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Vertrauen in uns: Zusammen in Silverstain
Vertrauen in uns: Zusammen in Silverstain
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eBook249 Seiten2 Stunden

Vertrauen in uns: Zusammen in Silverstain

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Über dieses E-Book

Als Candy von ihrem Ehemann verlassen wird, bricht für sie eine Welt zusammen. Mit ihren zwei Kindern baut sie sich ein neues Leben auf und erkämpft sich einen normalen Alltag zurück. Doch dann lernt sie Lenny kennen, der sich aus einem anfänglichen Spießer als das Gegenteil entpuppt. Die beiden unternehmen viel zusammen und schließen waghalsige Deals im Casino ab. Doch je mehr Stunden sie verbringen, desto mehr machen ihre Gefühle und Emotionen einen Strich durch die Rechnung und stellen sie vor viele Herausforderungen.
SpracheDeutsch
Herausgebertredition
Erscheinungsdatum27. Dez. 2022
ISBN9783347709775
Vertrauen in uns: Zusammen in Silverstain
Autor

Jannika Lehmann

Jannika Lehmann wurde 2005 in der Nähe von München geboren. Sie schrieb schon als Kind gerne Kurzgeschichten. Heute weitet sich ihre Leidenschaft auf größere Projekte aus. Außerdem gibt ihr das Schreiben die nötige Ruhe im Alltag. Wenn sie nicht gerade schreibt, liest sie die unterschiedlichsten Bücher besonders gerne auf Reisen.

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    Buchvorschau

    Vertrauen in uns - Jannika Lehmann

    1.

    Candy

    Ein Spiegel. Ein Spiegelbild. Von mir. Na ja, nicht ganz. Man sieht nur Haare. Rote Haare. Meine beste Freundin wuschelt mir von hinten durch meine Mähne. Dadurch fallen einige Strähnen vor mein Gesicht. Ich puste sie wieder weg. »Könntest du endlich mal anfangen meine Haare zu färben, Lucy? Ich kann mich mit diesem schrecklichen Ansatz nicht länger im Spiegel betrachten.«

    »Wie oft muss ich dir noch erklären, dass es ganz sinnvoll wäre, wenn du dazu deine großen Creolen ablegen würdest«, lacht Lucy, die ihre schwarzen Haare mit einem braunen Haargummi zu einem Zopf bindet. »Ich weiß, Candy, du fühlst dich ohne deine Ohrringe so nackt, aber beim Frisör muss es eben sein.«

    Ich verdrehe die Augen und nehme die beiden silbernen Ringe schnell von meinen Ohren. Ich lege sie auf das Brett, das unter dem Spiegel vor mir angebracht ist. Lucy zieht währenddessen zwei schwarze Gummihandschuhe an.

    »Fangen wir jetzt an?«, frage ich genervt.

    Daraufhin greift Lucy nach Alufolie und dem Haarfärbemittel. »Warum heute so gereizt?«, fragt sie.

    Ich seufze. »Willst du das wirklich wissen?«

    »Aber sicher doch, meine Süße. Du erzählst mir dein Leben lang schon immer alles, also warum nicht auch heute. Du kannst mich mit nichts mehr umhauen.«

    Da hatte sie allerdings recht. Sie war meine allerbeste Freundin, und das schon seit dem Kindergarten. Wir lernten uns am ersten Kindergartentag im Sandkasten kennen und sind seither Sandkastenfreunde durch und durch. Wir hatten beide keine Lust auf den Kindergarten und wollten es nicht eingesehen, dort jeden Tag hinzugehen. Und da wir damit die einzigen Kinder zu sein schienen, freundeten wir uns an. Wir sind seit diesem Tag unzertrennlich. Wir haben uns in der Vergangenheit nie länger als eine Woche nicht gesehen. Und alle vier Wochen sehen wir uns sowieso in ihrem eigenen Haarsalon, der ihr Ein und Alles ist. Und sie hat recht, ich kann sie mit nichts mehr schocken, denn wir haben schon so einiges zusammen durchgemacht – und damit meine ich nicht die Nächte, in denen wir uns mit einem ungesunden Alkoholspiegel im Blut die Füße wundgetanzt haben.

    »Also erzähl schon«, drängelt Lucy, während sie mir die Haare durchkämmt und dabei ein Spray in die Haare mischt.

    Ich schlucke. »Also gut…« Wieder schlucke ich. Dann fasse ich meinen Mut zusammen und sage es. Ganz schnell, damit es raus ist. »Brian und ich haben uns getrennt.«

    Brian ist mein Mann, der Vater meiner Zwillinge, die ich mit achtzehn Jahren bekommen habe.

    Ich sehe zwar nichts, da Lucy mir mal wieder die Haare vor mein Gesicht gekämmt hat, aber ich höre, wie sie scharf die Luft einzieht, als würde sie eine Zigarette rauchen.

    Ich warte kurz. Warte auf eine Reaktion von ihr. Doch – nichts. Sie sagt nichts.

    »Lucy?«, frage ich.

    »Du verarscht mich doch, oder?«, sagt sie und lacht unsicher.

    »Natürlich nicht. Mit sowas würde ich nicht scherzen.« Meine Miene verfinstert sich. Das hier ist kein Witz. Das ist knallharte Realität, die jedes Mal, wenn ich sie mir ins Gedächtnis rufe, so stark im Herzen schmerzt, dass es auf alle Knochen übergeht.

    »Okay, wow.«

    Endlich kann ich wieder etwas sehen, weil meine Haare nun vollständig mit Haarfärbemittel eingekleistert sind und fest auf meinem Kopf sitzen, als hätte sie einen Eimer Haarspray über meinen Kopf gekippt.

    Lucy kratzt sich an ihrem Kopf – nur mit dem kleinen rechten Finger. An allen anderen Fingern klebt Haarfärbemittel.

    »Und ähm…seit wann? Und wie? Und wieso? Verdammt, wieso? Ihr wart das beste Paar auf der ganzen Welt!« Sie streift sich die Gummihandschuhe von den Händen und ihr Gesichtsausdruck ist mit einem großen Fragezeichen vergleichbar.

    Das Mittel in meinen Haaren darf nun eine halbe Stunde einwirken und ich bin ihr eine große Erklärung schuldig.

    »Candy, du weinst ja auch überhaut gar nicht. Ihr habt euch getrennt! Ist dir das bewusst?« Sie sieht ganz verzweifelt aus.

    »Du weißt doch, ich bin gut im Verdrängen von Gefühlen. Außerdem habe ich das Weinen schon hinter mir.« Tränen fließen nicht mehr nach. Die meiste Zeit des Tages bleiben meine Wangen trocken, dafür meldet sich der Schmerz in meinem gebrochenen Herzen immer wieder. Ich lege meine Hände auf ihre Knie. Wir sitzen uns gegenüber. Ich schaue ihr in die Augen und sehe Unverständnis. Oh Gott, ich dachte sie nimmt die Nachricht etwas cooler auf.

    »Schon hinter dir? Wie lange seid ihr schon getrennt?« Ihre Augenbrauen wandern nach oben.

    »Seit vorgestern.«

    »Aber wir haben uns doch gestern gesehen. Im Park für einen Spaziergang mit Ava und Mia. Wieso hast du es mir da noch nicht erzählt?«

    Ich seufze, dann fange ich an zu erklären. »Ich brauchte erst einmal selbst ein bisschen Zeit, um das alles zu realisieren. Ich werde in Zukunft in der Gesellschaft ganz anders wahrgenommen. Nicht mehr die junge Frau, verheiratet, Mama von Zwillingen und Geschäftsführerin eines bekannten Blumenladens. Nun werde ich die verrückte Frau sein, die mit achtzehn schwanger war und nicht abgetrieben hat, trotzdem eine Arbeit hat, aber mit roten Haaren in einer Sozialhilfe-Wohnung wohnt. Ich entspreche ja fast schon dem Klischee einer alleinerziehenden - und sozialhilfebeziehenden Frau. Außerdem waren gestern Ava und Mia dabei. Die beiden Süßen wissen es noch nicht. Sie haben keinen blassen Schimmer davon, dass ihr Vater ihr ganzes Leben zerstört hat.« Meine Stimme klingt zunehmend verzweifelt.

    »Hey Süße, an der Tatsache wie du in der Gesellschaft wahrgenommen wirst, wird sich nicht viel ändern, außer, dass du nicht mehr verheiratet bist. Außerdem…"

    Sie legt eine kurze Pause ein, in der sie ihre geschwungenen Lippen aufeinanderpresst. Sie scheint zu überlegen, wie sie ihren Satz weiter formulieren soll. „…wer sagt denn, dass du in einer Sozialhilfe-Wohnung wohnen wirst. Du hast n‘ Arsch voll Geld, eine Familie und eine Freundin oben drauf, die hinter dir stehen. Scarlett, deine liebe Angestellte wird sicher ein paar Schichten im Blumenladen übernehmen können, wenn du umziehst oder für deine Kinder da sein musst. Du schaffst das – glaub mir.«

    Wie recht sie hat. Ich sollte echt lernen die Kirche im Dorf zu lassen und rational zu denken.

    »Okay, danke«, murmelte ich etwas verlegen. Ich mag es nicht, wenn sie immer recht hatte. Aber in den meisten Fällen ist das nun mal so.

    »Und du sagst, Brian hat das Leben von den Zwillingen zerstört? Hat er Schluss gemacht oder was ist passiert?« Nun hält sie meine Hände in meinem Schoß fest, was mir Halt gibt und die Tränen in meinen Augenwinkeln zurückhält. Zurückhält, dass sie nicht über meine Wangen laufen und mich verletzlich aussehen lassen, was ich so unglaublich hasse. Ich bin eine starke Frau, schon immer gewesen und ich gebe immer alles und wenn etwas mein Leben zu Scherben zerbrechen lässt, bleibe ich niemals auf den Scherben stehen. Stattdessen stehe ich auf und gehe weiter, ohne mit der Wimper zu zucken.

    »Ich habe dir doch vor zwei Wochen erzählt, dass Brian sich verändert hat, oder?«

    Sie nickt. »Ja, du hast gemeint, dass er immer mehr abends weggehen wollte.«

    »Genau, und du hast mich beruhigt und gemeint, er brauche nur seine freie Zeit zum Entspannen. Tja, bei seinen abendlichen Ausgängen hat er wohl eine Neue kennengelernt.«

    Lucy klappt die Kinnlade herunter.

    »Ja genau, so habe ich auch geschaut, als er mir vorgestern Abend verkündet hat, dass in zwei Wochen seine Freundin hier einziehen wird.«

    Es bildet sich auf meinem gesamten Körper Gänsehaut. Sie lässt mich frieren und jagt mehrere Schauer hintereinander durch mich hindurch. Ich versuche es allerdings zu unterdrücken. Ich muss jetzt stark bleiben – besonders für Ava und Mia.

    »Was zur Hölle…«, entfährt es Lucy. »Ich kannte Brian ja auch ganz gut, aber so hätte ich ihn nie eingeschätzt. Auf diese Art und Weise seine Frau mit seinen beiden Kindern abzuservieren, ist echt das Letzte.«

    Ich seufze wieder und ziehe meine Brauen angestrengt zusammen. »Sehe ich auch so.«

    »Aber du scheinst das ganze ja ganz gut wegzustecken oder täusche ich mich?« Sie schaut mir verständnisvoll in die Augen und lächelt sanft.

    »Na ja, es war für mich schon ein großer Schlag in die Magengrube. Besonders nach dem Streit vorgestern. Aber du kennst mich ja. Mein Motto lautet: Weitergehen, nicht auf Scherben stehenbleiben.«

    »Du und dein Motto.« Sie lacht. »Aber es ist gut. Es hat dir schon oft in deinem Leben geholfen. So wird es dir auch dieses Mal auf die Beine helfen.«

    Ich lächele träge. Ja, mein Motto und ich. Ich habe es mir sogar vor etwa einem halben Jahr in schöner Schnörkelschrift auf mein inneres Handgelenk tätowieren lassen: Weitergehen, nicht auf Scherben stehenbleiben!

    Ich schaue es mir gerne an und jeder Blick auf die hübschen Buchstaben erinnert mich daran, immer weiter zu machen.

    »Hast du vielleicht einen Kaffee für mich, Lucy?«

    Sie nickt. »Aber klar. Latte Macchiato – dein Lieblingskaffee?«

    Ich nicke dankbar. »Eine große Tasse bitte.«

    »Kommt sofort.«

    Ein paar Minuten später sitze ich mit meinem Latte Macchiato da und sie wäscht mir vorsichtig das Haarfärbemittel aus den Haaren. Danach föhnt sie meine Haare.

    »Auch noch eine schicke Frisur gefällig? Vielleicht überlegt es sich Brian ja noch mal anders, wenn du so hübsch nach Hause kommst.«

    Ich lache kurz auf. »Nein, der überlegt es sich sicher nicht mehr anders. Außerdem könnte ich ihm das niemals verzeihen.«

    »War ja auch nur ein Scherz, Candy - Liebes. Aber trotzdem eine hübsche Frisur mit deinen roten Haaren ohne Ansatz?«

    Ich nicke und nippe an meiner Tasse. »Da sage ich nicht nein.« Ich meine, wer hat schon was gegen eine kostenlose Frisur – ich definitiv nicht.

    »Hochsteckfrisur oder lieber Flechtzöpfe?«, fragt Lucy.

    »Eine Hochsteckfrisur fände ich ganz gut.«

    »Wird gemacht.« Geschickt dreht sie meine Haare ein und flechtet und zaubert aus meinen sonst wilden offenen Haaren eine Frisur, die auch in Märchenbüchern von Prinzessinnen getragen werden könnte.

    »Und wie geht es jetzt weiter bei dir?«, erkundigt sie sich.

    »Gute Frage. So genau weiß ich es ehrlich gesagt auch noch nicht. Als Nächstes bleibt mir wohl nichts anderes übrig, als Ava und Mia davon zu erzählen. Wie ich das mache, weiß ich noch nicht. Dann muss ich innerhalb von zwei Wochen einen Umzug organisieren. Dazu gehört natürlich auch eine Wohnung zu finden.«

    »Da hast du ja jetzt eine Menge vor dir. Wenn ich dir bei was auch immer helfen kann, bitte zögere keine Sekunde und ruf mich sofort an. Ich bin immer an deiner Seite.«

    »Danke, Lucy. Das weiß ich zu schätzen.«

    »Nichts zu danken, Süße. Das ist doch selbstverständlich.«

    Ich lächele dankbar und sehe in den Spiegel. Ich sehe mich. Die Frau, die gerade von ihrem Mann verlassen wurde. Er hat mich betrogen. Mit einer verdammten anderen Frau. Aber ich sehe auch mein Feuer in den Augen, das mir sagt, dass ich alles schaffen werde, was ich mir vornehme. Außerdem sehe ich meine Haare, die in einer wunderbaren Hochsteckfrisur mit einem Kunstwerk vergleichbar ist.

    Ich stehe von dem Frisörstuhl auf, nachdem mir Lucy den schwarzen Umhang abgenommen hat.

    Dann nehme ich mir meine Tasche, die auf dem Boden neben mir steht, um den Geldbeutel herauszuholen. Ich zücke einen Fünfziger-Schein aus dem roten Lederportemonnaie, doch Lucy schüttelt den Kopf. »Candy, heute bitte nicht. Lass stecken. Kauf lieber Ava und Mia etwas Schönes von dem Geld, okay?«

    Bestimmt zum hundertsten Mal an diesem Tag nicke dankbar. »Danke, Lucy.«

    Beim Verabschieden umarmen wir uns, dann verlasse ich den kleinen Frisörsalon, über dem Lucy und ihr Freund David eine Wohnung haben.

    Schon stehe ich in der Altstadt von Silverstain, von wo ich nach Hause gehe.

    Es schmerzt in meiner Brust, wenn ich das Haus, in dem Brian und ich so viele schöne Momente unserer Ehe mit unseren beiden Kindern verbracht haben, Zuhause nenne.

    Nach zwanzig Minuten Gehzeit stehe ich vor der großen Fassade des Hauses. Es ist ein modernes, futuristisches Gebäude. Viel Glas, viele Fenster, viel helles Licht. Moderne Einrichtung in den schlichten Farben Schwarz, Grau und Weiß, was eigentlich nie ganz mein Geschmack gewesen ist, aber das Haus hat Brian nun mal von seinem Vater zum einundzwanzigsten Geburtstag bekommen. Und so ein protziges Geschenk lehnt man natürlich nicht ab.

    Ab sofort kann ich meinen Kram so gestalten wie es mir gefällt, das betrifft auch meine zukünftige Wohnung – vorausgesetzt ich finde eine. Ich bin ein Mensch, der immer das Positive an der Situation sucht, so auch jetzt.

    So beschissen die Situation mit Brian und mir auch ist, es lassen sich immer ein paar positive Dinge finden, die mich motivieren, weiterzumachen.

    Ava und Mia, meine fünfjährigen Töchter tanzten sofort um mich herum, sobald ich die Haustür aufgeschlossen habe und im Flur stehe.

    »Hallo meine Süßen!«, rufe ich fröhlich.

    Für Brian muss es sich so anhören, als würde ich mir aus unserer gescheiterten Ehe nichts machen – was definitiv nicht der Fall ist – aber ich möchte ein möglichst fröhliches Umfeld für Ava und Mia erschaffen. Außerdem sollen sie ihre Mama nicht traurig erleben. Die meisten Leute kennen mich fröhlich, immer gut gelaunt und positiv denkend. So sollen mich auch Ava und Mia einmal später, wenn ich alt und schrumpelig bin, in Erinnerung behalten.

    »Hey, Brian«, sage ich. Meine Miene verfinstert sich automatisch. Ich drehe meinen Kopf so, dass Ava und Mia nicht vor meinem Blick erschrecken, wenn sie mir ins Gesicht schauen.

    »Hey«, sagt er knapp.

    Ich streife mir meine Jacke von den Schultern. Es ist Herbst, meine Lieblingsjahreszeit. Die meisten Menschen mögen Sommer und sind im Winter traurig und niedergeschlagen. Aber ich schaffe es, meine Laune unabhängig vom Wetter immer auf fröhlicher Ebene zu halten.

    »Ava, Mia, wollt ihr nicht ein bisschen in eurem Spielzimmer spielen gehen?«, frage ich sie mit der Intention, ein ruhiges Gespräch mit Brian führen zu können. Das ist nicht ganz leicht, wenn die Nähe dieses Menschen mein Fass voller Wut zum Überlaufen bringt.

    »Nö, Mama wir wollen mit dir spielen«, meint Ava ganz traurig.

    Ich stelle meine schwarze Clutch, die ich immer noch in der Hand halte, auf den Boden und gehe in die Knie, um mich auf Augenhöhe mit den beiden zu befinden. »Wisst ihr was, ihr geht schon mal vor und baut eine tolle Murmelbahn, mit der wir dann hinterher gemeinsam spielen. Was haltet ihr davon?«

    Ich sehe vier süße Kinderaugen, die plötzlich wieder strahlen. Dann nickt Ava. Blitzschnell zieht sie an Mias Ärmel und beide verschwinden nach oben in ihr Spielzimmer.

    Ich stehe wieder auf. »Ich muss mit dir reden, Brian«, sage ich mit harter Stimme.

    Ich bin wirklich wütend auf ihn. Aber so richtig. Und das soll er auch zu spüren bekommen.

    Er geht hinter mir ins Wohnzimmer, wo ich stehen bleibe. Er setzt sich breitbeinig auf das Sofa und sieht mir ohne ein Fünkchen Schuld in die Augen.

    »Wie hast du dir das mit Ava und Mia vorgestellt?«, frage ich und versuche die Verzweiflung in meiner Stimme zu unterdrücken.

    »Ist doch klar, Candy. Du bist die Mutter. Du bleibst bei den Kindern. Alle zwei Wochen am Wochenende bin ich dran. Ich zahle brav alles für die Kinder. Das ist der Deal.«

    Ach, zahlen! Denkt er wirklich durch das Zahlen wäre alles getan? Was für ein Arsch! Aber okay, ich will mich nicht beschweren. Wenigstens muss ich mich dann nicht um Geld Sorgen machen.

    Da ist man jahrelang mit einem Mann zusammen, vertraut ihm alles an, und innerhalb von

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