Baccara Spezial Band 5
Von Elle James, Cynthia Eden, Victoria Werner und Tawny Weber
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Über dieses E-Book
GEFÄHRLICHE KÜSSE IN MEXIKO von ELLE JAMES
Entspannung pur in Mexiko - das war Duff Callaways Plan. Aber dann kreuzt die hinreißende Natalie seinen Weg zum Pool. Plötzlich wird der Urlaub für den Navy SEAL sexy - und gefährlich! Denn Duff muss sie retten, als man versucht, Natalie bei einem Tauchausflug zu verschleppen …
IM SCHATTEN DEINER ANGST von CYNTHIA EDEN
"Ich bin unschuldig!" Voller Angst vor einer Mordanklage wendet Scarlett sich an Privatdetektiv Grant McGuire. Vor zehn Jahren hat der coole Army-Mann ihr das Herz gebrochen. Jetzt ist er der Einzige, der ihre Unschuld beweisen kann. Und ihr Herz wieder heilen …
GERETTET VON DEM SEXY SEAL von TAWNY WEBER
Ein Schuss, überall Blut - in einem Hotel wird Lila Zeugin eines Mordes. Verstört flieht sie an den Strand, wo sie einem attraktiven Fremden begegnet. Er begleitet sie zurück an den Tatort, doch der ist makellos! Eine gefährliche Suche nach der Wahrheit beginnt für sie beide …
Elle James
New-York-Times-Bestsellerautorin Elle James schrieb ihren ersten Liebesroman, nachdem ihre Schwester sie dazu anstiftete. Neben einem Vollzeitjob hat sie drei wundervolle Kinder großgezogen. Elle und ihr Ehemann haben auf ihrer Farm eine Zeitlang exotische Vögel gezüchtet (Strauße, Emus und Nandus). Sie kann also Geschichten darüber erzählen, wie es ist, sich mit einem wütenden 150 Kilo schweren Vogel anzulegen! Elle freut sich über Nachrichten von ihren Fans an ellejames@earthlink.net oder auf ellejames.com.
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Buchvorschau
Baccara Spezial Band 5 - Elle James
Elle James, Cynthia Eden, Tawny Weber
BACCARA SPEZIAL BAND 5
IMPRESSUM
BACCARA SPEZIAL erscheint in der HarperCollins Germany GmbH
© Deutsche Erstausgabe in der Reihe BACCARA SPEZIAL
Band 5 - 2020 by HarperCollins Germany GmbH, Hamburg
© 2016 by Mary Jernigan
Originaltitel: „Navy SEAL Survival"
erschienen bei: Harlequin Enterprises Ltd., Toronto
in der Reihe: INTRIGUE
Published by arrangement with HARLEQUIN ENTERPRISES II B.V./S.àr.l.
Übersetzung: Juliane Zaubitzer
© 2015 by Cindy Roussos
Originaltitel: „Confessions"
erschienen bei: Harlequin Enterprises Ltd., Toronto
in der Reihe: INTRIGUE
Published by arrangement with HARLEQUIN ENTERPRISES II B.V./S.àr.l.
Übersetzung: Victoria Werner
© 2019 by Tawny Weber
Originaltitel: „Navy SEAL to the Rescue"
erschienen bei: Harlequin Enterprises Ltd., Toronto
in der Reihe: ROMANTIC SUSPENSE
Published by arrangement with HARLEQUIN ENTERPRISES II B.V./S.àr.l.
Übersetzung: Dagmar Wieczorek
Abbildungen: Harlequin Books S. A., Zhan Joseph_Getty Images, alle Rechte vorbehalten
Veröffentlicht im ePub Format in 04/2020 – die elektronische Ausgabe stimmt mit der Printversion überein.
E-Book-Produktion: GGP Media GmbH, Pößneck
ISBN 9783733729264
Alle Rechte, einschließlich das des vollständigen oder auszugsweisen Nachdrucks in jeglicher Form, sind vorbehalten.
CORA-Romane dürfen nicht verliehen oder zum gewerbsmäßigen Umtausch verwendet werden. Sämtliche Personen dieser Ausgabe sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen sind rein zufällig.
Weitere Roman-Reihen im CORA Verlag:
BIANCA, JULIA, ROMANA, HISTORICAL, TIFFANY
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ELLE JAMES
Gefährliche Küsse in Mexiko
Außer sich vor Sorge fliegt Natalie nach Mexiko: Seit einem Tauchausflug ist ihre Schwester spurlos verschwunden. Als sie genau wie Melody eine Tauchexkursion macht, passiert es: Unter Wasser wird sie attackiert – und von einem ebenso mutigen wie attraktiven Mann gerettet. Plötzlich ist SEAL Duff Callaway ihre einzige Hoffnung, Melody lebend zu finden …
CYNTHIA EDEN
Im Schatten deiner Angst
„Wenn du mich jemals brauchst, bin ich für dich da." Grant weiß, was er Scarlett antut, als er mit ihr Schluss macht. Aber sein Leben ist nun mal die Army. Zehn Jahre später betritt Scarlett seine Privatdetektei: Sie steht unter Mordverdacht! Grant muss sein Versprechen halten. Was viel weiter führt als nur dazu, Scarletts Unschuld zu beweisen …
TAWNY WEBER
Gerettet von dem sexy SEAL
Die nackte Angst steht in Lila Adrians Augen! Ex-SEAL Travis ist alarmiert. Offenbar hat die sexy Blondine in einem Restaurant einen Mord beobachtet, die gnadenlose Hinrichtung eines Kochs. Travis‘ Beschützerinstinkt ist geweckt. Und schon kurz darauf muss er die schöne Zeugin vor der Rache eines skrupellosen Verbrecherrings in Costa Rica bewahren …
Gefährliche Küsse in Mexiko
1. KAPITEL
„Was für ein Leben. Dutton „Duff
Calloway streckte sich auf der Liege am Pool aus und schloss die Augen.
Sawyer reichte ihm einen mit Obst garnierten Cocktail, bevor er sich auf die Liege daneben setzte. „Ich kann immer noch nicht glauben, dass wir alle vier gleichzeitig Urlaub bekommen haben." Er zog das bunte Papierschirmchen aus einem Stück Ananas in seinem Drink.
Duff stürzte gierig ein Drittel des Cocktails hinunter. Normalerweise bevorzugte er eisgekühltes Bier. Doch das Gemisch aus Orangensaft, Ananas und was immer noch darin sein mochte, war erfrischend und ließ ihn ein wenig mehr entspannen, so wie er es sich von der Zeit in Cancún erhofft hatte. „Freu dich darüber und hinterfrag es nicht. Er beschattete seine Augen mit einer Hand und spähte durch die Palmen zum Strand. „Wo sind Quentin und Montana hin?
„Sie haben irgendwas davon gesagt, dass sie sich für einen Tauchausflug morgen anmelden wollen. Also habe ich sie gebeten, uns auch auf die Liste zu setzen."
Duff schloss die Augen und sog die warmen Sonnenstrahlen in sich auf. „Klingt gut. Nach diesem Einsatz bei dem Terroristen-Ausbildungslager in Honduras genieße ich es, einmal andere die Arbeit machen zu lassen."
Sawyer verschränkte die Hände hinter dem Kopf und grinste. „Ja. Was für ein Leben."
Auch Duff musste grinsen. „Keine Befehle, keine Waffen, keine Terroristen. Nur meine Freunde und das … Er hob den Cocktail. „Fehlt nur noch ein kaltes Bier.
„Und Frauen", fügte Sawyer hinzu.
Duff nickte schweigend. Wie lange war es her, dass er mit einer Frau zusammen gewesen war? Er seufzte. Zu lange auf jeden Fall.
Das Kichern weiblicher Stimmen wehte vom gegenüberliegenden Ende des Pools herüber.
Sawyer hob den Kopf. „Wenn man vom Teufel spricht."
Die Gruppe schnatternder Mädchen war im College-Alter, alle geschminkt und in Bikinis, bewaffnet mit großen Strandtaschen.
Duff seufzte. „Zu jung."
„Was ist mit ihr?" Sawyer deutete mit dem Kopf auf eine Frau, die gerade aus dem Hotel kam. Sie trug einen schwarzen Badeanzug mit einem tiefen V-Ausschnitt, der bis zum Bauchnabel reichte. Das blonde Haar fiel ihr auf die Schultern. An der Tür blieb sie kurz stehen und setzte eine Sonnenbrille auf. Dann lief sie barfuß über den Beton, die Zehennägel ihrer nackten Füße schimmerten in einem knalligen Rot.
Duff gelang es nicht, den Blick von ihr abzuwenden, und sein Puls beschleunigte sich. Sie konnte nicht viel älter sein als die College-Mädchen, doch sie bewegte sich wie ein Model. Als sie an Duff und Sawyer vorbeiging, klappte Duff die Kinnlade runter.
Vom Liegestuhl neben ihm ertönte ein leiser Pfiff, mit dem Sawyer ihm aus der Seele sprach.
Der Badeanzug der Frau war hinten tief ausgeschnitten, kaum mehr als ein String und entblößte einen knackigen Po.
Neben ihm erklang ein leises Lachen. „Das interpretiere ich als ein Ja. Und wenn du dich nicht an sie ranmachst, gehört sie mir", meinte Sawyer.
„Wer redet denn von ranmachen?"
„Nicht interessiert? Sawyer schwang die Beine über den Rand des Liegestuhls und stand auf. „Du magst vielleicht den ganzen Tag in der Sonne liegen wollen und Cocktails trinken …
Er hob die Hände. „Und daran ist nichts auszusetzen. Aber ich brauche eine Frau, die nachts meinen Namen schreit. Und sie könnte genau die Richtige sein. Sawyer legte zwei Finger an die Stirn und salutierte. „Bis später.
„Viel Glück." Duff lehnte sich zurück und schloss die Augen. Wenn er nur nicht so erschöpft wäre, würde er Sawyer an den Strand folgen und ihm zeigen, was eine Harke ist.
Gähnend stellte er seinen Cocktail neben sich auf dem Tisch ab. Später.
Außerdem hatte er Urlaub, und Frauen konnten äußerst anstrengend sein. Nach einem kleinen Schläfchen würde er die heiße Blondine vielleicht in ein Gespräch verwickeln.
Er streckte sich. Die Sonne wärmte seine Haut und war Balsam für seine Seele. Duff genoss diesen paradiesischen Ort ohne Schüsse und Explosionen.
Was für ein Leben.
Gerade als er langsam wegdöste, traf ihn etwas am Kopf.
Duff fuhr hoch und sah ein kleines Mädchen, das ihn ängstlich mit großen braunen Augen ansah. „Tut mir leid, Mister." Ihr Blick wanderte zu dem Strandball, der unter seine Liege rollte.
Lächelnd griff er nach dem Ball und gab ihn dem Mädchen zurück.
„Danke." Sie rannte zurück zum Poolrand, wo ein Mädchen und zwei Jungen, die aussahen wie ihre Geschwister, auf sie warteten. Keins der Kinder war älter als zehn.
„Wer zuerst im Wasser ist", rief der Älteste. Die Mädchen kreischten, und alle vier Kinder sprangen hinein, sodass Duff von oben bis unten nass wurde.
Als sie wieder auftauchten, plapperten und kreischten sie aufgeregt.
Statt sich über den missglückten Mittagsschlaf zu ärgern, stand er auf und folgte Sawyer an den Strand. Wenn er schon wach war, konnte er ebenso gut das Beste daraus machen. Sicher hatte sein Freund die Blondine schon angesprochen, und Duff wollte sie fragen, ob sie Lust auf einen Drink hatte.
Das Schlimmste, was passieren konnte, war, dass er eine Abfuhr von dieser atemberaubenden Frau kassierte.
Natalie Layne betrat den Strand von Cancún und grub die Zehen in den warmen weißen Sand. Sie war den Spuren ihrer Schwester gefolgt. Melody war vor einer Woche mit ihren Kappa-Delta-Verbindungsschwestern hier angekommen. Sechs junge Frauen, die sich ein bisschen amüsieren wollten. Als Melodys einzige lebende Verwandte hatte Natalie ihre Schwester gebeten, sich jeden Tag zu melden. Und Melody war ihrer Bitte nachgekommen und hatte jeden Tag eine SMS geschickt. Bis zum vierten Tag.
Erst spät am Abend hatte das Telefon geklingelt. Am anderen Ende der Leitung ertönte eine Stimme mit schwerem Akzent. „Wir müssen ihnen leider mitteilen, dass ihre Schwester Melody gegen drei Uhr bei einem Tauchausflug verschwunden ist."
Vor zwei Jahren hatte sie bei einer Massenkarambolage auf der Interstate 10 schon ihre Eltern verloren. Nun weigerte Natalie sich zu begreifen, was der Mann sagte.
Ihre Schwester? Verschwunden?
Nach dem Tod ihrer Eltern hatte Natalie ihren ebenso aufregenden wie einträglichen Job als Geheimagentin an den Nagel gehängt und war nach New Orleans zurückgekehrt, um sich um ihre Schwester zu kümmern, bis diese die Schule abgeschlossen hatte.
Und jetzt das.
Natalie hatte sich die Informationen des Polizisten aus Cancún notiert und aufgelegt. Wie betäubt hatte sie ihren Computer aufgeklappt. Es hatte ihr von Anfang an nicht gefallen, dass ihre Schwester allein nach Mexiko reisen wollte. Doch sie war volljährig und brauchte das Einverständnis ihrer Schwester nicht mehr.
Nur wenige Minuten nachdem sie den Anruf erhalten hatte, wählte sie die Nummer ihres ehemaligen Arbeitgebers Royce Fontaine.
Es gab niemanden, der ihr besser helfen konnte als der Chef der Stealth Operations Specialists, kurz S.O.S., einer Behörde für verdeckte Ermittlungen.
„Natalie, willst du endlich wieder für uns arbeiten? Er lachte leise. „Wird dir das Leben als Reisejournalistin langweilig?
„Royce, ich brauche eure Hilfe."
Sein Lachen verstummte. „Was immer es ist, wir sind für dich da."
Sie erklärte die Situation und ließ ihm Zeit, die Informationen zu verarbeiten.
„Ich frage mal nach, ob es in der Gegend in letzter Zeit Fälle von vermissten Frauen gegeben hat, erwiderte Royce. „Dein Misstrauen ist berechtigt.
„Sag mir Bescheid, wenn du etwas herausfindest. Ich mache mich inzwischen auf den Weg nach Cancún."
„Mach ich, sagte Royce. „Ich schicke Lance Johnson mit der nötigen Ausrüstung im Privatjet runter, um dich zu verkabeln, damit wir dich finden, wenn du in Schwierigkeiten gerätst.
„Danke, Royce. Ich wusste, ich kann auf dich zählen."
„Jederzeit. Eigentlich sollte Lance morgen eine andere Mission übernehmen, aber darum kann ich mich auch selbst kümmern."
„Tut mir leid, wenn ich euch Umstände bereite …"
„Nat, es geht um deine Schwester. Die Familie geht vor. Deshalb schicke ich Lance. Er ist technisch genauso versiert wie Geek, aber falls du Verstärkung brauchst, ist er die bessere Wahl."
„Gut." Natalie war in Gedanken schon fünf Schritte voraus und überlegte fieberhaft, was sie vor ihrer Abreise nach Mexiko noch alles erledigen musste.
„Hör zu, warum fliegst du nicht mit Lance zusammen in unserem Jet? Das spart dir Zeit und Geld."
„Ich weiß nicht. Ich habe das Gefühl, es ist besser, wenn ich undercover ermittle. Vielleicht bekomme ich so mehr Antworten."
„Na schön. Aber mit unserem Jet bist du schneller. Lance kann dich an einem anderen Flughafen absetzen, dann kommt ihr getrennt an."
„Einverstanden."
Während Natalie für Cancún packte, suchte sie in Melodys Nachrichten und Fotos nach Hinweisen. Im Kopf spielte sie diverse Szenarien durch, die ihrer Schwester zugestoßen sein könnten, eins schlimmer als das andere.
Als ihr Handy klingelte, war sie so in ihre Gedanken versunken, dass sie erschrak.
„Ich fürchte, ich habe keine guten Neuigkeiten", sagte Royce ohne Begrüßung.
Natalie sank das Herz. „Was hast du herausgefunden?"
„In den letzten beiden Tagen sind in Cancún drei Frauen verschwunden, alle unter fünfundzwanzig."
„Warum war das nicht in den Nachrichten?"
„Alle drei stammen aus verschiedenen Ländern – Schweden, Australien und jetzt USA. Für jedes einzelne Land sah es aus wie ein einmaliger Zwischenfall. Die mexikanische Regierung hat offiziell keinen Zusammenhang hergestellt. Mein Kontakt in Cancún sagt, man will die Sache runterspielen."
Natalie packte die Wut. „Drei Frauen? Alle sind beim Tauchen verschwunden?"
„Zwei beim Tauchen. Die dritte ist angeblich in einen verlassenen Schacht bei den Maya-Ruinen von Chichén Itzá gestürzt. Das liegt etwa eine Stunde von Cancún entfernt."
Natalie konnte nicht glauben, dass man die Suche so leicht aufgegeben hatte. Andererseits hatte die mexikanische Polizei genug andere Sorgen und stand möglicherweise unter der Fuchtel des dortigen Drogenkartells. Vielleicht hatte sie gar kein Interesse daran, die Frauen zu finden. „Hat man überhaupt versucht, sie zu finden?"
„Mein Kontakt sagt, man hat die Suche bei Einbruch der Dunkelheit eingestellt. Falls du hinfährst …"
„Nicht falls, unterbrach ihn Natalie. „Ich fahre auf jeden Fall.
„Natürlich, fuhr Royce fort. „Hast du noch die falschen Pässe?
„Hab ich."
„Nimm einen ausländischen, aber nicht Schweden oder Australien. Und bleib blond. Die anderen drei Frauen waren alle blond."
„Gut zu wissen."
„Ich habe Geek ihren familiären Hintergrund überprüfen lassen. Sie stammen alle aus Familien, die keine Mittel haben, um ein Lösegeld zu zahlen, und schon gar nicht, um lange Prozesse zu führen oder Privatdetektive zu engagieren, die nach ihren Töchtern suchen."
Natalie knirschte mit den Zähnen. Die Frauen waren ausgewählt worden, weil sie blond und jung waren und von ihren Familien keine finanzielle Unterstützung erwarten konnten.
„Du glaubst also nicht, dass sie entführt wurden, um Lösegeld zu fordern."
„Nein." Sein Tonfall sagte alles.
Falls die Frauen entführt worden waren, konnte man mit dem oder den Kidnappern nicht verhandeln. Sie würden die Mädchen verkaufen oder unter Drogen setzen und zur Prostitution zwingen.
Natalie zwang sich, einen kühlen Kopf zu bewahren. „Je eher wir sie finden, desto besser."
„Genau." Royce versorgte sie mit den nötigen Informationen für das Treffen mit Lance am Flughafen von New Orleans am nächsten Morgen.
Nachdem sie das Gespräch beendet hatte, sah sie ihre alten Pässe durch. In ihrem alten Leben als Geheimagentin waren sie unentbehrlich gewesen, um durch die Welt zu reisen, ohne Verdacht zu erregen. Zum Glück hatte sie damals dem Impuls widerstanden, sie zu vernichten.
Sie nahm den britischen Pass und betrachtete das Bild. Auf dem Foto trug sie ihre Haare kürzer. Es war vor drei Jahren aufgenommen worden, als sie noch aktive Agentin gewesen war.
Unter ihrem britischen Decknamen Natalia Scranton, dreiundzwanzig Jahre alt, reservierte sie ein Zimmer im selben Hotel, in dem Melody und ihre Freundinnen Urlaub machten.
An Schlaf war nicht zu denken, doch sie versuchte es trotzdem. Das Handy lag neben ihr auf dem Kissen, für den Fall, dass Melody sich wie durch ein Wunder melden sollte.
Am nächsten Tag hatte sie sich mit Lance am Flughafen getroffen und den Privatjet der S.O.S. bestiegen. Nachdem sie gestartet waren, kam Lance mit einer Spritze auf sie zu.
Natalie hob eine Hand. „Stopp."
„Du brauchst einen Peilsender. Falls der Entführer der Mädchen dich in die Hände bekommt, müssen wir dich verfolgen können."
„Ja, aber warum die Spritze? Kann ich den Sender nicht in meine Tasche stecken?"
„Das würde funktionieren, wenn du Taschen hättest. Aber ich vermute mal, dass du eher im Badeanzug rumläufst."
Natalie runzelte die Stirn. „Mir gefällt der Gedanke nicht, rund um die Uhr überwacht zu werden."
„In diesem Fall ist es zu deinem Schutz."
„Okay, aber mach es so, dass ich den Sender jederzeit entfernen kann."
„Klar. Wo hättest du ihn denn gern?"
„Zwischen den Zehen." Sie hob den Saum ihres Sommerkleids und streckte das Bein aus.
Lance injizierte den Mikrochip und setzte sich mit einem Handgerät auf seinen Platz. Er schaltete es ein und wartete. „Da. Er zeigte auf den Punkt auf dem Bildschirm. „Da bist du. Egal ob du jetzt schwimmen, tauchen oder duschen gehst, wir können dich finden.
Natalie schnaubte. „Schön zu wissen, dass ich unter der Dusche Gesellschaft habe."
Lance grinste und öffnete einen Aluminiumkoffer. Daraus holte er etwas hervor, das aussah wie ein Hörgerät, und gab es ihr. „Weißt du noch, wie die funktionieren?"
„Ja, ja. Kommen wir zu den schönen Dingen. Sie beugte sich über den Koffer und nahm eine Kaliber 40 H&K-Pistole und mehrere Patronenschachteln heraus. „Eigentlich bevorzuge ich Kaliber 45 oder eine Neunmillimeter, aber die hier ist handlicher.
„Eben." Er reichte ihr ein Set mit Wurfmessern, ähnlich denen, die sie zu Hause in New Orleans sicher in ihrem Safe verwahrte.
Melody hatte keine Ahnung, wie Natalies Leben ausgesehen hatte, bevor sie nach dem Tod ihrer Eltern nach New Orleans zurückgekehrt war. Ihre Schwester dachte, sie hätte in Washington einen langweiligen Bürojob aufgegeben.
Bis an die Zähne bewaffnet war Natalie im Hotel angekommen und spielte die junge Frau, die Urlaub in der Sonne machen wollte.
Sie begrüßte die Angestellte am Empfang mit einem englischen Akzent, den sie sich einmal für eine Mission in Oxford angeeignet hatte. Sie bat um ein Zimmer in dem Stockwerk, in dem auch die drei College-Freundinnen ihrer Schwester untergebracht waren.
Nachdem sie ihren Koffer ausgepackt und die Waffen im Safe verstaut hatte, zog sie ihr Sommerkleid aus und den knappen Badeanzug an. Dann schnappte sie sich ein Strandtuch und ihre Sonnenbrille und ging nach unten. Sie durchquerte die Lobby und lief am Pool vorbei, wobei sie alle musterte, denen sie begegnete, und sich fragte, ob sie etwas mit dem Verschwinden ihrer Schwester zu tun haben könnten. Keine der jungen Frauen ähnelte denen auf Melodys Selfies.
Als sie an den Strand kam, hisste gerade jemand die rote Flagge, die signalisierte, dass es gefährlich war zu baden.
Mütter scheuchten ihre Kinder aus dem Wasser, Teenager schlurften maulend durch die Brandung an Land. Eine Gruppe junger Frauen in bunten Bikinis stand bis zur Hüfte im Wasser und fotografierte sich gegenseitig. Der Mann, der die Flagge gehisst hatte, winkte ihnen und rief, dass sie wegen der Strömung rauskommen sollten.
Natalie sah den weißen Strand hinunter, dankbar für ihre Sonnenbrille. Neben ihr knirschte der Sand, und ein Schatten streifte ihr Gesicht.
Sie erstarrte.
„Suchen Sie jemanden?", fragte eine tiefe männliche Stimme.
Sie gehörte einem Mann, der lediglich eine schwarze Badehose und ein Lächeln trug. Und das reichte vollkommen. Sein tätowierter Körper war atemberaubend, seine weißen Zähne leuchteten im Kontrast zu seiner sonnengebräunten Haut. Obendrein hatte der Fremde dunkles Haar, dunkle Augen und ein freundliches Gesicht.
„Nicht speziell", antwortete sie, ohne den britischen Akzent zu vergessen, und wandte sich gleich wieder ab.
„Ich bin Sawyer, sagte er. „Meine Freunde und ich sind heute angekommen.
„Wie schön." So attraktiv und muskulös der Mann auch sein mochte, er gehörte nicht zu Natalies Plan. Sie war wegen ihrer Schwester hier, nicht um mit einem heißen Typen in Badehose zu flirten.
„Schwirr ab, Sawyer", sagte eine andere Stimme hinter Natalie, und als sie sich umdrehte, sah sie einen noch größeren Mann mit pechschwarzem Haar und einem Kinn, das aussah, als könnte er damit Nüsse knacken.
Sie zog die Sonnenbrille ein Stück herunter, weil sie neugierig war, welche Farbe seine Augen hatten. Als ihre Blicke sich trafen, flatterte ihr Herz. Das tiefe Grün, in das sie schaute, verschlug ihr fast den Atem.
„Verzeihen Sie, sagte er. „Es ist eine Weile her, seit wir in Gesellschaft einer so schönen Frau waren.
Ein Schrei ertönte. Seine grünen Augen ließen von Natalie ab und richteten sich auf zwei entfernte Umrisse im Wasser, die zu weit draußen schwammen. Beides schienen Frauen zu sein, eine näher am Ufer als die andere. Die Frau, die weiter draußen war, schien, obwohl sie Richtung Land schwamm, immer weiter abzutreiben.
Der Mann mit den grünen Augen ließ Natalie stehen und joggte Richtung Wasser. Der Typ namens Sawyer heftete sich dicht an seine Fersen, und Natalie eilte ihnen nach.
„Sieht aus, als würde die Strömung sie abtreiben", sagte Sawyer.
Sein Freund antwortete nicht, sondern rannte mit unverminderter Geschwindigkeit Richtung Wasser. Er lief bis zu den Knien hinein und sprang dann in die Wellen.
Sawyer folgte ihm.
Obwohl sie starke Schwimmer waren, hatten auch sie Mühe, gegen die Strömung anzukommen.
Sawyer machte bei der ersten Frau Halt, während sein Freund zu der anderen weiterschwamm.
Ein Teenager beobachtete das Ganze vom Strand aus, ein Surfbrett unter dem Arm. Als Natalie ihn entdeckte, änderte sie ihre Richtung und rannte auf ihn zu. „Darf ich mir das mal ausleihen?"
Er gab es ihr, ohne Fragen zu stellen.
Mit dem Surfbrett unter dem Arm lief Natalie weiter auf das Wasser zu.
Als sie sich auf das Brett schwang, war Sawyer mit dem ersten Mädchen schon auf dem Weg zurück an Land. Sein Freund hatte das andere Mädchen inzwischen erreicht.
Die arme Frau war so verängstigt, dass sie sich an ihm festklammerte. Er versuchte, sich aus ihren Fängen zu befreien, doch je energischer er das tat, desto mehr geriet sie in Panik.
Dann verschwand er im Meer.
Die Frau, die sich an ihm festklammerte, ging mit ihm unter, ließ ihn jedoch sofort los und kämpfte sich zurück an die Oberfläche.
Natalie paddelte schneller und suchte das Wasser nach dem verschwundenen Mann ab. Tauch auf, betete sie. Tauch auf!
2. KAPITEL
Duff hätte lieber bei den Kindern am Pool bleiben sollen. Jetzt schwamm er mitten im Meer, bei gefährlicher Strömung, und eine hysterische Frau klammerte sich an ihm fest.
So viel zur Erholung.
Als er genug davon hatte, Wasser in die Nase zu bekommen, tauchte er unter. Die Frau, die sich an ihn geklammert hatte, ließ von ihm ab und kämpfte sich zurück an die Oberfläche. Sie schlug um sich, ihre Kräfte schwanden.
Er packte sie an den Knöcheln und zog sie nach unten, ließ sich nach oben gleiten und legte von hinten einen Arm über ihre Schulter und quer über ihren Bauch. Dann tauchte er auf und lehnte sie zurück, sodass sie in den Himmel sah. Sie strampelte mit Armen und Beinen wie ein kleiner Hund, der schwimmen lernt.
„Verdammt, Mädchen, hör auf zu zappeln", schimpfte Duff.
„Interessante Methode, ein verängstigtes Opfer zu beruhigen, sagte eine weibliche Stimme hinter ihm. Als er über seine Schulter sah, blickte er in die blauen Augen der Frau im schwarzen Badeanzug, die nun auf einem Surfbrett saß. „Was tun Sie denn hier?
, wollte Duff wissen. „Haben Sie die rote Flagge nicht gesehen?"
„Doch. Aber ich dachte, Sie brauchen vielleicht noch mehr als ihre starken Muskeln, um die Frau an Land zu bringen. Die Strömung ist zu stark, um das allein zu schaffen."
Duff hielt sich mit einem Arm über Wasser, während er mit dem anderen die Frau festhielt.
„Wie heißt du?", fragte die schöne Blondine auf dem Surfbrett die Frau in Duffs Arm.
„Lisa", antwortete diese schwach.
„Ich wette, du bist erschöpft."
Lisa nickte.
„Ich heiße Natalia, sagte die Blondine. „Und das ist …?
Sie zog die Augen hoch und bedachte Duff mit einem fragenden Blick.
„Duff", sagte er.
„Und da kommt auch der Rettungsschwimmer." Natalia blickte hinter sich, und Duff erkannte in der Ferne einen jungen Mann, fast noch ein Teenager, der auf einem Surfbrett angepaddelt kam.
„Lisa, willst du mit mir oder dem Rettungsschwimmer zurück an Land?"
Lisa schluckte und erwiderte: „Mit dir."
Natalia nickte. „Gut. Ich glaube, Duff kann dir helfen, auf das Board zu klettern. Was hältst du davon?"
Lisa nickte, doch ihre Hände umklammerten Duffs Arm noch fester.
Natalia streckte eine Hand aus und lächelte ermutigend. „Nimm meine Hand, Lisa. Duff hilft dir aufzusteigen und bleibt die ganze Zeit hinter dir. Stimmt’s?", wandte sie sich an ihn.
„So ist es." Zusammen hievten sie die Frau auf das Board.
Er brauchte einen Moment, bis er wieder normal atmen und sie zurückschwimmen konnten.
Natalia wies die Frau an, sich auf den Bauch zu legen, dann legte sie sich auf den Rücken der Frau und fing an zu paddeln. „Paddeln, Lisa. Je mehr du paddelst, desto schneller sind wir an Land."
Lisa schlug schwach mit den Armen, das Gesicht zum Strand gewandt. Duff schwamm hinter ihnen und schob das Surfbrett. Zu dritt, und mit dem Rettungsschwimmer im Schlepptau, schafften sie es schließlich zurück zum Strand. Eine Gruppe junger Frauen kam ihnen entgegen, half Lisa aus dem Wasser und überschüttete sie mit Umarmungen.
Duff stand neben Natalia, die das Surfbrett in den Sand rammte. „Danke."
Sie antwortete mit ihrem bezaubernden englischen Akzent: „Gern geschehen."
Er streckte die Hand aus. „Nun noch einmal in Ruhe: Ich heiße Duff."
Natalia zögerte kurz, dann gab sie ihm die Hand. „Ich bin Natalia. Lisa hat Glück gehabt, dass du zufällig am Strand warst."
Er zuckte mit den Schultern. „Ich bin froh, dass ich helfen konnte. Hör mal, ich weiß, wir hatten einen holprigen Start, aber darf ich dich heute Abend zum Essen einladen?"
„Nein, danke", entgegnete sie, ohne mit der Wimper zu zucken.
„Duff! Sawyer kam auf sie zu, den Arm um eine Frau gelegt, die in ein Strandtuch gewickelt war. „Ich bin froh, dass du es an Land geschafft hast. Der Tauchausflug morgen würde ohne dich nur halb so viel Spaß machen.
Er schnaubte. „Schön, dass du mich vermisst hast."
Lisa löste sich aus der Gruppe ihrer Freundinnen und schlang die Arme um Duffs Hals. „Danke, dass Sie mir das Leben gerettet haben. Dann wandte sie sich an Natalia und nahm sie ebenfalls in den Arm. „Ihr beide seid meine Helden. Als wären die letzten Tage nicht schrecklich genug gewesen.
Natalia drückte die Frau. „Was ist passiert?"
Lisa schüttelte den Kopf, und ihr traten Tränen in die Augen. „Ich habe eine meiner Schwestern verloren." Der Rest der jungen Frauen scharte sich um sie.
„Wie meinst du das?", fragte Natalia.
Lisa schniefte. „Wir waren auf einem Tauchausflug. Sie war meine Tauchpartnerin. Ich war nur kurz abgelenkt, weil ich eine Muräne in den Korallen gesehen habe. Als ich mich wieder umgedreht habe, war Melody verschwunden."
Natalia wurde blass.
„Wollen Sie damit sagen, sie wurde nicht gefunden?", fragte Duff.
Lisa und ihre Freudinnen schüttelten einhellig die Köpfe.
Natalia ergriff Lisas Hände. „Was für ein furchtbares Erlebnis. Hat der Tauchlehrer nach ihr gesucht?"
Eine Brünette im rosafarbenen Bikini nickte. „Zwei Stunden."
Eine Blondine ergänzte: „Er hat sogar die Küstenwache verständigt."
„Aber die haben sie auch nicht gefunden. Lisa schniefte erneut. „Keine Ahnung, warum wir heute an den Strand gekommen sind. Ich glaube, ich werde nie wieder ins Wasser gehen.
Die junge Dame in Sawyers Arm löste sich von ihm und legte einen Arm um Lisa. „Wir können Cancún erst verlassen, wenn unsere planmäßigen Flüge gehen. Lisa und ich dachten, wir sehen uns im Wasser mal um, auch wenn Melody ein ganzes Stück von hier entfernt verschwunden ist. Irgendwie hatten wir gehofft, die Strömung würde sie zurückbringen. Deshalb waren wir so weit draußen."
„Das war dumm", gab Lisa zu.
„Wenigstens ist euch nichts passiert", meinte Duff.
Natalia nickte. „Ihr solltet auf euer Zimmer gehen und euch ausruhen."
Lisa und ihre Freundinnen dankten ihnen erneut und verließen den Strand in Richtung Hotel.
„Wow, armes Ding, sagte Sawyer. „Innerhalb von zwei Tagen erst die Freundin und dann fast das eigene Leben verloren. Urlaub stell ich mir anders vor.
„Wenn ihr mich bitte entschuldigt, ich glaube, ich lege mich auch ein bisschen hin", sagte Natalia.
„Wenn ich dich später schon nicht zum Essen einladen darf, dann vielleicht wenigstens auf einen Drink", versuchte Duff es erneut.
Sie unterdrückte ein Lächeln. „Wir werden sehen."
Er sah der atemberaubenden Blondine im schwarzen Badeanzug nach. Stark und schön. Welche andere Frau wäre ihm in so einer gefährlichen Situation zu Hilfe gekommen?
Sawyer machte mit der Hand eine Tauchbewegung und ahmte den Knall einer Explosion nach. „Hast du etwa einen Korb bekommen?"
Duff nickte, während sein Blick noch Natalias Hüftschwung folgte. „Aber der Kampf ist noch nicht verloren."
Natalie hatte es eilig, ins Hotel zurückzukommen. Sie war froh, dass es den beiden muskulösen Männern gelungen war, Lisa und ihre Freundin vor der starken Strömung zu retten. Zudem freute sie sich, dass sie mit den jungen Frauen ins Gespräch gekommen war, ohne Verdacht zu erregen. Beim Abendessen oder später an der Bar würde sie noch einmal zu ihnen gehen. Vielleicht hatte eine von ihnen, ohne es zu ahnen, etwas gesehen, das ihr einen Hinweis auf Melodys Verbleib liefern würde.
Tief in ihrem Innern glaubte Natalie, dass ihre Schwester lebte.
An der Rezeption erkundigte sie sich nach Tauchfahrten für den folgenden Tag. Sie ließ sich von einer Frau namens Maria Sanchez alle Optionen und Anbieter aufzählen. Als sie Scuba Cancún nicht erwähnte, erkundigte Natalie sich danach.
„Freunde von mir waren letzten Monat hier und haben mir Scuba Cancún empfohlen." Natalie blinzelte unschuldig, dabei hätte sie der bezaubernden Maria am liebsten die Mappe aus der Hand gerissen und selbst nachgesehen.
„Ja, wir haben auch Scuba Cancún im Angebot, aber als ich das letzte Mal nachgesehen habe, war für morgen alles ausgebucht. Ich sehe mal nach, ob jemand abgesagt hat. Sie tippte etwas in die Tastatur ihres Rechners und starrte mit gerunzelter Stirn auf den Bildschirm. Dann glätteten sich ihre Züge, und sie strahlte Natalie an. „Sie haben Glück. Für morgen früh ist noch ein Platz frei. Soll ich den für Sie reservieren?
Erleichtert stieß Natalie die Luft aus, die sie angehalten hatte, und nickte. „Ja, bitte."
Hätte sie sich etwas davon versprochen, hätte sie Fragen gestellt und Antworten verlangt. Doch falls man Melody entführt hatte, um sie zur Prostitution zu zwingen, würde keiner der Beteiligten über das Verschwinden der College-Studentin reden wollen.
Nein, sie musste ihre Verbindung zu Melody geheim halten. Vielleicht halfen ihr blondes Haar und der britische Akzent, sie zum nächsten Zielobjekt zu machen. Der schnellste Weg, die Entführungsopfer zu finden, war, selbst eines zu werden.
Auf dem Weg nach oben zu ihrem Zimmer bemerkte sie die Kamera an der Decke des Fahrstuhls. Als sie in ihrem Stockwerk ausstieg, sah sie eines der Mädchen vom Strand ihr Zimmer aufschließen und eilte zu ihr. „Ich bin so froh, dass ich dich hier treffe. Ich bin Natalia, vom Strand." Sie streckte die Hand aus.
„Ach, ja. Danke, dass du meine Freundinnen gerettet hast. Sie gab Natalie die Hand. „Ich bin Kylie.
„Geht es Lisa und eurer anderen Freundin gut?", fragte Natalie.
Die hübsche Blondine lächelte und nickte. „Lisa und Jodie schlafen. Ihre Eltern konnten ihren Rückflug auf morgen früh umbuchen. Ich wünschte, wir könnten alle mit, aber der Flug ist ausgebucht."
„Kommt ihr zum Abendessen? Meine Mitbewohnerin wollte eigentlich mit mir herreisen, aber ihre Tante ist gestorben, und sie musste in letzter Minute absagen. Ich würde mich freuen, wenn ich nicht allein essen muss."
„Wir sind so gegen acht Uhr unten. Du kannst uns gern Gesellschaft leisten. Ich bin sicher, die anderen haben nichts dagegen."
„Danke. Das freut mich. Natalie winkte. „Dann bis um acht.
Sie drehte sich um und ging in ihr Zimmer, das direkt neben Kylies lag.
Als Erstes sah sie nach, ob auf dem Wegwerfhandy, das sie am Flughafen gekauft hatte, eine Nachricht von Lance eingegangen war. Und tatsächlich. Er war während ihres ereignisreichen Strandspaziergangs im Hotel eingetroffen und hatte ihr die Nummer seines Bungalows geschickt.
Da sie noch ein paar Stunden Zeit hatte, beschloss sie, bei ihm vorbeizuschauen.
Sie zog einen langen, fließenden Rock über ihren Badeanzug, setzte einen Schlapphut auf und verließ das Zimmer. Statt den Fahrstuhl zu nehmen, entschied sie sich für die Treppe. Auf ihrem Weg überprüfte sie, wo sich die Sicherheitskameras befanden. Sie fragte sich, ob es Lance gelungen war, sich in das Sicherheitssystem zu hacken, um das Material von vorletzter Nacht anzusehen.
So sorglos wie möglich, schlenderte sie den Kiesweg entlang, bis sie an dem richtigen Bungalow vorbeikam. Mit einem schnellen Blick vergewisserte sie sich, dass niemand in der Nähe war, und klopfte leise.
Kurz darauf öffnete Lance die Tür, und Natalie schlüpfte hinein. „Hast du dich in die Polizeidateien eingehackt?"
„Ich würde gern Ja sagen, aber ich habe mein System gerade erst eingerichtet. Und außerdem sind die örtlichen Behörden nicht sehr fortschrittlich. Ich bin nicht mal sicher, ob sie ihre Akten auf Computern gespeichert haben."
„Was ist mit dem Sicherheitssystem des Hotels?", fragte Natalie.
Lance ging zu dem kleinen Tisch an der Wand. „Daran arbeite ich gerade." Er setzte sich auf den Stuhl und klappte seinen Laptop auf. Auf dem Bildschirm sah man eine Landkarte von Cancún, die Hotelanlage und einen leuchtend grünen Punkt – Natalies Peilsender.
„Wenn du an die Aufnahmen der Sicherheitskameras im Hotel kommst, überprüfe, ob sich irgendwelche verdächtigen Gestalten Melody genähert haben. Royce hat dir doch ein Foto von Melody gegeben, oder?"
„Klar. Ich sag dir Bescheid, wenn ich auf etwas stoße."
„Tust du mir noch einen Gefallen?", fragte Natalie.
„Nämlich?"
„Ich habe heute am Strand ein paar Typen kennengelernt. Beide tätowiert und durchtrainiert. Kannst du die überprüfen? Ihrem Verhalten nach würde ich wetten, dass sie beim Militär sind. Sie haben behauptet, dass sie heute erst angekommen sind, aber das könnte gelogen sein. Beide haben mich angebaggert."
Lance grinste. „Wenn der Rest des Badeanzugs auch so tief ausgeschnitten ist, wundert mich das nicht."
Natalie runzelte die Stirn. „Finde heraus, wer sie sind und wann sie angekommen sind."
„Klar."
„Danke. Ich mach mich mal auf den Weg, damit ich rechtzeitig beim Abendessen bin. Falls du irgendetwas herausfindest, will ich es sofort erfahren."
Lance salutierte. „Jawohl, Ma’am."
Da ihr nur noch eine Stunde Zeit blieb, eilte Natalie zurück auf ihr Zimmer und stieg unter die Dusche. Nachdem sie das klebrige Salzwasser abgespült hatte, trocknete sie sich ab, föhnte sich die Haare und glättete sie, sodass sie aussah wie eins der Collegemädchen.
Dann trug sie eine Kombination aus blauem und dunkelgrauem Lidschatten auf sowie schwarzen Eyeliner und Mascara. Zufrieden mit dem Ergebnis, zog Natalie ein kurzes, blaues Kleid mit schmalen Spaghettiträgern an. Der Saum reichte ihr nur knapp über den Po und entblößte jeden Zentimeter ihrer langen Beine. Wegen der dünnen Träger konnte sie keinen BH darunter tragen, und alles andere als ein Stringtanga hätte sich unter dem eng anliegenden Stoff abgezeichnet.
Als sie in die silbernen Riemchensandaletten schlüpfte, fühlte sie sich so nackt, wie man in einem Kleid nur sein konnte. Sie steckte etwas Geld, ihren Pass und eines der Messer in das silberne Handtäschchen. Als Letztes schaltete sie den Ohrstöpsel ein und setzte ihn sich ins linke Ohr.
„Hey, Lance."
„Ich bin hier, Süße."
„Nenn mich nicht Süße."
„Alles klar, Baby."
Weil sie keine Lust auf Diskussionen hatte, ließ sie ihm die kleine Stichelei durchgehen. „Gibt’s was Neues?"
„Deine Typen sind zwei von vieren, die heute angekommen sind. Ich habe sie alle bis zu dem Flieger zurückverfolgt, mit dem sie gelandet sind. Dutton Calloway, Sawyer Houston, Benjamin Raines und Quentin Lovett. Ihr Flugzeug ist in New Orleans gestartet. Wahrscheinlich sauber."
„Danke."
„Soll ich noch tiefer graben?"
„Ja, nur für den Fall, dass sie die Käufer der gekidnappten Frauen sind."
„Verstanden."
„Und … Lance?"
„Ja, Baby?"
„Erinnere mich daran, dir später eine zu verpassen."
Ein Lachen ertönte in ihrem Ohr.
„Mach ich."
„Bis dahin rede nur mit mir, wenn ich dich zuerst anspreche oder du etwas Wichtiges herausfindest."
Beim Essen herrschte gedrückte Stimmung. Melodys Freundinnen redeten nur gedämpft miteinander, und nach den Erlebnissen der vergangenen Tage wirkten sie alle in sich gekehrt.
„Lasst uns ein letztes Mal auf Melody anstoßen, sagte Kylie schließlich. „Ein letzter Drink an der Bar, bevor Lisa und Jodie morgen früh abreisen.
„Geht ruhig ohne mich. Mir ist nicht zum
