Über dieses E-Book
Als Barbara auf dem Terminplan ihres Chefs Sam Reed sieht, dass er am 24.12. heiraten will, bleibt ihr fast das Herz stehen. Von heißer Eifersucht wie von Sinnen, stellt sie Sam, den sie schon lange heimlich liebt, zur Rede. Doch seine Antwort bringt sie noch mehr aus der Fassung: Er will sie vor den Traualtar führen ...
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Buchvorschau
Von Liebe sprach er nie - Ann Algermissen
© 2023 für die deutschsprachige Ausgabe
by MIRA Taschenbuch in der
Verlagsgruppe Harper Collins Deutschland GmbH, Hamburg
© 1998 by Jo Ann Algermissen
Originaltitel: »A Husband For Christmas«
Erschienen bei: Silhouette Books, Toronto
Published by arrangement with
HARLEQUIN ENTERPRISES II B.V. / SARL
Übersetzung: M.R. Heinze
Covergestaltung von Birgit Tonn / Verlagsgruppe HarperCollins Deutschland GmbH
Coverabbildung von Nata_Slavetskaya / Getty Images
ISBN E-Book 9783745753776
Von Liebe sprach er nie
Cover
Impressum
Inhalt
Von Liebe sprach er nie
Titel
1. KAPITEL
2. KAPITEL
3. KAPITEL
4. KAPITEL
5. KAPITEL
6. KAPITEL
7. KAPITEL
8. KAPITEL
9. KAPITEL
10. KAPITEL
1. KAPITEL
Barbara Stone zitterten die Hände, und sie ließ den Stift fallen, mit dem sie stets die wöchentlichen Termine in den Schreibtischkalender ihres Chefs eintrug. Im Magen setzte ein flaues Gefühl ein, als sie den Kranz aus Tannenzweigen mit roten Herzen und Bändern betrachtete, den Mr. Reed am 24. Dezember gezeichnet hatte. Ungläubig las sie die goldenen Buchstaben innerhalb des Weihnachtskranzes:
SIR heiratet SEK
Sam Isaiah Reed, ihr Chef, wollte heiraten? In weniger als drei Wochen?
Zuerst wurden ihr die Knie weich, dann gaben sie nach, und sie landete im Ledersessel des Chefs. Mit einem tiefen Atemzug versuchte sie, das innere Gleichgewicht wieder herzustellen.
Wer, zum Teufel, war S.E.K.?
Obwohl Barbara die privaten und geschäftlichen Termine ihres Chefs überwachte, fand sie keine Antwort. Ihres Wissens nach hatte Sam sich seit Monaten mit keiner Frau getroffen.
Verwirrt lenkte sie den Blick vom Kalender zu Sams Telefon. Bestimmt war seine Zukünftige eine der Frauen, die Mr. Reed über die private Nummer anriefen. Süße junge Dinger riefen ihn an. Ständig! Barbara hatte das Telefon so oft klingeln gehört, dass sie allmählich vermutete, ihr Chef wäre nicht nur ein begehrter, sondern der einzige begehrte Junggeselle von Marble Falls, vielleicht sogar von ganz Texas.
Wer sie auch sein mag, dachte Barbara aufgewühlt, ich hasse sie!
Hastig schlug sie die Hand vor den Mund und starrte zur Verbindungstür zwischen ihrem eigenen Arbeitsraum und Sams Büro. Seit fünf Jahren arbeitete sie nun mit ihrem Chef. Das war lange genug, dass er mehr oder weniger ihre Gedanken lesen konnte. Und hätte Sam jetzt eben diesen Gedanken erraten, wäre das Bild geplatzt, das sie sorgfältig von sich geschaffen hatte.
Sie senkte die Lider, bis sie durch die dichten Wimpern kaum noch etwas sehen konnte. Seit Monaten verbarg sie auf diese Weise die geheimsten Gedanken vor ihrem Chef.
„Barbara!, erklang die Stimme der Empfangsdame aus dem Sprechgerät. „Bist du in Sams Büro?
„Ja."
„Nimm bitte das Gespräch auf Leitung drei an. Ich glaube, es ist deine Mutter. Soll ich geschäftliche Anrufe für dich vorerst zurückhalten?"
„Nein, es wird nicht lange dauern. Ich nehme den Anruf hier drinnen an. Danke, Heather."
Besorgt betrachtete Barbara das blinkende Licht am Telefon. Madeline, wie ihre Mutter angesprochen werden wollte, rief sie selten an. Als Geschäftsfrau verstand Madeline, dass ihre Tochter Privatleben und Arbeit strikt trennte.
„Hallo, Madeline?"
„Schatz, wie geht es dir?"
„Gut. Bevor Barbara sich danach erkundigte, was ihre Mutter auf dem Herzen hatte, lauschte sie angestrengt auf Anzeichen, dass Heather noch mithörte. Ohne Heather wäre die Gerüchteküche der Firma glatt ausgetrocknet. Erst als Barbara ziemlich sicher war, unbelauscht zu sein, fragte sie: „Was ist denn los?
Madeline lachte leise. „Bin ich so leicht zu durchschauen?"
„Du führst kein Ferngespräch in der teuersten Zeit, nur um zu plaudern."
„Es könnte sich um etwas Berufliches handeln. Die verlängerte Garantie an deinem Wagen läuft bald ab."
Barbara wurde das unangenehme Gefühl nicht los, dass der Wagen, den sie im Autohaus ihrer Mutter gekauft hatte, nichts mit diesem unerwarteten Anruf zu tun hatte.
„Ginge es darum, würdest du Charlie anrufen lassen, damit er mir einen neuen Wagen verkauft, erwiderte sie nüchtern. „Wie geht es Charlie?
„Lausig."
Barbara zupfte am Saum des kurzen Rocks. Der Geschmack ihrer Mutter in Kleidung, Möbeln und Autos war makellos, was Männer betraf jedoch erbärmlich. Barbara seufzte lautlos und hoffte nur, Ehemann Nummer fünf wäre nicht schon so weit, das Zeitliche zu segnen.
„Was hat er denn diesmal angestellt?"
„Er ist eifersüchtig auf Vernon."
„Auf Vernon? Ehemann Nummer drei? Oder Nummer zwei? „Taylor?
„Natürlich, Schatz. Wie viele Männer namens Vernon kennst du?"
„Keinen. Ich meine – einen. Blitzheirat und Blitzscheidung im Las-Vegas-Stil mit einem Elvis-Imitator. „Und den habe ich nur flüchtig kennen gelernt.
Madeline seufzte. „Charlie hat mir verboten, mit einem meiner Exmänner zu sprechen. Er ist völlig unvernünftig, findest du nicht auch?"
„Du hast doch den Passus ‚wir trennen uns als Freunde‘ in den Ehevertrag schreiben lassen, oder?"
„Natürlich, aber Charlie meint, er fühlt sich wie ein Mitglied des Stones-Fanclubs. Ich dachte, du könntest vielleicht mit ihm sprechen."
„Mom, ich habe Charlie nur ein einziges Mal getroffen. Das war bei eurer Hochzeit. Weshalb sollte er auf mich hören?"
„Weil du dein Leben lang bei mir warst! Wer sollte mich besser kennen als du?"
„Niemand", räumte Barbara ein, von der Logik ihrer Mutter aus dem Gleichgewicht gebracht. Es bestand jedoch ein gewaltiger Unterschied darin, ob man Madeline kannte oder verstand.
„Ich sorge dafür, dass Charlie dich in den nächsten Tagen anruft. Vielen Dank, mein Schätzchen. Leb wohl!"
Die Verbindung war unterbrochen, bevor Barbara sich weigern konnte, ihrer Mutter zu helfen. Benommen, als wäre sie von einem Tornado herumgewirbelt worden, legte sie wieder auf.
Wie, um alles in der Welt, sollte sie Charlie die absonderlichen Eigenschaften ihrer Mutter erklären, wenn es ihr nicht einmal gelang, mit ihrer besten Freundin darüber zu sprechen?
Gedankenverloren strich sie mit der Fingerspitze über das rote Herz auf Sams Schreibtischkalender. Es war ein Dilemma. Madeline glaubte an die Ehe. Gemäß den altmodischen Ansichten ihrer Mutter schlief eine Dame mit einem Herrn nur, nachdem sie das Ehegelöbnis abgelegt hatte.
Bewusst ließ Barbara die Wörter ‚heilig‘ und ‚ewig‘ in Verbindung mit ‚Ehegelöbnis‘ weg, weil beides nichts mit den Ehen ihrer Mutter zu tun hatte.
Sie betrachtete das Herz, das Sam gezeichnet hatte. Mit dem Finger hatte sie die Linien des roten Filzstifts verwischt.
S.I.R. Sogar seine Initialen flößen Respekt ein, dachte sie träumerisch. Ihre Gedanken wanderten von einem Problem zum nächsten und vermischten beide.
Tagträume waren sicherer als die Realität und viel befriedigender.
Aus Mr. Reed wurde Sam, als sie die Augen schloss. Sie sah ihren Chef vor sich: hoch gewachsen, dunkelhaarig, mit grauen Augen, breiten Schultern und schmalen Hüften. Sam Reed entsprach in gewisser Weise den Häusern, die er entwarf – elegant und stabil.
„Mit sagenhaftem Sex-Appeal", flüsterte sie.
Kein Wunder, dass Frauen hinter ihm her waren. Sam wirkte nicht nur körperlich attraktiv. Er widmete seinem Aussehen und der Gestaltung der Häuser seiner Klienten die gleiche Sorgfalt. Und er gehörte zu den wenigen Menschen, die wie ein Berserker arbeiten konnten, ohne ihre Kleidung mit einem Tropfen Schweiß oder Schmutz zu beflecken.
Barbara gestand sich nur ungern ein, dass sie sich an der Jagd nach Sam sofort selbst beteiligt hätte, wäre sie überzeugt gewesen, dass eine romantische Komponente ihre gegenwärtige Beziehung verbessern konnte.
Doch sie war klug genug, um das gar nicht erst zu versuchen. Ihre Mutter, die reizendste Frau auf der ganzen weiten Welt, hatte ihr vorgelebt, wie eine attraktive Frau nette Kerle in Ex-Ehemänner verwandeln konnte.
Fünf Mal verheiratet, und noch immer jagt sie hinter Mr. Perfect her, dachte Barbara seufzend. Ihrer Mutter wegen war sie überzeugt, dass Frauen mehr Chancen hatten, wenn sie hinter dem Heiligen Gral herjagten!
Schon in sehr jungen Jahren hatte sie sich geschworen, niemals in Madelines Spuren zu treten. Babyspeck hatte sie vor unerwünschten Annäherungsversuchen scharfer Jungen bewahrt. Unglücklicherweise hatte Mutter Natur während der Zeit am Norton’s Business College in Springfield ihren Körper gründlich umgeformt. Jedes überschüssige Pfund war verschwunden.
Damals war aus dem „dicken Mädchen mit dem hübschen Gesicht eine „heiße Nummer
geworden.
Barbara blickte auf die zu enge hellgrüne Bluse mit dem tiefen Ausschnitt und den zu kurzen Rock hinunter. Hohe dünne Absätze, große Ohrringe und ein klimperndes Glücksbringer-Armband gehörten zur Bürogarderobe.
Höchst unpassend, hätte Madeline getadelt.
Doch gleichzeitig höchst wirkungsvoll.
Sicher, die Männer, die ins Büro kamen, starrten sie fasziniert an. Doch sie war keine Frau, die ein netter Junge zu seiner Mama mitnahm. Und falls ein Vertreter wagte, nach seinen Hormonen zu handeln, genügte ein scharfer Blick, um die Luft rauszulassen. Es gelang Barbara stets, aufdringliche Kerle wie verschreckt jaulende Welpen weglaufen zu lassen.
Heirat kam für sie keinesfalls infrage. Gingen ein Mann und eine Frau erst einmal eine gefühlsmäßige Bindung ein, folgten Enttäuschung und ein gebrochenes Herz.
Barbara öffnete wieder die Augen. Sams Bild verschwand ebenso wie ihre zynischen Gedanken. Bestimmt beeinflussten derartig negative Überlegungen ihr Aussehen. Sie lockerte das lange, naturblonde Haar auf. Das Klingeln der goldenen Glöckchen, die am Armband befestigt waren, beruhigte sie diesmal nicht. Dafür machte sie sich zu große Sorgen.
Sie konnte Sams Heiratspläne in keiner Weise aufhalten. Sein Privatleben ging sie nichts an. Mr. Reed war ihr Chef – nicht mehr und nicht weniger. Wenn er seine fest gefügte, sichere Welt in ein einziges Chaos verwandeln wollte, war das sein Problem und nicht ihres.
Ganz sicher stand es nicht ihr zu, ihren Arbeitgeber darauf hinzuweisen, dass er viel zu viel damit zu tun hatte, schöne Häuser zu entwerfen, um im Leben einer Frau die Rolle des Ehemannes und Vaters einzunehmen. Sie ging jede Wette ein, dass Mr. Reed in spätestens sechs Monaten unglücklich sein würde. Und ihr eigener Job als Assistentin stand auf der Kippe.
Diesbezüglich wusste sie Bescheid. Den letzten Job hatte sie kündigen müssen, weil ihr damaliger Chef sich bei ihr ausgeweint hatte. Nach der Scheidung war es ihm peinlich gewesen, dass er intime Details der Ehe enthüllt hatte. Und diese Peinlichkeit hatte zu einer angespannten und sehr unangenehmen Atmosphäre bei der Arbeit geführt. Bevor
