Über dieses E-Book
ERSTER PREIS: EIN MANN! von FERRARELLA, MARIE
Danny weiß genau, wie sein neuer Daddy sein soll! Leider zieht seine Mutter Rosemary nicht mit; die junge Witwe verabredet sich nie. Heimlich macht Danny also für sie bei einem Preisausschreiben mit und hofft auf den Hauptgewinn: ein Date mit Chris, ihrem netten Nachbarn …
DAS DOPPELTE GLÜCK von HERRON, RITA
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Marie Ferrarella
<p>Marie Ferrarella zählt zu produktivsten US-amerikanischen Schriftstellerinnen, ihren ersten Roman veröffentlichte sie im Jahr 1981. Bisher hat sie bereits 300 Liebesromane verfasst, viele davon wurden in sieben Sprachen übersetzt. Auch unter den Pseudonymen Marie Nicole, Marie Charles sowie Marie Michael erschienen Werke von Marie Ferrarella. Zu den zahlreichen Preisen, die sie bisher gewann, zählt beispielsweise der RITA-Award. Als Kind verbrachte Marie Ferrarella ihre Freizeit vor dem Fernseher, häufig schrieb sie die Drehbücher einiger Fernsehserien um und spielte dann selbst die Hauptrolle. Sie träumte von einer Karriere als Schauspielerin. Im Alter von elf Jahren verfasste sie ihren ersten Liebesroman, allerdings war ihr nicht bewusst, dass es sich um eine klassische Romance handelte. Während ihrer Collegezeit begann sie sich immer mehr für den Beruf einer Autorin zu interessieren und gab den Gedanken an eine Schauspielkarriere auf. Nach ihrem Abschluss, einem Master Degree in Shakespearean Comedy zogen sie zusammen mit ihren Eltern von New York nach Kalifornien. Charles, ihre Jugendliebe, hielt die Trennung nicht lange aus und folgte Marie nach sieben Wochen. Nicht lange darauf folgte die Hochzeit, und ihr Kleid dafür nähte Marie Ferrarella selbst. Mit ihren Büchern möchte die Autorin ihre Leserschaft zum Lachen bringen und unterhalten, das macht sie am glücklichsten. Genauso schön findet sie es, einen romantischen Abend mit ihrem Ehemann zu verbringen. Zu ihren Hobbys zählen alte Filme, Musicals sowie Rätsel. Geboren wurde Marie Ferrarella in Deutschland, und als sie vier Jahre alt war, wanderten ihre Eltern in die USA aus. Bereits im Alter von 14 Jahren lernte sie ihren heutigen Mann kennen; mit ihm und ihren beiden Kindern lebt sie in Süd-Kalifornien.</p>
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Rezensionen für Bianca Gold Band 41
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Buchvorschau
Bianca Gold Band 41 - Marie Ferrarella
Marie Ferrarella, Rita Herron, Elizabeth Lane
BIANCA GOLD BAND 41
IMPRESSUM
BIANCA GOLD erscheint in der HarperCollins Germany GmbH
Neuauflage in der Reihe BIANCA GOLD
Band 41 - 2017 by HarperCollins Germany GmbH, Hamburg
© 1996 by Marie Rydzynski-Ferrarella
Originaltitel: „Let’s get Mommy Married"
erschienen bei: Silhouette Books, Toronto
in der Reihe: YOURS TRULY
Published by arrangement with HARLEQUIN ENTERPRISES II B.V./S.àr.l.
Übersetzung: M.R. Heinze
Deutsche Erstausgabe 2001 by CORA Verlag GmbH & Co. KG, Hamburg,
in der Reihe BIANCA, Band 1247
© 2000 by Rita B. Herron
Originaltitel: „His-and-Hers Twins"
erschienen bei: Harlequin Enterprises Ltd., Toronto
in der Reihe: AMERICAN ROMANCE
Published by arrangement with HARLEQUIN ENTERPRISES II B.V./S.àr.l.
Übersetzung: M.R. Heinze
Deutsche Erstausgabe 2001 by CORA Verlag GmbH & Co. KG, Hamburg,
in der Reihe BIANCA, Band 1249
© 1997 by Elizabeth Lane
Originaltitel: „The Tycoon and the Townie"
erschienen bei: Silhouette Books, Toronto
in der Reihe: ROMANCE
Published by arrangement with HARLEQUIN ENTERPRISES II B.V./S.àr.l.
Übersetzung: Ingrid Babl
Deutsche Erstausgabe 1998 by CORA Verlag GmbH & Co. KG, Hamburg,
in der Reihe BIANCA, Band 1109
Abbildungen: Lucky Business / Shutterstock, alle Rechte vorbehalten
Veröffentlicht im ePub Format in 09/2017 – die elektronische Ausgabe stimmt mit der Printversion überein.
E-Book-Produktion: GGP Media GmbH, Pößneck
ISBN 9783733733452
Alle Rechte, einschließlich das des vollständigen oder auszugsweisen Nachdrucks in jeglicher Form, sind vorbehalten.
CORA-Romane dürfen nicht verliehen oder zum gewerbsmäßigen Umtausch verwendet werden. Sämtliche Personen dieser Ausgabe sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen sind rein zufällig.
Weitere Roman-Reihen im CORA Verlag:
BACCARA, JULIA, ROMANA, HISTORICAL, MYSTERY, TIFFANY
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Erster Preis: ein Mann!
1. KAPITEL
Lieber Radiosender, ich möchte für meine Mom zum Muttertag eine Verabredung gewinnen, weil sie schon lang keine mehr gehabt hat. Aber das hat nichts damit zu tun, dass sie nicht hübsch ist, weil sie nämlich hübsch ist. Echt hübsch. Aber sie arbeitet sehr viel, damit ich alles kriege, was ich will. Ich will aber jetzt was für sie. Sie soll wen haben, mit dem sie reden kann, wenn ich nicht da bin. Ich bleibe nämlich nicht immer klein, und Mom braucht wen, der sich um sie kümmert. Verrate ihr aber nicht, dass ich das gesagt habe.
Sie ist dreißig, sieht aber viel jünger aus. Und sie hat ein echt nettes Lachen. Sie mag alte Songs und alte Filme, und sie geht gern im Regen spazieren. Der Typ soll attraktiv und groß sein, und wenn er Baseball spielt, wäre das echt gut. Aber er muss zu meiner Mom nett sein, weil sie die Beste ist.
Dein Freund Tommy Smith
P.S.: Schick bitte den Brief an mich und nicht an meine Mom, weil es eine Überraschung ist. Danke.
Lächelnd betrachtete Rosemary Gallagher die kindliche Handschrift. Gerührt legte sie den Brief auf den Schreibtisch zu dem kleinen Stapel Zuschriften für das Preisausschreiben.
Was für ein netter Junge, dachte sie. Wollte da noch jemand behaupten, es würde sich nicht lohnen, Kinder zu haben? Dieser Tommy Smith wirkte genauso reizend und wunderbar wie ihr Danny.
Rosemary strich das hellbraune Haar aus dem Gesicht. Sie durfte nicht vergessen, die Haare zu schneiden. Im Moment hatte sie jedoch Wichtigeres zu erledigen. Wenn nicht noch ganz außergewöhnliche Briefe eintrafen, gehörte Tommys Mutter zu den zehn Gewinnerinnen des Preisausschreibens, das sie veranstaltete.
Sie hatte die zahlreichen Briefe, die ihr die Rundfunkstation zugestellt hatte, durchgesehen und sie auf ungefähr fünfundzwanzig reduziert. Aus diesen wollte sie zehn alleinstehende Mütter aussuchen. Zehn Frauen sollten zum Muttertag eine Verabredung gewinnen.
Diese Frauen wollte Rosemary anschreiben, damit sie den Fragebogen ausfüllten, den sie bei der Eröffnung ihrer Firma entworfen hatte. Durch die darin gestellten Fragen konnte der passende Seelenverwandte ermittelt werden.
Soulmates Inc. – so hieß ihre Agentur für Partnerschaftsvermittlung. Sie hatte die Firma eröffnet, nachdem sie wegen Einsparungen an der Universität von einer Vollzeit-Lehrkraft zur Teilzeit-Dozentin zurückgestuft worden war. Sie hatte unbedingt ihr Einkommen aufbessern müssen.
Soulmates Inc. war teils aus einem genialen Einfall und teils aus Verzweiflung heraus an ihrem Küchentisch geboren worden. Nach vier Jahren harter Arbeit lief das Geschäft mittlerweile gut und sorgte für ausreichend Beschäftigung. Es gab sogar so viel zu tun, dass sie vor zwei Monaten ihrer Cousine Teri angeboten hatte, in Teilzeit für sie zu arbeiten.
Rosemary lehnte sich auf dem Stuhl zurück und reckte sich, doch es half nicht gegen die Verspannung im Rücken. Sie wusste genau, wieso sie so verkrampft war. Ihr saß der Termin im Nacken. Um die eingeleitete Werbekampagne erfolgreich durchzuziehen, musste sie in weniger als zwei Wochen die Gewinnerinnen aussuchen, sie anschreiben, ihre Formulare auswerten und geeignete Partner finden.
Wäre Teri doch nur schon hier! Auch wenn ihre Cousine bloß stundenweise arbeitete, vermisste Rosemary die Hilfe und das pausenlose Plaudern. Da Rosemary ungefähr vier Stunden geschlafen hatte, brauchte sie jemanden, der sie am Einnicken am Schreibtisch hinderte.
Rosemary griff nach der Akte, die sie normalerweise neben dem Stuhl in Reichweite hatte, fasste jedoch ins Leere. Sie hatte völlig vergessen, dass alles vom Fußboden entfernt werden musste, was zerkaut werden konnte. Hundezähne hätten es sonst unweigerlich zerpflückt.
Tief seufzend stand sie auf und trat an den nächststehenden Aktenschrank. In der Küche gab es zwei davon, links und rechts vom Vorratsschrank. Die Stapel obenauf wuchsen immer weiter an und drohten zu kippen. Auch darum musste sie sich bei Gelegenheit kümmern und alles in den neuen Computer eingeben, um ihre Arbeitsmethoden zu straffen. Wieso war eigentlich alles, das die Arbeit erleichtern sollte, so kompliziert?
Schrilles Kläffen im Garten erinnerte sie daran, wieso sie nur vier Stunden geschlafen hatte. Als ob sie nicht schon genug zu tun gehabt hätte!
Lieber Himmel, sie war verrückt gewesen, einen Hund im Haus zu erlauben! Einen nicht erzogenen und nicht stubenreinen Hund! Es war schwer genug, allein erziehende Mutter eines kleinen Jungen zu sein. Noch schwerer war es, allein erziehende Mutter eines kleinen Jungen mit Hund zu sein.
Rosemary seufzte erneut und blickte aus dem Küchenfenster in den Garten. Ihr Sohn bemühte sich tapfer, den Welpen zu erziehen, der überhaupt nicht auf ihn hörte. Vor einer Woche hatte Danny den zotteligen Mischling nach Hause gebracht. Er hatte den Welpen auf den Armen hereingeschleppt und den geradezu in solchen Situationen typischen Satz gesagt: Sieh mal, Mom, der ist mir nachgelaufen. Darf ich ihn behalten?
Rosemary wollte sofort entschieden ablehnen. Als Kind hatte sie lediglich einen Stoffhund besessen, der auf ihrem Bett saß, keinen Schmutz machte, nicht spuckte und nie die Bettdecke anknabberte.
Dannys Findling tat das alles innerhalb der ersten Stunden, doch mit seinen großen blauen Augen hatte Danny ihre Abwehr dahinschmelzen lassen.
Der Behälter auf der Theke mit dem Spezialreinigungsmittel für Hundeflecken war schon halb leer. Wäre es nach Rosemary gegangen, wäre der Welpe aus dem Haus verschwunden. Sie konnte ihrem Sohn jedoch nichts abschlagen. Für einen Jungen war es nicht leicht, ohne Vater aufzuwachsen.
Für eine Frau ohne Ehemann ist es auch kein Zuckerschlecken, dachte sie. Doch bisher hatten sie und Danny es geschafft, genau wie die Frauen, die diese Briefe geschickt hatten.
Lächelnd betrachtete Rosemary den Stapel auf dem Schreibtisch. Danny war ihr größter Trost, auch wenn er von der Straße einen streunenden Welpen ins Haus schleppte und das Chaos in ihrem Leben noch steigerte. Danny hätte sie gegen nichts auf der Welt eingetauscht.
Er erhellte ihr Leben. Er hatte sogar den Anstoß zu dem Preisausschreiben geliefert. Verabredung zum Muttertag war zwar ihre Idee, die jedoch auf Danny zurückging. Er hatte gesagt, er wollte ihr in diesem Jahr zum Muttertag etwas echt Tolles schenken, weil sie ihm den Hund erlaubte.
„Und was?", hatte sie geantwortet, während sie auf Knien vom Wohnzimmerteppich einen frischen Fleck entfernte.
Der Stolz ihres Lebens hatte angestrengt nachgedacht und dabei den Welpen an sich gedrückt, der ihm das Gesicht mit jener Begeisterung leckte, die nur kleine Hunde entwickeln. „Wie wäre es mit einer Verabredung?", fragte Danny strahlend.
Rosemary lachte über den Vorschlag, der einfach komisch wirkte, weil sie selbst eine Agentur für Partnerschaftsvermittlung betrieb.
Dann fiel ihr allerdings ein, dass vielleicht auch andere kleine Jungen ähnlich wie Danny dachten. Sie wollten ihren Müttern eine besondere Freude bereiten, hatten jedoch kein Geld, um etwas zu kaufen. Eine Verabredung war doch ein ganz besonderes Geschenk, noch dazu, wenn alles gratis war. Je länger sie darüber nachdachte, desto besser gefiel ihr die Idee.
Die Reklame durch die Werbeeinschaltung im Radio hatte das Geschäft von Soulmates Inc. angekurbelt. Das entschädigte sie sogar dafür, dass ihre dunkelbraunen Wildlederschuhe nunmehr gründlich angeknabbert waren.
Die Glastür quietschte, als Danny sie mit dem Ellbogen aufschob und den Welpen hereintrug. „Na, wie läuft es?", fragte er.
„Gut. Danny hatte das Tier Rocky genannt, obwohl es eine Hündin war. Rocky strampelte, um sich aus dem Klammergriff zu befreien. Ich muss die Krallen schneiden, dachte Rosemary. „Ich könnte dich das Gleiche fragen. Hört sie schon besser?
Rosemary kannte natürlich die Antwort, aber Danny fühlte sich vielleicht besser, wenn sie so tat, als würde sie ihm einen Erfolg zutrauen. Danny liebte Tiere. Es bestand jedoch ein großer Unterschied, ob man sie auf der Straße streichelte und Tiersendungen im Fernsehen verfolgte, oder ob man selbst ein Tier hatte, das aus Schuhschachteln samt Inhalt Konfetti machte.
„Ja", versicherte er viel zu begeistert, als dass es wahr sein konnte. So schnell und atemlos antwortete er stets, wenn er schwindelte.
Armer Danny! Rosemary winkte ihn näher zu sich heran und streichelte Rocky. Dabei lächelte sie Danny an, in dessen blauen Augen sich Frust und Hoffnung mischten. „Es dauert eben seine Zeit, Schatz."
Rocky wedelte so heftig, dass der ganze Hund wackelte. Im nächsten Moment plätscherte der sichtbare Beweis für die Freude auf den Küchenboden, der wenigstens nicht frisch gewischt war.
„Bring sie wieder nach draußen, Danny."
Er nickte und trug den Welpen zur Schiebetür. Rosemary stand auf und griff nach dem Mopp, den sie mittlerweile gar nicht mehr wegstellte. Wenn sie Glück hatte, roch das Haus nicht wie ein Stall, bis Rocky endlich stubenrein war.
Danny hielt sich mit einer Hand an der Tür fest und drückte mit der anderen den strampelnden Hund an sich. „Du hast mir nicht gesagt, wie es läuft."
Rosemary wusste nicht, was er meinte.
„Der Wettbewerb."
Der Fleck war weg. Rosemary spülte den Mopp aus und lehnte ihn an die Theke, weil sie ihn garantiert bald wieder brauchte. Während sie die Hände trocknete, wandte sie sich an ihren Sohn. „Du interessierst dich ja plötzlich sehr für meine Arbeit."
Danny tat beleidigt, als würde das nicht stimmen. „Na ja, du benutzt schließlich meine Idee."
Lächelnd setzte sie sich wieder an den Schreibtisch. „Und das war eine sehr gute Idee."
Die Post lag auf der Theke viel zu nahe an der Kochplatte. Rosemary legte sie an eine ungefährlichere Stelle, aber allmählich wuchs ihr die Unordnung über den Kopf. Gleich nach dem Muttertag musste sie sich einen Tag frei nehmen und gründlich aufräumen.
„Durch dich bekommen wir eine Menge Reklame für die Agentur." Das stimmte. In den drei Tagen, in denen Chris Maverick die Werbung beim Sender K-LAS brachte, hatte sich die Post fast verdreifacht.
Wie ein kleiner Manager, der sich um seine Firma kümmerte, betrachtete Danny die Post. „Hast du sie schon ausgesucht? Die Gewinnerinnen?", fügte er hinzu, bevor seine Mutter fragen konnte.
Sie griff nach dem Brieföffner, den Patrick ihr zum letzten gemeinsamen Valentinstag geschenkt hatte. „Ich arbeite noch daran."
Danny kam näher. Rocky winselte und wollte vom Arm herunter. Die Hinterbeine hingen fast bis zu Dannys Füßen. „Kann ich mal sehen, welche du schon ausgesucht hast?"
Danny hatte ihre Tätigkeit stets als Schmusekram abgetan. Konnte es sein, dass der kleine Kerl so schnell reifer geworden war? Rosemary legte den Brieföffner auf den Schreibtisch und betrachtete das angespannte Gesicht, das dem ihren so ähnlich war. Nur das blonde Haar hatte Danny von Patrick geerbt. „Du interessierst dich tatsächlich dafür."
Er zuckte die Schultern unter dem gestreiften T-Shirt und drückte den Welpen noch fester an sich. „Klar. Vielleicht kann ich dir beim Aussuchen helfen."
Das klang richtig eifrig. Ja, er wuchs rasch heran. „Ich lese dir die Briefe später vor, versprach sie und deutete ernst auf Rocky. „Erst musst du dieses Mädchen in den Garten schaffen, damit es sich entleeren kann. Raus!
Rosemary zeigte auf die Tür ins Freie.
Danny schob die Tür ganz auf und schloss sie wieder hinter sich. Rosemary sah zu, wie der Welpe ihm endlich vom Arm sprang und weglief. Wie gut, dass sie nie Zeit für Blumenbeete gefunden hatte. Die wären mittlerweile mit Sicherheit schon alle umgegraben worden.
Rosemary versuchte, sich wieder auf die Arbeit zu konzentrieren. Trotzdem dachte sie daran, wie sehr Danny sich für den Wettbewerb interessierte. Vielleicht sollte sie ihn mit einbeziehen, damit er sich bedeutend fühlte. Sein Selbstwertgefühl war zwar in Ordnung, doch es schadete nicht, wenn sie es gelegentlich weiter aufbaute. Mit seinen elf Jahren war Danny seit neun Jahren das einzige männliche Wesen in der Familie.
Mein kleiner Mann, dachte sie. Allerdings war er gar nicht mehr so klein. Im Moment machte er gerade einen Wachstumsschub durch. Bestimmt dauerte es nicht lange, bis er größer als sie war, auf eigenen Beinen stand, eine Freundin fand und …
Rosemary musste lachen. Sie plante schon seine Hochzeit, und er hatte noch nicht einmal die Grundschule hinter sich. Es war nur so, dass ihr die Zeit davonlief.
Ihr Blick fiel auf den Fußboden neben der Theke.
Apropos laufen, dachte sie und stand seufzend auf. Sie hatte einen Fleck übersehen. Also griff sie erneut nach dem Mopp.
Als sie ihn ausgewaschen hatte, klingelte es an der Tür. Wenn das so weiterging, konnte sie die Gewinnerinnen erst zum Muttertag im nächsten Jahr aussuchen. Ein Blick auf die Uhr zeigte ihr, dass es wahrscheinlich Teri war, die wie üblich zu spät kam. Teri, acht Monate jünger als sie, hatte sich schon bei der Geburt um drei Tage verspätet. Im Verlauf von dreißig Jahren hatte sie diese Gewohnheit nicht abgelegt.
Abgehetzt kam Teri mit einem halb gefüllten Postsack herein.
„Hi! Ich war noch auf dem Postamt und habe unsere Post geholt. Teri ging in die Küche und warf den Sack auf den Fußboden. „Der Wettbewerb schlägt bombig ein. Ich hätte nie gedacht, wie viele Alleinstehende einen Partner suchen.
Rosemary hob den Sack vorsichtig auf und legte ihn auf einen leeren Hocker. „Dadurch läuft unser Geschäft, Teri", meinte sie lächelnd.
Teri, im Gegensatz zu Rosemary blond, erinnerte sich an den Grund, aus dem der Sack hoch gelagert werden musste. „Ist der Allesfresser noch immer auf Raubzug?"
Rosemary winkte ab. „Bring mich bloß nicht in Rage. Ich weiß nicht, wieso ich das erlaubt habe!"
Lachend ging Teri an den Kühlschrank und nahm sich eine Dose Limonade. „Ich schon. Du hast eben ein weiches Herz. Aber dagegen ist nichts einzuwenden. Es macht dich liebenswert. Sie nahm einen Schluck und deutete auf die säuberlich aufgereihten Stapel auf Rosemarys Schreibtisch. Diese Frau könnte sogar in einen Tornado Ordnung bringen, dachte sie dabei. „Was ist bei Dannys Geniestreich herausgekommen?
Rosemary überflog den Brief, den sie soeben geöffnet hatte. Zu gut formuliert. Den hatte kein Kind verfasst, sondern ein Erwachsener, der sich nur wie ein Kind ausdrückte. Einfache Wörter waren falsch, schwierige, die kein Kind benutzte, richtig geschrieben.
Sie legte den Brief auf den hintersten Stapel zu denen, die sie ablehnte und mit einem höflichen Schreiben zurückschickte. Allerdings würde sie auch jeweils ein Formular beifügen in der Hoffnung, dass die Absender ihre Dienste in Anspruch nahmen.
„Die Auswahl fällt mir schwer, aber ich komme voran. Sie warf einen Blick auf den Sack. „Die Post aus unserem Brieffach hat vermutlich nichts mit dem Wettbewerb zu tun.
Teri schüttelte den Kopf und ging an den Tisch. „Diese Briefe haben wahrscheinlich Leute geschrieben, die im Radio von der Agentur gehört haben. Sie seufzte und lächelte verträumt. „Weißt du, der Moderator hat die erregendste Stimme, die ich jemals gehört habe. Wie warme Regentropfen, die einem im Herbst über das Gesicht fließen.
Das würde ihm gefallen, dachte Rosemary und amüsierte sich über diese Beschreibung. Doch wenn sie darüber nachdachte, stimmte es sogar. Chris Maverick besaß tatsächlich eine erregende Stimme. Sie war sein Markenzeichen.
„Seine restlichen Teile sind auch nicht so schäbig", bemerkte sie und öffnete den nächsten Brief.
Teris blaue Augen leuchteten sofort interessiert auf. Sie stellte die Dose energisch auf die Theke.
„Ach ja?, fragte sie und betrachtete forschend Rosemarys Gesicht. Ihre Cousine verschwieg ihr etwas. Großartig! „Und welche seiner nicht so schäbigen Teile hast du schon gesehen?
Rosemary wusste genau, dass die Fantasie mit Teri durchging. „Er ist mein Nachbar, Teri. Ich habe ihn im Garten arbeiten gesehen."
Teri blieb der Mund offen stehen, während sie auf einen Stuhl sank. Bisher hatte Rosemary ihre Nachbarn nur flüchtig erwähnt. Chris war also Chris Maverick! Das hatte sie nicht einmal geahnt.
„Chris Maverick ist dein Nachbar?"
Teri sagte es, als hätte sie soeben erfahren, dass Rosemary eine Affäre mit Mel Gibson hatte.
„Ja, bestätigte Rosemary geduldig, als hätte sie ein Kind vor sich, das schwer von Begriff war. „Dadurch bin ich ja auf die Idee mit dem Wettbewerb im Radio gekommen.
Es war purer Zufall gewesen, doch darauf ging sie jetzt nicht näher ein. Chris hatte seine Hilfe angeboten. Er war wirklich nett, obwohl er für ihren Geschmack eine Spur zu gut aussah. „Er hat mir sogar einen Preisnachlass verschafft."
Teri lächelte anzüglich. „Bevor oder nachdem du die nicht so schäbigen Teile gesehen hast?"
Teri gab bestimmt nicht auf, bevor Rosemary alles erklärt und die Fantasie ihrer Cousine eingedämmt hatte. „Die nicht so schäbigen Teile, von denen ich sprach, waren vollständig bekleidet, Teri. Zügle deine Gedanken! Rosemary runzelte die Stirn. Sie mussten sich an die Arbeit machen, um nicht in Rückstand zu geraten. „Das habe ich dir doch alles schon mindestens einmal erzählt.
Falls das stimmte, erinnerte Teri sich nicht daran. Aber sicher hätte sie nicht vergessen, dass Chris Maverick gleich neben ihrer Cousine wohnte.
„Wahrscheinlich hat mir gerade einer der Zwillinge ins Ohr geschrien. Du weißt doch, dass man Müttern von Zwillingen alles mindestens zweimal sagen muss. Sie lehnte sich zurück und öffnete einen Brief, obwohl sie sich in Gedanken nicht mit der Arbeit beschäftigte. „Also, dann erzähl mehr über diesen nicht so schäbigen Menschen.
Rosemary kannte dieses Funkeln in den Augen ihrer Cousine. Teri wollte kuppeln. Sie selbst brachte zwar ständig andere Leute zusammen, doch Teri war dauernd hinter ihr her und drängte sie, einen der zahlreichen männlichen Bewerber für sich zu reservieren.
Rosemary griff nach dem nächsten Brief. Für private Beziehungen hatte sie keine Zeit. „Teri, sieh mich nicht so an."
Teri spielte mit einem Brief. Sie liebte Rosemary wie eine Schwester. Alles hatten sie geteilt, von der Schwärmerei für Shaun Cassidy in The Hardy Boys über durchgearbeitete Nächte am College, von Hochzeiten über Geburten bis hin zu Patricks Tod.
„Weißt du, Rosie, ich begreife nicht, wie du eine Partnervermittlung betreiben kannst, ohne selbst jemals mit einem Mann auszugehen. Hast du noch nie davon gehört, dass ein Arzt sich in erster Linie selbst helfen sollte?"
Rosemary nahm Teri den Brief aus der Hand. „Doch, aber ich habe noch nie gehört, dass ein Arzt sich selbst den Blinddarm herausoperiert hat." Im Umschlag steckte eines ihrer Formulare. Sie warf einen Blick auf den Namen und legte das Blatt auf den Stapel der Männer.
Teri schüttelte den Kopf. Rosemary würde es sich bald anders überlegen. „Du tust gerade so, als wären Verabredungen schmerzlich."
Das trifft es, dachte Rosemary. Schmerzlich. Allein schon die Vorstellung, mit jemandem auszugehen und sich zu unterhalten, jagte ihr eine Gänsehaut über den Rücken. Sie zuckte lässig die Schultern. „Für manche sind Verabredungen schmerzlich."
Teri verstand nicht, wieso Rosemary alles ablehnte, was sie beruflich anderen vermittelte. „Aber, Rosie, du warst verheiratet und …"
Das Thema hatte Rosemary mit ihrer Cousine schon unzählige Male besprochen. „Und es hat mir gefallen. Jede Frau sollte so glücklich sein, wie ich es mit Patrick war."
Teri wusste sich keinen Rat. Wie sollte sie Rosemary begreifen? Wäre sie selbst wieder alleinstehend gewesen und hätte eine Partnervermittlung betrieben, wäre ihr das wie eine Goldmine erschienen.
„Und weiter?"
Rosemary dachte nicht daran, sich erneut auf eine sinnlose Diskussion einzulassen. „Und weiter – ich betreibe diese Agentur, bringe die richtigen Leute zusammen und ermögliche ihnen hoffentlich, glücklich zu werden." Es war eine Sache, andere Leute miteinander zu verabreden, als sich selbst in diese Lage zu begeben.
Vielleicht bin ich dumm, dachte Teri. Jedenfalls begreife ich nichts. „Und keiner dieser männlichen Bewerber … Sie deutete auf den Aktenschrank mit den Unterlagen über Junggesellen. „Keiner hat dich jemals interessiert? Für keinen hättest du dir die Mühe gemacht, eine Strumpfhose und schicke Schuhe mit hohen Absätzen anzuziehen?
Rosemary wackelte mit den nackten Zehen in den Sandalen, die Rocky höchst interessant fand.
„Schon möglich, aber das heißt nicht, dass ich mich mit einem treffen will. Ich finde auch Paragliding interessant, werde mir aber trotzdem keine Flügel umschnallen und von einem Felsen springen. Vielleicht war sie feige. Vielleicht stand ihr auch die Erinnerung an Patrick im Weg. Hätte Teri doch mehr Verständnis gezeigt und aufgehört, immer wieder auf dem Thema herumzureiten! „Bei einer Verabredung verspüre ich den Zwang, geistreich, witzig und unterhaltsam zu sein und …
„Das bist du doch", wandte Teri ein.
„Schon möglich, aber nicht auf Abruf. Seit Patricks Tod war Rosemary nur zweimal ausgegangen. Es waren zwei Fehlschläge gewesen. „Bei einer Verabredung bin ich nicht mehr ich selbst.
Es schauderte sie allein schon bei der Erinnerung. „Ich erstarre wie eine Schauspielerin mit Lampenfieber. Genauso war es. So konnte sie es Teri am besten erklären. „Ich bekomme bei Verabredungen Lampenfieber. Und das ist es mir nicht wert. Ich bin mit meinem Leben zufrieden, wie es ist.
Rosemary zuckte zusammen, als sie ein Jaulen hörte. „Abgesehen natürlich von dem Hund, aber das wird sich hoffentlich auch bald ändern."
Teri seufzte und gab vorerst auf. „Wie du willst. Sie blätterte den Stapel durch, der ihr am nächsten war, und überflog den Brief, den Rosemary unmittelbar vor ihrer Ankunft gelesen hatte. „Hey, der gefällt mir.
Rosemary sah, welchen Teri meinte, und nickte. „Niedlich, nicht wahr? Er kommt in die Endausscheidung."
Teri legte ihn ganz nach oben. „Also, ich stimme dafür."
Rosemary hing aufrichtig an ihrer Cousine, aber manchmal nervte sie Teris Vorpreschen. „Du hast die anderen Briefe noch nicht gelesen."
Teri griff nach der Limonadendose. „Das mache ich schon noch, aber der hier ist ganz reizend."
„Ich weiß. Dagegen war nichts einzuwenden. „Danny könnte so schreiben, nur dass die Rechtschreibung viel besser ist.
„Mom, sie ist durch den Zaun entwischt!", schrie Danny.
Rosemary warf Teri einen Blick zu. „Manchmal gehen Wünsche ja doch in Erfüllung. Vielleicht will sie weglaufen."
Danny stürmte in die Küche. „Rocky ist durch den Zaun zum Nachbarn entwischt. Du kennst doch das Loch!"
Rosemary schloss die Augen. Auf jeder Seite des Gartens gab es ein Loch im Zaun. „Na toll. Das heißt, dass sie entweder bei den O’Donnells im Teich mit den Schnappschildkröten ist oder dass ich Chris Maverick für seine Großzügigkeit damit belohne, dass die Hündin meines Sohnes seine Begonien begießt. Sie öffnete die Augen und sah ihren Sohn vorsichtig an. „Welcher Nachbar, Danny?
„Der Typ, erklärte Danny ungeduldig. „Mr. Maverick.
„Großartig. Sie stand auf. „Das kann eine Weile dauern, Teri.
„Lerne ich jetzt wenigstens Mr. Nicht-so-schäbig kennen?", fragte Teri amüsiert.
Rosemary verließ kopfschüttelnd die Küche. Teri war hoffnungslos. „Du bist verheiratet", rief sie zu ihrer Cousine zurück.
„Aber ich bin noch nicht tot", erwiderte Teri und setzte sich lachend an den Schreibtisch.
Danny drehte sich um, und Teri lächelte ihm vergnügt zu, zwinkerte mit den Augen und machte sich endlich an die Arbeit.
Rosemary hatte schon bessere Tage erlebt. Sie klingelte bei Chris Maverick. Dabei hasste sie es, andere Leute zu stören. Doch darauf kam es jetzt nicht an. Der Hund tobte durch den Garten ihres Nachbarn und richtete wer weiß was für einen Schaden an.
Die Tür öffnete sich erst nach dem zweiten Klingeln. Christopher Maverick stand in voller Größe von eins fünfundachtzig vor ihr, barfuß, nass, mit einem Handtuch um die nackten Schultern und einem schwarzen Handtuch um die Hüften und den flachen Bauch geschlungen.
Lieber Himmel, auf dem Bauch kann man Hemden bügeln, dachte Rosemary, bevor sie merkte, dass sie ihn anstarrte. Verlegen hob sie den Blick zu seinem Gesicht.
Das Sprechen fiel ihr schwer. Sie bemühte sich trotzdem. „Tut mir leid, stieß sie so atemlos hervor, dass es sogar in ihren Ohren peinlich klang. „Ich wollte Sie nicht unter der Dusche hervorholen, aber der Hund meines Sohnes ist in Ihrem Garten.
Falls Chris verärgert war, zeigte er es nicht. „Ich habe das Bellen gehört, meinte er freundlich. Mit dem Handtuch, das er um den Nacken geschlungen hatte, trocknete er das Haar. Einige Tropfen fielen herunter, als er zurückwich und Rosemary und Danny ins Haus winkte. „Holen wir ihn.
Er ging voraus, und Rosemary bekam allmählich weiche Knie. Natürlich hatte sie schon einen fast nackten Mann gesehen, allerdings nicht in den letzten neun Jahren.
Endlich fand sie die Sprache wieder. „Wir möchten Ihnen keine Probleme machen. Gehen Sie ruhig nach oben und ziehen Sie sich an. Danny und ich schaffen das schon allein."
Chris sah sie über die breite nackte Schulter hinweg an. „Das ist kein Problem", versicherte er und ging weiter.
Und ob es ein Problem ist, dachte Rosemary und fragte sich, wie das Handtuch sich bloß auf diesen schmalen Hüften hielt und nicht nach unten rutschte.
Chris öffnete die Schiebetür zum Garten. Im nächsten Moment jagte Rocky mit erdigen Pfoten ins Haus und hinterließ überall Schmutzspuren. Es war der reinste Albtraum.
„Um Himmels willen, tut mir das leid! Rosemary stürzte sich auf den Hund, doch der Welpe war schneller als sie. „Ich wische gleich auf.
Chris schüttelte den Kopf. „Kein Grund zur Aufregung. Zu mir kommt alle vierzehn Tage ein Reinigungsdienst. Es braucht Ihnen nicht leidzutun. Er ist doch noch ein Welpe." Als würde sie von der sinnlichen Stimme angelockt, gab Rocky die Flucht auf und kam zu Chris, als wäre sie sein Hund. Lachend bückte er sich und streichelte sie.
„Sie", verbesserte Danny und hob den Hund hoch.
„Sie?, fragte Chris. „Hast du ihn nicht Rocky gerufen?
„Richtig, bestätigte Danny lächelnd. „Sie heißt Rocky nach den Rockies in Colorado.
Danny freute sich, dass Chris offenbar mit der Namenswahl einverstanden war.
Rocky wurde es bereits wieder zu langweilig. Sie wand sich so lange, bis sie Danny entwischte, biss in Chris’ Handtuch und landete auf dem Fußboden.
Rosemary schnappte nach Luft und wirbelte herum, während Rocky mit dem Handtuch als Trophäe des neuesten Abenteuers zwischen den Zähnen durch den Raum jagte.
„Lieber Himmel, es tut mir leid. Ich höre mich an wie eine geborstene Schallplatte, dachte sie hilflos und wandte Chris den Rücken zu. „Danny, fang Rocky!
Sie wurde rot vor Verlegenheit. Bestimmt hatte sie viel mehr von Chris Mavericks nicht so schäbigen Teilen gesehen, als er ihr eigentlich zeigen wollte.
Chris schlang sich das Handtuch, das er um die Schultern gelegt hatte, um die Hüften. „Kein Problem, versicherte er gelassen. „Ich hatte auch einmal einen Hund. Jeder Junge braucht einen Hund, nicht wahr, Danny?
„Richtig."
Amüsiert lächelnd tauchte er wieder vor Rosemary auf. „Ich gehe jetzt nach oben und ziehe mich an. Sie finden allein hinaus?"
Das Handtuch, das er nun um die Hüften trug, war wesentlich kleiner als das erste. Rosemary schnürte es fast die Kehle zu. „Ja, sicher", murmelte sie und scheuchte Danny zur Tür.
Hinterher wusste sie nicht mehr, wie sie nach Hause gekommen war.
2. KAPITEL
Teri nahm die Brille ab, als Rosemary in die Küche kam. Danny folgte ihr und schleppte den Hund herein. Rocky wäre zwar eindeutig lieber gelaufen, doch Danny ließ sie nicht los. Strahlend trug er sie zu Teri, die den Hund streichelte.
„Ach, da ist ja das verloren gegangene Familienmitglied wieder."
Rosemary sank stöhnend auf den Stuhl. „Erinnere mich bitte nicht daran!", rief sie und warf Rocky einen vorwurfsvollen Blick zu. Wie lange dauerte es eigentlich, bis ein Hund stubenrein wurde?
„Magst du Rocky nicht, Mom?", fragte Danny zerknirscht.
Sie hatte nicht vergessen, wie wichtig ihr in Dannys Alter Anerkennung durch ihre Eltern gewesen war, und rang sich ein Lächeln ab. „Aber sicher. Es wäre mir nur viel lieber, wäre sie richtig trainiert."
Teri gab sich gar nicht erst die Mühe, ein Lächeln zu unterdrücken. „Ach, ich finde, sie ist schon sehr gut trainiert. Immerhin hat sie dich in die Höhle von Mr. Nicht-so-schäbig geführt, nicht wahr?"
Danny wandte sich an seine Mutter. „Wer ist Mr. Nicht-so-schäbig, Mom, und was für eine Höhle?"
„Teri meint Mr. Maverick und sein Haus, Schatz. Sie drückt sich heute Nachmittag nur etwas seltsam aus." Der warnende Blick, den sie Teri zuwarf, verfehlte völlig seinen Zweck. Teri klimperte nur mit den Wimpern und griff wieder zur Brille.
„Ach, der. Wir haben Chris … Mr. Maverick unter der Dusche hervorgeholt. Er hatte nur ein Handtuch an und war ganz nass", sagte Danny hastig und lief zur Tür.
Allmählich merkte er, wann Rocky sich entleeren wollte, und bekam nicht mehr mit, dass Teri die Brille aus der Hand gefallen und der Unterkiefer heruntergeklappt war.
„Und es hat ihn nicht einmal gestört, dass Rocky mit seinem Handtuch weggerannt ist." Danny schloss hinter sich die Schiebetür.
Hätte Teri nicht gesessen, wären ihr garantiert die Beine weggeknickt. Mit weit aufgerissenen Augen wandte sie sich an Rosemary. „Du hast ihn nackt gesehen?"
Darüber hätte Rosemary lieber nicht gesprochen. Sie winkte ab, sonst hätte ihre Cousine nicht mehr aufgehört, und der ganze Nachmittag wäre verloren gewesen.
„Ich habe mich umgedreht."
Das ging weit über Teris Begriffsvermögen hinaus. „Du hast … was … getan?"
Rosemary zuckte die Schultern. „Ich habe gesehen, wie Rocky sich auf das Handtuch stürzte. Darum habe ich mich umgedreht. Ende der Geschichte."
Teri war fassungslos. „So was wie dich gibt es garantiert kein zweites Mal, Rosie. Sie hob die Brille auf. „Der Mann war tatsächlich nackt?
Rosemary musste lächeln. „Er hatte noch ein Handtuch um die Schultern gelegt."
„Du lieber Himmel! Teri fasste sich ans Herz. „Und wieso stehst du dann hier und quatschst mit mir? Rosie, wirst du auf deine alten Tage schwachsinnig?
„Darf ich dich daran erinnern, dass meine alten Tage genau deinen alten Tagen entsprechen, liebste Cousine?"
„Nur zahlenmäßig. Manchmal hätte Teri an ihrer Cousine verzweifeln können. Rosemary ließ sich eine dermaßen tolle Gelegenheit entgehen! „Manche Menschen kommen schon alt auf die Welt.
„Was sollte ich denn machen?, fragte Rosemary, die Teri gelegentlich überhaupt nicht verstand. „Sollte ich mich auf ihn werfen?
„Nein, aber ihn näher beschnuppern! Hey, ich kenne die Fotos von dem Kerl auf den Seitenwänden der Autobusse. Er sieht einfach hinreißend aus."
Mit diesen Fotos wurde für Chris’ Sendung geworben. Nach Teri zu urteilen, wirkte die Kampagne eindeutig auf die weibliche Bevölkerung.
„Ja, bestätigte Rosemary geduldig, „er ist hinreißend.
„Na und?", fragte Teri begierig.
Was erwartete Teri eigentlich von ihr? „Und ich muss meine Arbeit erledigen." Seufzend griff sie nach einem Stapel Post.
Teri hätte ihre Cousine am liebsten geschüttelt, bis sie Vernunft annahm. „Danny ist mit Allesfresser im Garten, und dieser Typ hat sich vielleicht noch nicht einmal abgetrocknet. Was machst du eigentlich hier?"
„Arbeiten." Rosemary bemühte sich zumindest. Was war heute bloß mit Teri los? Ihre Cousine konnte schon immer lästig sein, aber im Moment erreichte sie neue Höhen.
Teri wollte antworten, verzichtete jedoch. Wenn Rosemary dieses Gesicht machte, hatte es keinen Sinn, mit ihr zu reden. Also musste sie wieder zu Plan A greifen.
Teri schob Rosemary den Brief zu, den diese ausgesucht hatte, bevor sie den Hund holen gegangen war. „Ich habe das hier gelesen, während du eine wundervolle Gelegenheit hast verstreichen lassen, und das ist eindeutig die Siegerin."
Rosemary nickte. Danny kam wieder in die Küche, und der Welpe trottete brav wie ein Spielzeughund hinter ihm her. Das dauert sicher nicht lange, dachte Rosemary.
Sie wandte sich an Teri. „Wenigstens darin sind wir uns einig. Rosemary deutete auf den kleinen Stapel Briefe der Teilnehmer an dem Wettbewerb. „Jetzt müssen wir noch vier aussuchen.
Bevor sie nach dem nächsten Brief greifen konnte, riss Teri alle an sich.
„Ich sehe sie mir an, und du verschickst Formulare an die Gewinnerinnen, die du bereits ausgesucht hast", schlug Teri vor.
Das war neu. Sonst ergriff Teri nie die Initiative. Vielleicht wirkte es sich auf sie gut aus, sich Chris Maverick triefend nass und nackt vorzustellen. „Du hast es mit dem Wettbewerb auffallend eilig."
Teri lächelte verdächtig. „Das ist eben die Romantikerin in mir."
Rosemary lachte. „Ich würde das anders nennen."
Gleichzeitig ertönten lautes Kläffen und die Türklingel. Rosemary stand auf und ging an die Haustür. Hoffentlich bedeutete das Kläffen nicht, dass der Teppich schon wieder einen riesigen Fleck aufwies. Sie hatte zwar einen hervorragenden Teppichreiniger besorgt, aber der Teppich wurde mittlerweile gar nicht mehr trocken.
Sie schloss die Tür auf und war gespannt, was sie nun erwartete.
Der vollständig trockene und bekleidete Chris Maverick stand vor ihr. Er trug einen weißen Pulli mit V-Ausschnitt und hatte die Ärmel an den Unterarmen hochgeschoben. Die Jeans schien ihm direkt auf die muskulösen Schenkel gemalt zu sein. Rosemary war überzeugt, sogar von hier aus Teri hecheln zu hören.
Chris wirkte nicht im Geringsten verlegen. Vielleicht lief er ja auch ständig nackt in seinem Haus herum. Dafür reichte Rosemarys Verlegenheit für sie beide. Auch wenn es albern war, wurde sie doch allein schon bei der Vorstellung von Chris ohne Handtuch rot.
Erstaunt und auch seltsam berührt stellte Chris fest, dass sie rot wurde. Das hatte er von Frauen gar nicht mehr erwartet, und gesehen hatte er es noch nie.
Chris fand, dass ihr die Farbe im Gesicht gut stand. Rosemary Gallagher war auf stille Weise ganz reizend. Er hatte sie sofort gesehen, als er vor drei
