Vom Leid zum Glück: Mein Leben als Kostkind
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Vom Leid zum Glück - Letizia Hauser Pfattner
Zurück in die Kindheit
Montag, 19. Mai 2003
Aufgeschreckt vom Klingeln meines Handys erwache ich aus meinen Träumen. Wer mag mich um diese Zeit anrufen? Es ist sechs Uhr morgens. Mein Bruder Enzo in Wien? Meine Freundin Margit in Innsbruck? Anna in München? Anna ist die Witwe meines kürzlich verstorbenen Cousins Hans. Oder kommt der Anruf von einem meiner Kinder? Doris, Rudolph, Ruth, Hella, Klaus? Sie alle sind bereits erwachsen und berufstätig.
Ich hebe ab. Es ist Hella, meine jüngste Tochter. Sie ist Buslenkerin in Lana in Südtirol. Am Montag, dem 19. Mai, sagt sie, bekommt sie einen freien Tag. Sie möchte mich auf jenen Bauernhof begleiten, auf dem ich vor etwa sechzig Jahren meine Kindheit verbracht habe. So viel Zeit ist inzwischen vergangen.
Nie mehr habe ich seitdem den schönen, alten Hof besucht, den ich in den späten Kriegsjahren verlassen musste. Vieles weiß ich noch von meinem Leben als Kleinkind, als wäre es erst gestern gewesen. Aber an den Namen des Hofes, an die Namen meiner damaligen Zieheltern auf dem Hof in Passeier kann ich mich nicht mehr erinnern. Dass meine jüngste Tochter mich in die Kindheitserinnerungen begleiten will, freut mich sehr.
Doch je näher der Montag kommt, desto unsicherer fühle ich mich. Zweifel steigen in mir hoch, ob es wohl richtig ist, die Familie nach so langer Zeit zu besuchen. Ob die Zieheltern überhaupt noch am Leben sind?
Als es dann so weit ist, ist das Wetter schön. Schon in der Früh scheint die Sonne an diesem 19. Mai 2003 über Olang und über das ganze Pustertal.
Hungrig
Schon zeitig am Morgen bringt mich Sebastian, mein Lebensgefährte, nach Brixen. Doris, meine Älteste, erwartet uns bereits in ihrer Wohnung. Sie wird uns begleiten. Roland, ihr Mann, hat nicht frei bekommen an diesem Werktag, er arbeitet wie Doris in Brixen.
Sebastian fährt mit seinem Auto weiter, von Brixen über Bozen nach Lana. Hella ist sehr überrascht, dass sie uns so zeitig in der Früh schon begrüßen kann. Wir sehen uns sehr selten, telefonieren aber umso häufiger und haben die Fahrt ins Passeiertal schon oft besprochen.
Nach einer kleinen Stärkung und Rast sitzen Hella, Doris, Sebastian und ich schweigend im Auto nach Saltaus. Alle sind in Gedanken versunken darüber, was uns bevorstehen mag im Tal und auf dem Bauernhof.
Über Meran durch Riffian nach Saltaus. Eine wunderschöne Gegend, die sauber gepflegten Wiesen und Felder, die schmucken Häuser im Tal und hoch auf den steilen Hängen die Bauernhöfe. Wie Schwalbennester kleben die alten und neuen Höfe oben und trotzen jedem Gewitter auf dem Berg. Leicht lässt es sich erahnen, wie fleißig und sparsam die Menschen seit Generationen dort leben.
Am Straßenrand blühen Blumen, überall stehen Alleen von Obstbäumen. Und immer wieder muss ich an den Bauernhof denken. Wie er wohl nun heißen mag und ob wir ihn finden werden?
Einen Anhaltspunkt habe ich: den Weiler Schweinsteg bei Saltaus. Ich weiß noch, dass der Schweinsteg gerade gegenüber der Talseite war, auf der der Hof stand. Ungefähr fünfzehn Meter vor der Passerbrücke nach Schweinsteg muss ein ausgetretener Fußsteig sein, der zum Hof führt, mein Schulweg ins Tal – er ist mir in guter Erinnerung geblieben.
Gar oft bin ich auf diesem Schulsteig gegangen. Mit meinen kindlichen Sorgen, Freuden und Ängsten. Immer allein durch den Wald, bei gutem und auch bei schlechtem Wetter, meist mit leerem Magen und hungrig.
Zu spät
Der Schulweg nach Saltaus, den ich so oft gegangen bin. In die Volksschule. Es war während des Zweiten Weltkriegs, einer unruhigen Zeit.
Aber heute finde ich nirgends mehr diesen schmalen Steig neben der Brücke. Die Brücke steht noch, aber wo früher der Steig war, ist heute eine sauber angelegte Böschung mit einer Mauer. Die Menschen haben den Hang mit Sträuchern und Bäumen bepflanzt.
Nach kurzer Rast fährt Hella mit uns weiter ins Tal hinein, um kurz vor St. Martin links abzubiegen. Von dort führt ein alter Weg in die Höhe, genau in jene Richtung, wo ich meinen damaligen Pflegeplatz vermute.
Bevor es steiler bergauf geht, halten wir erneut an und Hella erkundigt sich bei einem neben dem Weg stehenden Bauernhof nach der Straße. Der Besitzer des Hofes, ein sehr freundlicher Herr, gibt uns bereitwillig Auskunft und zeigt in die Richtung, in der der Hof stehen soll. Wir erfahren auch den Namen des Hofs – und jenen meiner damaligen Zieheltern. Der Bauer und die Bäuerin, die dort oben wohnten, mich aufgezogen und versorgt haben, ruhen aber schon lange auf dem Acker der geweihten Erde.
Trauer überfällt mich, denn nach so langer Zeit muss ich erfahren, dass die alten Leute verstorben sind. Sofort steigen Schuldgefühle in mir hoch. Warum bin ich nicht früher einmal auf einen Besuch hergekommen? Ich habe ja zwei Jahre in Algund gelebt, und überhaupt war ich immer wieder in dieser Gegend. Es wäre wirklich keine Weltreise gewesen hierherzufahren, um diese zwei Menschen zu besuchen und mit ihnen zu sprechen. Nun ist es zu spät.
Der Schutzengel
Mithilfe der Auskunft des Bauers fährt meine Tochter mit uns über einen alten, holprigen Pferdefuhrweg den Hang hinauf. Es geht über Wasserabläufe und Steine immer höher. Durch kleine Täler und über bewachsene Wiesen, über furchterregende steile Abhänge – gerade unter uns sehen wir die Passeirer Straße – hinauf zu einer Wiese, die mir gut im Gedächtnis geblieben ist. Ein Vorfall von damals kommt mir – wie ein Film von gestern – wieder vor die Augen.
Es war an einem schwülen Sommertag. Auf derselben Wiese befanden sich die Bauersleute des Hofes mit ihren Gehilfen bei der Heuarbeit. Das Heu wurde auf ein Fuder geladen. Doch plötzlich brach ein heftiges Gewitter mit Blitz und Donner los. Dem Bauern war nicht mehr möglich, das Heu in den Stadel zu bringen. So blieb es dort. Und die Arbeiter suchten irgendwo Schutz vor dem Regen.
Ich hatte mich unter dem Heuwagen versteckt. Ich muss sofort eingeschlafen sein. Auf einmal hörte ich Kettenklirren und Stimmen, auch das Schnauben eines Tieres vernahm ich. Ich bekam Angst und kroch schnell aus meinem Versteck hervor. Wie staunten die Umstehenden, als sie mich erblickten. Einige standen neben mir mit Schrecken im Gesicht, andere sagten mir, man habe lange nach mir gesucht. Während sie so sprachen, zog die Kuh den Heuwagen an und brachte ihn in den Stadel. Ich hatte großes Glück, denn keine Minute später wäre ich von den Rädern überrollt worden. Ich verstand damals die Aufregung der Leute nicht.
Das ist meine früheste Erinnerung an meine Kindheit. Es war das Jahr 1942 auf dem Hof in Saltaus in Passeier.
Meines Lebens Anfang
Mein Name ist Letizia Maria Katharina Hauser. Ich wurde am 11. November 1938 in Bozen geboren. Nach einigen Tagen brachte mich mein Großvater nach Lana in Südtirol. Dort lebte auch seine Frau, meine Großmutter. Die Großeltern versorgten mich in diesen Kriegsjahren so gut wie nur möglich.
Es war für die Großeltern nicht leicht, ein kleines Baby zu betreuen. Großvater war Uhrmacher und seine Frau war damals schon kränklich. Die Schwestern und Brüder meines Großvaters, ich nannte sie Tanten und Onkel, konnten oder wollten mit mir nichts zu tun haben, da ich unerwünscht war und noch dazu von einem Italiener. Den Namen meines Vaters erfuhr ich erst viel später, mit vierundfünfzig Jahren. Er hieß Luigi. Mit meiner leiblichen Mutter hatten meine Onkel und Tanten auch sehr wenig Kontakt. Ich hatte sozusagen Schande über die Familie Hauser gebracht.
Wie ich erst viel später erfuhr, hatte meine leibliche Mutter mehr mit der Polizei zusammengearbeitet als mit den Verwandten. Sie lebte damals in der Stadt mit den sieben Hügeln, in Rom. Bei einer Offiziersfamilie diente sie als Hausangestellte.
Meine leibliche Mutter, Maria Hauser, geboren in Klausen 1920, war kaum volljährig, als sie mit mir schwanger wurde. Mein Vater wurde in Martignana di Po bei Casalmaggiore geboren. Auch er war Uniformträger und lebte in Rom. Kurz bevor ich zur Welt kam, holte mein Großvater seine Tochter nach Lana zurück. Großvater wollte nicht, dass sein Enkelkind unten in Italien auf die Welt kam. Leider war mein Großvater ein Deutscher durch und durch. Er hasste die Italiener zwar nicht, aber er mochte sie auch nicht. Deshalb bestand er darauf, dass seine Tochter ihr Kind in Bozen gebären sollte.
Ungehobelte Gestalten
Meine Tochter Hella fährt mit uns weiter bis zu dem Hof. Früher war dort ein schmaler Weg gesäumt von Eschenbäumen. Er führte direkt zum gesuchten Hof. Dieser Weg ist heute ausgebaut, sodass auch Autos darauf fahren können. In der Nähe des Hauses stand früher eine kleine Kapelle.
Ich denke an eine kleine Bank, die an der Kapelle angebracht war. Es war der Platz, wo ich meine ersten Lieder hörte. Eine gute Nachbarin bemühte sich, sie mir beizubringen. Sie sang mir vor: „Hänschen klein …, „Wo’s Dörflein traut zu Ende geht …
und auch: „Es wohnt ein Pfalzgraf überm Rhein …". Als Schulkind musste ich immer weinen, wenn ich den Text über das Schicksal des dritten Töchterchens vom Pfalzgrafen hörte. So sehr erbarmte es mir.
Hinter der kleinen Kapelle stand damals eine alte Mühle. Die Unwetter hatten zweimal Teile davon fortgetragen, und der Bauer setzte sie wieder instand, denn er musste ja mahlen. Gut erinnere ich mich noch an das große Wasserrad, alles war aus Holz.
Ich war noch so klein und konnte den Zieheltern bei der Arbeit nicht helfen. So stand ich oft
