Architektur einer Gemeinschaft: Impulse aus den Satzungen der Jesuiten
Von Vitus Seibel
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Architektur einer Gemeinschaft - Vitus Seibel
I. Die Eigenart der Satzungen
1. Das Labyrinth des Ignatius
»Ein Labyrinth«, so nannte Nicolas Bobadilla, einer der ersten Gefährten des Ignatius, nach dessen Tod die gerade vorliegenden Satzungen des jungen Ordens. Bobadilla fand, dass die Satzungen verwirrend seien, eben ein Labyrinth. Weder Obere noch Untergebene würden sie je verstehen können.
Vielleicht war sein Urteil noch getrübt durch eine Verärgerung. Ignatius hatte nämlich 1550 den ersten Gesamtentwurf den in Rom anwesenden Jesuiten zur Kritik vorgelegt. Anscheinend fand Bobadilla seine damals geäußerten Bedenken nicht genügend berücksichtigt. Es könnte auch sein, dass er sich als einer der Gründerväter des Ordens bei der Abfassung der Satzungen zu wenig beteiligt sah. Er sorgte dafür, dass auch Papst Paul IV. seine Beurteilung der Satzungen erfuhr. Darüber hinaus nannte er Ignatius einen Tyrannen. Dies führte zu einer schweren Krise, da auch der Papst wegen eines früheren Konflikts keine gute Meinung über Ignatius hatte. Die Krise konnte erst nach der Wahl des Nachfolgers des Ignatius behoben werden.
Zwei Jahre nach dem Tod des Ignatius fand die erste Generalkongregation der Jesuiten statt. Dabei wurden die Satzungen einmütig in Kraft gesetzt, und siehe da: auch mit der Stimme des inzwischen wieder besänftigten Bobadilla.
2. Ergebnis der Werkstattarbeit: Ja, aber …
Beim Verfassen der Konstitutionen wurden Vorlagen zu bestimmten Themenkreisen erarbeitet. Der wackere Sekretär Juan de Polanco hatte daran großen Anteil. Regeln der alten Orden wurden beigezogen. Teilentwürfe wurden in einzelnen Provinzen durch Vertraute, besonders durch Jeronimo Nadal und Pedro de Ribadeneira, vorgestellt. Die Erfahrungen vor Ort wurden rückgemeldet und eingearbeitet oder verworfen. Und immer wieder ging Ignatius betend die einzelnen Punkte der Satzungen durch. Ein erster Gesamtentwurf, der die Handschrift des Ignatius trägt, wurde den in Rom anwesenden Jesuiten 1550 vorgelegt. Ihre Anmerkungen wurden zum großen Teil berücksichtigt. Und das Ganze wurde immer wieder dem Urteil der Vernunft unterworfen. Denn Ignatius, der selber ein Mystiker war, misstraute bloßen Gefühlen und schwärmerischen Höhenflügen. Für ihn war ganz allgemein wichtiger, dass Leute, die von ihren eigenen, vermeintlich glanzvollen Ideen begeistert waren, nüchtern blieben, frei von ungeordneten Anhänglichkeiten. Denn sonst werden sie leicht zum Spielball ihrer Launen, die dann allerdings mit einem frommen Mäntelchen getarnt werden.
Was die Satzungen ausmacht, ist nicht mit einem Wort zu bezeichnen. Regel? Ja, aber auch Inspiration. Lehrhaft? Ja, aber auch geistlich. Normativ? Ja, aber auch motivierend. Für alle? Ja, aber auch Raum lassend für die Unterschiede vor Ort. Ein einigendes Band? Ja, aber auch berücksichtigend, dass die Persönlichkeiten unterschiedlich sind. Schwungvoll? Ja, aber auch geordnetes und nachvollziehbares Handeln. Klar? Ja, aber auch ausladend und mit vielen Wiederholungen. Große Ziele? Ja, aber auch Abstieg bis in Banalitäten. Asketische Vorschriften? Ja, aber auch Atem der Freiheit. Missionarisch? Ja, aber auch trockene Texte. Hochfliegend? Ja, aber auch maßvoll. Geschrieben, damit sie gehalten werden? Ja, aber auch unterscheidend und den Kontext berücksichtigend.
Candido de Dalmases, ein Ignatiuskenner, drückt es so aus: »Ein Gesetz, das kein Gesetz ist. Ein Recht, das kein Recht ist, weil die juridischen mit den geistlichen Elementen so weise verschmolzen sind.« Und André Ravier, ein anderer Experte, schreibt: »… wird man unausweichlich feststellen, dass sie (die Konstitutionen) mehr sind als ein Gesetzbuch, mehr als ein Plan für die apostolische Arbeit, mehr als eine Sammlung von Erfahrungen, mehr als ein Leitfaden für die Sendungen. Vielmehr sind sie die lebendige Frucht einer sehr hohen Gotteserfahrung; sie sind die in die menschliche Ebene übertragene Antwort auf ein ergreifendes Fragen nach den Plänen Gottes, des Schöpfers und Erlösers; sie sind das angestrengte Bemühen einer Gruppe von Gefährten, sich innerhalb der Kirche so zu organisieren, dass sie auf eine möglichst fruchtbare Weise am göttlichen Erlösungswerk für die Welt mitarbeiten kann.«
Daraus ergeben sich Hinweise, die auch heute zu bedenken wären, wenn man zu Werke geht. Was wir zustande bringen wollen, soll Frucht des Gebetes sein, Frucht aber auch von gediegenen Überlegungen und von Erfahrungen, die ihrerseits einer unterscheidenden Liebe und dem Urteil reifer Menschen unterworfen werden müssen. Und das Ganze ist immer auch in den aktuellen Kontext zu stellen. Er erweitert auch gültig bleibende Erkenntnisse, versieht sie mit neuen Akzenten und führt zu neuen
