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Pforten zur Ewigkeit
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Pforten zur Ewigkeit
eBook608 Seiten5 Stunden

Pforten zur Ewigkeit

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Über dieses E-Book

… doch dem allmächtigen, immer und nie gewesenen Auge des Universums war es ein Wohlgefallen, neues Grün, neues Blau und allerlei andere Farben zu verwenden, um gerade dieses winzig kleine Teilchen seines Gemäldes mit Frohsinn, Freude, Genuss und Erkenntnis zu erhellen.Und so nannte es diese Winzigkeit im Hauch des Ewigen erneut "Himmel und Erde."Es sprach:"Es werde Farbe."Und die Farbe sollte kommen.Und das Universum sprach:"Es werde Wasser, Ozeane sollen füllen die Becken."Und so machte die Ewigkeit die Feste und schied das Wasser unter der Feste von dem Wasser über der Feste.Und es geschah also.Und die Unendlichkeit sagte:"Es lasse die Erde aufgehen Gras und Kraut, dass sich besame und fruchtbare Bäume hervorbringe."Und weiter:"Es errege sich das Wasser mit Tieren und Gevögel fliege auf Erden, unter der Feste des Himmels.Die Erde bringe hervor lebendige Tiere, ein jegliches nach seiner Art."Und dann legte das Universum einen Hauch seiner selbst in die großen Felsen, die es zu seinem Zeichen auf der Erde hinterlassen hatte, und heraus traten die Geschöpfe, die von ihnen aufgenommen worden waren, die von ihm ausgewählt waren, eines nach dem anderen, zu Ehren des Seins und des Nichtseins, ein jedes an dem für ihn bestimmten Platz.Und die Ewigkeit war und sie sprach:"Lebe nach Deinem Gewissen,Mensch,hüte meinen Odem,und sei erneut."
SpracheDeutsch
HerausgeberTD Textdesign
Erscheinungsdatum14. Juli 2016
ISBN9783958499904
Pforten zur Ewigkeit
Autor

Thom Delißen

Thom Delißen Alter Holzgarten 1 85435 Erding Tel. 08122 18553 Mail: TDTextdesign@aol.com Jahrgang 63, geboren in Münster, aufgewachsen in Oberbayern. Der Autor verbrachte Jahre in Frankreich, Spanien, Italien, Portugal, Brasilien, Indien. Seine Kurzgeschichten und Lyrik versuchen das Rätsel nach dem Sinn und Sein zu hinterfragen, wollen auf die letzten Ziele – die Liebe und die Heiterkeit hinweisen. Verleger und Chefredakteur der Literaturzeitschrift "Schrieb". Veröffentlichungen in Tageszeitungen, Literaturzeitschriften (Wienzeile, Maskenball, Bohnenstange, Brücke, Federwelt, Kult u.v.m.) Krimi-Magazinen, Anthologien. Mitautor Chronik Erding, Ex-Chefredakteur der regionalen Literaturzeitschrift "GedankenSprung". Organisator der Initiative "Worte und Taten". Mitglied der internationalen Autorengruppe "ProLyKu". "Question Authority" Kurzgeschichtensammlung von Thom Delißen/ Lyrik und Prosa erschienen im FV-Verlag/Lübeck Hörspiel "Rhéethron" Die Sätze. (u.v.m) "The Vanderbilt Berlin Wall Project" Brockmann "Mordsapfel" Sieben-Verlag "Criminalis" Pushmann "Wir bei C&C" (Hrsg. Metro 2008) "Der Teddybär" 2008 TD Textdesign "Plattform Carpe Diem" (Burger) "Spurenwelt" (Website Verlag) "100 % Worte für Brot" (FV-Verlag) CD "Gedankengischt" (TD Textdesign) CD "Do sei" Bayerische Texte CD Textsammlung "Fetzen" (TD Textdesign) "Die ganze Welt gesehen" (FV-Verlag) "10 X 10" Lyrikprojekt (Edition Thaleia) "Jeder Friedensgedanke ein Gedicht" Edition Octopus, Geest-Verlag Literamus (Trier) "Ene Mene Mu (Spendenedition TD Textdesign) und andere. Zahlreiche Veröffentlichungen im Internet Streitschriften, Kurzgeschichten, Lyrik. Unter dem Namen Th. Om kommt der Autor nunmehr mit seinen Werken der Ur-Bestimmung nach. Der Liebe wieder ihren Platz zu geben. "Ein Buch in Antworten" "Der Wanderer" "Die absolute Schöpfung" "Die lächelnde Unbedingtheit" "Die zärtliche Ewigkeit" "Das oberste Ziel eines jeden freiheits- und verantwortungsbewussten Menschen kann immer nur sein, Manipulation zu unterlaufen, Informationen zu beschaffen und zu veröffentlichen ..." Pages: www.th-om.com www.12Worte.de www.ABIA.th-om.com

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    Buchvorschau

    Pforten zur Ewigkeit - Thom Delißen

    Intro

    "Es gibt sie nicht.

     Er räusperte sich.

    Und doch sind sie da.

    Blinzeln.

    „Hör zu"

    sagte er.

    Seine Hornbrille rutschte ein wenig nach unten.

    „Mein Gedankenfreund. Du darfst das nicht falsch verstehen.. Wir sind Menschen eines modernen Zeitalters. Eigentlich, und das ist Tatsache, kann uns nichts mehr aufhalten. Wir haben alles im Griff."

    wieder räusperte er sich.

    „fast alles."

    Um seine letzte Bemerkung zu unterstreichen, deutete er auf die Zeichnung des Teilchenbeschleunigers.

    „Das ist ein Ding, dass uns dem Universum verdammt nahe bringt. Und glaubst du nicht, dass es gut ist, dem Universum nahe zu sein?"

    Er, der zuhörte, schluckte.

    Sie, die neben ihm stand, begriff nur das, was sie an der Uni gelernt hatte, und das war überhaupt nichts, im Vergleich zu dem, was sie jetzt zu verstehen genötigt war.

    Der Mann mit der Hornbrille sagte:

    "Das Universum ist nichts Anderes als eine Masse. Nicht? Masse ist Eigentlich und unEigentlich immer, irgendwie, oder aber auch verdammt nicht, dehnbar.

    Also, simpel ausgedrückt, dehnen wir uns auch, oder nicht. Wie wir uns dehnen oder nicht dehnen, ist momentan, in unseren Zeitbegriffen völlig egal. Relevant ist die einfache Tatsache. Und so haben wir Ursache und Wirkung auf einen Punkt gebracht. Kapiert?"

    „Na klar!"

    sagte er, der lauschte. Und diese Worte kamen nicht aus seinem Kopf, sondern aus seiner Seele.

    Sie versuchte irgendetwas zu sagen, doch so sehr sie es versuchte, es gelang ihr nicht.

    Statt dessen verspürte sie ein unwiderstehliches Verlangen sich in ihrer Mitte zu schaben.

    „Macht mich nicht lächerlich, und versteht das nicht!"

    sagte der Mann mit der Hornbrille und er meinte es ernst.

    „OK." Der Mann versuchte die Idee, die hinter dem Teilchenbeschleuniger stand, erneut zu verdeutlichen.

    „Machen wir es einfach. Das Universum ist nichts als ein winzig kleiner Wind eines unendlich viel größeren Universums, dass wiederum aus der Blähung eines anderen Universums stammt und so weiter. Am Ende steht wohl irgendein etwas."

    Er brummte etwas unmutig.

    „Und dieses etwas wollen wir finden."

    Er rückte seine Hornbrille zurecht.

    Und,

    fragte er, der zuhörte, um auf die Tatsachen zurück zu kommen, denn das Ganze wurde ihm ein wenig zu theoretisch:

    „Woher kommen diese Steine?"

    Die Frau meldete sich.

    „Aus einem anderen Universum?"

    Das war typisch für sie. Sie hatte die Schnauze voll. So ein Blödsinn. Atome, Teilchenbeschleuniger, andere unbekannte Universen, wo sollte man denn da hin geraten. ? Da hielt sie sich lieber an die Menhire, Stonehenge, die Bretagne, Inkas, Azteken.

    Trotzdem, dachte sie, vielleicht ist mein Einfühlungsvermögen zu klein? Und ein wenig ergriff sie ein Gefühl der Beklemmung, - nicht Angst, nur etwas Unbeschreibliches, etwas nicht fassbares. Mit ein Grund, warum sie ihn, der zuhörte, in Gedanken drängte, das kleine Holzhüttchen zu verlassen.

    Der Professor verbeugte sich endlich vor ihnen, mit einer tiefen, orientalisch, indisch anmutenden Bewegung, verbeugte beide Arme vor der Brust, senkte den Kopf, um dann zu sagen:

    „Omani padme hum."

    Das Seltsame war, dass ihnen Beiden dieser Gruß, diese Verabschiedung, tief in ihrem Gedächtnis haften blieb, und einen nicht zu beschreibenden nachhaltigen Eindruck hinterließ.

    Sie sollten den Professor nie wiedersehen.

    Colin

    Colin, alle nannten in Cole, und er hatte sich daran gewöhnt, war der Dorfidiot, und er wusste es.

    Er wusste es ganz genau. Er war der Dorfidiot dieses kleinen irländischen Örtchens, in der Nähe von Athlone am Lough See. doch wie hätte er sich wehren können? Wenn er über eine Frage nachgedacht hatte, und eine Antwort formulierte, waren die anderen schon längst bei einem anderen Gesprächsthema. Versuchte er sich dann verständlich zu machen, erntete er meistens Gelächter oder verblüfftes Staunen.   

    Fragte ihn zum Beispiel jemand:

    „Na, Cole? Heute schon gevögelt?"

    und er antwortete nach einer Weile, die anderen unterhielten sich mittlerweile über die neue Agrarsteuer, die eingeführt werden sollte...

    „Nein, die Stare sind alle schon nach Süden gewandert."

    So erinnerte sich nur selten jemand an die Frage, die ihm gestellt worden war, und alle schlugen sich auf die Schenkel und verzogen ihre Gesichter zu seltsamen Grimassen.

    Oh, er kannte sich aus mit Vögeln! Einmal hatte er ein kleines Küken, dass aus dem Nest gefallen war, bei sich zu Hause in einem Schuhkarton aufbewahrt, hatte versucht, es  mit Milch aufzuziehen. doch es wollte nicht trinken. Und dann, nach einer Woche etwa, hatte es seine Mutter entdeckt und ihm weggenommen.

    „Das stinkt ja schon!"

    hatte sie ausgerufen. Oh ja, er kannte sich mit Vögeln aus.

    doch Mutter war jetzt tot. Sie hatten Erde über ihr angehäuft, und alle hatten ihm auf die Schulter geklopft. Das war schön gewesen, sonst klopfte ihm niemand auf die Schulter, höchstens einmal an den zwei Feiertagen, die er kannte. Weihnachten und Neujahr. Es war Schade, dass diese beiden Feiertage so eng beieinander lagen, er hätte es besser gefunden, wenn sich dieser seltene Beweis von Sympathie etwas über das Jahr verteilt hätte.

    Sonst ließen sie ihn Eigentlich zufrieden, nur die kleinen Kinder, die ihm öfters nachliefen, störten ein wenig.

    „Cole, Cole, ist da oben hohl!"

    riefen sie. Und irgendwie verletzte ihn das.

    Jeden Morgen gegen halb Fünf stand er auf und verließ die kleine Hütte, in der er früher mit seiner Mutter zusammen gewohnt hatte. dann ging er in die Hügel, streifte über das Land.

    Manch einer der anderen Dorfbewohner hätte sich gewundert, welche Kilometerleistung Cole sich jeden Tag erlief.

    doch er liebte diese Landschaft, das Auf und Ab, den weichen Grasboden, die kleinen Bäche, die Bäume.

    Und die Steine. Diese seltsamen Steine, die er auf seinen Wanderungen immer wieder traf, fand. Manchmal waren sie umgekippt, manchmal standen sie aufrecht. doch jedesmal verharrte er vor ihnen, und eine Ehrfurcht, die Einzigartig war, in seinem Leben, ergriff ihn. fast, als ob die Steine mit ihm reden würden. doch das den anderen im Dorf mitzuteilen, obwohl er gerne darüber gesprochen hätte, fehlten ihm die Mittel.

    Jeden Abend, wenn er heimkam, wartete eine Schüssel mit Essen auf dem groben Holztisch seiner Hütte, er wusste, das kam von der Frau seines Bruders, die auch ab und zu seine Hütte aufräumte.

    Seine Mutter hatte ihm die ganzen 35 Jahre lang, die er mit ihr zusammenlebte, Reinlichkeit gepredigt, und er hielt sich peinlich genau an ihre Weisungen. Sie hatte ihm beigebracht, wie man die Hosen und Hemden in einem Zuber mit Seifenwasser schrubbt, dass man sich jeden Tag zu waschen habe, und schließlich hatte sie ihm auch gezeigt, wie man sich rasierte.

    Das Rasieren war für ihn ein besonderes Ritual, das er mit Inbrunst pflegte. Jeden Morgen, bevor er das aufgeräumte Haus verließ, schabte er sich den Bart mit einem Rasiermesser, dass ihm seine Mutter geschenkt hatte. Sie hatte ihm auch gezeigt, wie man es an einem Lederriemen abzieht, doch als er sich einmal in den Finger geschnitten hatte, war es ihm anschließend gelungen, seiner Schwägerin klarzumachen, dass er das Messer geschliffen haben wollte. Seitdem kümmerte sie sich auch darum.

    Seinen Vater hatte er nie gekannt. Er wusste auch nicht, dass so etwas nötig war, um auf die Welt zu kommen. Seine Welt war seine Mutter gewesen und jetzt waren es die Hügel, die Bäume, die Tiere, die Vögel und die Steine.

    dass er reinlich war und immer freundlich, diesem Umstand verdankte er wohl, dass er gelitten war, auch wenn ab und an Stimmen laut wurden, von Dorfbewohnern, die ihn am Liebsten in einer geschlossenen Anstalt gesehen hätten.

    Sein Garten, von der Fläche her etwa dreimal so groß wie die übrigen Gärten im Dorf, war ein wahres Wunder. Er wusste, dass er deswegen auch im Dorf ein gewisses Ansehen hatte, denn immer wieder brachten sie ihm Pflanzen, die er aufpäppeln sollte, wollten Ableger seiner Blumen, baten ihn um das eine oder andere Kraut. Er hatte eine grüne Hand, und wenn es um seine Pflanzen ging, verstand er auch.

    Seine Hütte bestand aus einem großen Wohnraum, in der einen Ecke der Holztisch mit den grob gezimmerten Stühlen, in der anderen seine Schlafstatt. Er heizte mit Holz, - von jeder seiner Wanderungen brachte er ein wenig mit, dürre Äste, die er fand, ab und an auch einen gestürzten Baum, den er dann in stundenlanger Arbeit zerkleinerte.

    Er war anspruchslos, und das Leben gefiel ihm, meistens.

    Für die seltenen Stunden in denen er eine gewisse Melancholie empfand, auch wenn er es nie so ausgedrückt hätte, hatte ihm seine Mutter ein Pflänzlein gezeigt, von dessen getrockneten Blüten und Blättern er immer ein Beutelchen im Schrank hatte.  

    dann machte er sich einen Tee, und die Schwermütigkeit verflog so schnell wie sie gekommen war.

    Eines Abends einmal, warum, das wusste er heute nicht mehr, war er in das Haus im Dorf gegangen, in dem sich immer alle trafen, und mit roten Köpfen diskutierten. Er war hineingegangen, damals war es Winter und Drinnen war es warm.

    Erst war er verwirrt, durch die vielen Stimmen und den Geruch, doch dann hatte ihm jemand auf die Schulter geklopft, und ihm ein Glas hingestellt. Unter dem Gejohle der Anderen hatte er es geleert, und auch das Nächste und das Nächste.

    Als er am anderen Morgen aufgewacht war, hatte er unter einem Baum in der Nähe des Hauses seiner Mutter, dem Haus das jetzt ihm gehörte, gelegen. Seine Mutter hatte geschlagene 3 Wochen nicht mehr mit ihm geredet. Sogar das Essen hatte sie ihm verweigert.

    Er hatte das damals zwar nicht ganz verstanden, aber dieses Haus hatte er seitdem gemieden.

    dann, eines Morgens war er wieder zu einer seiner Wanderungen aufgebrochen. vielleicht 20 Kilometer hatte er in 3 Stunden hinter sich gebracht, als er den Hund sah.

    Er lag da, eine Pfote in einem komischen Winkel von sich gestreckt und winselte. Als Cole näherkam, versuchte er aufzustehen, versuchte weg zu kriechen, doch anscheinend war er schon zu geschwächt.

    Trotzdem zeigte er die Zähne und knurrte, als Cole auf ihn zuging.

    Cole blieb stehen, murmelte beruhigende Worte, doch der Hund, es war ein Hund, (oder war es ein Wolf?) hörte nicht auf zu knurren. schließlich setzte sich Cole einfach nieder, ständig in einem tiefen Baß beruhigende Worte murmelnd.

    Dieses Tier hatte Schwierigkeiten, ihm mußte geholfen werden. bestimmt hatte es Hunger.

    doch er hatte, wie immer, absolut nichts dabei. nur eine kleine Plastikflasche mit Wasser. vielleicht hatte es auch Durst?

    Cole rutschte langsam näher. Wie sonst sollte er dem Tier zu trinken geben, oder ihm helfen?

    schließlich schüttete er ein wenig Wasser in die hohle Hand, und bat es dem immer noch knurrenden Tier an.

    Anstatt ihn zu beißen, hörte der Hund auf zu knurren, schnüffelte, und schlabberte schließlich gierig das Wasser.

    Etwa 5 Stunden saß Cole bei dem Hund, redete auf ihn ein, gab ihm Wasser, wagte endlich sogar ihn zu streicheln.

    Der Hund ließ es geschehen.

    Es war klar, soviel konnte Cole erkennen, der Hund hatte sich, wie auch immer, seinen rechten vorderen Lauf, kurz über dem Gelenk, gebrochen.

    Was tun?

     Das Tier war nicht groß, nicht so groß wie ein Mensch. Also versuchte sich Cole dem anzupassen, und legte sich auf den Boden. Cole tat das mit einem naturgegebenen Instinkt, und es ist Tatsache, dass Tiere von größeren Tieren einfach Angst haben. Er kroch neben das mißtrauische Tier.

    dann brachte er seinen Kopf neben den Kopf des Hundes, und der leckte ihm das Gesicht.

    Gewonnen.

    schließlich, mit unendlicher Vorsicht gelang es ihm, den Hund auf seinen Nacken zu legen, den Bauch auf seinem Genick, ohne den verletzten Lauf zu belasten.

    Das Tier ließ es geschehen.

    Er brauchte eine lange Zeit, um nach Hause zu kommen, doch das war egal. Er konnte helfen, dessen war er gewiß.

    Er schiente den Lauf, besorgte Milch und feste Nahrung und der Hund genas.

    Cole hatte einen wirklichen Freund gewonnen.

    Irgendwann später in irgendeiner Nacht wachte Cole auf, weil der Hund neben ihm sich unruhig bewegte und ein kurzes Wuff hören ließ.

    Er vernahm ein seltsames Summen, es wurde lauter, immer lauter, tat weh.

    Der Hund hatte den Schwanz eingezogen, winselte leise.

    Damm sah Cole das Licht. nur kurz, aber er sah es. Das Summen hörte auf. Cole war an Erscheinungen und Dinge, die er nicht verstand gewöhnt, bald schlief er wieder ein.

    Am Morgen, als er den Hund gefüttert hatte, auch für das Futter sorgte jetzt seine Schwägerin, und aus der Tür trat, sah er, im hinteren Viertel seines Gartens einen Kreis aus verbranntem Gras, einen Durchmesser von etwa 1 Meter..

    Und in der Mitte einen Stein.

    Spitz.

    Endlich wusste er, woher die Steine kamen.

    Sie wuchsen.

    Raphael

    Wozu bin ich auf dieser Welt?

    Diese Frage hatte er sich schon oft gestellt.

    Die einzige unter den vielen Antworten, die er gefunden hatte und die ihn einigermaßen befriedigte, war:

    Um zu wissen.

    Um Wissen und Erfahrung zu sammeln.

    Ganz bestimmt war er nicht geboren worden um Reichtümer, Macht irgendeiner Art anzusammeln.

    Und auch nicht um für ein System irgendeiner Art zu arbeiten.

    Waren es Kinder, Nachkommen, die von ihm verlangt wurden?

    Ging es um das schlichte Überleben?

    Darum, gegen die in immensen Tempo voranschreitende Zerstörung von Mutter Erde zu kämpfen?

    War letzten Endes Alles nur grausamer Zufall?

    War es ganz einfach sinnlos?

    Er war sich sicher, dass auch Religion nicht die Lösung auf diese quälende Frage nach dem Wesen des Sinns war.

    Er war immer wieder, sich wirbelnd im Kreise drehend auf diese eine Antwort gekommen:

    Wissen.

    Und er hatte erkannt, dass es einem das Leben verdammt schwer machte, auch nur den winzigsten Teil davon zu erhalten.

    immer schon hatte er sich gefangen gefühlt, in Konventionen, Gesetzen, Notwendigkeiten.

    aber auch sein eigener Wille und Geist machten die Suche nach diesem Wissen immer wieder unmöglich.

    Da waren die Wollust, geistige Wollust, da waren Bedürfnisse, die er so schmerzhaft empfand, dass er ihnen schließlich nachgab.

    Es war ein Taumeln, einmal in diese Richtung, das nächste Mal in jene, es war die Verzweiflung vor einer unüberwindlichen Mauer von Meinungen, Vorurteilen, Ängsten und Mächten.

    Er hatte sich der Gesellschaft angepaßt. nun nicht ganz, - das konnte man auf den ersten Blick sehen.

    Man mußte nur sein Äußeres anblicken, die verwaschenen, zerfetzten Jeans, die langen Haare, die vielen Armreifen und Halsbänder, die Ohrringe, der Ring durch seine Nase. auch seine Wohnung zeugte von seiner Unangepasstheit. Es war ein ausrangierter Eisenbahnwaggon, der auf einem kleinen verwilderten Grundstück stand, das er geerbt hatte. aber sonst war er angepaßt, hatte die wilden Jahre hinter sich. Er ging arbeiten, verdiente sein Geld, lebte sein ruhiges Leben. Soweit man ihn ließ.

    Es war nicht einfach, in einem Waggon zu leben, immer hatte irgend jemand etwas dagegen. Entweder war es die Stadt, das Gesundheitsamt, das Wohnungsamt, das Landratsamt, ein Nachbar, die Drogenfahndung, oder die Polizei im Allgemeinen. Jedenfalls immer irgend jemand, der ihn stören wollte.

    Das lief so ungefähr nach dem Motto:

    Entweder Du paßt Dich ganz an, oder Du lässt es bleiben.

    Er war immer wieder nahe daran zu resignieren, sein altes Leben als Wohnsitzloser, Reisender, als Penner, -  wieder aufzunehmen. doch irgendwie fühlte er, dass er davon schon zu weit entfernt war, schon zu sehr in die bequeme Gelähmtheit der Gesellschaft geraten war. Und so kämpfte er eben seine kleinen Kriege mit den Behörden und den Menschen, und freute sich über jede Minute, die sie ihm schenkten.

    Er hatte Arbeit in einer Mercedes-Werkstätte gefunden, in der er das Ersatzteillager verwaltete. Das hatte für ihn den Vorteil, dass er billiger an Ersatzteile für seinen alten 190‘er Benz herankam, der in einer Garage stand, die er mit Freunden zusammen gemietet hatte, und in der er viel seiner Freizeit verbrachte, ihn wieder herzurichten.

    noch hatte er seinen Führerschein nicht wieder, doch die ersten Fahrstunden waren schon bezahlt.

    Damals, als er den Führerschein verloren hatte, als Folge eines Autounfalles, bei dem er mit 120 Sachen gegen einen Baum gerauscht war, mit etlichen Bier zuviel im Blut, hatte er sich Eigentlich geschworen, sich nie mehr hinter das Steuer eines Autos zu setzen. doch die Zeiten ändern sich, und manche Meinungen sind überholt.

    Außerdem, so hatte er überlegt, ist so ein alter 190er ja auch etwas anderes als der hochgezüchtete Sportwagen, der damals an dem Baum sein Ende gefunden hatte.

    Und außerdem, - er trank nicht mehr.

    So viel.

    Eine andere Überlegung war gewesen, dass so ein Auto ja auch zur Anpassung dazugehört, ja ein wichtiger Bestandteil der Stellung in der menschlichen Gesellschaft ist, vor allem in den westlichen Industrieländern. In  eines von diesen Industrieländern war er nun einmal durch seine Geburt hinein katapultiert worden. Und auch seine freie Entscheidung hatte dazu beigetragen, dass er nun hier lebte.

    Und, abgesehen von Allem, es war einfach ein geiles Gefühl, in so einer alten Kutsche zu sitzen, mobil zu sein, nicht auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen. auch wenn das im Moment noch ein wenig Zukunftsmusik war.

    Er war ein wenig stolz darauf, ein Außenseiter in diesem kleinen bayerischen Dorf zu sein, nicht mit der Masse mitzulaufen, auch wenn sich das in letzten Jahren sehr verflacht hatte. Seit er hier wohnte, hatte sich das anfängliche Mißtrauen und vielleicht sogar Übelwollen zum größten Teil, in eine Art Respekt, Ehrerbietung, sogar ein wenig Ehrfurcht gewandelt. Wahrscheinlich aber beruhte das eher auf einer unbestimmten Art von Angst, die die Dorfbewohner empfanden. Einer, der so lebte konnte ja schließlich nicht ganz normal sein. wusste man, was er unter Umständen noch in der Hinterhand hatte? Außerdem, - er ging ja arbeiten. Das war jedem bekannt und damit war schon die Hälfte der Miete bezahlt. Nicht wahr?

    Raphael, so nannten ihn seine Freunde von der Garage, keiner wusste weswegen, und wenn ihn irgend jemand fragte, dann nannte er ihn  auch, diesen Namen, hatte keine feste Freundin, das war ihm einfach zu anstrengend, doch über einen sexuellen Notstand konnte er nicht klagen. Konnte sein, die Mädels, besser gesagt die Frauen, fanden es irgendwie anregend ihren Gelüsten in einem alten Eisenbahnwaggon nachzugehen.

    Diesen Eisenbahnwaggon, zweiter Klasse, Nichtraucher, in den Garten zu bringen, war eine gewaltige Aktion gewesen und reichlich teuer. doch schließlich stand er, von einem Sattelschlepper gebracht, auf dem Grundstück, dass er von seiner Großmutter geerbt hatte. Eine unverrückbare Tatsache, sozusagen. Der Transport hatte weit mehr gekostet als der Waggon selber, den er fast geschenkt bekommen hatte.

    Er hatte ihn mit Ölheizung und sanitären Anlagen ausgerüstet, an das Stromnetz anschließen lassen, und, welcher Luxus, er besaß sogar einen eigenen TelefonanSchluss.

    Wenn ihn jemand anrief, schrillte ein Feldtelefon aus der Zeit des zweiten Weltkrieges, es war jedoch von einem befreundeten Telefontechniker umgebaut worden und das Innere war endeffekterweise ein hochmodernes, schnurloses Digitalgerät. Er hatte deswegen kein schlechtes Gewissen. Er hatte in diesem Fall nach dem intuitiven Motto: „Wer arbeitet soll auch essen." gehandelt.

    Das Innere des Waggons war mit weichen Teppichen ausgelegt, Geschenke seines Vaters, der leidenschaftlich gerne knüpfte. So hatte die winterliche Kälte, auch Dank einer zusätzlichen Isolierung aus Styropor und Holzdielen, keine Chance, von unten her einzudringen.

    An den Wänden hingen handgeknüpfte Wandteppiche, doch der unbestreitbare Mittelpunkt an den Wänden der kleinen Wohnung war ein gerahmtes, nachträglich koloriertes Poster. Es zeigte ein bekanntes Motiv der 70 ziger Jahre, den Soldaten, der von einer Kugel getroffen fällt, darunter in großen schwarzen Buchstaben die Frage: „Why?"

    Er hatte keinen Sessel in dem Eisenbahnwagen, das Leben spielte sich auf den Teppichen ab, beziehungsweise auf einigen Polstern, die um eine Eichenholzplatte herum, die als Tisch diente, arrangiert waren.

    Der Waggon war nicht allzu geräumig, doch er war zufrieden.

    fast jeden Abend zog ein verführerischer Duft aus der Öffnung an der Außenseite, die mit dem Dunstabzug in der kleinen Küche verbunden war. Dieses Loch in das Metall zu bekommen, war eine äußerst schwierige Angelegenheit gewesen, die Stahlplatte war erstaunlich dick gewesen.

    Er hatte schon immer gern gekocht, und wie bereits erwähnt, nur wer ißt kann auch arbeiten. Natürlich war er in seiner Oase selten allein, die Beschwerden der Dorfbewohner über die, meistens nicht sehr leisen Gäste, waren zur Routine geworden.

    Eigentliches Ärgernis war nur der direkte Nachbar, der öfters auch einmal gerne die Polizei holte. Ein weiterer Auslöser für die vielen Schwierigkeiten, die er mit den Behörden hatte.

    Wehrdienstverweigerer? auch das.

    Raphael hatte dieses Problem damals auf recht subtile Weise gelöst. Er hatte sich untauglich schreiben lassen. Das ging einfacher als er gedacht hatte, eine Reise nach Indien hatte ihm den richtigen Background gegeben, über alles weitere wollen wir das Mäntelchen des Schweigens decken.

    Es ging ihm damals weniger um den Dienst an der Waffe, den er nicht ausüben wollte, sondern vielmehr ganz einfach um die Tatsache, dass ein System ihn zwingen wollte, sich systembedingten Normen zu unterwerfen. Das konnte er nicht mit sich selbst vereinbaren, mit seinem Wunsch nach Freiheit und Unabhängigkeit. nun gut, man hatte ihn seit damals nicht mehr belästigt, vielleicht stand er auf irgendeiner schwarzen Liste, doch so lange sie ihn in Ruhe ließen, störte ihn das nicht.

    Was wollten sie, - er arbeitete, überfiel keine Banken, raubte keine Tankstellen aus, Eigentlich war er ein ruhiger Bürger. Abgesehen von seinem Äußeren und seiner Behausung.

    Raphael saß in seinem Wohnwagen, vor sich auf der Holzplatte eine Dose Bier, gerade hatte er sich eine Zigarette gedreht. Versonnen blies er den Rauch über die Flamme der Kerze, die in einem Windzug flatterte, - er hatte immer noch nicht herausgefunden, woher die Zugluft stammte. Der Rauch stieg, von der Wärme getragen rasch nach oben, füllte die gläserne Halbkugel der Lampe, die dort unter der Decke hing.

    5 Jahre war es nun her, seit seine Großmutter gestorben war, und ihm dieses kleine Grundstück vererbt hatte.

    Großmutter. Ja. Sie hatte ihn immer verstanden, hatte so gut wie alles von ihm gewußt, ihr hatte er auch so gut wie jedes wichtige Detail seines Lebens geschildert. Sie war eine weise, verständnisvolle Frau gewesen, warmherzig und ein wenig ironisch, fast zynisch. doch immer mit einem Lächeln auf den welken Lippen.

    So hatte sie auch dem Tod entgegengesehen, von dem sie wusste, dass er vor der Haustüre stand.

    Zynisch und mit einem Lächeln.

    Etwa 2 Monate, bevor sie in „das andere Blau" ging, wie sie diesen Zustand beschrieb, hatte sie ihn zu sich gerufen.

    „Hör zu Kilian!"

    hatte sie gesagt, denn so hieß er wirklich, und sie hatte sich nie an seinen Spitznamen gewöhnen können.

    „Hör zu! Du brauchst etwas, was Dir gehört, ich meine ein Haus, eine Wohnung, einen Stützpunkt. Du bist lange genug herumgezogen, schaffe Dir etwas, an dem Du Dich festhalten kannst. Ich werde Dir die Basis dafür schenken. Du kannst daraus machen was Du willst. Ich habe vor vielen Jahren, als Ablösung einer alten Schuld,"

    als sie das sagte, hatte sie gelächelt, ein hintergründiges Lächeln, als ob die Erinnerung sie amüsierte,

    „ein Grundstück erhalten. Nicht groß. aber es ist Baugrund, Du könntest Dir ein kleines Häuschen darauf bauen. Ich habe nicht mehr lange auf dieser Erde. In dieser Person. Ich werde es Dir vererben aber Du kannst Dich jetzt schon um das Häuschen kümmern. doch, und bitte hör mir jetzt gut zu, es ist nicht einfach irgendso ein Grundstück. Es hat etwas für sich. Ich weiß nicht genau was, aber es hat etwas für sich. etwas, was außerhalb des Alltäglichen liegt. Glaube mir! Denke nicht das sei das Gerede einer alten Frau. , die langsam verkalkt. So ist es nicht. Es hat etwas. etwas Anderes, dieses Stückchen Land. So wie Du. Du bist auch anders. Irgendwie anders. Deshalb gebe ich es Dir."

    Als sie das gesagt hatte, war sie wieder in ihre Versunkenheit zurückgekehrt, die in der letzten Zeit immer mehr von ihr Besitz ergriffen hatte. doch er erinnerte sich an jedes Wort. Er hatte sich damals um den Waggon gekümmert, und kurze Zeit später war sie gestorben, ohne dass er nochmals ein vernünftiges Gespräch mit ihr hätte führen können  

    Sie war damals schon zu weit weg gewesen, schon halb in diesem undefinierbaren „anderen Blau". doch die Worte waren haften geblieben.

    „Du bist auch anders. Irgendwie anders."

    Das stimmte, und er hatte es schon immer gewußt. Die Worte der alten Frau hatten es ihm damals nur, fast schmerzhaft, erneut klargemacht.

    Er nahm einen tiefen Schluck aus der Bierdose, der Ersten und Letzten Dose, die er Heute trinken würde.

    nun, damit konnte er leben, dass er anders war. Eigentlich, Eigentlich waren sie doch alle anders. Jeder für sich ein Individuum. nur ein paar waren eben individueller als die anderen. Das erinnerte ihn an Orwells Geschichte vom Aufstand der Tiere. Alle Tiere sind gleich. nur manche eben gleicher. Er mußte lachen.

    doch was war mit dem Grundstück? Was unterschied dieses Stück Land von den anderen? Er hatte es noch nicht herausgefunden, und langsam neigte er auch dazu, diesen orakelhaften Worten der Großmutter weniger und weniger Wert beizumessen.

    Eskimos

    Das Erwachen glich einer eher unerfreulichen Situation.

    Schwarzer, schleimiger Schlamm, für die empfindlichen Nasen der eskimos, der einzigen, wahren Menschen, duftend, riechend, stinkend, nach Zivilisation, nach Untergang, nach Verderben, drang durch die Nähte des Zeltes. Ein unvorstellbares Ereignis für die Eingeborenen des Schnees, - Schwarz.

    Die Farbe dessen, das die Schmerzen bedeutet, die man, ob seiner Taten auf dem Erdenball, ob seiner Lernfähigkeit, ob seines Charakters, ob seiner Vergangenheit und Zukunft erleben kann.

    Zu sehen war eine riesige Fontäne...der Geruch machte klar, was es war.

    Öl.

    Gift.

    Gift für die Tierwelt.

    Gift für die Erde.

    Und doch, - in seiner ursprünglichen Form, - das Leben.

    Vernichtet totes Leben lebendiges Leben?

    Soll man hier die Duplizität Gut und Böse ansetzen?

    Genug.

    Das Öl drang ein, unaufhaltsam, von einer gigantischen, von Menschenhand geschaffenen Quelle gespeist.

    Es regnete Asphalt. Flüssigen Asphalt.

    Name wickelte sich aus den Fellen, das blanke Entsetzen stand in seinen Augen geschrieben.

    dann stand er draußen vor der Unterkunft, hielt ein Fell schützend über sich, prasselnd die Bleischweren Tropfen auf der Haut.

    Es war entsetzlich.

    Das Meer kochte, brodelte.

    Weit, ganz weit, dort hinten, dem Horizont zu, eine gewaltige Fontäne, nur schwer zu erkennen.

    doch dann, urplötzlich, veränderte sich die Farbe, der Pilz schien ins Gigantische zu wachsen, es schimmerte grün, war dann wieder schwarz, und jetzt, - orange, rot. Wirbelnd, reißend, tobend explodierend.

    Ein gewaltiger, nachhaltiger Donner war zu hören, ein Grollen zuerst, dann bebte die Erde, das Eis, ein Urton, grausam, allumfassend, alles Leid der Welt beinhaltend ließ die Natur in ihren Grundfesten erschüttert sein. .

    Raphael

     Der gedämpfte Ton des Dreiklanggonges, der neben der vorderen Eingangstür hing, die andere Tür hatte er zugeschweißt, störte seine Gedanken. Er erhob sich aus dem Schneidersitz, griff nach der Bierdose, leerte sie vollends, schmiß sie in den Abfalleimer und öffnete.

    Es war Japo mit seiner Frau.

    Japo war ein alter Freund Raphaels, den er noch vom Kindergarten her kannte. dann, in den wilden Zeiten, hatten sie ihre erste Zigarette zusammen geraucht, in einer Kiesgrube, die nun schon lange nicht mehr existierte, hatten ihr erstes Gras im Jugendzentrum der Kreisstadt erstanden, zusammen die verruchten Kneipen der Umgebung erkundet.

    Japo war, wie immer, in braunes Leder gekleidet. Braune Lederhose mit Fransen, eine braune Lederjacke, Bikerboots.

    Seine Halbglatze, ein Zeichen von Intelligenz, wie er immer wieder betonte, wenn ihn jemand darauf ansprach, unter einem zerknautschten Filzhut versteckt.

    Er war ziemlich klein, etwa 1,50 m, doch das machte er durch seine breiten Schultern wett.

    Seine Frau, blond und hochgewachsen, stellte den absoluten Kontrast zu seiner Statur da. Sie kam aus dem hohen Norden, und das merkte man auch. Alles, ihre Gebärdensprache, ihre Haltung, ihr Humor, ihre Beiträge zu Gesprächen, ihr Verständnis oder Unverständnis der Dinge, trug zu diesem Bild bei.

    doch es paßte, dieses Bild. Der Gegensatz führte den Kontrast ad Absurdum. Faszinierend.

    „Hi Alter! Hab‘ gedacht, ich schaue mal eben vorbei! Müssen unbedingt mal über die Destille reden! Hast Du noch ein Bier da?"

    „No Sir. Tut mir traurig. aber ich kann einen feinen Tee machen. Kommt nur rein!"

    Japo erklomm die Stufen zum Eingang,

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