Zuckerbäcker küssen besser: Zimmer frei für die Liebe 5
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Über dieses E-Book
Die Reihe "Zimmer frei für die Liebe":
- Heiße Küsse für das Christkind
- Ein Koch zum Verlieben
- Die Liebe kommt in Gummistiefeln
- Liebe ist kein Computerspiel
- Zuckerbäcker küssen besser
- Regenbogenküsse
- Kreuzfahrt zurück ins Leben
- Starthilfe fürs Herz
- Herzenskinder
Von der Autorin sind außerdem folgende sinnliche Liebesromane erschienen:
Die Reihe "Club Red Vulcano"
- Zweite Chance für Lust und Liebe
- Wer mit dem Feuer spielt
Die Reihe "Nachhilfe für die Liebe"
- Die Sexpertin
- Patchwork mit Herz
- Dich zu sehen
Die Reihe "Mallorca-Erotic-Romance"
- Ich, du und sie
- Wir drei für immer
- Zitronenblütenküsse und Lebkuchensterne
- Weil die Liebe siegt
- Wahre Liebe rostet nicht
- Das Meer, du und ich
- Ein Boot, ein Kuss und du
- Du, ich und Weihnachtszauber
- Sommertanz & Einhornküsse
"Keine Cupcakes für Bad Boys" zwei Romane in einem Buch
- (K)ein Bad Boy für Carolin von Isabella Lovegood
- Ein Cupcake zur Mittsommernacht von Tamara Leonhard
"Traumprinz nicht gesucht und doch gefunden" (Fortsetzung) erscheint am 28. April 2021
Die "Rosen-Reihe":
- Sommerflirt mit Folgen
- Liebe zu dritt
- Rosen-Himmel
- Geteilte Liebe
- Drei plus zwei und jede Menge Liebe
- Auf Liebe gebaut
- Herbstgenüsse
- Aller guten Dinge sind 5
- Weihnachten am Heckenrosenweg
"Hot Holiday Lovers" - erotischer Liebesroman
"Neujahrsliebe" - Sinnlich-erotische Kurzgeschichte
"Venus trifft Venus" - Sinnlich-erotische Kurzgeschichte
Unter dem Pseudonym C.P. Garrett
"A Groupie's Dream" - erotische Kurzgeschichte
"Nina" - erotischer Roman
"Mein 10. Hochzeitstag" - erotische Kurzgeschichte
"Der Zucker und das Salz des Lebens" + "Honig und Chili" 2-teiliger, erotischer Roman
Unter dem Pseudonym Ingrid Fuchs
- Die Hexe Veronika: Roman für Kinder ab ca. 5 Jahren und
dazu passendes Malbuch
Isabella Lovegood
Isabella Lovegood ist das Pseudonym einer österreichischen Autorin. Als Jahrgang 1964 kann sie aus einem bewegten, erfahrungsreichen Berufs- und Privatleben schöpfen. Ihr Spezialgebiet sind sinnlich-erotische Romane. Sie handeln von Liebe, Lust und Zärtlichkeit, und sehr oft von Menschen mit Lebenserfahrung, die sich trotz allem die Hoffnung bewahrt haben oder wieder für sich entdecken. Ihre Romane sind geprägt von prickelnder Erotik und der tiefen Sehnsucht nach harmonischen, liebevollen Beziehungen.
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Buchvorschau
Zuckerbäcker küssen besser - Isabella Lovegood
Begriffserklärung
Da dieser Roman über weite Teile in einer österreichischen Café-Konditorei spielt, verwende ich auch die ortsüblichen Begriffe.
Damit es zu keiner Verwirrung kommt, erkläre ich hier einige der verwendeten Bezeichnungen.
Kapitel 1
‚Endlich Urlaub!‘ Patrick streckte sich genüsslich und drehte sich auf die andere Seite. Nun schien ihm die Morgensonne direkt ins Gesicht und drang durch seine geschlossenen Lider. Bedauernd merkte er, dass er immer wacher wurde. Dann bohrten sich die Geräusche des Tages in sein Bewusstsein. Seufzend rollte er sich wieder auf den Rücken. ‚Das wird wohl nichts mehr mit Weiterschlafen. Ich sollte ohnehin aufstehen. Schließlich habe ich Tom versprochen, mit ihm in die Therme zu fahren.‘ Er hatte den Satz noch nicht einmal ganz zu Ende gedacht, als jemand an seine Tür klopfte.
„Ja, was ist denn?", rief er und zog die Decke wieder hoch, die er bereits zurückgeschlagen hatte.
„Ah, du bist schon wach! Das ist gut." An der Stimme seiner Mutter erkannte Patrick, dass etwas vorgefallen sein musste. Der alarmierte Tonfall, den er in den letzten drei Jahren zu oft gehört hatte, löste sofort Unbehagen in ihm aus.
„Was ist los? Ist was mit Tommy?"
„Nein, der sitzt in der Küche und frühstückt. Onkel Oswald hat angerufen. Lisbeth ist im Krankenhaus."
Patrick rückte ein wenig zur Seite, damit sich seine Mutter auf die Bettkante setzen konnte. „Sie hatte heute Morgen einen Schwächeanfall. Es könnte auch ein leichter Herzinfarkt gewesen sein, so genau wissen es die Ärzte noch nicht. Sie muss auf jeden Fall mindestens ein oder zwei Tage zur Beobachtung bleiben." Wie so oft wünschte er sich, ihr die Sorgenfalten einfach von der Stirn streichen zu können.
„Was ist mit dem Café?"
„Genau das ist das Problem. Sie lässt fragen, ob du eventuell für sie einspringen könntest."
Patrick erschrak. „Aber ich kenne mich in ihrem Betrieb doch gar nicht aus."
„Lisbeth meinte, ihre Nichte Saskia kann dir alles zeigen. Es ist die einzige Möglichkeit, die ihr einfällt, sonst muss sie die Konditorei vorübergehend schließen."
Er wich dem bittenden Blick seiner Mutter aus. Gleichzeitig wusste er, dass er eigentlich keine Wahl hatte. Sie verdankten Lisbeth so viel, dass er es in diesem Leben wohl nicht mehr ausgleichen konnte. „Okay. Sagst du Onkel Oswald, dass sie sich keine Sorgen zu machen braucht? Ich ziehe mich rasch an. Frühstücken kann ich dann wohl im Café".
„Danke, du bist ein Schatz!" Einen Moment sah sie aus, als ob sie ihm wie früher, als er noch ein kleiner Junge war, einen Kuss auf die Stirn geben wollte. Stattdessen drückte sie kurz seinen Arm, bevor sie hinausging und die Tür hinter sich schloss.
Seufzend kam Patrick auf die Beine. Er schlüpfte in Jeans und ein weißes T-Shirt. Während er die Zähne putzte, besah er kritisch sein Spiegelbild. ‚Ich muss dringend zum Frisör. Hoffentlich ist Tante Lisbeth bald wieder fit.‘
Toms traurige Stimme drang an sein Ohr, als er die elektrische Zahnbürste abstellte. „Aber er hat es mir versprochen!" Die sanfte Erwiderung der Mutter konnte Patrick nicht verstehen. Sein Herz zog sich zusammen. Rasch betrat er die Küche und wuschelte seinem Bruder durch die braunen, etwas widerspenstigen Haare.
„Es tut mir wirklich leid, Tommy. Wir werden das nachholen, großes Bruder-Ehrenwort. Soll ich dir etwas mitbringen? Eine Cremeschnitte oder so?"
Die Aussicht, wenigstens eine süße Wiedergutmachung für den verpfuschten Ferientag zu bekommen, heiterte die Miene des Jungen sichtlich auf, als er eifrig nickte.
Kapitel 2
Saskia sah beunruhigt auf die Uhr. Normalerweise empfing sie bereits der warme, süße Kuchenduft aus der Backstube, wenn sie um halb neun ankam. Nun war es fünf Minuten vor neun. Gleich musste sie das Café aufsperren und von Tante Lisbeth war keine Spur. Ein schneller Blick auf das Handy zeigte ihr, dass weder Anruf noch Nachricht eingegangen waren. Prüfend sah sie sich um. Alles war für die ersten Gäste bereit: Die Tische waren gedeckt, die Blumen hatten frisches Wasser und die Kaffeemaschine war auf Betriebstemperatur. Erschrocken fuhr sie herum, als jemand laut an die Glastür klopfte. Ein dunkelhaariger Mann stand davor und legte beide Hände um die Augen, um ins Innere des Lokals spähen zu können.
„Wir haben noch nicht geöffnet", rief sie durch die geschlossene Tür. Ihr Herz klopfte heftig.
„Das weiß ich! Lisbeth ... Ich meine, Elisabeth Ranninger schickt mich."
Rasch trat sie näher. „Warum?"
„Damit wir beide den Laden am Laufen halten, Saskia. Jetzt mach schon auf!"
Sie überlegte blitzschnell. Der Mann da draußen sah irgendwie südländisch aus, hatte aber keinen Akzent. Er kannte die Inhaberin des Cafés mit vollem Namen, obwohl die meisten sie einfach Lisbeth nannten. Und er wusste, wer sie selbst war. Entschlossen drehte Saskia den Schlüssel um und öffnete ihm die Tür.
„Na endlich! Ich dachte schon, du brauchst ein Empfehlungsschreiben, bevor du mich reinlässt! Er streckte ihr die Hand hin. „Ich bin Patrick. Tante Lisbeth ist im Krankenhaus und hat mich gebeten, für sie einzuspringen.
„Ich hab zwar keine Ahnung, warum und wieso, aber nachdem die ersten Gäste in ein paar Minuten hier auftauchen, müssen wir das Frage-Antwort-Spiel wohl auf später verlegen. Weißt du überhaupt, was zu tun ist?"
„Lisbeth meinte, das kannst du mir sagen." Er lächelte sie treuherzig an. Dabei fiel ihr auf, dass seine Augen ein für seinen dunklen Typ ungewöhnlich helles blaugrau aufwiesen.
„Na prima. Komm, ich erkläre dir rasch die Kaffeemaschine." Sie wandte sich um und Patrick folgte ihr.
„Sei mir nicht böse, aber das kannst du dir sparen. Ich trinke gerne Kaffee, doch von den Feinheiten habe ich keine Ahnung. Ach ja, könnte ich vielleicht einen bekommen?"
Saskia warf ihm einen überraschten Blick zu. ‚Er soll mir hier helfen, kennt sich aber mit Kaffee nicht aus? Na, das kann ja heiter werden.‘ „Okay. Wie trinkst du ihn?"
„Schwarz ohne alles, bitte."
Als sie ihm die Tasse hinschob, betraten die ersten Gäste des Tages das Lokal. Saskia wartete, bis alle saßen, dann griff sie nach ihrem Block und steuerte den mit drei Frauen besetzten Tisch an. Sie nahm die Bestellungen auf und kehrte hinter den Tresen zurück.
„Schaffst du es, die Mehlspeisen anzurichten?"
Patrick nickte. „Das bekomme ich hin."
„Eine Schwarzwälder Kirschtorte, eine Topfengolatsche und ein Nougatkipferl. Das sind die mit den in Schokolade getauchten Enden. Jedes auf einen Teller. Die sind dort drüben auf dem Board. Und nimm ein Tablett." Während er die süßen Köstlichkeiten geschickt auf den Tellern platzierte, merkte sie, dass er sie gleichzeitig beim Zubereiten des Cappuccinos beobachtete. Es machte ihr nichts aus. Für sie war es Routine, ein gleichförmiges Herz in den Milchschaum zu zeichnen.
Bald war das Café, wie um diese Zeit üblich, von fröhlichem Stimmengewirr und Kaffeeduft erfüllt und sie hatten alle Hände voll zu tun. Erleichtert stellte Saskia fest, dass sich dieser junge Mann, den ihre Tante da geschickt hatte, doch als überraschend brauchbar erwies. Zufrieden ließ Saskia ihren Blick über die Gäste schweifen.
Vier junge Mütter hatten sich an einem Tisch gleich neben dem Kinderspielbereich niedergelassen. Die Kleinen im Krabbelalter beschäftigten sich mit Spielzeug auf dem weichen Teppich, während die Mamis gemütlich Kaffee tranken und plauderten.
In der Mitte saßen einige Kurgäste, die dabei waren, ihre Diätvorschriften zu umgehen.
Zwei alte Damen, die aussahen, als hätten sie das Kaiserreich noch selbst erlebt, genossen mit gezierten Bewegungen ihrer zitternden Hände Torte und Schwarztee mit Milch.
Es war nicht nur die hervorragende Qualität der Speisen und Getränke, die das Lokal so beliebt gemacht hatte. Sehr viel zum Erfolg des Cafés trug die heimelige Atmosphäre bei. Es war in warmen Farben und mit liebevollen Details gestaltet und Tante Lisbeths ganzer Stolz.
„Du magst deinen Job", stellte Patrick fest und schob sich den letzten Bissen des Marmorgugelhupfs in den Mund. Normalerweise bevorzugte er ein herzhafteres Frühstück, aber jetzt war er froh, dass er endlich etwas in seinen hungrigen Magen bekam.
„Ja, es ist immer etwas los. Ursprünglich wollte ich nach der Matura studieren, aber das ließ sich nicht realisieren. Jetzt bin ich sehr froh, dass mir meine Tante angeboten hat, hier die Lehre zu machen."
„Wie weit bist du? Du wirkst sehr kompetent!"
Saskia spürte, wie ihre Wangen wegen des unerwarteten Lobs heiß wurden. „Ich habe die Lehrabschlussprüfung zur Restaurantfachfrau vor zwei Wochen mit Auszeichnung bestanden." Sie konnte nicht verhindern, dass sich Stolz in ihre Stimme mischte. Die Matura war jetzt drei Jahre her, aber die LAP hatte sie vor allem wegen des praktischen Teils als fast genauso stressig empfunden.
„Gratuliere!" Er nickte ihr mit ehrlicher Anerkennung zu.
„Danke! Erzählst du mir jetzt mal, was mit Tante Lisbeth los ist? Wie bist du denn dazu gekommen, hier auszuhelfen? Vielen Dank übrigens. Ich weiß wirklich nicht, was ich ohne dich machen würde!"
„Gern geschehen. Lisbeth ist meine Taufpatin und eine enge Freundin der Familie." Schnell fasste er zusammen, was er über ihren Zustand wusste.
„Bist du gerade arbeitslos oder wie konntest du so spontan einspringen?"
„Ich bin Konditor und verbringe hier meinen ersten Urlaubstag seit einem halben Jahr."
„Oh. Wo arbeitest du?"
„Im Zwergenhotel in Bad Gastein. Kennst du es?"
Saskia nickte schmunzelnd. „Ja, kann man so sagen, obwohl ich nicht oft dort bin. Viola ist meine beste Freundin. Wir machen hier die Torten für ihre Hochzeiten."
Da sie die Stieftochter des Hotelbesitzers war, kannte Patrick sie natürlich, und wusste von ihrer Tätigkeit als Hochzeitsplanerin. „Wann ist die Nächste angesetzt?"
„Am Freitag. Ob Tante Lisbeth bis dahin wieder fit ist?" Sie sahen einander alarmiert an.
„Ich nehme an, es gibt Aufzeichnungen darüber, wie sie aussehen und woraus sie bestehen soll?"
„Ja, Tante Lisbeth ist da sehr genau."
Das erleichterte Patrick sichtlich. „Wer erledigt bei euch die Bestellung der Zutaten?"
„Den Lagerbestand an Grundzutaten ergänze ich selbstständig. Was sie zusätzlich braucht, schreibt sie mir auf. Bestellt wird Montag, Mittwoch und Freitag."
„Es gibt bestimmt ein Standardangebot an Mehlspeisen, an dem ich mich orientieren kann?"
„Ja, sieh es dir an. Im Kühlraum ist noch Nachschub, aber der reicht höchstens für heute. Nach einem kurzen Kontrollblick, ob alle versorgt waren, bedeutete sie ihm, ihr zu folgen. Ein winziger Durchgangsbereich gleich hinter der Theke diente als Büro. Danach kam die deutlich geräumigere Backstube. Sie schloss einen Schrank auf. Ihm entnahm sie zwei Ordner. „Hier im Roten sind die Aufträge und im Grünen sind Tante Lisbeths Rezepte. Ich hoffe, du kannst damit etwas anfangen.
„Ja, bestimmt." Er fing sofort zu blättern an. Saskia beobachtete unauffällig das Spiel der Muskeln und Sehnen in seinen kräftigen, leicht behaarten Unterarmen. Dabei fiel ihr auf der Innenseite, gleich oberhalb des linken Handgelenks, ein kleines Tattoo auf: Eine Schlange, die sich um einen Stab wand. ‚Das ist doch das Symbol für Apotheken oder so? Seltsam.‘
Er sah von den Rezepten auf. „Spitze. Dann werde ich mich gleich an die Arbeit machen, damit wir rechtzeitig Nachschub anbieten können. Oder brauchst du mich draußen?"
„Nein, gegen Mittag ist es immer ruhiger."
„Das ist gut. Ich kann mich also voll auf die Bäckerei konzentrieren. Er stand auf. „Dann sehe ich mir mal an, was gebraucht wird.
Patrick inspizierte die Vitrine, danach den Kühlraum.
Es dauerte gar nicht lange, bis köstlicher Kuchenduft aus der Backstube drang. Saskia hätte also keinen Grund gehabt, sich Sorgen zu machen. Trotzdem irritierte sie die Tatsache, dass nun statt ihrer Tante - und somit geballter Frauen-Power - ein junger Mann mit ihr zusammen arbeitete. Auch wenn sie fast widerwillig zugeben musste, dass er ihr sympathisch war.
Kapitel 3
Um fünfzehn Uhr kam Patrizia, um sie abzulösen. Schnell informierte sie ihre Kollegin über den Stand der Dinge.
„Na, das ist ja süß: Patrick und Patrizia. Passt ja perfekt. Wie ist er denn so?"
Saskia zuckte betont gleichmütig mit den Schultern. „Nett. Er sieht eher wie ein Pizzabäcker als ein Zuckerbäcker aus, wenn du mich fragst."
Patrizia taxierte sie aus schmalen Augen. „Das klingt nicht so, als ob du Interesse hättest."
Saskia schüttelte den Kopf. „Nein, hab ich nicht. Du hast freie Bahn, wenn es das ist, was du wissen willst."
Ihre Kollegin zwinkerte ihr zu und warf schwungvoll ihre dunkelbraune Mähne über die Schulter zurück. Mit schwingenden Hüften stakste sie in den hinteren Bereich des Lokals. Saskia sah ihr einen Moment nach, dann wandte sie sich der Abrechnung ihres Umsatzes zu. Als sie beim Zählen zwei Mal auf unterschiedliche Beträge kam, runzelte sie unwillig die Stirn und tippte sich mit dem Zeigefinger überlegend an die Lippen. ‚Warum wurmt es mich bloß so, dass Patrizia ihre Reize bei unserem Aushilfs-Konditor spielen lässt?‘, fragte sie sich irritiert. ‚Ich will nichts von ihm. Keine Affäre und schon gar keine Beziehung. Vermutlich ist es deshalb, weil wir es uns einfach nicht leisten können, dass sie ihn von der Arbeit ablenkt. Außerdem flirtet sie ohnehin mit jedem Mann, da könnte sie wenigstens ihn in Ruhe lassen. Das ist auf jeden Fall ein Vorteil an einem reinen Frauenbetrieb ...‘
Entschlossen verbannte sie jeden Gedanken an das Geschehen in der Backstube aus ihrem Kopf und zählte die Einnahmen konzentriert noch einmal. Dann bereitete sie die Kassa für die Übergabe an Patrizia vor. Fürsorglich sah sie sich um. Das Lokal war derzeit nur mäßig besucht und die Gäste hatten zumindest noch etwas zu trinken vor sich stehen.
‚Es ist ja wirklich zu dumm, dass Simone sich das Bein gebrochen hat. Wenn wir im Service zu dritt gewesen wären wie sonst, ginge alles ein wenig leichter. Aber unter diesen Umständen hat Tante Lisbeth sicher nichts dagegen, wenn ich ein paar Überstunden mache und Patrick zur Hand gehe.‘ Sie strich die Eiscreme in den Edelstahlbehältern zu optisch ansprechenden Hügeln zurecht. ‚Erdbeere und Vanille gehen auch schon zu Ende. Davon braucht Patrizia garantiert welche am Nachmittag.‘ Nach einem Blick auf die Uhr wandte sie sich entschlossen um. ‚Flirt hin oder her, es ist Zeit für den Schichtwechsel. Ran an die Arbeit, Frau Kollegin!‘
Mit leichter Genugtuung stellte sie fest, dass Patrick sich mit Hingabe dem Verstreichen von Schokoladencreme auf einem Tortenboden widmete. Patrizia lehnte ebenso lasziv wie unbeachtet an einem Schrank. Mit deutlich schlechtem Gewissen stieß sie sich davon ab, als sie Saskia sah. „Ich komm ja schon! Die Kassa ist fertig?"
„Ja, aber zähle sie nach, bevor du sie übernimmst. Und vergiss nicht, deine Schuhe zu wechseln."
Patrizia zog bei den Ermahnungen einen Schmollmund, wagte aber doch nicht, ihr zu widersprechen, und verschwand. Patrick warf Saskia einen amüsierten Blick zu.
„Du entwickelst ja nicht nur bei unerwünschten Eindringlingen Autorität. Hätte nicht gedacht, dass das Küken bei dir so spurt!"
Saskia hob das Kinn ein wenig höher. „Ich bin die offizielle Stellvertreterin von Tante Lisbeth. Außerdem ist Patrizia drei Jahre jünger als ich."
„Hast du jetzt Dienstschluss?"
„Ja, aber ich dachte, falls du mich brauchen kannst, melde ich mich freiwillig als Hilfskraft. Ehrlich gesagt, ist noch höllisch viel zu tun."
Patrick richtete sich überrascht auf. „Wirklich? Du würdest mir hier helfen? Er machte eine ausholende Bewegung mit der Streichpalette. Dabei rutschte ein Klecks der Schokocreme ab. Saskia fing ihn im Fall und steckte den Finger in den Mund. „Lecker! Eigentlich bleibe ich ja nur, um ein wenig zu naschen!
Er lächelte sie an. „Damit kann ich leben!" Unwillkürlich stellte sie fest, dass er einen hübschen, sinnlichen Mund hatte. Ein unkontrolliertes Kribbeln breitete sich in ihrem Unterleib aus. Schnell wandte sie sich ab und schnappte Tante Lisbeths Schürze, die an einem Haken hing.
„Was soll ich tun?"
„Den Rührkessel und den Schneebesen abwaschen." Er warf ihr unter halb geschlossenen Lidern einen Blick zu, als wollte er ihre Reaktion sehen. Ohne mit der Wimper zu zucken griff sie danach. Sie waren sperrig zu handhaben und Saskia hatte etwas Mühe damit, sie sauber zu bekommen. Kommentarlos stellte er ihr dann auch die Schüssel hin, in der noch Reste der Schokoladencreme klebten. Patrick grinste, als sie mit der Teigkarte alles zusammenkratzte und ableckte, bevor sie sie in die Lauge tauchte.
„Du magst Süßes wirklich."
„Ja, auf jeden Fall. Hier zu arbeiten ist der perfekte Job für mich. Nur die ständige Versuchung ist nicht so ideal." Sie verzog ein wenig das Gesicht.
„Wem sagst du das. Und einem Mädchen stehen Rundungen nun mal viel besser als einem Mann." Nun war er es, der eine bedauernde Grimasse zog. Saskia zog die Augenbrauen erstaunt hoch.
„Na, du scheinst aber keine Figurprobleme zu haben."
„Das täuscht. Du hättest mich vor eineinhalb Jahren sehen müssen. Da hatte ich noch zehn Kilo mehr um den Bauch."
