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Bianca Extra Band 36
Bianca Extra Band 36
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eBook675 Seiten8 StundenBianca Extra

Bianca Extra Band 36

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Über dieses E-Book

GIB MEINER SEHNSUCHT EIN ZUHAUSE von CARSON, CARO
Kristen hat ihren Mr. Perfect gefunden! Ryan wird sie für immer glücklich machen, sobald er von seinem letzten Rodeo zurückkehrt. Doch ihr Herzenscowboy lässt sich Zeit. Und als er endlich wieder da ist, fragt Kristen sich, ob er wirklich perfekt ist - oder ein schamloser Lügner …

FÜNF JAHRE UND EINE NACHT von RIMMER, CHRISTINE
Liebe - daran glaubt Carter Bravo keine Sekunde. An Freundschaft dagegen schon, und weil er heiraten möchte, macht er seiner besten Freundin Paige einen Antrag. Bei ihr ist er vor romantischen Überraschungen sicher! Bis er sie das erste Mal küsst und plötzlich die Erde bebt …

DER GOLDENE RING DES FREMDEN von JEFFRIES, CHRISTY
Wie kommt der Ehering an meinen Finger? Schlagartig ist Kylie hellwach. Schlimmer noch: Der Fremde neben ihr im Bett trägt den gleichen Ring! Sie kann sich an nichts erinnern. Eigentlich wirklich schade, denn sie hat zu einem sehr attraktiven Mann Ja gesagt …

MAMI UND DER MILLIONÄR von SOUTHWICK, TERESA
Maggie hat eine kleine Tochter, eine Pension, um die sie sich kümmert - und ein Herz, das sie schützen muss. Dass der umschwärmte Millionär Sloan Holden ausgerechnet mit ihr flirtet, passt da so gar nicht! Als Witwe weiß sie, was es heißt, für immer verlassen zu werden …

SpracheDeutsch
HerausgeberCORA Verlag
Erscheinungsdatum27. Sept. 2016
ISBN9783733732646
Bianca Extra Band 36
Autor

Teresa Southwick

Teresa Southwick hat mehr als 40 Liebesromane geschrieben. Wie beliebt ihre Bücher sind, lässt sich an der Liste ihrer Auszeichnungen ablesen. So war sie z.B. zwei Mal für den Romantic Times Reviewer’s Choice Award nominiert, bevor sie ihn 2006 mit ihrem Titel „In Good Company“ gewann. 2003 war die Autorin bereits für zwei prestigeträchtige Preise nominiert: für den „Romantic Times Career Achievement Award“, einem Preis der für das Gesamtwerk eines Autors vergeben wird, und für den RITA-Award, der höchstmöglichen Auszeichnung für Liebesromane. Teresa Southwick wurde in Südkalifornien geboren. Sie lebte viele Jahre in Texas, bevor sie mit ihrem Mann und den beiden Söhnen nach Las Vegas umzog.

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    Buchvorschau

    Bianca Extra Band 36 - Teresa Southwick

    Caro Carson, Christine Rimmer, Christy Jeffries, Teresa Southwick

    BIANCA EXTRA BAND 36

    IMPRESSUM

    BIANCA EXTRA erscheint in der HarperCollins Germany GmbH

    © Deutsche Erstausgabe in der Reihe BIANCA EXTRA

    Band 36 - 2016 by HarperCollins Germany GmbH, Hamburg

    © 2015 by Caro Carson

    Originaltitel: „The Maverick’s Holiday Masquerade"

    erschienen bei: Harlequin Enterprises Ltd., Toronto

    in der Reihe: SPECIAL EDITION

    Published by arrangement with HARLEQUIN ENTERPRISES II B.V./S.àr.l.

    Übersetzung: Patrick Hansen

    © 2015 by Christine Rimmer

    Originaltitel: „Carter Bravo’s Christmas Bride"

    erschienen bei: Harlequin Enterprises Ltd., Toronto

    in der Reihe: SPECIAL EDITION

    Published by arrangement with HARLEQUIN ENTERPRISES II B.V./S.àr.l.

    Übersetzung: Anna-Pia Kerber

    © 2016 by Christy Jeffries

    Originaltitel: „Waking Up Wed"

    erschienen bei: Harlequin Enterprises Ltd., Toronto

    in der Reihe: SPECIAL EDITION

    Published by arrangement with HARLEQUIN ENTERPRISES II B.V./S.àr.l.

    Übersetzung: Stefanie Rose

    © 2016 by Teresa Southwick

    Originaltitel: „The Widow’s Bachelor Bargain"

    erschienen bei: Harlequin Enterprises Ltd., Toronto

    in der Reihe: SPECIAL EDITION

    Published by arrangement with HARLEQUIN ENTERPRISES II B.V./S.àr.l.

    Übersetzung: Rainer Nolden

    Abbildungen: Peter Zelei / Getty Images, alle Rechte vorbehalten

    Veröffentlicht im ePub Format in 09/2016 – die elektronische Ausgabe stimmt mit der Printversion überein.

    E-Book-Produktion: GGP Media GmbH, Pößneck

    ISBN 9783733732646

    Alle Rechte, einschließlich das des vollständigen oder auszugsweisen Nachdrucks in jeglicher Form, sind vorbehalten.

    CORA-Romane dürfen nicht verliehen oder zum gewerbsmäßigen Umtausch verwendet werden. Sämtliche Personen dieser Ausgabe sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen sind rein zufällig.

    Weitere Roman-Reihen im CORA Verlag:

    BACCARA, JULIA, ROMANA, HISTORICAL, MYSTERY, TIFFANY

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    CARO CARSON

    Gib meiner Sehnsucht ein Zuhause

    Kristen hält ihn für einen Naturburschen aus der Kleinstadt. Dabei ist Ryan ein Promi-Rechtsanwalt aus Los Angeles! Und je länger er zögert, desto schwerer wird es, seiner Traumfrau die Wahrheit zu sagen …

    CHRISTINE RIMMER

    Fünf Jahre und eine Nacht

    Seit fünf Jahren arbeiten sie zusammen, und so lange ist Paige in Carter verliebt. Nie darf er das erfahren, denn Liebe macht ihm Angst! Doch ihr Geheimnis gerät in Gefahr, als er sich mit ihr verloben will …

    CHRISTY JEFFRIES

    Der goldene Ring des Fremden

    Drew hat zwei kleine Probleme: erstens seine wilden Neffen, um die er sich kümmern muss. Und zweitens, dass er nach einer verrückten Party plötzlich verheiratet ist – mit der schönsten Frau von Sugar Falls …

    TERESA SOUTHWICK

    Mami und der Millionär

    Als er ein Zimmer bei einer Witwe mietet, vermutet Sloan nicht im Traum eine attraktive junge Mutter dahinter! Noch dazu eine, die in dem Junggesellen die neue Sehnsucht nach einer eigenen Familie weckt …

    Gib meiner Sehnsucht ein Zuhause

    1. KAPITEL

    4. Juli

    „Siehst du sie?"

    Kristen Dalton hielt sich die Hand schützend über die Augen, aber die Hochzeitskutsche war nicht in Sicht. „Tut mir leid, Schwesterherz. Noch keine Spur von Braut und Bräutigam."

    „Ich bin ja so gespannt auf ihr Hochzeitskleid. Die ganze Stadt redet davon. Bisher habe ich alles von Country Casual bis zum verrückten Kardashian-Style gehört."

    Nichts war unmöglich. Obwohl Kristen und ihre Schwester in einer kleinen, von Ranches umgebenen Stadt am nördlichen Rand von Montana lebten, konnte heutzutage ein Abendkleid aus der Glitzerwelt Hollywoods über Nacht geliefert werden. Seit Wochen hörte Kristen sich geduldig an, wie ihre Zwillingsschwester Kayla sich über das Für und Wider jedes einzelnen Looks ausließ. Heute war der 4. Juli, aber ihre Schwester war so aufgeregt wie ein Kind am Weihnachtsmorgen.

    Kristen reichte Kayla ihren Pappbecher, stieg auf den Holzzaun vom angrenzenden Stadtpark und streckte die Hände nach beiden Bechern aus. „Komm, setz dich zu mir. Es könnte noch eine Weile dauern. Vor der Kirche müssen mindestens eine Million Traubs fotografiert werden."

    Kayla nahm neben ihr Platz. „Was für ein schöner Tag für eine Hochzeit."

    Kristen fand es etwas zu warm. Fast dreißig Grad. Sie gab Kayla ihren Becher zurück und trank einen großen Schluck von der eiskalten Hochzeitsbowle.

    Zum Glück trugen sie leichte Sommerkleider.

    Kaylas Kleid war geblümt mit zarten Spaghettiträgern, und sie hatte die Ohrringe ihrer Großmutter angelegt. Die schimmernden, filigranen Tropfen kamen voll zur Geltung, weil Kayla das Haar meistens hochgesteckt hatte. An Kristen wären sie nicht zu sehen, weil sie das Haar fast immer offen trug. Es war lang und – okay, ich geb’s zu Mom – wehte ihr immer wieder ins Gesicht. Ihre Mutter hatte schon früh aufgegeben und nicht mehr versucht, ihr eine ordentliche Frisur zu verpassen.

    Kristen trug gern blaue Sachen, weil sie ihre Augenfarbe betonten. In ihrem Denim-Trägerkleid fühlte sie sich weder süß noch sexy, sondern genau dazwischen. Statt Sandaletten trug sie dazu ihre Westernstiefel, nicht die festen, eingetragenen, in denen sie auf der Familienranch arbeitete, sondern die mit den handgearbeiteten Spiralen im Leder. Die zog sie auch zum Twostepp, Walzer und Squaredance an. Tanzen wollte sie heute unbedingt, vor, während und nach dem Feuerwerk.

    Jetzt brauchte sie nur noch den richtigen Cowboy dafür.

    Schön wär’s …

    … wenn es in Rust Creek Falls einen Cowboy gäbe, den sie noch nicht kannte – und von dem sie nicht bereits wusste, dass er nicht ihr Typ war.

    „Ich finde es toll, dass Braden und Jennifer in einer Kutsche kommen, sagte ihre Schwester. „Nur sie beide, zum ersten Mal als Mr. und Mrs. Traub, am Beginn ihrer Reise durchs Leben, bildlich gesprochen …

    „Und kurz. Kristen stieß ihre Schwester mit der Schulter an. „Die Kirche ist nur zwei Blocks entfernt. Und wir sind hier und können Hallo sagen, während wir in Wirklichkeit das neueste Outfit von Mrs. Traub begutachten.

    Kayla warf ihr einen Blick zu. „Es wird erwartet, dass man das Brautkleid bewundert."

    „Ich weiß. Das Warten lohnt sich ganz bestimmt."

    „Wie immer bei den besten Dingen im Leben." Kayla klang, als wäre sie fest davon überzeugt.

    Kristen stieß mit den Stiefelabsätzen gegen die untere Zaunplanke, trank die Bowle aus und hob das Haar an, um den Nacken zu kühlen. „Ich hoffe, die Kutsche sieht spektakulär aus."

    „Ich habe gehört, dass Sutter Traub zwei echte Schimmel aufgetrieben hat, und die zweisitzige Kutsche haben sie von einer Farm südlich von Kalispell geholt. Paige und Lindsay haben Unmengen weißes Band gekauft und die ganze Woche Schleifen gebunden."

    „Wow. Kristen war beeindruckt, was ihre Schwester alles wusste. Sie selbst hatte nur gehört, dass das Brautpaar in einer Kutsche von der Kirche zum Park fahren würde. „Du hast schlimmeres Hochzeitsfieber als alle anderen, und da die ganze Stadt zum Empfang kommt, will das schon etwas heißen.

    Kristen hörte auf, mit den Absätzen gegen den Zaun zu trommeln. Das dumpfe Geräusch konnte selbst einem eineiigen Zwilling, der Kristens rastloses Wesen besser als jeder andere verstand, irgendwann auf die Nerven gehen.

    Erwartungsvoll blinzelten die Schwestern die Buckskin Road entlang, von der Julisonne geblendet, vorbei an ihrer alten Highschool. Dort war schon früher jedes Kind in Rust Creek Falls zur Schule gegangen, und so war es noch immer. In einer Kleinstadt änderten sich manche Dinge nie, und das war Kristen ganz recht.

    Sie hatte an der Universität von Montana studiert, einen Abschluss in Theaterwissenschaft gemacht und einen Sommer als unbezahlte Praktikantin in New York City verbracht, aber hier fühlte sie sich am wohlsten. Großstädte waren eine interessante Abwechslung, aber Rust Creek Falls unter dem endlosen Himmel von Montana war ihre Heimat und würde es immer bleiben.

    Kleinstadt bedeutete nicht Langeweile. Die Dinge waren immer im Wandel. Im Rathaus ging es manchmal so hoch her, dass die große Politik in Washington dagegen friedlich wirkte. Trotzdem hatten alle Einwohner mit angepackt, um den Teil der Stadt wieder aufzubauen, der vor einigen Jahren einer Flut zum Opfer gefallen war. Old Bledsoe’s Folly, eine verlassene kleine Siedlung in den Bergen, war jetzt ein schickes Resort, und demnächst sollte dort die erste Skipiste angelegt werden.

    Aber am spannendsten waren die Menschen von Rust Creek Falls. Vielleicht lag es am endlosen Himmel von Montana, dass viele, die beim Wiederaufbau geholfen hatten, hiergeblieben waren. Kristen schaute nach oben und suchte nach Flugzeugen – einem ganz bestimmten Flugzeug, um genau zu sein.

    Das hatte sie sich angewöhnt, weil sie geglaubt hatte, dass ihre wahre Liebe vom Himmel zu ihr herabgeschwebt war. Leider hatte der attraktive Verkehrspilot einer Regionalfluglinie sich als Herzensbrecher der übelsten Sorte erwiesen. Wie ein Matrose mit einem Mädchen in jedem Hafen hatte er in jeder Stadt, die er anflog, eine Freundin gehabt. Kristen konnte noch immer nicht fassen, dass sie auf diesen Kerl hereingefallen war.

    Ihre Schwester stieß sie wieder an. „Fliegt er an den Wochenenden jetzt Kalispell an?"

    Typisch Kayla. Ihr entging nichts. Nicht mal ein Blick zum Himmel.

    Kristen rümpfte die Nase. „Ist mir doch egal, wo der Mistkerl landet und was er dort tut. Wie konnte ich nur so dämlich sein?"

    „Oder bei wem er landet."

    „Du solltest Schriftstellerin werden. Kristen trommelte weiter gegen das Geländer. „Soll er doch belügen, wen er will, mich jedenfalls nicht mehr. ‚Ich wünschte, ich könnte noch bleiben. Leider kann ich dich ein paar Tage lang nicht anrufen. Du weißt, dass ich viel lieber bei dir wäre, aber dieser Job lässt mir einfach nicht genug Zeit.‘ Ich war so gutgläubig. Unfassbar, dass ich ihn nicht durchschaut habe.

    „Du warst verliebt."

    „Aber jetzt bin ich es nicht mehr. Sie warf das Haar über die Schulter. „Ich will tanzen und mit einem oder zwei gut aussehenden Fremden flirten, aber verlieben werde ich mich nicht.

    „Nie wieder?"

    „Für sehr lange Zeit nicht. Ganz bestimmt nicht heute."

    Kayla sagte nichts.

    Erst nach einem Moment merkte Kristen, dass ihre Schwester sie anstarrte. Ruckartig drehte sie sich zu ihr um. „Was ist denn?"

    „Du solltest das Schicksal nicht herausfordern."

    „Hör auf. Ich bekomme eine Gänsehaut. Kristen sprang vom Zaun. Obwohl er nicht hoch war, stolperte sie und wäre fast hingefallen. Normalerweise war sie so beweglich wie eine Katze, und dass sie das Gleichgewicht verlor, kam ihr … komisch vor? Ja, es war komisch. Sie lachte unbeschwert. „Du bleibst hier und hältst nach der Kutsche Ausschau. Ich hole uns noch mehr Bowle. Gib mir deinen Becher.

    Als Kayla ihr den Becher reichte, rutschte sie vom Zaun und fiel gegen Kristen. Sie brachen beide in fröhliches Kichern aus, einfach so.

    „Was glaubst du, was in der Bowle ist?, fragte Kristen. „Wir hatten doch nur einen Becher.

    „Keine Ahnung, aber bleib bei mir. Sieh einfach die Straße entlang und warte darauf, dass dir die Liebe deines Lebens über den Weg läuft."

    Ryan Roarke parkte seinen roten Porsche zwischen zwei großen, staubigen Pick-ups. Der schnelle Sportwagen passte nach Los Angeles, aber nicht hierher. Ryan war nach Montana gekommen, um Los Angeles für eine Weile hinter sich zu lassen. Als er seine Assistentin gebeten hatte, ihm am Glacier Park Airport einen luxuriösen Mietwagen zu reservieren, hatte er mit dem üblichen Geländewagen gerechnet, einem Land Rover oder Audi mit Skiträgern. So einen fuhr er immer, wenn er seinen Bruder in Thunder Canyon besuchte, dem noblen Skiort in einem anderen Teil Montanas.

    Aber sie hatten Juli, die Straßen waren frei, und die Angestellte am Schalter hatte ihm freudestrahlend die Schlüssel für den Porsche überreicht. Obwohl er viel lieber die Stirn gerunzelt und einen anderen Wagen verlangt hätte, hatte er sich ein dankbares Lächeln abgerungen.

    Jetzt zog er eine Grimasse. Der schicke Wagen war hier so fehl am Platz, dass man Ryan vermutlich für einen Mann in der Midlife-Crisis hielt. Er stellte den Motor ab, stieg aus und kam sich neben dem flachen Gefährt wie ein Riese vor. Die missbilligenden Blicke einiger Cowboys erwiderte er ebenso abweisend.

    Ryan wusste, wozu eine Midlife-Crisis führte – zu viele seiner Anwaltskollegen verjubelten das Erbe ihrer Kinder für teure Sportwagen, um die Mutter der Kinder durch ein Starlet nach dem anderen zu ersetzen. Er hatte keine Ahnung, wie sich eine Midlife-Crisis anfühlte. Er war erst dreiunddreißig und überzeugter Junggeselle. Er versuchte nicht, auf Frauen wohlhabender, einflussreicher oder attraktiver zu wirken, als er war.

    Ryan arbeitete in einer renommierten Anwaltskanzlei in Los Angeles, die in zweiter Generation erfolgreich war. Er besaß bereits Sportwagen, die unvermeidliche Rolex und die dazugehörigen Maßanzüge. Selbst im Gerichtssaal war eine athletische Figur vorteilhaft, deshalb hielt er sich in Form, indem er mit Personal Trainers boxte und an exklusiven Stränden surfte. Und was junge blonde Starlets anging, so fanden sie ihn auch attraktiv, ohne dass er sich anstrengen musste.

    Nein, er hatte definitiv keine Midlife-Crisis.

    Warum stehe ich dann hier herum, in der kleinsten aller Kleinstädte, mitten auf dem Land, über tausend Meilen von zu Hause entfernt?

    Eigentlich sollte er auf einer Jacht sitzen, mit anderen Millionären Mojitos trinken und darauf warten, dass die Sonne im Pazifik versank und ein sündhaft teures Feuerwerk begann, das einem Hollywoodfilm zur Ehre gereicht hätte. Eine Cheerleaderin der Lakers war besonders enttäuscht, dass er seine Pläne geändert hatte. Aber die Gerichte hatten wegen des Feiertags schon am Freitag geschlossen, und seit zwei Jahren nutzte Ryan fast jedes verlängerte freie Wochenende, um nach Montana zu fliegen.

    Zum ersten Mal war er wegen seines Bruders nach Big Sky Country gekommen. Shane Roarke war ein prominenter Sternekoch, ein Mann, dem aufgrund seiner dynamischen Persönlichkeit und seiner kulinarischen Fähigkeiten die Welt offenstand. Shane hatte überall auf der Welt Restaurants eröffnet, aber leben wollte er nur in Montana.

    Wie Ryan war auch Shane adoptiert worden. Shane hatte seine Familie in Thunder Canyon gefunden. Zwei Halbbrüder, dreizehn Cousins und Cousinen – und die Liebe seines Lebens. Sie hatte vor seinen Augen in seinem Restaurant im Resort von Thunder Canyon gearbeitet.

    Das würde Ryan nicht passieren, weder in Montana noch sonst irgendwo. Im Unterschied zu Shane war Ryan nicht gleich nach der Geburt adoptiert worden, sondern erst mit fast vier Jahren, zu jung, um viele Erinnerungen an seine Mutter zu haben, aber alt genug, um noch ein oder zwei bleibende Bilder und Eindrücke im Kopf zu haben.

    Gefühle.

    Und den einen klaren Moment, in dem seine Mutter ihn für immer verlassen hatte.

    Er liebte nur eine Familie: die Roarkes. Seine Adoptiveltern Christa und Gavin Roarke, seinen Bruder Shane und seine jüngere Schwester Maggie.

    Maggie lebte hier in Rust Creek Falls, etwa 300 Meilen nördlich von Thunder Canyon. Sie war jetzt verheiratet und hatte vor drei Monaten ihr erstes Baby bekommen.

    Anders als Thanksgiving oder Weihnachten war der 4. Juli kein großes Familienfest. Wegen des dichten Verkehrs auf der Fahrt zum Flughafen von L. A., der Sicherheitskontrollen und des Umsteigens auf dem 1000-Meilen-Flug war die Reise für Ryan kein Wochenendtrip. Niemand konnte verlangen, dass man neun oder zehn Stunden unterwegs war, um einen einzigen Tag im Juli bei der Familie zu verbringen. Aber Maggie hatte am Telefon erwähnt, dass die ganze Stadt die Hochzeit eines ihm flüchtig bekannten Paars feiern wollte. Deshalb hatte er einen Flug gebucht.

    Ein anderes Gefühl, ein anderer Impuls: Eine Hochzeit in Rust Creek Falls? Ich sollte dabei sein.

    Er folgte einer spontanen Eingebung. Benahm er sich damit ebenso schlimm wie die Anwälte, die tatsächlich in einer Midlife-Crisis steckten?

    Maggie hatte ihm erzählt, dass die beiden in der Kirche heirateten, ganz feierlich mit fünf Brautjungfern und Männern im Smoking. Daher trug Ryan Anzug und Krawatte. Natürlich besaß er einige Smokings, aber da die Hochzeit am Nachmittag stattfand und er einer von vielen Gästen war, wäre er im Smoking wohl overdressed gewesen.

    Auf dem Weg vom Parkplatz nickten ihm einige Einheimische neugierig, aber höflich zu, und er grüßte zurück. Mit dem Smoking hatte er recht gehabt, aber selbst im Anzug war er offenbar zu gut angezogen. Der Hochzeitsempfang war zugleich das Barbecue der Stadt zum 4. Juli, und er kam sich auf der großen Rasenfläche inmitten von Cowboys in Jeans und Cowgirls in Sommerkleidern reichlich deplatziert vor.

    Er blieb in der Nähe der Bühne und der hölzernen Tanzfläche stehen. Das Brautpaar war noch nicht eingetroffen, aber die Band spielte sich bereits warm, und es gab Drinks. Ein älterer Mann kam auf ihn zu und reichte ihm einen Pappbecher mit Hochzeitsbowle. Ryan bedankte sich belustigt. Offenbar sah er aus, als würde er einen Drink brauchen, so allein zwischen all den fröhlich feiernden Menschen.

    Er war allein, aber nur, weil Maggie und ihr Mann noch zu Hause darauf warteten, dass ihr Baby endlich einschlief und sie rechtzeitig zum Feuerwerk in den Park kommen konnten. Dass er allein war, bedeutete aber nicht, dass er sich einsam fühlte. Ryan trank einen Schluck und wünschte, er hätte es nicht getan. Es war ein schrecklich süßes Gebräu aus Fruchtsaft und Sekt, das er unter normalen Umständen niemals getrunken hätte. Er konnte das Zeug nicht einfach ins Gras kippen, denn das hier war eine Kleinstadt, und wenn er Pech hatte, stand er in Sichtweite der Großmutter oder jungen Lady, die die Bowle zubereitet hatte. Er wollte ihr nicht das Herz brechen.

    Wenn es etwas gab, was Ryan auf keinen Fall sein wollte, war es ein Herzensbrecher. Bestimmt ärgerte sich sein Laker Girl über ein ausgefallenes Wochenende auf der Jacht, aber sie würde es verschmerzen. Wie alle seine bisherigen Gespielinnen. In L. A. fand er oberflächliche, schmerzlose Beziehungen ideal, hier hingegen kamen sie ihm vor wie … zu wenig.

    Er trank den Becher aus. Auf dem Weg zum Müllcontainer ging er am Tisch mit der Bowle vorbei und wurde von drei reizenden Großmüttern angesprochen.

    „Oh, Sie haben sich aber hübsch gemacht."

    „Warten Sie auf jemanden? Ein attraktiver junger Mann wie Sie kommt doch bestimmt nicht allein zu einer Hochzeit."

    „Wir haben um die dreißig Grad. Ich wette, Sie schwitzen in Ihrem Anzug, auch wenn Sie darin wirklich sehr schick aussehen."

    Er war nicht überhitzt. In Los Angeles herrschten manchmal fast 40 Grad, und er trug trotzdem einen Anzug, wenn er von der Kanzlei ins Gericht und zurück fuhr. Um ihn ins Schwitzen zu bringen, brauchte es mehr als ein Thermometer. Trotzdem war er ihnen für ihre mütterliche Besorgnis dankbar. Die Frauen hatten unzählige Lachfalten im Gesicht und blitzende blaue Augen. Sie erinnerten ihn unwillkürlich an liebenswerte Figuren aus Grimms Märchen.

    „Kommen Sie, mein Junge, ich fülle Ihren Becher wieder auf." Sie hob die Kelle.

    Er winkte ab. „Nein danke."

    Alle drei Frauen hielten abrupt inne und musterten ihn mit zusammengekniffenen Augen. Wo waren die Märchengestalten geblieben?

    „Seien Sie nicht albern. Der Tag ist heiß, und die Bowle ist kalt."

    Das hier war Montana, das Land der Grizzlybären und Großmütter. Im Moment gab es zwischen ihnen keinen großen Unterschied. Wenn man einem Bären gegenüberstand, reizte man ihn nicht. Ryan rang sich ein Lächeln ab und ließ schicksalsergeben zu, dass sie seinen Becher auffüllten.

    „Vielen Dank." Er prostete ihnen zu, trank einen großen Schluck, um sie glücklich zu machen, und ging weiter.

    Aber wohin? Hatte er ein Ziel?

    Natürlich, der Müllcontainer. Sonst gab es nichts, sonst hatte er niemanden.

    Plötzlich verschwamm seine Umgebung, und er sah Sterne, als hätte er im Boxring einen Volltreffer abbekommen. Ein technischer Knock-out. Er tastete nach dem Zaun und hielt sich daran fest. Das Holz fühlte sich rau an. Nein, er war nicht betrunken, nicht von einem Becher Sekt mit Saft. Trotzdem fühlte er sich …

    Nutzlos.

    Maggie war mit ihrem Mann zusammen, Shane mit seiner Frau. Selbst seine Eltern lebten in Kalifornien noch immer zusammen. Die beiden planten ihren Ruhestand, wollten endlich viel reisen und freuten sich auf die gemeinsame Zeit als Christa und Gavin, nachdem sie jahrzehntelang nur Mom und Dad gewesen waren.

    Einsam.

    Er war 1000 Meilen gereist. Und wozu? Um ein Fremder in einem fremden Land zu sein? Er sah sich um, ohne den Zaun loszulassen. Überall hatte jeder jemanden. Kinder hatten Großeltern. Ehemänner hatten Ehefrauen. Teenager hatten einander. Die Mädchen spielten mit ihrem Haar, tuschelten und redeten und sahen die Jungen an. Die Jungen gaben sich so männlich wie möglich, standen mit verschränkten Armen da oder probierten den wiegenden Gang der Cowboys, aber immer in Gruppen.

    In dieser Stadt gab es keine Außenseiter und keine Einzelgänger. Das erste Mal war Ryan hier gewesen, nachdem die Flut die südliche Hälfte der Stadt zerstört hatte. Seine Schwester hatte den Betroffenen geholfen, ihre Ansprüche bei den Versicherungen geltend zu machen. Maggie war so fleißig gewesen, dass sie keinen zweiten Rechtsanwalt gebraucht hatten. Also hatte er sich Arbeitshandschuhe geschnappt, statt seines juristischen Verstandes seine Muskeln eingesetzt und beim Aufräumen geholfen.

    Ohne viele Worte schloss er sich einem Trupp von Männern und Frauen an und warf einen Backstein, ein Holzbrett, einen Fensterrahmen nach dem anderen in den Container. An einem einzigen Tag beseitigten sie die Trümmer eines ganzen Hauses, um Platz für ein neues Haus und einen neuen Traum zu schaffen. Danach nickten sie einander freundlich zu und gingen ihrer Wege, um zu essen, sich auszuruhen und am Tag darauf wieder zum Einsatz zu erscheinen. Noch nie hatte Ryan sich so sehr als Teil einer Gemeinschaft gefühlt.

    Jetzt starrte er auf den Zaun unter seiner Hand. Auch deshalb kam er immer wieder her. Einen Tag lang hatte er einfach dazugehört. Niemanden hatte interessiert, in welcher Kanzlei er als Anwalt arbeitete, was für ein Haus in welchem Teil von L. A. er sich leisten konnte oder welche wohlhabenden Mandanten ihn übers Wochenende auf ihre Jacht einluden. Er war nicht weiter aufgefallen. Kein Mensch hatte aufdringliche Fragen gestellt, und es hatte ihm gefallen.

    Aber jetzt brauchen sie mich nicht.

    Wie so oft wehrte er sich gegen die deprimierende Vorstellung, denn sie erinnerte ihn an den kleinen Jungen, dessen Mutter ihn nicht in ihrem Leben gewollt hatte. Er war kein verstoßenes Kind mehr. Er war ein Roarke, ein einflussreicher Anwalt aus einer einflussreichen Familie, und wenn er etwas wollte, bekam er es auch.

    Jetzt musste er nur noch wissen, was er wollte.

    Er holte tief Luft, packte die Zaunplanke fester und schaute auf seine Hand, bis der Nebel in seinem Kopf sich lichtete. Langsam hob er den Blick und konnte kaum glauben, was er gerade dachte. Die Idee, die ihm kam, nahm immer konkretere Formen an. Was, wenn er einen neuen Weg im Leben beschritt? Wenn er nicht nur für ein langes Wochenende nach Montana gekommen war? Konnte er hier leben? Würde er dazugehören oder immer nur am Rand einer engen Gemeinschaft bleiben?

    Sein inzwischen wieder klarer Blick folgte dem Zaun, bis er etwa dreißig Meter weiter zwei Frauen in blauen Sommerkleidern erfasste. Sie saßen auf der obersten Planke, mit dem Rücken zur Festgesellschaft. Die mit dem langen, offenen Haar warf den Kopf zurück und lachte über etwas, das die andere sagte. Obwohl sie am Rand der Wiese saß, war sie glücklich.

    Glücklich, weil sie nicht allein ist.

    Auch Shane und Maggie waren in Montana glücklich, weil sie nicht allein waren. Ehe und Kinder waren nichts für Ryan. Er bezweifelte, dass er einen guten Ehemann und Vater abgeben würde, und verspürte auch nicht gerade den brennenden Wunsch, einer zu werden. Er ließ den Zaun los, kehrte zum Porsche zurück und lockerte unterwegs die Krawatte. Vielleicht suchte er hier etwas, aber Liebe war es nicht.

    Wenn er sein Leben so dramatisch änderte, wenn er aus L. A. in eine Kleinstadt zog, würde er es als unabhängiger, eigenständiger Mann tun. Und er musste ausprobieren, ob es ihm hier gefiel. Heute, nur heute, würde er so tun, als gehörte er hierher. Er würde Grillfleisch essen, mit einigen einheimischen Mädchen tanzen und entscheiden, ob es sich inmitten von Großfamilien und verbeulten Pick-ups besser lebte als in Villen und auf Jachten an der Küste Kaliforniens.

    Falls es so war, würde er aus der Kanzlei ausscheiden und für immer nach Montana umziehen.

    Und wenn sie mich jetzt, da sie mich nicht brauchen, nicht mögen?

    Er verdrängte den verunsichernden Gedanken und öffnete den Kofferraum, um seinen Koffer herauszuholen. Der Kofferraum beim Porsche war vorn, der Motor hinten, womit der Sportwagen auf dem staubigen Parkplatz so sehr auffiel wie sein Fahrer. Aber er konnte sich umziehen. Er hatte die Jeans, in denen er in Thunder Canyon Quad fuhr, und die Stiefel mit, in denen er nach der Flut geholfen hatte.

    Falls die Stadt ihn abweisend behandelte, wie jemanden, der nicht mehr gebraucht wurde, was sollte es? Er hatte schon Schlimmeres verkraftet und würde mit allem fertigwerden, was ihn hier erwartete.

    Ryan nahm die Rolex ab, legte sie in den Kofferraum und knallte die Klappe zu.

    2. KAPITEL

    „Jetzt dauert es nicht mehr lange. Die Band stimmt ihre Instrumente."

    Endlich. Der leichte Schwips von der kräftigen Bowle ließ langsam nach, und Kristen fühlte sich mehr als nüchtern. Ihre Stimmung war geradezu ernst, während sie es sich auf dem Zaun so bequem wie möglich machte.

    Sie musste ihr Leben wieder auf den richtigen Kurs bringen. Irgendetwas fehlte ihr. Sie war fünfundzwanzig, eine College-Absolventin mit einer Leidenschaft fürs Theater, aber sie verbrachte ihre Tage damit, zur Futtermittelhandlung zu fahren und noch immer auf der Ranch zu arbeiten, wie damals, als sie zur Junior High gegangen war. Nicht dass sie ihre Wurzel verlieren wollte, ihre Familie, die Ranch, diese Stadt, sie wollte nur mehr. Die Chance, ihre Theaterleidenschaft auszuleben. Und auch die echte Leidenschaft, mit jemandem, der ihr den Kopf verdrehte und ihr Herz eroberte, anstatt darauf herumzutrampeln.

    Vielleicht lag die schlechte Stimmung an dem Flugzeug am Himmel, das sie daran erinnerte, wie schwer ein guter Mann zu finden war. Vielleicht beneidete sie den Piloten, der eine Heimatbasis hatte, aber auch die Freiheit, zu fliegen und die Welt zu erkunden. Hätte ihr Pilot die Welt doch nur nicht mit anderen Frauen in anderen Städten erkundet …

    Sie war dabei, im Selbstmitleid zu ertrinken.

    Die Band begann mit dem ersten Song des Nachmittags. Kristen blickte über die Schulter zur leeren Tanzfläche hinüber. Wenn sonst niemand tanzte, würde sie eben damit anfangen. Wenn es etwas gab, das Kristen aus der Trübsal holte, war es eine Party.

    Dämliches Flugzeug.

    Die Hochzeitskutsche erschien am Ende des Blocks, weiße Schleifen flatterten, und die schneeweiße Mähne eines Pferdes wehte in der leichten Brise. Wäre Cinderella ein Cowgirl gewesen, wäre dies ihre gläserne Kutsche gewesen.

    „Wow."

    Als die Kutsche sich näherte, hatte Kristen auf einmal einen dicken Kloß im Hals und musste schlucken. Der Bräutigam, der wie sie in Rust Creek Falls geboren und aufgewachsen war, sah wie verwandelt aus. Brad Traub war kaum wiederzuerkennen. Im Smoking mit schwarzem Cowboyhut hielt er die Zügel locker in den Händen und ließ die Braut nicht aus dem Augen. Aber Kristen wusste, dass er das Gespann binnen Sekunden wieder unter Kontrolle hätte, wenn es durchging. Für seine Braut bestand nicht die geringste Gefahr.

    „Ich will, was die beiden haben", sagte ihre Schwester leise und andächtig.

    „Ich auch."

    Kristen legte den Kopf an Kaylas Schulter. Ihre Schwester war immer die Ernstere von ihnen gewesen, aber in diesem Moment war Kristen den Tränen nahe.

    Ich will einen Cowboy, der zuverlässig und stark ist, nur für mich Augen hat und mich liebt, bis der Tod uns scheidet.

    Sie liebte ihre Familie. Sie liebte ihre Heimatstadt. Und eines Tages, so schwor sie sich, würde sie einen Cowboy lieben, der ehrlich und aufrichtig war.

    Sie musste ihn nur noch finden.

    „Keine Großstadttypen mehr für mich, flüsterte Kristen. „Ich will einen echten Mann, sonst bleibe ich ewig Single.

    „Auf die wahre Liebe." Kayla hob ihren Becher.

    Kristen wusste, dass Kayla sie aufmuntern wollte, daher straffte sie sich und stieß mit ihr an. „Auf die wahre Liebe. Schade, dass wir keine Bowle mehr haben."

    Sie sprangen vom Zaun und folgten der wachsenden Menge in die Mitte des Parks. Als Braden die Kutsche anhielt, applaudierten alle, und einige Leute fragten belustigt, warum sie so lange gebraucht hatten. Die Braut raffte ihre Röcke, um von der hohen Sitzbank zu steigen.

    „Ich gehe auf die andere Seite, um mir ihr Kleid genauer anzusehen, okay?"

    „Viel Spaß", sagte Kristen, als Kayla davoneilte.

    Braden band die Zügel fest und zog die Bremse an, und zwei Cowboys hielten die Pferde, als er von der Kutsche sprang. Einer von ihnen war Sutter Traub, der Pferdeflüsterer der Stadt, und der andere war …

    Der Cowboy.

    Kristens Herz begann zu klopfen, und ihr stockte der Atem. Der Cowboy! Sie hatte ihn sich gewünscht, und jetzt war er hier, so kurz nach ihrem Schwur, dass sie es kaum glauben konnte.

    Er war real, ein Mann, den sie noch nie gesehen hatte, und beruhigte das Pferd, während Braden seiner Braut aus der Kutsche half. Der Cowboy – ihr Cowboy – war der attraktivste Mann, den sie je gesehen hatte. Groß, dunkles Haar, athletisch, aber das allein reichte nicht aus, um ihn treffend zu beschreiben, als er mit den anderen Männern sprach und zugleich das Pferd beruhigte. Der Cowboy strahlte eine Autorität aus, die bestimmt daher stammte, dass er ein Leben lang mit jeder Herausforderung fertiggeworden war, die Land und Vieh für ihn bereithielten.

    Kristen ließ den Blick von seinen Stiefeln und Jeans zum weißen Button-down-Hemd wandern. Er war für ein Picknick etwas zu elegant gekleidet, aber vermutlich war er in der Kirche gewesen. Die Ärmel waren aufgekrempelt, die Unterarme muskulös.

    Er war gebräunt, aber das waren die meisten Rancher, die im Freien arbeiteten. Sein fast pechschwarzes Haar war kurz, aber gewellt. Es musste herrlich sein, mit den Fingern hindurchzustreichen. Wenn er ihr gehörte, hätte sie das Recht, ihn zu berühren.

    Sie schaute von den breiten Schultern zu den kräftigen Händen, die das Zaumzeug hielten. Wenn er ihr gehörte, dürfte sie ihn überall berühren. Überall.

    Ihre Finger kribbelten.

    Er trug keinen Cowboyhut, aber das war nicht ungewöhnlich. Jeder zweite Cowboy trug in der Freizeit keinen. Viele Männer trügen Basecaps mit albernen Aufschriften, aber nicht ihr Cowboy. Das wäre nicht sein Stil. Er sah … nicht aus wie einer der Cowboys aus der Gegend.

    Weil er nicht von hier ist.

    Sonst wäre er Kristen längst aufgefallen.

    Wer bist du?

    Er schaute in ihre Richtung, als hätte er die Frage gehört. Über die Nase des Schimmels hinweg und zwischen den vielen Zuschauern hindurch trafen sich ihre Blicke.

    Die Menschen, das Picknick und die Party verschwammen. Kristen fühlte nichts als die Hitze in seinen dunkelbraunen Augen. Er musterte sie so gründlich, wie sie ihn betrachtet hatte. Sein Blick glitt über ihre nackten Schultern, den Ausschnitt ihres Trägerkleides bis zu den Stiefeln, und seine Lippen zuckten. Es entging ihr nicht, denn sie hatte keine Sekunde weggesehen. Sie war keine Mimose. Er zog eine Braue hoch. Mit einer lässigen Bewegung warf sie das Haar über die Schulter.

    Über die Menge hinweg lächelten sie einander an. Kristen wusste, dass sie beide zueinanderpassten. Das Lächeln sprach Bände.

    Ohne Vorwarnung warf das Pferd den Kopf hoch. Das Zaumzeug glitt ihm aus der Hand, und der Cowboy bekam einen Stoß gegen den Kiefer. Natürlich hatte er den Schimmel sofort wieder im Griff, aber als er Kristen ansah, zuckte sein Mundwinkel in der Andeutung eines verlegenen Lächelns.

    Kaum zu glauben. Ich habe gerade einen Cowboy dazu gebracht, die Kontrolle über ein Pferd zu verlieren.

    Zufrieden ging Kristen zum Pavillon und dem Tisch mit der Bowle. Es war höchste Zeit, zwei neue Becher zu holen und den Mann ihrer Träume kennenzulernen.

    Auf dem Weg zur Bühne mit dem Rest der Hochzeitsgesellschaft rieb sich Ryan den Kiefer.

    Das Pferd hatte ihn so hart getroffen wie der beste Boxer, mit dem er je im Ring gestanden hatte. Ryan war froh, dass er an solche Treffer gewöhnt war. Nur deshalb hatte er es geschafft, auf den Beinen zu bleiben und sich nicht vor der hinreißenden Frau zu blamieren, die ihn abgelenkt hatte. Jedenfalls hoffte er das. Sie war in der Menge verschwunden.

    Dies war eine kleine Stadt. Er würde sie wiederfinden.

    Der Bandleader beugte sich zum Mikrofon. „Ladies and Gentlemen, ich bitte Sie um ihre Aufmerksamkeit für den Bürgermeister von Rust Creek Falls, Collin Traub."

    Noch ein Traub. War jeder in der Stadt mit dem Brautpaar verwandt? Und mit Ryans Bruder?

    Ein Mann in Ryans Alter betrat unter Applaus die Bühne. Ryan starrte auf die Hinterköpfe vor ihm, noch immer auf der Suche nach dem langen Haar einer ganz bestimmten Frau.

    Nach einem Moment schaute der Anwalt in ihm wieder zur Bühne hinauf. Falls er ernsthaft vorhatte, in diesen Ort zu ziehen, sollte er den Bürgermeister genauer unter die Lupe nehmen. In einer Stadt, die unflexible oder unfähige Leute wählte, würde er nicht erfolgreich arbeiten können. Der Bürgermeister gehörte zur Hochzeitsgesellschaft und trug einen Smoking, natürlich nicht mit Fliege, sondern mit Westernkrawatte. Die Männer hier blieben selbst in förmlichem Outfit immer Cowboys. Die Ansprach des Bürgermeisters war sachlich, freundlich und zum Glück kurz.

    Denn Ryan konnte sich auf nichts anderes konzentrieren als darauf, wie er die Frau wiedersehen konnte. Ihr Haar hatte im Sonnenlicht geschimmert wie ein Heiligenschein, und jetzt suchte er nach einem Braunton mit Elementen von Gold, Karamell oder Honig oder etwas Köstlichem aus der Küche seines Bruders.

    Unglaublich. Er wurde poetisch. In seiner Fantasie sah er, wie er die Hände in ihrem vollen Haar vergrub und sie vom Kissen aus zu ihm aufblickte, ihre Freude ein Teil seiner …

    Reiß dich zusammen, Ryan.

    Er musste damit aufhören. Dieser Tag wurde immer seltsamer. Lag es am Stress der Reise oder an dem Anblick eines glücklichen Brautpaars? Er wusste es nicht. Vielleicht war die saubere Luft in dieser Höhe daran schuld, oder die verdammt starke Hochzeitsbowle.

    Der Bürgermeister rief das junge Ehepaar auf die Bühne, um auf ihr Wohl zu trinken. Ryan sah die drei märchenhaften Großmütter auf ihn zukommen, mit Tabletts voller Becher, auf der Suche nach jemandem, der noch keinen hatte, um anzustoßen.

    Auf gar keinen Fall. Ryan Roarke, Rechtsanwalt, würde keine Bowle mehr trinken und von einer Nacht mit einem Cowgirl träumen, das er noch nicht mal kannte. Er drehte sich um und ließ die Bühne hinter sich.

    „Suchen Sie das hier? Ich glaube, Sie werden es brauchen."

    Abrupt blieb Ryan stehen. Vor ihm stand das Cowgirl. War er direkt auf sie zugegangen, oder hatte sie sich ihm in den Weg gestellt? Warum auch immer, sie war da, atemberaubend hübsch in Denim und Sonnenschein.

    Sie hielt ihm einen Becher hin und zeigte zur Bühne. „Zeit für den Toast auf das Brautpaar."

    Von ihr würde er die Bowle annehmen. Wahrscheinlich würde er Regenwasser aus einer Pfütze trinken, wenn er sie nur betrachten durfte. Sie erwiderte seinen Blick aus blauen Augen in einem herzförmigen Gesicht, eingerahmt von dem herrlichen Haar, das er unbedingt berühren wollte.

    „Ich bin Kristen", sagte sie lächelnd.

    „Ryan", erwiderte er und vergaß Montana und Hollywood, Bürgermeister und Anwaltskanzleien. Alles, woran er denken konnte, war diese Frau, die ihn in einem Park am 4. Juli anlächelte. Sie war jede einzelne der tausend Meilen wert, die er hierher zurückgelegt hatte.

    „Sie sind nicht von hier, oder?", fragte sie.

    „Nein, bin ich nicht. Verblüfft stellte er fest, dass er sich nicht anstrengen musste, um zu lächeln. „Aber ich hätte nichts dagegen.

    Der Trauzeuge beendete seinen Toast. „Auf Mr. und die neue Mrs. Braden Traub."

    Die Gäste jubelten und hoben ihre Becher. Ryan stieß mit Kristen an und betrachtete sie über den Rand hinweg, als sie auf das Glück des Brautpaars tranken.

    Die Band stimmte eine Country-Ballade für den ersten Tanz der beiden an, und die hübsche Kristen drehte sich zur Tanzfläche. Mit dem süßen Geschmack der Bowle auf der Zunge schaute Ryan in die Gesichter der Umstehenden und spürte, dass sie alle, ob alt oder jung, dem Paar nur das Beste wünschten. Wo blieb das Getuschel über einen Ehevertrag? Wo blieben die Wetten, dass die Ehe nicht länger halten würde als die vorherigen zwei der Braut oder die letzten drei des Bräutigams?

    Ryan sah der attraktiven Frau neben ihm ins Gesicht. Es war nicht nur äußerlich makellos, auch der Ausdruck darin war rein und so offen und ehrlich wie der aller anderen. Ungläubig rieb er sich den schmerzenden Kiefer und konnte kaum fassen, dass die ganze Stadt dem Paar ein Leben voller Glück wünschte. Wenn er hierher passen wollte, musste er viel von seiner Skepsis in L. A. zurücklassen.

    Der Song endete, und Kristen nahm den Rand ihres Bechers zwischen perfekte weiße Zähne, um mit den anderen applaudieren zu können.

    „Darf ich?" Ryan nahm ihr den Becher ab, wie verzaubert von ihrem Lächeln. Er schob ihn in seinen und stellte sie auf einen Picknicktisch.

    „Und jetzt dürfen alle tanzen, verkündete der Bandleader. „Für jedes Paar, das mit ihnen tanzt, bekommen Braut und Bräutigam ein weiteres glückliches Jahr, also seid nicht schüchtern. Sucht euch einen Partner oder eine Partnerin.

    Der Geiger begann mit einem Walzer.

    Ryan konnte keinen Twostepp oder einen anderen Country-Tanz, aber ein Walzer war ein Walzer, ob unter den Kronleuchtern eines Ballsaals oder auf Holzbrettern in einem Park. Hier konnte er dazugehören, auf der Tanzfläche mit den Bürgern von Rust Creek Falls und mit dem hübschesten Cowgirl von allen im Arm.

    „Darf ich um diesen Tanz bitten?", fragte er.

    „Sie dürfen." Lächelnd ließ sie sich auf die Tanzfläche führen, und sie bewegten sich zusammen, als hätten sie es schon immer getan.

    Er berührte die glatte Haut ihres Rückens und fühlte die unglaubliche Weichheit ihres Haars, während sie sich mit sanftem Schwung drehten. Er hielt sie in den Armen, während sie ihr Bein zwischen seine schob und er seins zwischen ihre und ihre gestiefelten Füße grazile Schritte vollführten.

    „Ich liebe Walzer sogar noch mehr als Twostepp", sagte sie, während ihre Schenkel seine streiften.

    „Ich auch." Ryan konnte nur Walzer, aber heute würde er den Twostepp in Rekordzeit lernen, denn er wollte so oft wie möglich mit Kristen tanzen. Hier wollte er sein, und noch wichtiger, dies war die Frau, mit der er zusammen sein wollte. Alles war perfekt.

    Als hätte das Schicksal mich hierher geführt.

    Nein. An so etwas glaubte er nicht. Männer und Frauen gestalteten ihr eigenes Leben unter den Umständen, die sich ergaben. So hübsch die Frau in seinen Armen auch war, so ausdrucksvoll ihre Augen auch sein mochten, so natürlich ihr Lächeln ihm auch erschien, es wäre absurd, zu glauben, dass ihre Begegnung schicksalhaft war.

    Noch absurder war, dass er es auch nur in Betracht zog.

    Es musste an der Hochzeit liegen. An der Musik. An der Wirkung der Bowle. Das hier war nur eine ganz gewöhnliche Kleinstadt, ein schlichter Song, eine durchschnittliche Band. Und die Frau in seinen Armen war einfach nur ein hübsches Countrygirl.

    Er war Anwalt. Wie seine Eltern glaubte er an Tatsachen und Fakten, nicht an übersinnliche Vorgänge.

    Aber ich bin kein richtiger Roarke, Mom.

    Doch, das bist du. Ich glaube, du warst dazu bestimmt, mein Sohn zu werden, und ich deine Mutter.

    Die Erinnerung kam überraschend. Glaubte seine sonst so analytische Adoptivmutter tatsächlich an die Vorsehung, oder hatte sie nur einen Jungen trösten wollen, der nicht vergessen konnte, dass er verlassen worden war?

    „Alles in Ordnung?"

    Kristens leise Frage holte ihn in die Gegenwart zurück. Er lächelte ihr zu, und es war mehr als ein Reflex.

    „Ja, es geht mir gut."

    Wie seltsam, dass sie gefragt hatte. Er hatte nicht anders getanzt oder sie anders gehalten, als er an die Worte seiner Mutter gedacht hatte. An der Oberfläche war alles unverändert gewesen, der gleiche Rhythmus, die gleiche Harmonie, und doch hatte sie seinen subtilen Stimmungsumschwung gespürt.

    Sie war mehr als ein einfaches Countrygirl. An ihr war etwas Besonderes. Dieser Tag war viel mehr als eine Auszeit vom Hamsterrad. Diese Kleinstadt, diese Hochzeit, diese Frau, alles zusammen löste in Ryan das Gefühl aus, dass er am Beginn von etwas Neuem stand. Fühlte sie es auch?

    Der Cowboy schien keine Lust auf Small Talk zu haben, und Kristen tanzte zu gern, um Belanglosigkeiten auszutauschen. Viel lieber genoss sie die Musik und die Bewegung, also tanzten sie schweigend weiter, als der nächste Song begann. Hin und wieder schien jemand Ryan zu erkennen, und die beiden nickten einander freundlich zu.

    Wer bist du? Woher kommst du?

    Sie wagte kaum, ihn danach zu fragen. Er war einfach zu vollkommen, und sie wollte keinen Tanz auslassen. Wie ein Produkt ihrer Fantasie konnte er wieder verschwinden. Die Band hörte viel zu früh auf zu spielen, und das Brautpaar schnitt die Hochzeitstorte an.

    Ryan und sie gingen mit ihren Tortenstücken zu einem der Tische, die im Schatten der Bäume aufgestellt worden waren.

    Auf der Tanzfläche hatten sie sich mit ihren Bewegungen verständigt, aber Kristen wollte ihm nicht gegenübersitzen und stumm Torte essen. „Bleiben Sie lange in der Stadt?", stellte sie die wichtigste Frage zuerst.

    „Nur bis morgen." Ryan stellte den Teller ab und konzentrierte sich ganz auf ihr Gesicht.

    Sie hatte ihrer Schwester gesagt, dass sie sich nicht verlieben würde. Aber welches Mädchen konnte das bei einem Mann wie ihm ausschließen? Sie warf das Haar über die Schulter. „Als ich Sie gefragt habe, ob Sie von hier sind, haben Sie geantwortet, dass Sie aber nichts dagegen hätten. Wie haben Sie das gemeint?"

    „Vielleicht ist es an der Zeit, die Überholspur zu verlassen und mich irgendwo an einem ruhigeren Ort niederzulassen. Ich mag Montana."

    Sie leckte sich Zuckerguss vom Finger. Es gab nicht viele Cowboys, die ihr Leben als Überholspur bezeichnen würden.

    „In den letzten Jahren habe ich einige Gegenden von Montana besucht. Im Moment erscheint mir Rust Creek Falls ideal."

    Er sah sie an, und ihr wurde immer wärmer. Sie hatte sich schon halb in ihn verliebt. Er war attraktiv und humorvoll, mit den guten Manieren eines Cowboys und einem durchtrainierten Körper, aber vor allem schien er sich für alles zu interessieren, was sie sagte.

    „Sind Sie eine Traub?", erkundigte er sich.

    „Nein, eine Dalton."

    „Ich dachte schon, alle

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