Parker gibt den Rockfans Pfeffer: Butler Parker 219 – Kriminalroman
Von Günter Dönges
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Butler Parker ist seinen Gegnern, den übelsten Ganoven, auch geistig meilenweit überlegen. In seiner auffallend unscheinbaren Tarnung löst er jeden Fall. Bravourös, brillant, effektiv – spannendere und zugleich humorvollere Krimis gibt es nicht!
»Mylady wünschen die Verfolgung aufzunehmen?« Butler Parker hatte die Hand am Schalthebel und gab seinem hochbeinigen Monstrum die Sporen. »So ist es, Mister Parker.« Agatha Simpsons Stimme tönte aus dem Fond des Wagens. »Ich werde mich am Ort des Geschehens vom Grund dieser Eile überzeugen.« Zwei Feuerwehrautos und ein Streifenwagen der Polizei hatten in halsbrecherischem Tempo Parkers schwarzen Kasten überholt. Zuckende Blinklichter und jaulende Sirenen rissen Lady Agatha aus ihrem Nickerchen. Parkers Wagen entwickelte das Temperament eines sportlichen Flitzers. Zitternd kletterte die Tachonadel höher. Mit quietschenden Reifen zog der Butler sein hochbeiniges Gefährt um die Ecke. Lady Agathas beeindruckende Körperfülle geriet dabei aus dem Gleichgewicht. Die ältere Dame lag quer auf dem Rücksitz, angelte verzweifelt nach einem Halt und zerrte an ihrem Hut, der ihr übers Gesicht gerutscht war. Dann hatte Parker sein Ziel erreicht: Pechschwarz stieg eine dicke Rauchsäule aus einer Seitenstraße und verdunkelte den blauen Nachmittagshimmel. Auf einem gepflasterten Platz, der den Abschluß einer kurzen Allee bildete, stand ein Lkw in hellen Flammen. Parker sah sofort: Hier gab es nichts mehr zu löschen. Das war auch den Feuerwehrmännern klar. Sie parkten ihre Fahrzeuge in respektvollem Abstand. »Vorsicht!« schrie plötzlich einer von ihnen und warf sich zu Boden, während seine Kameraden hinter ihren Fahrzeugen Schutz suchten. Mit dumpfem Knall barst der Tank des Lastwagens.
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Butler Parker
– 219 –
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Auf einem gepflasterten Platz, der den Abschluß einer kurzen Allee bildete, stand ein Lkw in hellen Flammen. Parker sah sofort: Hier gab es nichts mehr zu löschen. Das war auch den Feuerwehrmännern klar. Sie parkten ihre Fahrzeuge in respektvollem Abstand.
»Vorsicht!« schrie plötzlich einer von ihnen und warf sich zu Boden, während seine Kameraden hinter ihren Fahrzeugen Schutz suchten.
Mit dumpfem Knall barst der Tank des Lastwagens. Eine schmutzig-rote Flammensäule schoß in die Höhe. Im selben Moment brachen die Aufbauten des Lasters in sich zusammen. Ein Funkenwirbel fegte über den Platz.
Hinter dem brennenden Fahrzeug machte Parker ein kleines Hotel aus. Zahlreiche Menschen standen in der geöffneten Eingangstür. Ihre Gesichter waren starr vor Entsetzen.
Doch dann kam plötzlich Bewegung in die Gruppe. Zwei, drei junge Männer bahnten sich einen Weg nach draußen. Eine zierliche Frau folgte ihnen. Wie gelähmt blieben alle am Fuß der Freitreppe stehen und starrten fassungslos in die Flammen.
Mit einem Aufschrei sank die Frau auf die Knie, schlug die Hände vors Gesicht und brach in hemmungsloses Schluchzen aus. »Alles vorbei!« schrie sie und trommelte mit den Fäusten auf den Boden. »Alles vorbei! Vorbei! Vorbei!«
Josuah Parker machte einen Bogen um das immer noch brennende Fahrzeug und näherte sich gemessen der Gruppe.
»Darf man davon ausgehen, daß es sich bei den Herrschaften um die bedauernswerten Eigentümer dieses brennenden Fahrzeuges handelt?« sprach er einen jungen Mann mit strohigem Haar und dicker Nickelbrille an, der immer noch in die Flammen starrte, während die beiden anderen die junge Frau zu trösten versuchten.
»Wie bitte?« fragte der Brillenträger geistesabwesend zurück. Er hatte ein jungenhaftes Gesicht und schien kaum älter als zwanzig zu sein. Seine schlaksige Gestalt steckte in einem undefinierbaren Kleidungsstück, das seinem Großvater als Konfirmationsanzug gedient haben mochte. Allerdings waren die Jackenärmel herausgetrennt und die Revers mit schimmernden Perlmutt-Plättchen besetzt. Mit einem gewissen Befremden registrierte Parker einen großen goldenen Ohrring und ein silbernes Halskettchen mit bunten Steinen und Holzperlen.
»Ach, Sie meinen, ob das unser Laster war?« erkundigte er sich, als wäre Parkers Frage erst jetzt zu ihm durchgedrungen.
»So könnte man es in der Tat auch formulieren«, räumte der Butler ein.
»Ja«, antwortete der Junge dumpf, ohne den Blick von den schwächer werdenden Flammen zu wenden.
»Darf man sich denn in der gebotenen Bescheidenheit erkundigen, warum ›alles vorbei‹ ist, wie die junge Dame sich auszudrücken beliebte?« versuchte Parker, ein Gespräch in Gang zu bringen.
»Warum alles vorbei ist?« wiederholte der Blonde. »Sie können vielleicht Fragen stellen! Weil in dem Laster unsere gesamte Ausrüstung war. Alle Instrumente, Mikrofone, Verstärker, Boxen! Alles ist verbrannt! Und Samstag ist das große Festival!«
»Meiner bescheidenen Wenigkeit ist leider nicht bekannt, welche Art von Festival der Herr meint«, warf Parker ein.
»Sie scheinen aber nicht viel Ahnung von der Rockszene zu haben«, kommentierte sein Gegenüber. Bill Jefferson – so stellte sich der junge Mann später vor – sah auch durch seine dicken Brillengläser die Welt nur in schattenhaften Umrissen. Hätte er seinen Gesprächspartner wirklich gesehen (und nicht nur geahnt) – er hätte sich über Parkers lückenhafte Kenntnisse der britischen Rockmusikszene nicht gewundert.
Josuah Parker war ein Mann undefinierbaren Alters. Seine kräftige, kaum mehr als mittelgroße Gestalt steckte in einem altväterlich schwarzen Covercoat. Der steife Eckkragen, der Bowler auf dem Kopf und die schwarzledernen Handschuhe ließen unwillkürlich an einen hochherrschaftlichen Butler des 19. Jahrhunderts denken.
»Am Samstag ist doch das All-Britain-Festival im Battersea-Park«, erklärte Bill. »Die besten Nachwuchs-Bands der Insel treten gegeneinander an. Da geht voll die Post ab, sage ich Ihnen. Vor Zehntausenden von Zuschauern. Und der Sieger sahnt nicht nur einen dicken Plattenvertrag ab, sondern auch eine Vier-Wochen-Tournee durch die Staaten.«
Er legte eine kurze Pause ein und wischte an den Gläsern seiner Brille. »Und wir wären die haushohen Favoriten gewesen«, fuhr er fort. »Wir dachten, wir hätten den Vertrag schon in der Tasche.«
»Demnach darf meine bescheidene Wenigkeit davon ausgehen, daß die Herrschaften ihrem Lebensunterhalt als Musikanten nachgehen?«
»So kann man’s auch nennen«, bestätigte Bill. »Noch nie was von ›Red Pepper‹ gehört?«
Parker verneinte.
»Ist ja auch egal«, meinte Bill trübsinnig. »Jetzt sind wir sowieso aus dem Rennen. Das Festival läuft ohne uns ab. Am besten wären wir gleich zu Hause geblieben. Aber auf mich wollte ja keiner hören. Mir war schon klar, daß noch was kommen würde. Nach dem Drohbrief und der kaputten Bremsleitung.«
»Ein Drohbrief?« ließ Lady Agatha sich plötzlich vernehmen. Sie hatte sich in Parkers hochbeinigem Monstrum gelangweilt und war unbemerkt nähergekommen. »Wie interessant!« erklärte sie. »Und was hat die Polizei dazu gesagt?«
»Die Polizei? Gar nichts!« antwortete Bill. »Die haben wir natürlich aus dem Spiel gelassen. Wäre ja auch nicht okay: Erst Protestsongs gegen den Staat machen, und dann bei der ersten Kleinigkeit die Bullen rufen.«
Agatha Simpson nickte zustimmend, und Bill fuhr fort: »Auf uns sind die uniformierten Jungs sowieso nicht gut zu sprechen. Die haben wir mit unseren Texten ganz schön in die Pfanne gehauen.«
»Wie interessant!« stellte die passionierte Detektivin erneut fest. »Sie verfassen also respektlose Lieder auf unsere Polizei?«
»Das kann man wohl sagen«, bestätigte Bill. »Stört Sie das?« »Nicht so sehr, wie Sie vielleicht meinen könnten, junger Mann!« versicherte Agatha Simpson eilig. »Auch ich habe keine allzu hohe Meinung von den Hütern unserer staatlichen Ordnung. Nicht war, Mister Parker?«
»Diese Feststellung kann meine bescheidene Wenigkeit nur mit Nachdruck unterstreichen«, pflichtete der Butler ihr bei.
»Deshalb sollten Sie sich vertrauensvoll an mich wenden«, fuhr Agatha Simpson fort. »Solche Fälle sind meine Spezialität.«
»Ihre Spezialität?« fragte Bill Jefferson.
»Mister Parker wird Ihnen bereits von meinen außerordentlichen Erfolgen als Detektivin berichtet haben«, erklärte sie ohne falsche Bescheidenheit. »Gegen Lady Agatha Simpson hat auch der raffinierteste Verbrecher keine Chance.«
»Simpson? Simpson?« begann Bill in seinem Gedächtnis zu kramen. »Kann sein, daß ich den Namen schon mal gehört habe.«
»Nun, die breite Öffentlichkeit hat meine Taten noch nicht in geziemendem Ausmaß zur Kenntnis genommen«, erklärte die ältere Dame. »Überragende Geister werden meistens verkannt, weil sie ihrer Zeit voraus sind.«
»Und Sie wollen uns wirklich helfen?« kam der junge Musiker wieder zum Thema zurück.
»Ich will und ich werde«, versicherte Agatha Simpson feierlich. »Wer respektlose Lieder über unsere Polizei verfaßt, findet bei Lady Simpson immer ein offenes Ohr. Ich erwarte Sie gegen neunzehn Uhr in meinem Haus. Sie werden es nicht bereuen.«
»Okay«, stimmte Bill zu. »Wir kommen. Alle vier.«
In diesem Moment gingen die beiden Polizisten aus dem Streifenwagen über den Platz und begannen, den beiden anderen Musikern Fragen zu stellen. Auch die junge Frau, die sich wieder gefaßt hatte, wurde in
