Was wollen Sie, Dr. Lammers?: Dr. Norden Bestseller 381 – Arztroman
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Über dieses E-Book
Dr. Norden ist die erfolgreichste Arztromanserie Deutschlands, und das schon seit Jahrzehnten. Mehr als 1.000 Romane wurden bereits geschrieben. Die Serie von Patricia Vandenberg befindet sich inzwischen in der zweiten Autoren- und auch Arztgeneration.
»Nein! Ich will das blöde Auto nicht!«, kreischte eine Stimme, gefolgt von einem Rumpeln, das nichts Gutes verhieß. »Ich will nicht hierbleiben. Ich will zu meinem Papa!« Die Anästhesistin Teresa Becker, die Dr. Daniel Norden am Schreibtisch gegenüber saß, zuckte zusammen und machte Anstalten aufzustehen. Mit sanfter Gewalt hielt Daniel seine Kollegin davon ab. »Ruhig Blut. Wendy und Janine sind beide nicht aus Zucker. Sie werden deinen kleinen Löwen schon bändigen«, beruhigte er die alleinerziehende Mutter. Teresa seufzte und sank zurück auf den Stuhl. Tatsächlich verstummte das Gekreische bald wieder. Wendys Murmeln schien seine Wirkung nicht zu verfehlen, und der kleine Leon beruhigte sich zumindest vorläufig wieder. »Ich fühle mich so hilflos wie noch nie zuvor in meinem Leben«, klagte Teresa ihrem Bekannten ihr Leid. »Manchmal würde ich Leon am liebsten zu seinem Vater zurückschicken. Besonders, wenn er sich so aufführt. Dabei kann der Kleine eigentlich gar nichts dafür.«
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Buchvorschau
Was wollen Sie, Dr. Lammers? - Patricia Vandenberg
Dr. Norden Bestseller
– 381 –
Was wollen Sie, Dr. Lammers?
Patricia Vandenberg
»Nein! Ich will das blöde Auto nicht!«, kreischte eine Stimme, gefolgt von einem Rumpeln, das nichts Gutes verhieß. »Ich will nicht hierbleiben. Ich will zu meinem Papa!«
Die Anästhesistin Teresa Becker, die Dr. Daniel Norden am Schreibtisch gegenüber saß, zuckte zusammen und machte Anstalten aufzustehen.
Mit sanfter Gewalt hielt Daniel seine Kollegin davon ab.
»Ruhig Blut. Wendy und Janine sind beide nicht aus Zucker. Sie werden deinen kleinen Löwen schon bändigen«, beruhigte er die alleinerziehende Mutter.
Teresa seufzte und sank zurück auf den Stuhl. Tatsächlich verstummte das Gekreische bald wieder. Wendys Murmeln schien seine Wirkung nicht zu verfehlen, und der kleine Leon beruhigte sich zumindest vorläufig wieder.
»Ich fühle mich so hilflos wie noch nie zuvor in meinem Leben«, klagte Teresa ihrem Bekannten ihr Leid. »Manchmal würde ich Leon am liebsten zu seinem Vater zurückschicken. Besonders, wenn er sich so aufführt. Dabei kann der Kleine eigentlich gar nichts dafür.«
»War er schon immer so bockig?«, erkundigte sich Dr. Norden.
Teresa schüttelte den Kopf.
»Erst seitdem ich seinen Vater verlassen und Leons kleines Leben damit auf den Kopf gestellt habe. Er versteht ja noch nicht mal, warum ich das getan habe. Dazu ist er noch viel zu klein.«
Daniel saß ihr gegenüber und musterte sie voller Mitgefühl. Er wusste, dass die Kollegin keine einfache Zeit hinter sich hatte. Ihre Trennung war anders verlaufen als die anderer Paare. Ihr Mann, ein angesehener Schönheitschirurg in einer anderen Stadt, hatte seine Frau tyrannisiert und schikaniert, bis sie es nicht mehr ausgehalten und Daniel um Hilfe gebeten hatte. Seiner Unterstützung war es zu verdanken, dass Teresa nicht nur eine neue Stelle als Anästhesistin an der Behnisch-Klinik, sondern auch eine kleine Wohnung bekommen hatte, in der sie mit Leon untertauchen konnte.
»Bestimmt ist es sehr schwer für ihn zu verstehen, warum er von heute auf morgen auf den ganzen Luxus verzichten muss«, ahnte Daniel, wo der Hase im Pfeffer lag.
»Ich habe Axel immer angefleht, den Jungen nicht so zu verwöhnen. Aber er wollte nicht auf mich hören«, seufzte Teresa und klemmte sich eine Haarsträhne, widerspenstig wie Golddraht, hinters Ohr. »Er hat ihm jeden Wunsch von den Augen abgelesen. Durch meine Schuld – so sieht es Leon – ist der kleine Thronfolger über Nacht zum Betteljungen geworden. Dementsprechend wütend ist er auf mich.«
»Der Anfang ist sicherlich nicht leicht«, erwiderte Daniel Norden. »Aber in der Regel finden sich Kinder schnell mit veränderten Bedingungen zurecht. Zumal die Stimmung zwischen euch beiden eine ganz andere sein wird. Jetzt, nachdem die Anspannung und die ständige Angst, unter der du gelitten hast, endlich weg sind«, gab er zu bedenken.
Teresa lächelte.
»Du hast mit Sicherheit recht, und ich darf nicht zu ungeduldig mit Leon sein«, zeigte sie sich einsichtig. Als draußen wieder ein spitzer Schrei ertönte, stand sie aber endgültig auf. »Trotzdem werde ich jetzt mal lieber gehen.« Sie blickte auf die Flasche Rotwein, die sie Daniel Norden als kleines Dankeschön überreicht hatte. »Ich hoffe, er genügt halbwegs deinen Ansprüchen. Es ist schon ewig her, dass ich in Ruhe ein Glas Wein trinken konnte, und ich musste mich ganz auf den Rat des Verkäufers verlassen.«
Auch Daniel war aufgestanden und begleitete Teresa Becker zur Tür.
»Ich schlage vor, wir überzeugen uns gemeinsam vom Knowhow deines Beraters. Im Augenblick ist es ein bisschen schwierig, weil unsere Tochter Dési in der Klinik ist, aber auch für uns werden wieder ruhigere Zeiten kommen«.
»Du liebe Zeit, das habe ich völlig vergessen!«, entfuhr es Teresa. »Wie geht es ihr denn?«
Auf Dési angesprochen, überhörte Daniel sogar Leons Kreischen, das sich abermals zu einem Crescendo erhoben hatte.
»Leider nicht so gut. Ihr Zustand wird immer mysteriöser«, berichtete er, und seine Augenbrauen hatten sich zusammengeschoben. »Angefangen hat alles mit dem Pfeifferschen Drüsenfieber, zu dem sich eine bakterielle Mittelohrentzündung gesellt hat«, berichtete er in Kurzform von den Ereignissen der vergangenen Tage. »Inzwischen hat sich die Lage zugespitzt. Zum Beispiel hat sie jetzt Probleme, mit dem Zeigefinger die Nasenspitze zu treffen.«
Teresa stand an der Tür, die Hand auf der Klinke, und hörte ihrem Kollegen aufmerksam zu. Das war das Mindeste, was sie ihm schuldig war.
»Das könnte auf Probleme mit dem Kleinhirn hinweisen«, mutmaßte sie.
Dr. Norden musste ihr recht geben.
»Auch beim Versuch, den Fingerbewegungen des Kollegen zu folgen, fallen Unregelmäßigkeiten auf«, fuhr er fort. »Deshalb wird heute eine Computertomographie gemacht.«
»Ich trete heute Nachmittag meinen Dienst an. Dann besuche ich deine Tochter und versuche, sie ein bisschen aufzuheitern«, versprach Teresa und verabschiedete sich dann wirklich, ehe Leon eine Stimmbandoperation brauchte.
Daniel Norden sah der Kollegin nach und war froh, als das Geschrei gleich darauf verstummte. Angesichts von Désis Gesundheitszustand waren seine Nerven auch so schon angespannt genug, als dass er Belastungen dieser Art ohne Weiteres wegstecken konnte.
*
»Können Sie mir mal erklären, wie Sie die zusätzliche Belastung als Chefin der Pädiatrie stemmen wollen, wenn Sie jetzt schon völlig aus dem Häuschen sind?« Volker Lammers stand im Büro seiner Kollegin Dr. Felicitas Norden. Er kniff die Augen zusammen und wirkte dadurch noch mürrischer als sonst. »Geben Sie doch zu, dass Sie außer Ihrem Kind nichts anderes mehr im Kopf haben.«
»Meine Tochter ist hier in den besten Händen. Wenn ich davon nicht überzeugt wäre, hätte ich in der Tat ein großes Problem.« Fees Stimme war energisch. »So aber beschränken sich meine Schwierigkeiten darauf, dass Sie mich mit Ihren Unterstellungen ständig von der Arbeit abhalten«, konterte sie und lehnte sich im Stuhl zurück, um Lammers‘ Blick zu erwidern. »Könnten wir unsere Zusammenarbeit nicht etwas konstruktiver gestalten?«
Diesmal entschied sie das Duell für sich, und der Kollege senkte den Blick.
»An mir soll’s nicht liegen«, gab er zurück und machte Anstalten zu gehen.
Erleichtert beugte sich Fee wieder über den Stapel Papier auf ihrem Schreibtisch, als Dr. Lammers an der Tür noch einmal stehenblieb.
»Ab wann ist die Chefin eigentlich im Urlaub?«, stellte er eine Frage, deren Antwort er längst kannte.
Nur mit Mühe konnte Felicitas ein Seufzen unterdrücken.
»Eigentlich ist sie schon weg. Aber Sie wissen vielleicht, wie das ist. Kurz vor knapp fallen einem immer noch ein paar Sachen ein, die unbedingt erledigt werden müssen. Deshalb ist Jenny … ich meine, Frau Dr. Behnisch, noch im Haus.«
»Lassen Sie nur!« Fees Versprecher war Wasser auf die Mühlen des eifersüchtigen Kollegen. »Mir ist längst klar, welche Vetternwirtschaft hier betrieben wird. Ihr Bruder, der die Klinikleitung übernimmt, wenn die Chefin nicht anwesend ist. Sie, die ihn als Chefin der Pädiatrie vertreten, obwohl Sie noch nicht mal die nötigen Qualifikationen besitzen … Das schreit doch zum Himmel.«
Fee verdrehte die Augen. Sie wusste
