uns, dass sie bereits mehrere Jahre während der Winterzeit, wenn in Kanada sowieso viele Jobs gekündigt werden, hier im tropischen Mexiko das einfache Leben genießen. Sie waren die ersten 'Snowbirds', die wir kennenlernten. So werden nämlich eine Vielzahl von Kanadiern genannt, die sich einen zweiten Winterwohnsitz im Süden - vorzugsweise Florida - leisten, und von November bis April, wie die Snowbirds und andere Zugvögel, dem kalten Norden Richtung Süden entfliehen.
Mittlerweile hatte sich die mexikanische Nachbarschaft an unser Hippie-Lager gewöhnt und kam regelmäßig zu einem Plausch vorbei. Einmal, als ich Wasser aus der Zisterne holte, rettete mich die Tochter unserer Vermieterin vor einer schmerzhaften Erfahrung. Fröhlich zog ich das Seil, an dem der Wassereimer hing, Hand über Hand aus dem Wasserloch. Wir plauderten gerade über irgendetwas als sie plötzlich aufschrie: Cuidado! Alacrán!- Vorsicht, ein Skorpion!
Mit der nächsten Hand hätte ich voll in das stachelbewehrte Spinnentier gegriffen, das stoisch auf dem Seil hockte. Mann, ich hatte wirklich Glück gehabt und dankte dem aufmerksamen Mädchen, das sich in unserer Gesellschaft sichtlich wohl fühlte.
chapter2Image4.jpegSie rettete mich vor dem Alacran
Die Bevölkerung an der Küste lebte vom, noch, spärlichen Badetourismus und vom Fischfang. Den Badegästen konnte man schattenspendende Unterstände mit Picknicktischen und Strandstühlen vermieten. So ein praktisches Teil also wie wir es gemietet hatten. Oder man wanderte am endlosen Strand entlang und versuchte ein paar Pesos durch den Verkauf von Bananen, Obst oder Tamales zu verdienen. Wir hatten uns mit einer Strandverkäuferin angefreundet, die regelmäßig vorbeikam und uns mit Obst versorgte.
So lernten wir, dass Papayas erst durch etwas Limettensaft richtig schmackhaft werden. Und wir versuchten zum ersten Mal Mameyes, etwa so groß wie Mangos, mit einem ebenso großen Kern, aber braunem Fruchtfleisch, das ein wenig an Schokoladenpudding erinnert. Wir versuchten auch ihre Tamales, ein in Maisblättern gegartes mexikanisches Fingergericht in allerlei Variationen. Sie schmeckten wirklich gut und wir verdauten sie ohne von Moctezumas Rache, dem landesüblichen Durchfall für Touristen, heimgesucht zu werden.
chapter2Image5.jpegApropos Moctezumas Rache: Wir vermieden es nach Möglichkeit irgendetwas Nicht-selbst-Gekochtes zu essen. Salat, Tomaten, Gemüse oder Obst wuschen wir mit Wasser, in dem wir ein paar Kristalle Kaliumpermanganat gelöst hatten. Diese violette Lösung ist ein vielseitiges Desinfektionsmittel, mit dem man gegen Erkältungen gurgeln, Fußpilz bekämpfen oder eben Bakterien abtöten kann. Vor allem beim Wasser waren wir sehr vorsichtig, denn in Mexiko wurde Trinkwasser auch von der einheimischen Bevölkerung nur in großen Wassergaraffen gekauft. Wir füllten zwar unsere Wasserkanister meistens beim Tanken an der Tankstelle auf, entkeimten es aber stets mit 'Micropur', das wir von Deutschland mitgenommen hatten. So hatten wir immer gutes Trinkwasser. Wir hatten uns auch schon mal am Tor einer Getränkefabrik von den dortigen Arbeitern die Kanister mit 'Agua Purificada' auffüllen lassen.
Eine weitere Einkommensquelle der örtlichen Bevölkerung war die Ernte der vielen Kokosnüsse, die auf den Palmen entlang der Küste, und an den vielen Lagunen, dicht an dicht in regelrechten Wäldern wuchsen. Große Strandflächen wurden zum Trocknen der Nüsse genutzt, die schließlich mit Äxten oder Macheten gespalten wurden, um danach das weiße fetthaltige Kernfleisch herauszuschälen. Das getrocknete Kernfleisch wurde als Kopra verkauft, aus der man letzten Endes Kokosöl gewinnen konnte.
Ein paar Strandköter, grauselige Kreaturen, hatten sich dem Schutz unseres Rudels unterworfen. Jede Nacht schliefen sie unter den Bullis und sorgten für einen gewissen nächtlichen Lärmpegel, wenn sich vermutlich eine Ratte oder ein Strandkrebs zu nah an unsere Wagenburg heranwagte. Wir ließen die armen Tiere gewähren, vermieden aber eine zu große Nähe, denn sie waren von Schwären und Bisswunden und bestimmt auch Flöhen übersät und sahen alles andere als gesund und vertrauenswürdig aus. Aber sie liebten uns, denn sie bekamen regelmäßig irgendetwas zugeworfen, das ihren Hunger stillte. Als Hildrun und ich einmal am Strand entlang stromerten, folgten sie uns treu. Wir fanden ein paar große tote Fische, die sie gierig zerfetzten und auffraßen.
Zum Abschied zauberte Harald noch einen köstlichen Braten aus zwei Kilo Schweinefleisch, das wir direkt nach der Schlachtung hatten kaufen können. Es war lange her, dass wir uns an Frischfleisch gewagt hatten. Dann lud uns die mexikanische Familie, von
