Seit ich dich gefunden habe: Dr. Norden Bestseller 250 – Arztroman
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Über dieses E-Book
Dr. Norden ist die erfolgreichste Arztromanserie Deutschlands, und das schon seit Jahrzehnten. Mehr als 1.000 Romane wurden bereits geschrieben. Die Serie von Patricia Vandenberg befindet sich inzwischen in der zweiten Autoren- und auch Arztgeneration.
Daniela lehnte in einem Sessel und hatte die Beine auf dem Schreibtisch ihrer Mutter übereinander geschlagen. Es waren lange Beine, und sie steckten in apricotfarbenen Hosen. Apricot war die Modefarbe der Saison, und Daniela Sassari konnte es sich leisten, die neuesten, schicksten und teuersten Sachen zu tragen, denn Julia Sassari, die berühmte Modeschöpferin, war ihre Mutter.
Julia sah ihre Tochter irritiert an. »Würdest du bitte so freundlich sein und deine Beine anderswo placieren, Dani?« fragte sie nachsichtig. »Ich muß nämlich noch arbeiten. Wie du weißt, muß ich morgen nach Paris fliegen. Warum willst du eigentlich nicht mitkommen?«
Daniela kniff leicht die Augen zusammen. Sie hatte einige Gründe, ihre Mutter nicht zu begleiten, aber sie wollte darüber nicht sprechen. Was sie beschäftigte, war zu einer Art Zwangsvorstellung geworden, seit sie gestern zufällig ein Telefongespräch belauscht hatte, das ihre Mutter mit Professor Vandresen geführt hatte, den Daniela Onkel Jeff nannte.
Daniela war von einem Konzert mit Tina Turner zurückgekommen und so begeistert gewesen, daß sie noch mit ihrer Mutter darüber hatte sprechen wollen. Sie wußte ja, daß Julia noch in ihrem Arbeitszimmer war, weil Licht brannte, und die Tür zu diesem Raum hatte einen Spalt offengestanden. Sie hatte gehört, wie ihre Mutter sagte: »Nein, sie wird es nicht erfahren, Jeff. Wozu auch? Wir sind zwanzig Jahre ohne Mann und Vater ausgekommen, und so wird es auch bleiben. Und ich bin überzeugt, daß Dani überhaupt nicht interessiert ist, etwas über ihn zu erfahren. Basta.«
Nun war es gewiß nicht so, daß Daniela völlig uninteressiert war, was ihren
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Seit ich dich gefunden habe - Patricia Vandenberg
Dr. Norden Bestseller
– 250 –
Seit ich dich gefunden habe
… ist das Leben wieder lebenswert
Patricia Vandenberg
Daniela lehnte in einem Sessel und hatte die Beine auf dem Schreibtisch ihrer Mutter übereinander geschlagen. Es waren lange Beine, und sie steckten in apricotfarbenen Hosen. Apricot war die Modefarbe der Saison, und Daniela Sassari konnte es sich leisten, die neuesten, schicksten und teuersten Sachen zu tragen, denn Julia Sassari, die berühmte Modeschöpferin, war ihre Mutter.
Julia sah ihre Tochter irritiert an. »Würdest du bitte so freundlich sein und deine Beine anderswo placieren, Dani?« fragte sie nachsichtig. »Ich muß nämlich noch arbeiten. Wie du weißt, muß ich morgen nach Paris fliegen. Warum willst du eigentlich nicht mitkommen?«
Daniela kniff leicht die Augen zusammen. Sie hatte einige Gründe, ihre Mutter nicht zu begleiten, aber sie wollte darüber nicht sprechen. Was sie beschäftigte, war zu einer Art Zwangsvorstellung geworden, seit sie gestern zufällig ein Telefongespräch belauscht hatte, das ihre Mutter mit Professor Vandresen geführt hatte, den Daniela Onkel Jeff nannte.
Daniela war von einem Konzert mit Tina Turner zurückgekommen und so begeistert gewesen, daß sie noch mit ihrer Mutter darüber hatte sprechen wollen. Sie wußte ja, daß Julia noch in ihrem Arbeitszimmer war, weil Licht brannte, und die Tür zu diesem Raum hatte einen Spalt offengestanden. Sie hatte gehört, wie ihre Mutter sagte: »Nein, sie wird es nicht erfahren, Jeff. Wozu auch? Wir sind zwanzig Jahre ohne Mann und Vater ausgekommen, und so wird es auch bleiben. Und ich bin überzeugt, daß Dani überhaupt nicht interessiert ist, etwas über ihn zu erfahren. Basta.«
Nun war es gewiß nicht so, daß Daniela völlig uninteressiert war, was ihren ihr unbekannten Vater betraf, aber sie hatte es längst aufgegeben, nach ihm zu fragen.
»Vergiß ihn, ich hab ihn auch vergessen«, hatte Julia erwidert.
Aber am Telefon hatte sie noch zu Jeff gesagt: »Wenn du nach München kommst, grüß mir Daniel Norden. Er ist außer dir der netteste Mann, der mir je über den Weg gelaufen ist.«
Daniel Norden, den Namen hatte sich Daniela sofort gemerkt, und weil sie den Namen Daniela bekommen hatte, machte sie sich auch Gedanken.
Sie war am Morgen schon auf der Post gewesen und hatte das Telefonbuch von München studiert und dabei herausgefunden, daß ein Daniel Norden Arzt für Allgemeinmedizin war.
Forsch, wie Daniela Sassari war, hatte sie gleich beschlossen, die Abwesenheit ihrer Mutter zu nutzen, und nach München zu fahren. Sie war neunzehn Jahre und drei Monate alt, hatte bereits seit einem Jahr einen Führerschein und von ihrer Mami, mit der sie sich ausnehmend gut verstand, auch einen sehr flotten Wagen bekommen. Julia meinte, ihrer Tochter jeden Wunsch erfüllen zu müssen als Ausgleich dafür, daß sie ihr keinen Vater geboten hatte.
Nun war es keineswegs so gewesen, daß Julia sitzengelassen worden war. Sie hatte aus bestimmtem Anlaß Kosequenzen gezogen und sich entschlossen, ihr Kind allein zu erziehen und allein für dieses Kind zu sorgen, und sie hatte es geschafft. Julia Sassari war eine großartige Frau, schön, klug und erfolgreich, und heute ahnte kaum jemand, daß sie sich aus ganz bescheidenen Anfängen emporgearbeitet hatte.
Allerdings hatte in den schwersten Zeiten das gute Tante Lenchen Hilfestellung geleistet, das nun schon fast ein Jahr die ewige Ruhe nach einem aufopferungsvollen Leben gefunden hatte. Sie wurde von Julia und Daniela noch immer schmerzlich vermißt.
Für Ordnung im Hause Sassari sorgte nun Alma, die auch schon fast sechzig Jahre war. Alma war wie ein Feldwebel, so bezeichnete es Daniela, aber unter der rauhen Schale war ein weicher, guter Kern.
Julia hatte sich wieder in ihre Arbeit vertieft, Daniela hatte die Beine vom Schreibtisch genommen und übereinandergeschlagen.
»Hör mal, Julchen, du hast doch wohl nichts dagegen, wenn ich ein paar Tage zu Kiki fahre«, sagte Daniela so ganz beiläufig. »Paris reizt mich wirklich nicht, und du hast ja sowieso keine Zeit. Diese überkandidelten Leute machen mich narrisch. Für dich ist das was anderes, du machst bestimmt wieder Bombengeschäfte, aber mich interessiert echte Kunst eben mehr als der letzte Modeschrei.«
»Echte Kunst, dazu rechnest du auch Schlagersänger?« fragte Julia spöttisch.
»Du verkennst das«, erwiderte Daniela nachsichtig. »Die Schnulzen mag ich doch nicht.«
»Ich finde sie aber manchmal ganz nett«, sagte Julie.
Daniela warf ihr einen schrägen Blick zu. »Das kommt mit den Jahren«, stellte sie fest, »aber eigentlich bist du wirklich eine dufte Mutter.«
»Verbindlichen Dank, Nixlein. Meinetwegen kannst du zu Kiki fahren, aber aufzupassen, das versprichst du mir.«
»Ist doch klar, Mami.«
Nixlein, dieses Kosewort hatte sie bekommen wegen ihrer Augen, die manchmal grün schimmerten. Nicht richtig grün, sondern mehr so eine Mischung zwischen blau und türkis, aber höchst apart. Und Julia war stolz auf ihre sehr aparte Tochter, die auch sehr eigenwillig und charakterstark war. Für Männer zeigte Daniela überhaupt kein Interesse. Entweder waren sie ihr zu arrogant oder zu blöd, und außerdem hatte sie eine ganz besondere Vorstellung, wie der Mann, der ihr gefallen sollte, aussehen und vor allem auch gefühlsmäßig beschaffen sein müßte. Julia meinte, daß es solch edles Gebilde in der ganzen Welt nicht geben würde, und sie hatte überhaupt ihre eigene Meinung von Männern die es ja nur ganz selten ertragen konnten oder anerkannten, wenn eine Frau erfolgreich war, erfolgreicher als so mancher Mann.
Die einzige Ausnahme, die Daniela bisher kennengelernt hatte, war eben Onkel Jeff, denn von Daniel Norden hatte Julie ihrer Tochter nie etwas erzählt, aber der Name hatte sich bei Daniela festgesetzt. Daniel und Daniela? Ihr gefiel es jedenfalls irgendwie, und es war ihr eine Reise von Düsseldorf nach München wert.
Ihre Freundin Kiki, mit vollem Namen Kristina Clemens, wohnte in Bad Godesberg Ihr Vater war ein hoher Beamter gewesen, aber vor zwei Jahren an einem Herzinfarkt gestorben, und Kiki mußte sich mit einer schwierigen melancholischen Mutter herumplagen.
Wenn Daniela daran dachte, war sie doppelt froh, ihr Julchen zu haben, diese dufte Mutter.
Kiki hatte ihren Vater sehr gemocht, und als er noch lebte, hatte Daniela ihre Freundin tatsächlich oft um diesen Vater beneidet, der sie besucht hatte, als sie beide in dem vornehmen Internat am Bodensee waren, der sie ausführte und natürlich auch Daniela eingeladen hatte. Ein richtiger Gentleman war das gewesen, mit einem interessanten Gesicht und grauen Schläfen. Dafür schwärmte Daniela schon insgeheim, und wenn sie überhaupt so einen Männertyp akzeptieren konnte, dann so einen wie Gregory Peck oder Gary Cooper. Interessante Männer konnten uralt werden und verloren doch nichts an Ausstrahlung, darüber war sich Daniela auch schon klargeworden, aber für die Jungen, ob im Kino oder im Fernsehen, hatte sie nichts übrig. Und bei den Sängern und Sängerinnen ging sie nur nach der Stimme. Ansehen wollte sie die gar nicht.
Ja, Daniela Sassari war in jeder Beziehung ein sehr eigenwilliges Persönchen, aber exzentrisch war sie keineswegs.
Am nächsten Morgen brachte sie ihre Mami zum Flughafen, und da überkam sie Wehmut, als sie Adieu sagten
»Mein Goldstück, komm gut zurück«, murmelte Daniela.
»Ist ja nicht lange, Nixlein. Schau nicht so grau.« Wenn Daniela bekümmert war, wurden ihre Augen nämlich grau. »Laß doch Kiki mal zu uns ein. Sie kann doch nicht dauernd bei ihrer jammernden Mutter hocken.«
»So eine Süße wie ich hat eben nicht jeder«, sagte Daniela und dann wurde Julia nochmals zärtlichst geküßt.
Alma hatte schon allerhand dagegen, daß Daniela allein losfuhr. Das schickte sich ihres Erachtens einfach nicht, aber sie gehörte ja einer anderen Generation an.
»Und wenn etwas passiert, dann dreht die Chefin durch«, sagte Alma auch noch.
»Es passiert ja nichts. Man soll den Teufel nicht an die Wand malen, Alma.«
Daniela hatte ihre Reisetasche schon im Auto verstaut und tätschelte Almas runde Wange. »Paß du nur auf dich auf«, sagte sie, dann fuhr sie los und pfiff vergnügt vor sich hin. Es war ja nicht so, daß sie um jeden Preis etwas über ihren Vater erfahren wollte. Sie hatte sich das vorgenommen und wollte es auch in die Tat umsetzen, aber wenn dabei nichts herauskam, wollte sie es auch hinnehmen. Zuerst wollte sie jedenfalls Kiki besuchen, und da erlebte sie schon eine Überraschung, denn Kiki war allein. Die jammernde Mutter war nicht anwesend.
»Stell dir bloß mal so was vor«, sagte Kiki, »plötzlich packt sie die Koffer, ist quietschvergnügt, drückt mir ein paar Hunderter in die Hand und sagt, sie brauche Tapetenwechsel. Da muß doch ein Mann dahinterstecken. Es hat nämlich schon einer ein paarmal angerufen.«
