Die Zeit vergeht schneller, als sie denkt: Aphorismen
Von Gregor Brand
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Über dieses E-Book
Im vorliegenden Buch präsentiert der Autor eine reichhaltige Auswahl aus bereits veröffentlichten Aphorismen (Meschalim. Zweitausend Aphorismen. 2007) sowie neue Gedanken und Beobachtungen.
Damit liegt erstmals ein repräsentativer Überblick über sein bisheriges aphoristisches Werk vor.
Gregor Brand
Gregor Brand (geb. 1957 in Bettenfeld/Eifel) wuchs auf dem elterlichen Bauernhof sowie im Bischöflichen Konvikt Prüm auf. Mit 17 Jahren Abitur am Prümer Regino-Gymnasium. Jurastudium in Trier (Volljurist), anschließend Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Trier. 1985 Gründung eines Verlags, ab 1987 als Hausmann Erzieher zweier Töchter. Umfangreiche Tätigkeit als Autor, Privatlehrer, Lektor und Genealoge. Veröffentlichung von bisher acht Gedicht- und Aphorismenbänden sowie von zahlreichen Beiträgen vor allem zu juristischen, historischen und psychologisch-pädagogischen Themen (Hochbegabung). Ver-fasser von über 500 biografischen Porträts zu historischen und lebenden Persönlichkeiten aus der Eifel.
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Buchvorschau
Die Zeit vergeht schneller, als sie denkt - Gregor Brand
Die Natur: ein Selfie Gottes.
Moralisten versuchen vergeblich, dem Feuer das Rauchen abzugewöhnen.
Bei vielen Büchern wäre es gut, wenn ihre Schutzumschläge nicht nur schön aussähen, sondern auch vor dem Inhalt schützen würden.
Auch in Hauptstädten dreht sich das meiste um tiefer gelegene Körperteile.
Kopfgefühle sind nicht unwichtiger als Bauchgedanken.
Das 19. Jahrhundert wird schon seine antiaphoristischen Gründe dafür gehabt haben, dass es nicht auf den 1799 gestorbenen Lichtenberg warten wollte.
Naturrecht: Die Natur darf und wird sich immer das Recht nehmen, rechtlos zu sein.
Ab einem gewissen Grad von Intelligenz sind Menschen zu jeder Dummheit fähig.
Die schlimmsten Holzwege sind Blutwege.
Wir gingen endgültig im Ozean der Texte unter, wenn der Regen seine Memoiren veröffentlichen würde.
Es ist sinnvoller, sich einen Gedanken aus dem Kopf zu streicheln, als ihn sich aus dem Kopf zu schlagen.
Interpretation heißt Interpretation, weil jedes Deuten seinen Preis hat.
Ich musste nicht Jura studieren, um zu wissen, dass Urteile gleichzeitig sowohl richtig als auch anfechtbar sein können.
Zu jeder Zivilisation gehört die Auseinandersetzung der Vielwisser mit den Vielerleiwissern.
Ohne das Gewöhnliche ist das Ungewöhnliche nicht lebensfähig.
Das Besondere schuldet dem Allgemeinen nicht mehr Dank als umgekehrt.
Wer zu viel denkt, hat zu wenig gedacht.
Diffuse Schmerzen sind präzise Drohungen.
Was keinen Zwerg erschreckt, kann Riesen erschüttern.
Schüchterne Aphorismen sind schön.
Die Sprache wehrt sich nur lasch gegen Lügen.
Fragen werden überbewertet, oder?
Klare Quelle wichtiger Einsichten wäre römischen Auguren die Vogelgrippe gewesen.
Bescheidene Hybris ist erträglicher als hybride Bescheidenheit.
Moraltrompeter möchte ich weder sein noch werden. Aber Moralsaxophonist – das wäre nicht schlecht.
Es ist erstaunlich, mit welchem Selbstbewusstsein Mohammed, Jesus und Buddha neue Religionen begründeten, obwohl sie doch von den Erkenntnissen moderner Religionswissenschaftler noch keine Ahnung hatten.
Für Friedrich Schlegel waren Aphorismen: kleine Kunstwerke. Kleine Kunstwerke zu schaffen: Das ist immer schon große Kunst gewesen.
Im alten und ehrwürdigen Latium hätte man Jesus eher für einen filius Iovis als für einen Sohn Jahwes gehalten.
Das Gehirn ist ein Kollektiv.
Als die Geburtenrate der Deutschen am höchsten war und sie als junges und dynamisches Volk galten, hieß sogar einer ihrer wichtigsten Philosophen: Windelband.
Wir leben in der besten aller Welten, glauben Viren seit Hunderten von Millionen Jahren.
Jede Religion ist dort verbesserungswürdig, wo sie Menschen in Unwissenheiten der Vergangenheit einmauert.
Der Glaube der Einfältigen ist ungläubiger als der Unglaube der Vielfältigen.
Das religiöse Konzept einer Hölle: Endlösung vor der Endlösung und Endlösung nach der Endlösung.
Dass der Mensch nur ein Windhauch sei, wie es in der Bibel heißt, unterstellt, dass auch der Windhauch nur ein Windhauch ist.
Dürften nur diejenigen Kinder bekommen, die viel von Erziehung verstehen, wäre die Menschheit von akuter Extermination bedroht.
Auch jemand, der Zahlen und Zähler hasst, kann ein guter Mensch sein.
Man muss Ängsten nicht voreilig unterstellen, dass sie den Menschen beherrschen wollen. Sie sind schon zufrieden, wenn man sie respektiert.
Was anderen Menschen guttut, kann nur Indiz dafür sein, was uns selbst eventuell auch guttun könnte.
Wer Ernst Jünger, Heidegger oder Carl Schmitt für Blender hält, ist ein Blinder.
Die Fähigkeit und der Wille, sich selbst und selbständig Wissen anzueignen, sind grundlegende Voraussetzungen für jede überlegene Bildungs- und Denkfähigkeit. Autodidakten liegen nicht häufiger falsch als Heterodidakten, und nichts ist weniger gerechtfertigt als der vorurteilsbeladene Hochmut der Fremdbelehrten.
Am 17. Juni 1966 notierte Émile Cioran knapp über den wenige Tage zuvor verstorbenen österreichischen Theologen und Philosophen Erwin Reisner: „philosophe véritable, mort inconnu". Passend zu den Toden vieler Menschen.
Die Industrivialisierung der Kultur hat im Westen schnellere Fortschritte gemacht als im Industal.
Gregor Samsa ist weltberühmt, obwohl er kaum anderes geleistet hat, als scheinbar ein Ungeziefer zu werden. Menschen, die für Ungeziefer gehalten werden, haben größere Chancen, berühmt zu werden, auch wenn sie diese Prominenz weder wollen noch lange überleben.
Noch hat niemand überzeugend nachgewiesen, mit welchem Recht man von Gott verlangen könnte, sich mit einem so winzigen und kaum wahrnehmbaren kosmischen Objekt wie der Erde näher und intensiver zu befassen.
Wer Aphorismen noch nicht zu schätzen weiß, der sollte zunächst Dissertationen lesen.
Ein Wort aus vergangenen deutschen Jahrhunderten: „Witztölpel. Heutzutage will keiner Witztölpel sein, aber viele sind es immer noch, auch wenn der Begriff fast sein Leben ausgehaucht hat. Doch „fast
heißt hier wenig: Begriffe sind zählebiger, als man vermutet.
Kopfschmerzen können verursacht werden, indem sich Blutgefäße zusammenziehen oder, wie man heutzutage in manchen Kreisen gern sagt, „sich zurücknehmen". Wer sich sehr stark zurücknimmt, kann Anderen dadurch sogar Kopfzerbrechen bereiten.
Manche Gedanken kehren immer wieder. Aber nicht vor der eigenen Tür.
Bei vielen Früchten möchte man nicht den Baum, sondern nur den Kopf schütteln.
Im Verlauf der Geschichte waren sich denkende Menschen nicht immer einig darüber, ob man am Schlüsselloch der Welt mehr mit dem Auge oder mit dem Ohr erfährt.
Es gibt nicht nur einen einzigen Baum der Erkenntnis. Jedem wird ein anderer Baum der Erkenntnis gepflanzt. Und es sind nicht nur jeweils andere Bäume, sondern sogar verschiedene Arten von Bäumen.
Wer ohne Hoffnung liebt, liebt sein Lieben.
Vielleicht sind Mathematiker die am wenigsten berechnenden Menschen und haben dadurch oft so große Schwierigkeiten, das berechnende Verhalten anderer zu verstehen.
Während an den Gottesbeweisen schon die größten Denker gescheitert sind, kann jeder gemeine Lump zu jeder Zeit mit Leichtigkeit die Existenz des Teufels beweisen.
Gute Aphoristiker können als solche so wenig populär werden wie hervorragende Mathematiker, Chemiker oder Geologen.
Auch im Zeitalter des Internets werden Buchstaben zu den beliebtesten Mitteln gehören, um Menschen zu schlagen.
Am Anfang war das Wort, heißt es. Aber was ist mit den Buchstaben? Waren die nicht schon vorher da? Eine alte und noch ungelöste kabbalistische Frage.
Mit dem Kopf durch die Wand zu wollen, ist auch dann schmerzhaft und unsinnig, wenn man ein Kopftuch trägt.
Es wäre um die Welt besser bestellt, wenn die Besseren seltener glauben würden, dass sie die Schlechteren seien.
Großzügig ist nicht, wer bei einem Fehler Anderen ein Auge zudrückt.
Die meisten Christen wären, allem Reden von froher Botschaft zum Trotz, sehr betrübt darüber, wenn man jetzt eine neue älteste Handschrift eines der Evangelien finden würde, bei der am Anfang geschrieben stünde: Eine Komödie.
Die Geschichte der Menschheit wäre humaner verlaufen, wenn man nicht die Menschen, sondern die Ideen belehrt hätte, dass es süß und ehrenvoll ist, wenn sie für das Vaterland sterben.
Wenn man seinen Kopf schon in den Sand steckt, sollte man dafür nicht den hart gewordenen einer Wand auswählen.
Wer in einer Gesellschaft, in der fast alles erlaubt ist, frei bleiben will, muss sich vieles verbieten.
Ständig zu neuen Dummheiten fähig zu sein, wird allzu häufig für Einfallsreichtum gehalten.
Mindestens so oft, wie Lebende Toten die Augen schlossen, haben Tote Lebenden die Augen geöffnet.
Was soll man von Traumdeutern halten, die nicht einmal das wache Leben erklären können?
Wenn jemand sagt, dass etwas ganz außergewöhnlich schön sei, dann sollte man ihm vielleicht nur dann glauben, wenn ihm dabei die Tränen kommen.
Es gibt Leute, die dem mündigen Bürger die Zähne ziehen wollen, um dann zu sagen, nun könne er freier reden.
Wer denkt schon bei der Frage, was oder wen er auf eine einsame Insel mitnehmen würde, an die Bedürfnisse der armen einsamen Insel?
Es sind nicht die schlechtesten Kulturen, in denen man ein dauerhaft zölibatäres Leben für eine Art sexuellen Missbrauchs hält.
Man kann strohdumm sein, aber auch frohdumm.
Die meisten Menschen wissen halbwegs, was sie denken, aber nicht im Geringsten, welche Philosophie sie haben.
Seinen Glauben kann sich niemand aussuchen, unter günstigen Umständen aber seine Religion.
Philosophen sind so verweichlicht, dass sie sogar die Sprache nicht mehr roh essen können.
„Es ist bestens, verdammt noch mal, und wer das leugnet, kriegt eins aufs Maul!" Früher hätte ich das für ein Zitat des polnischen Schriftstellers Witkiewicz gehalten. Jetzt bin ich mir nicht sicher, ob es nicht doch aus der aktuellen Politik stammt.
Einige werden, so heißt es, mit einer einzigen neuen Idee Millionär. Gewisser ist, dass viele mit Hunderten neuer Ideen arm bleiben.
Für die Verdammten könnte mit dem Jüngsten Gericht auch ihre Henkersmahlzeit gemeint sein. Wünscht ihnen dazu der richtende Gott noch guten Appetit?
Es ist ein Fortschritt, wenn Soldaten das Wort Zivilcourage nicht mehr mit einem Ausdruck der Verachtung aussprechen.
Noch einige Jahre und etliche Millionen Alte mehr – und man wird Teenagern größere Altäre errichten: um sie sowohl anzubeten als auch zu opfern.
Die frömmsten Geschichten habe ich selbst erfunden, behauptet der Teufel.
Früher glaubten manche, den Wert des Christentums mit dem Nachweis erhöhen zu können, dass es keine jüdische Sekte sei. Heute würden sich viele Christen freuen, wenn sie wüssten, dass sie auch nur Juden sind.
Nicht jeder Kobold ist ein Witzbold. Lichtenberg wäre sich nicht zu schade gewesen, einen solchen Satz aufzuschreiben.
Man ist nicht schon dann krank, wenn man nicht weiß, ob man gesund ist. Denn dann wäre jeder krank, womit die Unterscheidung zur Gesundheit ihren Sinn verlieren würde. Niemand weiß wirklich, ob nicht in ihm eine verborgene Krankheit am Werk ist: Man kann sich nur gesund glauben.
Manchmal ist man so müde, dass man zwar keine neuen Gedanken entwickeln, wohl aber schon vorgedachte noch übernehmen kann. Bisweilen scheinen ganze Kulturen in dieser Weise müde zu werden.
Mit dem Messer der Gegenwart versucht man immer vergeblich, die Vergangenheit anzuschneiden: Die Vergangenheit ist unverwundbar; man kann dabei nur die Gegenwart und die Zukunft zum Bluten bringen.
Wer schreibt, behält Recht. Wer zuletzt schreibt, behält zuletzt Recht. Es ist schön, Recht zu haben und zu behalten, auch wenn nur noch Analphabeten folgen.
Liest Gott Bücher? Oder nur Taten? Wenn er Bücher liest, achtet er dann nur auf Inhalt oder auch auf Stil, Schönheit, Ausdruck? Vom Gott des Alten Testaments, der gern an Opferfleisch roch, könnte man annehmen, dass er zuerst an einem Buch riecht.
Nur diejenigen verdienen lang währenden Nachruhm, die schon zu ihren Lebzeiten wissen, wie eitel das Streben danach ist.
Wer zum Zölibat berufen ist, sündigt, wenn er heiratet. Wer zum Alkohol berufen ist, sündigt, wenn er nüchtern bleibt.
Noch eine Einsamkeit: Das allein erziehende Mutterland.
Goethe trank in seiner zweiten Lebenshälfte täglich mehr als zwei Liter Wein und wurde über 80 Jahre alt. Und niemand sage, mit nur einem Liter hätte er zweimal so viel geschrieben und wäre doppelt so alt geworden.
Kein philosophischer Gedanke ist so klug, dass er nicht von mir verstanden werden könnte.
Je schwerer und bedeutungsvoller ein Gedanke ist, desto schmerzlicher kann man von ihm verletzt werden. Doch auch die leichtesten Gedanken können uns anrempeln und umstoßen; wenn wir Pech haben, verletzen wir uns auch dabei schwer.
Eine Kultur, in der Alkohol verboten ist, hat es ebenso schwer, geistreich zu sein wie eine Kultur, in der Alkohol eine zu große Rolle spielt.
Im Wein ist Wahrheit: Darum gehört das Moseltal zu den wahrsten Landschaften der Erde.
Sehr dumme und sehr intelligente Menschen sind sich wechselseitig ein Sicherheitsrisiko.
Es ist zum Glück ungleich einfacher, jemandem ins Wort als um den Hals zu fallen.
Luftschlösser werden häufiger gebaut als Lufthütten. Wer gerne Luftschlösser baut, sieht nicht auf die Kosten.
Wie es Menschen gibt, die kein Blut sehen können, so gibt es welche, die keinen Gott sehen können.
Warum rief Jesus nicht in der Bergpredigt: Selig die Juden, die dereinst rechtzeitig vor den Deutschen fliehen?
Nicht jeder, der erfolgreich um das tägliche Brot bittet, verträgt es auch.
Gott verlangt nicht, dass man um das bittet, was einem nicht bekommt oder, dass man das tut, was an Leib, Geist oder Seele krank macht.
Erst sein Fleisch essen und sein Blut trinken und dann Gott einen guten Mann sein lassen – ist das nicht gut katholisch?
Wenn wir uns, wie Derrida schrieb, in der weltweiten Epoche der Metapher befinden, dann sollten wir diese für den Klimawandel mitverantwortlich machen.
Das Lachen durchschauen und sich über ein Lächeln freuen.
Am letzten Abendmahl wird die Menschheit bis zum Ende ihrer Tage zu kauen haben.
Wenn Jahwe seine Vaterschaft bezüglich Jesu bestreitet, wie soll man sie ihm nachweisen? Und wenn er sie nicht bestreitet, so steht sie dennoch nicht fest.
Vielleicht spielt bei der christlichen Marienverehrung auch der Gedanke eine untergründige Rolle, dass der Vater fast immer unsicherer ist als die Mutter.
Die Atheisten, die Wotan und Zeus leugnen – wieso sind sie anders zu beurteilen als die Atheisten, die Jahwe leugnen?
Gott muss bei der Erschaffung der Welt schon ziemlich erwachsen gewesen sein, auch wenn vieles auf der Erde nach Spielerei aussieht.
Mystisch oder mystig: Welten liegen, wie zwischen allen Worten, dazwischen.
Erstaunlich, mit welcher Regelmäßigkeit bei Katholiken bereits erste Kommunion eine heilige ist.
Viele beteten früher um einen gelinden, nur wenige um einen gebuchen, geeichen oder geespen Tod.
Mit jedem klugen Gedanken darf die Achtung gegenüber den Vorfahren des Denkenden steigen.
Aufklärung – war das nicht die versuchte Bekehrung des Volkes zu den Vorurteilen der Intellektuellen?
Menschen reden oft über ihren Körper, aber noch häufiger redet der Körper über sie.
Der vielbewunderte Satz Carl Schmitts: „Souverän ist, wer über den Ausnahmezustand entscheidet, entspricht in gewisser Weise einer Erkenntnis wie: „Verheiratet ist, wer seine Frau des Ehebruchs bezichtigt.
Katholische Bauern gingen von Pontius zu Pilatus, jüdische Intellektuelle von Marx zu Freud.
Nicht immer geht die Vernunft schon baden, wenn die Buchstaben anfangen zu verschwimmen.
Nietzsche glaubte, jedes Wort sei ein Vorurteil. Dennoch wollte er das letzte Vorurteil haben.
Weisheit versteckt sich am liebsten zwischen Wissen.
Jede Politik ist Zeichenpolitik.
Wer wissen will, worin sich Genie und Wahnsinn ähneln und worin sie sich entscheidend unterscheiden, der sollte den Aufsatz Wilhelm Windelbands „Über Friedrich Hölderlin und sein Geschick" lesen.
Als der krankheitsgepeinigte Nietzsche einen „erlösenden Hirnschlag" für bald bevorstehend hielt, da hatte er noch zwanzig
