Philosophie und Aktualität: Ein Streitgespräch
Von Alain Badiou, Slavoj Žižek und Peter Engelmann (Editor)
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Alain Badiou
Alain Badiou, geboren 1937 in Rabat, Marokko, lebt als Philosoph, Mathematiker und Romancier in Paris.
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Buchvorschau
Philosophie und Aktualität - Alain Badiou
Vorwort des Herausgebers
Der frühere französische Präsident François Mitterand war bekannt dafür, dass er während seiner Amtszeit immer wieder Philosophen in den Élysée einlud, um mit ihnen Fragen der Politik und gesellschaftliche Perspektiven zu besprechen. Er stand damit in einer langen Tradition, in der die aufgeklärte Macht die Nähe der Philosophen suchte und aus dieser Nähe Legitimation bezog. Ob diese Treffen Mitterands politische Entscheidungen beeinflusst haben, wissen wir nicht, aber zumindest ist er uns als intellektueller Präsident im Gedächtnis geblieben.
Ob ihr Rat nun ernsthaft gefragt ist oder ob sie nur als Staffage und intellektuelles Feigenblatt benutzt werden, besonders gut kommen die eingeladenen Intellektuellen bei solchen Inszenierungen in Wahrheit meist nicht weg. Dennoch scheint es einen großen Reiz auf sie auszuüben, an den Tisch der Macht geladen zu werden.
Die Zeiten, in denen es wichtig war, was Philosophen wie Simone de Beauvoir oder Jean-Paul Sartre, Michel Foucault oder Jean-François Lyotard zum aktuellen Geschehen zu sagen hatten und welche Vorschläge sie zur Verbesserung der Zustände machen würden, gehören der Vergangenheit an. Heute werden sogar die Darsteller von Philosophen, die die Philosophen in den 1970er Jahren abgelöst haben, ihrerseits durch Entertainer und Models, durch Fußballer und Boxer ersetzt.
Man ist daher versucht, von einem Goldenen Zeitalter zu sprechen, als die Meinung von Philosophen noch zu zählen schien, aber waren das wirklich bessere Zeiten?
So lange ist es schließlich auch noch nicht her, dass wir darüber diskutiert haben, welchen Anteil der Philosoph Karl Marx an den totalitären Regimes Russlands und später der Länder des sowjetischen Blocks hatte. War nicht der Massenmörder Pol Pot ein in Paris ausgebildeter Intellektueller? Wie viele Menschen wurden während der chinesischen Kulturrevolution erniedrigt, vertrieben und umgebracht?
Die Frage dieses Buches, ob der Philosoph am aktuellen Geschehen teilnehmen und es kommentieren solle, ist die auf die Philosophen zugeschnittene Frage nach der Rolle der Intellektuellen in unserer Gesellschaft. Dass die Philosophen die Welt nicht nur interpretieren, sondern verändern sollten, das reicht als Antwort heute nicht mehr aus.
Die Antwort auf diese Frage muss heute zwei Extreme berücksichtigen. Auf der einen Seite lastet die Beteiligung Intellektueller an den Verbrechen des 20. Jahrhunderts schwer auf dem Selbstverständnis dieser gesellschaftlichen Gruppe, jedenfalls soweit sie nicht geschichtsvergessen agiert. Auf der anderen Seite können wir uns fragen, ob wir tatsächlich einen guten Tausch machen, wenn wir Models, Moderatoren, Sportler und ähnliche Gruppen in der heutigen Mediengesellschaft die Position des Intellektuellen besetzen lassen.
Die Antworten des Pariser Philosophen Alain Badiou und des slowenischen Philosophen und Psychoanalytikers Slavoj Žižek, die 2004 in Wien über dieses Thema sprachen, fallen bescheidener und skeptischer aus, als man es vielleicht von Philosophen erwarten würde. Statt sich in alte Herrlichkeiten zu flüchten, die durch die Geschichte längst obsolet geworden sind, versuchen sie sich auf die spezifischen Qualitäten des philosophischen Denkens zu besinnen und leiten von dort ihre Antworten ab.
Alain Badiou und Slavoj Žižek kennen und schätzen sich seit langem. Slavoj Žižek schlug Alain Badiou immer wieder für das Passagen-Programm vor. Umgekehrt bemühte sich Alain Badiou um die Übersetzung der Werke Slavoj Žižeks ins Französische. Beide wissen, was der andere sagen und wie er argumentieren wird, jedenfalls in groben Zügen. Uber wichtige philosophische Begriffe und Konzepte sind sie uneinig, wie sie auch bei dieser Gelegenheit wieder bestätigen. Das gilt für den Begriff des Ereignisses und des Realen, aber auch für ihr Verständnis der Rolle des Imaginären oder der Politik. Einigkeit erzielen sie hingegen darüber, dass das philosophische Engagement sich aus der Eigenheit philosophischen Denkens ergeben muss und darin auch seine Grenzen setzen sollte.
Das vorliegende Buch verdanken wir der Idee und Initiative von François Laquièze, dem ehemaligen Leiter des Französischen Kulturinstituts in Wien, der Alain Badiou und Slavoj Žižek nach Wien zu einer Diskussion mit offenem Ausgang eingeladen hatte. Sein Partner für diese Veranstaltung war Vincenc Rajšp, Leiter des Slowenischen Wissenschaftsinstituts in Wien. Einzige Vorgabe war das Thema, alles andere hing von der Diskussion ab, die der Wiener Journalist Claus Philipp moderierte.
François Laquièze hat in seiner Zeit in Wien dem Austausch zwischen der französischen und der deutschsprachigen Kultur viele Impulse auf hohem Niveau gegeben und das Institut Français de Vienne zu einer neuen Blüte geführt, die bis heute in der Stadt nachwirkt. Vor allem hat er sich nicht gescheut, das übliche Programm der Kulturinstitute durch substantielle Beiträge des zeitgenössischen Denkens und der Philosophie zu ergänzen. Dafür danken wir ihm herzlich.
Bei der Zusammenstellung des Buches haben wir darauf verzichtet, die Texte zu glätten. Wir wollten bewusst den spontanen Charakter erhalten und das Gesagte nicht zu einem systematisch begründeten Gedankengebäude verfälschen. Vielmehr soll das Buch anregen, zum Widerspruch, zur Vertiefung, zum Weiterlesen.
Vielleicht stimmt die These von Žižek, dass Philosophie kein Dialog sei. Anregend ist das philosophische Gespräch jedoch allemal, wie die Veranstaltung und jetzt das Buch zeigen.
Peter Engelmann
Alain Badiou
Das Ereignis denken
Wir fragen uns heute Abend, auf welche Art sich die Philosophie einmischt – ins Zeitgeschehen, in historische und politische Fragen und so weiter – und was die Natur dieser Einmischung ist. Warum sollte sich der Philosoph in Fragen des Zeitgeschehens einmischen? Slavoj Žižek und ich werden darüber ein paar anfängliche Überlegungen anstellen und anschließend diskutieren. In vielerlei Hinsicht sind wir uns allerdings einig und können Ihnen daher keine Schlacht versprechen; aber wir tun, was wir können.
Zuerst, glaube ich, müssen wir uns von einer falschen Vorstellung befreien: dass die Philosophie über alles sprechen könne. Diese Vorstellung gehört zur Figur des Fernseh-Philosophen: er spricht über Gesellschaftsprobleme, über Probleme des Zeitgeschehens ... Warum
