Die gefährliche Reise der Snippe Deern
Von René Bote
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Über dieses E-Book
René Bote
René Bote ist ein Kind der siebziger Jahre und des Ruhrgebiets, dem er bis heute treu geblieben ist. Seine ersten Gehversuche als Autor machte er bereits in der Grundschule mit persönlichen Fortsetzungen zu bekannten Kinderbuchreihen. Heute schreibt er überwiegend Bücher und Kurzgeschichten für Kinder und Jugendliche. Dabei probiert er gerne unterschiedliche Erzählformen aus, und die Themen sind von Abenteuer über Fantasy und Spukgeschichten bis zu Freundschaft und Romantik breit gestreut.
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Buchvorschau
Die gefährliche Reise der Snippe Deern - René Bote
Inhalt
Auf in die Ferien!
Willkommen an Bord!
Leinen los!
Bordleben
Sommerpause
Führerlos
Der See ausgeliefert
Irrfahrt
In kleinen Schritten
Übersetzen auf hoher See
Neuer Kurs
In Sicherheit
Pause im Hafen
Auf in die Ferien!
Nervös schlenderte Jan auf dem einzigen Bahnsteig des Wattenscheider Bahnhofs auf und ab. Es war der erste Tag der zweiten Sommerferienwoche, und vor ihm lag eine Reise, auf die er sich riesig freute, obwohl er noch nicht einmal wusste, wohin überall sie ihn führen würde.
Jan war dreizehn und hatte gerade erfolgreich die siebte Klasse hinter sich gebracht. Wenn er sich selbst beschreiben sollte, dann fiel ihm meist nicht viel ein, weil er fand, dass an ihm nichts Besonderes war. Er war für sein Alter durchschnittlich groß, weder über-, noch untergewichtig, kein Kandidat für eine Modelkarriere, aber auch nicht hässlich, soweit er das selbst einschätzen konnte. Sein blondes Haar trug er recht kurz geschnitten, weil er das praktisch fand, und an seinem rechten Handgelenk oft ein Armband aus dunkelblauem Stoff. Wie viele Jungen interessierte er sich für Fußball, sowohl auf dem Platz, als auch an der Spielekonsole. Wege, die ihm zu Fuß zu weit waren, aber trotzdem nicht das Warten auf den Bus lohnten, legte er mit seinem Longboard zurück. Er hörte Rockmusik und manchmal Metal und hätte auch selbst gern E-Gitarre gelernt. Allerdings fehlte ihm ein Ort zum Üben, die Nachbarn hätten sich schön bedankt, wenn er in der Wohnung damit angefangen hätte. Sein Zimmer eigens zu dämmen, damit nichts nach draußen drang, oder irgendwo einen Proberaum zu mieten, wäre zu teuer gekommen.
Er hatte einen Halbbruder, Samuel, der nach den Sommerferien in die Schule kommen würde. Er verstand sich so gut mit Sammy, wie sich Brüder eben verstanden, sie gingen sich manchmal auf die Nerven, aber wenn es drauf ankam, war Jan für Sammy da. Auch mit seinem Stiefvater kam er gut aus.
Seinen leiblichen Vater konnte er dagegen nur selten treffen. Hauke Lorentzen war Kapitän eines Frachters und dementsprechend immer unterwegs. Meistens konnten sie deshalb nur telefonieren und videochatten. Umso mehr freute Jan sich, wenn Haukes Schiff in einem Hafen in der Nähe lag, und fuhr ihn dann besuchen, wenn es sich irgendwie machen ließ. Dafür nahm er auch mal eine knappe Stunde Zugfahrt in Kauf, und inzwischen kannte er so ziemlich alle Häfen und Liegeplätze im und rund um das Ruhrgebiet. Zuletzt hatte er sich im Mai in Dortmund mit seinem Vater getroffen, da war Hauke auf dem Dortmund-Ems-Kanal unterwegs gewesen.
Diesmal sollte es jedoch nicht bloß ein Besuch für ein paar Stunden werden, Jan würde mitgehen auf große Fahrt, oder was man eben so nannte. Eine Weltreise würde es nicht werden, die Snippe Deern – auf Hochdeutsch: Freches Mädchen – befuhr Flüsse, Kanäle und Küstengewässer, aber Jan würde bestimmt trotzdem viel zu sehen bekommen. Für zwei Wochen würde er seinen Vater begleiten, und wenn er dann immer noch Spaß daran hatte, dann würde er noch eine Woche dranhängen können.
Hauke würde ihn in Duisburg an Bord nehmen und mit ihm den Rhein hinunterfahren. In Nijmegen würden sie übernachten, dann sollte es am nächsten Tag weitergehen nach Rotterdam, um dort die Ladung zu löschen. Was nach Rotterdam kommen würde, wusste Jan nicht – vielleicht ging es auf dem Rhein zurück, auf die Maas, die Küste entlang nach Norddeutschland oder in die andere Richtung nach Belgien… Er würde sich überraschen lassen.
***
Eine Lautsprecherstimme kündigte den Regionalexpress an, und die letzten Worte gingen schon im Lärm des einfahrenden Zuges unter. Jan musste sich sputen, denn er hatte sein Fahrrad dabei und konnte damit nicht einfach irgendwo einsteigen. Er hatte versucht, abzuschätzen, wo die Spitze des Zuges mit dem Fahrradabteil zu stehen kommen würde, aber um einige Meter hatte er sich vertan. Für einen Wagenstandanzeiger, der für jeden Zug exakt die Position der einzelnen Wagen auflistete, war der Bahnhof zu klein, und die winzige Anzeige auf dem digitalen Zugzielanzeiger verriet lediglich, dass das Fahrradabteil vorne und die 1. Klasse hinten war.
Das Fahrrad mit auf die Reise zu nehmen, war ein Rat seines Vaters gewesen. Die Häfen lagen in der Regel nicht mitten im Stadtzentrum, zu Fuß würde Jan also lange unterwegs sein, wenn er einkaufen oder sich etwas anschauen wollte. Auch Hauke fuhr viel Fahrrad; für längere Strecken hatte er ein Auto an Bord, aber das mit dem Kran ab- und später wieder aufzuladen und an Deck zu verzurren, kostete natürlich Zeit. Ein Fahrrad dagegen konnte man einfach über die Reling hieven, und ein Spanngurt genügte, um zu verhindern, dass es bei Wellengang über Bord ging. Jan hatte auch überlegt, sein Longboard mitzunehmen, aber sein Vater hatte gemeint, mit dem Fahrrad würde er besser bedient sein.
Er lehnte das Rad an, machte es mit einem der Gurte fest, die dafür an der Wand angebracht waren, und setzte sich neben dem Vorderrad auf einen der Klappsitze. Sehr bequem fand er das nicht, vor allem, weil die Lehne auf halber Höhe des Rückens endete, aber für die zwanzig Minuten Fahrt bis nach Duisburg würde er es schon aushalten. Immerhin war er mit der Abfahrt am frühen Vormittag den Berufspendlern aus dem Weg gegangen, sonst hätte er wahrscheinlich stehen müssen. Um sich die Zeit zu vertreiben, holte er sein Handy aus der Tasche, schrieb kurz an seine Mutter, dass er im Zug saß, und startete dann ein Kartenspiel.
Zwei Runden schaffte er, die dritte brach
