Über dieses E-Book
Der neue Fall für die Emder Kommissare Rike Waatstedt und Richard Faber hat es in sich. Treibt ein Serienmörder sein Unwesen in Ostfriesland? Erst wird ein polizeibekannter Investmentbanker mit Kopfwunde tot in seiner Villa gefunden. Durch zwielichtige Geldanlagen soll er einige seiner Kunden um ihr Vermögen gebracht haben, doch etwas nachweisen konnte man ihm nie. Wenig später folgen zwei weitere Todesfälle. Und alle drei Opfer haben eines gemeinsam: Sie bewegten sich in ihrer Profitgier stets am Rande der Legalität und fügten dabei vielen Menschen bitteres Leid zu. Die Liste der Verdächtigen ist dementsprechend lang. Aber wer könnte es auf alle drei abgesehen haben? Ist etwa ein Racheengel auf tödlicher Mission, oder geht es um ganz andere Zusammenhänge? Die Uhr tickt für die ostfriesischen Ermittler, denn sie wissen nicht, ob schon bald die nächste Leiche auf sie wartet...
Elke Nansen
Elke Nansen ist das Pseudonym einer Autorin, die den Norden und Ostfriesland liebt. Die Nordsee, die unendliche friesische Weite, das platte Land mit seinen ganz speziellen Charakteren – diese Region hat ihren eigenen rauen Charme, hier kann Elke Nansen ihrer Fantasie freien Lauf lassen. Und so schreiben sich die spannendsten Geschichten manchmal wie von selbst … Besonders angetan haben es der Autorin die ostfriesischen Inseln, die sie alle schon besucht hat. Als leidenschaftliche Taucherin liebt Elke Nansen die See und das Wasser. 8 Jahre hat sie im niedersächsischen Städtchen Verden an der Aller gelebt.
Ähnlich wie Tödliches To Huus. Ostfrieslandkrimi
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Buchvorschau
Tödliches To Huus. Ostfrieslandkrimi - Elke Nansen
Prolog
Damals, vor vier Jahren
»Aber mein Junge, was soll das denn heißen? Wir hatten doch etwas ganz anderes vereinbart. Nur deshalb habe ich dir das Haus jetzt schon überschrieben«, sagte die alte Dame und musste die Tränen runterschlucken, die in ihren Augen aufstiegen. Sie blickte vorwurfsvoll auf ihre Schwiegertochter. Die sah sie nur mit ihrem typisch unbeteiligten Gesichtsausdruck an. So als geht dich das alles nichts an, dabei bist du immer die treibende Kraft, dachte die alte Frau in dem Moment.
»Ja, ich weiß«, erwiderte ihr Sohn. »Doch Livia und ich haben noch einmal darüber gesprochen. Über kurz oder lang brauchen wir auch die drei Zimmer, die du oben im Haus bewohnst. Außerdem wirst du bald nicht mehr in der Lage sein, dort oben für dich zu kochen und allein zu leben.«
»Paul, wir haben vereinbart, dass ich euch die Villa überschreibe und dafür bis zu meinem Tod hier lebe. Ich bin dann nach oben in den ersten Stock gezogen und ihr lebt jetzt hier unten. Das Erdgeschoss hat sieben Zimmer, mehr als genug für eine vierköpfige Familie«, entgegnete die alte Frau entrüstet. Ihr Herz schlug viel zu schnell und zu laut in ihrer Brust. Sie konnte nicht fassen, was ihr eigner Sohn gerade von ihr verlangte. Vor lauter Aufregung hatten sich ein paar weiße Strähnen aus ihrer eleganten Hochsteckfrisur gelöst. So derangiert lief Frau Silberherz sonst nie herum. Sie war eine Dame und diesen Status hatte sie sich in ihrem Leben hart erkauft.
»Ja, wir haben darüber geredet. Verstehe bitte, Livia kann sich nicht um dich kümmern, sie arbeitet jetzt wieder.« Paul schüttelte den Kopf über den Starrsinn seiner Mutter. Eigentlich habe ich gar keine Zeit, mich um solche Dinge zu kümmern, dachte er. Als seine Frau ihm das erste Mal den Vorschlag gemacht hatte, Mama in einem Altenheim unterzubringen, hatte auch er gezögert. Ein schlechtes Gewissen hatte sich breitgemacht. Immerhin war es ihr Zuhause, Mutter wohnte hier fast ihr ganzes Leben. Sie und Vater hatten die Stadtvilla in Emden damals Mitte der sechziger Jahre gekauft und Stück für Stück saniert. Paul erinnerte sich, er war erst zehn Jahre alt, als man den Swimmingpool in dem riesigen Garten baute. Dadurch wurde er eines der beliebtesten Kinder der Schule, alle wollten bei ihm im Pool schwimmen. Das hatte er Mutter zu verdanken, denn sein strenger Vater hatte einen Pool als unnütze Ausgabe angesehen. Doch Mama wusste, wie wenige Freunde ihr Sohn damals hatte. Sie war es gewesen, die auf den Pool bestanden hatte. Und in ihrer Ehe hatte Dörte Silberherz sonst nicht oft ihren Willen durchsetzen können. Während er darüber nachdachte, regte sich erneut ein Anflug von schlechtem Gewissen.
»Um mich muss sich noch lange niemand kümmern, und wenn es so weit ist, dann können wir jemanden beschäftigen«, erwiderte seine Mutter trotzig. Es kostete ihren ganzen Mut, eine solche Auseinandersetzung zu führen. Doch seit ihr Sohn Paul geheiratet hatte, war eine neue Herrin ins Haus gekommen: Livia!
»Ach, und wer soll das bezahlen, wie stellst du dir das vor?«, mischte sich jetzt die Schwiegertochter ein. Ihre Stimme rutschte immer ein paar Oktaven höher, wenn sie verärgert war. Paul zog sichtlich den Kopf ein. Manchmal ist Livia, wie Papa es damals war, dachte Paul. Meine Frau weiß einfach besser, was gut für die Familie ist, tröstete er sich innerlich.
»Livia«, ermahnte die alte Dame sie mit Herzklopfen. »Darf ich dich daran erinnern, dass du damals bettelarm warst, als du Paul geheiratet hast. Dass ich euch die erste Wohnung eingerichtet habe, damit ihr auf die Beine kommt!« Wieder schnaufte sie. Immerhin war sie Mitte siebzig und solchen Aufregungen nicht mehr gewachsen. Doch sie beruhigte sich und fügte an: »Ich werde mich nicht weiter mit euch streiten. Der Notar hat bestätigt, dass ich ein lebenslanges Wohnrecht hier habe. Daran gibt es nichts zu rütteln.«
Livia lachte trocken. »Und der Notar ist unser Notar. Er kann sagen, was er will. Aber davon wurde nichts mit in den Vertrag genommen. Du hast uns das Haus überschrieben, ohne Klausel. Außerdem hast du Paul Vollmacht über deine Konten gegeben«, sagte Livia knallhart. »Jetzt geh hoch und pack, nicht mehr als zwei Koffer. Außerdem darfst du dir drei Möbelstücke aussuchen, die du mitnehmen möchtest. Natürlich nicht allzu große Teile, das versteht sich von selbst. Denn du wirst nur ein Zimmer im Altenheim zu deiner Verfügung haben. Morgen kommt ein Wagen und holt alles ab. Er bringt dich dann auch ins Heim.«
»Das ist nicht dein Ernst«, japste ihre Schwiegermutter und griff sich an ihre Brust. Es schnürte ihr gerade die Luft ab. Paul stand schweigend am Fenster und blickte in den parkähnlichen Garten. Die Abdeckplane auf dem Pool war mit Herbstlaub bedeckt. Allein der Anblick machte ihn wehmütig. Er verstand nicht, wie seine Mutter so egoistisch sein konnte, sein Leben war doch schon schwer genug.
»Dörte, das ist mein voller Ernst!«, bestätigte Livia. »Ach, und wundere dich bitte nicht, ich habe deinen Schmuck an mich genommen. Der ist zu wertvoll und wird dir im Altenheim nur gestohlen!«
Kapitel 1
Heute
»Und hast du schon eine Ahnung, was mit dem Mann passiert ist?«, fragte Kriminalhauptkommissar Richard Faber den Pathologen.
Der sah ihn schräg von der Seite an. Philipp Schorlau war der Leiter der Forensik in Oldenburg. Eine etwas kauzige Person, doch auf seinem Gebiet unschlagbar. Eine tiefe Freundschaft verband Faber und seine Frau Kommissarin Rike Waatstedt mit Philipp. »Geh mir ja nicht auf die Nerven, Faber!«, brummte Schorlau ihn an. Auch das gehörte zu ihrer ungewöhnlichen Freundschaft, nämlich ein derber Umgangston.
Philipp Schorlau war von Haus aus begütert. Und weil er ein exzentrisches Genie war, nahm er kein Blatt vor den Mund und kannte so etwas wie Feingefühl nicht. In Ostfriesland sagte man dazu: De de Mors vull hett, kann woll schieten! Aber im Grunde seines Herzens war Doktor Philipp Schorlau der beste Freund, den man sich wünschen konnte. Man musste ihn nur kennen und sich ansonsten ein dickes Fell zulegen.
»Dafür werde ich bezahlt, nämlich um dir auf die Nerven zu gehen«, erwiderte der Hauptkommissar, der von allen fast immer nur Faber genannt wurde. »Also, was hast du?«
Doktor Schorlau richtete sich auf und stemmte seine Hände in den Rücken, um sich zu dehnen. In dem Moment kam auch Rike Waatstedt-Faber in das Büro. »Nun, die Kopfverletzung stammt definitiv von der Kante seines Schreibtischs und hat zum Tod geführt. So wie es hier aussieht, kam es zu einem Kampf«, fing Philipp endlich an zu reden.
»Wahrscheinlich hat Ralf Hamer, so ist der Name des Toten«, ergriff Rike das Wort, »den Einbrecher gestört.« Sie sah ihren Mann an und fuhr fort: »Die Hauswirtschafterin, die ihn gefunden hat, sagte, er hätte eigentlich gar nicht da sein sollen. Der Investmentberater war auf dem Weg nach Hamburg, doch anscheinend kam er noch einmal zurück.«
Faber nickte. Er betrachtete den Mann in dem teuren Sakko und dem verknüllten Hemd, das ihm halb aus der Hose hing. An ihm hing immer noch ein Hauch eines süßlichen Herrendufts, der so gar nicht Fabers Ding war. Ihm fiel auf, dass der Mann aufgedunsen aussah, wie jemand, der regelmäßig in ungesunden Mengen Alkohol zu sich nahm. »Unser Toter kommt überraschend rein. Er sieht, wie sein Tresor ausgeräumt wird, es kommt zu Handgreiflichkeiten und dabei wird er getötet. Das macht Sinn!«
»Aber der Einbrecher wollte das nicht«, sagte Schorlau. »Denn unserem Opfer wurden zwei Rippen gebrochen. Das sehe ich auch ohne Autopsie«, fügte der Pathologe reichlich geheimnisvoll an. Er blickte herausfordernd auf die beiden Kommissare und genoss den dramatischen Auftritt. Auf dem Revier war dieser Tick als ›Schorlaus tragische Einlagen‹ bekannt. Gerne zog er eine Show ab, bevor er zum Punkt kam. So, wie es die meisten Egozentriker machten. Nur war Doktor Philipp Schorlau ein wirklich liebenswerter Egozentriker.
»Und, das bedeutet?«, knurrte Faber. »Etwa, dass der Einbrecher besonders zartfühlend war, indem er dem Opfer erst den Schädel einschlug und ihm danach noch zwei Rippen brach, aber das eigentlich alles nicht wollte? Oder wie soll ich das verstehen?«, fragte Faber mit triefendem Sarkasmus. Für einen Toten sieht er gar nicht blass aus, dachte Faber. Ein bisschen so, als hätte er eine Kohlenmonoxidvergiftung erlitten. Aber er fragte nicht weiter, weil Philipp das sowieso untersuchen würde.
Philipp huschte ein Lächeln übers Gesicht, er schüttelte den Kopf. »Gut, dass ihr mich habt! Die Bruchstellen an den Rippen weisen darauf hin, dass man versuchte, ihn wiederzubeleben. Doch die Schreibtischkante ist richtig tief in seinen Schädel eingedrungen, da gab es kein Zurück. Da, seht mal, da hängt sogar Hirnmasse dran.«
Rike verzog den Mund und murmelte: »Na, dann Mahlzeit, danke auch, Philipp. Vor ein paar Minuten hatte ich Hunger.«
»Hey, seit wann stellst du dich so an? Bist du etwa schwanger? Da wird sich Opa Knut aber freuen«, meinte Philipp. In Anbetracht der Leiche, die vor ihm lag, benahm er sich wie ein Elefant im Porzellanladen. Rike sah ihn strafend an und schnaubte.
Die drei Beamten waren keineswegs pietätlos oder kalt, es war nur mittlerweile der tägliche Umgang mit toten Menschen, der sie härter gemacht hatte. Darum versuchten sie trotz aller Gräueltaten, die sie miterleben mussten, wie normale Menschen zu leben.
Faber klopfte Schorlau etwas zu fest auf den Rücken. »Mach du dir mal keine Gedanken über ungelegte Eier. Wer von uns ist denn noch unverheiratet? Ein Schritt nach dem anderen, mein Lieber!«, sagte er wenig amüsiert. Philipp wusste nicht, dass seine beiden Freunde gerade ein ziemliches Problem mit ihrer Ehe hatten. Genauso wenig wie Opa Knut. Knut Waatstedt war Richard Fabers Schwiegeropa. Doch für den Hauptkommissar war er eher ein Vater. Ein Vater, wie er ihn nie gekannt hatte. Rikes Großvater war ein waschechter Ostfriese mit dem Herz am richtigen Fleck. Und seine beiden Kinners, wie er Rike und Faber nannte, gingen ihm über alles.
Erst vor ein paar Jahren war Hauptkommissar Richard Faber von Frankfurt nach Ostfriesland gekommen. Damals hatte er sich absichtlich versetzen lassen, weil er sein altes Leben und besonders seine Ex hinter sich lassen musste. Sie hatte ihn betrogen und gestanden, dass das Kind, das sie erwartete, nicht von ihm war. Danach hatte sie seinen engen Freund und Partner Frank Kreiger geheiratet. Doch Frank geschah es nicht besser mit Beatrice, denn diese Frau machte ihn genauso unglücklich. Mit ihrer Schönheit zog sie Männer an wie Motten das Licht. Anstatt eines Herzens gab es bei ihr allerdings nur Berechnung und Kälte. Erst vor ein paar Monaten hatte sich dann auch herausgestellt, dass nicht Frank Kreiger der Vater ihres Sohnes war, sondern das Kind war damals wirklich von Richard gewesen. Nach zähen Verhandlungen hatte der Hauptkommissar sich als Vater registrieren lassen, doch Beatrice hatte dafür darauf bestanden, dass Faber keinen regelmäßigen Umgang mit dem kleinen Benjamin pflegen sollte.
Für Richard war das eine traurige Sache, denn er wünschte sich von Herzen Kinder. Gerne hätte er Benny öfters gesehen und einen Platz in seinem Leben eingenommen. Obwohl er seine Rike sehr liebte, hing seitdem der Ehesegen schief. Denn Rike hatte ihm völlig unerwartet gestanden, dass sie eigentlich keine eigenen Kinder wollte. Diese Sache belastete immer noch ihre Ehe und momentan wusste Faber nicht, wie dieses Problem gelöst werden konnte. Vor allem weil Opa Knut nichts davon wusste. Auch er wollte lieber heute als morgen Urgroßvater werden.
»Zu dem Toten habe ich momentan nicht mehr zu sagen. Warten wir die Obduktion ab«, ergriff wieder Schorlau das Wort. »Aber kommt mal mit zum Tresor, die Sache ist reichlich ungewöhnlich.« Die drei Polizeibeamten standen vor dem offenen Tresor, der hinter einem Bild in die Wand betoniert war. Der Forensiker schloss die Tür und deutete auf die Zahlenkombination, die mit einem weißen Kreidestift auf die Tür geschrieben war. »Dies ist ein alter Tresor mit Zahlendrehkombination. Die sind fast alle vom Markt, daher gibt es heute kaum Einbrecher, die diese Dinger aufbekommen«, sagte Schorlau und kicherte. »Ist fast so, dass die ollen Dinger wieder sicherer werden als die modernen Safes.« Dann sah er seinen Assistenten Moser an. »Zeigen Sie mal, was ich meine.«
Doktor Moser nickte den beiden Kommissaren zu. »Was der Chef meint?«, brummte Moser in seinen Bart. »Ist ja nicht so, als ob er das entdeckt hat! Also«, kam er endlich zur Sache, »heutzutage gibt es kaum Tresore, die nicht irgendwie elektronisch ausgestattet sind. Elektronisches Zahlenschloss, elektrische Erschütterungsmelder gegen mechanische Aufbruchsversuche, gesicherte Stahlplatten mit Stufenfeuerfalz gegen Schweißbrenner und noch viel mehr von diesem Schnickschnack. Das hat zur Folge: Es gibt kaum Einbrecher, die auf diese Weise, wie es hier geschehen ist, einen Safe knacken können.«
Rike kräuselte die Stirn. »Sicher, dass er geknackt wurde? Man sieht keinerlei Einbruchspur. Ich denke eher, dass unser Toter dem Einbrecher die Kombination genannt hat.«
Moser schüttelte den Kopf. »Das glaube ich nicht. Denn wir haben hier neben dem Schloss die Spuren eines Stethoskops gefunden, und zwar die eines digitalen Stethoskops. Der Tresor wurde auf eine ganz alte Methode geöffnet. Man braucht dafür ein gutes Gehör und enorme Erfahrung.«
Hauptkommissar Faber sah Moser überrascht an. »Ist das etwa Ihr Steckenpferd?«
»Ganz genau, ich habe mich von klein auf fürs Tresorknacken interessiert. Muss aber sagen, dass ich, obwohl recht gut in der Technik, solch ein Schätzchen nicht mit einem Stethoskop öffnen könnte. Dennoch ist es ein Segen, dass ich auf der hellen Seite der Macht stehe und nicht kriminell bin. In dem Fall hättet ihr alle viel zu tun gehabt!« Moser hatte eindeutig zu lange mit Philipp Schorlau zusammengearbeitet, denn die elitäre, leicht überhebliche Art des Chefpathologen hatte mittlerweile auf ihn abgefärbt.
»Na immerhin! Jetzt haben wir wenigstens die Möglichkeit, einen solchen Tresorknacker-Experten schneller zu finden«, meinte Rike nicht unbedingt ernst und schmunzelte. »Wenn die so ausgesprochen rar sind!«
Moser sah sie an und nickte. »Selbst rar ist in dem Fall schon fast eine Übertreibung. Denn von denen gibt es so gut wie keinen mehr. Die meisten dieser Experten waren im Gefängnis und sind mittlerweile verstorben. Wir reden hier von einer Technik, die man in den achtziger Jahren anwandte. Die schweren Jungs von damals haben wahrscheinlich vergessen, wie das geht, weil sie dement sind. Oder ihnen zittern die Finger zu sehr, um Derartiges zu können.«
***
»Und setzen wir uns jetzt wirklich auf die Spur eines alten Tresorknackers?«, fragte Kommissarin Waatstedt recht skeptisch ihren Mann, der neben ihr im Wagen saß.
Sie waren mit ihrem Chefpathologen zur Autopsie ins Emder Krankenhaus gefahren. Die Obduktion hatte bestätigt, dass der Tod durch ein Schädeltrauma von dem Sturz auf die Schreibtischkante eingetreten war. Auch zeigten die Quetschungen am Brustkorb, dass wirklich jemand versucht hatte, den sterbenden Mann wiederzubeleben. Doch Philipp Schorlau hatte noch etwas entdeckt. Der Investmentberater hatte ein schweres Kokainproblem. Nicht nur hatte der Mann Spuren des weißen Pulvers in seiner Nase. Der erbärmliche Zustand seiner Nasenscheidewand gab einige Auskunft darüber, dass der Mann abhängig gewesen war. »Wenigstens musste er nicht leiden«, hatte Philipp seinen Freunden gesagt, »denn der Mann war völlig high, als er starb.« Natürlich wurden die Gewebereste mit der Droge für weitere Analysen nach Oldenburg ins Kriminaltechnische Institut geschickt.
Kokain wurde in der Presse oft als Managerdroge bezeichnet. Broker, Finanzberater und sogar manchmal Mediziner, die mit Stress nicht umgehen konnten, putschten sich damit auf. Das weiße Pulver verlieh ihnen ein Gefühl von Größe, gesteigerter Vitalität und Leistung. Außerdem regte es besonders die labilen Typen zu Höhenflügen an. Da eine der Wirkungen von Kokain gesteigerte Wachheit war, konnten Menschen mit Kokain viele Stunden durcharbeiten. Nach den euphorischen Empfindungen folgten jedoch Anspannung, Angst und manchmal Wahnvorstellungen. Der abklingende Rausch zog fast immer eine depressive Tendenz mit Antriebslosigkeit und Erschöpfung nach sich. Das war einer der Gründe, warum Kokain einen solchen Suchtcharakter hatte. Man wollte immer wieder das Hochgefühl erleben. Vor allem, wenn man sich nach dem Konsum niedergeschlagen fühlte. Die Polizeibeamten wussten sehr genau, dass Kokain als VIP-Droge nicht nur in den USA allgegenwärtig war. Leider spielte sie auch in Deutschland mittlerweile eine verheerende Rolle, die brutalste Kriminalität mit sich zog. Sowohl beim Verbraucher im Zustand des Rausches als auch beim Handel und der Beschaffungskriminalität.
Während Schorlau entschieden hatte, die zusätzlichen Proben des Toten persönlich mit nach Oldenburg zu nehmen, um weitere Untersuchungen durchzuführen, fuhren die beiden Beamten zu ihrem Polizeikommissariat in Emden. Das Präsidium lag gegenüber dem Hauptbahnhof der Stadt und damit recht verkehrsgünstig zur Stadtautobahn und der Bundesstraße 210. Faber blickte seine Frau kurz von der Seite an, bevor er hinter dem ockerfarbenen Gebäude rechts auf den internen Parkplatz fuhr. Nachdem sich das Rolltor hinter ihnen geschlossen hatte, antwortete er endlich: »Na ja, ich glaube, Moser übertreibt da ein bisschen. Wir konzentrieren uns erst einmal auf andere Dinge. Ich bin mir sicher, auch die Einbrecher von heute verstehen ihr sogenanntes Handwerk. Da wir jedoch jetzt von dem Drogenkonsum unseres Opfers wissen, gibt es wahrscheinlich ein ganz anderes Motiv für den Einbruch und die Gewalttat.«
Rike nickte und meinte: »Das stimmt, wenn man seinen Dealer nicht bezahlt, dann gerät man schnell ins Schussfeld des Drogenclans. Wir sollten vor allem die Finanzen des Opfers überprüfen.«
Faber stellte den Motor ihres zivilen Dienstwagens ab. Der schwarze Audi war mit seinen hohen PS-Zahlen ein Geschoss und damit bei Verfolgungsjagden mehr als hilfreich. Der Hauptkommissar hatte ganz schön dafür kämpfen müssen, solch einen Wagen für Emden zu ergattern. Eigentlich wurden solche Fahrzeuge eher den Revieren in der Großstadt zugestanden. Besonders seit illegale Autorennen in Großstädten eine abartige
