Rückbatscher: Wenn das Leben Dich schlägt ...
Von Sabine Grassy
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Über dieses E-Book
Ich kam zu einem Rudel, in den ich anfangs nicht hineinfand und musste befürchten, dass mit mir irgendetwas nicht stimmt. Rückblickend ein schwerer Zeitpunkt, an dem mir noch nicht klar war, dass mir die härteste Zeit erst noch bevorsteht.
Meine Geschichte, Trauerbearbeitung mit Sinnsuche, führt mir die Tragik erneut vor Augen. Als ich kurz vorm Aufgeben stand und mein Leben hasste, das mich öfter schlug, als ich verkraften konnte, erschien mir ein verloren geglaubtes Licht.
Wenn das Leben Dich batscht, musst Du zurückbatschen. Bei dieser Überzeugung half mir ein Besonderer ...
Sabine Grassy
Die Autorin wird nicht leise, wenn es um das Erzählen besonderer Geschichten geht, die nicht einzig Hundeliebhaber ansprechen. Besondere Gefühle müssen gelebt werden, was in der schnelllebigen Zeit viel zu kurz kommt. Die Missionen von Eddy und Mo sollten nach dem Psychodrama WolkenWort eine Pause erfahren, da die Psyche von Mo angeschlagen ist. Er sehnt sich nach seinen Wurzeln und möchte an den Ort zurückkehren, an dem er das Licht entdeckte. Lhasa in Tibet. Der Mensch, der ihm das Leben in den Welpen-Pfötchen erklärte, ist der Einzige, der ihm nach der seelischen Erschütterung helfen kann. Sein Tharge.
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Buchvorschau
Rückbatscher - Sabine Grassy
Die Autorin lebt, was sie schreibt.
Sich zu Hause fühlen mit Hunden verspricht nicht ausschließlich Freude, die Schattenseiten prägen in besonderem Maße das Zusammenspiel zwischen ›Pfote und Hand‹
Durch erschütternde Erfahrungen im zwischenmenschlichen Bereich verschrieb sie sich bewusst und aus voller Überzeugung einem Leben mit den ›WAHREN Freunden des Menschen‹. Dass leidvolle Erfahrungen nicht einzig sie im Griff hatten, sondern vielmehr einen ihrer Hunde nahezu zerbrechen ließen, öffnete ihr auf bestürzende Weise die Augen für dessen verletzliche Seele.
WIDMUNG
Ich danke meinen ›Mamas‹, die mich zu keinem Zeitpunkt aufgaben, als ich es längst getan hatte.
Meine kleine Hundeseele zerbrach durch das, was ich erlebte und das zu verkraften viel zu viel war für einen kleinen Hund mit zartbesaitetem Wesen.
Freiwillig suchte ich nach der Regenbogenbrücke, rückblickend unheimlich und Schuldgefühle hervorrufend.
Wie man das Licht sucht, wenn Dunkelheit die Tage füllt, ist mir heute bewusst.
Es zu finden bedarf einzig einer Begegnung.
Ich liebe Dich, Gizmo!
INHALTSVERZEICHNIS
UNBESTRITTEN SCHWER!
BERLINER JUNG
CIAO BERLIN
POWER GEGEN MICH
GELUNGEN
AUF EINMAL GELIEBT
ICH GEBE SIE NICHT AUF
UNERTRÄGLICH
STILLE IN MIR
AUSGERECHNET!
TRAURIGES WAHRNEHMEN
ANGST
TIERKLINIK
23.05
KOFFERRAUM
BESCHNUPPERN
DIE ERDE UNTER MIR
AUSFAHRT HÖLLE
ICH KANN NICHT MEHR!
WANN SEHE ICH ES WIEDER?
DER SPAZIERGANG ›DANACH‹
WELPEN-BESCHAU
HOFFNUNGLOS
BEINAHE
ER
RUDELFÜHRER?
SPRACHLOS
NACHHOLBEDARF
KOSTBARER PLATZ
SOMMER SONNE WIND
DANKE, GIZMO!
Unbestritten schwer!
Wie leite ich ein Buch ein?
Es verunsichert mich, ob es positiv ist, wenn ich viel zu berichten habe. Grundsätzlich bringt mich schnell aus dem Tritt, dass ich befürchte, dass nicht der viel im Leben bekommt, der in gleichem Maße gibt.
Ehrlich, ich wünsche, ich hätte weniger erlebt. Damit meine ich nicht Dinge, die ich mit Freude verbinde, sondern vielmehr die, die mir den Atem rauben und mich bis durch alle Pfötchen verzweifeln lassen, wovon es zu viele gab.
Zurückgestellt und bestraft vom Leben fühlte ich mich nicht nur einmal und es quälte mich die Frage, ob ein Leben Sinn ergibt, wenn ich ständig verliere.
Ich habe enorm gekämpft.
Begonnen in Berlin, als kleiner West-Highland-White-Terrier geboren.
Frag mich nicht, was mich auszeichnet, ich mache mich frei von Klassenunterschieden und begreife ohnehin nicht, warum alle katalogisieren.
Dass ich keine reelle Chance in der Bundeshauptstadt hatte, war mir schnell klar.
Hochhaussiedlung, überforderte ›Gastfamilie‹, sorry, dass ich sie derart benenne, und ein vorschneller Abschied von meiner Mama und meinem Bruder.
Ohne Wiederkehr.
Zurück blieben meine Schwester und ich, und ich begriff schnell, dass ich nicht hineinpasste in die gewünschten Vorgaben.
Bis ich ein neues Zuhause fand.
›Neu‹ passt nicht, mein Erstes trifft es genauestens.
Mein Start war holprig, sodass ich regelrecht davon ausgehen musste, dass meine Zukunft ewig hügelig verlaufen würde.
Ich kämpfte ohne viel Aufhebens.
Darum, dass ich anerkannt und geliebt werde, dass mich andere Hunde ernst nehmen und dass ich nicht permanent gebe, sondern letztendlich nichts Greifbares zurückkriege.
Ich verachte hohe Ansprüche; Gefühle reichen.
Es war ein beschwerlicher Weg, abgesehen von Stolperfallen einer, den ich liebte und um nichts in der Welt hätte tauschen wollen.
Mutmaßlich war es exakt DER Kampf, der mich bis heute fest mit meinem Umfeld verbindet.
Wenn ich dermaßen ringe, dachte ich, sei alles, was auf dem Haufen ›gewonnen‹ landet von beständiger Dauer, da manch anderem ohne viel Zutun das Gewünschte zufliegt.
Mir nicht.
Meine letzten Jahre, ich zähle zehn, waren geprägt von äußerst differenten Lebensphasen.
Weggeholt von zu Hause, zu früh für Außenstehende, mich indes glücklich machend, führte mich mein neues Leben in ein großes Haus.
In diesem traf ich auf zwei Hündinnen, die das Heim zu dem machten, wie es auf andere und mich wirkte – ohne bitteren Beigeschmack.
Mit gesundem Abstand kann ich das heute benennen.
Ich betrachte sie nach wie vor als meine Familie. Nicht die, in die ich geworfen wurde, entschieden die, die ich herbeisehnte.
Komplettiert wurden wir durch unsere Frauchen, zwei Schwestern, die uns mehr liebten als jeden Menschen in ihrem Umfeld.
Die vier bedeuteten mir unbeschreiblich viel; während ich die Liebe meiner neuen ›Mamas‹ geschenkt bekam, musste ich mir die der beiden ‹Dackel-Freaks‹ erarbeiten.
Gern wäre ich überzeugender gewesen und stellte mich höchstwahrscheinlich zu tollpatschig an, sodass meine Versuche abprallten.
Ich war ein einzelner Welpe, die ›Pfoten-Ladys‹ viele Jahre zusammen unterwegs.
Zwei Hündinnen, die mir unendlich viel bedeuteten, als ich sie nach und nach von mir überzeugte, dominierten meinen Weg.
Mehr noch, sie steuerten meine innere Balance.
Jeden Morgen wachte ich an ihrer Seite auf, gut, eher abseits, obgleich in ihrer Nähe, und sah sie an.
Ich liebte beide, obwohl sie verdammt unterschiedlich waren.
Je mehr ich mich um sie bemühte, desto bewusster wurde mir, was für ein ›Weichei auf vier Pfoten‹ ich tatsächlich war.
Alles ließ ich mit mir machen.
Ärgern konnte ich ausgesprochen gut, mit Respekt vor ihnen.
Ansonsten bemühte ich mich, dass sie mich nicht ausschlossen.
Wie sehr ich von mir wegging und wie hoch meine selbstlose Annahme der beiden war, beschreibe ich später.
Nicht bis zur Selbstaufgabe, dennoch war es hart. Ich machte mich in irgendeiner Form abhängig von der Liebe dieser zwei ›Rappelköpfe‹.
Waren sie mir zugetan, ging es mir gut; Gegenteil inbegriffen.
Es war bei allem Jammern definitiv MEIN LEBEN an ihrer Seite oder wenig nebenbei.
Ich glaubte, ein Bezug zu Artgenossen sei wichtiger als der zu einem Menschen.
Ob sie tatsächlich ihre Abwehr gegen mich aufgaben oder woran ich eventuell scheiterte, erfährst Du auf den folgenden Seiten.
Nicht, um abzurechnen, das liegt mir fern. Nein, um Unglück mit Glück auszuloten.
Wenn Menschen das tun, ob in Gesprächstherapien oder wenn sie Musik komponieren oder Bücher schreiben, ist dies eine passende Gelegenheit, Hunden ein entsprechendes Aufarbeiten anzubieten.
Ich nehme Dich mit auf eine Reise durch die Stationen meines Lebens – vom Welpen bis hin zum imposanten Kerl –, der ich wahrlich einzig in den Augen anderer sein wollte.
Gelungen ist es mir bis dato nicht zu verinnerlichen, besonders zu sein.
Es motiviert mich nichts dazu, nach Geltung zu streben.
Ich möchte ich sein, sensibel, feinfühlig und an anderen interessiert.
Mein Glück stelle ich gern hinter das anderer, weil es mir viel mehr gibt, sie glücklich zu machen.
Auf unzähligen Seiten durchlebe ich ein weiteres Mal schöne, traurige und erschütternde Begebenheiten und die, die mich das Licht sehen ließen, das ich glaubte, verloren zu haben.
Ich spreche ungern von Vergangenheit, die ganze Tragik somit vor Augen.
Insofern träume ich mich in jede einzelne Erinnerung, als passiere sie gerade jetzt, um mir bewusst zu werden, was alles geschah und um – ehrlich gesagt – herauszufinden, ob jegliche Ursache für das Scheitern einzig in mir zu finden ist.
Berliner Jung
Wer kennt diesen prägnanten Satz nicht?
›Ich bin ein Berliner‹; wir schreiben das Jahr 2011.
Ich sitze da und blicke zu meiner Schwester.
Ist sie ängstlich oder verängstigt?
Für mich ist es schwer, sie zu erreichen, wirkt sie doch zuweilen nahezu in sich gefangen.
Offenbar liegt es daran, dass unsere Mama in einer Nacht- und Nebelaktion weggetragen und uns ein Abschied verwehrt wurde.
Einen Abend zuvor war sie noch bei uns, einen Tag später blieb ihr Schlafplatz leer.
Unsere Familie ist nicht zu tadeln, hingegen heillos überfordert mit uns zweien.
Ursprünglich entstammen wir einem Dreier-Wurf, wenn ich mich konkret besinne, zumindest setzt meine Erinnerung ab dem Zeitpunkt ein.
Unser Bruder wurde viel zu schnell aus unserer Mitte gerissen, als jemand aus Dänemark ihn mitnahm.
Wir waren noch in keinem Welpen-Alter, in dem man sich hätte trennen dürfen.
In diesem Fall gaben sie dem Drängen nach, da sich der Mann auf der Durchreise befand.
Somit bin ich mit meiner Schwester hiergeblieben.
Unsere Mama befand sich bis vor Kurzem in einem großen Zimmer mit TV-Berieselung, wir mussten ins Bad.
Verständlich! Sie ist stubenrein und nicht dermaßen laut wie ich.
Nachdem ich den Teppich vollgepinkelt und Kabel durchbissen hatte, verpassten sie mir den Namen ›süßer Terror-Bolzen‹.
Das ›süß‹ hätten sie sich sparen können.
In der Folge sperrten sie uns vermehrt weg, was mir unbegreiflich war.
ICH bin anstrengend.
Warum muss meine Schwester permanent ausbaden, dass ich unbeherrschbar bin?
Heruntergetragen in den Hausgarten wurden wir nicht und Mama sahen wir in quälenden, mehrstündigen Abständen.
Möglich, dass mich das alles zu dieser Zeit prägte.
Muss ich brav sein, um geliebt zu werden und nichts entbehren zu müssen?
Angst spürte ich von Welpen-Beinen an, dass mich mein Leben überfordern könnte.
Wenn früh alles schwierig beginnt, setzt sich das fort.
Meine Mama gab mir in Momenten, in denen ich unartig war, das Gefühl, ein Guter zu sein.
Sie leckte mir dann intensiv mein Gesicht, während ich mich eng an ihren Bauch schmiegte.
Diese Wärme fehlt mir schlagartig und mir wird bewusst, dass ich die Aufgabe habe, für ›meine Kleine‹ hier stark zu sein.
Sie benötigt meinen Rückhalt jetzt noch viel mehr.
Ich bräuchte desgleichen ebenfalls jemanden, empfinde dieses egoistische Gefühl angesichts der Situation als überflüssig.
Noch bin ich unsicher, ob
