Die Piraten des indischen Meeres: Erzählung aus "Am Stillen Ozean", Band 11 der Gesammelten Werke
Von Karl May
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Über dieses E-Book
"Die Piraten des indischen Meeres" ist eine Kurzgeschichte. Sie wurde bereits in "Am Stillen Ozean" (Band 11 der Gesammelten Werke) veröffentlicht.
Karl May
Karl Friedrich May (25.02.1842–30.03.1912) war ein weltweit erfolgreicher, deutscher Autor von Abenteuergeschichten und historischen Erzählungen. Er war sehr produktiv, sein Werk umfasst Hunderte von Fortsetzungsromanen, Novellen und Geschichten. Er ist einer der am häufigsten übersetzten deutschen Schriftsteller. Die weltweite Auflage seiner Werke wird auf 200 Millionen geschätzt, davon 100 Millionen in Deutschland (Stand 2015). Bekannt wurde er vor allem durch seine Reiseerzählungen, die vorwiegend im Orient, in den Vereinigten Staaten und in Mexiko Ende des 19. Jahrhunderts spielen. Besondere Berühmtheit erlangten die Geschichten um den Indianerhäuptling Winnetou. Viele seiner Werke wurden verfilmt.
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Buchvorschau
Die Piraten des indischen Meeres - Karl May
KARL MAY
DIE PIRATEN DES INDISCHEN MEERES
REISEERZÄHLUNG
Aus
KARL MAYS
GESAMMELTE WERKE
BAND 11
„AM STILLEN OZEAN"
© Karl-May-Verlag
eISBN 978-3-7802-1307-5
Die Erzählung spielt Ende der 70er-Jahre des 19. Jahrhunderts.
KARL-MAY-VERLAG
BAMBERG • RADEBEUL
Inhalt
DIE PIRATEN DES INDISCHEN MEERES
1. Eine Menschenjagd
2. Eine Elefantenjagd
3. Eine Piratenjagd
4. Das Gespenst auf der Piratendschunke
5. Ein unerwartetes Wiedersehen
6. Das Dunkel lichtet sich
7. Die Flüchtlinge von den Andamanen
8. Auf den Nikobaren
9. In der Tapanuli-Bai
10. An der Tigerbrücke
DIE PIRATEN DES INDISCHEN MEERES
1. Eine Menschenjagd
Ich war mit einem Steamer der Peninsular- and Oriental-Company von Suez nach Ceylon gekommen und in Point de Galle gelandet. Mein Aufenthalt hier sollte nur kurz sein, denn das Ziel meiner Reise war Bombay, von wo aus ich dann Vorderindien kennenlernen wollte. Verschiedene Umstände jedoch bewirkten, dass ich länger blieb, was ich auch sehr wohl tun konnte, da ich vollständig Herr meiner Zeit war.
Wer – ausgedorrt durch die glühende Hitze des Arabischen Meeres – ein Land von der Beschaffenheit der Insel Ceylon betritt, fühlt sich körperlich und geistig so gefesselt, dass es ihm schwer wird, es in Kürze wieder zu verlassen. Die großartige Natur der Insel fordert den Wissensdurst heraus, und ihre völkerkundlichen Verhältnisse sind so eigenartig, dass man sich unwillkürlich zu längeren Forschungen veranlasst fühlt.
Jetzt stand ich auf dem Leuchtturm von Point de Galle, versunken in den Genuss der herrlichen Landschaft, die sich unten zu meinen Füßen ausbreitete.
Im Hafen lag eine Menge Fahrzeuge vor Anker, ein- und auslaufende Schiffe belebten das Bild. Es waren unter ihnen alle Gattungen und Größen vom prachtvollsten europäischen Dampfer bis herunter zur erbärmlichen chinesischen Dschunke und zu dem eigentümlich gebauten singhalesischen Landungsboot vertreten. Schwedische und dänische Transchiffe, vom Walfischfang aus dem südlichen Polarmeer kommend, schwere holländische Dreimaster mit hohem, altmodischem Gallion, englische Marinefahrzeuge und Kauffahrer, leichte französische Schiffe und schlanke Amerikaner, scharf auf den Kiel gebaut und mit einem Tau- und Segelwerk versehen, das große Gewandtheit in ihrer Bedienung erfordert, kamen und gingen oder ritten, sich leicht von Bord zu Bord neigend, auf ihren Ankerketten. Daran schloss sich ein reichbelebtes Ufer, dessen Bild die Aufmerksamkeit voll in Anspruch nahm.
Kleine Felseninseln, von Kokospalmen und Pandanen bestanden, ragten aus den schimmernden, in ewiger Bewegung wallenden Fluten empor. Zwischen ihnen zogen sich zahlreiche Korallengärten hin, von schmalen Wasserarmen getrennt, in deren durchsichtigen Wellen rote und blaue Fische schwammen. Gefräßige Haie zerrten nahe am Ufer am Kadaver eines toten Hundes, aufgebrochene Muscheln glänzten im nassen Sand und vielgliederige Krabben krochen die Steilung der Felsen hinan.
Die Häuser und Hütten der Stadt hatten sich schalkhaft unter den Kronen der Palmen und Fruchtbäume versteckt, und wo die reinlichen Straßen offen vor dem Blick lagen, da war eine reiche Menge von Lebenserscheinungen zu erkennen; weidende Zebuochsen, am Kanalbau beschäftigte Elefanten, deren Klugheit und Stärke zwanzig menschliche Arme ersetzt, schwarze Schildwachen, sich ergehende Ladys, durchsichtig weiße Kinder englischer Eltern mit kleinen beweglichen französischen Kindermädchen oder hageren Londoner Erzieherinnen und braunen, eingeborenen Ammen, tabakrauchende singhalesische Mädchen und Knaben, behäbig und stolz einherschreitende Muselmänner, schachernde Juden, mit allem denkbaren und offenbar wertlosen Kleinigkeiten behängt, bezopfte Malaien, betelkauende Ratschputen, Buddhapriester in ihrem langen, schwefelgelben Gewand mit nackt abgeschorenem Kopf und Bart, englische Midshipmen in roter Jacke, laut mit dem schweren Säbel rasselnd, malerisch-schöne Hindumädchen: Nase, Stirn, Ohren, Arme und Beine mit Korallen oder Gold und Edelsteinen geschmückt.
Über dem allen lag der bezaubernde Duft des Südens ausgegossen. Die Sonne schickte sich an, in die Wogen des Meeres zu steigen, und warf ihre Strahlen vom tiefsten, gesättigten Purpur bis zum leuchtendsten Flammengold über die wogende See. Es war ein Anblick, in den man sich stundenlang versenken konnte.
Neben mir lehnte Sir John Raffley. Er bemerkte von alledem nicht das Geringste. Die herrlichen Tinten, in denen der Himmel flimmerte und glühte, das strahlendurchblitzte Kristall der See, der erquickende Balsam der sich abkühlenden Lüfte und die bunte Bewegung auf der vor uns liegenden schönen Gotteswelt waren ihm im höchsten Grad gleichgültig; sie durften es nicht wagen, seine Sinne auch nur einen Augenblick lang in Anspruch zu nehmen. Und warum? Wunderbare, überflüssige Frage! Was war denn eigentlich dieses Ceylon in seinen Augen? Ein Eiland, eine Insel mit einigen Menschen, einigen Tieren und einigen Pflanzen, rundum von Wasser umgeben, das nicht einmal zum Waschen oder zur Bereitung einer Tasse Tee geeignet ist. Was ist das weiter! Etwas Sehenswertes oder gar Wunderbares gewiss nicht! Was ist Point de Galle gegen Hull, Plymouth, Portsmouth, Southampton oder gar London; was ist der Statthalter zu Kolombo gegen die Königin Viktoria von Altengland, Irland und Schottland; was ist Ceylon gegen Großbritannien und seine Kolonien; was ist überhaupt die ganz Welt gegen Raffley-Castle, wo Sir John geboren wurde!
Der gute ehrenwerte Sir John war ein Engländer reinsten Wassers. Als Besitzer eines unermesslichen Vermögens hatte er noch nie daran gedacht, sich zu verehelichen, und war einer jener zugeknöpften, schweigsamen Englishmen, die alle Winkel der Erde durchstöbern, selbst die entferntesten Länder unsicher machen, die gewagtesten Abenteuer mit unendlichem Gleichmut bestehen und endlich müde und übersättigt die Heimat wieder aufsuchen, um als Mitglied irgendeines berühmten Reiseklubs einsilbige Bemerkungen über zurückliegende Erlebnisse machen zu dürfen. Er hatte den Sparren in der Weise, dass seine lange, knochige Gestalt nur in seltenen Augenblicken einen kleinen Anflug von Genießbarkeit zeigte, besaß aber ein gutes Herz, das immer bereit war, die großen und kleinen Seltsamkeiten, in denen er sich zu gefallen pflegte, wieder auszugleichen. Eine innere Erregung schien bei ihm nicht denkbar und er zeigte nur dann eine lebhaftere Beweglichkeit, wenn er auf eine Gelegenheit stieß, eine Wette einzugehen. Die Wettsucht nämlich war seine einzige Leidenschaft, wenn bei ihm von Leidenschaft überhaupt die Rede sein konnte, und es wäre wirklich ein Wunder gewesen, hätte er eine Gelegenheit zu ihrer Betätigung versäumt.
Nachdem er aller Herren Länder kennengelernt hatte, war er zuletzt nach Indien gekommen, dessen Generalstatthalter ein Verwandter von ihm war, hatte es in den verschiedensten Richtungen durchstreift, war auch schon einige Mal auf Ceylon gewesen und im Auftrag seines Verwandten jetzt wider hergekommen, um sich wichtiger Botschaften an den Statthalter zu entledigen. Ich hatte ihn im Hotel Madras kennengelernt und mich ihm angeschlossen, weil seine Erfahrungen und Verbindungen mir von großem Nutzen sein konnten. Die Vertretung Deutschlands war damals in jenen fernen Ländern mangelhaft und der Anschluss an einen Engländer, dessen Regierung ihre Angehörigen allerorts nachdrücklich zu schützen wusste, nur vorteilhaft. Wir hatten uns nach und nach auch geistig zusammengefunden, und obgleich er mich niemals zu einer Wette verleiten konnte, war ich ihm doch so lieb geworden, dass er beinahe brüderliche Zuneigung für mich an den Tag legte.
Also jetzt lehnte er, unberührt von all den Naturreizen ringsum, in denen ich schwelgte, neben mir und beschielte den goldenen Klemmer, der ihm vorn auf der äußersten Nasenspitze saß, mit einer Beharrlichkeit, als wollte er an dem Sehwerkzeug irgendeine wichtige welterschütternde Entdeckung machen. Neben ihm lehnte sein Regen- und Sonnenschirm, der so kunstvoll zusammengesetzt war, dass er ihn als Stock, Degen, Sessel, Tabakspfeife und Fernrohr benutzen konnte. Diese einzigartige Seltenheit war ihm vom Traveller-Club, London, Near-Street 47, als Andenken verehrt worden. Er trennte sich niemals davon und hätte das Ding um alle Schätze der Welt nicht hergegeben. Diese Chair-and-umbrelle-pipe, wie er sie nannte, war ihm beinahe so lieb wie seine prachtvoll eingerichtete und pfeilschnelle kleine Dampfjacht, die unten im Hafen vor Anker lag und die er sich für seinen persönlichen Gebrauch auf den Werften von Greenock am Clyde, den in aller Welt berühmten Schiffsbauwerkstätten, hatte bauen lassen, weil er stets auf eigenen Füßen stehen und vom Befehl eines Kapitäns nicht abhängig sein wollte.
Während mein Auge vom Leuchtturm ringsum schweifte, fiel mir ein Zug eingeborener Soldaten auf, der sich einem weit in die See hinausragenden Felsen näherte. Voran schritt, von zwei Bewaffneten sorgfältig bewacht, ein an den Händen gefesselter Mann, der seiner Kleidung nach ein Singhalese sein musste. Jedenfalls lag hier eine Hinrichtung vor, und da ich die lebhafte Teilnahme kannte, die mein Gefährte für dergleichen Vorkommnisse hegte, machte ich den Versuch, ihn aus der welterschütternden Betrachtung aufzustören.
„Sir John Raffley!"
Er antwortete nicht.
„Sir John Raffley!", rief ich mit erhöhter Stimme.
„Yes!", antwortete er jetzt, ohne von dem goldenen Gestell seines Klemmers aufzublicken.
„Wollt Ihr nicht einmal dort hinüberschauen, Sir?"
„Warum?"
„Ich glaube, es wird einer ins Wasser geworfen?"
„Einer? Was für einer? Ein Hund? Ein Pferd? Ein Mensch?"
„Ein Mensch, Sir John!"
„Well. So lasst ihn ruhig ersaufen, Charley!"
Er studierte mit unverändertem Eifer an seinem Klemmer weiter. Der Zug war auf der Höhe des Felsens angekommen und machte dort Halt. Die Soldaten schlossen einen Kreis um den Gefesselten.
„Ich möchte doch wissen, was der arme Teufel verbrochen hat", bemerkte ich, um Sir Johns Aufmerksamkeit zu erregen.
„Hat er Euch etwas getan?"
„Nein."
„Good God, so lasst ihn also ersaufen, Charley!"
„Aber es sind ihm die beiden Arme zusammengeschnürt."
Jetzt hatte ich das Richtige getroffen, um seine Teilnahme zu erregen. Jeder unnötige Eingriff in die persönliche Freiheit eines Menschen war ihm verhasst.
„Gefesselt ist er? Zounds, das ist grausam, das ist gemein! Das würde man in Altengland nicht tun."
„Ihr habt sehr Recht. Der Brite ist in jeder Beziehung vornehm. Wenn er einen henkt, so lässt er ihn wenigstens mit freien Gliedern sterben. Seht nur, welche Menge von Wächtern den armen Kerl begleitet!"
„Wo ist es, Charley?"
„Da drüben auf der Felsenzunge."
Er warf jetzt wirklich einen Blick hinüber nach dem Ort, den ihm meine ausgestreckte Hand bezeichnete. Ich erwartete immer noch eine seiner gleichgültigen Bemerkungen, hatte mich aber diesmal getäuscht, denn seine Rechte fuhr empor, um den Klemmer näher ans Auge zu bringen und dem Gesicht die nötige Schärfe zu geben.
„Heigh-ho, ist’s möglich?"
„Was?"
„Dass es Kaladi ist?"
„Kaladi? Wer ist das, Sir John?"
„Das sollt Ihr später erfahren. Ich muss mich überzeugen."
Er ergriff seinen Schirm, spannte dessen weißgraues Dach auf, drehte an einigen Schrauben des hohlen Doppelstocks und suchte durch das so entstandene Fernrohr den Punkt, auf dem die Hinrichtung vor sich gehen sollte.
„Wollen wir wetten, Charley?", fragte er nach einer Pause, während der seine Mienen eine immer wachsende Spannung angenommen hatten.
„Worüber?"
„Dass sich dieser Mann nicht ertränken lässt. Ich setze hundert Sovereigns!"
„Gegen wen?"
„Gegen Euch natürlich."
„Ihr wisst, Sir, dass ich nicht wette."
„Well, das ist wahr. Ihr seid ein prächtiger Kerl, Charley, aber bis zum vollkommenen Gentleman habt Ihr’s noch nicht gebracht, sonst würdet Ihr Euch nicht beständig weigern, einmal einen guten Einsatz anzunehmen. Dennoch werde ich Euch beweisen, dass ich die Wette gewinnen würde."
Er steckte zwei Finger in den Mund und ließ einen scharfen, durchdringenden Pfiff erschallen, der weithin zu vernehmen war. Auch der Verurteilte hörte ihn. Kannte er dieses Zeichen des Engländers? Mit einer raschen Bewegung hob er den gesenkten Kopf und blickte zum Leuchtturm empor. Raffley stieß einen zweiten Pfiff aus und schwenkte den Schirm in der Luft.
Die Wirkung war überraschend. Der zum Tod des Ertrinkens Verurteilte schnellte sich unerwartet durch den Kreis der Soldaten bis an den Rand der Klippe und stürzte sich kopfüber in die Fluten des Meeres hinab.
„Seht Ihr’s, Charley, schmunzelte John Raffley, „dass ich gewinnen würde?
„Ich sehe es noch nicht. Der Mann hat sich ja selbst ertränkt."
„Sich ertränkt? Seid Ihr bei Sinnen?"
„Nun was anders?"
„Was anders? Well, Ihr werdet es gleich erkennen. Look at that! Da taucht er aus den Wogen auf. Nun, Charley, was sagt Ihr jetzt?"
„Bei Gott, er lebt! Der Kerl schwimmt ja trotz seiner gefesselten Hände wie ein Fisch!"
„Wie ein Fisch? Pshaw, das ist noch zu wenig; wie ein Hummer wollt Ihr sagen! Es ist Kaladi, mein früherer Diener, der beste Taucher im ganzen Bereich dieser langweiligen Insel, was aber der brave Mudellier, der ihn verurteilt hat, nicht zu wissen scheint."
„Der Mann war Euer Diener? Darum kennt er Euern Pfiff?"
„So ist’s. Er muss übrigens etwas verteufelt Schlimmes begangen haben, denn diese Bezirksverwalter lassen jeden Eingeborenen durchschlüpfen, wenn es nur irgend möglich ist; sie sind ja selbst ausschließlich Singhalesen. Seht, die gebundenen Arme hindern ihn nicht im Geringsten, weil er auf dem Rücken schwimmt. Er kommt gerade auf den Leuchtturm zu."
Der sonst so wortkarge Mann war mit einem Mal außerordentlich lebendig geworden. Er verfolgte jede Bewegung des Schwimmenden mit Spannung, focht mit den Händen hin und her, als könnte er ihm dadurch behilflich sein, und machte mir dabei die notwendig scheinenden Erklärungen.
„Wie er stößt, wie schnell er vorwärts kommt! Er wird vom Volk verfolgt, der Teufel hol’s! Aber ehe die Soldaten den Umweg von der Klippe nach dem Leuchtturm gemacht haben, ist er längst hier. Ich kenne ihn. Wir sind im vorigen Frühjahr miteinander über den Kalina-Ganga, über den Kalu-Ganga und sogar über den reißenden, hoch angeschwollenen Mahavelli geschwommen."
„Was war er denn, bevor er in Eure Dienste trat?"
„Er war der geschickteste Perlfischer auf den Bänken von Negombo und ist nur mir zuliebe mit ins Innere des Landes gegangen. Ich erkannte ihn gleich und werde ihn retten."
„Auf welche Weise? Wenn er wirklich ein schweres Verbrechen begangen hat, wird das unmöglich sein."
„Unmöglich? Ihr kennt dieses verrückte Land und dieses noch viel verrücktere Volk nicht, Charley. Ich bin Sir John Raffley aus Raffley-Castle in Altengland und will den Mudellier sehen, der es wagt, mit mir zu rechten! Da, jetzt hat er das Ufer erreicht. Es ist ein Glück, dass kein Haifisch mehr in der Nähe war, sonst hätte er wegen der gefesselten Arme einen schweren Stand gehabt. Kommt, Charley, wir gehen ihm entgegen! Er hat mich erkannt und kommt herbeigelaufen."
Es war so. Kaladi war an Land gestiegen und kam zu der Plattform, auf der sich die schlanke Säule des eisernen Turmes erhob, eiligen Laufs heraufgesprungen. Wir stiegen schnell die Treppe hinab und stießen unten an der Tür mit ihm zusammen.
„Wischnu segne Euch, Sahib, grüßte er atemlos. „Ich war dem Tod nahe. Sie wollten mir noch die Beine fesseln und die Augen verbinden. Ihr aber seid ein Radscha, ein Herr, ein Maharadscha, ein großer und gewaltiger Herr, und werdet Kaladi, Euern treuen Diener, retten.
„Well, das werde ich tun, antwortete Raffley, indem er sein Messer hervorzog und die Baststricke, mit denen der Singhalese gebunden war, durchschnitt. „Was hast du verbrochen?
„O nichts, Sahib, fast gar nichts. Mein Kris war scharf und spitz und ist einem ein wenig zu tief ins Herz
