Der Ehrenkodex des Jägers (Buch 3): Eine fortlaufende Fantasy-Buchreihe
Von Oleg Sapphire
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Über dieses E-Book
Mein Körper gewinnt jeden Tag an Kraft, mein Geist levelt und meine alten Skills sind weiterhin vorhanden. Endlich versammeln sich Menschen um mich, denen ich vertrauen kann.
Selbstverständlich habe ich auch mächtige Feinde. Doch das wird nicht lange währen...
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Der Ehrenkodex des Jägers (Buch 3) - Oleg Sapphire
Kapitel 1
„DARF ICH HEREINKOMMEN, Vasily Petrovich?"
„Ah… Galaxius. Treten Sie ein! Was führt Sie zu mir?"
„Ich brauche Ihre Hilfe, Vasily Petrovich."
„Tatsächlich? Der Leiter des Zentrums für Monsterschlächter, Herzog Vasily Petrovich Khrulyov, löste sich von den Unterlagen vor ihm und schaute auf. „Laut der Berichte, die ich erhalten habe, ist Hilfe das Letzte, was Sie benötigen. Bittet Galaxius wahrhaftig um Unterstützung?
„Jeder braucht hin und wieder Hilfe, Vasily Petrovich."
„Sehr wohl, schmunzelte der betagte Monsterschlächter. „Möchten Sie einen Tee?
„Gerne."
Zu meiner Überraschung rief er nicht seine Sekretärin, sondern erhob sich selbst, trat an den Samowar, nahm eine große Tasse und füllte sie mit aromatischem Tee.
Dann lächelte er geheimnisvoll. „Honig?", bot er an.
„Ja, bitte." Ich nickte zustimmend.
„Bedauerlicherweise stammt mein Honig nicht von Azur-Bienen, obwohl er auch nicht schlecht ist." Der Schalk blitzte in den Augen des alten Monsterschlächters der zweiten Klasse auf.
Ich konnte meine Überraschung nicht verbergen.
„Da hat mich wohl jemand verpfiffen."
„Verpfiffen? Oh, nein, überhaupt nicht. Er stellte eine große Tasse gemeinsam mit einem Glas klarem Honig vor mir ab. „Es wurde mir berichtet. Immerhin handelte es sich um ein Einsatzteam. Es ist verpflichtet, solche Vorfälle zu melden.
Ich zog die Schultern hoch. „Sie hätten mich beinahe getötet."
Bei diesen Worten lachte der Alte.
„Irgendwie fällt es mir schwer, das zu glauben. Aber ja, Sie haben nach Vorschrift gehandelt. Nur Graf Fyodorov jammert seither, dass Sie ihm seine Ausrüstung entwendet haben."
„Ich kann Sie ihm gerne zurückgeben, falls nötig. Allerdings gibt es ein Problem… Meine Wohnung wurde in die Luft gejagt. Sollten die Feuerwehrleute das Schwert finden, werde ich es ihm wiedergeben."
Das Lächeln des alten Mannes verstarb.
„Ja, ich habe von diesem Unglück gehört. Es tut mir leid."
„Vielen Dank, entgegnete ich. „Genau genommen bin ich aus diesem Grund hier.
Der alte Mann lehnte sich im Stuhl zurück und beäugte mich interessiert.
„Ich werde für eine Weile im Zentrum wohnen müssen."
Die Augen des Alten blitzten gespannt auf. „Was verstehen Sie unter ‚einer Weile‘?"
„Nur bis ich bestimmte… Ich geriet ins Stocken. „…Schwierigkeiten gelöst habe.
Der Alte trommelte mit den Fingern auf dem Schreibtisch, während er mich durchdringend anblickte. Offensichtlich wägte er etwas ab.
„Sie sind sich schon bewusst, dass wir kein Hotel führen?"
„Selbstverständlich, aber ich bin bereit zu bezahlen…"
„Ich brauche Ihr Geld nicht", fiel mir der Monsterschlächter ins Wort.
„Das heißt also nein?", fragte ich stirnrunzelnd.
„Das habe ich nicht gesagt. Sie sind zwar jung und ungestüm, aber nach wie vor ein Monsterschlächter. Ihr Ruf spricht für sich selbst, und Ihr Potenzial… Der alte Mann kratzte sich am ergrauten Haupt. „Nun, selbst ich kann das nicht einschätzen, um ehrlich zu sein. Das ist mir seit langem nicht passiert. Für gewöhnlich kann ich jeden von euch Kerlen durchschauen. Werden Sie mir verraten, wie Sie diese Erdspalten geschlossen haben?
Ich lehnte mich mit verschränkten Armen zurück.
„Es tut mir leid, aber das geht nicht. Sollte dies eine Bedingung für meinen Aufenthalt hier sein, dann werde ich mich anderweitig umschauen."
„Oh, entspannen Sie sich, rief der Leiter des Zentrums und hob beschwichtigend die Hand. „Da hat lediglich die Neugierde eines alten Mannes gesprochen. Was Ihren Aufenthalt hier anbelangt, werden Sie dafür arbeiten müssen.
„Wie genau?" Ich spitzte die Ohren.
„Ich werde Ihnen mehrere Erdspalten zuweisen, die Sie schließen müssen."
Ihm entging meine Anspannung nicht.
„Keine Sorge, ich habe nicht vor Sie zu versklaven. Lediglich zwei oder drei problematische Erdspalten. Unter einer Bedingung: Sie werden dies nicht im Alleingang erledigen, sondern mit einer Gruppe Monsterschlächter meiner Wahl."
Genau genommen musste ich ohnehin ständig Erdspalten schließen. Wieso sollte ich dann nicht mit einer Gruppe arbeiten und sie bezeugen lassen, dass ich den gleichen Job wie alle anderen erledigte? Zöge ich stets auf eigene Faust los, würden sie noch Geschichten über irgendeine großartige Gabe erfinden, die ich verheimlichte. Stattdessen könnte ich Seite an Seite mit ihnen einen paar Ungeheuer ins Jenseits befördern und gleichzeitig mein Karma verbessern. Allerdings würde es seltsam erscheinen, wenn ich auf der Stelle zustimmte.
„Kann ich sie nicht einfach alleine räumen?, fragte ich und blickte weiterhin mürrisch. „Das finde ich wesentlich einfacher. Ich bin daran gewöhnt, mich nur um meinen eigenen Hintern zu sorgen.
„Nein. Das ist eine Bedingung für Ihren Aufenthalt hier, die ich völlig angemessen finde. Sie können das Angebot annehmen oder es ablehnen. Das bleibt Ihnen überlassen."
Ich nickte. Ich musste den Starrkopf spielen, damit mir niemand auf die Schliche kam. Doch der alte Mann hatte recht, es war eine angemessene Bedingung.
„In Ordnung, dann nehme ich an. Aber ich brauche ein paar Tage für eine Geschäftsreise. Allerdings gibt es eine Dame, die so lange hier unterkommen müsste. Ich wäre Ihnen dankbar, wenn Sie sie im Auge behalten könnten."
„Kein Problem. Wir werden mit Argusaugen auf Sie aufpassen. Die Rechnung für den Zimmerservice wird bei Ihrer Rückkehr auf Sie warten. Haha…" Der alte Mann lachte über seinen eigenen Witz.
„Vielen Dank, Vasily Petrovich!"
Ich reichte ihm die Hand, als ich aufstand. Stöhnend nahm der alte Monsterschlächter sie entgegen.
„Es besteht kein Grund zur Eile. Trinken Sie in Ruhe Ihren Tee, während wir etwas plaudern."
* * *
Nun, was kann ich sagen? Sie brachten uns behaglich in den Gästekasernen für Monsterschlächter unter. Im Gegensatz zu den normalen Kasernen für neue Rekruten, gab es hier Einzelzimmer.
Unsere kleine Zweizimmer-Suite bot gerade genug Platz für uns beide. Doch es zählte nur, dass wir uns im Zentrum befanden. Ich wagte zu bezweifeln, dass der König uns hier in die Finger kriegen würde. Dank der kaiserlichen Kontrolle und anderen Regeln, war dieser Ort unbezwingbar und unantastbar.
„Hast du etwas herausgefunden?", fragte ich Anna, die ein paar Unterlagen durchging.
Schnupp hatte nicht alles niedergebrannt. In einem der von Anna als Buchhaltungsbüro gekennzeichneten Räume war es ihm gelungen, eine Schublade mit Unterlagen des Hauptbuchhalters zu entwenden. Die Abteilung, aus der sie stammte, war offiziell unbedenklich. Die legalen Geschäfte des Königs liefen über sie, und mit diesen befasste sich Anna gerade.
„Ich habe zwei Angriffsziele für dich, sagte sie. „Hier und hier.
Sie warf mir zwei Ordner zu. Ich setzte mich hin und warf einen Blick hinein.
„Eine Schweinefarm und ein Schlachthaus? Im Ernst, sind das die beiden besten Optionen?"
„Interessanterweise erwirtschaftet das Schlachthaus 30 Prozent des legalen Einkommens vom König, und die Schweinefarm 20 Prozent. Und nur damit du es weißt, wir sprechen von hohen Summen."
„Ist Fleisch heutzutage so teuer?, schmunzelte ich. „Vielleicht sind wir in der falschen Branche. Soll ich mich zum Landwirt ausbilden lassen?
„Keine schlechte Idee, entgegnete Anna lächelnd. „Aber nein. Die Zahlen, auf die ich gestoßen bin, können unmöglich mit dem übereinstimmen, was dort wirklich vor sich geht. Ich habe ein vages Verständnis vom Fleischmarkt im Kaiserreich. Um diese Summen zu erwirtschaften, müsste das Schlachthaus viermal größer und rund um die Uhr in Betrieb sein. Die Schweinfarm müsste mindestens zehnmal größer sein, als sie gegenwärtig ist. Irgendetwas ist dort faul.
„In Ordnung, stimmte ich nickend zu. „Ich werde mich darum kümmern.
Bedrückt schaute ich zur letzten Waffe in meinem Besitz, der riesigen Streitkeule, und kratzte mich am Kopf. Mir gefiel die Vorstellung nicht, dieses gewaltige Ding herumzuschleppen. Aber noch mehr Schrott von Arkhip kaufen? Da könnte ich mein Geld direkt das Klo hinunterspülen.
Die Feuerwehrleute hatten sich immer noch nicht gemeldet. Vermutlich durchkämmten sie weiterhin die Trümmer, aber sicher war ich mir nicht.
Seufzend warf ich mir die riesige Streitkeule über die Schulter und stärkte meinen Körper mit etwas Energie. Um die gewaltige Waffe zu tragen, musste ich ständig meine Energiereserven anzapfen. Daran war leider nichts zu rütteln. Wer den Pfennig nicht ehrte, war des Talers nichts wert.
„Sagenhaftes Outfit!", grinste Anna, als sie mich musterte.
Ich betrachtete mich im Spiegel.
Die Spitze der Streitkeule ragte über meinen Kopf hinaus und die herausstehenden Stacheln ließen mich ein wenig komisch aussehen.
„Hasse nicht den Spieler!"
Ich schwang die Waffe ein paar Mal hin und her, wobei ich versehentlich den Garderobenständer im Eingang umstieß.
„In Ordnung, ich bin weg. Bis später."
Immerhin wohnten wir hier nur zur Miete. Es war besser, die Bude nicht zu verwüsten.
„In Ordnung. Viel Erfolg!, sagte Anna. „Und sei vorsichtig!
Ich verließ unsere Wohnung und ging den Flur entlang. Auf der Veranda erwartete mich eine Überraschung: Helga stand dort und blickte mich grübelnd an.
„Hallo, Hübsche!", grinste ich und beobachtete erfreut, wie das Mädchen bei dem Kompliment errötete.
„Du bist also umgezogen, ja?", fragte sie.
„Wo bleibt mein ‚Hallo‘? Und was ist mit einer Umarmung und einem Kuss?"
Helga schenkte meiner Stichelei keine Beachtung.
„Mir ist zu Ohren gekommen, dass du nicht alleine hier bist."
„Oh, du hast Spione! Ich grinste sie an. „Ja, das ist meine Kollegin.
„Kollegin?" Helga hob überrascht eine Augenbraue.
„Ja, genau. Wieso? Was hast du denn gedacht?"
„Ich dachte, sie sei eine Prost… Helga verstummte. „Entschuldige, aber ich habe es heute sehr eilig.
„Oh, es ist keine Entschuldigung nötig, entgegnete ich gelassen. „Wie geht es dir denn? Ich habe von Andrei gehört, dass du vorhast, bald abzureisen. Ich weiß nicht, welcher geheimnisvollen Aufgabe du dich hier gewidmet oder was du überhaupt hier gemacht hast, aber ich schätze, deine Arbeit ist erledigt. Eigentlich überrascht es mich, dass du noch hier bist.
„Ich habe meine Geschäfte hier… erweitert, antwortete sie nachdenklich. „Wirst du lange hier bleiben?
, fragte sie möglichst beiläufig.
„Das hängt davon ab, wie sich die Dinge entwickeln."
„Und wo hast du dieses Ungetüm her? Sie deutete mit dem Kinn auf die Streitkeule. „Bist du unterwegs, um es zu verkaufen?
„Nein, ich habe beschlossen, etwas zu trainieren."
„Eine Erdspalte? Helga riss die Augen auf. „In dem Aufzug?
Ich schaute an mir herab. Ich hatte kein Kettenhemd und keinen Armschutz mehr, und auch keine Wurfmesser. Daher stand ich in einem adretten Zivilanzug mit geschulterter Streitkeule vor ihr. Na und? Stylish, jugendhaft und modisch. Genau richtig für den Raid von Erdspalten.
„Soll ich dir Geld leihen?", fragte Helga und legte mitfühlend die Stirn in Falten.
„Wow, meine Gute!, lachte ich. „So schlimm ist es noch nicht. Ich bin nicht pleite. Ich habe Geld.
Ich strich mit einer Hand über mein Outfit. „Momentan reicht mir das einfach. Immerhin ist diese Schönheit auch Teil meines Teams."
Ich tätschelte Karamell den Kopf. Sofort wurde Helgas Blick sanfter.
„Hi, meine Süße!" Zu meiner Überraschung trat sie näher und streichelte den Kopf meiner Pantherdame, bevor ich etwas sagen konnte.
Wow! Und sie biss nicht einmal ihre Hand ab. Offensichtlich akzeptierte Karamell sie als Freundin. Was war nur geschehen, dass meine Raubkatze so freundlich zu ihr war?
„Willst du, dass ich dich begleite?", fragte Helga, und bemühte sich erneut, beiläufig zu klingen.
„Danke, aber nicht heute."
Ihr Blick verfinsterte sich leicht.
„Nun, wie du weißt, hat mich euer Großvater zu ein paar Raids verdonnert. Wenn du ein paar Fäden ziehst — und irgendetwas sagt mir, dass du dazu in der Lage bist — kannst du dich für meine Raid-Gruppe eintragen lassen. Ich freu mich drauf!", sagte ich völlig ernst und merkte, dass dies der Wahrheit entsprach.
Helga schaute wieder etwas freundlicher.
„In Ordnung. Übrigens gibt es hier auf dem Gelände des Zentrums eine überraschend gute Bar. Falls du mal Lust hast, einen Abend auszugehen…" Ihr Blick wanderte zum Fenster, wo Anna uns beobachtete.
„Bittest du mich um ein Date?", fragte ich stirnrunzelnd.
„Zum Teufel, Galaxius, du bist so ein Blödmann! Du weißt echt, wie man alles ruiniert!", schnaubte Helga wütend, bevor sie auf dem Absatz kehrt machte und davonstürmte.
„Sie ist echt seltsam, lachte ich. „Komm, Fellknäuel!
, sagte ich zu Karamell, die mich grimmig anknurrte.
Du bist ein Blödmann, ertönte eine Stimme in meinem Kopf.
„Ah, du sprichst also wieder?, bemerkte ich. „Wie dem auch sei, lass uns gehen. Es ist Zeit, ein paar bösen Jungs eine Lektion zu erteilen!
Das erste Ziel für eine dieser Lektionen war die Schweinefarm.
Die hohen Mauern versperrten mir die Sicht. Der Ort glich einer Festung. Andererseits war es für Schnupp kein Problem, einen Blick auf das Gelände zu werfen. Ich hielt mich im Hintergrund und verfolgte genau, was er mir zeigte. Seltsam, aber es war tatsächlich eine Schweinefarm.
Je länger Schnupp herumschlich, desto überraschter war ich, dass es sich um eine gewöhnliche Schweinefarm handelte. Schweine grunzten in ihren Ställen und Säue fütterten ihre Ferkel. Alles sauber. Es gab nichts zu beanstanden.
Doch als Schnupp sich dem Logistikzentrum näherte, änderte sich das Bild. Zuerst fiel mir auf, dass das Logistikzentrum eine Art „Staat im Staat" war. Es gab zwei Fahrzeuge zum Beladen, die auf den ersten Blick wie gewöhnliche Lieferwagen wirkten. Der Dicke der Türen nach zu urteilen, waren sie mindestens so gut gepanzert wie ein MTW des Zentrums. Gerade wurden sie mit grunzenden, quietschenden Schweinen beladen, die auf die Ladefläche getrieben wurden. Schnupp schlich sich näher heran.
Hoppla! Ein widerspenstiges Schwein wurde in ein separates Gebäude gezerrt, in dem Männer dem Tier geschickt Glibberperlen ins Maul stopften und es zwangen, diese hinunterzuschlucken. Anschließend wurde das Schwein zum Verladen nach draußen geführt. Dann noch eins, und noch eins.
„Wie viel Zeit bleibt uns?", fragte einer der Verlader und wischte sich den Schweiß von der Stirn.
„Wir haben gerade erst begonnen und wir haben noch viel zu erledigen. Aber lass uns eine rauchen und dann weitermachen."
Die Männer gingen hinaus, vorbei an den bulligen Wachen.
Sofort steckte Schnupp seine neugierige Nase in die nahestehenden Behälter. Einer war randvoll mit weißen Glibberperlen gefüllt, der nächste mit roten. Es gab haufenweise Glibberperlen.
Ein Schmunzeln breitete sich in meinem Gesicht aus.
„Bring sie mir, Kumpel!"
Er tat wie geheißen, auch wenn er dafür mehrmals hin- und herlaufen musste.
Nachdem ich sie gezählt hatte, stellte ich fest, dass ich um 243 weiße und 34 rote Glibberperlen reicher war. Gemäß dem heutigen Preis belief sich ihr Gesamtwert auf beinahe 30.000 Rubel!
Als ich die Loot mit einem Grinsen erneut zählte, durchbrach ein schriller Alarm die Stille. Schnupp trieb sich in der Nähe herum und ich zwinkerte ihm zu.
„Das wäre alles. Es besteht kein Grund wiederzukommen. Wir haben getan, was wir tun wollten. Jetzt lass uns schleunigst von hier verschwinden!"
Doch eine Frage spukte mir im Kopf umher: Aus welchem Grund wurden die Glibberperlen in den Schweinen versteckt?
Dann fiel mir der Zielort der Fracht ein: das Khanat der Großen Steppe. Richtig! Ein Dauerfeind des Ostreiches, der es sich zur Gewohnheit gemacht hatte, die Grenzen des Kaiserreiches anzugreifen, wann immer seinem kriegerischen Herrscher der Sinn danach stand. Sofern ich mich erinnerte, war der Verkauf von Waffen an sie untersagt, und Glibberperlen galten auf gewisse Weise als Waffe. Zumindest hatten sie einen doppelten Verwendungszweck. Jedenfalls fielen sie unter dieses Embargo. Mit Lebensmitteln hingegen durfte gehandelt werden. Der König musste mit dieser Schmuggelware einen beträchtlichen Profit schlagen. Dennoch war es besser, hier vorerst nichts zu unternehmen. Vielleicht würde ich wiederkommen, und zwar mehr als ein- oder zweimal.
Ich verzichtete auf ein Taxi und ging zu Fuß. Wer konnte schon wissen, welche Verbindungen der König hatte? In Anbetracht der Umstände, unter denen die Ware verschwunden war, wäre ich ohnehin der Hauptverdächtige. Wozu sollte ich es ihm leichter als nötig machen? Ich hielt einfach einen vorbeifahrenden Laster an, dessen Fahrer dem „geehrten Monsterschlächter" nur zu gerne ein Stück mitnahm.
Das Schlachthaus befand sich auf der anderen Seite von Irkutsk. Ich bat ihn, mich im Stadtzentrum abzusetzen, was er tat. Selbst Geld wollte er für seine Mühe nicht annehmen. Dann betrachtete ich nachdenklich den Beutel mit den Glibberperlen. Ich konnte ihn schlecht mit mir herumschleppen, und sie an Arkhip zu verkaufen, stand ebenfalls außer Frage. Ich könnte sie im Zentrum abliefern, doch womöglich verfügte der König auch dort über Kontakte.
Dann kam mir eine Idee, als ich an ein nicht allzu lang zurückliegendes Ereignis im Park dachte.
„Schnupp, such!"
Wir befanden uns in einem alten Teil der Stadt. Schnupp kroch soweit hinab, bis er auf zahlreiche unterirdische Tunnel stieß. Nach einer Viertelstunde hatte er einen trockenen Tunnelabschnitt gefunden, der mit einem rostigen Tor und einem genauso rostigem Schloss versperrt war. Es musste sich um einen Wartungsraum der örtlichen Versorgungsunternehmen handeln. Allerdings erweckte es nicht den Eindruck, als sei kürzlich jemand hier gewesen. Nachdem er den Beutel mit Glibberperlen dort verstaut hatte, bat ich den kleinen Strolch sehr höflich, sich die Stelle zu merken. Auch ich schaute mich aufmerksam um, um mir die Umgebung einzuprägen. Ich wollte nicht wie ein Hund enden, der einen Knochen verbuddelt hatte, aber nicht mehr wusste wo. Wenn wir so weitermachten, müsste ich mir etwas zum Markieren einfallen lassen. Haha!
Nun, dann auf zum Schlachthaus!
Wieder schien es sich auf den ersten Blick um ein waschechtes und reines Geschäft zu handeln. Es gab eine Art Sammelbereich, in den die unglücklichen Rinder getrieben wurden, um auf die Schlachtung zu warten. Die gefliesten Bereiche waren teilweise blutbespritzt, teilweise bereits gewaschen.
Wo war der Haken?
Kaum schoss mir diese Frage durch den Kopf, befand sich Schnupp schon dort, wo die Kadaver zerlegt wurden. Was für eine seltsame Kuh… Ich bat Schnupp, etwas näher heranzugehen. Sie war beinahe doppelt so groß wie ein gewöhnliches Rind und wog vermutlich dreimal so viel. Ebenfalls hatte sie sechs Beine und Hörner, die jeden Bison vor Neid erblassen lassen würden.
Dann wurde ich Zeuge, wie ihr Schädel mit einer Kreissäge aufgebrochen wurde. Eine weiße Glibberperle kam zum Vorschein, was meinen Verdacht bestätigte. Anschließend zerlegten sie den Kadaver geschickt, als sei alles in bester Ordnung.
Oh, das wurde allmählich interessant!
Schnupp vertiefte die Suche und stieß in einem großen, gesicherten Hangar auf eine Erdspalte.
Du gerissener Mistkerl, König!
Zwei Männer traten gerade aus der Erdspalte, die keineswegs wie Monsterschlächter aussahen. Ihren durchsichtigen Ringen nach zu urteilen, handelte es sich um einfache Arbeiter. Die Ringe dienten lediglich dem Zweck, die Erdspalte betreten zu können. In diesem Augenblick zerrten sie den Leichnam einer weiteren Kuh auf einen Karren.
„Erdspalten-Farming also, ja?"
Wenn das nicht einmal etwas Neues war!
Die Dunkelheit brach allmählich ein. Auf dem Gelände wurden große Scheinwerfer angeschaltet, elektrischer Strom floss zum Drahtzaun und Menschen bezogen auf Wachtürmen Position, wo sie die Läufe ihrer Maschinengewehre in sämtliche Richtungen richteten.
Dennoch musste ich hineingelangen. Ich schickte Schnupp wieder auf Erkundungstour, allerdings mit einem bestimmten Ziel. Diesmal galt mein Interesse der Schaltanlage, die das gesamte Gelände mit Strom versorgte. Ich schickte einen Salamander dorthin und einen zweiten zu den Kasernen der Kämpfer. Dann bat ich sie, sich umzubringen.
Ein gewaltiger Stromschlag erfüllte die Luft und wie erwartet, erloschen sämtliche Lichter auf dem Gelände. Die einzigen verbleibenden Lichtquellen waren zwei fröhlich flackernde Feuer — eines, wo sich einst die Schaltanlage befunden hatte, und eines bei den Kasernen.
Ich rannte auf die Absperrung zu, lud meine Streitkeule mit Kraft und rammte sie in die Wand.
Verdammt! Ich hatte es leicht übertrieben. Der gesamte Wandabschnitt stürzte ein.
Ich grinste. Die Streitkeule hatte eindeutig ihre Vorteile.
Dann eilte ich im Schutz der um mich herum ausbrechenden Panik zu meinem Ziel.
Die Wächter verfügten lediglich über eine schwache Gabe, sodass ich sie ohne großes Aufsehen aus dem Weg schaffen konnte. Diese Trottel hatten nicht einmal Infrarotbrillen, falls ihnen etwas die Sicht nehmen sollte. Ich hatte auch keine, aber dafür Schnupp, durch dessen Augen ich überall sehen konnte. Dies hatten wir in unserem früheren Leben ausgiebig geübt, auch wenn es mich zusätzliche Energie kostete. Er saß auf meiner Schulter und ich schaltete von meinen Augen einfach auf seine um.
Gewöhnliche Arbeiter irrten aufgebracht über das Gelände. Die Erdspalte war offen und ich rannte hinein, kopfüber in ein paar voll ausgerüstete Möchtegern-Monsterschlächter, deren Ringe milchig weiß leuchteten. Einer von ihnen hielt ein Schwert, dessen Klinge verlockend grünlich glänzte. Um es mit Schnupps Worten auszudrücken: „W-will-ll h-haben!"
Ein Lächeln umspielte meine Lippen, als ich dem Nächstbesten im Lauf meine Streitkeule in die Brust rammte. Ihm musste jedoch zugutegehalten werden, dass er über Erfahrung verfügte und seine Gabe gut trainiert hatte. Er schaffte es, seine Rüstung rechtzeitig zu laden, sodass er nach hinten fiel und das Bewusstsein verlor, anstatt in einem Blutregen zu explodieren.
Dem Zweiten fiel nichts Besseres ein, als seinen Körper zu laden und mich anzugreifen. Ein lilafarbener Blitz sauste rechts an mir vorbei, als Karamell sich auf das unglückselige Gangmitglied stürzte. Sie rollten über den Boden und noch bevor sie zum Halten kamen, bohrten sich die Krallen der Pantherdame durch die Rüstung des Feindes. Der erste Schrei verriet mir, dass seine Rüstung nachgegeben hatte und wenige Sekunden später ließ das Zucken des Monsterschlächters nach.
„Du könntest ruhig weniger Sauerei veranstalten!", schalt ich Karamell, die davontrabte und sich genüsslich die Pfoten schleckte.
Im Ernst, der Mann war buchstäblich in Stücke gerissen worden. Vorsichtig nahm ich ihm Gürtel und Waffenscheide ab und zog das Schwert heraus, das Karamell ihn mit einem Schlag entwendet hatte. Ich hatte recht! Karsker Stahl! Es war zwar etwas kurz, aber einem geschenkten Gaul schaute man nicht ins Maul!
Zwei weiße Glibberperlen. Das war alles.
Immer noch fassungslos ging ich zum zweiten Mann. Er atmete noch, obwohl er ohnmächtig war. Der blutige Schaum an seinen Lippen ließ darauf schließen, dass seine zertrümmerten Rippen die Lungen durchbohrt hatten. Der Kerl war erledigt, sofern ihm nicht umgehend ein guter Heiler zur Hilfe eilen würde. Doch das war unwahrscheinlich.
„Nimm’s nicht persönlich, Kumpel!", sagte ich schmunzelnd, als ich ihm die Kehle aufschlitzte.
Sein Schwert aus einer billigen Legierung wanderte in meine Tasche. Auch den Ring nahm ich ihm vom Finger, der nach dem Tod seines Besitzers durchsichtig wurde. Ich drehte ihn in meiner Hand. Keinerlei Identifizierungsnummer. Diese Person war nicht beim Zentrum registriert und hatte dort nicht trainiert. Er war eindeutig ein Mitglied der persönlichen Armee des Königs.
Auch ihm knöpfte ich zwei Glibberperlen ab und inspizierte vorsichtig seine Ausrüstung. Eine gewöhnliche genietete Lederrüstung, wie sie in unserer Welt üblich war, an der abgesehen von dem Gestank nichts Besonderes war.
„Verdammt, Jungs, wascht ihr euch jemals?" Ich verzog das Gesicht und stand auf.
Als ich in der Ferne grasende Kühe erblickte, seufzte ich schwer. Ich mochte Tiere lieber als Menschen, aber ich hatte keine Wahl. Ich wog die beiden Schwerter in meiner Hand und schnürte sie lächelnd an meinen Rucksack, bevor ich wieder zu meiner gewaltige Streitkeule griff. Ich schwang sie mehrmals durch die Luft und ging dann auf die Herde zu. Ich fragte mich, ob ein Schlag genügen würde, um einem dieser Bestien den Schädel abzureißen. Ich wollte nicht, dass sie litten.
* * *
Ich verließ die Erdspalte so dreckig wie immer — blutverschmiert, aber vollkommen zufrieden. Meine schmutzigen Tricks hatten funktioniert, eine Erdspalte war geschlossen und ich war sogar um ein paar Seelen reicher. Auch wenn ich einige Bestien hatte aufschlitzen müssen, war es ein Kinderspiel gewesen. Ich hatte lediglich die Ungeheuer töten müssen, was mir gelungen war.
Schnupp zeigte mir, dass draußen niemand auf mich wartete. Offensichtlich hielt sie das Chaos im Schlachthof auf Trab. Ich trat ins Freie und lächelte. Dann nahm ich ein Schild mit meiner Nummer heraus, verschönerte es mit einem Smiley-Gesicht und steckte es in den Boden vor der Erdspalte. Ich wischte mir die Hände ab und verließ rasch den Schlachthof, der nun weniger rentabel war als zuvor.
Dennoch durfte ich nicht vergessen, dass Anna hinters Licht geführt worden war und bewacht wurde. Zusätzlich hatte ich in ein Hornissennest gestochen. Nun musste ich den Dingen Zeit geben, bis sich die Wogen glätteten. In der Zwischenzeit wartete das geheimnisvolle Reich der aufgehenden Sonne auf mich!
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Bunker des Königs
Der König tobte vor Wut. Um ein Haar hätte er seinen Überwachungsraum demoliert. Zum Glück hatte er sich rechtzeitig beherrschen können. Die Ausrüstung war verdammt teuer. Stattdessen hatte der angrenzende Pausenraum dran glauben müssen. Um ihn herum lagen die zertrümmerten Überreste des Billardtisches sowie die Scherben zahlreicher Flaschen hochwertigen Weins verstreut.
„Finde ihn!, rief er. „Finde diesen Hundesohn und bring ihn um!
„Aber er ist im Monsterschlächter-Zentrum, Boss!"
„Das interessiert mich einen Scheißdreck! Stürmt den Ort! Jagt ihn in die Luft!"
„Ivan Ivanovich, möchten Sie wirklich dem Kaiserreich den Krieg erklären?"
Selbstverständlich wollte der König das nicht. Er war schlicht und ergreifend wütend. Dieser Mistkerl hatte ihm schon wieder eins ausgewischt.
„Positioniere ein paar Wachen beim Zentrum! Kein einziger dieser Hundesöhne darf uns entwischen! Sagt mir Bescheid, sobald er dort aufkreuzt. Schickt alle unsere Truppen dorthin!"
Das Telefon des Königs piepte. Als er einen Blick darauf warf, verfinsterte sich sein Gesicht.
„Verdammt! Ruft sie zurück!"
„Entschuldigen Sie, Ivan Ivanovich. Wen zurückrufen?"
„Alle! Sämtliche Truppen!"
Der König betrachtete ein Foto, das er erhalten hatte. Im Hintergrund befand sich ein feiner Sandstrand, im Vordergrund war ein Schild zu sehen: Willkommen am Odaiba-Strand! Und in dem schneeweißen Sand war mit einem Stock oder Finger die folgende Nachricht geschrieben worden:
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Kapitel 2
ICH HATTE ZUM ERSTEN MAL in meiner frühen Kindheit vom Reich der aufgehenden Sonne gehört, als im Fernsehen einen Zeichentrickfilm im Anime-Stil lief. Ich erinnerte mich, wie ich beim Anblick der Mädchen und Jungen mit ihren riesigen Kulleraugen lachen musste. Ich fragte selbst meinen Tutor, ob es sich um eine besondere menschliche Spezies mit den größten Augen der Welt handelte. Wie sich herausstellte, war das Gegenteil der Fall. Das war die erste Merkwürdigkeit, die mir im Reich der aufgehenden Sonne auffiel.
Als ich heranwuchs und zu trainieren begann, traf ich einen mandeläugigen Meister aus dem japanischen Kaiserreich, der ohne mit der Wimper zu zucken drei unserer eigenen Meister in einem Schaukampf außer Gefecht gesetzt hatte. Ebenfalls erinnerte ich mich, wie sehr dies meinen Vater enttäuscht hatte. Schließlich hatte er dem japanischen Besucher eine horrende Summe bezahlt, um seine persönlichen Leibwächter zu trainieren.
Seit ich ein kleiner Junge war, hatte Macht eine große Faszination auf mich ausgeübt. Insbesondere als ich mich aus meinem früheren Leben in diesem Körper erkannt hatte. Das galt besonders für menschliche Macht. Sehr früh wechselte ich von Kinderbüchern zu Fachliteratur über die Geschichte der Welt. So erfuhr ich von den Epizentren und der Tatsache, dass es mehrere von ihnen auf diesem Planeten gab. In Eurasien befand sich eines dieser Epizentren im Ostreich, während die anderen beiden zufällig Teil
