Herzlichen Glückwunsch, Sie werden ermordet!
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Über dieses E-Book
Als Maxi an den Tatort, den Wasserturm von Schnaipfing, gerufen wird, trifft sie auf überraschend viele bekannte Gesichter. Darunter auch auf ihren Kollegen, den Knogl, der möglicherweise ein paar Antworten auf verschiedene Fragen geben könnte. Doch er und seine Freunde verweigern hartnäckig jede Aussage zu den Geschehnissen der vergangenen Nacht.
Fakt ist: Darüber, dass ihr ehemalige Lehrer tot ist, scheint hier niemand wirklich traurig zu sein.
Claudia Sagmeister
Claudia Sagmeister, geboren 1972, lebt mit ihrer Familie in Niederbayern. Bekannt wurde sie durch ihre Meisinger-Krimis, die regelmäßig auf der BoD-Bestsellerliste landen. Die Gewinnerin des Literaturknödels ist verheiratet und hat zwei erwachsene Töchter.
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Buchvorschau
Herzlichen Glückwunsch, Sie werden ermordet! - Claudia Sagmeister
Über die Autorin
Claudia Sagmeister, geboren 1972, lebt mit ihrer Familie in Niederbayern. Ihre Krimis über die unkonventionelle Kommissarin Maxi Meisinger landen regelmäßig auf der BoD-Bestsellerliste. 2024 zeigte sie ihr schriftstellerisches Können von einer neuen Seite mit dem Liebesroman:
»Das Leben ist zu kurz für Buttercreme.«
Sie ist verheiratet und hat zwei erwachsene Töchter.
Handlung und Personen dieses Romans sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit lebenden oder toten Personen sind rein zufällig und nicht gewollt.
Für Sandra, Christian
und meine Mädels vom
kleinen Klassentreffen!
Inhaltsverzeichnis
Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6
Kapitel 7
Kapitel 8
Kapitel 9
Kapitel 10
Kapitel 11
Kapitel 12
Kapitel 13
Kapitel 14
Kapitel 15
Kapitel 16
Kapitel 17
Kapitel 18
Kapitel 19
Kapitel 20
Kapitel 21
Kapitel 22
Kapitel 23
Kapitel 24
Kapitel 25
Kapitel 26
Kapitel 27
Kapitel 28
Kapitel 29
Kapitel 30
Kapitel 31
Kapitel 32
Kapitel 33
Kapitel 34
Kapitel 1
Keine Ahnung, ob es Erwins Mundgeruch ist, der mich wach werden lässt, oder ob es das Klingeln des Telefons ist, vermutlich beides zugleich.
Ziemlich unausgeschlafen öffne ich meine Augen. Erwins Kopf liegt nur wenige Zentimeter von meinem entfernt auf dem Kopfkissen. »Boah, Erwin, du stinkst«, beschwere ich mich bei ihm und drehe mich weg. Ihn interessiert meine Meinung herzlich wenig. Ich greife angewidert nach dem Handy, das unablässig klingelnd auf dem Nachtkästchen liegt.
»Guten Morgen, Hafner«, gähne ich.
»Hab’ ich Sie geweckt, Meisinger?«
Ich werfe einen Blick auf meine Armbanduhr, die ebenfalls am Nachttisch liegt. Es ist erst halb sieben Uhr morgens. Draußen geht gerade die Sonne auf. »Nein, ich bin schon seit Stunden auf den Beinen.«
Den ironischen Unterton nimmt er gar nicht wahr.
»Äh, ja, also … könnt ich vielleicht den Erwin einmal … ich meine, wie geht’s ihm denn?«
»Prächtig, er liegt neben mir im Bett, wenn Sie es genau wissen wollen.«
»Das hört sich gut an.« Der Chef klingt erleichtert.
»Würden S’ ihm vielleicht einmal den Hörer geben?«
»Erwin, für dich, der Chef. Dass mir keine Klagen kommen!«, mahne ich ihn und lege das Telefon neben den Hund aufs Kissen. Den Rest des Anrufs erspare ich mir.
»Hafner, ich gehe jetzt eine Viertelstunde ins Bad, dann leg’ ich auf!«, rufe ich laut, bevor ich das Zimmer verlasse.
Beinahe Halbzeit! Nur noch ein paar Wochen, denke ich erleichtert, während ich mich ausgiebig mit der Handbrause in meiner Badewanne abdusche. Normalerweise bin ich relativ zügig mit meiner Morgentoilette fertig, aber seit Erwin bei mir eingezogen ist – nur vorübergehend wohlgemerkt – lasse ich mir damit wesentlich mehr Zeit. Sie glauben ja gar nicht, was bei mir seit vierzehn Tagen abläuft. Aber ich denke, ich muss erst ein wenig weiter ausholen, damit Sie im Bilde sind.
Eigentlich hängt alles damit zusammen, dass der Hafner seit Jahren unter schrecklicher Migräne leidet. Und diese Attacken wurden in den letzten Monaten zunehmend schlimmer. Nicht nur, dass die Anfälle heftiger wurden, sie kamen auch in immer kürzeren Zeitabständen. Das ging so weit, dass sich mein Dienststellenleiter fast ausschließlich von Schmerztabletten ernährte und nur mehr wie ferngesteuert auf dem Revier herumlief. Arbeitstechnisch war er kaum mehr zu gebrauchen und seine Laune war ebenfalls dementsprechend schlecht. Irgendwann sprach dann sein Neurologe ein Machtwort und beantragte für ihn eine Kur. Entspannungsübungen, Stressbewältigung und das ganze Pipapo.
Wenn Sie mich fragen, ich an seiner Stelle hätte die schon lange in Anspruch genommen. Nicht aber der Hafner. Er hat sich gewunden und davor gedrückt, ich verstand überhaupt nicht wieso. Bis er eines schönen Tages endlich mit der Sprache herausrückte. Er hatte niemanden, der sich während seiner Abwesenheit um Erwin kümmern könnte. Der Knogl hätte das wirklich gerne übernommen, doch seine Lucita war strikt dagegen. Sie hasst Hunde wie die Pest, fast noch mehr als mich, falls das überhaupt möglich ist. Eine Tierpension kam für den Hafner nicht infrage und auch sonst fand sich niemand, der seinen Vierbeiner so lange bei sich aufnehmen wollte. Und als es dem Hafner eines Tages wieder einmal richtig dreckig ging, konnte ich dieses Elend nicht mehr länger mit ansehen und sagte schließlich, sein Hund dürfe so lange bei mir wohnen, bis er, also der Chef, wieder einigermaßen fit sei.
Der Hafner bekam ganz feuchte Augen. Das erste Mal vor Freude und Dankbarkeit und dann ein paar Wochen später noch einmal, beim Abschied von seinem geliebten Vierbeiner. Dabei waren es doch nur ein paar Wochen, die beide voneinander getrennt sein würden.
Ich hatte mir für diese Zeit schon einen kleinen Plan zurechtgelegt, wie ich den Alltag mit Hund bewältigen würde. Ich hatte sogar die Erlaubnis von Hafners Vertretung, dass Erwin für diese Zeit mit ins Büro kommen dürfe, weil ich befürchtete, dass er alleine in einer für ihn fremden Umgebung, sprich, bei mir zu Hause, ein Problem haben und Unfug treiben könnte.
Womit ich allerdings überhaupt nicht gerechnet habe, ist, dass der Hafner jeden Tag bei mir anrufen wird, und zwar zeitig am Morgen, egal ob Werk- oder Sonntag. Nicht mich, wohlgemerkt, sondern seinen stinkenden, alten Köter.
Sagen Sie das bitte nicht weiter. Inzwischen habe ich mich daran gewöhnt. Aber nicht daran, dass Erwin, so heißt der Hund, wie Sie vermutlich schon erraten haben, so eine faule Socke ist. Ich kenne wirklich keinen einzigen Hund, der so bewegungsunfreudig ist wie er. Mehrmals täglich versuche ich ihn vom Gegenteil zu überzeugen.
Erwin passt das ganz und gar nicht, aber da muss er durch, der Gute. Und seine anderen Unarten gewöhne ich ihm auch noch ab. Ich bin wirklich kein Unmensch, aber wenn ich schon jemanden bei mir wohnen lasse, kann ich doch erwarten, dass er sich an meine Spielregeln hält, oder? Und die heißen nun einmal: Mein Bett gehört mir – ich bestimme, wer außer mir darin schlafen darf, und im Bad brauche ich meine Privatsphäre.
Beides funktioniert momentan – überhaupt nicht! Wie gesagt – wir arbeiten daran, auch, was Erwins Fitness betrifft, die bei seinem Einzug überhaupt nicht vorhanden war.
Mittlerweile bin ich geschniegelt und gebügelt und wandere zurück ins Schlafzimmer. Dort nehme ich dem Hund erst einmal mein Handy weg.
»Bis Morgen, Hafner«, rufe ich laut und drücke ihn weg.
Erwin schaut mir mit großen traurigen Augen dabei zu, wie ich in meine Jeans und ein frisches T-Shirt schlüpfe.
»Er kommt ja bald wieder heim«, tröste ich ihn. »Nur noch ein paar Wochen, Erwin, dann haben wir drei es geschafft.« Ich halte den Daumen hoch. Erwin bellt kurz, als habe er mich verstanden. In diesem Moment klingelt es am Festnetzanschluss im Erdgeschoss meines Hauses.
»Auf geht’s Erwin!«, rufe ich, »das ist die Mama.« Hoffentlich motiviert das den Hund, mit mir mitzukommen. Eilig sause ich nach unten.
»Guten Morgen, Mama.«
»Mädi, du musst sofort herkommen …«
In meiner hinteren Hosentasche klingelt mein Handy. Fast gleichzeitig beginnt Erwin auf dem oberen Treppenabsatz, wie verrückt zu bellen. Wahrscheinlich meint er, es ist der Hafner, der wieder anruft, was weiß ich. Jedenfalls herrscht plötzlich ein ziemlicher Krach um mich herum. Was mir die Mama sagen will, verstehe ich nicht mehr.
»Mama, ich kann nicht zu euch kommen. Ich muss zur Arbeit und du hörst, ja, was bei mir los ist. Wir telefonieren am Abend noch mal. Servus!«, schreie ich in den Hörer und lege auf. »Aus!«, brülle ich Erwin entgegen und nehme gleichzeitig das Gespräch auf der anderen Leitung an. Noch ehe ich meinen Namen nennen kann, überrollt mich ein Schwall schnell gesprochener Worte. Ich verstehe überhaupt nicht, worum es geht. Verzweifelt brülle ich in den Hörer: »Stopp!« Das zeigt Wirkung, am anderen Ende herrscht Ruhe. Ich atme tief durch. »Wer spricht da und was ist passiert?«, erkundige ich mich ruhig. Ich atme tief durch.
»Lucita. Hier spricht Lucita Knogl.«
Ein ungutes Gefühl kriecht in mir hoch. Nicht etwa, weil ich die Lucita nicht mag und sie mich nicht, sondern weil mich die Lucita so dermaßen gefressen hat seit dieser dummen Kainzbauer-Geschichte, dass sie mich niemals freiwillig anrufen würde, wenn nicht etwas wirklich Schlimmes passiert wäre. Und das kann dann eigentlich nur meinen Kollegen, den Knogl, betreffen – ihren Mann. In allen anderen Fällen wäre er selbst in der Leitung, so viel ist sicher.
»Was ist passiert?«, frage ich nach. Meine Hand krampft sich fest um das Telefon. Der Knogl ist eine Seele von Mensch. Wir arbeiten nun schon seit fast zwei Jahren zusammen und teilen sogar das Büro miteinander. Er war von Anfang an nett und aufgeschlossen mir gegenüber, was man von meinem Chef nicht gerade behaupten kann. Der Knogl hat mich sofort mit allen wichtigen Leuten im Ort zusammengebracht und seit dem letzten Jahr ist er beinahe so etwas wie meine rechte Hand geworden.
Ich möchte bitte, dass das noch lange so bleibt, denn wir verstehen uns wirklich prächtig. Auch wenn er mich manchmal in den Wahnsinn treibt.
»Mein Mann ist letzte Nacht nicht nach Hause gekommen«, erklärt mir Lucita aufgeregt.
Meine Anspannung lässt nach, ich atme leicht auf.
Der Knogl hatte gestern so etwas Ähnliches wie ein großes Klassentreffen. Fünfzig Jahre Ritter-von-Pröll-Realschule Schnaipfing. Ein Riesenevent, zu dem jeder eingeladen war, der Rang und Namen besitzt oder jemals auf dieser Schule war, sei es als Schüler oder als Lehrer. Der Knogl hatte in den letzten Wochen von nichts anderem mehr geredet und wie sehr er sich darauf freue, den einen oder anderen aus seiner Schulzeit wieder zu treffen, denn ein Klassentreffen war seit seinem Abschluss dort nie zustande gekommen. Mit diesem Hintergrundwissen gehe ich davon aus, dass der Knogl im großen Freudentaumel des Wiedersehens schlichtweg mit seinen Spezln versumpft ist und deshalb auswärts schläft. Und genau das teile ich seiner Holden jetzt mit. Doch anstatt sich zu beruhigen, regt diese sich noch mehr auf.
»Mein Mann ist noch nie ohne triftigen Grund über Nacht weggeblieben«, echauffiert sie sich. »Wie können Sie nur so etwas von ihm denken. Juan«, sie nennt ihn so ‒ alle anderen sagen Karl zu ihm, »Juan hätte mir Bescheid gegeben, wenn er vorgehabt hätte, nicht heimzukommen. Er ist nämlich ein sehr verantwortungsbewusster Mensch. Was ich von Ihnen nicht behaupten kann.«
Mein Festnetz klingelt erneut. Was zum Teufel ist denn heute nur los? Ich versuche, sie zu unterbrechen. »Lucita, ich muss leider …« Es ist sinnlos.
»Meinem Mann muss etwas passiert sein. Sie müssen ihn suchen«, fordert sie vehement von mir.
»Ich muss ans andere Telefon«, sage ich mit Nachdruck. Erwin beginnt erneut zu bellen. Ich werde gleich wahnsinnig. Es ist noch nicht einmal sieben Uhr morgens und bei mir steppt bereits der Bär.
»Ich verlange von Ihnen …«
Während Lucita ihre Forderungen in den Hörer diktiert, hebe ich am Festnetz ab. Das Klingeln bringt mich sonst noch um den Verstand. »Mama, ich kann jetzt nicht!«, schreie ich gegen Erwins Gebell und Lucitas Toben an.
»Mädi, du musst …«
»Ich ruf’ zurück!«, plärre ich und lege wieder auf. Ihr Ärger ist mir sicher, aber nicht jetzt. Ich überlege, ob heute vielleicht Freitag, der Dreizehnte ist, aber wir haben Sonntag.
»Frau Knogl«, unterbreche ich Lucitas Redeschwall, von dem ich eh kaum etwas mitbekommen habe. »Sie warten jetzt bitte noch den Vormittag ab. Der Karl kommt sicher bald nach Hause. Oder fragen Sie doch bei seinen Freunden nach. Vielleicht wissen die, wo er steckt. Bestimmt hat er ein bisserl zu tief ins Glas geschaut und bei einem Spezl übernachtet, pflichtbewusst, wie er ist«, wiederhole ich ihre Worte. »Für eine Fahndung ist es jetzt eh noch viel zu früh.« Ohne ihre Antwort abzuwarten, beende ich auch dieses Gespräch, indem ich einfach auflege. Jetzt brauche ich erst einmal einen starken Kaffee, beschließe ich gestresst. Ich komme genau fünf Schritte in Richtung Küche, da vibriert mein Handy erneut. Ich vermute, dass es noch einmal Knogls Frau ist, doch die angezeigte Rufnummer ist eine andere als zuvor.
»Meisinger«, melde ich mich.
»Riedmüller, Stadtwerke Schnaipfing. Frau Kommissarin, wir haben da einen Toten im Wasserturm.«
»Okay. Wo genau?«
»Er liegt unten im Parterre auf dem Boden.«
»Bitte fassen Sie nichts an. Lassen Sie alles so, wie Sie es vorgefunden haben«, ordne ich an. »Wir kommen sofort.«
»Tja, Erwin«, wende ich mich an den Hund. »Das Frühstück müssen wir wohl heute ausfallen lassen. Oder besser gesagt, für mich fällt es aus. Da hast du Glück gehabt, statt einer morgendlichen Joggingrunde kannst du jetzt noch eine Weile schlafen, bis ich wieder zurück bin.«
Erwin gähnt gelangweilt, als habe er mich verstanden.
Ich fülle seinen Napf mit Wasser, stelle ihm eine Schale Trockenfutter hin und ermahne ihn, brav zu sein.
Dann informiere ich die SpuSi und mache mich auf den Weg zum Wasserturm. Wieder beschleicht mich ein ganz seltsames Gefühl. Der Knogl ist in der Nacht nicht nach Hause gekommen und der städtische Mitarbeiter hatte von einem Toten gesprochen, also handelt es sich um eine männliche Leiche.
Kapitel 2
Der Wasserturm steht am Stadtrand von Schnaipfing. Das sind von mir zu Hause doch ein paar Kilometer Entfernung, darum nehme ich mein Motorrad, um schneller vor Ort zu sein. Ich treffe sogar noch vor der SpuSi dort ein.
Am Ende der staubigen Zufahrtsstraße zum Turm steht ein Mann mit einer Zigarette im Mund. Ich vermute in ihm den städtischen Mitarbeiter.
Unweit des Eingangs stelle ich meine Maschine ab, nehme den Helm ab und ziehe meine Jacke aus. Beides lege ich auf den Sitz. Dann marschiere ich dem Mann entgegen, der mich zwar bei meinem Tun beobachtet, aber keinerlei Anstalten macht, auf mich zuzugehen.
»Guten Morgen. Meisinger«, stelle ich mich vor und strecke ihm die Hand entgegen. Vielleicht hat er mich nur nicht erkannt.
»Früchtl«, erwidert er nur knapp.
Ich blicke mich kurz um, doch sonst ist hier draußen niemand zu sehen. »Ich suche nach einem Herrn Riedmüller von den Stadtwerken«, sage ich und wende mich zur Tür.
»Der ist wohl drinnen, oder?«
Er hält mich zurück. »Da können S’ jetzt nicht hinein.« Unsicher kratzt er sich am Kopf. »Da gibt’s ein … technisches Problem, glaub’ ich.«
»Ja, ja, ich weiß", beruhige ich ihn. »Deswegen bin ich ja da. Kripo Schnaipfing.«
Er atmet erleichtert auf. »Ja dann. Gehen S’ ruhig rein. Die anderen warten auch drinnen.«
Hä? Welche anderen? Ich lasse ein Nachfragen bleiben und drücke stattdessen die nur angelehnte Stahltür auf.
Die Leiche liegt wie auf dem Präsentierteller vor mir, ohne dass ich einen Schritt in das Gebäude setzen muss, und ihr Zustand, den ich aus der Distanz heraus bereits erahnen kann, deutet auf eine große Fallhöhe hin.
Ich gehe ein paar Schritte auf sie zu und blicke dabei in die Höhe.Die Sachlage scheint bereits klar zu sein. Ziemlich weit oben, es müssen wohl einige Stockwerke sein, wenn ich die vielen Treppen und Geländer betrachte, erkenne ich in der Decke eine kleine Aussparung, die nach einer geöffnete Luke aussieht. Das soll sich die SpuSi nachher genauer ansehen.
»Guten Morgen, Frau Meisinger«, ein groß gewachsener Herr in Anzughose und weißem Hemd mit dem Emblem der Stadt auf der Hemdtasche kommt auf mich zu. »Kurt Riedmüller«, er reicht mir die Hand. »Schön, dass Sie so schnell kommen konnten.«
»Na hören Sie mal, das ist ja wohl selbstverständlich«, erwidere ich. »Arbeitsunfall?«, erkundige ich mich mit einem Nicken zum Toten.
»Mitnichten«, widerspricht er sofort. »Ich weiß gar nicht, wer das ist, geschweige denn, wie der in meinen Turm gekommen ist.«
»Ihr Turm?«, hake ich belustigt nach. »Meines Wissens ist der nicht in privater Hand, sondern gehört der Stadt.«
Er revidiert auch sogleich. »So war es auch nicht gemeint. Natürlich gehört er nicht mir persönlich, aber ich bin für alles, was mit und um den Wasserturm herum zu tun hat, zuständig. Darum ist es in gewisser Weise mein Turm, weil es mein Aufgabengebiet betrifft.«
»Verstehe. Und Sie haben also keine Ahnung, wer da vor uns liegt?«, erkundige ich mich.
Ohne einen Blick auf den Toten zu werfen, schüttelt er den Kopf. »Da ist ja nicht einmal mehr ein Gesicht zu erkennen«, raunt er mir zu. »Und nur anhand der Statur …« Er schielt vorsichtig hinüber zur Leiche, wendet sich jedoch sofort angeekelt ab. »Entschuldigung. Ich kann gar nicht hinsehen, sonst wird mir sofort schlecht.«
»Sie hätten auch nicht hier drinnen auf mich warten müssen«, sage ich und füge scherzhaft hinzu: »Der läuft uns nicht mehr weg.«
»Es war ja auch nicht wegen des Toten«, gibt er zu, »sondern wegen der Damen. Die wollten partout nicht rausgehen.« Sein Blick wandert über meine Schulter hinüber zur Wand.
Ich wende mich um. Fassungslos rufe ich aus: »Das darf doch wohl nicht wahr sein!«
Auf blauen Klappstühlen sitzen, wie Zuschauer der ersten Reihe, die Mama, die Tante Rosa und eine mir unbekannte ältere Ordensschwester.
»Ich hab’ dir doch am Telefon g’sagt, du sollst sofort herkommen, Mädi!« Die Mama hat ganz relaxt ihre Beine übereinandergeschlagen. »Aber du hast ja einfach aufg’legt, ohne mir richtig zuzuhören. Selber schuld.«
»Was macht’s denn ihr da?«, fahre ich sie an.
»Den Wasserturm anschauen, was sonst?«, erklärt die Tante Rosa, als wäre das völlig normal frühmorgens am Sonntag.
»Um diese Uhrzeit?«
»Die Schwester Hermengildis wollt’ halt so gern einmal den Sonnenaufgang vom Turm aus sehen«, erklärt die Tante Rosa in ihrer gewohnt resoluten Art. »Darum sind wir schon in aller Herrgottsfrühe nach Schnaipfing gefahren. Danach wollten wir zur Frühmesse und im Anschluss hätten wir bei dir vorbeig‘schaut.«
»Bei mir?«, entfährt es mir entsetzt. »Warum denn das?«
»Weil die Hermengildis mit der Fanny befreundet war. Sie stammt nämlich auch aus Schnaipfing und jetzt lebt’s im Kloster in Michlbach. Von da kennen wir uns.« Sie tätschelt der Schwester beherzt den Oberschenkel. »Gell, Hermengildis«, schreit sie die Schwester an.
»Ja, also den Sonnenaufgang haben wir jetzt verpasst«, meldet sich nun auch die Ordensschwester zu Wort. »Fahren wir halt wieder heim, unverrichteter Dinge.« Schwerfällig erhebt sich die alte Dame von ihrem Sitzplatz.
»Tut mir leid, Frau …« Wie spricht man denn eine Ordensschwester richtig an? Wissen Sie das?
Die Mama hilft mir aus der Verlegenheit. »Sag ruhig Schwester Hermengildis. Des passt schon«, sagt die Mama laut.
Die Schwester nickt mir zu.
»Ja, dann – Schwester Hermengildis, Sie müssen leider noch dableiben. Sie gehören zu den Zeugen und ich muss Sie erst noch alle befragen. Vorher kann ich Sie nicht weglassen.«
Die Ordensfrau bleibt weiter stehen.
»Sie hört schlecht«, sagt die Mama zu mir und schreit die Schwester an: »Dableib’n müss’n wir noch, Hermengildis!«
Ergeben mit dem betagten Haupt nickend, setzt sich die Ordensfrau wieder hin.
Dafür regt sich jetzt die Mama fürchterlich auf. »Wovon sollen wir denn Zeugen sein, Mädi, hä? Dass da ein Toter liegt, oder was? Der war schon vor uns da. Da, an diesem Platz hat er gelegen, als wir reingekommen sind. Was willst denn da groß fragen, hä?«
»Dann hättet ihr den ja schon von der Tür aus sehen müssen, so wie ich. Warum seid’s denn dann überhaupt hineingegangen und habt nicht draußen auf mich gewartet?«
»Erstens haben wir nachg’schaut, ob er noch schnauft, und zweitens, glaubst du, wir stehen uns da draußen die Füß‘ in den Bauch, bis du kommst? Wirklich nicht. Wir sind nicht mehr die Jüngsten.«
»Habt ihr irgendwas angefasst?«, erkundige ich mich streng.
»Natürlich nicht!«, entgegnet die Mama in gleichem Ton.
Ich atme auf. »Trotzdem brauche ich eure Aussagen fürs Protokoll. Denkt schon mal nach, ob ihr was gesehen oder gehört habt oder ob euch sonst irgendwas aufgefallen ist.«
»Das sind vier Sätze. Die kannst du dir auch jetzt gleich notieren. Der Riedmüller hat uns die Tür aufg‘sperrt. Wir sind reingegangen. Der Tote lag schon da, mitten auf dem Boden, wo er jetzt auch liegt. Wir haben ihn nicht angerührt und außer uns war niemand zu sehen. Punkt.« Sie nimmt ihre Handtasche vom Schoß und steht schwungvoll auf. »So und jetzt pack ma‘s. Du weißt ja, wo wir wohnen. Auch wenn du dich herzlich selten bei uns blicken lässt. Ich frier’ mir doch da herinnen nicht den Arsch ab. Weißt’, wie kalt dass es da an der Wand ist!«
Auch die beiden anderen erheben sich langsam von ihren Plätzen.
»Hermengildis, möch’st du jetzt noch auf den Turm rauf oder fahren wir ein anderes Mal noch einmal her?«, schreit sie die Tante Rosa an. »Sie hört nicht mehr so gut«, erklärt sie mir, wie vorhin schon die Mama.
»Auf den Turm könnt ihr auf gar keinen Fall rauf«, bremse ich ihren Enthusiasmus ein.
»Die SpuSi muss erst noch alle Spuren sichern. Und von euch brauchen wir auch die Fingerabdrücke.«
Die Tante Rosa schaut mich verständnislos an »Zu was denn das?«
»Geh, Mädi, jetzt spinnst aber ein bisserl. Wie wenn wir was mit dem Toten da zu tun hätten.« Die Mama tippt sich vielsagend an die Stirn.
»Das ist mir schon klar. Die Fingerabdrücke dienen auch nur zum Abgleich. Wir wissen ja nicht, ob der Mann Selbstmord begangen hat, einen Unfall hatte oder ob es sich hier um Mord handelt. Sollte das der Fall sein, müssen wir eure Fingerabdrücke und die aller anderen Unbeteiligten von denen vom Täter unterscheiden können.«
Das leuchtet ihr ein.
»Das können wir aber auch bei uns auf der Dienststelle machen«, ergänze ich mit einem Blick auf die Älteste der drei, die mittlerweile etwas unruhig von einem Bein aufs andere tritt. »Dann müsstet ihr halt noch mal nach Schnaipfing fahren.«
Schwester Hermengildis flüstert Tante Rosa etwas zu.
»Sie müsste dringend auf’s Klo«, raunt mir die Tante Rosa zu. Hilfesuchend wende ich mich an den Riedmüller, der die Bitte ebenfalls gehört hat.
Bedauernd zuckt er die Schultern. »Tut mir sehr
