Anmaßung: Eiskalter Kriminalroman vom Eltener Berg
Von H. Peter Duhm
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Über dieses E-Book
Die Mordkommissionen in Kleve und Kiel gehen davon aus, dass es nicht die einzigen Mordopfer bleiben werden.
Ein vor zwei Jahren verstorbener auf St. Pauli bekannter Zuhälter und Bandenführer, steht laut Ermittlern im Zusammenhang mit mindestens fünf bis zehn weiteren Tötungsdelikten.
Das Tatmuster dieser bislang ungelösten Fälle soll Parallelen mit dem der jetzt entdeckten toten Prostituierten aufweisen. Das gaben die Ermittler gestern bekannt. Und auch vier weitere Fälle in Hannover haben ihnen zufolge zumindest einzelne Ähnlichkeiten mit dem derzeitig untersuchten Fällen. Zu dem oder den Serientätern können wir noch nichts bekannt geben. Es handelt sich aller Wahrscheinlichkeit nach um eine Tätergruppe. Gesucht werden Dr. H. H. Trabes, die Staatsanwältin Dr. Krüss. Der oben genannte Mann aus Hamburg, derzeit am Niederrhein lebend, hat sich einer Festnahme entzogen. Er wird steckbrieflich gesucht. Wir fanden vier Frauen lebend in den unterirdischen Verließen am Eltener Berg.
Diese Frauen konnten geborgen werden. Sie befinden sich in medizinischer Behandlung und in Sicherheit.
H. Peter Duhm
H. Peter Duhm schreibt über sein aufregendes Leben und über Verbrechen aus der Nachkriegszeit. In seiner neuen Heimat, Elten, Ortsteil von Emmerich am Rhein schreibt und recherchiert er. Neue, interessante Themen lassen sich überall finden. Man muss sehen und hören können. Auch am Niederrhein, der ihn seit Jahren begeistert. Sport und Arbeit haben ihn lebenslang motiviert, sich nicht unterkriegen zu lassen. 1942 in Hamburg geboren, überlebte er die Vernichtungsangriffe der britischen und amerikanischen Bombenangriffe. Das Trauma dieser Bombennächte blieb. Vielleicht ist er deshalb jahrzehntelang in der Modebranche tätig gewesen, weil er dort seine Kreativität und Reiselust, seinen Drang nach Neuem, insbesondere während der zahlreichen und ausgedehnten Auslandsreisen, die häufig zu asiatischen Bekleidungsherstellern führten, ausleben konnte. Der Hamburger Modemacher und Professor für Fashion-Management gab nie auf Neues zu entdecken. Sein Schreibstil ist kurz und direkt, sein Auftreten überzeugend. In seinen weiteren Büchern vereint er sorgfältige Recherche und Tatsachen mit einem prägnanten Schreibstil. Das zeichnet alle seine Bücher aus. Er selbst bezeichnet diesen neuesten Roman als ein Feature, als eine Reportage.
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Anmaßung - H. Peter Duhm
Der Autor
H. Peter Duhm schreibt über sein aufregendes Leben und über Verbrechen aus der Nachkriegszeit. In seiner neuen Heimat, Elten, Ortsteil von Emmerich am Rhein schreibt und recherchiert er. Neue, interessante Themen lassen sich überall finden. Man muss sehen und hören können. Auch am Niederrhein, der ihn seit Jahren begeistert.
Sport und Arbeit haben ihn lebenslang motiviert, sich nicht unterkriegen zu lassen.
1942 in Hamburg geboren, überlebte er die Vernichtungsangriffe der britischen und amerikanischen Bombenangriffe. Das Trauma dieser Bombennächte blieb. Vielleicht ist er deshalb jahrzehntelang in der Modebranche tätig gewesen, weil er dort seine Kreativität und Reiselust, seinen Drang nach Neuem, insbesondere während der zahlreichen und ausgedehnten Auslandsreisen, die häufig zu asiatischen Bekleidungsherstellern führten, ausleben konnte. Der Hamburger Modemacher und Professor für Fashion-Management gab nie auf Neues zu entdecken.
Sein Schreibstil ist kurz und direkt, sein Auftreten überzeugend. In seinen weiteren Büchern vereint er sorgfältige Recherche und Tatsachen mit einem prägnanten Schreibstil.
Das zeichnet alle seine Bücher aus.
Er selbst bezeichnet diesen neuesten Roman als ein Feature, als eine Reportage.
Elten am Niederrhein im Juli 2020
Inhaltsverzeichnis
Teil 1
Teil 2
Teil 3
Die Jagd beginnt
Protokoll des Attentats im Hamburger Flughafen „Fuhlsbüttel"
Teil 5
Epilog
Teil 1
Endlich war es so weit, er konnte sich seinen lang gehegten Wunsch erfüllen. Schließlich wurde er im Dezember fünfundsechzig Jahre alt. Dieses Haus am Eltener Berg direkt an der Grenze zu den Niederlanden, seiner Meinung nach, eine der besten Adressen am gesamten Niederrhein, schenkte er sich selbst. Seinen Geburtstag, den Hauskauf, seine Freude über den Erwerb galt es zu feiern.
Aufwendig, mit außergewöhnlichem Buffet, erlesenen Getränken, einer Striptease-Liveshow, einer bekannten Rockband und einem Feuerwerk plante er dieses Event. Er würde es ausrichten lassen. Selbstverständlich mit Freunden und Bekannten, mit einiger Prominenz aus Emmerich und Kleve, aus dem nahen Ruhrgebiet und Köln, sowie aus den umliegenden kleineren Orten. Mit der bunten, immer für eine Überraschung guten Halbwelt aus den unterschiedlichen Rotlichtvierteln, mit den Berlinern vom dortigen Kiez, die durch immer jüngere Damen jeden Gast nervös machten. Den Wienern und ihren hellblonden, kurzberockten Madeln, mit den Bordellbesitzern aus Köln, Duisburg und Nimwegen in den Niederlanden. Mit all denjenigen aus der feinen Ruhrpott-Gesellschaft, die meinten, dazugehören zu müssen, wollte er an seinem Jahrestag und zur Hausfertigstellung feiern.
Er wollte sie bei sich versammeln, schockieren und provozieren. Nur vergessen durfte er niemanden, das konnte unerfreuliche Folgen haben. Diese Halbwelt und die feine Gesellschaft verhalfen ihm schließlich zu Wohlstand, wenn auch nicht zu Ansehen. Wie seine Freunde empfahlen, mietete er das Hotel am Markt in Elten. Ungestört, laut und freizügig, eben nach dem Geschmack der bunten Gesellschaft sollte diese Feier ablaufen. Auf der riesigen Terrasse über dem Tal, mit dem Blick über den gesamten Wald würden seine Gäste begeistert alle Konventionen vergessen. Sie würden standesgemäß feiern.
Nicht zuletzt deshalb ließ er diverse bunte Laternen, viele Palmen, Kübelpflanzen und die zu später Stunde beliebten Hollywoodschaukeln aufstellen. Seine Gäste würden die mit den jungen Damen zu nutzen wissen. Neunzehnhundertfünfundachtzig, nach zwölf Monaten Bauzeit strahlten Haus, Praxis und Gartenanlagen perfekt in neuem Glanz. Geld spielte für ihn keine Rolle. Seinen Rotlichtfreunden war er für jede Summe gut. Schließlich behandelte er jede, der für sie arbeitenden Damen zu jeder Tages- und Nachtzeit, klammerte oder nähte alle Wunden, linderte Hämatome, untersuchte und kurierte ansteckende Krankheiten oder setzte das eine oder andere Jungfernhäutchen bei den ganz jungen Teens wieder ein, wenn seine Freunde ihn darum baten.
Und, was sich besonders für ihn auszahlte, seine Verschwiegenheit, sein geschlossener Mund hatte ihm den Ruf des zuverlässigen Frauenarztes und Chirurgen eingebracht. Wie ein Schneeball, der zur Lawine wird, verbreitete sich sein Ansehen weit über Hamburg hinaus.
Endlich war er der riesigen Stadt entkommen. Der Niederrhein, der
Eltener Berg würde seine neue Heimat werden. Da war er sich ganz sicher.
Vorsichtige, nervöse Terminanfragen von Damen der feineren Gesellschaft beantworteten seine Sprechstundenhelferinnen stets diskret, überaus diskret. Ohne Fragen zu stellen. Diese Untersuchungstermine legten sie stets in die Abendstunden oder auf das Wochenende. Die Taxis der Damen warteten oft stundenlang einige Straßen abseits. Oft ließ er sie von einem privaten Fahrdienst chauffieren. Nur er wussten, woher und wohin die edlere Kundschaft kam und gebracht wurde.
Durch diese Besuche baute er sich ein Netzwerk von Namen und Beziehungen auf, von dem niemand wusste, dass irgendwann es für ihn von Nutzen sein konnte. Das war jedenfalls seine feste Überzeugung.
Sein Leben mit einem zweiten, dunklen, immer verborgenen Gesicht, wie er es selbst bezeichnete, begann damals, vor über zwanzig Jahren, als am Fischmarkt statt der Hure, dieser breitschultrige Mann, der seine Sonnenbrille nie abnahm, plötzlich aus der Dunkelheit des alten Kühlhauses, mit dem überstehenden Dach, hervortretend, die rechte Tür seines VW aufriss, in seinen alten nachtblauen Käfer stieg: „Fahr los Mann, geradeaus bis Teufelsbrück."
Die sehr junge Prostituierte, die ihn bereits einige Nächte bedient hatte, wusste sehr genau, dass er donnerstags um diese Zeit vorbeikommen würde, sprang in ihren, über die Knie reichenden Stiefeln, zwei, drei Schritte zurück. Der Mann mit der Sonnenbrille hatte sie brutal an der Schulter zurück gezerrt, ihr noch einen kräftigen Stoß versetzt. Stolpernd verschwand sie in der Dunkelheit. Damals kroch Angst an ihm bis zum Haaransatz hoch, versammelte sich dort als glitzernde Schweißperlen. Seine Gedanken flogen wie Sturmwolken in die hintersten Winkel seines Hirns. Hatte er mit einer der Huren etwas falsch gemacht? Er bezahlte korrekt die geforderten paar Mark für deren Liebesdienst. Er hatte keine Idee warum dieser Mann, den er an seinem brutalen Gesicht als einen der Macher von St. Pauli erkannte, in seinen Wagen gestiegen war. Als sein unfreiwilliger Mitfahrer ihn in der Dunkelheit des Elbhanges halten ließ, ahnte er, dass es eng für ihn werden könnte.
Er drehte sich zu seinem Gast zur Beifahrerseite.
„Schalt das Licht aus und hör nur zu! Klar, halt dein Maul, nichts fragen, nichts antworten, klar? Du studierst doch Medizin. Ab sofort machst du, was ich sage, klar? Meine Kollegen und ich wissen alles von dir, Mann. Von den Trümmern, da wo du verschüttet warst. Den blöden Tick in deinem Kopp, er lachte durch die Zähne gepresst: „Das mit der Luft, nach der du nachts wie ein halbtoter, stinkender Fisch schnappst. Mann bist du fertig.
Jetzt lachte er laut auf: „Das große Judenhaus am Weiher in Eimsbüttel kenn ich in und auswendig. Ab jetzt nutzt du das Behandlungszimmer deines Nazi-Opas."
Er drehte sich zur Fahrerseite, schob seine Sonnenbrille hoch, griff zum Lichtschalter über dem Innenspiegel: „Für unsere Frauen. Klar, Kohle genug liegt nächsten Dienstag in deinem Briefkasten. Heute schreibst du auf, was du an Sachen zur Behandlung von Nutten brauchst. Wieder entstand eine winzige Pause, weil sich sein Fahrgast eine Zigarette aus der Jackentasche fummelte, anzündete und Heinrich-Hermann Trabes den Rauch des ersten tiefen Zuges direkt ins Gesicht blies: „Und du spezialisierst dich auf Weibermedizin. Klar?
Wieder nahm er einen tiefen Lungenzug, blies den Rauch zur Fahrerseite. H. H. Trabes musste husten, beugte sich zum Seitenfenster, fasste zur Drehkurbel als sein Fahrgast ihn heftig an der Schulter herumriss. „Lass das Fenster zu, Mann! Bei mir hört niemand zu, kapiert? Eins kann ich dir sagen, drohend leise kam er ganz dicht an den jungen Mann heran. Der spürte den rauchigen Atem in seinem Gesicht: „Gehst du zur Polizei oder bist unvorsichtig, sabbelst zu viel, landest du wieder irgendwo als Verschütteter und schnappst wie damals als Fisch an Land nach Luft, bis du erstickt bist. Fahr zurück, du hörst von uns.
Im nächtlichen Schatten des Kühlhauses am Hamburger Fischmarkt riss der unheimliche Fahrgast die Beifahrertür auf, zog die Handbremse des alten VW so schnell an, dass der alte Wagen stotternd stehen blieb. Der Motor blubberte noch einmal, dann herrschte völlige Stille, nur aus dem Hafen drangen leise Schiffsgeräusche wie Nebelhörner herüber.
Er stand wieder im pechschwarzen Schatten des Altonaer Kühlhauses. Genau dort, wo sie diese unheimliche Fahrt begonnen hatten. Er presste sich damals tief in den durchgesessenen Sitz seines alten Wagens, versuchte mit zittrigen Fingern den Motor zu starten. Erst beim dritten Mal gelang es ihm.
„Bloß weg von hier, schoss es ihm durch den Kopf: „Woher weiß der was von mir?
Kurz vor dem alten Elbtunnel ließ er den Wagen ausrollen, reihte sich rechts vor der Kaimauer zur Elbseite hin in die parkenden Autos ein, sackte in sich zusammen. Schwer und tief die kalte, leicht fischige Hafenluft in sich hineinsaugend, kurbelte er das Fenster bis zum Anschlag herunter.
Erst jetzt wurde ihm bewusst, wer sein Mitfahrer gewesen war. In den Zeitungen wurde im Zusammenhang mit St. Pauli, der Reeperbahn und der sich mehr und mehr ausufernden Prostitution von „Der Araber" geschrieben. Er fragte sich, woher kannte dieser Mann, dieser Zuhälter, Einzelheiten aus seinem Leben, die Zusammenhänge zwischen seinem Großvater, den er Nazi-Opa genannt hatte, dem großen Wohnhaus mit den beiden Arztpraxen, das bis 1938 den sehr angesehenen jüdischen Ärzten Dror Adler und Isaak Morgentau gehört hatte? Sein Großvater und sein Vater arbeiteten vor 1933 im benachbarten Krankenhaus als Chirurg und Internist. Als sich die Gelegenheit damals bot, das Haus zu kaufen, weil die jüdischen Ärzte die Ausreisegenehmigung nach Amerika bekommen hatten, ließen Opa Willi und Vater Kurt ihre Verbindungen zur NS-Partei spielen, kauften das Haus, angeblich zu einem fairen Preis, übernahmen dort die voll eingerichteten Arztpraxen ganz offiziell und legal.
Schweißnass drückte er sich in den verschlissenen Autositz. Wie ein Film begann sich sein bisheriges Leben abzuspulen. In der Windschutzscheibe spiegelten sich, im fahlen Licht des nächtlichen Hafens, seine Kindheit und Jugend schemenhaft ab. Das Scheinwerferlicht vereinzelt vorbeifahrender Autos verursachte Blitze in seinem Kopf. Immer wieder zuckte er zusammen, versank tiefer und tiefer in seinem Sitz. Die langen Beine hinderten ihn daran, ganz in den schmalen dreckigen Fußraum zu kriechen.
Das war damals gewesen, damals als er in Hamburg wohnte und
Studierte. Auch den Krieg, die Nachkriegsjahre hatte er in der Hansestadt verbracht. Dort konnte er sich als Frauenarzt einen sehr guten Namen machen. Die Zeit war endgültig vorbei. Ganz bewusst hatte er sich an den Niederrhein, an die grenze zu den Niederlanden zurückgezogen. Er saß auf seiner neuen Terrasse in einem seiner bequemen Gartensessel, blickte ins Tal und versank wieder in Gedanken an die Vergangenheit. Nie war er aus diesen Traumata herausgekommen. Nie. Seine Kindheit holte ihn immer wieder ein. Das damalige Leben in seiner sehr angesehenen Familie. Das Leben mit seinen Großeltern. Das Streben der Eltern und Gro0eltern nach Höherem. Deren Streben nach Reinheit, nach neuen Idealen, die er damals nie verstanden hatte. Diese Erinnerungen quälten ihn. Sie waren allgegenwärtig.
Auch deshalb hatte er Hamburg verlassen. Ein radikaler Neubeginn würde ihn befreien. Meinte er. Davon war er überzeugt.
Das neue Privathaus, die neuen angeschlossenen Labore in den Katakomben des Berges. Und, nicht zu vergessen, die neue Praxis in Emmerich. Auf dem ehemaligen Kasernengelände entstand ein Ärztezentrum. Selbstverständlich bezog er dort große Praxisräume. Er war ein sehr bekannter Frauenarzt. Selbst am Niederrhein kannte man seinen Namen oder hatte sich über ihn erkundigt. Dr. H.H. Trabes galt im Ruhrgebiet, im Rheinland, selbst am Niederrhein als Kapazität auf seinem Gebiet.
„Knipst du noch einmal das Licht an, fällt die Feier für dich aus. Ich sage Opa Bescheid, es reicht jetzt. Es ist erst sechs Uhr"
Wütend drehte sich seine Mutter in ihrem Bett auf die andere Seite, zog die Bettdecke über ihre Ohren. Sie versuchte wieder einzuschlafen. Der zehnjährige Heinrich-Hermann Trabes drehte sich erschrocken zur anderen Seite in dem großen Bett, tat schlafend, wagte kaum, zu atmen. Gestern hatte Opa sie vom Zug abgeholt. In seiner schwarzen Uniform, der Mütze mit den Totenköpfen am Rand und die vielen Abzeichen wollte er später auch haben. Dafür würde er sich anstrengen, gut beim Jungvolk aufpassen und alles mitmachen, was die größeren Jungen von ihm verlangen würden. Ganz tief in seinen Träumen und Vorstellungen fühlte er sich zu Opa Trabes hingezogen.
Noch vor wenigen Minuten, bevor er das Licht immer wieder anknipste. Es musste doch bald Morgen sein. Die Zeit verging ihm viel zu langsam. Wenn seine Mutter endlich aufstehen würde. Wieder spielte er mit dem Schalter an der Nachttischlampe. Eine Stunde später standen beide vor dem Haus der Großeltern. Stolz nahm er die linke Hand seines Opas, der an der Gartenpforte auf Schwiegertochter und Enkel gewartet hatte, drückte sich an dessen Seite, sah immer wieder zu ihm auf, bis er vor Freude anfing zu hüpfen. Seine Oma stand in der weißen Haustür, breitete die Arme aus, als ihr Enkel die Stufen vom frisch geharkten Kiesweg zur Villa hinaufstürmte.
„Oma, Oma, schrie er: „Wir sind in Berlin.
Sie wäre beinahe seitlich in die so wunderbar leuchtend gelb blühenden Teerosen gestürzt als er in ihre Arme sprang: „Junge, bist du groß geworden und schwer, willst wohl so wie dein Opa werden."
Sie drehte sich mit ihrem Enkel im Arm einmal um die eigene Achse, setzte ihn auf den Treppenabsatz sanft zurück. Mit strahlendem Lächeln nahm sie ihre Schwiegertochter in die Arme: „Mein Mädchen, wie gut, euch wiederzusehen. Wie war die Fahrt, alles gut gegangen? Kommt erst mal rein. Kaffee und Schrippen warten schon auf euch. Die Großeltern freuten sich riesig, ihren Enkel und Elfi, die Frau ihres Sohnes, wieder zu sehen. In diesen Zeiten, immerhin, am 18. April 1943, war es nicht einfach, Reisegenehmigungen und Besuchserlaubnisse zu bekommen. Opa Trabes regelte das so wie immer, schließlich bekleidete er den Rang eines Generalobersten der Waffen-SS, als SS-Arzt. Morgen, wie jedes Jahr am 19. April, einen Tag vor Hitlers Geburtstag, sollte sein Enkel feierlich in das Jungvolk der Hitlerjugend aufgenommen werden. Monatelang las der Junge alles, was er darüber in die Finger bekam, befragte Lehrer und seinen Vater, wenn der nach Hause kam. Selten genug, weil der ja in Polen für Deutschland als Militärarzt arbeitete. Traurig schmiegte er sich beim Gedanken an seinen tollen Vater an seine Oma: „Was Papa wohl macht? Schade, dass er nicht kommen kann.
„Ja, Junge, das ist schade. Aber Opa geht mit dir. Mama und ich warten auf euch hier, das, was ihr vorhabt, ist Männersache", und die fünfzigjährige, sehr modern und aufwendig gekleidete Großmutter nahm ihren Enkel an die Hand. Ihr Alter sah man ihr nicht an:
„Wenn du mit Opa zurückkommst, dann schiebst du diese Tür zur guten Stube auf."
„Was ist da denn? Fragend sah er erst seine Oma, dann Opa, schließlich seine Mutter an. „Was hat Oma gesagt?
Streng aber mit einem Grinsen auf den Lippen zog sein Großvater ihn sanft am Ohr zu sich: „Wenn wir zurück sind, dann schiebst du die Tür auf. Hast du verstanden? Mit einer schnellen Handbewegung machte der Junge sich von der Hand an seinem Ohr los, lief zu seiner Mutter, setzte sich auf deren Schoß, drückte sie fest an sich. „Kannst du nicht mitgehen?
fragend blickte er seiner Mutter in die Augen.
„Nee, Junge, das ist doch Männersache. Ich bin stolz auf dich, ab Morgen bist du richtig groß. Frag Opa." Er sah zu seinem Großvater hinüber ohne etwas zu sagen. Zum ersten Mal in seinem Leben empfand er seinen Großvater als düsteren, bedrohlichen Mann in beeindruckender schwarzer Uniform. Das harte Gesicht, die eisblauen Augen erschreckten ihn. Er musste sich bewegen. Lachend sprang er vom Schoß der Mutter, lief hinaus auf die große Terrasse, sprang hinunter in den als Park angelegten Garten und verschwand hinter den Büschen.
„Nicht ans Wasser!", seine Mutter schrie ihrem Neunjährigen hinterher.
„Lass ihn man laufen, ihr Schwiegervater sah sie lächelnd an. „Erwin und Karl sind im Garten, die wissen Bescheid. Die passen auf.
„Wie viel Personal habt ihr eigentlich?" Fragend blickte sie zur Schwiegermutter:
„Ach, heute diese beiden im Garten und Ella vom Land, sie macht Klarschiff im Haus. Und was ist mit den Praxen in Hamburg?, fragend wandte sich Trabes Senior an die junge Frau: „Jetzt, wo dein Mann ständig in Polen ist. Wie klappt die Zusammenarbeit mit dem Krankenhaus von nebenan?
Ulla Trabes wandte sich zu ihrem Schwiegervater hin, der wie sie durch das große Fenster in den Garten blickte: „Ach, weißt du, früher war es ruhiger bei uns im Haus. In unserer Wohnung kriege ich nicht sehr viel mit", sie stand vom beige bezogenen Sofa auf, ging um den niedrigen, weißen Marmortisch herum, schob unbewusst den engen Rock über ihre Knie. Nach wenigen Schritten stand sie neben ihrem Schwiegervater:
„Man merkt den Krieg, sie haben zwei Operationsausstattungen in die beiden Praxen gebracht. Es kommen doch mehr Leute ins Haus als ich gedacht hatte."
„Stört dich und den Jungen das?"
„Nee, Vater, das ist schon gut so. Wir haben die Räume, die andere dringend brauchen. Lass man alles so. Ich bin ganz froh, dass Leben im Haus ist."
„Was hörst du von deinem Mann, ist alles gut?"
Auf diese Frage hatte sie lange gewartet, sie war auf der Hut. Von der Tätigkeit ihres Mannes in Polen durfte sie nichts wissen, nichts. Sie wusste auch nichts, nur düstere Ahnungen und Andeutungen drangen von Zeit zu Zeit bis zu ihr in die obere Etage im weißen Haus, mit der reich verzierten Stuckfassade, am Weiher in Hamburg Eimsbüttel durch.
„Er ist in Krakau, versorgt als Arzt Arbeiter in den Industrien und beschäftigt sich mit der Geschichte der Stadt."
Sie winkte ihrem Sohn zu, der hoch auf der Schulter des einen Gärtners saß und den Mann antrieb, schneller zum Haus zu traben.
„Das hat er jedenfalls bei seinem letzten Urlaub erzählt. Sie sah ihren Schwiegervater von der Seite an: „Weißt du, ich bin dir dankbar, dass er nicht an die Front musste. Das hast du prima hingekriegt.
„Ich, wieso ich? Grinsend drehte er sich in die andere Richtung, weil er seine Frau aus der Küche kommen hörte. Es duftete plötzlich wunderbar nach Bratkartoffeln mit Thymian. „Mensch habe ich Hunger, ruf den Jungen rein, Hände waschen. Morgen habt ihr einen langen Tag. Keine Widerworte. Jetzt wird gegessen.
Oma Trabes bestimmte immer und überall, wann es Essen gab: „Und übrigens, ab heute schlaft ihr hier. Mein Mann, Opa, hat alles geregelt."
Dr. Trabes erinnerte sich an den unerwarteten Beginn seiner seltsamen Karriere. Sein Leben verlief nicht wie von ihm und seiner Familie geplant. Die Nazis hatten alles verlören. Familie Trabes ebenfalls. Den krieg genauso wie alle persönlichen Vermögen. Sie waren nichts mehr. Von diesem Tag am nächtlichen Hamburger Fischmarkt an, änderte sich das Leben des Medizinstudenten Heinrich-Hermann Trabes grundlegend. Seine Geldsorgen lösten sich ebenso auf, wie seine Einstellung zu Menschlichkeit, Moral und Ethik.
In wenigen Jahren verschob sich sein Charakter ins Irreale. Im Umgang mit Freunden, Bekannten, ja selbst mit Studienkollegen. Besonders sein bisher liebenswerte, zuvorkommend distanzierte Verhältnis zu Frauen verschob sich ins Gegenteil. Gefährlich schleichend, für ihn selbst unbemerkt, verschwamm sein Denken hin zu einer totalen Ablehnung, später zu Hass auf alles Weibliche. Nur zeigen konnte er seine Neigungen nie. Der Frust fraß sich tiefer und tiefer in seine Seele.
Egoismus steuerte seine Handlungen, eine ihm bisher unbekannte Kälte bemächtigte sich seiner Gefühlswelt. Narzisstisch suchte er in jeder seiner Handlungen ausschließlich den Vorteil für sich selbst. Seine Professoren und Dozenten sahen in ihm den übereifrigen, ehrgeizigen Musterstudenten, der weit mehr Veranlagung für den Beruf des Mediziners hatte als andere Studenten. Sie förderten ihn. Besonders später, bei der Entscheidung für eine Fachrichtung, als er sich für die Gynäkologie entschied, zeigte er mehr Engagement und Kompetenz als alle anderen Studenten seines Jahrgangs zusammen. Wie ein Professor einmal anmerkte.
Niemand in seinem Umfeld bemerkte die Gier nach Geld und Anerkennung in seinen Augen. Dieser unbezwingbare Trieb nach mehr, immer mehr Macht drängte ihn in ein Leben als gierigen Emporkömmling, dem menschliche Empfindungen immer fremder wurden. Eugenik, Vererbungslehre, die Anwendung theoretischer Konzepte auf die Bevölkerungs- und Gesundheitspolitik mit dem Ziel, den Anteil positiv bewerteter Erbanlagen zu vergrößern und den der negativ bewerteter Erbanlage zu verringern, wollte er in die Praxis umsetzen.
So gut wie nie besuchten ihn Freunde oder gar einzelne Freundinnen. Außergewöhnliches fiel den Nachbarn nie auf. Er lebte wie ein junger Mann eben lebt, nur dass er keine Partys gab, keine Familienfeiern abhielt, weil er keine Familie mehr hatte. Er galt als freundlicher, zurückhaltender Hausbesitzer, der viel für seine Mieter tat, der immer ein offenes Ohr für deren Belange hatte. Wieder und wieder betonte er, dass er Ruhe in seinem Haus wolle. Was sich hinter seinen Türen abspielte ging niemanden etwas an, so wie er sich nicht für das Leben der Mieter interessierte.
Wie von ihm erwartet verlief das Studium reibungslos, er bekam Anerkennungen von dem einen oder anderen Professor, wurde stillschweigend bevorzugt und durfte so manche kleine Operation bei Frauen beinahe selbstständig ausführen, viel früher als Studienkollegen. Seine unglaublich ruhigen, sicheren Hände galten als Gottesgabe. Die Fähigkeit richtige Diagnosen zu stellen, richtige Entscheidungen für eine schonende Behandlung der Patientinnen zu treffen, brachten ihm Bewunderung ein. In medizinischen Fachkreisen an der Uni galt er als Ausnahmestudent.
Nur manchmal, wenn er mit einem Bleistift ohne Pause auf seinen Schreibtisch oder an ein Bettgestell klopfte und begann, nach Luft zu schnappen, sprachen ihn die Kollegen oder Krankenschwestern an. Mit einem leichten Zittern seines ganzen Körpers schüttelte er jeden dieser Anfälle von sich ab. So als erwache er, so als käme er aus einer tiefen Trance zurück. Dass er seine vermeintliche Begabung verbotenerweise, heimlich an Prostituierten erlernte, ja praktizierte, ahnte niemand.
Auch, dass die eine oder andere Frau nie mehr richtig gesundwurde oder spurlos verschwand, blieb ein Geheimnis. Nur einmal, als er wieder vom Fischmarkt mit nach Teufelsbrück fahren musste, tat ihm die Frau auf dem Rücksitz leid. Er hatte Spritzen mitgenommen, um sie ruhig zu stellen. Sie verschwand für immer hinter einer dicken, luftdichten Kellertür im Elbhang. Kaum jemand in Hamburg kannte oder erinnerte sich an diese im Krieg gebauten Gänge und Räume unter den Villen an der Elbchaussee.
Das war Jahre her, die damalige Zeit hatte er verdrängt, seine Kunden, seine Patienten waren die gleichen geblieben. Er fühlte sich ungeheuer frei endlich sein Ziel erreicht zu haben. Das Haus am Eltener Berg, in der vornehmsten Gegend von Emmerich am Rhein, gehörte ihm. Der Alteigentümer, die Baubehörde und seine Hausbank hatten dem sorgfältig geplanten Projekt zugestimmt.
Die Pläne für den Umbau hatte er selbst entworfen, natürlich. Schließlich wusste nur er, was er wirklich wollte. Sein Freund und Architekt Werner von Stätten setzte lediglich die gesetzlichen Vorschriften um, ließ die Statik errechnen und hatte seinerzeit alle Pläne für dieses Privathaus mit Labor und Praxis, mit einem voll ausgestatteten Operationssaal, Schwesternzimmern und Zimmern für Belegbetten von Kollegen den Behörden eingereicht. So en Gesundheitszentrum für Frauen gab es in NRW nicht.
Das Projekt fand in Kreis Kleve so großes Interesse, dass sogar die Presse darüber berichtete. Er war sicher, dass niemand auch nur die leiseste Ahnung hatte, warum er dieses Grundstück, die Villa darauf und die Nebengebäude unbedingt kaufen wollte. Durch einen Zufall, bei seinen Recherchen zu seiner Doktorarbeit über medizinische Versuche der Nazi-Ärzte in Deutschland, stieß er Ende der fünfziger Jahre auf geheime Pläne der NS-Reichsärztekammer und Himmlers SS.
Hier unter seinem zukünftigen Grundstück am Eltener Berg bauten sie damals ein geheimes unterirdisches Lazarett für Offiziere der Waffen SS, in der sein Großvater einen sehr hohen Posten bekleidet hatte. Völlig unabhängig vom Militärhospital in Berlin und Hamburg. Niemand wusste etwas davon. Die Bauarbeiter verschwanden unauffällig zurück in den bei KZs.
Er fragte sich, warum gerade dieser Platz dafür ausgewählt worden war. Eines Tages, als er wieder einmal von einer Wanderung an den Rhein an den Fischerhäusern in Tollkamer zum Eltener Berg hinaufblickte, fasste er sich an die Stirn:
„Klar Mann, murmelte er zu sich selbst: „klar der Rhein. Der Fluss war der Schlüssel zu der Lage dieses Bauplatzes. Auf dem Fluss konnte jeder der Nazis und die Offiziere mit einem schnellen Boot aus Deutschland fliehen. Die Niederlande waren nur wenige Kilometer entfernt.
Er lachte, schlug sich mit der rechten Faust in die linke Hand. Das war es, daher diese Geheimhaltung. Der unterirdische Teil wurde damals mit einer dicken Betonplatte verschlossen auf der man noch schnell einen schicken Pavillon errichtete. Ferner gab es von der einen, hangabwärts gerichteten Seite ein großes Tor zu dem nur der Hausbesitzer Zugang hatte. Ein Keller und die Einfahrt zu einer Garage.
Nach Kriegsende erinnerten, ahnten oder suchten weder die Stadt Emmerich noch die Niederländer nach versteckten Kellern oder Katakomben. Der neue Besitzer, Herr van Oye ließ diese Räume unbenutzt. Ließ sie mehr und mehr sich selbst überlassen. Lediglich die eigentliche Grage wurde seinerzeit,1963, als Zwischenlager für Schmuggelwaren aus den Niederlanden genutzt. Bei der Rückführung des Eltener Berges an die Bundesrepublik Deutschland wunderte man sich lediglich woher die vielen billigen Waren kamen. Über vierzig LKWS warteten auf Mitternacht, um dann unverzollte Waren, wie Butter und Kaffee, Tee und Alkohol an deutsche Händler günstig verkaufen zu können.
Auch die später neu gegründete Bundeswehr erinnerte sich nicht an diese Verstecke. Die unterirdische Anlage wurde
