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48 Hours - Rette dein Kind: Thriller: Eine verzweifelte Mutter - Ein gnadenloser Wettlauf gegen die Zeit
48 Hours - Rette dein Kind: Thriller: Eine verzweifelte Mutter - Ein gnadenloser Wettlauf gegen die Zeit
48 Hours - Rette dein Kind: Thriller: Eine verzweifelte Mutter - Ein gnadenloser Wettlauf gegen die Zeit
eBook634 Seiten6 Stunden

48 Hours - Rette dein Kind: Thriller: Eine verzweifelte Mutter - Ein gnadenloser Wettlauf gegen die Zeit

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Über dieses E-Book

In den Fängen der mexikanischen Mafia: Der packende Thriller »48 Hours – Rette dein Kind« von Elizabeth Lowell als eBook bei dotbooks.

»Kommen Sie sofort nach Mexiko – sonst stirbt Ihr Sohn.« Worte, die jede Mutter in Panik versetzen würden – auch die Richterin Grace Silva: Ihr Exmann Ted hat sich die falschen Leute zu Feinden gemacht. Nun ist ihr Sohn Lane als Geisel in ihren Händen. Genau 48 Stunden bleiben Grace, um die Forderungen eines mexikanischen Gangsterbosses zu erfüllen, bevor er sein Urteil vollstreckt. Ihr bleibt nichts anderes übrig, als sich an den Entführungsspezialisten Joe Faroe zu wenden – ausgerechnet den Mann, mit dem sie eine dunkle Vergangenheit verbindet. Wird er ihr helfen, Lane zu retten? In diesem Moment höchster Not muss Grace sich eingestehen, dass ihr Herz insgeheim noch immer für Joe schlägt – doch ihre Liebe könnte sie und Lane in tödliche Gefahr bringen ...

»Brillant mischt Lowell Gefahr, Täuschung und Verlangen zu einer fesselnden Geschichte.« Booklist

Jetzt als eBook kaufen und genießen: »48 Hours – Rette dein Kind« von Elizabeth Lowell, der fesselnde Thriller mit einer Prise romantischem Prickeln für Fans der Bestsellerautorinnen Lisa Jackson und J. D. Robb. Wer liest, hat mehr vom Leben: dotbooks – der eBook-Verlag.
SpracheDeutsch
Herausgeberdotbooks
Erscheinungsdatum5. Dez. 2023
ISBN9783986908867
48 Hours - Rette dein Kind: Thriller: Eine verzweifelte Mutter - Ein gnadenloser Wettlauf gegen die Zeit
Autor

Elizabeth Lowell

Elizabeth Lowell ist das Pseudonym der preisgekrönten amerikanischen Bestsellerautorin Ann Maxwell, unter dem sie zahlreiche ebenso spannende wie romantische Romane verfasste. Sie wurde mehrfach mit dem Romantic Times Award ausgezeichnet und stand bereits mit mehr als 30 Romanen auf der New York Times Bestsellerliste. Die Website der Autorin: elizabethlowell.com Bei dotbooks veröffentlichte die Autorin ihre historischen Liebesromane »Begehrt von einem Ritter«, »Verführt von einem Ritter« und »Geküsst von einem Ritter« sowie ihren Thriller »48 Hours – Rette dein Kind« Außerdem veröffentlichte sie ihre Romantic-Suspense-Romane »Dangerous Games – Dunkles Verlangen«, »Dangerous Games – Tödliche Gier« und die Donovan-Saga mit den Bänden »Thrill of Desire«, »Thrill of Seduction«, »Thrill of Passion« und »Thrill of Temptation«.

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    Buchvorschau

    48 Hours - Rette dein Kind - Elizabeth Lowell

    coverpage

    Über dieses Buch:

    »Kommen Sie sofort nach Mexiko – sonst stirbt Ihr Sohn.« Worte, die jede Mutter in Panik versetzen würden – auch die Richterin Grace Silva: Ihr Exmann Ted hat sich die falschen Leute zu Feinden gemacht. Nun ist ihr Sohn Lane als Geisel in ihren Händen. Genau 48 Stunden bleiben Grace, um die Forderungen eines mexikanischen Gangsterbosses zu erfüllen, bevor er sein Urteil vollstreckt. Ihr bleibt nichts anderes übrig, als sich an den Entführungsspezialisten Joe Faroe zu wenden – ausgerechnet den Mann, mit dem sie eine dunkle Vergangenheit verbindet. Wird er ihr helfen, Lane zu retten? In diesem Moment höchster Not muss Grace sich eingestehen, dass ihr Herz insgeheim noch immer für Joe schlägt – doch ihre Liebe könnte sie und Lane in tödliche Gefahr bringen ...

    »Brillant mischt Lowell Gefahr, Täuschung und Verlangen zu einer fesselnden Geschichte.« Booklist

    Über die Autorin:

    Elizabeth Lowell ist das Pseudonym der preisgekrönten amerikanischen Bestsellerautorin Ann Maxwell, unter dem sie zahlreiche ebenso spannende wie romantische Romane verfasste. Sie wurde mehrfach mit dem Romantic Times Award ausgezeichnet und stand bereits mit mehr als 30 Romanen auf der New York Times Bestsellerliste.

    Elizabeth Lowell veröffentlichte bei dotbooks bereits ihre historischen Liebesromane »Begehrt von einem Ritter«, »Verführt von einem Ritter« und »Geküsst von einem Ritter« sowie ihren Thriller »48 Hours – Rette dein Kind« Außerdem veröffentlichte sie ihre Romantic-Suspense-Romane »Dangerous Games – Dunkles Verlangen«, »Dangerous Games – Tödliche Gier« und die Donovan-Saga mit den Bänden »Thrill of Desire«, »Thrill of Seduction«, »Thrill of Passion« und »Thrill of Temptation«.

    Die Website der Autorin: elizabethlowell.com

    ***

    eBook-Neuausgabe Dezember 2023

    Die amerikanische Originalausgabe erschien erstmals 2006 unter dem Originaltitel »The Wrong Hostage« bei HarperCollins Publishers, New York. Die deutsche Erstausgabe erschien 2007 unter dem Titel »Vergib mir meine Sünden« bei Knaur.

    Copyright © der amerikanischen Originalausgabe 2006 Two of a kind, Inc.

    Copyright © der deutschen Erstausgabe 2007 bei Knaur Taschenbuch. Ein Unternehmen der Droemerschen Verlagsanstalt Th. Knaur Nachf. GmbH & Co. KG, München

    Copyright © der Neuausgabe 2023 dotbooks GmbH, München

    Alle Rechte vorbehalten. Das Werk darf – auch teilweise – nur mit Genehmigung des Verlages wiedergegeben werden.

    Titelbildgestaltung: Nele Schütz Design unter Verwendung von Shutterstock/Cryptographer, Jeom.ac

    eBook-Herstellung: Open Publishing GmbH (ae)

    ISBN 978-3-98690-886-7

    ***

    Liebe Leserin, lieber Leser, wir freuen uns, dass Sie sich für dieses eBook entschieden haben. Bitte beachten Sie, dass Sie damit ausschließlich ein Leserecht erworben haben: Sie dürfen dieses eBook – anders als ein gedrucktes Buch – nicht verleihen, verkaufen, in anderer Form weitergeben oder Dritten zugänglich machen. Die unerlaubte Verbreitung von eBooks ist – wie der illegale Download von Musikdateien und Videos – untersagt und kein Freundschaftsdienst oder Bagatelldelikt, sondern Diebstahl geistigen Eigentums, mit dem Sie sich strafbar machen und der Autorin oder dem Autor finanziellen Schaden zufügen. Bei Fragen können Sie sich jederzeit direkt an uns wenden: info@dotbooks.de. Mit herzlichem Gruß: das Team des dotbooks-Verlags

    ***

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    ***

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    ***

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    blog.dotbooks.de/

    Elizabeth Lowell

    48 Hours – Rette dein Kind

    Thriller

    Aus dem Amerikanischen von Gisela Sturm

    dotbooks.

    Für all die Männer und Frauen, deren Mitwirkung an diesem Roman anonym ist und bleiben wird.

    Prolog

    Im Norden von Ensenada, Mexiko

    August, Samstagmorgen

    Lane Franklin sagte sich, dass es keinen Grund für ihn gab auszuflippen.

    Die meisten anderen Fünfzehnjährigen wären total aus dem Häuschen, wenn sie den Sommer in Ensenada verbringen könnten. Baden, Bräute, Bier. Das Leben könnte nicht schöner sein.

    Nicht dass die All Saints School direkt auf Ensenadas Amüsiermeile lag. Trotz der drückenden Sommerhitze liefen keine arschwackelnden Tangamädchen über den schönen, streng privaten Strand des Internats. Aber sein Cottage war super, und es gab ein gigantisches Fußballfeld, und bei offenem Fenster konnte er die Meeresbrandung von der Westseite des Campus rauschen hören.

    Mit ihren verstreut liegenden Vier-Zimmer-Cottages, den Apartments für die Lehrer, einem Wohnheim für die weniger begüterten Schüler und einer kleinen Bibliothek mit einem gemütlichen Aufenthaltsraum sah die All Saints School wie ein luxuriöses Ferienparadies aus.

    Was sie aber nicht war.

    Die All Saints School war ein kirchliches Internat für verzogene Kinder, denen man dort beibrachte, Regeln zu befolgen, gerade zu sitzen, fleißig zu lernen und sich anständig zu benehmen.

    Gääähn!

    Ich hab’s mir selbst eingebrockt. Was ich getan hab, war kriminell.

    Obwohl ihm das damals nicht gleich so klar war.

    Seine Finger hatten nur mal kurz die Tasten seines nagelneuen Computers berührt, und schon waren aus seinen Sechsen im zentralen Schulcomputer Zweier geworden. Es war schon blöd genug, sich dabei erwischen zu lassen, aber das Schlimmste war, dass sein Vater plötzlich entschied, es sei höchste Zeit, Lane auf eine internationale Schule zu schicken, wo man ihm Disziplin beibringen würde.

    Wenigstens hatten sie ihn nicht dabei ertappt, wie er sich in einen Militärcomputer eingehackt hatte, oder in diese Bank, und in weitere fünf oder sechs heilige Kühe. Als er dann erst einmal drin war, hatte er nichts anderes getan, als sich tierisch gefreut, ungeschoren davongekommen zu sein.

    Und danach hatte er diese geniale Idee gehabt, seine Schulnoten zu frisieren, um seiner Mutter den Kummer wegen der vielen Vierer und Sechser zu ersparen.

    Alles Bingo.

    Ich bin jetzt sechs Monate hier. Da schaff ich die zwei jetzt auch noch.

    Selbst wenn seine Mitbewohner vor drei Wochen geschlossen ausgezogen waren. Er hatte endlich Ruhe und brauchte den Computer nicht mehr zu verstecken.

    Selbst wenn die Schule vor ein paar Wochen diese Schläger in das Fußballteam aufgenommen hatte. Selbst wenn die Typen nicht wie sechzehn, sondern wie sechsundzwanzig aussahen. Und ihn genau beobachteten, sobald er mitspielte. Er war schneller und um einiges intelligenter als sie.

    Lane blickte auf seine Uhr. Bis zum Fußballtraining hatte er ein paar Stunden Zeit. Bis dahin würde er noch seine Schulaufgaben machen. Und hinterher würde er sich ein paar Spiele auf dem Computer reinziehen, den seine Mutter vor ein paar Wochen direkt unter den Augen des total spießigen Rektors reingeschmuggelt hatte.

    Er wusste noch immer nicht, warum er keinen Computer mehr haben durfte. Er hatte doch gar nichts angestellt, und plötzlich durfte er weder das Telefon noch den Computer in der Bibliothek benutzen. Nur noch Briefe schreiben. Die Schneckenpost, das war das Allerletzte.

    Zumindest brauchte Lane sich keine Sorgen zu machen, dass jemand seinen illegalen Computer entdeckte. Jeder Schüler musste seine Unterkunft und seine Kleidung selbst sauber halten, und manche von ihnen spülten sogar Geschirr für die gesamte Schule.

    Klar, eine Internetverbindung wäre super, aber wenn er nicht ins Schulsekretariat einbrechen wollte ...

    Schlag’s dir aus dem Kopf.

    Gib Dad nicht noch eine Chance, Mom zu überzeugen, mich noch länger hierzulassen. Mein Betragen ist seit vier Monaten tadellos.

    Seit seine Mitbewohner weg waren, hatte er niemanden zum Reden, aber das war schon okay. Er war es gewohnt, allein zu sein. Als er in die All Saints School kam, war sein Spanisch so dürftig, dass er sich schlechte Noten einhandelte, sobald er nur den Mund aufmachte. Manche Kids sprachen Englisch, manche Chinesisch, Japanisch oder Französisch, aber hauptsächlich wurde Spanisch gesprochen, in allen möglichen regionalen Varianten, die er allmählich auseinanderhalten konnte. Er hatte immer ein Talent für Sprachen gehabt, es mangelte ihm nur an Interesse.

    Aber jetzt gab es einen guten Grund, eine zu lernen, er sprach um einiges fließender, als seine Umgebung es ihm zugetraut hätte. Allerdings wurde seine Stimmung nicht gerade besser durch das, was ihm zu Ohren kam.

    Seit drei Wochen war alles nur noch ätzend. Sein Telefon ging nicht mehr. Er hatte es gemeldet, um es reparieren zu lassen, aber nichts geschah. Als er sich an eine Lehrerin wandte, um eventuell von ihrem Telefon aus zu Hause anzurufen, reagierte sie so abweisend, als ob er ihr angeboten hätte, mit ihm Sex auf dem Schreibtisch zu haben.

    An jenem Tag waren diese beiden Arschlöcher auf dem Fußballplatz herumstolziert und hatten ihn angeglotzt, um ihm wortlos mitzuteilen, dass er ganz oben auf ihrer Abschussliste stand.

    Irgendetwas war vor drei Wochen geschehen.

    Lane wusste nicht was und konnte sich keinen Reim darauf machen. Er wusste nur, dass er jetzt nicht mehr wie ein Schüler behandelt wurde.

    Vielmehr wie ein Gefangener.

    Ja und? Ich habe mich doch seit einundzwanzig Tagen gegen diese beiden pendejos behauptet. Ich lerne fleißig. Mein Zimmer ist tadellos sauber. Die Lehrer mögen mich. Jedenfalls mochten sie mich noch vor drei Wochen.

    Wenn Mom mich besucht, kann ich sie ja mal ganz nebenbei fragen, ob Dad seine Meinung geändert hat und ich nach Hause kann, für eine Woche. Vielleicht ein paar Tage.

    Oder wenigstens einen Tag.

    Oder ein paar Stunden.

    Und wenn ich erst mal auf der anderen Seite der Grenze bin, komme ich nicht zurück. Und wenn ich auf der Straße leben muss.

    Lane lauschte auf die unbarmherzige Brandung und wollte nicht hören, was ihm die Wellen zuraunten: eingesperrt ... eingesperrt ... eingesperrt.

    Trotzdem war dieser monotone Flüstergesang besser als die Stimmen der beiden Brutalos, die ihn stolpern ließen und mit Ellbogen und Fußtritten traktierten: Jetzt haben wir dich, pato. Du bist so gut wie tot. Wir schleichen uns zu dir ins Zimmer, schneiden dir die Eier ab und stopfen dir damit das Maul.

    Lane blendete das Geräusch der Wellen und der Stimmen in seinem Kopf aus.

    Ich bin kein Gefangener.

    Ich habe keine Angst.

    Kapitel 1

    Südkalifornien

    La Jolla

    Samstagmorgen

    Das Telefon klingelte viermal, bevor Richterin Grace Silva von ihren Gerichtsakten aufblickte.

    Ted vielleicht.

    Endlich.

    Es war schon viele Jahre her, dass sie ihren Ehemann, oder besser gesagt, ihren frischgebackenen Exmann nicht nur als den Vater ihres Kindes betrachtet hatte. Und wenn sie das Scheitern ihrer Ehe insgeheim bedauerte, nun ja, damit musste sie leben. Sie hatte sich mächtig ins Zeug gelegt, um ihre Scheidung, wie man es von erwachsenen Menschen erwartet, mit allen juristischen Konsequenzen möglichst zivilisiert durchzuziehen.

    Für Lane.

    Aber sie hatte es wirklich satt, zu jeder Tages- und Nachtzeit für Theodore Franklin den Anrufbeantworter zu spielen. Dass er das Strandhaus, in dem sie zusammen gelebt hatten, als feste Wohnadresse behielt, hieß doch nicht, dass er noch mit ihr zusammen war.

    »Hallo«, meldete sich Grace.

    »Ah, señora«, hörte sie eine männliche Stimme. »Hier ist Carlos Calderón. Ich hätte gerne mit Ihrem Gatten gesprochen.«

    Grace hielt es nicht für nötig, ihn darauf hinzuweisen, dass Franklin nur noch ihr Exmann war. Wenn Ted ihm nicht so nahestand, um Calderón etwas von der Scheidung zu erzählen, dann war es wohl nicht an ihr, ihn darüber aufzuklären.

    »Ted ist nicht da«, erwiderte sie kurz. Und er ist seit drei Wochen nicht hier gewesen, was du verdammt noch mal längst kapiert haben müsstest, da du täglich hier anrufst oder anrufen lässt. »Haben Sie es schon in seinem Büro in Wilshire versucht, auf seinem Handy oder in seiner Wohnung in Malibu?« Oder bei seiner beknackten Freundin?

    »Sí, ja, schon öfters.«

    »Kann ich Ihnen vielleicht helfen?«

    Grace erwartete die Antwort, die sie seit drei Wochen jedes Mal gehört hatte: ein höfliches Nein danke.

    Stattdessen erwiderte Calderón seufzend: »Richterin Silva, ich muss Sie leider bitten, sofort nach Ensenada zu kommen.«

    Ihre Finger spannten sich fester um den Hörer. In ihrer Funktion als Richterin war es an ihr, Befehle zu erteilen, aber nicht, sie auszuführen. »Warum?«

    »Es geht um Ihren Sohn, Lane.«

    »Was ist passiert?«, fragte sie rasch. »Macht er Schwierigkeiten? Es lief doch so gut ...«

    »Das ist nichts, was man am Telefon besprechen kann. Ich erwarte, dass Sie in zwei Stunden hier sind.«

    »Was ist los?«, wollte sie wissen.

    »Bis dann, Richterin Silva.«

    »Einen Moment«, sagte sie. »Geben Sie mir vier Stunden. Ich weiß doch nicht, wie lange ich an der Grenze warten muss.«

    »Drei Stunden.«

    Dann hatte er aufgelegt.

    Kapitel 2

    US-mexikanische Grenze

    Samstagmittag

    Grace erreichte die Grenze kurz vor Ablauf der Frist. Das Verkehrsaufkommen war viel größer gewesen als sonst, und sechs Blechkolonnen hatten sich im Stop-and-go über die Fernstraße Richtung Süden gewälzt. Das hatte immerhin den Vorteil, dass die mexikanischen Zollbeamten die Fahrzeuge so schnell wie möglich durchwinkten. Sie mochten Amerikaner noch so hassen, ihre amerikanischen Dollars liebten sie umso mehr. Die Grenzbeamten stoppten nur Autos, wenn Frauen darin saßen, bei denen es sich lohnte, genauer hinzusehen.

    Grace fuhr auf den Beamten zu, der hinter seiner zweihundert Dollar teuren Ray-Ban schon fast eingeschlafen war. Gerade wollte er den dunkelgrünen Mercedes-Geländewagen mit einer geübt lässigen Geste durchwinken, als er durch das geöffnete Fenster die Frau hinter dem Steuer erblickte. Er neigte den Oberkörper vor und gab mit erhobener Hand das Stoppzeichen.

    Einem Cabrio in der Nebenspur, drei Fahrzeuge vor Grace, war es ebenso ergangen. Darin hatten zwei blonde Kalifornierinnen gesessen, die sich offensichtlich auf ihre kleine Spritztour nach Mexiko gefreut hatten.

    »Guten Morgen, señorita«, sagte er mit einem schon fast anzüglichen Lächeln. Seine Worte waren höflich, doch sein Blick blieb auf ihre Brüste gerichtet. »Wo wollen Sie denn hin, in meinem schönen Mexiko?«

    Grace spürte, wie die Wut in ihr hochkochte, ein willkommenes Ventil für ihre Angst um Lane, die ihr wie eine Faust im Nacken saß. Bereits als Teenager hatten ihr diese Scheißmachos derart zugesetzt, dass ihr Bedarf für den Rest des Lebens mehr als gedeckt war. Am liebsten hätte sie diesem großspurigen Zampano die Leviten gelesen, aber im Grunde war er es nicht wert, dass sie ihre kostbare Zeit vergeudete.

    Ihre Großmutter Marta hatte sie gelehrt, wann sie zu kämpfen hatte und wann sie sich fügen musste.

    Ich muss Sie bitten, sofort nach Ensenada zu kommen.

    »Ensenada«, stieß Grace zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor.

    Sie überreichte ihm ihren Reisepass. Auf der Deckelinnenseite befand sich eine laminierte Ausweiskarte des mexikanischen Justizministeriums. Die mexikanische Regierung stellte solche Ausweise als Gefälligkeit für US-amerikanische Richter und andere Staatsbeamte aus.

    Die buschigen, schwarzen Brauen des Zollinspektors quollen über den Rand seiner Sonnenbrille. Er gab ihr den Pass zurück und winkte sie durch. »Entschuldigen Sie die Unannehmlichkeiten, licenciada«, sagte er hastig. »Bienvenido

    Mit einem Knopfdruck schloss Grace ihr Fenster und ließ die Grenze hinter sich. Manchmal wusste sie selbst nicht mehr, was sie schlimmer fand: Mexiko, wo sich die Männer den Frauen überlegen fühlten und überall damit prahlten, oder die Vereinigten Staaten, wo sich die Männer dasselbe anmaßten, aber manche so schlau waren, es für sich zu behalten.

    Das Problem männlicher Selbstüberschätzung der Latinos war ihr nicht fremd. Sie hatte eine mexikanische Großmutter mütterlicherseits – dank der gescheiterten Rebellion der Magonista auf Baja California von 1911 – sowie einen Urgroßvater und einen Großvater mexikanischer Abstammung väterlicherseits. Außer Indianern und echten Mexikanern gab es in ihrem Familienstammbaum noch ein paar Verästelungen, die bis nach Schottland und Norwegen reichten. Sie hatte einen irisch-mexikanischen Vater, eine kasachisch-mexikanische Mutter und obendrein eine echte kasachische Großmutter, die nach einer gescheiterten Stammesrevolte im Zuge der kommunistischen Eroberung der asiatischen Steppen die Flucht angetreten hatte.

    Obwohl sie offiziell als Latina geführt wurde, betrachtete sich Grace als Musterbeispiel einer ethnisch gemischten Amerikanerin.

    Mit dreizehn Jahren war sie zu ihrer kasachischen Großmutter nach Santa Ana in Tijuana gezogen, aber richtig wohl gefühlt hatte Grace sich in dieser Stadt eigentlich nie. Vielleicht gefiel ihr Tijuana gerade deshalb nicht, weil sie dort ihre Jugend verbracht hatte. Wie auch immer. Sie dachte nicht mehr daran und wollte nicht zurückschauen. Auch das hatte Marta ihr beigebracht.

    Auf der La Revo, der traditionellen Hauptstraße von Tijuana, wimmelte es nur so von Sexshops, Girlie-Bars und Hotels, die nicht nur als Bordelle dienten, sondern auch als Zwischenlager für illegale Migranten, die sich auf dem Weg Richtung Norden ins Gelobte Land befanden. Eine Frau ohne Begleitung auf der La Revo wurde als Freiwild betrachtet, und deshalb entschloss sich Grace, das Viertel weiträumig zu umfahren und die Abzweigung über Otay Mesa zu nehmen.

    Der Umweg kostete sie Zeit, die sie nicht hatte, sich aber gezwungenermaßen nehmen musste. Noch ein Opfer, das ihr als Frau in Mexiko, im Reich der Machos, abverlangt wurde.

    An der Kreuzung von Otay fuhr sie auf die Avenue des Sechzehnten September durch die Zona Río mit all ihren Banken und internationalen Bankhäusern, noblen Vergnügungsstätten, noch mehr Banken und reihenweise ausländischen Modeboutiquen, die einen saudischen Ölscheich in den Bankrott treiben konnten.

    Grace schenkte der luxuriösen Shoppingmeile fast noch weniger Beachtung als dem Grenzbeamten. Das kurze, frostige Telefongespräch ging ihr nicht aus dem Kopf.

    Es geht um Ihren Sohn, Lane.

    Sie nahm die gebührenpflichtige Autobahn Richtung Süden nach Ensenada und gab Gas. Der starke Motor summte vergnügt. Die Klimaanlage vertrieb die stickige, schwüle Luft.

    Aber ihre quälenden Gedanken ließen sich nicht abstellen.

    In ihrer Handtasche klingelte das Mobiltelefon. Sie zog es heraus, warf einen Blick auf das Display und fuhr an den Straßenrand. Sie wollte nicht gleichzeitig fahren und ein schwieriges Gespräch mit einem amerikanischen Senator führen.

    Sie drückte die Empfangstaste und versuchte, munter zu klingen. »Einen wunderschönen Nachmittag, Chad, oder ist es bei Ihnen schon Abend?«

    Senator Chadwick Chandler klang überrascht. »Ach ja, natürlich, diese neumodische Sache mit der Rufnummernübertragung. Ich vergesse ständig, dass Sie ein Handy auf dem letzten Stand der Technik haben. Ich dachte schon, Sie könnten hellsehen.«

    »Kann ich auch«, sagte sie mit einem möglichst beiläufigen Tonfall. »Deshalb weiß ich, dass Sie letzte Woche meine Anrufe verschmäht haben, alle fünf.«

    Chandler lachte leise. An sich war es ein einnehmendes Lachen. Aber über die Handyverbindung klang es, als hätte er sich an der Olive seines zweiten Martinis verschluckt.

    »Wie käme ich denn dazu, meine Lieblingsbezirksrichterin abzuwimmeln«, entgegnete er. »Im Gegensatz zu euch Goldkindern in Kalifornien mit euren Gestüten und eurer goldenen Surferbräune müssen wir armen Schlucker uns hier in der Hauptstadt mit zusätzlichen Nachtschichten über Wasser halten.«

    »Meine Hautfarbe ist genetisch bedingt. Surfen war ich seit zwanzig Jahren nicht mehr. Und was das Gestüt angeht, das war Teds Idee. Er dachte, es würde sich gut machen als Kulisse für die Spendenaktionen, die er für Leute wie Sie organisieren muss.«

    Grace erschrak über ihren gereizten Ton. Vielleicht war das der Grund dafür, dass Calderón sie persönlich sehen wollte. Der locker-flockige Plauderton am Telefon lag ihr nicht. Ganz zu schweigen davon, dass sie in ihrer Position sowieso keine Zeit dafür hatte.

    »Ted und Sie geben mir viel Unterstützung«, sagte der Senator, »und es ist mir immer ein Anliegen, mich dafür erkenntlich zu zeigen, auch wenn es manchmal ein paar Tage dauert, bevor ich zurückrufe. Was kann ich für Sie tun?«

    »Ich wollte von Ihnen wissen, ob es Schwierigkeiten mit meinem Ernennungsverfahren gibt.«

    »Gut Ding will Weile haben.«

    »Das weiß ich«, antwortete sie vorsichtig. »Aber diese Ernennung für das Bundesberufungsgericht war ja eigentlich nicht meine Idee. Sie wurde mir nahegelegt. Und jetzt wird das Verfahren seit über zwei Monaten an irgendeiner Stelle blockiert, und ich weiß nicht mehr, wie ich meine Arbeit planen soll. Wenn aus meiner Ernennung nichts werden sollte, würde ich es gern jetzt erfahren, damit ich endlich meine unerledigten Fälle bearbeiten kann, anstatt mit tausend Dingen gleichzeitig herumzujonglieren und mich ständig zu fragen, ob ich meinen Eignungstest für dieses Amt bestehen werde.«

    Am anderen Ende der Leitung seufzte der Senator lautlos und betrachtete den öligen Bodensatz seines Martinis. Er hätte sich lieber mit Ted auseinandergesetzt als mit der Wildkatze, die Ted geheiratet hatte, um dann herauszufinden, dass er nicht mit ihr fertig wurde.

    »Ihre Berufung an ein Bezirksgericht hat drei Monate gedauert«, sagte der Senator. »Ein Ernennungsverfahren beim Bundesberufungsgericht wird noch gründlicher geprüft.«

    Grace konzentrierte sich mehr auf den Tonfall als auf die Stimme des Senators. Sie blickte auf ihre Uhr. Noch drei Minuten, auf keinen Fall mehr. »Lassen Sie uns zum Kern der Sache kommen. Sie weichen mir aus, woraus ich schließe, dass etwas nicht stimmt.«

    »Nein, keineswegs. Es ist nur so, dass wir auf diesem Niveau den persönlichen Background der Kandidaten noch viel genauer unter die Lupe nehmen, weil auch die Politiker ein Wort mitzureden haben. Ich erwarte nach wie vor, dass Ihre Ernennung zur jüngsten, um nicht zu sagen attraktivsten Richterin an einem Bundesgericht die Zustimmung des Weißen Hauses und der Senatoren finden wird.«

    »Hören Sie damit auf.«

    Chandler klang überrascht. »Womit denn?«

    »Mit dieser herablassenden Art. Ich hatte gerade das Vergnügen mit einem lüsternen mexikanischen Grenzbeamten. Noch so ein Kompliment heute, und ich raste aus.«

    Grace zuckte erneut zusammen, als sie sich reden hörte. Sie kannte Chad Chandler seit zehn Jahren. Nach den Maßstäben, die man an einen Politiker anlegte, galt er in jeder Hinsicht als Gentleman.

    »Entschuldigung«, sagte sie hastig. »Ich bin momentan völlig durcheinander und möchte einfach nur verstehen, warum sich mein Ernennungsverfahren so lange hinzieht. Hat das etwas mit der Scheidung zu tun?«

    »Ach herrje, nein. Wir leben im einundzwanzigsten Jahrhundert.«

    Tiefes Schweigen.

    Der Senator nippte abermals an seinem Martini.

    Grace sah erneut auf ihre Uhr. »Aber wenn alles in Ordnung ist, warum geht es dann nicht weiter? Sie wissen genauso gut wie ich, dass meine Vergangenheit bis hin zu meinen Urgroßeltern durchleuchtet wurde. Da gibt es eigentlich nichts mehr zu erforschen.«

    Er schwieg.

    Dann ein senatorisches Seufzen.

    »Nun«, begann er widerstrebend. »Es gibt da noch einen Punkt, für den sich ein paar Leute am Ende der Pennsylvania Avenue interessieren.«

    »Und der wäre?«

    »Ihr Sohn. Wie geht es Lane?«

    Grace’ Körper durchfuhr ein Übelkeit erregender Schock, als hätte sie einen Stromschlag bekommen.

    »Lane geht es gut.« Sie versuchte, mit fester Stimme zu sprechen und ihre panische Angst hinter einer Maske aus Professionalität zu verbergen. »Was soll diese Frage? Was hat Lane damit zu tun?«

    »Als ich von seinen Drogenproblemen hörte, machte ich mir Sorgen, und ein paar Leute im Weißen Haus auch. Sie wissen ja, wie heikel solche Dinge sind.«

    Grace hörte die Worte wie durch einen akustischen Filter, ab- und anschwellenden Töne, bis nur noch der reine, sinnentleerte Klang übrig war. DrogenPROBleme?

    DRogenproBLEME.

    »Ich ...«, stammelte sie.

    »Es ist wichtig«, fiel Chandler ihr ins Wort. »Wir hatten in der letzten Sitzungsperiode eine ähnliche Situation. Die Tochter eines Kandidaten hatte ein Kokainproblem, das von der Opposition dazu benutzt wurde, dem Kandidaten Befangenheit im Umgang mit Drogenabhängigen zu unterstellen. Die Aufregung hat sich bald wieder gelegt, aber es hätte anders ausgehen können.«

    Grace musste schlucken.

    »Keiner wünscht sich derlei Komplikationen, wenn es um das Berufungsgericht geht«, sagte der Senator. »Wir haben derzeit zu schwache Regierungsmehrheiten, die sich von einer Stunde zur nächsten verschieben können. Sie werden sicher Verständnis dafür haben, dass wir vorsichtig sein müssen.«

    Ihr Mercedes vibrierte im Fahrtwind eines Sattelzuges, der wie eine Rakete an ihr vorbeidonnerte.

    »Aber Lane hat überhaupt kein Drogenproblem«, sagte sie.

    Der Senator zögerte, seufzte und nippte an seinem Glas. »Hey, so schlimm ist es nun auch wieder nicht. Das kommt in den besten Familien vor, und niemand sagt, dass Ihre Ernennung dadurch in Frage gestellt wird. Das Weiße Haus möchte nur gegen unangenehme Überraschungen gefeit sein.«

    »Dafür haben Sie mir jetzt aber eine bereitet«, sagte sie.

    »Wer hat Sie überhaupt auf die Idee gebracht, dass Lane Drogen nehmen könnte?«

    »Niemand. Es ist doch offensichtlich.«

    »Weil er ein Teenager ist und in La Jolla wohnt?«

    »Nein, weil er gerade unten in Ensenada in einer Entzugsklinik ist«, entgegnete der Senator.

    »All Saints School ist eine private Oberschule am Meer, nördlich von Ensenada. Sie gehört zu den besten internationalen Privatschulen, wo man die Schüler auf das College vorbereitet. Sie ist eine Einrichtung der römisch-katholischen Kirche für Kinder der besten Familien von Tijuana, aber auch reiche Familien aus Südamerika, Europa und Asien schicken ihre Kinder dorthin. Von einer Entzugsklinik für Junkies kann keine Rede sein.«

    »Grace, ich wollte Ihnen bestimmt nicht zu nahetreten. Das war absolut nicht meine Absicht.«

    »Kein Problem, solange jeder weiß, dass wir Lane nicht in der All Saints School angemeldet haben, weil er ein drogenfreies Umfeld brauchte. Bitte erzählen Sie Ihren Informanten, wer immer sie sein mögen, die Wahrheit über Lanes Schule.«

    Ein langes Schweigen, noch ein Schluck, ein weiterer Seufzer. Schließlich räusperte sich der Senator. »Komisch. Ich weiß nicht mehr, wer es mir gesagt hat. Wahrscheinlich war es nur so ein vager Eindruck.«

    Obwohl es sich anfühlte, als würde man ihr den Boden unter den Füßen wegziehen, sprach Grace mit gleichmäßiger Stimme. »Nun, da Sie mich seit Monaten nicht nach Lane gefragt haben und niemand in D.C. meinen Sohn tatsächlich kennt, wird es wohl Ted gewesen sein, der Ihnen das eingeredet hat.«

    »Jetzt, wo Sie es sagen ...«

    »Wann haben Sie mit Ted gesprochen?«

    »Vor zwei Wochen.«

    »Haben Sie ihn gesehen?« Grace spürte selbst, dass sie mit unangemessener Schärfe sprach, konnte es aber nicht ändern.

    »Er war ein paar Stunden in D.C., für ein informelles Treffen. Er kam auf einen Sprung auf dem Capitol Hill vorbei, um mir hallo zu sagen.«

    Sie atmete langsam aus. Es gab jemanden, der Ted vor zwei Wochen gesehen hatte. Das war immerhin ein Fortschritt.

    »Hat er gesagt, wohin er wollte?«, fragte sie.

    »Nein.«

    »Wissen Sie, wo er jetzt ist?«

    »Nein. Sie scheinen sich Sorgen zu machen.«

    »Ich habe seit mehr als drei Wochen weder Ted gesehen noch von ihm gehört«, sagte sie. »Ich hoffte, Sie könnten mir sagen, wo ich ihn finde.«

    »Ist etwas passiert? Ich meine, zwischen Ihnen beiden? Ich dachte, Sie hätten sich in gutem Einvernehmen getrennt.«

    »Das stimmt. Aber ich hatte die Hoffnung, dass ...« Ted sich mal um Lane kümmern würde, als Vater, den er so dringend braucht. Dass Ted ihn einmal die Woche oder wenigstens alle zwei Wochen mal anrufen würde.

    Als der nächste Truck vorbeidonnerte, quollen dichte Rußschwaden aus dem Auspuff in die extrem schwüle Luft.

    »Macht nichts«, sagte Grace. »Aber wenn Sie etwas von Ted hören sollten, sagen Sie ihm bitte, dass er sich bei mir melden soll. Ich bin es satt, seine Telefonzentrale zu spielen. Es gibt eine Menge Leute, die wütend auf mich sind, weil sie ihn nicht erreichen.«

    Der Senator hüstelte. »Ich verstehe. Machen Sie’s gut, Grace. Das Berufungsgericht braucht Frauen wie Sie.«

    »Männer auch«, entgegnete sie, allerdings lachend. »Bis bald, Chad. Und vielen Dank.«

    Sie setzte auf die Fahrspur hinüber, eine Staubwolke hinter sich aufwirbelnd, und fragte sich, ob Calderón wohl mit ihr über Drogen sprechen wollte.

    Kapitel 3

    Tijuana, Mexiko

    August, Samstag, 12:12 Uhr

    Joe Faroe kam gerade durch die vordere Eingangstür vom Tijuana Tuck & Roll und hatte etwas dabei, ungefähr sechzig Zentimeter lang, das wie eine leicht geschwungene, abstrakte Eichenholzschnitzerei aussah. Die Werkstatt, in der das Teil angefertigt worden war, befand sich schon seit über vierzig Jahren an dieser Stelle. Sie war noch ein Relikt aus der Zeit, als Gringo-Surfer und Geschwindigkeitsfreaks auf der Suche nach einer billigen Autowerkstatt die Grenze nach Mexiko überquerten.

    Jetzt produzierte sie die besten Schmuggelverstecke der Stadt, deren Wirtschaft auf dem Handel mit geschmuggelten Waren basierte.

    Der Output der Firma Tijuana Tuck & Roll war sozusagen ein offenes Geheimnis, und ganz Mexiko profitierte davon. Rings um die Produktionsstätte zog sich ein stabiler Maschendrahtzaun, der oben durch einen spiraligen, lebensgefährlichen Bandstacheldraht derart gesichert war, dass er einen Mann zerfetzen konnte.

    Joe Faroe wusste Bescheid über diese Art von Stacheldraht, ebenso wie er über das wahre Geschäft der Autowerkstatt im Bilde war.

    Alles schon gehabt.

    Damit war er durch.

    Nichts Neues.

    Faroe blickte über die Straße. Der Mann stand immer noch da, immer noch in den Schatten eines Hauseingangs gelehnt.

    Er wandte den Blick ab, als Faroe zu ihm hinübersah, rührte sich aber nicht vom Fleck.

    Ein Polizist, dachte Faroe.

    Die Lederjacke und der beträchtliche Bauchumfang von dem Kerl waren verräterisch. Manche Polizisten hatten ein gutes Leben.

    Okay, ist das nun ein mexikanischer Bulle oder ein amerikanischer, der über die Grenze gekommen ist, um das neueste Schmugglernest auszuheben?

    Will er jemanden festnehmen oder ein Haus durchsuchen? Faroe zog das Maschendrahttor hinter sich zu und betrachtete unverwandt den Polizisten, dessen Lederjacke fast so teuer sein musste wie seine eigene.

    Der Kerl behandelte ihn wie Luft.

    Faroe starrte ihn beharrlich an.

    Bis der Polizist wie beiläufig zu ihm hinübernickte. Ein alter Hase. Er wusste, dass er ertappt worden war.

    »Schönen Tag noch«, rief Faroe über die Straße.

    Der Polizist zuckte mit den Schultern und drehte sich weg, um eine Zigarette anzuzünden.

    Faroe schlenderte über den holperigen, tückischen Bürgersteig in Richtung der La Revo.

    Er hatte in Chula Vista geparkt und La Línea, die Grenze, zu Fuß überquert. Jetzt brauchte er ein Taxi, um zum US-Kontrollpunkt zurückzufahren. Es gab einen Taxistand an der Ecke La Revo und Calle Cinco.

    Der Polizist legte eine Rauchpause ein und führte ein Gespräch am Handy oder über ein Funkgerät. Faroe konnte es nicht genau ausmachen, und es war ihm sowieso egal. Zum ersten Mal seit Jahrzehnten hatte er eine blütenweiße Weste.

    Die Ausdünstungen undichter Abwasserrohre, vermischt mit den Gerüchen krebsfleischgefüllter Tacos, schwängerten die Luft. Auf den dreckigen, aufgeplatzten Bürgersteigen drängten sich buckelige, bettelnde indios zwischen Souvenirständen und einer zeitlosen Ansammlung von Prostituierten, Taschendieben und gewöhnlichen Passanten. Händler boten lederne Boxen feil, bunt bemaltes Kinderspielzeug aus Holz oder T-Shirts, die alle irdischen Paradiese von Drogen bis hin zum Analsex zelebrierten. Die schäbigen Geschäfte hatten nur ein dürftiges Warenangebot. Vor den Bars lockten Plakate mit Lapdance. An der nächsten Tür verschleuderten falsche Apotheker in weißen Kitteln Viagra und Krebsmedikamente zu Sonderpreisen.

    Die Touristenmeile der Avenida Constitución, die sich noch einen Anstrich von Anständigkeit zu geben versuchte, stank nach üblen Machenschaften, dubiosen Amüsements und stumpfsinnigem Laster. Billige Rauchwaren, billiger Schnaps, billiger Sex. Alles, was die Saubermänner aus San Diego verbannt hatten, war ein paar Meilen weiter nach Süden gezogen, um sich in Tijuana zu sammeln.

    Faroe passierte den Häuserblock, in dem sich früher das berüchtigte Blue Fox befunden hatte. Auf Schritt und Tritt wurde er von Türstehern angesprochen.

    »Hey, Mister, Lust auf ’ne Pussi? Ein bisschen Spaß? Schööööne Mädels, hereinspaziert!«

    Ein dünner Mann mit einem noch dünneren, schwarzen Lippenbart hatte seine Verkaufsnummer mit einer Klangeinlage versehen, indem er ein Stück von seiner Wange zwischen Daumen und Zeigefinger zusammenquetschte und sie ruckartig hin- und herbewegte und damit unmissverständliche Schmatztöne erzeugte.

    Faroe kannte seit seinem fünfzehnten Lebensjahr das ganze Programm der Aufreißer. Erst hatte er über ihre unanständigen Tricks gegrinst. Später ließen sie ihn gleichgültig. Jetzt ekelten sie ihn an.

    Er wusste nicht, was besser war.

    Er stoppte ein gelbes Taxi und stieg mit seinem Paket hinten ein. Der Fahrer suchte sofort seinen Blick im Rückspiegel und setzte ein breites Grinsen auf.

    »Ich habe alles, was Sie wollen, señor. Mädchen gefällig? Ich bring Sie da hin, wo es saubere gibt.«

    »La Línea«, sagte Faroe. »Durch die Zona Río.«

    Als der Fahrer Faroes Blick im Spiegel auffing, zog er es vor, den Mund zu halten, und fuhr los in Richtung Norden.

    Drei Minuten später hatte das Taxi den Trubel der schäbigen Altstadt hinter sich gelassen. Faroe sah hinaus auf die breiten Boulevards des internationalen Viertels. Als er zum ersten Mal nach Tijuana gekommen war, war der Fluss hier noch ein offener Abwasserkanal gewesen, der sich durch eine sumpfige Landschaft zog. Sein Inhalt wurde gleichmäßig aufgeteilt: Der eine Teil verblieb auf der Südseite der Grenze, und der andere ergoss sich durch den Río Tía Juana bei Imperial Beach, USA, in den Ozean.

    Auch jetzt führte der Fluss noch Abwasser, allerdings mit dem Unterschied, dass er in diesem Abschnitt unterirdisch verlief. Oben hatte man Straßen angelegt, wie zum Beispiel den Paseo de los Héroes, dessen luxuriöse Shoppingmeile es mit jeder anderen rund um den Globus aufnehmen konnte.

    Geschäfte. Diskotheken. Nachtclubs. Restaurants.

    Banken.

    Banken zuhauf.

    Ihre Bürotürme waren bescheiden im Vergleich zu denen in San Diego, aber gemessen an den herkömmlichen ein- und zweistöckigen Häusern von Tijuana wirkten die Banken wie neue, strahlende Giganten. Hier lag ein Mekka des Geldes.

    Da sieht man mal, wie sich eine Stadt entwickelt, die jedes Jahr dreißig Milliarden Dollar an ausländischem Einkommen einfährt, dachte Faroe. Nur schade, dass der größte Teil dieses Milliardengeschäftes mit Drogenabhängigen aus dem Ghetto und lateinamerikanischen Junkies nördlich der Grenze gemacht wird.

    Aber das war nicht mehr sein Problem. Zum Teufel mit Steele und St. Kilda Consulting, er hatte die Schnauze gestrichen voll von dieser chaotischen, verlogenen Welt mit ihrer Schwarzweißmalerei, die sein ganzes Erwachsenendasein bestimmt hatte.

    Sucht euch einen anderen Trottel, der seinen Arsch für eine Welt aufreißt, die gar nicht gerettet werden will, ihr könnt mich alle mal.

    Nichtsdestotrotz bedauerte Faroe immer noch die armen Einwohner von Tijuana, die zum großen Spiel um das schnelle Geld nicht zugelassen waren. Während sie sich für das Allernotwendigste abstrampeln mussten, bereicherten sich die anderen an den unerschöpflichen Quellen der Schmuggelwirtschaft.

    Es tut mir leid, und es ist traurig, aber ich kann absolut nichts dagegen machen. Meine Lanze ist gebrochen, und die gute, alte Rosinante steht auf der Weide.

    Wenn Steele das nicht verstehen will, soll er mich gernhaben.

    Der Taxifahrer setzte Faroe im Randbereich der neutralen Zone ab, die als Eingangshafen bezeichnet wurde. Auch hier wieder eine Straße mit unzähligen Apotheken und Souvenirständen. Einen Häuserblock südlich der physikalischen Grenze wichen die Geschäfte der langen Front der Reisebüros, die mit ihren Passagen nach Los Angeles und Central Valley, Wenatchee, Burlington und Spokane lockten, mehr als zweitausend Kilometer entfernt. Kansas, Chicago, New York, Colorado, die Baumwollfelder der Südstaaten – um die Frischfleischquoten zu erfüllen, priesen die Straßenhändler alle Destinationen an, wo billige Arbeitskräfte gesucht wurden.

    Faroe ging an der langen Warteschlange vor dem Schalter der Einwanderungsbehörde vorbei. Dann stieß er wie selbstverständlich die Schwingtüren zu der hörsaalgroßen Abfertigungshalle auf.

    Letzter Stopp vor dem Betreten US-amerikanischen Bodens.

    Ein Zollinspektor in blauem Hemd und mit einer Waffe an der Seite nahm Faroes Gepäckstück ins Visier und zeigte auf den Scanner.

    Faroe stellte es aufs Band und wartete. Ein zweiter Inspektor starrte auf den Monitor, wo der Inhalt der durchlaufenden Gepäckstücke abgebildet wurde.

    Faroe ging automatisch durch den Metalldetektor und überlegte sich, aus rein beruflichem Interesse, was nun kommen würde. Er war zwar nicht mehr im Geschäft, aber doch sehr gespannt, wie sich sein geheimer Reisesafe in der Praxis bewähren würde.

    Der Mann am Scanner stoppte das Fließband und bedachte das frisch ausgesägte Holzteil mit einem langen, prüfenden Blick. Im gespenstischen Röntgenblau erschienen die Umrisse eines Innenfachs.

    Der Inspektor, mit dem Namen Davison auf seinem Schild, setzte das Band zurück und ließ das Holzstück nochmals durchlaufen. Ein langer Blick, dann drückte er mit dem Ellbogen auf eine Taste.

    Faroe sah aus dem Augenwinkel zwei weitere Blauhemden auf den Scanner zugehen.

    »Gehört das Ihnen, Sir?«, fragte der Mann am Scanner ruhig.

    »Ja.«

    Faroe spürte, dass ihn jemand am Ellbogen berührte, und er hörte eine neutrale Stimme: »Kommen Sie bitte mit.«

    Einer der gerade angekommenen Kontrolleure stand so nah, dass er Faroe den Rückweg nach Mexiko versperrte. Der andere verstellte ihm den Durchgang in die Vereinigten Staaten. Beide Männer hatten ihre freie Hand an ihrer Dienstpistole.

    »Alles klar«, sagte Faroe zu dem Kontrolleur, der ihn am Arm berührte. »Soll

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