Hinten an der Leine: Gedanken eines Hundes
Von Wilhelm Ehrmann und Erik Kinting
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Über dieses E-Book
Wilhelm Ehrmann
Um den Traum ein eigens Buch verfassen, zu realisieren, mussten 62 Jahre vergehen. Nun aber ist es vollbracht. Jeder bisherige Ansatz scheiterte an der Zeit. Eingebunden in Familie und Arbeit, war das Schreiben noch kein Thema. Erst beim Beobachten meiner Kinder wurde erstmals der Gedanke, alles schriftlich festzuhalten, geboren. Nun bin ich kein Poet, nur ein Arbeiterkind mit dem Drang zu schreiben. Die Natur und unser Hund haben mich dazu inspiriert. Mit Unterstützung meiner Frau wagte ich es, meine Gedanken nieder zu schreiben. Wer nicht wagt, wird nicht gewinnen. Nun sind einige Tage ins Land gezogen, die Erfahrungen Spornen mich an ein neues Werk zu verfassen. Mal sehen was daraus wird.
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Buchvorschau
Hinten an der Leine - Wilhelm Ehrmann
Mein Name ist Wilhelm Ehrmann. Für die Kapitel eins bis fünf übernehme ich die Verantwortung. Mit allem, was danach zu Papier gebracht wurde, habe ich nichts zu tun.
Man kann Haustiere erziehen, aber man muss nicht. Es ist doch schön, zu sehen, wenn sie einen eigenen Charakter entwickeln. Es genügt, ihnen – wie Kindern – einige Verhaltensweisen mit auf den Weg zu geben. Denken wir daran wie es wäre, uns Menschen würde jede Kleinigkeit vorgehalten werden – mal abgesehen von der Ehe.
Viele sind der Ansicht, Tiere hätten weder Mimik noch Gestik, dies bliebe dem Menschen vorbehalten. Das möchte ich zu wiederlegen versuchen. Besonders unsere Haustiere geben uns, wenn wir uns darauf einlassen, mit ihrem gesamten Körper Signale. Hier soll das aber nicht aus unsere Sicht dargestellt werden, sonder aus der unseres Hundes. Dazu sei noch erwähnt: Mir ist es zuwider, mich anpassen zu müssen. Dies haben meine Gattin und ich, bei der Erziehung unseres Hundes mit einzubeziehen versucht. Soll heißen, wir wollten – also genau genommen ich –, dass er seinen eigenen Charakter entwickelt. Das wird im weiteren Verlauf nicht nur mit unserem Hund zu Kommunikationsschwierigkeiten führen, sondern auch mit meiner mir Angetrauten.
1. Kapitel:
Die verlorene Diskussion
Wie bei vielen Paaren, so auch bei uns, war der Wunsch nach einem Haustier groß. Dabei wichen unsere Meinungen doch ein wenig voneinander ab. Dazu muss angefügt werden, dass wir zu diesem Zeitpunkt eine Wohnung der Stadt Wien bewohnten. Also einen Gemeindebau. Während ich zu einem Hund tendierte, war für meine Frau eine Katze das Richtige.
Nun, diese Debatte konnte ich nicht für mich entscheiden: »Mit dem muss man Gassi gehen … Bei jedem Wetter … Dem sein Gackerl muss immer ins Sackerl … Das nervt ja schon beim dran Denken!«
Mein Gegenargument verpuffte: »Mit dem kann man schmusen.«
»Das kann eine Katze auch, außerdem schnurrt sie.«
»Aber einem Wuff kann man Kunststücke beibringen.«
»Ach … ich dachte, du willst keinen Dressierten, sondern einen mit eigenem Charakter?«
Damit war klar: Es wird eine Katze.
Schon bei unserem ersten gemeinsamen Mitbewohner konnten wir uns auf keine gemeinsame Erziehung einigen. Das Tier beschränkte seine Zuneigung zu mir darauf, mich abends genüsslich in die Zehen zu beißen. Daran kann man sich gewöhnen. Auch daran, dass man, wenn man vom Einkaufen zurückkommt, plötzlich Krallen im Oberschenkel spürt und sich jemand am Oberschenkel emporhangelt. Klar, da hatte ich gerade das Fleisch ausgepackt. Aber die Zuneigung dauerte gerade mal fünf Minuten: Fleisch weg. Katze weg.
Aber ich hatte mich an sie gewöhnt, sie war mir sogar richtig ans Herz gewachsen. Denn – ganz nach meiner Lebenseinstellung –sie verbog sich nicht. Sie lebte nach dem Motto: Nimm mich, wie ich bin, oder lass es. Also hatten wir uns arrangiert – bis zu jenem verhängnisvollen Tag …
Wir kamen von der Arbeit. Wie immer suchten wir unseren Vierbeiner. Im Dielenschrank – ein beliebter Rückzugs Ort – war nichts. Im Wohnzimmer, unter der Couch, im letzten Winkel: nichts. Badezimmer … oh Schreck: Blut an der Wasserleitung. Wo ist sie? Was ist passiert? Endlich, sie stand in der Diele. Aber sehr lethargisch. Also wieder
