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Seewölfe - Piraten der Weltmeere 466: Volle Breitseite
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Seewölfe - Piraten der Weltmeere 466: Volle Breitseite
eBook124 Seiten1 StundeSeewölfe - Piraten der Weltmeere

Seewölfe - Piraten der Weltmeere 466: Volle Breitseite

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Über dieses E-Book

Eiliger Drache und die "Isabella" rauschten auf den Zweimaster zu, den sich O'Leary und seine Schwefelbande im Hafen von St. Augustine mit Gewalt angeeignet hatten. O'Leary tat alles, um unter Land zu entwischen, denn dort war das Wasser flacher. Aber sie schafften es nicht mehr. Die Konfrontation war unvermeidlich. Die Stunde der Abrechnung schlug. Der Seewolf hatte kein Erbarmen mehr - sie hatten ihn einmal nach England verschleppen wollen, jetzt empfingen sie die Quittung. Die volle Backbordbreitseite der "Isabella" dröhnte im Höllenlärm auf, die Kugeln rasten auf den Zweimaster zu und zerhackten ihn. Es waren Gigantenhämmer, die alles zerschlugen und zertrümmerten...
SpracheDeutsch
HerausgeberPabel eBooks
Erscheinungsdatum20. Nov. 2018
ISBN9783954398744
Seewölfe - Piraten der Weltmeere 466: Volle Breitseite

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    Buchvorschau

    Seewölfe - Piraten der Weltmeere 466 - Roy Palmer

    1.

    Mila, die Spanierin, blickte durch das Bleiglasfenster ihres Dachzimmers ins Freie. Jetzt, am Morgen des 30. April 1595, konnte sie verfolgen, was sich in St. Augustine abspielte. Da herrschte einige Aufregung. Soldaten rannten auf und ab, bildeten Trupps und rückten aus. Auch in der Festung war der Teufel los. Mila glaubte sogar, die Stimme des Kommandanten, Don Lope de Sanamonte, herüberschallen zu hören.

    Recht so, dachte sie schadenfroh. Sie gönnte Don Lope die Niederlage. Er hatte nichts anderes verdient. Zwei der Gefangenen, die nachts in den Kerker der Festung eingepfercht wurden und tagsüber Zwangsarbeit leisten mußten wie alle anderen Sträflinge, waren geflohen. Sie schienen spurlos verschwunden zu sein, als ob sie sich in Luft aufgelöst hätten. Don Lope gelang es nicht, auch nur die kleinste Spur von ihnen aufzunehmen.

    Mila lächelte. Sie ließ sich auf einem Stuhl am Fenster nieder und begann mit ihrem Tagwerk. Sie verdiente sich einen Teil ihrer Brötchen mit Näharbeiten und war flink und geschickt mit ihren Fingern. Abends und nachts ging sie einem anderen Gewerbe nach – unten, in der Kneipe. Dort hatte sie auch den Franzosen kennengelernt.

    Das war ein Mann! Mila seufzte, wenn sie nur an ihn dachte. Solch einen Kerl lernte man nicht jede Nacht kennen. Sie wäre froh gewesen, wenn er noch ein wenig länger bei ihr geblieben wäre. Aber es wäre viel zu riskant gewesen, ihn in dem Dachzimmer zu verstecken. Außerdem hatte er seinen Kameraden zu versorgen, der in den Sümpfen auf ihn wartete.

    Unwillkürlich mußte Mila lachen. Sie konnte sich vorstellen, wie Don Lope jetzt auf dem Hof der Festung herumtobte. Zwei Sträflinge entflohen? Das war noch nie passiert. Der Kerker war sicher.

    Keiner von denen, die dort in den Einzel- oder Gemeinschaftszellen einsaßen, dachte auch nur im Traum daran, den Ausbruch zu versuchen. Die Gefängniswärter waren rohe, ungeschlachte Gesellen, die mit der Peitsche so gut wie mit der Pistole umzugehen verstanden. Der Hof der Feste war ständig, auch bei Nacht, von den Soldaten des Don Lope de Sanamonte bewacht. Keine Maus konnte entweichen.

    Doch der Franzose und sein Freund waren ja auch nicht aus dem Kerker ausgebrochen. Sie hatten sich eines anderen, kaum weniger waghalsigen Tricks bedient. Bei der Fronarbeit draußen, außerhalb der Festung, hatten sie zwei Posten überrumpelt und waren in den Wassergraben gesprungen. Sie waren weggetaucht und in der Dunkelheit verschwunden. So einfach hatte es sich angehört, als der Franzose es Mila, der vollbusigen Schönheit, erzählt hatte.

    Aber Mila wußte, wie tollkühn man sein mußte, um den bulligen Wächtern zu entgehen. Sie konnten einen Mann mit ihren Peitschen glatt totschlagen. Es war schon geschehen. Sie kannten weder Gnade noch Pardon, und sie schikanierten die Gefangenen, die derzeit einen Wehrgraben ausheben mußten, wo und wann sie nur konnten.

    Mila haßte Don Lope und dessen Schergen. Warum, das hatte sie dem Franzosen berichtet, als sie in der Pinte zusammengesessen und kräftig geschmust hatten. Die Soldaten, die alles abgesucht hatten, waren an ihnen vorbeigegangen. Offenbar rechneten sie nicht damit, daß jemand, dem eben die Flucht gelungen war, so kaltblütig sein würde, sich in eine Hafenkneipe zu setzen und sich dort ein Schätzchen zu suchen.

    Don Lope de Sanamonte hatte mit einer Freundin von Mila ein Verhältnis gehabt. Als er erfahren hatte, daß das Mädchen ein Kind von ihm erwartete, hatte er sie hohnlächelnd sitzenlassen. Das alles wäre noch nicht so schlimm gewesen – wenn die Freundin nicht mit dem Kind, ins Wasser gegangen wäre.

    Niemand hatte das Mädchen und das Kind retten können. Sie waren im Meer von St. Augustine ertrunken. Nicht einmal ihre Leichen waren geborgen worden. Man hatte sie treiben lassen. Seitdem haßte Mila Don Lope – so tief und innig, wie eine Frau ihres Temperaments zu hassen vermochte.

    Von jenem Moment an, in dem sie dem Franzosen dies erzählt hatte, hatte er gewußt, daß er ihr vertrauen konnte. Mila erfuhr seinen Namen: Roger Lutz. Er schilderte nun seinerseits, was sich zugetragen hatte und wie es zu der völlig aberwitzigen „Verhaftung" seiner Crew gekommen war.

    Der Narr Don José de Zavallo, seines Zeichens Teniente, hatte sich erdreistet, die deutsche Handelskaravelle „Goldene Henne" des Handelshauses von Manteuffel in Kolberg einfach zu beschlagnahmen. Er hatte fadenscheinige Vorwände benutzt, um die Karavelle nach St. Augustine zu verschleppen. Beispielsweise behauptete er, es könne nicht angehen, daß ein deutscher Kauffahrer einen Bastard von Indianermischling als Lotse an Bord habe.

    Der „Bastard" hieß Karl von Hutten und war der Sohn eines deutschen Adligen und einer Indianerin. Doch was ging das den Teniente an? Nichts – die Besatzung war ohne jegliche Rechtsgrundlage verhaftet worden. Man hatte sie an Bord ihres Schiffes nach St. Augustine überführt und einfach zu Gefangenen erklärt, um sie als Zwangsarbeiter auszunutzen.

    Doch der wahre Hintergrund für das Vorgehen der Spanier war der große Bedarf an Schiffsraum, der in St. Augustine herrschte. Don Lope war über jeden Segler froh, den seine Kapitäne und Seesoldaten für ihn „requirierten. Inzwischen hatte Don José de Zavallo die „Goldene Henne als Kommandant übernommen und war mit ihr ausgelaufen, um die Florida-Straße zu kontrollieren und den üblichen Wach- und Patrouillendienst zu versehen.

    Wohlweislich hatte Roger Lutz der feurigen Mila allerdings verschwiegen, daß die „Goldene Henne weder ein deutscher Kauffahrer war noch die Besatzung aus biederen Handelsleuten bestand. Auch wußte sie nicht, daß während der Überfahrt nach St. Augustine zwei Männer der Jean-Ribault-Crew mit einer Jolle entkommen waren: Jan Ranse und Mel Ferrow. Die hatten inzwischen die „Isabella IX. und den Schwarzen Segler vor Great Bahama getroffen und Hasard und dem Wikinger alles berichtet. Dem Seewolf war es gelungen, die „Goldene Henne" aufzubringen und wieder in den Besitz des Bundes der Korsaren zu übernehmen. Das aber war Jean Ribault, Roger Lutz und den im Kerker von St. Augustine einsitzenden Freunden noch nicht bekannt.

    Mila war zutiefst empört über das Unrecht, das man den Männern der „Goldenen Henne antat. Sofort erklärte sie sich bereit, Roger zu helfen. Sie besorgte ihm Proviant – und er verließ das Dachzimmer in der Nacht auf dem „Schleichpfad.

    Zu dem Dachzimmer gelangte man über eine Außentreppe auf der Hinterseite des Hauses, wo sich ein großer Hof befand. Dieser wiederum grenzte an eine Nebengasse und war von dort aus durch eine Hintertür zu erreichen. So hatte niemand Roger Lutz gesehen, als er mit seinem Proviantsack in der Nacht verschwunden war. Allerdings hatte er noch einen Soldaten bewußtlos geschlagen und diesem die Waffen und die Munition abgenommen. Dann hatte er sich mit dem von ihm „requirierten" Kahn verzogen.

    Mila unterbrach ihre Näharbeiten, verließ ihre Bleibe und mischte sich am Hafen unter die Leute. Die Flucht der „Deutschen" war das Gespräch Nummer eins – das Tagesthema. Mila war nicht die einzige, die dem Kommandant de Sanamonte diese Schmach von Herzen gönnte. Viele konnten den Kommandanten nicht leiden.

    Noch lieber wäre Mila gewesen, wenn auch Don José de Zavallo von dem Bubenstreich der „Deutschen" erfahren hätte. Diesen kaltschnäuzigen Mann haßte sie genauso wie Don Lope de Sanamonte. De Zavallo war ein Sadist Mila war einmal mit ihm zusammengewesen. Nie wieder, hatte sie sich gesagt. Selbst eine hartgesottene Dirne fühlte sich von diesem Teniente mit den ausgefallenen Wünschen angewidert.

    Viel schlimmer war, daß de Zavallo bei seinem Ziel, unbedingt die Karriereleiter zu erklettern, über Leichen ging. Er kannte weder Skrupel noch Hemmungen. Schon manchem anderen Mann in St. Augustine war diese Art unangenehm aufgefallen. Viele haßten de Zavallo, weil er rücksichtslos mit der Neunschwänzigen auf seine Männer losging, falls sie mal nicht parierten. In den Kneipen kursierten die haarsträubendsten Berichte.

    Manch einer hätte

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