Minnie und Die Gejagten
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Über dieses E-Book
Hildegard Lehnert
Hildegard Lehnert, geb. 1947, studierte Medizin und arbeitete als praktische Ärztin in der Nähe von Frankfurt.
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Buchvorschau
Minnie und Die Gejagten - Hildegard Lehnert
PROLOG
Minnie räkelte sich wohlig in ihrem Kobel und wischte sich die großen schwarzen Äuglein aus. Sie war lange und tief abgetaucht, monatelang, wie es ihr vorkam. Die spärliche Luft, die sich an dem mächtigen Baumstumpf vorbei in die Erdhöhle bis zu ihrem Nest vortastete war schon warm, nichts mehr zu spüren von frostigen Nächten, die sie ganz offensichtlich verschlafen hatte.
Es war Ende Oktober gewesen, erinnerte sie sich, und die Nächte erreichten die ersten Minusgrade, als sie ihren Energiesparmodus aktivierte und sich auf den Winterschlaf vorbereitete. Sie hatte sich, geleitet von einem ausgeprägten Überlebensinstinkt, über die Wochen davor schon einen nicht zu kleinen Fettwanst angefressen, zog aus ihrem Kobel im Haselnussstrauch hinter der Scheune in ein 50cm tiefes Erdloch unter dem Stumpf einer längst vergessenen Rotbuche, nicht ohne dieses höchst komfortabel mit Blättern und Moos ausgepolstert zu haben, bunkerte noch ordentlich Nüsse für ihre Aufwachphase und fiel, als alles vollbracht war, zufrieden in einen komaähnlichen Tiefschlaf, genannt TORPOR.
Und jetzt war sie wach. Richtig wach. Und ihr Instinkt sagte ihr – es war Frühjahr. Der Winter war vorbei – Zeit aufzustehen! Sie tastete sich an die Haselnüsse, die dicht bei dem kreisrunden Ausgang ihres Nestes gelagert waren, und bohrte ihre spitzen Zähnchen in die Schale. Ihre Körpertemperatur war schon von Werten knapp über dem Gefrierpunkt auf fast Normalwert gestiegen, ihr Stoffwechsel angeleiert und die kleine Haselmaus hatte einen jesusmäßigen Hunger.
Sie hatte ordentlich an Gewicht verloren, wie sie feststellte. Ein paar Tage würde sie schon brauchen, um ihren Körper wieder in Schwung, die Beine in Bewegung und den Schwanz in Form zu bringen. Deswegen auch der Vorrat an Haselnüssen. Und dann würde sie wieder in ihr Sommerquartier im Haselstrauch neben der Scheune umziehen…wenn denn der Kobel nicht schon von einem irrläufigen Zaunkönig belagert war wie letztes Jahr. Ihre Nester waren sich ja auch wirklich sehr ähnlich, das schon, aber sie konnte dem Zaunkönig klarmachen, dass er sich in fremden Gefilden, nämlich in ihren, befand und der hatte, einsichtig und harmoniebedürftig wie er nun mal war, letztendlich bereitwillig das Feld geräumt. „Minnie! flüsterte es von draußen. „ Minnie! Bist Du schon wach?
OVE! Ove, ihr großer Freund, ihr Beschützer. Natürlich waren Siebenschläfer größer als Haselmäuse, keine Frage, aber das machte ihr nichts aus. Sie waren Freunde und würden es immer bleiben. „Noch nicht so richtig, Ove, aber bald!" rief sie nach oben…und Ove setzte sich geduldig vor das Erdloch und wartete……..wie so oft……..
Das erste Jahr
und wie Minnie Ove kennenlernte
So richtig konnte sich Minnie an ihre Kindheit nicht erinnern, aber ihre Mutter hatte ihr viel erzählt. Sie waren damals 4 Geschwister, 3 Mädchen und ein Bub. Mitten am Tag hatten sie ihre Mutter völlig unvorbereitet aus dem Schlaf gerissen und sich an das Licht der Welt gedrängt, kaum grösser als ein Kleinfingernagel, keine 3 Gramm schwer, blind und nackig. Man schrieb den 10. Juli, die Luft war warm und das Nest weich und geräumig. Das war jetzt 2 Jahre her.
Das erste, woran sie sich erinnerte, war das Licht! Sie war etwa 14 Tage alt und durch Mamas Milch schon wohlgenährt als sie die ersten Sonnenstrahlen durch die immer noch geschlossenen Lider registrierte.
Und dann ging auch alles ganz schnell. Mama brachte ihnen nach und nach bei, was sie für ihr Leben wissen mussten. Sie entwöhnte sie von den geplagten Zitzen, ersetzte langsam die Muttermilch durch Samen, Beeren und Blätter, auch kleine Insekten und Vogeleier bereicherten den Speiseplan. Und mit dem Ausreifen der Zähne kamen die Nüsse an die Reihe.
Sie lernten, wie man kletterte, sie lernten, vor wem sie auf der Hut sein mussten, besonders aufmerksam studierten sie die Bilder von Fuchs, Wildkatze, Hermelin, Greifvögeln, Eulen und Waldkäuzen, die Mama ihnen eintrichterte, alles Feinde, hatte sie gesagt, und trotz des Gepaukes blieb immer noch viel Zeit zum Spielen.
Sie hatten eine schöne, aber kurze Kindheit, und nach 6 Wochen setzte Mama die Bälger vor die Tür. Sie seien jetzt groß genug!!!
