Koslowski und der Rabe: OWL-Krimi
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Über dieses E-Book
Joachim H. Peters
Joachim H. Peters. Geboren? Ja, im Jahre 1958 in Gladbeck am Rande des Ruhrgebietes. Ab 1975 Polizeibeamter und dabei auch schon mal real Mörder festgenommen. Fünfundvierzig Jahre lang im Dienste der Gerechtigkeit unterwegs und seit 2008 als Krimiautor für die Gegenseite. Er verfasst Kurzgeschichten, bestreitet Auftritte (u.a. mit Kabarett-programmen) und steht als Moderator und Schauspieler auf der Bühne, oder aber als Leser anderer Texte, u.a. für Bestsellerautor Martin Walker.
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Buchvorschau
Koslowski und der Rabe - Joachim H. Peters
Joachim H. Peters
Koslowski und der Rabe
OWL-Krimi
Prolibris Verlag
Alle Rechte vorbehalten,
auch die des auszugsweisen Nachdrucks
und der fotomechanischen Wiedergabe
sowie der Einspeicherung und Verarbeitung
in elektronischen Systemen.
© Prolibris Verlag Rolf Wagner, Kassel, 2019
Tel.: 0561/766 449 0, Fax: 0561/766 449 29
Titelbild: © Bildagentur PantherMedia / Michal Boubin (Fenster)
© PantherMedia / lifeonwhite (Rabe)
Autorenportrait: © Fotostudio Anette Flentge, Lage/ Herford
und © Pixaby/Gellinger
Schriften: Linux Libertine
E-Book: Prolibris Verlag
ISBN E-Book: 978-3-95475-212-6
Dieses Buch ist auch als Printausgabe im Buchhandel erhältlich.
ISBN: 978-3-95475-201-0
www.prolibris-verlag.de
Der Autor
Joachim H. Peters, Baujahr 1958, schrieb 2008 seinen ersten Kriminalroman, seither sind sechzehn Bücher und diverse Kurzgeschichten von ihm erschienen. Der Kriminalbeamte steht aber auch als Schauspieler, Kabarettist mit eigenen Programmen, Leser oder Moderator auf der Bühne. Der gebürtige Gladbecker ist verheiratet, lebt und arbeitet seit 2004 in seiner Wahlheimat Lippe.
www.koslowski-krimis.de
Du, der Lesende, weilst noch unter den Lebendigen;
ich, der Schreibende aber, habe längst meinen Weg ins
Reich der Schatten genommen.
Edgar Allan Poe
(aus seiner Erzählung »Schatten«)
Prolog
Ein Jahr zuvor
Eine der vielleicht schönsten Bahnstrecken Südwestenglands verläuft nur wenige Kilometer an der Ärmelkanalküste entlang von St. Erth nach St. Ives. Die Reisenden haben einen wunderbaren Blick auf den Strand von St. Ives, dessen heller Sand unmittelbar in das türkisfarbene Wasser der Nordsee übergeht. Bei Sonnenschein ein großartiger Anblick. Heute allerdings wurde dieser Augenschmaus nicht nur durch trübes regnerisches Wetter beeinträchtigt, sondern vor allem durch die Anwesenheit von vielen Uniformierten. Ihre Uniformen wiesen sie als Polizeibeamte Ihrer Majestät aus.
Wie überall auf der Welt überlegen Menschen, was wohl Schreckliches passiert sein könnte, wenn sie so eine Menge an Ordnungshütern sehen. Hier war es der Fund einer Leiche, der dafür sorgte, dass Detective Constable Walter Price den Fundort sofort großräumig absperren ließ. Was aufgrund der fehlenden Badegäste kein allzu großes Problem darstellte.
Gegen fünf Uhr früh war der Anruf eines einsamen Strandläufers eingegangen, der eine leblose, auf dem Bauch liegende Person am Strand gesichtet hatte. Je näher er ihr gekommen war, desto sicherer war er sich, dass hier jede Hilfe zu spät kam, denn dort, wo das seitlich gedrehte Gesicht hätte sein sollen, war nur noch eine verwaschene undeutliche Masse von wachsweißem Fleisch zu sehen gewesen.
»Die Liegezeit im Wasser dürfte sich auf mindestens drei Tage belaufen«, mutmaßte Dr. Wellington. Der alte Amtsarzt war sofort gerufen worden, nachdem sich DC Price am Tatort einen ersten Überblick verschafft hatte. Dankbar ergriff er dessen angebotene Hand. »Der Rücken, Price, der Rücken. Man wird auch nicht jünger«, schnaufte er, als er sich mühevoll aufrichtete.
Price nickte zustimmend. Aber die Schwierigkeiten beim Aufstehen, hatten bei Dr. Wellington nicht nur mit dem Alter zu tun, sondern auch mit seiner beachtlichen Leibesfülle. Seine besondere Vorliebe für Scones, die süßlichen Kuchenbrötchen, die man hierzulande gerne mit Clotted Cream und Marmelade oder Konfitüre servierte, trug ebenso dazu bei wie seine regelmäßigen Besuche in seinem Pub. Angeblich sollte seine Frau sogar mal vorgeschlagen haben, sie darunter zu beerdigen, dann sei sie sicher, dass ihr Mann täglich bei ihr vorbeikommen würde.
»Was können Sie mir sonst noch sagen?« Price schaute nachdenklich auf die Leiche und kramte in der Jackentasche nach seiner Pfeife. Jeder Hinweis von Dr. Wellington konnte von Nutzen sein, denn anhand der Reste des Gesichtes würde eine visuelle Identifikation nicht mehr möglich sein.
»Der gesamte Kopf ist übel zugerichtet. Würde mich nicht wundern, wäre er in eine Schiffsschraube geraten. Sehen Sie nur hier«, er deutete mit seinem Gehstock auf den unteren Teil des Schädels. »Ober- und Unterkiefer fehlen komplett.« Er trat einen Schritt zurück und betrachte die Überreste des menschlichen Körpers mit schiefgelegtem Kopf. »Sicher kann ich nur sagen, dass es sich um eine Frau handelt.« Auch wenn er kurzatmig und langsam war, so war Wellington bei seiner Arbeit doch akribisch. Der Zustand der Toten hatte ihn nicht davon abgehalten, sie zu entkleiden und gründlich in Augenschein zu nehmen.
»Was können Sie mir zu …«. Weiter kam der Detective Constable nicht.
»Wann lernt ihr es endlich, dass wir Ärzte nicht schon am Fundort der Leiche die genauen Todeszeiten, den Grund ihres Todes und womöglich ihre gesamte Biografie herunterbeten können. Das sollten Sie doch wissen, oder schauen Sie zu viele schlechte Krimis?«
Schnaufend umrundete Wellington die Leiche auf dem nassen Sand. »Gut, sehen wir mal, was ich Ihnen vorab sagen kann. Wie gesagt: eine Frau, ziemlich groß, ich würde sie auf etwa 1,75 bis 1,80 Meter schätzen. Europäische Kleidung, recht billiger Modeschmuck, aber eine insgesamt gepflegte Erscheinung.«
Als er Prices hochgezogene Augenbraue sah, fügte er erläuternd hinzu: »Sehen Sie sich die Hände an. Man sieht noch Rest von Nagellack und kann erkennen, dass die Nägel manikürt waren und trotz Waschhaut, vermute ich mal, dass das keine Arbeiterhände sind.« Er deutete mit dem Stock darauf. »Alles andere werden Sie rausfinden müssen, vor allem ihre Identität. Das dürfte ohne Zahnschema allerdings recht schwierig werden.«
Price seufzte. Er wusste, worauf Wellington anspielte. Kein Gesicht, keine Zähne. Auch mit den Fingerabdrücken würden sie wenig anfangen können, wenn sie nicht in einer Datei gespeichert waren. Das bedeutete, sämtliche Vermisstenmeldungen durchzugehen, die hier oder an anderer Stelle erstattet worden waren. Nachdenklich ließ er den Blick auf der Toten ruhen. Woher kommst du? Von einer Fähre? Von einem Ausflugsboot? Von einem Kreuzfahrtschiff? Es würde erforderlich sein, sich die Gezeiten- und die Strömungsdaten für die letzten Tage zu besorgen. Eine Leiche war nie ein schöner Auftakt für einen Arbeitstag.
»Brauchen Sie mich noch?«, wollte Dr. Wellington wissen. »Ich möchte endlich mal frühstücken.«
»Äh, was?« Price wurde aus den Gedanken gerissen. Er sah den Doktor einen Moment lang an, als habe er ihn soeben erst wahrgenommen. »Was? Ach so, nein danke, das reicht mir fürs Erste. Ich lasse die Leiche ins Leichenschauhaus bringen, vielleicht bringt die Obduktion ja noch weitere Hinweise.«
Wellington stieß den Stock in den Sand und blickte hinaus auf das Meer. »Na, dann wollen wir mal hoffen, dass die Aufschneider aus der Rechtsmedizin Ihnen helfen können. Ich empfehle mich.« Er begann, sich schnaufend den Strand hinaufzubewegen, und Price sah ihm gedankenverloren nach. Schließlich kehrte sein Blick zu dem angespülten toten Körper zurück.
Wie bei jeder Leiche musste er daran denken, dass das, was da vor ihm lag und nun äußerst unappetitlich aussah wie ein Stück Fleisch, einmal ein Mensch gewesen war. Jemand, der geliebt hatte und geliebt worden war. Jemand, der Pläne und Hoffnungen gehabt hatte und der nun vermutlich jemanden fehlen würde. Er hoffte, dass dieser Jemand sich melden würde und ihm bei der Identifizierung weiterhelfen konnte.
Sein Blick glitt hinauf zur Bahnstrecke und er nahm zur Kenntnis, dass der Zug von St. Ives bereits auf der Rückfahrt nach St. Erth war. Hier würde er neue Passagiere, vor allem Touristen abholen, für die diese Fahrt einen Höhepunkt ihrer Reise durch Südwestengland darstellte. Viele von ihnen Deutsche, die durch die Bücher und Filme von Rosamunde Pilcher zu dieser Fahrt inspiriert wurden. Er kannte die Romane nicht, seine Frau jedoch hatte jeden von ihnen gelesen. Sie hatte ihm erzählt, dass die Pilcher für die Verfilmungen Bedingungen aufgestellt hatte: Es durften keine Drogen genommen werden und keine Gewalttaten geschehen. Für Price zwar zu viel Herzschmerz, aber eben eine heile Welt. Er konnte nur hoffen, dass das auch für seinen Fall zutraf, denn wenn die Tote ermordet worden sein sollte, dann wäre der Fall mit der Identifizierung der Leiche nicht erledigt, sondern würde erst beginnen.
An einem anderen Ort zu einer anderen Zeit
Er schrie. Um zu prüfen, ob sein Gehör noch funktionierte, aber auch aus panischer Angst.
Dunkelheit. Sie war das Erste, was er wahrgenommen hatte, als er zu sich gekommen war. Vollkommene Dunkelheit. Absolute Finsternis.
Er wusste weder, wo er war, geschweige denn, warum er hier war. Vorsichtig richtete er sich aus seiner liegenden Position auf, immer drauf bedacht, nirgendwo mit dem Kopf anzustoßen. Er fühlte sich blind. Hatte er sein Augenlicht verloren? Wieder überkam ihn Panik, weil er es nicht überprüfen konnte.
Blinde! Ihr Leben in ständiger Dunkelheit kam ihm in den Sinn. Nur, dass sie daran gewohnt waren und es verstanden, sich in ihr zu bewegen. Für ihn war dieses komplette Fehlen jeglichen Lichts neu und beängstigend.
Als er endlich stand, begann er mit den Händen zu tasten. Keine Wand, kein Gegenstand waren zu fühlen. Nach oben! Er reckte die Arme und fand auch dort keine Begrenzung. Um ihn herum nur Dunkelheit und eine erdrückende Stille. Schließlich war er auf die Idee mit dem Schrei gekommen und hatte sich nicht anstrengen müssen, ihn auszustoßen.
Es hallte nicht, demnach konnte der Raum doch nicht allzu groß sein.
Vorsichtig machte er einen Schritt nach vorn. Dabei überkam ihn die nächste Panikattacke. Sauerstoff! Wenn es hier kein Licht gab, wie war es dann mit Atemluft? Sofort übermannte ihn das Gefühl, keine Luft mehr zu bekommen. Er musste hier raus! Die Arme vorstreckend, machte er einen weiteren Schritt. Einen dritten, einen vierten. Beim fünften war er überrascht, als seine Hände plötzlich gegen eine Wand stießen. Er tastete. Ziegelsteine, rau und feucht. Nun glaubte er auch, ihren typischen Geruch in der Nase zu haben. Nasse Ziegel und feuchter Mörtel. Der Geruch erinnerte ihn an den Keller seiner Großeltern. An ihr altes Zechenhaus im Ruhrgebiet.
Dann spürte er den Luftzug. Irgendwo über ihm kam frische Luft herein. Hoffnungsvoll reckte er die Arme, erreichte die Decke aber immer noch nicht. Er sprang in die Höhe. Fehlanzeige. Verdammt, er konnte nicht feststellen, wie hoch sein Gefängnis war. Gefängnis!
Das Wort bereitete ihm fast körperliche Schmerzen, so als erinnerte er sich eines Schnittes oder einer anderen Verletzung. Gefängnis. Allein dieses Wort machte ihm die Hoffnungslosigkeit seiner Situation nur allzu deutlich. Dann schreckte er erneut zusammen. Was, wenn es gar nicht sein Gefängnis, sondern sein Grab war?
Kapitel 1
»Kommen wir nun zu einem mysteriösen Mordfall in Lippe.« Aktenzeichen XY-Moderator Rudi Cerne drehte sich zur Seite und wandte sich der zweiten Studiokamera zu. Sicherheitshalber kontrollierte er noch einmal seine Notizen, dann blickte er seinem Millionenpublikum direkt in die Augen.
»Im Studio begrüße ich nun Kriminalhauptkommissar Jürgen Meerkötter von der Kripo in Detmold.« Die Kamera schwenkte auf einen großen, etwas schlaksigen Mann in einem dunklen Anzug, der sich hinter einem Schreibtisch erhoben hatte und nun mit Unterlagen in der Hand an das Moderationspult trat.
»Herr Meerkötter, guten Abend.« Cerne nickte dem Kriminalbeamten aufmunternd zu. »Was haben Sie uns mitgebracht?«
Man sah, dass Meerkötter schluckte, und konnte ihm sein Lampenfieber anmerken. Schließlich stand man ja nicht alle Tage vor einer Fernsehkamera und das auch noch mitten in einer Livesendung. Er legte seine Unterlagen vor sich auf das Pult und brachte seine Hände daneben in Stellung. »Wir haben es mit einem ungewöhnlichen Mordfall zu tun«, begann der Kriminalhauptkommissar erst ein wenig zögerlich, fand dann aber seine Ruhe wieder. »Es geht dabei um den 59-jährigen Holger Krottmann aus Schlangen. Das Opfer war Frührentner und geschieden.«
Meerkötter verschwand auf den heimischen Bildschirmen, stattdessen erschien jetzt ein Foto des Getöteten, das offensichtlich aus einem Ausweis stammte. Man sah einen Mann mit einem Allerweltsgesicht und einer unauffälligen Brille.
»Herr Krottmann hat bis zu seinem vorzeitigen Ausscheiden im Referat Naturschutz in der Verwaltung des Kreises Lippe gearbeitet. Er war begeisterter Naturfotograf, ein Hobby, das in vermutlich auch in den Wald geführt hat, wo später seine Leiche gefunden wurde.«
»Sie gehen also davon aus, dass Tat- und Fundort identisch sind, richtig?« Rudi Cerne blickte seinen Gesprächspartner interessiert an.
»Genau. Unsere Ermittlungen haben bestätigt, dass Herr Krottmann in einem Waldstück unweit der Gaststätte Fürstliches Forsthaus Kreuzkrug erschossen wurde.«
Auf den Bildschirmen erschien nun eine Luftaufnahme, auf der man einen blinkenden Punkt sah und hörte aus dem Off erneut Cernes Stimme. »Die von Hauptkommissar Meerkötter erwähnte Gaststätte Kreuzkrug liegt nahe der Ortschaft Oesterholz-Haustenbeck, die Teil der Gemeinde Schlangen in Nordrhein-Westfalen, genauer gesagt im Kreis Lippe ist.«
Der blinkende Punkt auf der Satellitenaufnahme wurde beim Herauszoomen kleiner, und man konnte erkennen, dass der Tatort in einem Waldstück zwischen Detmold und Bad Lippspringe lag.
»Was können Sie uns zu dem Fall berichten?«, wollte Cerne von dem Ermittler wissen.
Meerkötter räusperte sich. »Der Wagen von Holger Krottmann stand in der Nähe der Gaststätte, seine Leiche lag etwa einen Kilometer östlich davon entfernt in einem Waldstück.« Meerkötter überprüfte sicherheitshalber noch einmal seine Notizen, um nichts Falsches zu sagen. »Wir haben bei dem Toten seine Geldbörse und seine digitale Spiegelreflexkamera gefunden, daher schließen wir einen Raubmord aus.«
»Ein seltsames Verbrechen, bei dem es sowohl an Hinweisen zum Täter wie auch zum Motiv fehlt«, ergänzte Rudi Cerne.
»Das ist korrekt«, stimmte Meerkötter zu. »Wir konnten keine Spuren am Tatort sichern, obwohl die Leiche durch einen Zufall sehr schnell entdeckt wurde. Völlig unklar ist bislang das Motiv.«
Cerne nickte. »Wie können Ihnen unsere Zuschauer nun weiterhelfen?«
Meerkötter blickte nun direkt in die Kamera. »Wir suchen Zeugen, die Holger Krottmann oder seinen PKW am 15. des letzten Monats in der Umgebung des Gasthauses Kreuzkrug gesehen haben. Auf Herrn Krottmann war ein silberner Opel Astra zugelassen.« Im Bild erschien nun das besagte Fahrzeug und Hauptkommissar Meerkötter verlas sicherheitshalber das lippische Kennzeichen, das auf dem Foto zu sehen war.
»Gibt es sonst noch Besonderheiten?« Rudi Cerne nahm seine Moderationskarten wieder auf.
»Ja, es gibt eine Besonderheit«, bestätigte Jürgen Meerkötter. »Am Tatort wurden schwarze Federn gefunden, die vermutlich von einem Kolkraben stammen dürften.«
Obwohl der Moderator den Ablauf der Sendung natürlich genau kannte, spielte er ein wenig den Überraschten. »Was haben diese Vogelfedern mit dem Mord zu tun?«
»Aufgrund unserer Untersuchungen können wir sagen, dass die Federn durch Schrotkugeln abgetrennt worden sind, als jemand auf den Vogel geschossen hat.« Er blickte Cerne an und als der ihm aufmunternd zunickte, fuhr Meerkötter fort. »Weitere kriminaltechnische Laboruntersuchungen haben nicht nur ergeben, dass Holger Krottmann, ebenso wie der Vogel, durch einen Schuss aus einer Schrotflinte getötet wurde, sondern auch, dass beides in einem unmittelbaren zeitlichen Zusammenhang geschehen sein muss.«
Nach diesem langen Satz holte Meerkötter erst einmal Luft. Der Moderator nutzte die Pause, um eine neue Frage zu stellen. »Und dieser getötete Vogel ist verschwunden, nicht wahr?«
Der Detmolder Kriminalhauptkommissar nickte. »Die Leiche ist relativ kurz nach der Tat entdeckt worden. Aufgrund der noch vorhandenen menschlichen Witterung dürfte sich aber kein anderes Tier den Vogelkadaver geholt haben. Wir wissen also nicht, wo der tote Vogel geblieben ist. Die uns bekannten Tierpräparatoren haben wir bereits befragt, keinem von ihnen ist so ein Tier angeboten oder zum Präparieren in Auftrag gegeben worden.«
Meerkötter unterdrückte krampfhaft das Verlangen, den Finger hinter den Hemdkragen zu stecken, um ihn so etwas zu weiten. Er merkte, wie ihm im Licht der vielen Studioscheinwerfer langsam, aber sicher der Schweiß ausbrach.
»Noch eine letzte Frage. Woher wissen Sie überhaupt, dass das Tier getötet und nicht nur verwundet wurde?«
»Wir haben auf dem Speicherstick der Digitalkamera des Toten ein Bild von dem Vogel gefunden. Darauf konnte man sehen, dass der Rabe in der Nähe des späteren Leichenfundortes auf dem Boden lag.«
Rudi Cerne sah auf seine Moderationskarten, um sich zu vergewissern, wie es weiterging, dann nickte er Meerkötter freundlich zu und blickte anschließend in eine andere Kamera.
»Soweit, liebe Zuschauer, der mysteriöse Mordfall aus Lippe. Kriminalhauptkommissar Jürgen Meerkötter wird noch bei uns im Studio bleiben und ihre Anrufe entgegennehmen. Sie können sich natürlich auch direkt mit der Polizei in Lippe oder jeder anderen Dienststelle in Verbindung setzen. Hier die Rufnummer der Kripo in Detmold …«
Der Moderator las die Telefonnummer vor, die gleichzeitig unten im Bild eingeblendet wurde. Dann bedankte er sich bei Meerkötter, und man konnte dem lippischen Kriminalbeamten deutlich anmerken, dass er froh war, auf seinen Platz zurückkehren zu dürfen.
Cerne drehte sich zu einer anderen Kamera um. »Kommen wir nun zu einem weiteren Fall …«
Kapitel 2
»Mein lieber Mann, was ist das denn für ein Schlitten?« Walfried Eugelink, seines Zeichens auf eigenen Wunsch vorzeitig pensionierter Kriminalbeamter pfiff anerkennend durch die Zähne, als der mattgraue Ford 150 Raptor vor dem Ristorante Etna am Bordstein anhielt. Gestern Abend hatte er Koslowski in der Stadt getroffen und sich für heute mit ihm vor dem Lokal in der Oberen Straße im Detmolder Stadtteil Hiddesen verabredet. Koslowski kletterte aus dem Wagen und wurde von Eugelink mit einem skeptischen Blick taxiert. »Banküberfall oder Lottogewinn?«
»Weder noch«, kam die lapidare Antwort. »Ich wollte einfach nur mal wieder ein bisschen Geld unter die Leute bringen. Sozusagen die lippische Wirtschaft ankurbeln.«
»Apropos Wirtschaft ankurbeln, wir sollten reingehen, sonst bekommen wir keinen Platz mehr.« Der ehemalige Kripobeamte deutete mit dem Daumen über die Schulter auf den Eingang des Restaurants.
»Ach, das glaube ich nicht«, winkte Koslowski gelassen ab, »ich habe nämlich gestern sofort nach unserem Treffen telefonisch einen Tisch reserviert.«
»Na, wenn das so ist, dann lass mich doch bitte noch einen Blick in dieses Schiff werfen.« Dabei wandte sich Eugelink zu dem großen Pick-up um. »Was hat der denn so in der Bluse?«, wollte er wissen, während er bereits auf den Beifahrersitz kletterte.
»450 PS bei 3,5 Liter Hubraum«, antwortete Koslowski und blieb in der geöffneten Beifahrertür stehen.
Eugelink sah sich im Fahrzeuginneren um und nickte anerkennend. »Na, dann gehört eine Anhängerkupplung für den Tankwagen vermutlich serienmäßig mit dazu, oder?«
»Na, du kennst doch noch den alten Werbespruch: Man gönnt sich ja sonst nichts, oder?«
»Da hast du dir aber richtig was gegönnt«, sagte Eugelink und kletterte wieder aus dem riesigen Pick-up. Draußen strich er mit der Hand über den matten dunkelgrauen Lack des Fahrzeuges. »Ist das Anti-Radar-Farbe?«
Koslowski lachte bitter auf. »Schön wär’s. Leider nein, wenn dem so wäre, hätte mir das bereits ein grobkörniges Schwarzweißfoto im Wert von 80 Euro erspart.«
»Tja«, lachte Eugelink, »wie du schon so richtig sagtest: Man gönnt sich ja sonst nichts. Unsereiner ist da eher bescheiden und gibt sich mit weniger zufrieden.«
»Wieso, hast du dir einen Smart gekauft?« Koslowski grinste seinen Freund an.
»Nein, ich habe Geld in mein neues Hobby investiert. Ich fahre jetzt ab und zu mal zum Angeln.«
»Das ist ja etwas, von dem ich überhaupt keine Ahnung habe«, gab Koslowski zu. »Und wo angelst du? An einem Forellenteich oder gehst du zum Hochseefischen?«
Eugelink ließ die Hand über den Wagen gleiten. »Nein, soweit bin ich noch nicht, ich fahre ab und zu nach Dänemark, in der Nähe von Blåvand gibt es ein paar schöne Teiche, es muss nicht gleich die Nordsee sein. Außerdem weiß ich ja gar nicht, ob ich vielleicht seekrank werde.« Eugelinks Blick wurde träumerisch. »Nächste Woche geht es wieder los.«
»Momentan sind aber keine Ferien, fährst du denn alleine?« Koslowski wusste, dass Eugelink noch zwei Söhne im schulpflichtigen Alter hatte.
»Ja, und du kannst dir nicht vorstellen, wie toll es ist, manchmal ganz für sich zu sein.«
»Na, Hauptsache, deine Frau lässt dich fahren.«
»Die hat Verständnis dafür. Unseren Jahresurlaub verbringen wir ja immer zusammen. Aber jeder braucht doch mal einen gewissen Freiraum und etwas Zeit für sich, oder?«
»Da hast du Recht.« Koslowski deutete auf die Eingangstür. »Komm, lass uns reingehen!«
Eugelink wurde von Ricardo, dem Besitzer des Ristorante freundlich begrüßt, Koslowski herzlich umarmt und beide dann zum Stammplatz des Letzteren am Fenster geleitet. Kurz nachdem die zwei Platz genommen hatten, war auch schon die Getränkebestellung aufgenommen und in Arbeit.
»Schön, dich mal wieder zu sehen.« Eugelink legte die Unterarme auf den Tisch und lächelte Koslowski an. Er war sich nicht ganz sicher, wie lange er ihn bereits kannte, aber es müssten wohl annähernd zehn Jahre sein.
Zehn Jahre, eine verdammt lange Zeit, in der sich viel ereignet hatte. In der er viel mit Koslowski erlebt hatte, einmal sogar zu viel. Die damaligen Erlebnisse waren der Grund gewesen, warum er den Polizeidienst frühzeitig quittiert hatte.
Er erinnerte sich noch, als Koslowski plötzlich in Hiddesen, diesem Ortsteil der Residenzstadt Detmold, aufgetaucht war und sich dort niedergelassen hatte. Mittlerweile hatte er dort zwar viele Bekannte und auch ein paar Freunde, aber selbst die wussten nicht viel über den Mann, der Walfried Eugelink nun gegenübersaß. Über seine Herkunft, seine Vermögensverhältnisse und seine Vergangenheit redete er nicht und manche kannten nicht einmal seinen Vornamen.
Eugelink
