Philosophie und die Idee des Kommunismus: Im Gespräch mit Peter Engelmann
Von Alain Badiou und Peter Engelmann (Editor)
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Alain Badiou
Alain Badiou, geboren 1937 in Rabat, Marokko, lebt als Philosoph, Mathematiker und Romancier in Paris.
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Traut den Weißen nicht! Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenPhilosophie und Aktualität: Ein Streitgespräch Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenKlartext: Eine Kontroverse Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenDas Erwachen der Geschichte Bewertung: 0 von 5 Sternen0 Bewertungen
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Buchvorschau
Philosophie und die Idee des Kommunismus - Alain Badiou
Erstes Gespräch
Peter Engelmann: Bevor wir uns dem konkreten Thema unseres Gesprächs, der „Idee des Kommunismus in deiner philosophischen Arbeit zuwenden, möchte ich diese Fragestellung in einen größeren Zusammenhang von Fragen sowohl zur Philosophie als auch zur Politik stellen. Deine Philosophie arbeitet einen Begriff vom Subjekt heraus, der sich vom Subjektbegriff der kapitalistischen Gesellschaft unterscheidet, die dieses in einer reduzierenden Weise als Konsumenten und wirtschaftlichen Konkurrenten auffasst. Der Begriff „Subjekt
hat eine lange Geschichte in der Philosophie, und in Frankreich gab es auch eine Theorie vom Tod des Subjekts. Was mich interessiert, ist die Eingliederung deines Subjektbegriffs in den philosophischen Kontext Frankreichs ab den Sechzigerjahren.
Alain Badiou: Ich möchte zu diesem Punkt zwei Bemerkungen machen. In den Fünfzigerjahren war ich zunächst sehr von Sartre beeinflusst. In den ersten Jahren meiner philosophischen Studien war ich immer der Ansicht, die Kategorie des Subjekts sei eine grundlegende, und das war sie auch, besonders in Form der Theorie des freien Gewissens, die Sartre damals entwickelte. Ich kann also sagen, dass ich von einer Philosophie herkomme und ausgehe, die von der Theorie des Subjekts beherrscht wird und die in einer phänomenologischen Sprache formuliert ist. Ich komme also vom Subjektbegriff im Sinne Sartres, aber auch im Sinne Merleau-Pontys und schließlich im Sinne Husserls. Ab dem Ende der Fünfzigerjahre, als ich in die École Normale kam und dort Althusser begegnete, die ersten Bücher von Derrida las und dort Lacans Lehre begegnete, ging ich über zum Strukturalismus, das heißt zu einer Philosophie, in der das Subjekt problematisch ist. Für Althusser war das Subjekt ein ideologischer, bürgerlicher Begriff. Für Lévi-Strauss und die strukturalistische Tradition zählen nur die Strukturen, und in der heideggerschen Tradition ist das Subjekt ein Begriff aus der Metaphysik, der dekonstruiert werden muss.
All dem begegnete ich damals allerdings mit einer Art von innerem Widerstand, der einen philosophischen Ursprung hatte – die Lehre Sartres und der großen Phänomenologie der damaligen Zeit. Dieser Widerstand hatte aber vor allem persönliche, praktische Wurzeln, denn ich sah und sehe nicht, wie man in der Politik auf die Kategorie des Subjekts verzichten kann.
Peter Engelmann: Und warum kann man in der Politik nicht auf das Subjekt verzichten?
Alain Badiou: Ich kann insbesondere in der Politik nicht auf das Subjekt verzichten, weil Politik eine Frage der Orientierung ist, des Wirkens, der Entscheidungen, der Grundsätze, etwas, was nach einem Subjekt verlangt, nach einer subjektiven Dimension. Ich stelle außerdem fest, dass der Versuch, die Politik – und den Marxismus – auf einen rein objektiven Kontext zu reduzieren, ohne die Figur eines Subjekts, zu nichts anderem führt als zu einer Art von reinem Ökonomismus, innerhalb dessen man nicht einmal weiß, was das politische Handeln im eigentlichen Sinne ist – als entschiedenes, freies und konstruktives Handeln. Aus allen diesen Gründen ging ich zwar dennoch zum Strukturalismus über, mit meinen Kameraden von damals, aber mit der Idee, dass es möglich sein muss, die Lehren des Strukturalismus und/oder der Dekonstruktion mit einer Erneuerung des Subjektbegriffs zu vereinbaren, indem man die Kategorie des Subjekts umformt und beibehält.
Ich denke, schlussendlich war damals die wichtigste Lehre für mich die von Lacan, denn es war Lacan, der einerseits den Strukturen eine beachtliche Bedeutung zugemessen hat, und zwar insbesondere den sprachlichen Strukturen – das Unbewusste ist strukturiert wie eine Sprache und so weiter –, der aber andererseits in der Nachfolge der Psychoanalyse die Kategorie des Subjekts naturgemäß beibehielt und sie darüber hinaus sogar umformte und etwas absolut Zentrales daraus machte. Ich bin also dieser Lehre als der Möglichkeit begegnet, einen Weg zu finden, der einige der Lehren der spekulativen Moderne akzeptiert, aber gleichzeitig die Kategorie des Subjekts beibehalten kann – natürlich um den Preis einer bedeutenden Umformung dieser Theorie. Ich denke, das ist bis heute mein Programm geblieben.
Peter Engelmann: Ich frage mich schon seit Langem, wie du deine Position in diesem Kontext definierst. Du hast gesagt, auf politischer Ebene könnte man ohne den Subjektbegriff nicht handeln. Aber ich möchte wieder auf die Philosophie zurückkommen. Du hast auf Philosophen angespielt, die eine Kritik des Subjektbegriffs ausgearbeitet haben, aber dann bist du direkt zur Politik übergegangen.
Alain Badiou: Nein, ich habe einfach die Politik als ein Beispiel für ein Feld des Schaffens und der Aktivität angeführt, in dem das Hauptproblem die Konstruktion eines Subjekts ist.
Peter Engelmann: Würdest du zustimmen, wenn ich sage, dass man in allen Feldern menschlicher Tätigkeit einen Subjektbegriff braucht?
Alain Badiou: Da müssen wir jetzt einen Umweg machen, denn bei mir ist der Begriff des Subjekts eng verbunden mit zwei anderen Begriffen: dem Begriff des Ereignisses und dem Begriff der Wahrheit. Ein Subjekt ist immer ein Subjekt der Wahrheit. Es ist immer das Subjekt für ein Verfahren der Konstruktion von Wahrheit oder innerhalb eines Verfahrens der Konstruktion von Wahrheit. Meine eigene Art, den metaphysischen Begriff des Subjekts zu kritisieren, besteht darin, dass ich sage, das Subjekt ist eine Schöpfung, etwas, was ich konstituiere, es ist keine Gegebenheit. Gegeben ist zum Beispiel die Figur des Individuums. Doch „Individuum und „Subjekt
ist für mich nicht dasselbe, es ist sogar ein letztlich ganz grundlegender Gegensatz, auch wenn die Individuen immer dazu aufgerufen sind, Subjekte zu werden oder in ein Subjekt einzutreten. Es ist ein Aufruf, keine natürliche und beständige Bewegung. Und dieser Aufruf ergeht im Namen eines realen Prozesses, der politisch sein kann, der aber auch etwas anderes sein kann: ein politischer Prozess, ein künstlerischer Prozess, ein Prozess der Liebe. In allen diesen Fällen gibt es einen subjektiven Aufruf.
Peter Engelmann: Stimmst du mir zu, wenn ich sage, eine Kritik des Subjektbegriffs ist gerechtfertigt, aber gleichzeitig ist eine Kritik des Individuums nicht möglich, weil das Individuum eine Gegebenheit ist?
Alain Badiou: Absolut.
Peter Engelmann: Ich finde das sehr wichtig, weil es ermöglicht, einige Probleme der Dekonstruktion zu lösen.
Alain Badiou: Ich denke, bei der Kritik am Subjektbegriff ist es wichtig, klar zu sehen, dass diese Kritik auf ein bestimmtes philosophisches Konstrukt abzielt, das eine Geschichte hat. Ich akzeptiere die Idee, dass der Subjektbegriff, wie man ihn von Descartes bis zu Sartre findet, in gewisser Hinsicht ein Begriff, ein metaphysisches Konstrukt ist. Wenn ich sage, ich greife die Kategorie „Subjekt" wieder auf, dann geschieht das in einem ganz anderen Kontext. Ich stimme natürlich zu, wenn man sagt, in dieser metaphysischen Tradition gebe es eine Art Verschmelzung von Individuum und Subjekt. Wenn man zum Beispiel das Subjekt des kartesianischen Cogito nimmt, dann ist das ein Konstrukt: Dieses Konstrukt verweist im Grunde auf eine individuelle Erfahrung, sogar das Bewusstsein bei Sartre ist ein individuelles Bewusstsein. Sartre identifiziert selbst das Individuum anhand seiner subjektiven Gestalt, also tatsächlich anhand seiner bewussten Gestalt. Was ich also von der Dekonstruktion der metaphysischen Kategorie des Subjekts beibehalte, ist der Aspekt, dass es dieses universale Konstrukt abzubauen gilt, das das Subjekt am Individuum festmacht. Man hat
