Die frühkindliche Bewegungsentwicklung: Vielfalt und Besonderheiten
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Buchvorschau
Die frühkindliche Bewegungsentwicklung - Gisela Stemme
Die frühkindliche
Bewegungsentwicklung
Vielfalt und Besonderheiten
Gisela Stemme
Doris von Eickstedt
Anita Laage-Gaupp
IMPRESSUM
Bibliografische Information der Deutschen Bibliothek
Die Deutsche Bibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie;
detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.ddb.de abrufbar.
Die frühkindliche Bewegungsentwicklung
Vielfalt und Besonderheiten
Gisela Stemme, Doris von Eickstedt, Anita Laage-Gaupp
Düsseldorf: verlag selbstbestimmtes leben; 1998
Aktualisierte Neuauflage 2012
ISBN eBook: 978-3-945771-09-9
ISBN Print: 978-3-910095-33-5
Impressum
Die frühkindliche Bewegungsentwicklung
Vielfalt und Besonderheiten
Autorinnen: Gisela Stemme, Doris von Eickstedt, Anita Laage-Gaupp
Illustrationen: Anita Laage-Gaupp, München
Düsseldorf: verlag selbstbestimmtes leben; 2012
ISBN: 978-3-910095-33-5
Titelentwurf: Maya Hässig, luxsiebenzwo, Köln
Fotos Titelseite: Constanze Wirtz, Jaruslaw Grudzinski/shutterstock.com
E-Book
-Herstellung: Zeilenwert GmbH 2017
Der verlag selbstbestimmtes leben ist Eigenverlag des Bundesverbandes für körper- und mehrfachbehinderte Menschen e.V.
Brehmstr. 5-7, 40239 Düsseldorf
Tel.: 0211/64004-0; Fax: 0211/64004-20
: info@bvkm.de
www.bvkm.de
Alle Rechte vorbehalten
Wir bedanken uns für die finanzielle Unterstützung zur Erstellung dieses Ratgebers bei der
Für die Vollständigkeit und Richtigkeit des Inhaltes wird keine Gewähr übernommen.
Inhalt
Cover
Titel
Impressum
Vorwort zur Neuauflage 2012
Vorwort zur ersten Auflage 1998
Einleitung
1. Was verstehen wir unter Bewegung?
1.1 Bewegung ist Ausdruck von Leben
1.2 Bewegung ist Grundlage zur Orientierung
1.3 Bewegung ist Basis zum Lernen
1.4 Bewegung ist Basis zum Handeln
1.5 Bewegung ist das Gegenteil von Haltung
2. Neurophysiologische Voraussetzungen für Bewegung
2.1 Bewegungs-Muster, „zentrale Programme"
2.2 Muskeltonus
2.3 Koordination
2.4 Sensorische Rückmeldung
3. Was verstehen wir unter Entwicklung?
3.1 Begriffserläuterungen
3.2 Entwicklung: Zusammenspiel innerer Anlagen und äußerer Bedingungen
3.3 Reifung, Wachstum, Lernen
3.4 Der Entwicklungsverlauf
4. Die Bewegungsentwicklung
4.1 Prinzipien der Bewegungsentwicklung
4.2 Vorgeburtliche Entwicklung
4.3 Anforderungen und Kompetenzen nach der Geburt
4.4 Die Bewegungsentwicklung im Hinblick auf die Aufrichtung
4.5 Die Bewegungsentwicklung im Hinblick auf die Handlungsfähigkeit
5. Die Entwicklung der Handlungsfähigkeit
5.1 Aspekte des Handelns: 1. Stadium
5.2 Aspekte des Handelns: 2. Stadium
5.3 Aspekte des Handelns: 3. Stadium
5.4 Aspekte des Handelns: 4. Stadium
5.5 Zusammenfassung an einem Beispiel
6. Unregelmäßigkeiten in der Bewegungsentwicklung
6.1 Welche Kinder bedürfen besonderer Aufmerksamkeit?
6.2 Was ist wichtig bei der Beurteilung der Bewegungsentwicklung?
7. Die Behandlung
8. Schlussbemerkungen
Literaturempfehlungen
Glossar
Titel aus dem Verlagsprogramm
Über den BKVM
Fußnoten
Vorwort zur Neuauflage 2012
Fast 14 Jahre ist es nun her, dass dieses Buch erstmals erschienen ist.
Bis heute haben wir viele positive Rückmeldungen bekommen, die uns spiegeln, dass das Thema an Aktualität nicht verloren hat.
Nach 14 Jahren ist allerdings eine kritische Überarbeitung notwendig, die nun im Rahmen dieser Neuauflage vorliegt.
An dieser Stelle möchten wir uns bei allen, die uns ihre Zeit und Aufmerksamkeit für ihre freundlichen, hilfreichen und wertvollen Rückmeldungen, Hinweise und Anregungen geschenkt haben, von ganzem Herzen bedanken.
Nach wie vor wendet sich dieses Buch in erster Linie an Eltern und Laien. Um das Lesen zu erleichtern, haben wir eine möglichst einfache Sprache gewählt und bewusst auf einen wissenschaftlichen Stil verzichtet.
Der Inhalt beruht auf dem
BOBATH-Konzept
und auf unseren langjährigen Erfahrungen als
BOBATH-Physiotherapeut
Innen in der Arbeit mit Kindern. Diese sind zusätzlich geprägt durch viele Fortbildungen, Selbsterfahrungen und Impulse auch ähnlicher bzw. verwandter Konzepte wie z. B. der „Kooperativen Pädagogik", der FELDENKRAIS®-Methode, den Erkenntnissen und Empfehlungen von PIKLER, GINDLER u. v. a.
Wir hoffen, mit dieser Neuauflage den aktuellen Erkenntnissen im Bereich der frühkindlichen Entwicklung und dem vielfältigen Bedürfnis nach einfacher, eingängiger Information zu entsprechen.
Gisela Stemme im Namen der Autorinnen
Vorwort zur ersten Auflage 1998
Vor fast 15 Jahren ist unsere Broschüre „Die frühkindliche Bewegungsentwicklung und ihre mögliche Problematik erstmalig erschienen und hat erfreulicherweise viel Anklang gefunden. Einer erneuten Auflage im Jahr 1994 stand entgegen, daß wir uns mit dem damaligen Inhalt nur noch bedingt identifizieren konnten. Zunächst glaubten wir, den vorhandenen Text „einfach
überarbeiten zu können. Schon bald stellte sich jedoch heraus, daß es einer ganz neuen Konzipierung bedurfte, um dem wissenschaftlichen Erkenntnisstand der Gegenwart und unseren eigenen Einsichten gerecht zu werden.
Zwar haben sich die Fakten der Bewegungsentwicklung und ihrer Problematik im wesentlichen nicht verändert, wohl aber die Sichtweise und die Bedeutung, die man dem Entwicklungsprozeß mit seinen vielfältigen Facetten inzwischen beimißt. Die Sichtweise hat sich in den vergangenen Jahren vor allem zugunsten eines ganzheitlich-systemischen Ansatzes verändert. Vor 15 Jahren noch hatten weitaus mehr hierarchische und additive Modelle der Interpretation von Bewegungsentwicklung Vorrang. Die gegenwärtigen Erkenntnisse hingegen geben Anlass, in vielen Bereichen maßgebliche Ergänzungen, Veränderungen und Berichtigungen vorzunehmen.
Wir haben gelernt, dass die Phänomene der lebenden Welt sich nicht isoliert betrachten und verstehen lassen. Sie bekommen erst Bedeutung, wenn man sie im Zusammenhang eines zugehörigen Systems sieht.
So bekommt eine Bewegung erst dadurch einen Sinn, dass sie im Rahmen einer bestimmten Aktivität ihren Platz hat.
Je nach Absicht erfährt die gleiche Bewegung eine sehr unterschiedliche Bedeutung und zeigt somit auch andere Merkmale oder Nuancierungen: die Bewegungsqualität verändert sich mit dem geplanten Vorhaben.
Nehmen wir als Beispiel für eine Bewegung das Anheben eines Armes: Es ist ein Unterschied, ob das Kind den Arm hebt,
weil es etwas ergreifen möchte,
weil es ausholt zum Patschen, Schlagen oder Werfen,
weil es zeigen möchte, „wie groß" es ist,
weil es auf den Arm genommen werden will,
weil es sich mit den Händen an etwas hochziehen will oder
weil es etwas von sich mitteilt, wie z.B. seine Freude, seine Lust oder auch seinen Ärger.
Jede Bewegung bekommt ihre besondere Bedeutung durch die Handlung, der sie dient. Aussagen über die Bewegungsentwicklung eines Kindes bedürfen der Sicht umfassender Zusammenhänge. Dazu gehören persönliche Eigenart, Reife, momentane Befindlichkeit und Absicht des Kindes ebenso wie der Kontext von Situation und Handlung, innerhalb derer die Bewegungen ihren Platz und ihre Bedeutung haben.
Im folgenden ist nun eine Schrift entstanden, die um einiges umfassender und umfangreicher geworden ist als die vorausgegangene Broschüre. Wir hoffen, durch die aufgezeichneten Zusammenhänge und nicht zuletzt durch die vielen lebendigen Illustrationen an Deutlichkeit und Vollständigkeit gewonnen zu haben.
Gisela Stemme im Namen der Autorinnen
Einleitung
Liebe Eltern und liebe Interessierte!
Sie sind mit dem Phänomen frühkindlicher Entwicklung in Berührung gekommen. Möglicherweise sind Ihnen gewisse Besonderheiten oder Unregelmäßigkeiten in der Entwicklung Ihres oder eines anderen Kindes aufgefallen. Vielleicht sind Sie mit Ihrem Kind sogar in krankengymnastischer oder anderer Behandlung. Dann wird Ihnen ein Problem nicht fremd sein, das auch uns in unserer Arbeit als PhysiotherapeutInnen und BOBATH ¹ -TherapeutInnen ständig begegnet:
Der Zeitrahmen der Therapie lässt nur unzureichend Raum dafür, auf das Bedürfnis nach Grundlageninformation über Behandlung und Bewegungsentwicklung des Kindes näher einzugehen.
Wir hoffen, mit den vorliegenden Ausführungen dem vielfach geäußerten Wunsch nach einfacher Darstellung der Prinzipien der frühkindlichen Bewegungsentwicklung und ihrer möglichen Problematik entsprechen zu können. Wir möchten mit dieser Broschüre dazu beitragen, das Verständnis für die frühe Entwicklung des Kindes zu erweitern und seine Unterstützung zu erleichtern.
Eine Unregelmäßigkeit der Entwicklung muss nicht unbedingt eine folgenschwere Bedeutung haben. Jeder Organismus ist bestrebt, ein für ihn optimales Gleichgewicht zu schaffen und zu erhalten. Er verfügt über unzählige Ausgleichsmöglichkeiten, um seine Existenz abzusichern und bestmöglich zu entfalten. Manche Auffälligkeiten oder Verzögerungen in der Entwicklung können sich aufgrund dieser Selbstregulation, ohne Eingriffe von außen, „von selbst" ausgleichen. Oft genügen nur kleine Anregungen, den Prozess der Selbstorganisation in Gang zu setzen, zu unterstützen und – viel wichtiger noch – nicht durch unzweckmäßiges Verhalten zu blockieren!
Die Entwicklung jedes Kindes ist offen und durch viele Faktoren beeinflussbar. Sogenannte „Auffälligkeiten" müssen nicht zwangsläufig Zeichen einer drohenden Behinderung sein. Selbst wenn schon eine Behinderung besteht, gibt es viele Möglichkeiten, mit dieser so umzugehen zu lernen, dass sie in das Leben des Kindes eingeordnet wird, zu ihm gehört und nicht nur als Störung empfunden wird, gegen die es anzukämpfen gilt. Es ist uns bewusst, dass dies ein sehr anspruchsvoller, lebenslanger Prozess ist.
Die Absicht unserer therapeutischen Begleitung ist es, die Fähigkeiten und Stärken des Kindes entdecken, fördern und entfalten zu helfen, die es zum Ausgleich und zur Integration seiner Probleme braucht. Die folgenden Ausführungen sollen einen Überblick über die Grundzüge der Bewegungsentwicklung geben, der beim Beobachten und Verstehen der Entwicklung des Kindes von Nutzen sein mag.
Bevor wir uns der speziellen Bewegungsentwicklung in der frühen Kindheit zuwenden, wollen wir die Begriffe „Bewegung" und „Entwicklung" in diesem Zusammenhang gedanklich betrachten.
Beide Begriffe haben einen gemeinsamen Nenner: Veränderung.
1. Was verstehen wir unter Bewegung?
Bewegung bedeutet Veränderung.
Bewegung ist erkennbar daran, dass sich etwas in Beziehung zu seiner Umgebung verändert.
Der Begriff „Bewegung" ist relativ und bekommt erst Bedeutung, wenn wir ihn in Bezug setzen zu „Nicht-Bewegung" oder „Anders-Bewegung". Erst der Zusammenhang von Bewegtem und Nichtbewegtem sagt etwas aus über den eigentlichen Vorgang, etwa über Geschwindigkeit oder Richtung. So nehmen wir z. B. die Bewegung der Erde nur wahr, wenn wir äußere feste Bezugspunkte (etwa die Sonne oder den Mond) mit in Betracht ziehen. Wie relativ Bewegung zu deuten ist, sehen wir daran, dass wir z. B. sagen: „Die Sonne geht auf". Auch unsere eigenen Bewegungen bekommen erst Bedeutung in Zusammenhang mit dem, was sich nicht oder anders bewegt. Wir bewegen uns z. B. in Beziehung zum festen Boden unter uns, oder im Verhältnis zur belebten oder gegenständlichen Umgebung.
Wenn wir z. B. aufstehen, suchen die Füße festen Halt am Boden; sie kommen dem Boden näher, während der Körper sich im Raum aufrichtet und vom Boden entfernt. Da unser Körper auch in sich selbst beweglich ist, verändern die einzelnen Körperteile bei jeder Bewegung ihre Beziehung zueinander. Der Organismus bildet ein zusammenhängendes System, das als Ganzes beständig ist, wenngleich die einzelnen Teile in ständiger Veränderung zueinander stehen. Jede Bewegung wirkt sich verändernd auf den gesamten Körper aus.
Wir wollen im Folgenden den Begriff „Bewegung" unter verschiedenen Gesichtspunkten betrachten.
1.1 Bewegung ist Ausdruck von Leben
Bewegung ist Ausdruck alles Lebenden.
Bewegung wirkt nach außen: sie ist sichtbar durch äußere Veränderung.
Bewegung wirkt nach innen: sie ist spürbar durch innere Empfindung.
Alles Lebendige bewegt sich – immer! Auch wenn wir innehalten, scheinbar stillstehen: wir sind trotzdem in Bewegung. Allerdings entziehen sich viele dieser Bewegungen in der Regel unserer bewussten Kontrolle.
Wenn wir uns jedoch ein wenig Ruhe gönnen und in uns hineinhorchen oder
-spüren
, so können wir z. B. merken,
wie wir ständig unser Gleichgewicht ausbalancieren
wie wir fortwährend auf Impulse von außen oder aus unserem Inneren reagieren
wie wir uns vom Boden abstemmen und uns dadurch die Kraft holen, die wir brauchen, um uns gegen die Schwerkraft zu „behaupten" und aufzurichten
wie sich unsere Haltung ständig verändert und an die Situation anpasst
wie wir uns durch unsere Haltung und unsere Bewegungen, d.h. unser „Verhalten", anderen gegenüber ausdrücken und mitteilen
wie unsere Atmung kommt und geht und sich bei allen Aktivitäten verändert
wie unser Herz schlägt, wenn wir darauf achten.
1.2 Bewegung ist Grundlage zur Orientierung
Wenn wir eine Weile reglos in einer Position verharren (soweit das überhaupt möglich ist), werden wir binnen Kurzem die Erfahrung machen, dass wir nicht
