Notizen vor Tagesanbruch: Politische Gedichte
Von Sergio Vesely und Urs M. Fiechtner
()
Über dieses E-Book
Freiheit, Menschenrechte, Widerstand das sind immer wieder ihre Themen, um die auch das vorliegende Buch kreist. Ihre Erfahrung damit ist jedoch nicht allein literarischer Natur: Sergio Vesely schrieb seine ersten Gedichte und Lieder als politischer Gefangener der chilenischen Militärdiktatur, Urs M. Fiechtner ist seit vielen Jahren für Menschenrechts-organisationen tätig. Nichts an diesem Buch ist künstlich, jeder einzelne Text beruht auf persönlicher Erfahrung.
Notizen vor Tagesanbruch wird ergänzt durch die zuletzt in der 4. Auflage im Schmetterling-Verlag Stuttgart erschienene Auswahl von Kurzgeschichten und Erzählungen Geschichten aus dem Niemandsland, die auf erzählerischer Ebene die Themen dieses Buches aufgreift.
Ähnlich wie Notizen vor Tagesanbruch
Ähnliche E-Books
Die dunklen Jahre Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenGedichte aus Guantánamo Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenDie Farben der Träne: Eine Sammlung von Gereimtheiten Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenAlles geht: Eine hingebungsvolle Poesie Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenEin Lyrikcocktail der Gedanken Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenTrümmer und Hoffnung: ein Gedichtband zeitloser Lyrik Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenHelle Nächte, dunkle Tage: Das ewige Suchkind Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenReise nach B: Ein lyrisches Vademecum Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenMeine Welt in Versen Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenVerliebt in mein Leben: Ein Buch über die Liebe zu allen Mitmenschen und den Mitgeschöpfen in der Natur, gespeist aus dem JA zu sich selbst und zu Gott. Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenDas Kupferhaus: Roman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenHeimatdämmerung - Gedichte zwischen den Zeiten Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenWolkenpferde Teil 1: Gedichte zur Trauerbewältigung Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenEine unerledigte Angelegenheit Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenErinnerungen eines Narren: Roman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenKlumpatsch & Co: Gedichte über unsere Gesellschaft Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenSie sind nicht Handke und auch nicht Kafka...: Schmerzen ohne Ende, Folgen einer Zeit in Untersuchungshaft. Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenGedanken zum Krieg und anderen Übeln: Lyrische Texte befreundete Menschen Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenIch bin Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenHomo homini lupus. Der Tragödie erster Teil: Carmina Burana: Über Menschen und das Leben. Über Sterben und den Tod Bewertung: 1 von 5 Sternen1/5Wilhelm Tell Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenGedichte Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenGesammelte Werke: Dramen + Erzählungen + Gedichte: Von Frühlings Erwachen bis Lulu: gesellschaftskritische Dramen, Erzählungen und Gedichte Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenEinen Flügelschlag weit Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenMoorwolken Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenTrümmer und Hoffnung Band 2: ein Gedichtband zeitloser Lyrik Bewertung: 0 von 5 Sternen0 Bewertungenzuckerwürfel Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenNiemals einer Meinung: Ein Poesie- & Textalbum Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenDas alles wundert mich sehr: Gedichte, Erster Teil Bewertung: 0 von 5 Sternen0 Bewertungen... brennen auf den Nägeln und der Seele: ... Ardiendo en el corazón y el alma Bewertung: 0 von 5 Sternen0 Bewertungen
Kunst für Sie
Erotische Kunst aus Asien 120 illustrationen Bewertung: 1 von 5 Sternen1/5Lexikon der Symbole und Archetypen für die Traumdeutung Bewertung: 5 von 5 Sternen5/5Homosexualität in der Kunst Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenAnatomie zeichnen like a Sir: Das einzig wahre Zeichenbuch für Körper und Posen | Dein umfassendes Nachschlagewerk mit zahlreichen Übungen und Vorlagen! Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenBauhaus Bewertung: 5 von 5 Sternen5/5Kunst sehen und verstehen Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenJugendstil 120 Illustrationen Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenDie Dessous Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenGotische Kunst Bewertung: 3 von 5 Sternen3/5Skandal!: Die provokantesten Bücher der Literaturgeschichte Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenComputergeschichte(n): Die ersten Jahre des PC Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenPaul Klee und Kunstwerke Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenAuf dem Weg zu einer Neuen Aufklärung: Ein Plädoyer für zukunftsorientierte Geisteswissenschaften Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenDie Kultur der Renaissance in Italien Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenJules Pascin und Kunstwerke Bewertung: 4 von 5 Sternen4/5Erotische Zeichnungen 120 illustrationen Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenAnglizismen und andere "Fremdwords" deutsch erklärt: Über 1000 aktuelle Begriffe Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenEin Lob auf den Hintern Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenGustav Klimt Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenKinderlieder: 100 Liedertexte der schönsten Kinderlieder Bewertung: 4 von 5 Sternen4/5Let's sketch! Lernen mit Sketchnotes: Die erfolgreiche Lernmethode für Schule, Studium, Beruf und Weiterbildung – Mit praktischer Symbol-Bibliothek Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenGotik Bewertung: 3 von 5 Sternen3/5Morpho: Anatomie für Künstler Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenPablo Picasso Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenSelbstlernkurs: Schreiben wie ein Profi: Von der Pike auf schreiben lernen Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenAntoni Gaudí Bewertung: 4 von 5 Sternen4/5Gerhard Richter - Maler des Unbegreiflichen: Ein SPIEGEL E-Book Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenNetzfeminismus: Digitale Bildkulturen Bewertung: 5 von 5 Sternen5/5Leben zeichnen: StricheLinienKonturen – Das graphische Werk Bewertung: 0 von 5 Sternen0 Bewertungen
Rezensionen für Notizen vor Tagesanbruch
0 Bewertungen0 Rezensionen
Buchvorschau
Notizen vor Tagesanbruch - Sergio Vesely
Lied für Antonio
Für Antonio Lagos.
Er wollte verteidigen, was er am meisten liebte,
und kehrte zurück, um für sein Volk zu kämpfen.
Als die Erde kam
umarmte sie das Holz
Als die Sonne kam
brannte sie hell in der Höhe
Als das Wasser kam
war es durchtränkt von Liebe
Erde und Baum
Sonne und Baum
Wasser und Baum
Die eine das Nest
die andere die Wärme
das dritte der Fluss
Die Erde blieb
als Gefährtin des Baumes
Die Sonne blieb
als Blüte des Baumes
Das Wasser blieb
als Leben des Baumes
Dann
kam der Mensch
und blieb
und blieb
und blieb.
Beginn mit Zweifeln
Ich bin angetreten
um ein paar Zweifel zu wecken.
Und als sie wach waren
wandten sie sich gegen mich.
Widerspruch
Und daran denken
dass die Bastion des Lachens
Schritt um Schritt
auf einem Gebirge
aus Tränen fußt
Neu Anfangen
(Ein Taufgedicht für Manuel)
Wiederhole unsere Fehler.
Sie tun weh. Aber anders
versteht man sie nicht.
Verzeihe uns nicht. Aber
finde unsere Gründe heraus.
Bleibe nicht stehen
wo wir standen.
Achte die Irrtümer. Sie werden bald
deine eigenen sein. Habe Respekt
vor den Unwissenden. Schließlich
gehörst du zu ihnen. Aber versuche
die Ignoranten zu erkennen
die bösartig Nichtswissenden
die wissentlich Blöden
die selbstzufrieden Großmäuligen
die Stammtischkrakeeler, die Verkäufer
die Propheten, die kopflosen Führer
die Einredner, die Missionare
die dummdreisten Fahnenschwenker: Sie
sind verantwortlich. Sie
sind haftbar.
Überlasse ihnen die Straße nicht.
Und nicht das Wort.
Respektiere die Würde der anderen.
Aller anderen.
Nur davon hängt deine eigene ab.
Du wirst nicht größer, indem
du andere kleiner machst.
Nur armseliger.
Suche die Stärke nicht
in Missachtung oder Gewalt
sondern in Einsicht.
Aber lass Dich nicht abhalten die Zähne
zu zeigen, wenn es notwendig ist.
Behandle die Menschen, als seien sie gut.
Aber verharre nicht im Zustand
der Unschuld. Die Unschuldigen sind freundlich doch sie helfen nicht weiter.
Sie lassen gewähren.
Sie bekämpfen die Schuldigen nie.
Durch deine Unschuld werden die
Geschundenen nicht weniger geschunden.
Deine Unschuld befreit
die Gedemütigten nicht.
Man kann sie nicht essen.
Belästige dich mit dem Wesen der Dinge.
Sieh alles dir an. Lasse nichts aus.
Wenn du die Wahrheit verteidigen willst
lerne den Seitengang der Lüge zu verstehen.
Was immer du suchst — suche dort
wo man es am wenigsten findet, und
befrage die Unterlegenen.
Viel wissen die Rechtlosen über das Recht
die Gefangenen über die Freiheit.
Viel wissen die Hungernden über das Brot.
Begnüge dich nicht mit der Gegenwart.
Wirf deinen Blick über die Zeiten.
Die Vergangenheit hat alles geformt
was du siehst. Auch in deinem Spiegel.
Ohne von der Herkunft der Dinge zu wissen
wirst du sie nicht ändern, nur wiederholen.
Was immer du tust, ist ein Schritt
in die Zukunft. Aber kein Fußbreit
ist sicher, ohne den Boden zu kennen
auf dem du dich bewegst.
Folge den Rattenfängern nicht, es sei denn
du zählst dich unter die Ratten.
Hänge dich nicht an die glitzernd
Vielbewunderten an
die Folgsamen sind doch nur Kopien
und Anhänger sind niemals mehr
als der Schwanz am Hintern des Hundes.
Von diesen haben wir genug.
Wenn du etwas Neues probieren willst
versuche bescheiden, aber beharrlich
einfach selbst ein Jemand zu sein.
Was auch geschieht: lasse es nie allein
nach dem Willen der anderen geschehen.
Genieße jede Bewegung, solang sie
deine eigene ist. Du hast Zeit. Noch.
Koste sie aus mit Stolz. Mit Leidenschaft.
Und behaupte nicht am Ende
du hättest nichts gewusst. Oder
einer allein könne ja doch gar nichts tun.
Das haben wir zu oft gehört.
Mach etwas mehr aus dir als eine verblassende Eintragung
in der Gästeliste.
Und, versteht sich:
Traue den Gedichten nicht
mindestens solange du selbst
noch keine geschrieben hast.
Wiederhole unsere Fehler.
Aber übertreibe es nicht.
Das haben
wir ja schon getan.
Die Mechanik des Subalternen
Man sagt ihm, er soll anlegen
und er feuert.
Man sagt ihm, er soll Ordnung schaffen
und er schiebt unverzüglich eine Patrone
zwischen seine Pupille
und die Brust eines politischen Gegners.
Man sagt ihm, er soll sauber machen
und er säubert.
Man sagt ihm, er soll sein Land verschönern
und er durchkämmt Stadt um Stadt
auf der Jagd nach Feinden.
Man schaltet ihn ein
und er springt an.
Man erwähnt das Wort „Revolution"
in seiner Gegenwart
und der Mann verwandelt sich
stehenden Fußes in einen perfekten Bluthund.
Nur wenn jemand kommt und ihm befiehlt sich gegen sein erbärmliches
Schicksal zu wehren
widersetzt er sich
und nimmt Alarmstellung ein.
Dieses Subjekt trägt seine Menschenwürde
verkehrt herum.
Was für jeden anderen eine Schande wäre
das ist sein ganzer
