Parker und die "Mega-Ratten": Butler Parker 163 – Kriminalroman
Von Günter Dönges
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Butler Parker ist seinen Gegnern, den übelsten Ganoven, auch geistig meilenweit überlegen. In seiner auffallend unscheinbaren Tarnung löst er jeden Fall. Bravourös, brillant, effektiv – spannendere und zugleich humorvollere Krimis gibt es nicht!
Parker lustwandelte über den schmalen Bergpfad und genoß den herbstlichen Wald in all seiner bunten Pracht. Gut, er sah nicht wie einer der Feriengäste oder Touristen aus, doch das spielte keine Rolle. Er trug die übliche schwarze Kleidung, die steife, englische Melone und hatte sich seinen Universal-Regenschirm korrekt über den linken Unterarm gelegt. An Regen war wirklich nicht zu denken, aber das focht den Butler nicht an. Ohne zwingende Gründe trennte er sich niemals von diesem Regenschirm, denn er war ihm manchmal von Nutzen, wie sich in der Vergangenheit schon oft gezeigt hatte. Parkers Ziel war eine kleine Waldhütte oberhalb des Bergwaldes. Bis dorthin mußte er gut und gern noch eine halbe Stunde gehen. Doch das machte ihm nichts aus. Er hatte eine längere Fahrt in seinem Privatwagen hinter sich und war froh, sich endlich einmal die Beine vertreten zu können. Er war, was die Schönheiten des herbstlichen Waldes anging, nicht ganz bei der Sache. Wenigstens nicht innerlich. Nach außen hin spielte er zwar den Feriengast, der sich entspannen will, innerlich aber beschäftigte er sich intensiv mit jenem seltsamen Pfeifen, das er schon seit knapp zehn Minuten hörte. Dieses kurze, schrille Pfeifen vermochte er nicht einzuordnen. Von Murmeltieren konnte es nicht herrühren. Parker kannte sich da aus. In früheren Jahren war er verschiedentlich in der Schweiz gewesen und hatte diese reizenden, kleinen Burschen aus nächster Nähe beobachtet. Nein, dieses Pfeifen klang irgendwie drohend. Es kitzelte die Nerven und war dazu angetan, den Rücken mit einer soliden Gänsehaut zu versorgen. Parker hatte immer wieder nach den Urhebern dieser Pfiffe Ausschau gehalten, bisher aber nichts entdecken können. Diese Pfiffe wechselten dauernd die Richtung und schienen ihn einzukreisen.
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Parker und die "Mega-Ratten" - Günter Dönges
Butler Parker
– 163 –
Parker und die Mega-Ratten
Günter Dönges
Parker lustwandelte über den schmalen Bergpfad und genoß den herbstlichen Wald in all seiner bunten Pracht. Gut, er sah nicht wie einer der Feriengäste oder Touristen aus, doch das spielte keine Rolle. Er trug die übliche schwarze Kleidung, die steife, englische Melone und hatte sich seinen Universal-Regenschirm korrekt über den linken Unterarm gelegt. An Regen war wirklich nicht zu denken, aber das focht den Butler nicht an. Ohne zwingende Gründe trennte er sich niemals von diesem Regenschirm, denn er war ihm manchmal von Nutzen, wie sich in der Vergangenheit schon oft gezeigt hatte.
Parkers Ziel war eine kleine Waldhütte oberhalb des Bergwaldes. Bis dorthin mußte er gut und gern noch eine halbe Stunde gehen. Doch das machte ihm nichts aus. Er hatte eine längere Fahrt in seinem Privatwagen hinter sich und war froh, sich endlich einmal die Beine vertreten zu können.
Er war, was die Schönheiten des herbstlichen Waldes anging, nicht ganz bei der Sache. Wenigstens nicht innerlich. Nach außen hin spielte er zwar den Feriengast, der sich entspannen will, innerlich aber beschäftigte er sich intensiv mit jenem seltsamen Pfeifen, das er schon seit knapp zehn Minuten hörte. Dieses kurze, schrille Pfeifen vermochte er nicht einzuordnen. Von Murmeltieren konnte es nicht herrühren. Parker kannte sich da aus. In früheren Jahren war er verschiedentlich in der Schweiz gewesen und hatte diese reizenden, kleinen Burschen aus nächster Nähe beobachtet.
Nein, dieses Pfeifen klang irgendwie drohend. Es kitzelte die Nerven und war dazu angetan, den Rücken mit einer soliden Gänsehaut zu versorgen. Parker hatte immer wieder nach den Urhebern dieser Pfiffe Ausschau gehalten, bisher aber nichts entdecken können.
Diese Pfiffe wechselten dauernd die Richtung und schienen ihn einzukreisen. Klangen sie jetzt noch recht nah, hörte es sich wenige Minuten später so an, als würden sie weit oben im Bergwald produziert. Parker, allen Rätseln der Natur stets aufgeschlossen, nahm sich vor, die Produzenten dieser Pfiffe festzustellen. Er legte eine kleine Pause ein und sah hinunter auf Aspen.
Diese ehemalige Silberminenstadt, 1893 aufgegeben und zu einer Geisterstadt geworden, hatte sich nach dem 2. Weltkrieg in einen feudalen Sommer- und Winterkurort rückverwandelt. Das kleine Städtchen, inzwischen wieder auf fast achttausend Einwohner angewachsen, lag in einem jetzt romantisch anmutenden Talkessel. An den Hängen erhoben sich Motels, Bungalows und Hotels im Westernstil. Nichts war mehr von der alten Silberminenstadt zu sehen, wenn man von den Stollenmündungen und geschleiften Fördertürmen der alten Mine absah, die in einem stillen Seitental verschwanden.
Parkers Aufmerksamkeit wurde abgelenkt.
Seitlich von ihm tauchte plötzlich für Sekundenbruchteile ein Schatten auf. Er bewegte sich mit großer Schnelligkeit über den Boden und verschwand im dichten Unterholz.
Parker hatte Einzelheiten nicht erkennen können, doch er glaubte, so etwas wie einen Fuchs gesehen zu haben. Nicht weiter verwunderlich hier oben im Bergwald. Und dennoch, der Butler war gewarnt. Sein stets waches Unterbewußtsein signalisierte Alarm. Irgend etwas stimmte nicht. Die Bedrohung wurde nur noch stärker.
Dann wieder das schrille Pfeifen!
Diesmal kam es ganz aus der Nähe.
Parker wandte sich schnell um, ohne dabei aber seine würdevolle Gelassenheit auf zugeben.
Und dann sah er das Tier...
Es war groß wie ein Terrier, besaß ein braunschwarzes Fellkleid und hatte eine spitze Schnauze, an der deutlich zu beiden Seiten lange, dünne Barthaare zu erkennen waren.
Kalte, freche und verschlagene Augen zugleich musterten den Butler prüfend.
Und dann entdeckte der Butler noch etwas, was ihn vollends irritierte.
Dieser Terrier, der keiner sein konnte, verfügte über einen langen, dünnen Schwanz, über einen Schwanz, wie ihn nur Ratten oder Mäuse besaßen!
Dieses seltsame Tier pfiff plötzlich schrill und stürzte sich auf den Butler.
Josuah Parker schüttelte mißbilligend den Kopf. Er war ein Tierfreund und hatte etwas dagegen, die unschuldige Kreatur, gleich in welcher Form sie sich auch darbot, zu töten.
Doch jetzt und hier mußte er sich sehr schnell entscheiden. Das Tier schien überhaupt keine Angst zu kennen. Es handelte auch keineswegs in blinder Wut.
Wohlüberlegt, mit einer gewissen, erkennbaren Intelligenz täuschte es den Butler, fintierte förmlich, um dann konzentriert und mit kalter Wut zuzuschnappen.
Parker sah ein scheußliches Gebiß mit ausgeprägten Fangzähnen. Er sah den Geifer. Nun wehrte er sich mit seinem Universal-Regenschirm.
Die bleigefütterte Bambuskrücke sauste auf das Tier hinunter, verfehlte es, trieb das Tier dennoch zurück und verwandelte sich dann in Sekundenbruchteile in einen rasiermesserscharfen Degen.
Durch den Druck auf einen verborgen angebrachten Knopf hatte Josuah Parker die Degenklinge hervorzischen lassen. Als das Tier den zweiten Angriff wagte, war der Butler gewappnet.
Ein blitzschneller Stich, ein schriller Pfiff. Dann rollte das seltsame Tier auf die Seite und blieb mit zuckenden Gliedern auf dem steinigen Boden liegen.
Parker wollte sich über diesen vierbeinigen Angreifer beugen und ihn aus nächster Nähe studieren, doch ein peitschender Schuß lenkte ihn ab.
Dieser Schuß war oberhalb des Bergwalds abgefeuert worden.
Und diesem Schuß folgten zwei weitere Schüsse, die in schneller Reihenfolge hintereinander krachten.
Parker dachte an den Mann, mit dem er sich treffen wollte. Er hatte es plötzlich sehr eilig, nach oben zur Berghütte zu kommen und kümmerte sich nicht weiter um das Tier.
Was er wohl besser doch getan hätte!
*
Die Berghütte lehnte gegen einen steil aufragenden Felsen. Sie sah zur Höhe dieser Steilwand wie eine Streichholzschachtel aus. Parker trat aus dem Bergwald und beobachtete die Hütte. Er wartete darauf, daß sich dort etwas rührte. Er wartete, genauer gesagt, auf einen gewissen Herrn Ball, der ihn hierher bestellt hatte.
Das vereinbarte Zeichen fehlte übrigens. Am Fenster war nichts von einem Handtuch zu sehen, eine Tatsache, die den Butler noch mißtrauischer werden ließ.
Um zur Hütte zu gelangen, mußte er die weite Bergwiese überschreiten. Deckungslos! Außer Felsblöcken, die sich aus der Wiese erhoben, war von Schutzmöglichkeiten nichts zu sehen. Dennoch wagte der Butler es!
Er kam nicht weit.
Er hatte ein Drittel dieser sattgrünen Bergwiese gerade hinter sich gebracht, als ein Schuß fiel. Fast gleichzeitig zischte ein Geschoß dicht an seinem Oberkörper vorbei und klatschte gegen einen Baum.
Parker, an einem Treffer überhaupt nicht interessiert, zog es daraufhin vor, dem Schützen die Sicht zu nehmen. Er nebelte sich im wahrsten Sinne des Wortes ein. Dazu zog er eine kleine Plastikröhre aus der Tasche seines schwarzen Zweireihers, zerbrach die darin befindliche Glasampulle mit einer harten Handbewegung und wurde innerhalb weniger Sekunden von einer Nebelwolke eingehüllt.
Diese Wolke hatte es in sich!
Sie breitete sich zu einer undurchdringlichen Wand aus und ließ den Butler völlig verschwinden. Getrieben von einem sanften Wind, zog sich diese Nebelwand zurück zum Bergwald.
Parker schloß sich dieser Nebelwand an und befand sich nach einigen Minuten wieder in Sicherheit. Der Schütze, der irgendwo in den Felsen steckte, hatte keinen zweiten Schuß abgefeuert. Wahrscheinlich grübelte er noch über Parkers Trick nach.
Der Butler nutzte diese mögliche Verblüffung aus.
Mit einer Schnelligkeit, die er sonst verabscheute, umging er bereits die weite Bergwiese und näherte sich der Hütte diesmal von der linken Flanke her.
Der Nebel hatte sich aufgelöst.
Parker stand hinter dichtem Strauchwerk und beobachtete die Felswände oberhalb der Hütte.
Dort vermutete er den Schützen. Hatte dieser heimtückische Mensch sich bereits abgesetzt? Oder wartete er darauf, einen zweiten, besser gezielten Schuß anzubringen? Man mußte Geduld haben, wenn man ein Wild belauerte.
Und Parkers Geduld zahlte sich auch prompt aus.
Nach etwa zehn Minuten blinkte irgend etwas in der Wand.
Parker konzentrierte seine Aufmerksamkeit auf dieses Blinken und machte eine Gestalt aus, die ein Gewehr in der Hand trug. Der Lauf dieses Gewehrs hatte so verräterisch aufgeleuchtet und Parker alarmiert.
Der Schütze stieg vorsichtig nach unten.
Wollte er sich eine bessere Schußposition verschaffen? Glaubte er vielleicht, doch getroffen zu haben? Wollte
