Journalisten sind auch nur Menschen: Oder: Hilla, der Papierkorb brennt. Geschichten und Erkenntnisse aus einem langen Medien-Leben
Von Gerhard Specht
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Über dieses E-Book
Es geht um einen spektakulären Kriminalfall, um wundersame Provinzpolitiker, um Liebe, die über Ätherwellen getragen wurde, und um den welt-bewegenden Mauerfall, den ein Bürokraten-Team auf Druck der Straße ausgelöst hat. Es geht um Ansichten und Einsichten zu einem erfüllenden Beruf, der etwas ins Gerede gekommen ist. Gerhard Specht steht stellvertretend für über 50 Jahre des bundesrepublikanischen Journalismus.
Gerhard Specht
Gerhard Specht war von der ersten bis zur letzten Sendeminute bei RIAS-TV als Chef vom Dienst und Abteilungsleiter im Einsatz. Konzeption, Planung und Abwicklung des Frühstückfernsehens und des Nachrichten-Journals am Nachmittag gehörten zu seinen Kernaufgaben. Nach der Übernahme des Senders durch die Deutsche Welle wurde er Programmbereichsleiter und stellvertretender Chefredakteur beim deutschen Auslandsfernsehen DW-TV in Berlin. Insgesamt war er fast ein halbes Jahrhundert bei unterschiedlichen Medien engagiert. Er arbeitete als Chefreporter und Lokalchef u.a. bei der Tageszeitung „Die Rheinpfalz“ aus Ludwigshafen und als Gründungs-Chef vom Dienst beim Privatsender „RPR“ (Rheinland-Pfälzischer-Rundfunk). Nach seiner aktiven Zeit als Journalist übernahm er einen Lehrauftrag für „Angewandte Medienwirtschaft“ an der Medienakademie in Berlin und auf Rügen. Er ist verheiratet, hat drei Kinder und lebt als freier Autor in Berlin.
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Buchvorschau
Journalisten sind auch nur Menschen - Gerhard Specht
Für Anca, Jens und Peter,
Amelie, Max und Frederik,
Anne, Sabine und Simone
Impressum
Bibliografische Informationen der Deutschen Nationalbibliothek
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über
http://dnb.d-nb.de abrufbar.
ISBN: 978-3-95894-207-3 (Print) // 978-3-95894-208-0 (E-Book)
Lektorat: Dr. Ute Schulz
Titelfoto. ACS
© Copyright: Omnino Verlag, Berlin / 2021
Alle Rechte, auch die des Nachdrucks von Auszügen, der fotomechanischen und digitalen Wiedergabe und der Übersetzung, vorbehalten.
E-Book-Herstellung: Open Publishing GmbH
INHALT
Wie das war mit dem Papierkorb
Was ich vorab noch sagen muss
Trotzdem: Oller Mann
Kapitel I
MANNHEIM: Journalismus im Quadrat
Der „Dicke aus Berlin – Ein Landei lernt essen – Es begann mit einem „Äh
– Geschafft: Ich bin Volontär – Entführt, misshandelt, ausgesetzt – Vor Redaktionsschluss – Wettlauf gegen die Zeit – Blutspur durch die Republik – Ludy gesteht sofort – Wie in Blei gegossen – Eine richtig teure Kritik – Ich rieche nichts – Ausflug ins Behördenland – Ein Schüler auf der Flucht
Kapitel II
KUSEL: Und der liebe Gott
Im Westen ganz hinten: steinreich und bettelarm – Kusel, dir graut vor dir – Einmal Bratwurst mit Senf – Landrat „on road again" – Bienen in der Warteschleife – Leben wie Gott in der Westpfalz – Parlamentarisches Trauerspiel – Volltreffer ins Fettnäpfchen
Kapitel III
PIRMASENS: Dreiklang in Moll
Pauken an der Côte d‘Azur – Schuhe, Giftgas, Autobahn – Gottes eigene Küche – Segler ohne Wasser – Das lange Leben eines Hirngespinsts – Ein fabelhaftes Waldwesen – Versprochen ist versprochen – Es gilt das gebrochene Wort – Recherche ohne Netz – Recherche per Hubschrauber – Leben auf dem „Pulverfass – Die marode Metropole – Lamentos statt High Heels – Alte Leisten – Einfühlsame Einflussnahme – Das geht ins Geld – Mut zum Streite – Berliner Studientage – … und jetzt zum Sport – Der „Kaiser
und die Schülerzeitung – Unser Mann aus Afrika – Man kennt sich halt – Wer sagt es ihm? – Freundschaftsdienste – Nachhilfe in Pfälzisch – Schlaflos in Pirmasens – Im Zweifel: Schweigen – Enten und Entenbraten – Abschied vom Pfälzerwald
Kapitel IV
LUDWIGSHAFEN: Liebe on air
Als der „Bildschirm" bunter wurde – Fernsehen aus dem Keller – Wie es euch gefällt – Live wie das Leben – Die Drei aus der Amtsstraße – Um ein Haar der Moderatorin – Leute, die auf Autos starren
Kapitel V
BERLIN: Staffellauf zum Mauerfall
In die Sirene des Kapitalismus – Weddinger Werkshallen – Die Musik spielte in Bonn – Die Wut des Korrespondenten – Vom Offizier zum Kommentator – „Ich war so frei – Gespräch mit einem „Versöhner
– Staffellauf zum Mauerfall – Die Nacht des Wahnsinns – Feiern, bis die Mauer fällt – „Todesstrahlen" in Warschau – Kein Direktflug für den Kanzler – Jubel in Dresden
Kapitel VI
BERLIN/DDR: Wendehälse und „weite Welt"
Wendefähig – Schwarzbild und Druckerschwärze – Der Coup von Chemnitz – Ein Pfälzer in Plauen – Journalisten-WG – … und jetzt bundesweit – November zum Zweiten – Saumagen und Kirschsahne-Torte – Abgeschaltet, aber nicht abgewickelt – Die Welt als Sendegebiet –Ein kleiner Bauchladen – Unser Flaggschiff – Tanz ums Knusperhäuschen
Kapitel VII
DEUTSCHLAND: Lehren, lernen, leiten
Lust auf Lehre – Alleinunterhalter im Hörsaal – Reporter der Sinne – Die Denkfabrik in Berlin – In Berlin für die Pfalz – Der Bote aus der Hauptstadt – Raus aus der Blase – Beraten statt berichten – Spitze in Plauen
Kapitel VIII
RÜCKBLENDE: Journalisten-Leben
Nur „fast and dirty?" – Brennen für den Beruf – Schreiber statt Schreier – Eine riesige Aufgabe – Glaubwürdigkeit gesucht – Darauf kann man sich verlassen – Prüfstand Ökonomie – Laptop, Mikro, Kamera
AUSKLANG
Zwischen Gestern und …
Alter Mann – Die Protagonisten
Dank
Wie das war – mit dem Papierkorb
Eigentlich hatte ich mir den Titel „Nach Redaktionsschluss für dieses Buch ausgedacht. Allein – alle Entscheidungsträger waren sich einig: Auf dem Titel muss „Hilla, der Papierkorb brennt
stehen. Basta.
Meine Familie und ein paar Freunde glaubten wirklich, dass der Spruch mit dem Papierkorb genau das Bild spiegele, das irgendwie typisch sei für Journalisten meiner Generation: Kaffee- und nikotinsüchtige Machos mit gelben Zähnen und Fingerkuppen, die die Füße auf den Schreibtisch legen, sich bedienen lassen und in jeder Situation flotte Sprüche absondern, die vor allem sie selbst komisch finden.
Klischees, nichts als Klischees. Aber ich erzähle Ihnen einfach mal die Episode, dann mögen Sie selbst entscheiden, ob mein Titelvorschlag nicht doch treffender gewesen wäre.
Also das war so: Ich brütete damals in meiner Großraum-Redaktion über einem Fernseh-Beitrag, der in der nächsten Sendung ausgestrahlt werden sollte. Dazu hatte ich die gekreuzten Füße auf dem Tisch gelagert und den Laptop auf meinem Schoß platziert. Rechts von mir der überquellende Aschenbecher mit einer brennenden Zigarette darauf und daneben eine Tasse mit pech-schwarzem Kaffee. Den Zucker hatte ich bereits mit einem Kugelschreiber umgerührt.
Irgendeine ungeschickte Bewegung und – Aschenbecher samt Zigarette landen in der Ablage „P. „Hilla
, rufe ich ungerührt und – für meine Verhältnisse – tiefenentspannt durch den Raum, „Hilla, der Papierkorb brennt."
Ich wusste, Hilla würde das schon regeln. Mochten temporäre Wirbelstürme auch für noch so viel Aufregung im Redaktionsgetriebe sorgen, Hilla blieb stets ruhig und gelassen. Genauso hatte ich mir immer das windstille Auge eines Orkans vorgestellt.
Hilla sprintet wortlos zu meinem Schreibtisch, kippt erst den Kaffee und danach einen Kübel Wasser in den Abfall-Eimer. Als alles gelöscht ist, findet sie Zeit, mich strafend anzusehen. Naja, das war meinerseits nicht eben eine großartige Aktion, aber ehrlich, ich war mitten in einem Schaffensprozess, während Hilla …
Fällt das schon unter Macho-Gehabe? Völlig verunsichert habe ich Hilla Jahre später gefragt: „Sag mal, war ich ein Macho? Antworte ehrlich. Sie schaute mich, wie früher so oft, nachdenklich an. Hinter ihrer Stirn passierten – deutlich erkennbar – eine Reihe von Situationen Revue. Doch dann schüttelte sie den Kopf und meinte „Nöö, da gab es Schlimmere …
Wenn Hilla das sagt, dann glaube ich das.
Vor ein paar Tagen habe ich mein damaliges Problem auch mal mit Siri am iPhone besprochen: „Siri, der Papierkorb brennt. Sie reagierte völlig humorfrei: „Ich bin mir nicht sicher, ob ich dich richtig verstanden habe.
So etwas hätte Hilla nie gesagt. Es war eben nicht alles schlecht – in der guten alten, analogen Zeit.
WAS ICH VORAB NOCH SAGEN MUSS
Sie kann sehr beharrlich sein, meine Tochter. Und wenn sie sich etwas in den Kopf gesetzt hat, nervt sie so lange, bis man erschöpft „okay sagt. So auch hier: „Schreib das auf. Das ist doch spannend.
Sie bekam ihren Willen.
In diesem Buch habe ich ein paar geschichtsträchtige oder seltsame, lehrreiche, spannende oder einfach auch nur komische kleine Geschichten zu Papier gebracht, die ich im Laufe meines jahrzehntelangen Journalisten-Daseins erlebt habe.
Dieses Dasein wurde begleitet, geprägt und beeinflusst von einer ganzen Reihe von Freunden, Kolleginnen und Kollegen. Viele von denen blicken auf eine grandiose Karriere und ein erfülltes Leben zurück und sind heute so engagiert und unternehmungslustig wie eh und je.
Da ist der Ex-Direktor der Denk-Fabrik „Aspen-Institute" in Berlin, Rüdiger Lentz, oder der Mann, der Mitglieder der Bundesregierungen in weit über 100 Länder begleitet hat, Gerhardt Schmidt. Und da ist der erste Programmdirektor eines privaten TV-Senders in Deutschland, Dieter Mauer. Oder Horst Konzok, der mehr als ein Viertel Jahrhundert lang Ressortleiter Sport einer großen Regionalzeitung war, oder Wilfried Hub, der Chefredakteur mehrerer Tageszeitungen und Geschäftsführer einer Nachrichtenagentur war. Und da ist der Leiter des Hauptstadtbüros einer großen Tageszeitung in Berlin, Hartmut Rodenwoldt, der in seiner Jugend erleben musste, was Apartheid bedeutet.
Ich habe für dieses Buch 2021 mit diesen Freunden und Kollegen gesprochen und Erinnerungen mit ihnen ausgetauscht. Es waren bewegende Erinnerungen.
Mein eigenes Medienleben reicht zurück bis in die „Blei-Zeit und landet irgendwo im Zeitalter des Tablets. Es führte mich von der gedruckten Zeitung über das Radio bis zum Fernsehen und zu einem Lehrauftrag an einer Medienakademie. Inzwischen bin ich zwar wenigstens mit einer eigenen Website „online
, aber doch eher der „analoge Typ".
Wenn ich meinen Studentinnen und Studenten von Fernschreibern und den langen Papierfahnen der Nachrichten-Agenturen erzählt habe, die diese Fernschreiber pausenlos ausspuckten, schauten sie mich teils mitleidig, teils verwundert an. Genau so erging es mir als mein Vater vom Krieg erzählte.
Mein Berufsleben begann in Mannheim mit Berichten über ein spektakuläres Verbrechen, führte mich dann über Kusel und Pirmasens zurück in die Vorderpfalz nach Ludwigshafen.
Vom Rhein verschlug es mich an Havel und Spree. Dort in Berlin sah ich die „Mauer fallen und konnte die Entwicklung dahin und die Ereignisse danach begleiten. Diesen Teil meines Lebens habe ich hier nur gestreift und in einem anderen Buch („Zeuge der Wende
) beschrieben. Die Geschichte der Einheit hätte sonst die Geschichten über meinen journalistischen Alltag überlagert.
Natürlich würde sich der Globus auch weiterdrehen, wenn ich die Episoden und Anekdoten dieses Buches nur in den Tiefen meines Herzens bewahrt hätte. Aber vielleicht wäre es ja auch schade gewesen, wenn wir nicht mal darüber geredet hätten.
Gerhard Specht
Berlin, 2021
Trotzdem:
Oller Mann
Ein alter Mann ist stets ein fremder Mann.
Er spricht von alten, längst vergangenen Zeiten,
von Toten und verschollenen Begebenheiten …
Wir denken: „Was geht uns das an – ?"
(Kurt Tucholsky, „Oller Mann", 1918)
Kapitel I
MANNHEIM: JOURNALISMUS IM QUADRAT
Der „Dicke" aus Berlin
Für meinen Vater, einem kleinen Beamten im Polizeidienst, war die Welt noch im Lot: Oben war oben, unten war unten. Oben waren Berufe, in denen sein einziger Sohn einen weißen Angestellten-Kittel tragen konnte und sich nicht die Hände schmutzig machen musste. Schon gar nicht mit Druckerschwärze.
Unten war das, was für seinen Sohn das Höchste darstellte: Schreiben. Schreiben für eine Zeitung. Ein wenig die Welt verändern und an Orte gehen, die für die meisten anderen Menschen unzugänglich waren.
Ich war neugierig auf das, was hinter den Kulissen passierte, was eventuell von geheimnisvollen Akteuren mühsam vor anderen verborgen wurde und vor allem wollte ich schlicht und einfach schreiben, was Sache ist. Damit sich andere ein eigenes Urteil bilden könnten.
Ich wollte mich einmischen, den Dingen auf den Grund gehen. Ich stellte mir das spannend vor. Etwa so wie die Arbeit eines Kriminal-Kommissars, der einem Verbrechen auf die Spur kommen will und dazu Detail für Detail der Tat zu einem Bild zusammenfügen muss.
Ja, und ich wollte Dinge erleben, die mich so begeisterten, dass ich sie unbedingt mit anderen teilen wollte.
Für meinen Vater war das unmännlich, etwas „für Mädchen mit Poesie-Alben und für „Leute, die sich mit fremden Federn schmücken
. Für ihn waren Journalisten „Tintenpisser, „Mistwühler
, „Schreiberlinge eben. Wenn er das Wort „Lügenpresse
schon gekannt hätte, es wäre ihm wahrscheinlich leicht über die Lippen gekommen.
Natürlich beugte ich mich zunächst der väterlichen Autorität. Darüber diskutierte man damals nicht. Ich wurde Industriekaufmann, mit weißem Kittel und hatte Ruhe und Frieden im Elternhaus. Glücklich wurde ich dabei nicht. Parallel schrieb ich deshalb gelegentlich für meine Heimatzeitung.
Ein Kaufsmanns-Kollege, mit deutlicher Hinwendung zur Esoterik, sprach mich nach einem sehr feuchten Bierabend auf meinen Seelenzustand an. Ob er mir vielleicht mal aus der Hand lesen sollte? Er wäre sehr gut darin und vielleicht täte sich ja eine tröstliche Vision auf. Was soll‘s? Er las und „sah in den Linien meiner Hand Unerwartetes: „Du wirst eine schöne Karriere machen. Aber nicht in deinem jetzigen Beruf.
Genau das war es, was ich hören und allzu gerne glauben wollte. Esoterik hin oder her.
Der Wunsch zu schreiben, wäre dauerhaft sowieso nicht zu unterdrücken gewesen. Geweckt hatte diesen Wunsch ein dicker Mann aus dem Berlin der 20er Jahre des 20. Jahrhunderts: Kurt Tucholsky. Das erste „rororo-Tucholsky-Taschenbuch fiel mir in die Hände, als ich elf war und seither habe ich „Tuchos
Bücher immer und immer wieder hervorgekramt. Kurt Tucholsky hatte in der Weimarer Republik brillant-bissige politische Kommentare verfasst, aber auch witzig-heitere Gedichte, Geschichten und Essays geschrieben.
Da war zum Beispiel dieses „Mir fehlt ein Wort" (1929):
„Ich werde ins Grab sinken, ohne zu wissen, was die Birkenblätter tun. Ich weiß es, aber ich kann es nicht sagen. Der Wind weht durch die jungen Birken; ihre Blätter zittern so schnell, hin und her, dass sie ... was? Flirren? Nein, auf ihnen flirrt das Licht; man kann vielleicht allenfalls sagen: die Blätter flimmern … aber es ist nicht das. Es ist eine nervöse Bewegung, aber was ist es? Wie sagt man das? Was man nicht sagen kann, bleibt unerlöst – „besprechen hat eine tiefe Bedeutung. Steht bei Goethe „Blattgeriesel
? Ich mag nicht aufstehen, es ist so weit bis zu diesen Bänden, vier Meter und hundert Jahre. Was tun die Birkenblätter?"
So wollte ich schreiben. Genau so. Präzise, unparteiisch informieren, Missstände aufdecken und – vielleicht, wie gesagt, ein wenig die Welt verbessern. Nicht als Missionar, sondern als Journalist, der aus mehreren Perspektiven und nicht nur durch eine ideologische Röhre auf die Welt schauen muss.
Ja, das wollte ich. Und ich wollte es unbedingt, obwohl oder gerade, weil das in meiner Familie als brotlose Kunst galt, als etwas von „unten" in der festgefügten Welt meines Vaters.
Brotlos oder nicht, um Journalist zu werden, musste man damals ein Volontariat absolvieren. Die Zeitung meiner Wahl hieß „AZ (Südwestdeutsche Allgemeine Zeitung) und hatte ihren Redaktions-Sitz in Mannheim. Das Blatt erschien mir lebendiger und grafisch ansprechender als die übermächtige Konkurrenz, der „MM
(Mannheimer Morgen). Außerdem war ich überzeugt, in einem kleineren Blatt mehr Einsatzmöglichkeiten zu haben als in einer größeren Zeitung. Was sich auch als zutreffend
