50 Jahre Leben in Deutschland: Ein Irrtum? Ein Schicksal
Von Michael Ghanem
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Über dieses E-Book
Michael Ghanem
Jahrgang 1949, aufgewachsen in Frankreich und Absolvent einer französischen Eliteschule mit anschließendem Studium zum Wirtschaftsingenieur. Nach seiner Übersiedlung nach Deutschland absolvierte er das Studium der Volkswirtschaft, Soziologie, Politikwissenschaft, Philosophie und Ethik. Er sieht sich als Kritiker der heutigen Globalisierung und setzt sich seit 1974 sehr stark für die Themen der Wasserwirtschaft und des Wassermanagements ein. Sein beruflicher Werdegang führte ihn zunächst zu einer internationalen Organisation, für die über 5 Jahre als Projektcontroller für große Wasserprojekte überwiegend in Afrika tätig war und darüber eine Vielzahl von Ländern und deren Führer kennengelernt hat. Im Anschluss daran arbeitete er viele Jahre bei einer europäischen Organisation sowie in mehreren internationalen Beratungsunternehmen als Berater für die Modernisierung von unterschiedlichsten Industrien und Unternehmen. Seit seiner Pensionierung lebt er zurückgezogen in Bonn und ist als Schriftsteller tätig. Er widmet sich in seinen Veröffentlichungen vor allem den drängenden gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Fragen der heutigen Zeit sowie der Wasserwirtschaft. Bisher sind zahlreiche Veröffentlichungen zu den Themen Politik und Geopolitik, Gesellschaft, Wirtschaft erschienen. Er ist Autor von mehr als 50 Büchern. Im Bereich der Politik wird die kritische Betrachtung von Deutschland vorgenommen. Weitere Themenschwerpunkte sind Fragen der Gesundheit, Identität, Rassismus, Umwelt, Migration, Wasserwirtschaft, Afrika, Bevölkerungsentwicklung und alternative ökonomische Systeme wie die Anti-Fragilitäts-Ökonomie. Er hat aber auch einige kleine Erzählungen und Märchen veröffentlicht.
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50 Jahre Leben in Deutschland - Michael Ghanem
2. Marius Familie und Herkunft
Als Jahrgang 1949 war Marius in eine „gespaltene" Familie hineingeboren. Gespalten insoweit, als dass seine Mutter aus einer adeligen, sehr konservativen Familie stammend mit den Werten des 19. Jahrhunderts behaftet war.
Deren Familienoberhaupt war ein Patriarch. Seine Ansichten und Worte galten als Gesetz. In diesem Teil der Familie wurden kein Widerspruch und keine Diskussion geduldet. Oberste Maxime des Patriarchen war die Vermehrung der Familie durch Heirat oder die Erhöhung des sozialen Standes durch Ausbildung.
Sein Großvater mütterlicherseits führte eine strenge Kontrolle der Ausbildung seiner Enkelkinder durch. So war es selbstverständlich, dass ihm bei jedem Quartalszeugnis alle Noten und Bewertungen der Enkelkinder vorgelegt wurden. Todsünde war, wenn eines der Kinder eine schlechtere Note als eine Eins hatte. Zudem war es Pflicht, dass jeden Sonntag die Familie inklusive aller Enkelkinder in Sonntagsanzügen an einem großen Tisch zum Mittag- und Abendessen anwesend war. Großzügiger Weise billigte sein Großvater mütterlicherseits gewisse Freiheiten am Tisch für die Kinder unter fünf Jahren. Alle Kinder, die älter als fünf Jahre alt waren, mussten die „guten Manieren" beherrschen.
Sein Cousin und er waren von Geburt an Linkshänder. Sein Großvater mütterlicherseits trug dafür Sorge, dass sie beim Essen und beim Schreiben die linke Hand auf den Rücken geschnallt bekommen haben. Darunter leide Marius bis heute.
Keine Entscheidung über die Ausbildung, Weiterbildung, Verbindung oder Heirat durfte ohne die ausdrückliche Zustimmung des Großvaters mütterlicherseits getroffen werden.
Sein Großvater mütterlicherseits machte den Kindern selbst nie einen Vorwurf, sondern den Müttern und Vätern. Marius sah oft seine Mutter weinen, weil entweder sein Bruder oder er nicht die erwartete Note nach Hause brachten, oder weil sie am Sonntag vielleicht im Park Fußball spielten.
Außerdem verzieh sein Großvater mütterlicherseits seiner Mutter nie, dass sie einen nicht standesgemäßen Ehemann ausgewählt hatte, obwohl sein Vater eine elitäre Universität („Ecole Polytechnique) absolviert hatte und dessen Vater immerhin über 30 Jahre Kapitän eines großen Frachtschiffs („Marine Marchande
) gewesen war.
Für hiesige Verhältnisse war das die Oberklasse des Bürgertums, aber eben nicht adelig.
Sein Großvater väterlicherseits war das Gegenteil seines Großvaters mütterlicherseits. Er liebte seine Mutter und seinen Sohn abgöttisch, war mehrsprachig und weltoffen. Und vor allem war er für seine Zeit sehr fortschrittlich und tolerant.
Aufgrund seiner beruflichen Erfahrung war er sowohl politisch als auch ökonomisch stets im Bilde (selbst im hohen Alter). Sein Großvater väterlicherseits war aufgrund dessen, dass seine Mutter seinen Vater sehr oft bei seinen Dienstreisen begleitet hat, immer für die Kinder da.
Er erzog sie liebevoll mit und förderte von jungen Jahren an sehr stark ihr kritisches Denken. Zudem war sein Großvater väterlicherseits ein ausgesprochen ebenbürtiger Gegner seines Großvaters mütterlicherseits.
Erstaunlicherweise respektierte sein Großvater mütterlicherseits ihn stets. Ein einziges Mal war er Zeuge einer Auseinandersetzung zwischen Großvater väterlicherseits und Großvater mütterlicherseits und war erstaunt, wie Großvater väterlicherseits sich durchgesetzt hat.
Sein Großvater väterlicherseits brachte den Kindern stets bei, jeden Menschen und jedes Tier zu respektieren, egal, wie er oder es sich verhielt und achtete stets darauf, dass sie, selbst wenn sie tief verletzt wurden, die Contenance nicht verloren.
Sein Großvater väterlicherseits brachte ihnen auch bei, dass Geschichte und Geopolitik sowie das vernetzte Denken eine Voraussetzung fürs Leben sind.
Er hat nie auf die Noten in der Schule gepocht. Die Noten waren für ihn ein notwendiges Übel, das niemals ein Kind in seiner Entwicklung behindern sollte.
Sein Großvater väterlicherseits hat stets darauf geachtet, dass sowohl sein Bruder als auch er gegenüber Ihren Nachbarn und Mitmenschen eine gewisse soziale Kompetenz an den Tag legten.
Ein Onkel der Familie mütterlicherseits, Onkel Joseph, darf in diesen Schilderungen nicht vergessen werden, denn er war in den Augen des Großvaters mütterlicherseits das „Schwarze Schaf" der Familie.
Mit dem abgeschlossenen Philosophiestudium hat er sich an keine Konvention gehalten. Er nahm sich alle denkbaren und undenkbaren Freiheiten.
Er verführte die Kinder zum „Unsinn", er stellte stets die Autorität seines Vaters öffentlich in Frage, begehrte gegen jegliche Art von Autorität auf. Er konnte wunderschön Geschichten und Märchen erzählen und hatte auf alle Kinder der Familie einen enormen Einfluss.
Trotz ihrer häufigen Frivolität besaßen seine Geschichten immer einen tiefen moralischen Wert. Er nahm sie stets vor Ihren Großvater mütterlicherseits in Schutz, selbst dann, wenn er Auseinandersetzungen riskierte. Zudem war er die eigentliche Vertrauensperson seiner Mutter und seiner Geschwister gegenüber seinem Vater.
Nicht zu vergessen ist, dass ein Sohn seines Großvaters mütterlicherseits ins Konzentrationslager gebracht wurde, weil er Kommunist war. Er starb in Buchenwald. Darum war Deutschland für seine Familie mütterlicherseits ein „rotes Tuch".
Während seinem Großvater väterlicherseits eine relativ „objektive" Geschichte von Deutschland zeichnete, fand seinem Großvater mütterlicherseits nichts Gutes in der gesamten deutschen Geschichte.
Er sprach sogar den deutschen Denkern und Philosophen ihren Rang ab. Das wiederum wurde von seinem Großvater väterlicherseits und seinem Onkel nicht toleriert. Marius werde nie vergessen, dass er einmal im ersten Teil des Abiturs eine Hausarbeit über Kant schrieb, welche von der ganzen Familie bejubelt, von Großvater mütterlicherseits allerdings heftigste kritisiert wurde, weil Kant ein deutscher Philosoph war.
Nach dem Tod seines Großvaters erfuhr Marius, dass er mit Heidegger (deutscher Philosoph des 20, Jahrhunderts) befreundet gewesen war und dass er ihm nie verziehen hatte, dass er eine Rolle bei der Nazi-Propaganda gespielt hatte.
Väterlicherseits sollte ebenfalls ein Onkel erwähnt werden, der Professor für Jura war und der die gesamten Juristen der Welt für Scharlatane hielt. Sein üblicher Spruch war: „Den achten Fluch, den der liebe Herrgott auf die Erde gebracht hat, sind die Juristen." Dieser Onkel war für die Kinder sehr spröde und passte nicht zur Familie väterlicherseits, obwohl er bei den Damen einen gewissen Ruf genoss.
Zu seiner Mutter sei gesagt, dass sie ihre Karriere als Absolventin der „Ecole Normale Superieure" (ENS) begann. Das heißt, sie war prädestiniert an einer Universität oder Hochschule zu lehren. Sie war sanft und bildhübsch. Sie hatte schöne, blaue Augen und war stets elegant gekleidet. Sie achtete stets darauf, dass die Kinder und sie selbst eine Verbindung zur europäischen Literatur pflegten. Sie hatte sowohl das kleine als auch das große Latinum und sprach vier Sprachen. Sie starb relativ jung.
3. Die Straße seiner Kindheit
3.1 Vorbemerkung
Marius schloss die Augen und sah dieses große Wohnviertel in seiner Geburtsstadt, das an der „Plage" anfing und bis zum Kanal und zum Industrie-/Militärhafen mit einer weltbekannten Werft und zum Stadtinneren hin bis zum alten Hafen reichte.
Allein dieses Wohnviertel war ca. sechs Quadratkilometer groß. Die Stadt befindet sich in einer großen Bucht und besitzt einen sehr großen inneren See, der zu Beginn des 20. Jahrhunderts mit einem großen und modernen Kanal mit dem Seehafen verbunden wurde. Der alte Hafen wurde von den Phöniziern im Rahmen ihrer Eroberung des Mittelmeers vor mehr als 2000 Jahren gebaut.
Neben dem Seehafen lag ein strategisch wichtiger Militärflugplatz. Ein Teil der Bevölkerung gehörte zum Militär. Die Stadt hatte insgesamt vier Leuchttürme, die tief im Mittelmeer standen. Die grüne, gelbe und weiße Farbe waren stets bis in die Stadt deutlich zu sehen.
In dem Viertel waren ca. 40 Straßen, zwei Kinos, vier Metzger, vier Kolonialwarenläden und vier Gemüsehändler, Lebensmittelgeschäfte, zwei Wäschereien, drei Uhrmacher, ein Steinmetz, eine kleine Limonadenfabrik, vier Bäckereien/Konditoreien, vier Cafés, zwei Bars, eine Polizeiwache, ein Schiedsmann, zwei Horte, drei Kindergärten, eine Volksschule für Mädchen und eine für Jungs, ein Lyzeum, drei Notare, zwei Bestatter und eine Straße der Goldschmiede (denn die Frauen waren äußerst anspruchsvoll im Hinblick auf die Einzelanfertigung von Schmuck).
In diesem kleinen Kosmos haben Franzosen katholischer und evangelischer Richtung, jüdischen Glaubens, muslimischen Glaubens, buddhistischen Glaubens, orthodoxen Glaubens, hinduistischen Glaubens und einige Atheisten gelebt. Das Viertel kann als gutbürgerlich beschrieben werden. Viele hochstehende Persönlichkeiten waren dort angesiedelt: Ärzte, Notare, Rechtsanwälte, Professoren, Lehrer, Richter, religiöse Würdenträger, Ingenieure, Generäle, aber auch ganz normale Handwerker und Arbeiter. Zum Viertel gehörten auch außergewöhnliche Persönlichkeiten, drei Philosophen, drei Moralisten, zwei Soziologen, sechs Schriftsteller,Kinobesitzer, zwei Bar-Besitzer, sechs Generäle, zwei Richter, zwei Staatsanwälte, drei Außenpolitiker und vier Kapitäne größerer Schiffe.
Dieser Kosmos hat trotz dieser Unterschiedlichkeiten auf das Beste funktioniert, denn die Leute waren bereit, vorhandene Differenzen nicht so aufzubauschen. Zudem waren sie bemüht, nicht nur ihre Kinder, aber auch die Kinder des Nachbarn teilweise in ihren Werten zu erziehen. Es ging so weit, dass ab und zu, wenn religiöse Feiertage anstanden, eine Übereinkunft getroffen wurde, wie die Feiertage hintereinander zu feiern waren. Das Angenehme dieses Viertels war, dass die Bewohner nicht bestrebt waren, den höchsten Profit zu Lasten der anderen zu erzielen. Man hat dort nach dem Prinzip „Leben und Leben Lassen" gelebt. Zudem haben diese Bewohner die Unterschiedlichkeit jedes Einzelnen akzeptiert.
Eines der besten Beispiele stellte für die damalige Zeit eine äußerst feministische Dame namens Lilly dar, dem jüdischen Glauben angehörend, über 1,80 groß, rothaarig, eine Mischung aus Milva und Dalida, die aus einer sehr reichen, jüdischen Familie stammte und hinter der alle Männer des Viertels her waren. Sie führte sehr selbstständig Geschäfte durch und verliebte sich zum Leid aller Männer in einen Buckligen (er sah aus wie ein Quasimodo). Er hatte sehr feine Gesichtszüge, aber sein Buckel verlieh ihm den Spitznamen „Quasimodo". Er hatte ihre Avancen immer zurückgewiesen, bis sie ihm im Viertel öffentlich einen Heiratsantrag machte. Dies kam zwar einem Skandal gleich aber die beiden haben mit einer Hochzeitsfeier, die drei Tage dauerte, geheiratet.
Marius würde nie vergessen welchen Skandal es auslöste, als ein Pastor (evangelisch) sich mit einer geschiedenen Frau verheiraten wollte, obwohl dieses katholischen Glaubens war. Dieser Skandal war so weitreichend, dass in einer Nachtsitzung die Alten und Weisen des Viertels zusammenkamen und unter dem Einfluss mehrerer guter Weine beschlossen, die Hochzeit zu ermöglichen.
3.2. Die Straße
Die Straße wurde nach einem Arzt benannt, der sich um die Entwicklung des Sanitär- und Gesundheitswesens in Afrika verdient gemacht hatte.
Die Straße verläuft parallel zum Kanal verläuft und endet im Boulevard de la Plage. Der Boulevard de la Plage begann am Kanal und verlief parallel zu dem Meer und endete an der Grenze zum Alten Hafen. Der Boulevard war ca. 70m breit und gesäumt von hochragenden Palmen.
Gegenüber der Plage standen wunderschöne Häuser aus der Belle-Epoche Zeit. Die Straße war ca. 300m lang und 9m breit. Die Bürgersteige waren 1,50 m breit. Die Fahrbahn war kaum durch Verkehr belastet, und diente für die Kinder als Spielplatz oder für das Gemeinschaftsleben der Anwohner. Geht man von der Straße in Richtung Innenstadt so war man am Boulevard General Leclerc. An der Kreuzung Leclerc standen eine Limonadenfabrik und ein Kino, das Le Majestic. Dieses Kino hatte die Besonderheit, dass das Dach geöffnet werden konnte, sodass die Filme im Sommer quasi unter freiem Himmel gezeigt wurden. Die Bebauung der Straße wurde gegen 1860 fertig gestellt, sodass alle dort stehenden Häuser Belle-Epoche-Häuser mit drei bis vier Stockwerken waren. Sie hatten wunderschöne Fassaden und dekorierte Balkone. Die Häuser gingen stark in die Tiefe. Hinten hatten sie meistens einen Innenhof, der sehr intim war und sehr oft als eine Art Garten benutzt wurde.
In der Straße waren ca. 200 Wohnungen zwischen 200 und 500qm groß. Die Zimmerdecken waren 3,50m hoch. Und da die Helligkeit sehr stark war, waren alle Fenster mit Fensterläden aus Holz versehen, die oft nicht mehr richtig schließen konnten, weil sie sich wegen der Temperatur verzogen hatten.
Alle Häuser hatten Flachdächer, sodass oben eine Terrasse entstand, welche oft gefliest war und eine Sicht über die gesamte Bucht ermöglichte. In der Hitze des Julis und August dienten sie als Schlafplätze unter freiem Himmel.
Diese Nächte waren für jeden sehr reizvoll, denn neben der Geruchsmischung aus Jasmin, Salzwasser, Orangen, Datteln, Zitronen und Lavendel boten sie eine nicht bezahlbare Sicht auf die Sterne und das Meer.
Und wenn die Leute wegen der Hitze nicht so früh schlafen konnten, so wurde ein zweites Abendessen angerichtet und unter dem Gesang von berühmten französischen Chansonniers wie Edith Piaf oder Tino Rossi genossen. Sobald dieser erklang, waren die Frauen nicht mehr zu halten und es musste sehr oft zu den Tango-Liedern getanzt werden.
Diese Nächte haben manchmal bis drei oder vier Uhr gedauert, ehe eine gewisse kühle Brise vom Meer kam und es den Leuten ermöglichte, ein paar Stunden zu schlafen.
Im Sommer war das Aufstehen entweder sehr früh gegen fünf Uhr oder nach zehn. Für die Leute, die auf den Markt, insbesondere auf den Fischmarkt gehen mussten, war das Aufstehen schon vor vier Uhr nötig.
Die anderen trödelten langsam bis zehn Uhr. Das Frühstück war gerade im Sommer spartanisch, erst gegen elf Uhr hatte man etwas gegessen.
Da Ihren Eltern Angst vor Sonnenbränden hatten, mussten die Kinder der gesamten Straße sehr früh geweckt werden, um von acht bis neun Uhr zu schwimmen, wie eine kleine Schafherde zur Plage getrieben und unter strenger Aufsicht zwei oder drei Mal ins Wasser zu springen, um dann wieder nach Hause zu gehen. Erst gegen 17.00 durften sie wieder auf die Straße.
In der Straße wohnten ca. 120 Familien mit ca. 130 Kindern. Die Schulferien waren vom 15. Juni bis zum 15. Oktober, eine Woche zu Weihnachten und zu Ostern.
Die Schulen waren so ausgerichtet, dass die Eltern ihre Kinde gegen acht Uhr dort abgeliefert hatten und dass sie je nach Fach Schulstunden hatten, dass sie von 11.30 bis 14.00 Essen und Ruhen hatten und dann von 14.00 bis 17.00 erneut Unterricht. Abends zu Hause oder im Pensionat machten sie Hausaufgaben. Dies an fünfeinhalb Tagen in der Woche. Die Auslese war streng, denn die reichen Eltern konnten sich private bzw. kirchliche oder elitäre Schulen leisten.
Die Ausbildung der Kinder stand an höchster Stelle bei den Geldausgaben der Eltern. Zu diesem Zeitpunkt gab es im französischen Schulsystem das Prinzip, dass überdurchschnittlich gute Kinder die Klassen überspringen konnten. Marius hatte das Glück oder das Pech davon betroffen zu sein. Das hatte Marius in seinem Fall nie verstanden.
3.3 Die Bewohner der Straße
Die Bewohner der Straße waren sehr gemischt hinsichtlich ihrer Herkunft und Religion, der soziale Status war relativ homogen. 50% der Einwohner waren Urfranzosen, 10% waren Italiener, 5% Griechen, 5% Russen (die vor der Oktoberrevolution geflohen waren), 10% Türken, 3% Malteser, 1% Marokkaner, 1% Algerier, 1% Tunesier, 1% Albaner, 1% Inder, ein einziger Deutscher. Die restlichen Einwohner waren aus aller Herren Länder, von Amerika, Argentinien bis zu China.
Was Religionen anbetrifft, so hatten sie Katholiken, Evangelische Christen, Calvinisten, Juden, Orthodoxe Christen, Orthodoxe Juden, Buddhisten, Hinduisten, Moslems sunnitischer Richtung und relativ viele Atheisten. In Marius Straße wohnten zwei katholische Priester, ein protestantischer Priester mit Familie, zwei normale Rabbi und ein orthodoxer Rabbi, jeweils mit Familie, ein orthodoxer Priester ohne Familie, ein sunnitischer Vorbeter. Und ein buddhistischer Mönch.
Von der Altersstruktur her waren 10% der Bewohner älter als 60 Jahre, 10% zwischen 50 und 60, 20% zwischen 40 und 50, 20% zwischen 30 und 40, 15% zwischen 20 und 30, 25% Kinder und Jugendliche unter 20.
Folgende Berufe waren in der Straße vertreten: Ärzte, Ingenieure, hochrangige Militärs, Anwälte, Richter, Notare, Mittelständische Unternehmer, Handwerker, Schriftsteller, Lehrer, Wissenschaftler, Philosophen.
Eine Gemeinsamkeit hatten alle Bewohner der Straße: ihre Liebe zu Büchern. So hatten sie eine Wohnung in der Mitte der Straße, die stets offenstand und als eine Art Bibliothek fungierte. Wenn Marius sich zu Recht erinnere waren alle Wände voller Bücherregale und davor standen rundum Tische mit Stühlen. Die Elektriker haben dafür Sorge getragen, dass es stets genügend Licht gab, im großen Salon mit großen Fenstern zum Innenhof war ein wunderschönes altes Klavier, an dem seine Musiklehrerin Madame Fhyol den Kindern die klassische Musik näherbringen wollte. Auch wenn die Kinder dazu weder Begabung noch Muße hatten. Madame Fhyol war immer in schwarz gekleidet, da ihre große Liebe im ersten Weltkrieg gefallen war. kann sich nicht daran erinnern, dass sie sich jemals um einen anderen Mann bemüht hat. Sie war sehr streng, vor allem die theoretischen Grundlagen der Musik hat sie ihnen eingebläut. So kam Marius zum ersten Mal in seinem Leben mit vier Jahren in Berührung mit Mozarts türkischem Marsch, den er bis heute liebe. Dagegen waren ihre Bemühungen sie im Alter zwischen 8 und 9 Jahren Wagner näher zu bringen, voll gescheitert. Bis heute hat Marius starke Probleme, wenn er Wagner hören muss.
Außerdem sind ihre Bemühungen ihm das Geigenspiel beizubringen grandios gescheitert. Aber Marius hat bis heute die höchste Achtung vor den Geigenspielern. Dieses ständige stundenlange Üben mit immer gleichen Tönen hat ihm eine Zeitlang von jeder klassischen Musik entfernt.
Er möchte hier ansatzweise verschiedene Bewohner beschreiben, die ihm ein Leben lang in besonderer Erinnerung geblieben sind und stark seine Persönlichkeit mitgeformt haben:
Marius Mutter
Seine Mutter war für die Zeit eine relativ große Frau. Sie war etwa 1,75m groß und schlank. Sie hatte wunderschöne, lange schwarze Haare und eine leicht bronzefarbene Haut. Sie hatte klare blaue Augen und lange Wimpern und sehr zarte Gesichtszüge.
Sie hatte einen sehr eleganten Gang und trug sehr oft lange Kleider aus Seide. Manchmal flocht sie sich die Haare und wand sie zu einem Kranz um den Kopf.
Sie war immer nur leicht geschminkt. Sie sprach stets mit einer zarten Stimme. Für sie waren ihre Kinder, ihr Mann und die Kultur der Mittelpunkt ihres Lebens.
Da sie sehr oft mit seinem Vater, der im Auswärtigen Dienst tätig war, unterwegs war, war sie nicht die typische Hausfrau. Wenn sie zu Hause war, hat sie sehr gut für den Haushalt gesorgt, allein oder mit Hilfe einer Hausdame. Sie war selbstbewusst und konnte elegant bei politischen Diskussionen mithalten. Gegenüber den Kindern war sie immer streng und gleichzeitig liebevoll.
Sie war sehr streng hinsichtlich der sozialen Erziehung und eher sehr gütig hinsichtlich der Leistungen in der Schule, was ihr stets Ärger mit ihrem eigenen Vater einbrachte.
Sie besaß selbst eine beeindruckende Bibliothek, die mehrere hundert Bücher zählte. Sie war mehrsprachig ausgebildet und sehr sicher in der geopolitischen Geschichte.
Sie war eine erstklassige Köchin, wenn sie zu Hause war. Ab und zu brauchte sie nichts zu sagen, ihre Blicke waren wie Gesetze. Sie ist relativ jung gestorben und Marius glaubte, dass sein Vater darüber nie hinweggekommen ist.
Sein Vater hat sich erst nach sehr langer Zeit wieder auf eine Beziehung eingelassen. Den Grund ihres Todes kann Marius nur vermuten, möglicherweise litt sie an Brustkrebs. Marius hatte seine Mutter nur zwei Mal weinen sehen, einmal weil sein Großvater mütterlicherseits ihr vorwarf, dass sie einen minderwertigen Mann geheiratet hatte, der ihrerKlasse nicht ebenbürtig war und einmal, weil Marius die schulische Leistung trotz einem Durchschnitt über 17 von 20 Punkten in seinen Augen nicht erreichte. Sie hat den Kindern stets beigebracht, dass es bei der Beurteilung des Verhaltens von Menschen sehr wichtig sei gütig zu sein. Für sie gab es keine Unterscheidung in schwarz und weiß, sondern grau in grau. Zudem war es für sie sehr wichtig, dass jeder Mensch das Recht hatte, Fehler zu machen.
Marius Vater
Sein Vater war ein großgewachsener Mann von ca. 1,90m. Für einen Mann hatte er eine eher athletische Figur, stets sehr gut gepflegt, der Scheitel war stets perfekt, er trug nie eine Brille und hatte ausgesprochen aufrichtige, große, braune Augen.
Sein Gang war zügig und er konnte sehr gut zuhören. Er war stets höflich. habe ihn nie schreien hören, selbst wenn die Kinder Unfug veranstaltet hatten. Er machte ihnen zwar Vorwürfe, aber immer mit ruhiger Stimme. Top ausgebildet in der École Polytechnique beherrschte er fünf Sprachen in Wort und Schrift. Marius habe nie gesehen, dass er die Nerven verlor, bis auf ein einziges Mal gegenüber seinem Großvater mütterlicherseits. Als seine Mutter weinend nach Hause kam und er das mitbekam, hatte er Großvater mütterlicherseits zur Rede gestellt und sich mit lauter, klarer Stimme jegliche Einmischung verbeten.
Mit seiner stets diplomatischen Sprache konnte sich sein Vater sehr klar und sehr deutlich äußern, sodass keinerlei Missverständnisse aufkommen konnten. Die Kinder und deine Ehefrau liebte er abgöttisch. Er hat häufig auf manch persönliche Freude zu ihren Gunsten verzichtet.
Er war ein Mann des Friedens, Marius wird nie vergessen, wie er bemüht war, den Frieden zwischen der algerischen Befreiungsfront und der französischen Regierung zu vermitteln.
Er hat sogar Mitglieder der algerischen Befreiungsfront zu ihm eingeladen, um mit ihnen die ganze Nacht in einer entspannen Situation zu diskutieren.
Sein Vater war politisch eher sozialdemokratisch à la Willy Brandt eingestellt. Aber gleichzeitig war er auch Anhänger De Gaulles. Für die Kinder war er stets ein guter Freund mit Hilfestellungen für die Schule oder Ratschlägen für ihren weiteren Werdegang.
Er war einer der wenigen, der seinen Schritt, nach Deutschland zu gehen, verstanden hatte und dass Marius dem Mief der mütterlichen Familienseite entziehen wollte.
Er war irgendwie stolz, dass Marius mit seinem Querkopf gegen die von ihm verhasste Bourgeoisie trotzte. Da er sehr oft in der Welt beruflich unterwegs war, bat er seinen Vater und seine Mutter auf die Kinder aufzupassen, und ihnen die nötigen Werte zu vermitteln. Als Werte hat sein Vater die Kinder vor allem die Ehrlichkeit gegen sich selbst beigebracht, die klare, analytische Denkweise und die Notwendigkeit, manchmal gegen den Strom zu schwimmen, selbst dann, wenn man Nachteile erleiden sollte.
Seine Großmutter
Großmutter war auch eine elegante Dame, nicht besonders groß mit ca. 1,60m, jedoch selbst für ihr Alter relativ schlank.
Sie hatte aber blondes Haar und braune Augen und einen goldenen Eckzahn. Sie hatte kleine Ohrringe, der einzige Schmuck, den Marius neben ihrem Ehering je gesehen habe. Sie war gebildet, da sie zu ihrer Zeit bereits ein Abitur und ein so genanntes Vorphysikum, also Grundlagen der Medizin, studiert hatte.
Sie musste ihr Studium damals abbrechen, um Großvater zu heiraten. Sie hat die gesamten Jahre, als die Kinder groß waren, unentgeltlich im Krankenhaus ausgeholfen und Zeit ihres Lebens sich um Ihre Enkelkinder gekümmert. Sie war sanft, aber auch bestimmt. Sie hat den Kindern nicht alles durchgehen lassen, dafür hat sie Großvater nie erzählt, was sie falsch machten. Sie liebte ihre Kinder und Enkelkinder abgöttisch und Marius glaubte, sie war immer, bis zuletzt, verliebt in seinen Großvater.
Marius Großmutter hat die Kinder stets beigebracht, für die Armen und Kranken Mitgefühl zu haben und selbst wenn sie nichts zu verschenken hatten, dann ein gutes Wort zu schenken.
Sie hat die Kinder auch beigebracht, nicht bei jeder Kleinigkeit zu jammern und nicht jedes Risiko zu scheuen. Einer ihrer Lieblingssätze war: Das Leben ist selbst ein Risiko. Sie starb ebenfalls relativ jung. Großvater kam darüber nie hinweg und hat trotz Avancen von vielen Frauen nie wieder geheiratet.
Sein Großvater
Großvater war ca. 170-175 groß, stämmig, mit vollem Haar und einem Bart. Er hatte braune Augen und eine riesige Matrosenhand.
Er war selbst Kapitän in der Marine Marchande und fuhr über 30 Jahre auf See, jeweils acht Monate im Jahr. Vier Monate des Jahres verbrachte er zu Hause. Er fuhr über 70 Länder an und erzählte gern von den Teilen seiner Reisen, von denen sie wissen sollten. Vom Typ her erinnerte er an Jean Gabin.
Er war für seine klaren Ansprachen bekannt und war deswegen sowohl in der Stadt, als auch im Viertel und in der Straße sehr geachtet.
Marius hatte nie gehört, dass er über die Leute irgendwie schlecht sprach. Wenn er mit der jeweiligen Person ein Problem hatte, sprach er sie direkt an.
Er war sehr weltoffen und sprach selbst mehrere Sprachen und war das Gegenteil seines Großvaters mütterlicherseits. Er hasste die Adeligen, und die Groß-Bourgeoisie hasste er wie die Pest und warf ihnen stets Starrsinn und Denkfaulheit vor.
Er war das personifizierte „Leben und leben lassen" und konnte mit den Vertretern aller Religionen sehr gut auskommen. Selbst von General Morell wurde er geachtet, weil er einer der wenigen war,
