Über dieses E-Book
"Nein, niemals! Guido war der gesetzestreuste Bürger und Polizist, den ich je kennengelernt habe!" Der Auricher Erste Hauptkommissar Guido Weisler wird erschossen aufgefunden. Bei ihm eine mutmaßlich vom Mörder verfasste Nachricht, die seinen Kollegen Rätsel aufgibt. Denn die beängstigende Notiz wirft ein ganz anderes Licht auf den verstorbenen Kommissar. Offensichtlich wird Weisler von jemandem für schlimme Dinge verantwortlich gemacht. Wer ist hier eigentlich Opfer und wer Täter? Hat der hilfsbereite Kommissar, der es mit den Vorschriften immer sehr genau nahm, allen etwas vorgemacht? War sein offizielles Auftreten nur ein großer Schwindel und er nutzte im Geheimen seine Machtposition aus? Da die Auricher Dienststelle befangen ist, wird der Fall nach Emden gegeben. Das Team um die Kommissare Richard Faber und Rike Waatstedt übernimmt. Dabei stoßen sie nicht nur auf traumatische Erlebnisse in der Vergangenheit des Mordopfers, sondern auch auf einen früheren Fall, der erstaunliche Parallelen aufweist. Doch offensichtlich haben die ostfriesischen Ermittler damit in ein Wespennest gestochen, denn die entscheidende LKA-Akte ist gesperrt...
Elke Nansen
Elke Nansen ist das Pseudonym einer Autorin, die den Norden und Ostfriesland liebt. Die Nordsee, die unendliche friesische Weite, das platte Land mit seinen ganz speziellen Charakteren – diese Region hat ihren eigenen rauen Charme, hier kann Elke Nansen ihrer Fantasie freien Lauf lassen. Und so schreiben sich die spannendsten Geschichten manchmal wie von selbst … Besonders angetan haben es der Autorin die ostfriesischen Inseln, die sie alle schon besucht hat. Als leidenschaftliche Taucherin liebt Elke Nansen die See und das Wasser. 8 Jahre hat sie im niedersächsischen Städtchen Verden an der Aller gelebt.
Ähnlich wie Tödlicher Ostfriesenschwindel. Ostfrieslandkrimi
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Rezensionen für Tödlicher Ostfriesenschwindel. Ostfrieslandkrimi
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Buchvorschau
Tödlicher Ostfriesenschwindel. Ostfrieslandkrimi - Elke Nansen
Prolog
»Vermeiden Sie auffällige Routinen, denn diese fallen kriminellen Subjekten auf«, war einer der Standardsätze der Polizei, wenn es um Verbrechensprävention ging. Doch der Erste Hauptkommissar und Dienststellenleiter der Drogenfahndung des Präsidiums Aurich war ein Gewohnheitstier. Guido Weisler konnte in der Hinsicht seinen eigenen Worten keine Taten folgen lassen. Der Hauptkommissar war nicht nur detailversessen und geradezu überpenibel, er lebte nach strengen Routinen. Diese brauchte er, um das Gefühl der Kontrolle zu behalten. Man musste sich darüber nicht wundern. Weisler war in jungen Jahren als Drogenfahnder in Hamburg und Bremen undercover gewesen. Ein Job, der auch sehr starke Menschen ins Wanken brachte. Viele kamen sehr schwer wieder in ihr altes Leben zurück. In den Jahren undercover war sein Leben so chaotisch gewesen, dass er in Aurich nach Ruhe und geradezu Eintönigkeit gesucht hatte. Leider hatte ihn das seine Ehe gekostet, denn Nela fing an, sich neben ihm zu langweilen. Sie wollte nicht andauernd auf den ostfriesischen Inseln Urlaub machen, hatte genug davon, nur bei seinem Lieblingsitaliener zu speisen. Und vor allem weigerte sie sich, am Wochenende um Punkt zwölf das Essen auf den Tisch zu bringen. Dabei war sein pedantischer Charakterzug für seinen jetzigen Beruf nicht unbedingt störend. Als Ermittler ging es um die Details, wenn man sich in Kriminalfälle einarbeitete. Ob er dadurch als Teamleiter und Chef immer effizient war, konnte man hinterfragen. Immerhin ließ er seinen Leuten freie Hand, wenn es um die Art und Weise ihrer Arbeit ging. Zum Beispiel, wenn sein Team ohne ihn anfing zu spekulieren. Hauptsache, die Methode führte zum Erfolg.
Aufgrund seiner polizeilichen Laufbahn konnte er sich seine Routinen jedoch leisten. Denn als ehemaliger verdeckter Ermittler war er der Öffentlichkeit kaum bekannt. Es bedeutete, dass er keine publikumswirksamen Auftritte machen musste und nirgendwo im Internet ein Foto zu finden war. Dies war ein ähnliches Vorgehen wie bei manchen Dienstbereichen des Landes- und Bundeskriminalamtes und den Kollegen der Sondereinsatzkommandos. So schützte man die Polizeibeamten vor Racheakten von Kriminellen und Terroristen.
Eines von Guido Weislers wöchentlichen Ritualen war die sonntägliche Joggingstrecke. Obwohl er bequem von seiner Wohnung in Aurich hätte loslaufen können, fuhr er mit dem Auto bis Egels und von dort in den Burenweg. Auf dem Parkplatz des Fußballplatzes SG Egels stellte er sein Auto jeden Sonntag ab. Er startete mit seinem Lauf in Richtung Wiesens, bis er links abbog zum Ems-Jade-Kanal, neben dem er einige Kilometer entlangjoggte. Zurück in Aurich lief er auf der Egelser Straße wieder zum Fußballplatz. Es war immerhin ein Lauf von knappen sechzehn Kilometern.
Besonders schön erschien ihm die Strecke am frühen Morgen in den Sommermonaten. In der Zeit, wenn noch keine Fußballvereine spielten und auf dem Parkplatz gähnende Leere herrschte. Dann war es im Burenweg einsam. Sobald er zwischen dem Kanal und den Feldern lief, war Guido Weisler umgeben von dem fröhlichen Gesang der Ammern und Dorngrasmücken. Diese Vögel waren typisch für die Gegend, besonders auf den Deichen. Der Vogelgesang, der frische Wind und das Gefühl, sich eineinhalb Stunden verausgaben zu können, machten den Mann glücklich. Heute war das Wetter ideal. Der Juli in diesem Jahr war hier oben im hohen Norden so etwas wie ein Jahrhundertsommer. Der Himmel strahlte in einem kräftigen Blau, durchbrochen von einzelnen Schäfchenwolken. Die Brise, die vom Meer kam, war frisch von der Nacht und der Geruch der letzten Rapsblüten lag in der Luft.
Vor lauter Vorfreude sah Hauptkommissar Weisler beim Einparken auch nicht den Wagen, der in einer Ecke des Parkplatzes unter einem Baum stand. Wie immer schloss er sein Auto ab und steckte den Autoschlüssel in die Ärmeltasche seines T-Shirts. Er wollte gerade loslaufen, als eine Stimme ihn rief.
»Kommissar Weisler?«
»Ja«, sagte er und drehte sich erstaunt um. Er sah in den Lauf einer Pistole. »Was wollen Sie?«, fragte er völlig perplex. Erst als ihm die Gefahr klar wurde, fügte er mit zittriger Stimme an: »Ich kenne Sie noch nicht einmal. Machen Sie keinen Unsinn!« Doch die Entschlossenheit der Person war fast körperlich zu spüren. Auch wenn dieser Mensch nicht wie ein Profi oder eine kriminelle Person wirkte.
»Gerechtigkeit, du korrupter Bulle!«
Es war das Letzte, was Weisler in seinem Leben hörte. In dem Moment knallte ein Schuss und traf ihn in die Brust. Die Bruchstücke seiner Gedanken waren verwirrend, denn es hatte nichts mit dem zu tun, was immer behauptet wurde. Von wegen, das ganze Leben zieht an einem vorbei, wenn man stirbt. Er dachte nur: ›Ich kenne dich doch gar nicht, ich hab dir nichts getan.‹ Es war ein sehr trauriger Gedanke, denn er fühlte sich maßlos ungerecht an. Aber vor allem war es sein letzter, bevor sein Herz für immer stehen blieb.
Kapitel 1
Keine vier Stunden später an diesem Sonntag wurde Richard Faber von seiner Frau Rike und seinem kleinen Sohn Benjamin in ein feuchtes Loch am Strand von Langeoog gerollt. Rike war nicht nur seine Frau, sondern auch Kommissarin auf dem Emder Präsidium, welches ihr Mann als Hauptkommissar leitete. Sie und Benny hatten eine ganze Weile mit den Schippchen gebuddelt, bis das Loch groß genug war, um Faber dort zu vergraben. Mittlerweile waren sie dabei, ihn mit Sand zuzuschütten.
»Gleich ist Papa weg«, krähte Benny voll Vergnügen. Der Junge war erst ein gutes halbes Jahr bei Faber und seiner Frau, nannte seinen leiblichen Vater mittlerweile aber immer öfter Papa anstatt Faba. Die leibliche Mutter war kurz vor Weihnachten ums Leben gekommen. Und obwohl Rike eigentlich nie eigene Kinder gewollt und es deshalb in ihrer Ehe ernsthaft gekriselt hatte, war Benny das Beste, was ihnen jemals passiert war.
»Nu schmiet man nich de Büdelsand in de Nöös van mien Jung, he kriggt doch kein Lücht«, schimpfte Opa Knut nicht gerade ernsthaft und mit einem Schmunzeln auf dem Gesicht.
»Gleich Opa vergraben«, antwortete Benny prompt und klopfte den Sandberg auf Fabers Brust fest.
»So wied kummt dat noch«, erwiderte Opa und wechselte dann ins Hochdeutsch, da sein Schwiegerenkel des ostfriesischen Dialekts wohl nie ganz mächtig werden würde. »Wir müssen langsam los, wenn wir die letzte Fähre noch bekommen wollen«, merkte er an. Er saß jedoch weiterhin gemütlich in seinen Bermudashorts mit hochgelegten Beinen im Strandkorb und amüsierte sich köstlich. Knut Waatstedt war eigentlich Rike Waatstedts Großvater. Er hatte seine Enkelin aber seit dem vierten Lebensjahr, als sie ihre Eltern verlor, großgezogen. Auch für Richard Faber war er wie ein Vater. Denn das echte ostfriesische Urgestein hatte den aus Frankfurt stammenden Hauptkommissar mit größter Herzenswärme im hohen Norden aufgenommen. Als sich seine Enkelin Rike und Faber ineinander verliebten und ein Paar wurden, hatten sich Knuts Wünsche fast erfüllt. Es fehlte nur noch ein Urenkel. Und seit Benny bei ihnen lebte, war jeder Tag eine Erfüllung für den alten Mann.
Faber wälzte sich unter Bennys Protest aus der feuchten Kuhle und schüttelte so gut wie möglich den Sand ab. Er schnappte sich den Kleinen und schmiss ihn über die Schulter. »Wir beide gehen jetzt ins Wasser, damit wir keinen Sand in den Ohren mit nach Hause bringen«, sagte er und lief mit seinem vor Aufregung quietschenden Kind in die Nordsee.
***
Am Montagmorgen kamen Faber und Rike gut gelaunt und braun gebrannt auf dem Polizeipräsidium in Emden an. Benny hatte bei Opa geschlafen, der direkt neben der Alten Schule der Waatstedt-Fabers wohnte. Opa und der Kleine würden noch eine weitere Woche Ferien genießen, bevor Benny wieder in die Kita ging. Wahrscheinlich würden sie angeln gehen, die Schafe am Deich beobachten oder mit Hannes zur Seehundstation nach Norden fahren. Denn die kleinen Heuler liebte ihr Sohn am meisten.
Die Person, die wie immer früh auf dem Revier an ihrem Schreibtisch saß, war Kommissarin Laurien Heiligenstadt. Die kleine, zierliche Frau mit dem dunklen Lockenkopf war eine studierte Juristin und ein Recherchegenie. Meistens blieb Laurien im Innendienst und kümmerte sich um Hintergrundarbeiten, Staatsanwälte, Verteidiger und alles, was mit Formularen zu tun hatte. Auch der durch und durch ostfriesische Kommissar Tamme Hehler war bereits an seinem Schreibtisch. Der Wikinger, wie er von seinen Kollegen genannt wurde, war ein gewaltiger Mann von fast zwei Metern und etwa einhundertzwanzig Kilo Gewicht. Doch heute sah er müde aus und hatte dunkle Ringe unter den Augen, als ob er schlecht geschlafen hätte. Eigentlich war es kein Wunder, denn seine drei Monate alte Tochter, die ebenfalls mit erdbeerrotem Haar geboren worden war, hielt den großen Mann nachts auf Trab.
Sonja Withuus, auch Kommissarin beim Kriminal- und Ermittlungsdienst Emden, eine muskulöse Blondine und Polizei-Karate-Vizemeisterin, würde in den nächsten Minuten kommen. Sie und der Wikinger waren mittlerweile Partner, und aufgrund ihrer körperlichen Durchsetzungskraft nannte Hauptkommissar Faber die beiden sein Sondereinsatzkommando. Die beiden anderen treuen Polizeimeister, seine ostfriesischen Dinosaurier Friedhelm Steiner und Torben Husman, waren noch zwei weitere Wochen im Urlaub. Die beiden waren am längsten ein Teil des KED Emden. Selbst Rike hatte als junge Polizistin schon mit den beiden Männern gearbeitet. Sie waren hier geboren, lebten in ihrem geliebten Ostfriesland und würden hier sterben. Über zehn Ecken, vermutete Faber, waren die beiden auch verwandt, wie das jeder in der Krummhörn irgendwie war. Auf jeden Fall machten die beiden Familien mal wieder gemeinsam Urlaub, so als ob sie sich auf dem Revier nicht genug sehen würden.
Dementsprechend wirkte es ruhig im Großraumbüro, und alle freuten sich, dass Faber aus der Bäckerei Musswessels am Bahnhof ein paar Leckereien mitgebracht hatte. Während Tamme für sich und die vier Kripobeamten Kaffee und Espresso macchiato aufbrühte, legte Faber die Plunderstücke, Schokoladencroissants und holländischen Kirschschnitten auf einen großen Teller.
»So laat ik mi dat behagen, Chef!«, meinte Tamme mit seinem durchdringenden Bariton und verputzte mit zwei Bissen ein Plunderstück. »Schön braun seid ihr geworden. Wie hat es denn Benny gefallen?«, wechselte er ins Hochdeutsch. Das ließ sich der Chef nicht zweimal fragen und fing an Fotos auf seinem Handy zu zeigen. »Nu, de lüttje Keerlke is so blied as en Kluntje in d’ Tee«, meinte der Wikinger und lachte. Was nichts anderes bedeutete, als dass Benny sehr glücklich wirkte.
»Das stimmt, er nennt mich jetzt sogar meistens Papa«, erwiderte der Hauptkommissar stolz.
»Und mich hat er einmal, wahrscheinlich aus Versehen, auch Mama genannt«, steuerte Rike bei. Der Wikinger gab ihr einen respektvollen Klaps auf die Schulter, der sie fast vom Stuhl beförderte. Er war sich seiner Kraft nicht immer bewusst. So vergaß er gerne, dass Rike ihm mit ihren eins fünfundsechzig und der zarten Figur nichts entgegensetzen konnte.
»Und deine kleine Erdbeere wächst und gedeiht?«, fragte Faber.
»Hör bloß auf, sonst musst du dir die neuen dreihundert Fotos ansehen, die er von seiner Tochter gemacht hat«, intervenierte Laurien und grinste spitzbübisch.
Tamme wollte gerade etwas erwidern, als zwei Leute mit dem Wachhabenden das Großraumbüro betraten. Zu Fabers Erstaunen waren es Kriminalrat Heuer und seine Pressesprecherin Monika Altmann aus Oldenburg.
»Frau Altmann, Herr Heuer«, meinte Faber überrascht. »Ich nehme nicht an, dass Sie hier sind, um uns aus dem Urlaub willkommen zu heißen. Was ist passiert?«, kam er auf den Punkt, wie es seine Art war. Die Pressesprecherin und der Kriminalrat schüttelten jedem die Hand und setzten sich dann mit an den Kaffeetisch. Tamme hatte für beide Teller geholt. Anschließend wurden sie mit Kaffee und einem Gebäckteilchen versorgt.
Der Kriminalrat aß ein Stück von der holländischen Kirschschnitte und spülte mit Kaffee nach, bevor er sagte: »Wie immer vermuten Sie richtig. Wir haben eine außergewöhnliche Situation und wir brauchen Ihre Hilfe, Faber. Sie und der KED Emden wären die richtige Truppe dafür, da die Ermittlung unter dem Radar der Presse und auch einiger anderer Kollegen erfolgen müsste.« Faber sah die Sorgenfalte, die sich auf der Stirn des Kriminalrats gebildet hatte. Normalerweise konnte man seinen Vorgesetzten nicht so leicht aus der Reserve locken, denn meistens machte er ein Pokerface. Irgendetwas war jedoch geschehen, über das er sich ernste Sorgen machte. »Aber am besten führt Sie Monika durch die Fakten. Denn sie hat bisher Schadensbegrenzung bei der Presse und dem Revier Aurich betrieben. Jetzt muss schnellstens ermittelt werden.« Damit übergab er Monika das Wort und sah sie auffordernd an.
Die Pressesprecherin war etwas jünger als Faber, bekleidete aber den gleichen Rang einer Hauptkommissarin. Sie sah in ihrem altrosa Kostüm eher aus wie die Chefin einer Marketingabteilung. Was gar nicht so abwegig war, denn oft tat eine Pressesprecherin bei der Polizei auch nichts anderes, als geschickt Werbung zu machen und die Öffentlichkeitsinformationen zu managen. Mittlerweile war Faber neugierig geworden und lehnte sich mit seinem Kaffee zurück. »Ich bin mir nicht sicher, ob ich das hören will, aber legen Sie mal los, Monika«, rutschte es ihm raus und Rike verpasste ihm einen unauffälligen Tritt unter dem Tisch. Ihr Mann machte keinen Hehl daraus, dass ihn Vorgesetzte nicht unbedingt beeindruckten. Heuer kannte seinen Hauptkommissar ebenfalls und beließ es bei einem kleinen Seufzer.
»Wir haben gestern, am Sonntag, gegen elf Uhr einen toten Mann in der Nähe von Aurich gemeldet bekommen«, fing Monika unbeirrt an. »Es handelt sich um den Ersten Hauptkommissar Guido Weisler von der Dienststelle Aurich. Kennen Sie ihn?«, fragte sie in die Runde.
Fast alle seiner Kollegen schüttelten den Kopf, nur Faber sagte: »Ich denke, ich habe den Kollegen mal bei einer Tagung in Oldenburg kennengelernt. War er ein großer Mann, an die fünfzig Jahre mit recht grauem Haar?«
Monika holte ein Personalfoto aus ihrer ledernen Aktenmappe, die sie auf den Tisch gelegt hatte. »Meinen Sie ihn?«
Faber nickte. »Aber kennen ist zu viel gesagt, wir haben ein paar Worte ausgetauscht. Bei der Zusammenarbeit mit den Kollegen in Aurich haben sich unsere Wege nie gekreuzt«, stellte er klar. »Wie kam er um?«
»Er wurde erschossen, eine Kugel in die Brust. Es war ein Sekundentod«, sagte Monika.
»Und Sie wollen, dass wir übernehmen, weil seine Kollegen vielleicht befangen sind?«, fragte er skeptisch und fügte an: »Ich weiß nicht, ob Sie meinen KED abhalten könnten zu ermitteln, wenn mir so etwas passiert wäre.«
»Unter normalen Umständen wahrscheinlich nicht. Aber wir haben unter seinem Laufshirt das hier gefunden«, erwiderte die Pressesprecherin und hielt ihm einen länglichen Asservatenbeutel hin, in dem ein mit Blut verschmiertes Blatt Papier lag. Faber nahm ihn entgegen und las den gedruckten Text darauf.
Ich habe einen Menschen auf dem Gewissen. Ich bin ein korrupter, skrupelloser Bulle und habe den Tod verdient.
Er gab den Beutel an Tamme weiter, damit er ihn in der Runde weiterreichen konnte. »Dann fall ich gleich mal mit der Tür ins Haus«, warnte Faber die beiden Beamten aus Oldenburg. »War er denn ein korrupter Bulle?«
»Das ist an Ihnen, es rauszufinden. Aus diesem Grund wollen wir die Kollegen aus Aurich auch nicht mit der Ermittlung betrauen. Was Sie hier sehen, ist ein Beweisstück. Dies kennen wir beide, jetzt Ihr Team und der Chef der Forensik, Philipp Schorlau. Denn Gott sei Dank wurde das Schriftstück erst in der Pathologie gefunden«, klärte der Kriminalrat seine Leute auf.
»Dann wissen die Kollegen aus Aurich zwar, dass ihr Chef tot ist, aber nicht mehr?«, vergewisserte sich Rike.
»Ja«, bestätigte Monika Altmann. »Wenn es nach mir gegangen wäre, wüssten sie sogar noch weniger, aber die Streife aus Aurich war gestern zuerst am Tatort. Offiziell haben wir den Kollegen in Aurich mitgeteilt, dass man einen anderen KED darauf ansetzt, weil wir jemanden brauchen, der Erfahrung mit verdeckten Einsätzen bei der Drogenfahndung in Großstädten hat. Weislers Truppe glaubt jetzt an einen Racheakt aus dem Rauschgiftmilieu. Da Sie in Frankfurt lange beim Drogendezernat waren, wird sich keiner wundern, dass Emden übernimmt. Außerdem eilt Ihnen ja ein Ruf voraus.« In dem Moment holte sie noch einen weiteren Beweisbeutel mit einem Schlüsselsatz hervor.
»Ein Ruf?«, fragte Faber nach, weil er nicht ganz genau wusste, was sie meinte.
»Na, dass Sie immer wieder delikate Fälle auf Ihre ganz eigene Weise lösen«, antwortete stattdessen der Kriminalrat und zwinkerte. »In Aurich wird man sich nicht wundern, wenn Sie den Fall Guido Weisler übernehmen.«
Jetzt war es an Faber, leise zu seufzen, denn ob das alles eine wirklich gute Idee war, konnte er beim besten Willen nicht sagen. »Ist am Schlüsselbund der Wohnungsschlüssel?«
»Ja, die Wohnung wurde zwar schon von Schorlaus Team untersucht, aber sein Handy, Computer und was er sonst alles hat, muss man sich noch ansehen«, beantwortete Monika die Frage. »Ich hatte Schorlau angewiesen, alles in der Wohnung zu lassen.«
Faber sah seine Leute an und reichte Tamme den Beutel mit dem Schlüsselbund. »Hier, Tamme, übernimm das zusammen mit Sonja. Laurien, fang du schon mal mit dem Finanzstatus und seinen Onlinetätigkeiten an. Besorg die entsprechenden Gerichtsbeschlüsse, damit ihr Zugang zu den Bankunterlagen bekommt. Und beginn auch mit der Hintergrundrecherche über das Opfer. Da wir keine akute Ermittlung haben, können wir sofort anfangen.«
»Faber, ich habe für Sie auch Unterstützung in die Wege geleitet. Ihr Freund Doktor Philipp Schorlau wird für die Dauer der Ermittlung hier in Emden bleiben. Er wird Sie rund um die Uhr forensisch unterstützen. Er war äußerst angetan, weil er in der Gegend wohl noch einiges zu erledigen hat«, fügte der Kriminalrat an. In dem Moment sah der Hauptkommissar Markus Heuer mit riesigen Augen an. »Soweit ich weiß, ist er bereits auf dem Weg hierher«, fügte der Kriminalrat noch an, und dann entfuhr
