Achtsame Kommunikation mit Kindern: Zwölf revolutionäre Strategien aus der Hirnforschung für die gesunde Entwicklung Ihres Kindes
Von Daniel Siegel, Tina Bryson und Mike Kauschke
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Über dieses E-Book
In diesem richtungsweisenden praktischen Buch enträtseln der Neuropsychologe Daniel Siegel und die Erziehungsexpertin Tina Payne Bryson die emotionalen Zusammenbrüche und ausweglosen Situationen im Leben mit Kindern. Für jeden verständlich, erklären sie die neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse über die Prägung und Entwicklung des kindlichen Gehirns.
Durch die Anwendung dieser Erkenntnisse auf das tägliche Leben mit Kindern können Sie Wutausbrüche, Streit oder Ängste zu einer Gelegenheit machen, um die Integration des Gehirns Ihres Kindes zu unterstützen und wirkliches Wachstum zu ermöglichen.
Stimmen zum Buch:
"Jeder, der für Kinder sorgt oder der ein Kind liebt, sollte dieses Buch lesen."
Daniel Goleman
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Buchvorschau
Achtsame Kommunikation mit Kindern - Daniel Siegel
Eltern sind oft Experten in Bezug auf den Körper ihrer Kinder. Sie wissen, dass eine Körpertemperatur über 38° C Fieber ist. Eltern wissen, dass man eine Wunde reinigen muss, damit keine Infektion entsteht. Sie wissen, welches Essen die Kinder so „aufdreht", dass sie kaum schlafen können.
Aber selbst die fürsorglichsten, kultiviertesten Eltern haben oft kaum ein grundlegendes Wissen über das Gehirn ihres Kindes. Ist das nicht erstaunlich? Besonders dann, wenn wir die zentrale Rolle des Gehirns bedenken, die es in so gut wie jedem Bereich des kindlichen Lebens spielt, der den Eltern ein Anliegen ist: Ausgeglichenheit, Disziplin, Entscheidungsfindung, Selbstwahrnehmung, Schule, Beziehungen usw. In der Tat bestimmt das Gehirn in großem Maße, wer wir sind und was wir tun. Und weil das Gehirn in großem Ausmaß von den Erfahrungen beeinflusst wird, die wir als Eltern ermöglichen, können wir die innere Stärke, die Resilienz und das Selbstbewusstsein eines Kindes fördern, wenn wir wissen, wie sich das Gehirn als Reaktion auf unsere Erziehung verändert.
Wir möchten Sie also in die Perspektive des integrierten Gehirns einführen. Wir möchten Ihnen einige grundlegende Konzepte über das Gehirn vermitteln und Ihnen helfen, Ihr neues Wissen anzuwenden, so dass es das Leben mit Ihren Kindern erleichtert und mit Sinn erfüllt. Wir sagen nicht, dass dieser Ansatz des integrierten Gehirns Sie von allen Frustrationen der Erziehung befreien wird. Aber indem Sie einige einfache Grundlagen über die Gehirnfunktion verstehen lernen, werden Sie in der Lage sein, Ihr Kind besser zu verstehen, effektiver auf schwierige Situationen zu antworten, und die Basis für soziale, emotionale und mentale Gesundheit bilden. Was Sie als Eltern tun, ist wichtig – und wir geben Ihnen klare, wissenschaftliche Konzepte, die Ihnen helfen werden, eine tiefe Beziehung mit Ihrem Kind zu entwickeln, die sein Gehirn positiv formen kann und ihm die beste Ausgangsbasis für ein gesundes und glückliches Leben gibt.
Wir möchten Ihnen eine Geschichte erzählen, die zeigt, wie nützlich diese Informationen für Eltern sein können.
Eea Woo Woo
Marianna erhielt eines Tages einen Anruf bei ihrer Arbeitsstelle. Ihr wurde mitgeteilt, dass ihr zweijähriger Sohn Marco und dessen Babysitterin einen Autounfall hatten. Marco ging es gut, aber die Babysitterin, die das Auto gefahren hatte, war in einem Krankenwagen ins Krankenhaus gebracht worden.
Marianna war Direktorin an einer Grundschule und eilte sofort an den Unfallort, wo ihr gesagt wurde, dass die Babysitterin beim Fahren einen epileptischen Anfall erlitten hatte. Marianna sah, wie ein Feuerwehrmann erfolglos versuchte, Ihren Kleinen zu beruhigen. Sie nahm Marco in ihre Arme, tröstete ihn und er beruhigte sich sofort.
Sobald er aufgehört hatte zu weinen, erzählte Marco seiner Mutter, was geschehen war. Mit der Sprache eines Zweijährigen, die nur seine Eltern und die Babysitterin verstanden, wiederholte Marco immer wieder: „Eea Woo Woo. Eea ist sein Wort für „Sophia
, der Name seiner geliebten Babysitterin, und „Woo Woo bezieht sich auf seine Version der Sirenen eines Feuerwehrautos (oder in diesem Fall eines Krankenwagens). Mit der ständigen Wiederholung von „Eea Woo Woo
fokussierte sich Marco auf das Detail der Geschichte, das für ihn am wichtigsten war: Sophia war ihm weggenommen worden.
In einer solchen Situation wären viele von uns versucht, Marco zu versichern, dass mit Sophia alles in Ordnung sei, um sich dann sofort auf etwas anderes zu fokussieren und das Kind abzulenken: „Lass uns ein Eis essen! In den folgenden Tagen würden viele Eltern den Unfall nicht ansprechen, um das Kind nicht zu beunruhigen. Das Problem bei dem Ansatz „Lass uns ein Eis essen!
ist, dass das Kind im Unklaren darüber gelassen wird, was eigentlich passiert ist und warum es geschehen ist. Es ist immer noch voller intensiver und furchterregender Emotionen, aber ihm wird nicht erlaubt (oder geholfen), damit effektiv umzugehen.
Marianna beging diesen Fehler nicht. Sie hatte Tinas Kurs für Eltern besucht und wendete ihr neues Wissen sogleich an. An diesem Abend und in der kommenden Woche brachten Marcos Gedanken ihn immer wieder zu dem Autounfall zurück und Marianna half ihm, die Geschichte immer wieder zu erzählen. Sie sagte zum Beispiel: „Ja, du und Sophia, ihr hattet einen Autounfall, nicht wahr? Dann streckte Marco seine Arme aus und schüttelte sie, um Sophias Anfall nachzumachen. Und Marianna sagte: „Ja, Sophia hatte einen Anfall und hat sich geschüttelt und das Auto hatte einen Unfall, nicht wahr?
Marcos Reaktion darauf war natürlich das bekannte „Eea Woo Woo, worauf Marianna antwortete, „Genau, die Woo Woo kam und hat Sophia zum Arzt gebracht. Aber nun geht es ihr schon viel besser. Weißt du noch, wir haben sie gestern besucht? Ihr geht es schon wieder richtig gut, nicht wahr?
Weil Marco seine Geschichte immer wieder erzählen konnte, half ihm Marianna, das Geschehene zu verstehen, damit er auch emotional damit umgehen konnte. Weil sie wusste, wie wichtig es ist, ihrem Sohn zu helfen, die angstauslösende Erfahrung zu verarbeiten, gab sie ihm die Gelegenheit, das Geschehene immer wieder zu erzählen. Dadurch konnte er seine Angst verarbeiten und seinen Alltag in einer gesunden und ausgeglichenen Weise weiterführen. In den nächsten Tagen sprach Marco immer weniger über den Unfall, bis er zu einer weiteren Lebenserfahrung – allerdings zu einer wichtigen Erfahrung – geworden war.
Auf den nächsten Seiten werden Sie Einzelheiten darüber erfahren, warum Marianna so reagierte und warum es sowohl auf praktischer als auch auf neurologischer Ebene für ihren Sohn hilfreich war. Sie werden Ihr neues Wissen über das Gehirn in vielerlei Hinsicht anwenden können. Es wird Ihnen helfen, Ihr Kind zu verstehen und dieser Beziehung einen tieferen Sinn zu geben.
Den Kern von Mariannas Reaktion – wie des vorliegenden Buches insgesamt – bildet das Konzept der Integration. Ein klares Verständnis von Integration wird Ihnen die Kraft geben, Ihr Denken in Bezug auf die Erziehung Ihrer Kinder vollkommen zu transformieren. Sie werden mehr Freude mit Ihren Kindern erfahren und sie besser auf ein emotional reiches und erfüllendes Leben vorbereiten.
Was ist Integration und warum ist sie wichtig?
Viele von uns denken nicht über die Tatsache nach, dass unser Gehirn viele verschiedene Teile mit verschiedenen Aufgaben hat. Wir haben zum Beispiel eine linke Hirnhälfte, durch die wir logisch denken und Gedanken zu Sätzen organisieren können, und wir haben eine rechte Hirnhälfte, durch die wir Emotionen erleben und nonverbale Zeichen lesen können. Wir haben auch ein „Reptiliengehirn, durch das wir instinktiv handeln und sekundenschnelle Überlebensentscheidungen treffen können. Und wir haben ein „Säugetiergehirn
, das uns Verbindungen und Beziehungen aufbauen lässt. Ein weiterer Teil unseres Gehirns hat die Aufgabe sich mit Erinnerungen zu beschäftigen, ein anderer Teil trifft ethisch-moralische Entscheidungen. Es ist fast so, als hätte unser Gehirn multiple Persönlichkeiten – einige sind rational, einige sind irrational; einige sind empfänglich, die anderen reaktiv. Kein Wunder, dass wir in verschiedenen Momenten wie ein ganz anderer Mensch wirken können!
Der Schlüssel zur Entfaltung besteht darin, diesen Teilen zu helfen, gut zusammenzuarbeiten – sie also zu integrieren. Integration nutzt die verschiedenen Teile des Gehirns und unterstützt sie in der Zusammenarbeit als ein Ganzes. Vergleichbar der Funktionsweise des Körpers, der verschiedene Organe besitzt, die unterschiedliche Aufgaben erfüllen: Die Lunge atmet Luft, das Herz pumpt Blut, der Bauch verdaut Nahrung. Damit der Körper gesund ist, müssen all diese Organe integriert sein. Mit anderen Worten, sie müssen alle ihre individuelle Aufgabe erfüllen und gleichzeitig als Ganzes zusammenarbeiten. Und das ist, einfach gesagt, Integration: verschiedene Elemente miteinander zu verbinden, um ein gut funktionierendes Ganzes zu schaffen. Wie bei der gesunden Funktionsweise des Körpers kann unser Gehirn nur dann auf höchstem Niveau arbeiten, wenn die verschiedenen Teile koordiniert und ausgeglichen zusammenarbeiten. Das ist genau die Aufgabe von Integration: Sie koordiniert die getrennten Bereiche des Gehirns, verbindet sie miteinander und gleicht sie aus. Wir können schnell erkennen, wenn unsere Kinder nicht integriert sind – sie werden von ihren Emotionen überwältigt, konfus und chaotisch. Sie können nicht ruhig und angemessen auf die momentane Situation reagieren. Wutausbrüche, Trotzanfälle, Aggression wie die meisten herausfordernden Erfahrungen der Erziehung – und des Lebens – sind das Ergebnis eines Mangels an Integration, der auch als Desintegration oder Auflösung bekannt ist.
Wir wollen unseren Kindern helfen, integrierter zu werden, damit sie ihr ganzes Gehirn in einer koordinierten Weise nutzen können. Wir wollen zum Beispiel, dass sie horizontal integriert sind, damit die Logik der linken Hirnhälfte gut mit der Emotion der rechten Gehirnhälfte zusammenarbeiten kann. Wichtig ist auch, dass sie vertikal integriert sind, damit die höheren, weiter entwickelten Teile des Gehirns, durch die sie ihr Handeln überdenken können, gut mit den unteren Teilen zusammenarbeiten, denen es eher um Instinkt, Bauchgefühle und um das Überleben geht.
Die Art und Weise, wie Integration geschieht, ist faszinierend und etwas, dessen sich die meisten Menschen nicht bewusst sind. In den vergangenen Jahren haben Wissenschaftler bildgebende Verfahren zur Untersuchung des Gehirns entwickelt, durch die die Forscher das Gehirn in einer Weise untersuchen konnten, wie es nie zuvor möglich war. Diese neue Technologie hat viel von dem bestätigt, was wir bisher über das Gehirn angenommen haben. Aber eine der Überraschungen, die die Grundlagen der Neurowissenschaft erschüttert hat, ist die Entdeckung, dass das Gehirn in der Tat „plastisch" oder formbar ist. Das bedeutet, dass sich das Gehirn im Laufe unseres Lebens physisch verändert, nicht nur in der Kindheit, wie bisher angenommen wurde.
Was formt unser Gehirn? Erfahrung. Selbst noch im hohen Alter verändern unsere Erfahrungen tatsächlich die physische Struktur des Gehirns. Wenn wir durch eine Erfahrung gehen, werden unsere Hirnzellen – auch Neuronen genannt – aktiv und „gezündet. Das Gehirn enthält hundert Milliarden Neuronen. Jedes davon hat ungefähr zehntausend Verbindungen zu anderen Neuronen. Die Art und Weise, wie bestimmte Kreisläufe im Gehirn aktiviert werden, bestimmt die Natur unserer mentalen Aktivität, die vom Wahrnehmen von Bildern oder Klängen bis zum abstrakten Denken und vernünftigen Abwägen reicht. Wenn Neuronen zusammen aktiviert werden, dann wachsen zwischen ihnen neue Verbindungen. Mit der Zeit führen die Verbindungen, die von der Aktivierung herrühren, zu einer „neuen Vernetzung
des Gehirns. Das sind sehr aufregende Neuigkeiten. Sie bedeuten, dass wir nicht dem ausgeliefert sind, wie unser Gehirn heute funktioniert – wir können es tatsächlich neu vernetzen, damit wir gesünder und glücklicher leben können. Das trifft nicht nur für Kinder und Heranwachsende zu, sondern für jeden von uns während der gesamten Lebensspanne.
In jedem Moment wird das Gehirn Ihres Kindes neu vernetzt und die Erfahrungen, die Sie ihm ermöglichen, werden in großem Ausmaß die Struktur seines Gehirns bestimmen. Sie müssen sich deshalb aber keinen Druck machen. Es gibt keinen Grund zur Sorge. Die Natur hat es so angelegt, dass sich die grundlegende Architektur des Gehirns entwickeln wird, wenn wir ausreichend Nahrung, Schlaf und Stimulation bekommen. Natürlich spielen auch die Gene eine große Rolle dabei, was für Menschen wir werden, vor allem in Bezug auf unser Temperament. Aber Erkenntnisse aus verschiedenen Bereichen der Entwicklungspsychologie legen nahe, dass alles, was uns begegnet – die Musik, die wir hören; die Menschen, die wir lieben; die Bücher, die wir lesen; die Disziplin, die wir erlernen; die Emotionen, die wir fühlen –, eine tiefe Wirkung auf die Entwicklung unseres Gehirns hat. Mit anderen Worten, ergänzend zur grundlegenden Architektur des Gehirns und unseres angeborenen Temperaments können Eltern noch viel tun, um den Kindern die Erfahrungen zu ermöglichen, die ihnen helfen, ein widerstandsfähiges, gut integriertes Gehirn zu entwickeln. Dieses Buch wird Ihnen zeigen, wie Sie alltägliche Erfahrungen nutzen können, um das Gehirn Ihres Kindes im Prozess zunehmender Integration zu unterstützen.
Kinder, deren Eltern mit ihnen über ihre Erfahrungen sprechen, haben in der Regel einen besseren Zugang zu den Erinnerungen an diese Erfahrungen. Eltern, die mit ihren Kindern über die Gefühle der Kinder sprechen, ziehen Kinder auf, die emotionale Intelligenz entwickeln und ihre eigenen Gefühle und die Gefühle anderer Menschen umfassender verstehen können. Schüchterne Kinder, deren Eltern ihre Kinder zum Entdecken der Welt ermutigen, neigen dazu, ihre verhaltensbedingte Schüchternheit zu überwinden. Kinder hingegen, die allzu sehr beschützt werden oder ohne Unterstützung Angst auslösenden Erfahrungen ausgesetzt werden, behalten oft ihre Schüchternheit bei.
Es gibt ein ganzes Forschungsfeld innerhalb der Wissenschaft von der Entwicklung des Kindes und der Bindungstheorie, das diese Sichtweise unterstützt – und die neuen Erkenntnisse im Bereich der Neuroplastizität untermauern diese Perspektive: Eltern können das Wachstum des Gehirns ihrer Kinder durch die Erfahrungen, die sie ihnen ermöglichen, direkt beeinflussen. Das Ausmaß der Zeit, die Kinder vor einem Bildschirm verbringen – mit Videospielen, Fernsehen oder mit Smartphones – wird das Gehirn in bestimmter Art und Weise vernetzen. Pädagogische Aktivitäten, Sport und Musik werden es in anderer Weise vernetzen. Und Zeit mit der Familie und Freunden zu verbringen und etwas über Beziehungen zu lernen, besonders im direkten Kontakt, wird das Gehirn in wieder einer anderen Art und Weise vernetzen. Alles, was uns widerfährt, hat eine Wirkung auf die Entwicklung des Gehirns.
Um diesen Prozess von Vernetzung und Neuvernetzung geht es bei der Integration: Wir ermöglichen unseren Kindern Erfahrungen, um Verbindungen zwischen verschiedenen Teilen des Gehirns zu schaffen. Wenn diese Teile zusammenarbeiten, schaffen und erhalten sie die integrativen Fasern, die verschiedene Teile des Gehirns miteinander verbinden. Als Folge dessen werden sie stärker verbunden und können noch harmonischer zusammenarbeiten. So wie eine Sängerin in einem Chor ihre einzigartige Stimme harmonisch einbringen kann, ist ein integriertes Gehirn in der Lage, viel mehr zu erreichen, als es deren einzelne Teile allein tun könnten.
Das möchten wir für jedes unserer Kinder tun: seinem Gehirn helfen, sich zu integrieren, damit es seine mentalen Fähigkeiten voll ausschöpfen kann. Genau das hat Marianna für Marco getan. Als sie ihm half, die Geschichte immer wieder zu erzählen („Eea Woo Woo"), entschärfte sie die beängstigenden und traumatischen Emotionen in seiner rechten Hirnhälfte, damit sie ihn nicht beherrschen. Sie führte Details der Fakten an und förderte die Logik seiner linken Hirnhälfte – die sich im Alter von zwei Jahren erst zu entwickeln beginnt –, so dass er mit dem Unfall in einer für ihn sinnvollen Art und Weise umgehen konnte.
Wenn ihm seine Mutter nicht geholfen hätte, die Geschichte zu erzählen und zu verstehen, wären Marcos Ängste ungelöst geblieben und hätten sich in anderer Weise bemerkbar machen können. Er hätte vielleicht eine Phobie in Verbindung mit dem Autofahren entwickelt oder hätte Angst, von seinen Eltern getrennt zu sein, oder seine rechte Hirnhälfte hätte sich in anderer Art und Weise unkontrolliert ausgedrückt, was zu häufigen Wutausbrüchen hätte führen können. Aber weil Marianna zusammen mit Marco die Geschichte erzählte, half sie ihm, seine Aufmerksamkeit sowohl auf die konkreten Einzelheiten des Unfalls als auch auf seine Emotionen zu richten. Dadurch konnte er die linke und rechte Hirnhälfte zusammen nutzen und tatsächlich ihre Verbindung verstärken. (Wir beschreiben dieses Konzept im 2. Kapitel noch ausführlicher.) Dank einer besseren Integration konnte er wieder ein sich normal entwickelnder Zweijähriger sein, statt sich auf die Angst und das Leid, die er erfahren hatte, zu fixieren.
Betrachten wir ein weiteres Beispiel. Gibt es heute, da Sie und Ihre Geschwister erwachsen sind, immer noch Streit darüber, wer den Knopf am Fahrstuhl drückt? Natürlich nicht. (Hoffen wir zumindest.) Aber zanken und kämpfen Ihre Kinder um solche Dinge? Wenn es typische Kinder sind, dann ja.
Der Grund für diesen Unterschied bringt uns zurück zum Gehirn und zur Integration. Rivalitäten zwischen Geschwistern haben genau die gleichen Ursachen, wie so viele Schwierigkeiten im Leben mit Kindern – Wutausbrüche, Ungehorsam, Kämpfe um Hausaufgaben, Probleme mit der Disziplin usw. Wie wir in den nächsten Kapiteln noch näher ausführen werden, sind diese alltäglichen Herausforderungen das Resultat eines Mangels an Integration im Gehirn Ihres Kindes. Und es gibt einen einfachen Grund dafür, dass das kindliche Gehirn nicht immer zur Integration fähig ist: Es hatte nicht die Zeit, sich zu entwickeln. In der Tat hat es noch einen weiten Weg vor sich, denn das Gehirn eines Menschen wird erst mit Mitte zwanzig als voll entwickelt angesehen.
Das sind die schlechten Neuigkeiten: Wir müssen auf die Entwicklung des Gehirns unseres Kindes warten. Das stimmt. Ganz gleich, wie genial Ihr Kind im Vorschulalter Ihrer Meinung nach ist, es hat einfach nicht das Gehirn eines Zehnjährigen und das wird auch für einige Jahre so bleiben. Die Geschwindigkeit der Reifung des Gehirns wird zum Großteil durch unsere Gene bestimmt. Aber das Ausmaß der Integration können wir mit der Art und Weise wie wir auf unsere Kinder alltäglich eingehen beeinflussen.
Die gute Nachricht ist, dass Sie durch die Nutzung alltäglicher Momente beeinflussen können, wie gut sich das Gehirn Ihres Kindes in Richtung Integration entwickelt. Erstens können Sie die unterschiedlichen Bereiche des Gehirns Ihres Kindes entwickeln, indem Sie ihm Möglichkeiten geben, diese Bereiche zu trainieren. Zweitens können Sie die Integration fördern, damit die getrennten Bereiche besser verbunden werden und wirkungsvoller zusammenarbeiten. Dadurch werden Ihre Kinder nicht schneller aufwachsen – Sie helfen ihnen einfach, die vielen Bereiche ihres Gehirns zu entwickeln und sie zu integrieren. Wir meinen auch nicht, dass Sie sich selbst (und Ihre Kinder) erschöpfen sollten, indem Sie hektisch versuchen, jede Erfahrung mit Bedeutung und Sinn zu erfüllen. Wir sprechen darüber, dass Sie einfach mit Ihren Kindern präsent sein können, um ihnen zu helfen, besser integriert zu werden. Als Folge dessen werden sie sich emotional, intellektuell und sozial entfalten können. Durch ein integriertes Gehirn können Kinder besser Entscheidungen treffen, sie haben eine stärkere Kontrolle über den Körper und die Emotionen, können sich selbst tiefer verstehen, bilden stärkere Beziehungen und haben Erfolg in der Schule. Und es beginnt mit den Erfahrungen, die ihnen die Eltern und andere Bezugspersonen ermöglichen – diese Erfahrungen bilden die Grundlage für Integration und mentale
